DE18647C - Neuerungen im Verfahren zur Darstellung stickstoffhaltigen Düngmehls aus stickstoffhaltigen Abfallstoffen aller Art - Google Patents

Neuerungen im Verfahren zur Darstellung stickstoffhaltigen Düngmehls aus stickstoffhaltigen Abfallstoffen aller Art

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DE18647C
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TH. RICHTERS in Breslau
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Description

KAISERLICHES
PATENTAMT.
PATENTSCHRIFT
KLASSE 16: Düngerbereitung.
TH. RICHTERS in BRESLAU.
Abfallstoffen aller Art.
Fatentirt im Deutschen Reiche vom 29. Januar 1882 ab.
Das bisher bekannte und angewendete Verfahren zur Darstellung von stickstoffhaltigem Düngermehl aus stickstoffhaltigen Abfällen, wie Horn, Leder, altes Schuhwerk, Wolle, Haare, Federn, Filz, Pelzabfälle u. s. w., erforderte durch die dabei stattfindende Verwendung von hochgespannten und überhitzten Dämpfen, abgesehen von der Gefährlichkeit der Verwendung geschlossener Gefäfse bei diesem Procefs, sehr complicirte und theuere Erhitzungsapparate.
Ferner konnte bei dem bisherigen Verfahren, also bei der combinirten Verwendung von Wasserdampf und Schwefelsäure, kein durchaus trockenes, mahlbares Product erhalten werden, da bei dieser beiderseitigen Verwendung immer Verbindungen entstehen, welche die Eigenschaft haben, Feuchtigkeit aus der Luft anzuziehen.
Es ist nun gefunden worden, dafs an Stelle dieser nassen und bis zu 400 ° gesteigerten Hitze auch eine trockene, geringere Hitze, wie sie auf jeder gewöhnlichen Darre bezw. jedem Backofen erzielt werden kann, das Zerstören der Structur der Abfälle herbeiführt.
Durch die Einwirkung trockener, gelinder Wärme auf die mit der Schwefelsäure imprägnirten Lederabfälle wird nicht nur der Procefs, wie oben angeführt, bedeutend einfacher, und es wird nicht nur der beabsichtigte Zweck, ein trockenes, mahlfähiges Product aus den Abfällen zu erhalten, in durchaus vollkommener Weise erreicht (welches bei dem alten Verfahren nicht der Fall war), sondern es ist auch vor allem dem Verbrennen der Abfälle, das bei den angewendeten hohen Temperaturen so leicht bei Gegenwart von Sauerstoff eintrat, vorgebeugt.
Das neue Verfahren stellt sich im wesentlichen als aus zwei Theilprocessen bestehend dar, deren gemeinsames Merkmal die Verwendung trockener, gelinder Wärme unter Luftzutritt ist. Der erste Theilprocefs besteht in der Erwärmung und Trocknung der mit verdünnter Schwefelsäure getränkten Abfallstoffe bis zu der geringen Temperatur von ioo° in einer gewöhnlichen Darre, wodurch die Concentration der verdünnten Schwefelsäure in den Abfällen und das Trocknen der letzteren bewirkt wird. Der zweite Theilprocefs besteht in der weiteren trockenen Erhitzung der trockenen, jetzt mit concentrirter Schwefelsäure imprägnirten Abfallstoffe bis höchstens zu 2500 unter Luftzutritt, wodurch die volle Zerstörung der Structurverhältnisse erfolgt.
Das Verfahren wird in der Praxis folgendermafsen ausgeführt:
Stickstoffhaltige Substanzen aller Art, als Horn, Leder, Lederabfälle, altes Schuhwerk, Wolle, Haare, Federn, Filz, Pelzabfälle u. s. w., werden in ein Bad von verdünnter Schwefelsäure gebracht. Die Concentration der Schwefelsäure richtet sich nach der Natur und Aufsaugefähigkeit des Rohmaterials und kann zwischen 1 und 150B. schwanken. Die mit verdünnter Schwefelsäure imprägnirten Rohmaterialien werden darauf bei einer niedrigen Temperatur, welche ioo° nicht erreicht, unter Luftzutritt getrocknet. Durch das Trocknen wird die in dem Roh-
material befindliche Schwefelsäure concentrirt. Am geeignetsten haben sich für diesen Zweck Darren erwiesen, welche zum Trocknen der Cichorien- und Rübenschnitzel verwendet werden.
Das getrocknete, jetzt mit concentrirter Schwefelsäure imprägnirte Rohmaterial wird darauf in einen Raum gebracht, welchen man auf eine Temperatur von von nicht über 250° erhitzt. Periodisch oder continuirlich arbeitende Backöfen sind zweckentsprechend. Das Rohmaterial bleibt eine gewisse Zeit, die nach der Natur desselben zwischen einer und vier Stunden schwanken kann, in dem erhitzten Raum (Backofen). Nach Ablauf dieser Zeit hat die concentrirte Schwefelsäure zersetzend und verändernd auf die Structurverhältnisse eingewirkt, so dafs ein Zerkleinern (Mahlen) der Materialien leicht ausführbar ist.
Nach dem Erkalten werden die stickstoffhaltigen Substanzen durch Mahlen in ein feines Mehl verwandelt.

Claims (1)

  1. PATENT-Anspruch:
    Beim Verfahren zur Darstellung stickstoffhaltigen Düngermehls aus stickstoffhaltigen Abfällen das trockene, gelinde Erwärmen der mit verdünnter Schwefelsäure getränkten Abfallstoffe in zwei Hitzperioden unter Luftzutritt derart, dafs zuerst durch Erhitzen bis ioo° eine Concentrirung der Schwefelsäure in der Substanz und durch weiteres Erhitzen bis 2500 (im Maximum) eine völlige Trocknung und Zerstörung der Structurverhältnisse der Abfallstofife bewirkt wird, ohne dafs eine Verbrennung infolge der angewendeten niedrigen Temperaturen und der Anwesenheit der Schwefelsäure eintreten kann.
DENDAT18647D Neuerungen im Verfahren zur Darstellung stickstoffhaltigen Düngmehls aus stickstoffhaltigen Abfallstoffen aller Art Expired DE18647C (de)

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