DE19620962C2 - Drehgestell - Google Patents
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Description
Die Erfindung bezieht sich auf ein Drehgestell gemäß dem Oberbegriff des ersten
Anspruchs.
Bei einem bekannten Drehgestell dieser Art (DE-Z: ZEV + DET Glas. Ann 114 (1990) Nr.
11/12 November/Dezember, Seiten 539 bis 546), wie es im öffentlichen Nahverkehr
bei einer Niederflur-Straßenbahn benutzt wird, ist ein Drehgestellrahmen vorgesehen,
der zwei in Fahrzeuglängsrichtung weisende Langträger und wenigstens einen dieselben
verbindenden Querträger aufweist. Auf dem Drehgestellrahmen sind
Sekundärfederelemente festgesetzt, welche einen Wagenkastenaufbau tragen. Die
Endbereiche der Langträger stützen sich dagegen auf Primärfederelementen ab, welche
auf Radlagergehäusen aufsitzen. In den Radlagergehäusen ist jeweils ein Schienenrad
drehbar gelagert, wobei zwei achsengleich angeordnete Räder einen Radsatz bilden.
Der in Fahrtrichtung vorlaufende Radsatz weist dabei freilaufende Losräder auf,
während den Rädern des in Fahrtrichtung nachlaufenden Radsatzes je ein Getriebe
zugeordnet ist. Die Kupplung dieser Getriebe erfolgt schlupflos über eine Torsionswelle,
die unterhalb einer die Radlager aufnehmenden Ebene liegt und die mit einem
Antriebsmotor gekuppelt ist. Die Sicherung der Getriebekästen gegen die im Betrieb
darauf einwirkenden Kräfte erfolgt mittels je einer Drehmomentstütze, die einerseits am
Getriebegehäuse und andererseits an den zugehörigen Enden der Langträger angelenkt
sind.
Aufgabe der Erfindung ist es, bei einem Drehgestell gemäß dem Oberbegriff des ersten
Anspruchs Maßnahmen zu treffen, durch welche die Entgleisungssicherheit verbessert
wird.
Die Lösung dieser Aufgabe erfolgt gemäß der Erfindung durch die Merkmale des ersten
Anspruchs. Vorteilhafte Weiterbildungen des Erfindungsgegenstandes sind den
Unteransprüchen zu entnehmen.
Bei einer Ausgestaltung eines Drehgestells gemäß der Erfindung erfolgt ein Verwinden
des Drehgestellrahmens bei einer Bogenfahrt in der Weise, daß das äußere Rad des in
Fahrtrichtung vorlaufenden Radsatzes und das innere Rad des in Fahrtrichtung
nachlaufenden, angetriebenen Radsatzes zusätzlich durch Komponenten der an den
Getrieben wirkenden Kräfte belastet werden, also mit erhöhter vertikaler Belastung auf
den Schienen sitzen. Diese Räder üben bei einer Bogenfahrt jedoch die entscheidende
Führungsfunktion aus, so daß das als Entgleisungskriterium geltende Verhältnis aus der
insbesondere bei Bogenfahrt auftretenden Querkraft zu der durch die Radbelastung
gegebenen Vertikalkraft unter dem für Vollbahnfahrzeuge festgelegten Wert von 1, 2
bleibt. Die Vertikalkraftkomponente ist dabei auf die Radlast des vorn und außen
laufenden Schienenrades bezogen. Durch die Abstützung der Getriebekästen an einem
Punkt der Langträger im Bereich zwischen den Radsätzen wird demnach gerade am
kritischen Führungsrad des Drehgestells die angestrebte Radlasterhöhung bei
Kurvenfahrt erreicht. Es wird demnach gerade an dem vorn und außen laufenden Rad
eine zusätzliche Radbelastung bewirkt, die infolge der antimetrisch wirkenden
Längsschlupfkräfte zwischen Rad und Schiene bei Bogenfahrt erzeugt wird und die
diagonalsymmetrisch verteilt ist. Zusätzlich wird die Entgleisungssicherheit auch
dadurch erhöht, daß das bogeninnere vorlaufende Rad eine Entlastung erfährt. Dabei ist
die Führungskraft bzw. Querkraft am führenden Radsatz zu einem Anteil abhängig von
der Querreibung und damit von der Radlast des im Bogen innen laufenden Rades, die
durch die neue Anordnung gesenkt wird. Es ergibt sich dadurch eine kostengünstige
Lösung für einen entgleisungssicheren Betrieb insbesondere bei ungünstigen
Gleisbedingungen wie sie bei verschlissenen Schienen, steilen Gleisverwindungen und
dgl. gegeben sind. Zur Anordnung der Drehmomentstützen am Drehgestellrahmen ist
insbesondere der Abschnitt geeignet, der zwischen dem zugehörigen Rad und der Mitte
des Drehgestellrahmens liegt. Insbesondere können die Drehmomentstützen zwischen
dem zugehörigen Rad und dem nächstliegenden Sekundärfederelement am
Drehgestellrahmen angelenkt sein. Dabei ist es zweckmäßig, die Räder eines Radsatzes
jeweils in einem gemeinsamen Radführungsrahmen zu lagern, der die zugehörigen
Primärfederelemente trägt, welche andernends die Unterseiten der Langträger
untergreifen.
Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist nachfolgend anhand der Prinzipzeichnung
eines Drehgestells für einen Wagenkasten eines Schienenfahrzeugs näher erläutert.
Ein nicht näher dargestellter Wagenkasten sitzt mit seinem bei 1 angedeuteten Boden
auf gummielastischen Sekundärfederelementen 2, welche sich auf in Fahrtrichtung bzw.
in Längsrichtung des Wagenkastens 1 verlaufenden Langträgern 3 jeweils auf einem
abgesenkten mittleren Abschnitt 3.1 abstützen. Unter den gegenüber den mittleren
Abschnitten 3.1 nach oben abgekröpften Endabschnitten 3.2 der Langträger 3 ist je ein
Schienenrad 4, 5, 6 und 7 in Radlagern 8 drehbar gelagert. Die Radlager 8 je eines aus
den Rädern 4 und 5 bzw. 6 und 7 gebildeten Radsatzes sind in einem
Radführungsrahmen 9 bzw. 10 angeordnet. Die Radführungsrahmen 9 und 10 sind
jeweils an Schwingungslagern 11 gehalten, welche an Querträgern 12 des
Drehgestellrahmens 3 schwenkbar oder schwingungsfähig gelagert sind. Die Querträger
12 verbinden dabei die Langträger 3 im Bereich der abgesenkten mittleren Abschnitte
3.1. Die Radführungsrahmen 9 bzw. 10 stützen sich entfernt von den
Schwingungslagern 11 im Bereich jedes Rades 4 bis 7 auf jeweils zugeordneten
Primärfederelementen 13 ab, die andernends an den darüberragenden Endabschnitten
3.2 der Langträger 3 angreifen. Die Radlager 8 sind im übrigen an parallelen Schwingen
des jeweiligen Radführungsrahmens 9 bzw. 10 gehalten, an welchen die
Schwingungslager 11 angreifen und welche die Primärfederelemente 13 tragen.
Einem der Radsätze (Räder 6 und 7) ist ein Antriebsgetriebe zugeordnet, das zwei als
Stirnradgetriebe ausgebildete Antriebskästen aufweist, welche in direkter
Antriebsverbindung mit dem zugehörigen Schienenrad 6 bzw. 7 stehen. Diese
Getriebekästen 14 nehmen Getriebeelemente auf, die ihrerseits über eine Torsionswelle
15 fest miteinander verkoppelt sind. Die Kopplung der Schienenräder des Radsatzes
(Räder 6 und 7) erfolgt über diese Antriebsgehäuse (Getriebekästen 14) bis auf
Torsionsverwindungen der Torsionswelle 15 schlupffrei. Der weitere Radsatz (Räder 4
und 5) ist dagegen antriebslos, wobei seine Räder 4 bzw. 5 freilaufende Losräder sind.
Der nichtangetriebene Radsatz bildet im betriebsbereiten Schienenfahrzeug den in
Fahrtrichtung vorlaufenden Radsatz. Demgemäß ist der durch die Getriebekästen 1 4
und die Torsionswelle 15 gekoppelte Radsatz 6 und 7 der nachlaufende Radsatz. Die
diesem Radsatz mit den Rädern 6 und 7 zugeordneten Antriebskästen (Getriebekästen
14) sind jeweils mit einer Drehmomentstütze 16 versehen, welche zur Mitte des
Drehgestells hinweisen und sich zwischen den Rädern 4 und 5 bzw. 6 und 7 am
Drehgestellrahmen abstützen. Die insbesondere am Drehgestellrahmen angelenkten
Drehmomentstützen 16 sind vorzugsweise zwischen der Achse der zugehörigen Räder 6
und 7 und der Mitte des Drehgestellrahmens (Träger 3 und 12) bzw. des Langträgers 3
einendig gehalten. Vorzugsweise befindet sich dieser Befestigungspunkt zwischen der
Achse des jeweils zugehörigen Rades 6 oder 7 und dem nächstliegenden
Sekundärfederelement 2.
Wird ein so aufgebautes Drehgestell auf einem Gleisbogen betrieben, beispielsweise
gemäß dem Pfeil 17 in Pfeilrichtung in einer Rechtskurve, dann bewirken die sich bei
Bogenfahrt aus der Rad-Schiene-Geometrie ergebenden Schlupfkräfte an dem
Getriebekasten 14, der dem im Bogen außen laufenden angetriebenen Schienenrad 7
zugeordnet ist, eine durch einen Pfeil 19 angedeutete Aktionskraft, welche das
zugehörige Ende des betreffenden Langträgers 3 nach unten drückt. Gleichzeitig
entsteht durch die getriebliche Verbindung und den dem weiteren angetriebenen, innen
laufenden Schienenrad 6 zugeordneten Getriebekasten 14 ein Gegendrehmoment,
welches gemäß dem Pfeil 19 eine Kraft auf den zugehörigen Langträger 3 ausübt, die
nach oben, also entgegen dem nicht dargestellten Schienenbett gerichtet ist und
demgemäß den zugehörigen Endabschnitt 3.2 des Langträgers 3 nach oben drückt. Die
durch das Antriebsgetriebe bei Befahren eines Rechtsbogens auftretenden Kräfte
bewirken somit am Drehgestellrahmen ein Absenken des Langträger-Endabschnitts 3.2
am dann außen laufenden angetriebenen Schienenrad 7, folglich durch das Absenken
des Langträgers nach unten auch eine Entlastung des zugeordneten
Primärfederelements 13 und damit eine Entlastung dieses Schienenrads 7. Dagegen
wird der dem innen laufenden, angetriebenen Schienenrad 6 dieses Radsatzes
zugeordnete Langträger-Endabschnitt 3.2 nach oben gedrückt, wodurch das zugehörige
Primärfederelement 13 zusätzlich zur Gewichtskraft des Wagenkastens 1 belastet und
dementsprechend dieses Schienenrad 6 mit erhöhter vertikaler Kraft auf die zugehörige
Schiene gedrückt wird. Das antisymmetrische Kräftepaar (Bezugszeichen 18 und 19)
bewirkt dabei gleichzeitig ein diagonales Verwinden des gesamten Drehgestellrahmens
(Träger 3 und 12), so daß dadurch der dem außen vorlaufenden Schienenrad 4
zugeordnete Langträger-Endabschnitt 3.2 nach unten zum Schienenbett hin verstellt
wird und eine Zusatzbelastung über das zugehörige Primärfederelement 13 und die
"Schwinge" (Getriebekästen 14) auf das Schienenrad 4 ausübt. In analoger Weise wird
durch das Verwinden des Drehgestellrahmens das innen laufende Schienenrad 5 dieses
Radsatzes entlastet. Die Entgleisungssicherheit dieses vorlaufenden Radsatzes (Räder 4
und 5) ist somit durch die besondere Anlenkung der Drehmomentstützen 16 erhöht, so
daß dadurch das die Entgleisungssicherheit bestimmende Kriterium aus Querkraft und
Radbelastung beachtlich erhöht wird.
Claims (4)
1. Drehgestell für ein Schienenfahrzeug, insbesondere für eine Niederflur-Straßenbahn,
mit einem in Fahrtrichtung vorlaufenden Radsatz mit freilaufenden Losrädern (4 und 5)
und mit einem nachlaufenden Radsatz (Räder 6 und 7), dessen Rädern je ein Getriebe
(Kasten 14) zugeordnet ist, die über eine Torsionswelle (15)miteinander gekuppelt sind,
mit je einer einem Rad zugeordneten Primärfederung (Element 13) am Endbereich von
zwei Langträgern (3) eines Drehgestellrahmens, die über wenigstens einen im Raum
zwischen den Radsätzen liegenden Querträger (12) verbunden sind, mit
Sekundärfederelementen (2) auf dem Drehgestellrahmen zur Auflagerung eines
Wagenkastens sowie mit einer Drehmomentstütze (16) zwischen den Getrieben und
dem Drehgestellrahmen,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Drehmomentstützen (16) des Getriebes (Kasten 14 und Welle 15) zwischen den
Rädern (4 und 5 bzw. 6 und 7) an einem Punkt der Langträger des Drehgestellrahmens
(3, 12) angelenkt sind.
2. Drehgestell nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Drehmomentstützen (16) jeweils zwischen einem der Räder (4-7) und der Mitte
des Drehgestellrahmens (3, 12) angelenkt sind.
3. Drehgestell nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Drehmomentstützen (16) zwischen einem der Räder (4-7) und dem
nächstliegenden Sekundärfederelement (2) am Drehgestellrahmen (3, 12) angelenkt
sind.
4. Drehgestell nach Anspruch 1 oder einem der folgenden,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Räder (4 und 5 bzw. 6 und 7) eines Radsatzes jeweils in einem gemeinsamen
Radführungsrahmen (9 und 10) gelagert sind, der die zugehörigen Primärfederelemente
(13) trägt, welche andernends an der Unterseite der Langträger (3) abgestützt sind.
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Non-Patent Citations (1)
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Also Published As
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