DE19528348C1 - Geschoß zum Vorgehen gegen lebende Ziele ohne letales Risiko für diese - Google Patents
Geschoß zum Vorgehen gegen lebende Ziele ohne letales Risiko für dieseInfo
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Description
Die Erfindung geht aus von einem Geschoß der im Oberbegriff des Anspruches
1 angegebenen und u. a. durch die deutsche Gebrauchsmusterschrift Nr. 71 19 938
sowie die US-Patentschrift Nr. 3 952 662 bekanntgewordenen Art.
Geschoßausführungen, wie sie in den zitierten Druckschriften offenbart sind,
haben eines gemeinsam. Angesprochen ist hiermit deren nennenswerte radiale
Ausdehnung unmittelbar nach dem Geschoßaustritt aus der Mündung der be
nutzten Abschußvorrichtung. Damit es dazu kommt, werden im Fall der Ge
brauchsmusterschrift Zentrifugalkräfte an einer verformbaren Masse wirksam,
und zwar an einer solchen in Gestalt eines Beutels oder Sackes aus Gewebe, der
mit verhältnismäßig kleinen festen Teilchen gefüllt ist. Demselben Zweck die
nen im Falle der Patentschrift über den Geschoßumfang verteilte, elastische
Spreizarme.
Was bei den vorbeschriebenen Geschoßexemplaren als nachteilig empfunden
wird, ist deren von Anfang an großer bzw. sofort nach erfolgtem Geschoßaustritt
aus der Rohrmündung schlagartig zunehmender, aerodynamischer Widerstand.
Aufgrund dessen lassen sie nämlich bei vergleichsweise großen Zielentfer
nungen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit zu wünschen übrig.
Aufgabe vorliegender Erfindung ist es daher, ein einfach aufgebautes Geschoß
in Rede stehender Gattung zu entwickeln, mit dem über kurze, mittlere und
große Entfernungen hinweg gleich wirksam gegen lebende Ziele vorgegangen
werden kann, ohne daß diese jeweils Gefahr laufen, tödlich verletzt zu werden.
Gemäß der Erfindung ist diese Aufgabe gelöst durch das im Anspruch 1 gekenn
zeichnete Geschoß. In den Unteransprüchen sind vorteilhafte Ausgestaltungen
der Erfindung wiedergegeben.
Das erfindungsgemäße Geschoß eignet sich bestens für Einsatzfälle, wo es gilt,
gegen lebende Ziele ohne jedwedes Todesrisiko für dieselben vorzugehen. Dabei
zeichnet es sich durch eine besonders große Wirkungsbreite aus, und zwar auf
grund einer bei jeder Zielentfernung gewährleisteten, großflächigen Übertragung
einer dosierbaren kinetischen Energie vom Geschoß auf die jeweilige Ziel
person. Dieser Vorteil ist zurückzuführen auf das spezielle Zusammenspiel so
einfacher, für sich gesehen auf dem Markt vorhandener Baukomponenten, wie
aufblasbares Kissen, Druckquelle zum Füllen desselben und Abstandssensor.
Wird das zusammengefaltete Kissen mit der zugehörigen Kartusche oder der
gleichen Druckgasquelle beispielsweise aus einem für Signalraketen gebräuch
lichen Handwerfer verschossen, ist es der Abstandssensor, welcher die Entfer
nung zum jeweils anvisierten Aufschlagpunkt bestimmt und im geeigneten Ab
stand zu letzterem dafür sorgt, daß sich das Kissen entfaltet.
Bis es soweit ist, hat das betreffende Geschoß mit seiner über die Abschußvor
richtung steuerbaren maximalen Reichweite einen geringen aerodynamischen
Widerstand. Mit dem Vorgang des Kissenaufblasens nimmt letzterer sodann in
einem Ausmaß zu, daß in sehr kurzer Zeit (Größenordnung 0,01 bis 0,1 s) ein
Absinken der Geschoßgeschwindigkeit auf Null zu verzeichnen ist. Es besteht
also die interessante Möglichkeit, über die Zeitdifferenz zwischen der Kissenent
faltung und dem Auftreffen des entfalteten Kissens aufs Ziel Einfluß auf die ki
netische Energie des Geschosses zu nehmen.
Die Geschwindigkeit, mit welcher das Kissen aufgeblasen wird, ist in Ausgestal
tung der Erfindung ein weiterer einstellbarer Parameter. Mit ihr läßt sich über
das Volumen des Kissens dessen aerodynamischer Widerstand und damit die
zeitliche Charakteristik der Geschoßgeschwindigkeit steuern. Findet das Auf
blasen des Kissens sehr nahe an der zu treffenden Person statt, kann durch den
Innendruckaufbau im Kissen ein zusätzlicher Impuls auf diese Person übertragen
werden.
Zur Variierungsmöglichkeit des Aufblasdruckes gemäß einem weiteren aus
gestaltenden Merkmal sei folgendes angemerkt: Ist besagter Druck hoch, das
Kissen also sehr prall gefüllt, erfolgt mit demselben ein vergleichsweise harter
Schlag im Ziel, der noch dazu auf eine relativ kleinere Zielfläche wirkt. Bei
geringerer Druckhöhe fällt solch ein Schlag dagegen weicher aus. Er verteilt sich
außerdem über eine größere Auftreff-Fläche und kann bei entsprechender ki
netischer Energie ebenfalls einen erheblichen Nachdruck übermitteln.
Bleibt noch darauf zu verweisen, daß die verschossenen, aufgeblasenen Kissen
bei polizeitaktischen Maßnahmen z. B. gegen eine gewalttätige Menschenmenge
für ein weiteres Vordrängen derselben hinderlich sind. Einem Aufschneiden die
ser Kissen kann durch eine entsprechende Materialwahl für dieselben und/oder
eine Beimischung von Reizgas zur Kissenfüllung entgegengewirkt werden.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand einer schematischen Zeichnung näher
erläutert. Es zeigen:
Fig. 1 in Form einer Prinzipskizze eine Ausführung des erfindungs
gemäßen Geschosses im Einsatzfall und
Fig. 2 ein Diagramm, das Aufschluß gibt darüber, wie sich eine Geschoß
ausführung gemäß Fig. 1 hinsichtlich Geschwindigkeitsabfall auf
dem Weg zum Ziel und Wirkungsbereich gegenüber Geschossen
bekannter Bauart verhält.
Fig. 1 zeigt einen Handwerfer 1, und zwar unmittelbar nach vollzogener Be
schleunigung eines Geschosses 2 in Pfeilrichtung 3 auf eine entfernt stehende
Person 4 hin.
Das Geschoß 2 weist im vorderen Bereich ein zusammengefaltetes, aufblasbares
Kissen 5 auf. Diesem ist zum Aufblasen beispielsweise eine Druckgas erzeugen
de Patrone 6 nachgeordnet. Außerdem nennt es noch einen Abstandssensor 7
sein eigen. Mit demselben wird in einem definierten Geschoßabstand 8 von der
Person 4 der Aufblasvorgang ausgelöst. Die Folge davon ist - wie bei 9 ersicht
lich - eine rasche Entfaltung des Kissens 5 durch einströmendes Druckgas 10.
In diesem Zusammenhang sei noch angemerkt, daß
Werfer wie der vorerwähnte u. a. für Signalraketen bereits existieren,
Kissen angesprochener Beschaffenheit in Verbindung mit Kartuschen zur Gaserzeugung, Anzündvorrichtungen hierfür und Füllmechanismen bei In sassenrückhaltesystemen für Personenkraftwagen übliche Komponenten darstellen und
Abstandssensoren ähnlicher Art bei konventionellen Geschossen oft Ver wendung finden.
Werfer wie der vorerwähnte u. a. für Signalraketen bereits existieren,
Kissen angesprochener Beschaffenheit in Verbindung mit Kartuschen zur Gaserzeugung, Anzündvorrichtungen hierfür und Füllmechanismen bei In sassenrückhaltesystemen für Personenkraftwagen übliche Komponenten darstellen und
Abstandssensoren ähnlicher Art bei konventionellen Geschossen oft Ver wendung finden.
Da dem so ist, läßt sich ein Geschoß mit den erfindungsgemäßen Merkmalen
kostensparend realisieren und zum Einsatz bringen.
Fig. 2 zeigt in einem rechtwinkligen Koordinatensystem mit der Entfernung
vom Abschußort 11 als Abszisse 12 und der anfänglichen Geschoßgeschwindig
keit als Ordinatenachse 13 Geschwindigkeitsverläufe eines Geschosses mit
durchgehend großem aerodynamischen Widerstand 14, eines Geschosses mit
durchgehend kleinem aerodynamischen Widerstand 15 und eines erfindungs
gemäßen Geschosses 16 mit steuerbarem Entfaltungszeitpunkt 17. Desweiteren
sind kenntlich gemacht
ein Bereich 18 zu geringer Wirkung zwischen Abszisse 12 und einer in einem Abstand 19 parallel hierzu verlaufenden Geraden 20,
ein Bereich 21 nicht tödlicher Wirkung zwischen der Geraden 20 und einer in einem Abstand 22 parallel zur Abszisse 12 verlaufenden Geraden 23 und
ein Bereich 24 tödlicher Wirkung jenseits der Geraden 23.
ein Bereich 18 zu geringer Wirkung zwischen Abszisse 12 und einer in einem Abstand 19 parallel hierzu verlaufenden Geraden 20,
ein Bereich 21 nicht tödlicher Wirkung zwischen der Geraden 20 und einer in einem Abstand 22 parallel zur Abszisse 12 verlaufenden Geraden 23 und
ein Bereich 24 tödlicher Wirkung jenseits der Geraden 23.
Die Definition der verschiedenen Wirkungsbereiche 18, 21 und 24 hängt ab von
Masse, Geschwindigkeit und Geometrie des jeweiligen Geschosses. Dessen
aerodynamischem Widerstand ist der zu verzeichnende Geschwindigkeitsabfall
proportional. Im Fall des erfindungsgemäßen Geschosses läßt sich letzterer
durch die Aufblasgröße steuern, während auf die Zielwirksamkeit desselben
über den Prallheitsgrad Einfluß genommen werden kann. Mit der aufgezeigten
Möglichkeit einer Zusammensetzung zweier Flugbahnstrecken verschiedenen
Geschwindigkeitenabfalls und der beliebigen Wahl des Übergangszeitpunktes
von der einen zur anderen Flugbahnstrecke sind beim erfindungsgemäßen
Geschoß die Voraussetzungen geschaffen für eine erhebliche Vergrößerung von
Wirkungsbereich und Wirkungsintensität.
Claims (5)
1. Geschoß, insbesondere für Handfeuerwaffen, zum Vorgehen
gegen lebende Ziele, wie gewalttätige Personen bei Demonstrationen, ohne le
tales Risiko, gekennzeichnet durch einen aufblasbaren Körper (5) im vorderen
Geschoßbereich, eine Druckgasquelle (6) zum Aufblasen des Körpers (5) und
einen Abstandssensor (7) zum Auslösen des Aufblasvorganges in Abhängigkeit
vom Zielabstand (8).
2. Geschoß nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die
Druckgasquelle eine kartuschierte, gaserzeugende Ladung (6) ist.
3. Geschoß nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß
der Zielabstand (8) für das Auslösen des Aufblasvorganges beim Körper (5)
variierbar ist.
4. Geschoß nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, daß beim Aufblasen des Körpers (5) dessen Füllge
schwindigkeit variierbar ist.
5. Geschoß nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, daß beim Aufblasen des Körpers (5) dessen
Fülldruck variierbar ist.
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| CZ27298A3 (cs) | 1999-06-16 |
| NO980413D0 (no) | 1998-01-30 |
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