DE19507584A1 - Strahlenchemisch modifizierte Silikonkompositmembran für die Ultrafiltration - Google Patents
Strahlenchemisch modifizierte Silikonkompositmembran für die UltrafiltrationInfo
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Description
Die Erfindung betrifft eine Silikonmembran, insbesondere
eine Silikonkompositmembran, zur Abtrennung von nieder
molekularen Verbindungen aus organischen Lösungsmitteln.
Die Abtrennung niedermolekularer Verbindungen aus
organischen Lösungsmitteln erfolgt im technischen
Maßstab üblicherweise mittels thermischer Verfahren,
beispielsweise der Rektifikation/Destillation, Evapora
tion und Extraktion. Diese thermischen Trennverfahren
machen jedoch einen hohen Energieeinsatz erforderlich.
Bei temperaturempfindlichen Systemen, wie man sie
beispielsweise in der Lebensmittelindustrie, in der
Biotechnologie und der Medizintechnik vorfindet, sind
jedoch Verfahren erwünscht, die bei Umgebungstemperatur
oder geringfügig höheren Temperaturen einsetzbar sind.
In diesem Zusammenhang ist auch die Vakuumdestillation
von großem Interesse. Die Vakuumdestillation macht
jedoch einen hohen Aufwand an sicherheitstechnischen
Maßnahmen erforderlich und ist daher kostenintensiv.
Es besteht somit ein Bedürfnis nach Trennverfahren, die
bei Umgebungstemperatur durchführbar sind, um bei
spielsweise Denaturierungen von Komponenten der zu
trennenden Systeme im Verlaufe des Verfahrens zu ver
meiden.
In dieser Hinsicht sind Membrantrennverfahren von
Interesse. Derartige Verfahren haben jedoch den Nach
teil, daß die bisher bekannten Membranen in organischen
Lösungsmitteln nur äußerst begrenzt eingesetzt werden
können. Es ist nämlich die chemische Stabilität der
eingesetzten Membranen in organischen Lösungsmitteln,
wie Toluol, n-Hexan und Isooctan im allgemeinen nicht
gegeben.
- S.S. Köseeoglu und G.HJ. Guzman beschreiben in "Applica tions of Reverse Osmosis Technology in the Food Industry" verschiedene Membranen, die zur Extraktion eingesetzt werden. Es handelt sich dabei um Membranen, die in n-Hexan, Ethanol und Isopropanol zur Anwendung gebracht werden. Die dort beschriebenen Membranen verfügen jedoch entweder über zu geringe Stoffströme und/oder erfüllen hinsichtlich des Cut-Off′s nicht die an sie gestellten Anforderungen.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, eine
Membran bereitzustellen, die niedermolekulare Verbin
dungen mit mittleren molaren Massen, insbesondere
zwischen 300 und 2000 g/Mol aus organischen
Lösungsmitteln, beispielsweise n-Hexan, Toluol, Iso
octan, Methanol und Ethanol, abtrennen kann.
Gelöst wird diese Aufgabe durch eine Membran gemäß der
Lehre des Anspruches 1.
Erfindungsgemäß werden erstmals Silikonmembranen zur
Abtrennung von niedermolekularen Verbindung aus orga
nischen Lösungsmitteln eingesetzt. Dabei handelt es sich
insbesondere um Silikonkompositmembranen. Die Erfindung
wird daher nachfolgend unter Bezug auf diese Komposit
membranen näher erläutert.
Erfindungsgemäß können alle per se bekannten Silikonkom
positmembranen zur Anwendung gebracht werden. Es kann
sich dabei um modifizierte Silikone auf mikroporösen
Trägermembranen (Polyvinylidenfluorid (PVDF), Polyacryl
nitril (PAN), Polypropylen (PP), Polyethylen (PE),
Polyetheretherketon (PEEK), Polyethersulfon (PES) und
andere lösungsmittelstabile Polymere) handeln.
Derartige Silikonkompositmembranen sind jedoch in vielen
organischen Lösungsmitteln nicht hinreichend stabil, da
der Silikongummi sehr stark quillt. Durch die Bestrah
lung des Silikonkompositsystems werden jedoch chemisch
stabile Membranen erzielt, die hinsichtlich ihrer
Permeations- und Trenndaten konkurrenzfähig sind, worauf
in den Beispielen noch eingegangen wird. Als folge der
Bestrahlung finden signifikante Nachvernetzungen der
Silikontrennschicht statt, welche die erwähnte Lösungs
mittelresistenz der Membranen gewährleisten. Zudem wird
durch diese Bestrahlung die Quellfähigkeit des Membran
materials reduziert und durch Pfropfstellen in der
Grenzschicht zur mikroporösen Trägerschicht die Haftung
verbessert.
Erfindungsgemäß werden somit preisgünstige Membranen mit
geeigneten Leistungsparametern und hinreichender Stabi
lität zur Verfügung gestellt, um in Membrantrennverfah
ren eingesetzt werden zu können.
Nach einer erfindungsgemäßen Ausführungsform bestrahlt
man die erfindungsgemäßen Membranen mit Strahlen niede
rer Energie, insbesondere Elektronenstrahlen. Auf diese
Weise erreicht man bei geringen Bestrahlungszeiten eine
hohe Produktivität.
Weiterhin setzt man vorzugsweise einen Niedrigenergie
beschleuniger, insbesondere vom Typ LEA 1 (Low Energy
Accelerator) ein. Die dabei verwendete Elektronenbe
schleunigertechnik gestattet infolge geringer Strahlen
schutzaufwendungen eine problemlose Integration in die
Gesamttechnologie. Somit ist die Membranbestrahlung
sofort nach der eigentlichen Membranfertigung möglich.
Allerdings ist es auch möglich, die Herstellung der per
se bekannten Membran zeitlich und räumlich von der
Bestrahlung zu trennen.
Weiterhin bevorzugt bestrahlt man zur Herstellung der
erfindungsgemäßen Membranen mit einer geringen Strahlen
dosis von 10 kGy bis 150 kGy. Selbst bei einer Bestrah
lung mit einer Dosis ab 10 kGy sind signifikante Stei
gerungen der Rückhaltungen der bestrahlten Membranen
möglich. Gleichzeitig findet man nur unbedeutend gesun
kene Stoffströme.
Ferner ist es möglich, bei geringen Strahlendosen bis zu
maximal 150 kGy Membranbestrahlungen aus der Luftatmo
sphäre heraus durchzuführen. Derartige Vorgehensweisen
sind von großem Interesse, da dabei beispielsweise
kostenintensive Inertisierungsprozesse mit Stickstoff
entfallen.
Durch Variation von Trennschichtdicke und Bestrahlungs
dosis sind die Trenn- und Permeationseigenschaften der
erfindungsgemäßen Membranen gezielt beeinflußbar. Zudem
ist es bei Verwendung eines Niedrigenergiebeschleunigers
möglich, durch die Wahl der Bestrahlungsparameter die
Tiefendosisverteilung in gewissen Grenzen an die Schicht
dicke der zu modifizierenden Schicht bzw. eigentlichen
Trennschicht anzupassen. Damit besteht die Möglichkeit,
Beeinträchtigungen der Stützschicht durch strahlenche
mischen Abbau in Grenzen zu halten. Ein derartiger
Niedrigenergiebeschleuniger kann ohne aufwendige biolo
gische Abschirmung in einer Fertigungslinie integriert
werden.
Erfindungsgemäß wird somit eine Silikonmembran bzw.
Silikonkompositmembran zur Verfügung gestellt, die
strahlenchemisch modifiziert wurde und für die Ultra
filtration eingesetzt werden kann. Die strahlenchemische
Nachvernetzung kann dabei in einem einzigen und ein
fachen hochproduktiven Prozeßschritt ohne chemische
Zusätze oder Abfallprodukte sowie bei Raumtemperatur und
ohne Sauerstoffausschluß erfolgen. Durch die strahlen
chemische Nachvernetzung wird den Membranen eine Lö
sungsmittelstabilität verliehen, die durch konventio
nelle chemisch-thermische Vernetzungsprozesse nicht
erreicht werden kann.
Die Erfindung wird anhand der folgenden, bevorzugte
Ausführungsformen beschreibenden Beispiele näher erläu
tert. Dabei erfolgten sämtliche Bestrahlungen mittels
eines Niedrigenergiebeschleunigers vom Typ LEA (Low
Energy Accelerator). Die Bestrahlungseinrichtung ist im
Institut für Oberflächenmodifizierung Leipzig e.V.
verfügbar.
Es wurde eine unmodifizierte Silikonkompositmembran ein
gesetzt, die auf einen mikroporösen Polyvinylidenfluo
rid-Träger beschichtet wurde. Diese Membran besaß eine
Silikonschichtdicke von ca. 8 µm (PVDF/PDMS (8 µm)).
Diese Membran wies bei der Abtrennung von 10 Vol.-%
Maiskeimöl aus n-Hexan Rückhaltungen von rund von 66%.
Zudem betrug der Stoffstrom ca. 3,7 l/m² h bar auf.
Diese Membran wurde dann mit 69 kGy sowohl unter Stick
stoffatmosphäre als auch aus der Luftatmosphäre heraus
bestrahlt. Die bestrahlten Membranen erreichten bei der
Abtrennung des Maiskeimöls aus dem n-Hexan eine Rück
haltung von ca. 90% bei einem Stoffstrom von rund 3
l/m² h bar. Dies zeigt unter anderem, daß der Einfluß
des Luftsauerstoffes bei der Bestrahlung aus der Luft
atmosphäre heraus bei den zur Anwendung gebrachten Dosen
nur eine unbedeutende Rolle spielt.
Es wurden unmodifizierte PVDF/PDMS (8 µm)-Membranen zur
Abtrennung von 1 g/l Polyethylenglykol 1500 aus Toluol
eingesetzt. Dabei erfolgte eine irreversible Zerstörung
dieser unmodifizierten Membranen.
Derartige Membranen wurden mit 69 kGy unter Stickstoff
atmosphäre bestrahlt. Danach waren sie in Toluol resi
stent. Der Wert für die Rückhaltung betrug 92% bei
einem Stoffstrom von 3 l/m² h bar.
PVDF/PDMS (12 µm)-Membranen wurden mit 100 kGy aus der
Luftatmosphäre heraus bestrahlt. Diese bestrahlten
Membranen besaßen bei der Abtrennung niedermolekularer
Verbindungen aus Toluol einen Cut-Off von ca. 800 g/Mol.
Der Stoffstrom betrug in diesem Fall etwa 2,70 l/m²h
bar. Dies zeigt, daß auch in diesem Fall aufwendige
Stickstoffinertisierungen nicht erforderlich sind.
Es wurden PVDF/PDMS (1,5 µm)-Membranen mit 69 kGy
bestrahlt. Beim Einsatz dieser bestrahlten Membranen zur
Abtrennung von 1 g/l Polyethylenglykol 1500 aus Ethanol
wurden Rückhaltungen von 96% bei einem Stoffstrom von
1,2 l/m²h bar erreicht. Ähnliche Werte wurden beim
Einsatz der bestrahlten Membranen in Methanol erzielt.
Es wurden Membranen aus PVDF/PDMS (8 µm)-Kompositsyste
men verwendet, die mit 69 kGy aus der Luftatmosphäre
heraus bestrahlt wurden.
Beim Einsatz dieser bestrahlten Membranen zur Abtrennung
von 10 Vol.-% Maiskeimöl aus Isooctan betrug die Rück
haltung 90% bei einem Stoffstrom von ca. 3 l/m² h bar.
Ähnliche Ergebnisse wurden für derartige Membranen
erhalten, die nach einer vorherigen Inertisierung mit
Stickstoff bestrahlt wurden.
Claims (7)
1. Silikonmembran, insbesondere Silikonkompositmembran,
zur Abtrennung von niedermolekularen Verbindungen aus
organischen Lösungsmitteln dadurch erhältlich, daß man
eine per se bekannte Silikonmembran, insbesondere
Silikonkompositmembran, bestrahlt.
2. Silikonmembran nach Anspruch 1, dadurch erhältlich,
daß man mit Strahlen niederer Energie, insbesondere
Elektronenstrahlen bestrahlt.
3. Silikonmembran nach Anspruch 2, dadurch erhältlich,
daß man mit Hilfe eines Niedrigenergiebeschleunigers
bestrahlt.
4. Silikonmembran nach einem der vorhergehenden Ansprü
che, dadurch erhältlich, daß man mit einer Strahlendosis
von 10 bis 150 kGy bestrahlt.
5. Silikonmembran nach einem der vorhergehenden Ansprü
che, dadurch erhältlich, daß man aus der Luftatmosphäre
heraus bestrahlt.
6. Silikonmembran nach einem der vorhergehenden Ansprü
che, dadurch erhältlich, daß man die per se bekannte
Silikonmembran unmittelbar nach ihrer Herstellung
bestrahlt.
7. Verwendung einer Silikonmembran, insbesondere Sili
konkompositmembran, nach einem der vorhergehenden
Ansprüche zur Abtrennung von niedermolekularen Verbin
dungen aus organischen Lösungsmitteln.
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