DE1966658C3 - Masse für Estriche und Verfahren zur Verarbeitung der Masse - Google Patents

Masse für Estriche und Verfahren zur Verarbeitung der Masse

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Description

Die Erfindung betrifft eine Masse aus in Wasser aufgeschlämmtem Calciumsulfatbinder und Sand sowie euier die Sedimentation der Feststoffe in der Aufschlämmung verzögernden Substanz für im Fließverfahren einzubringende Estriche.
Eine solche Masse, die als Calciumsulfatbinder jeweils gebrannten Gips, Sand zu 25 Gew.-% und Wasser zu 50 Gew.-%, bezogen auf den Binder, sowie verschiedene Substanzen enthält, von denen zumindest eine die Sedimentation der Feststoffe in der Aufschlämmung verzögert, ist in der FR-PS 13 70 747 beschrieben. Von dieser Masse wird in dieser Patentschrift behauptet, daß sie eine hinreichende Fließfähigkeit besäße, um sich unter dem Einfluß der Schwerkraft von selbst mit einer horizontalen Oberfläche einzunivellieren. Eine Nacharbeit der dort gegebenen Lehre hat jedoch ergeben, daß eine Estrichmasse mit der behaupteten Selbstnivellierungseigenschaft nicht beschrieben ist.
Die bisher in der Praxis angewandte Estrichverlegung entsprach der seit langem geläufigen Technik, bei der eine teigige, erdfeuchte Estrichmasse auf einer Unterlage ausgebreitet, hiernach verdichtet, abgezogen und geglättet wird (vgl. z. B. Schütze, Bauverlag GmbH Wiesbaden, Berlin 1965 »Der schwimmende Estrich« 3. Auflage, Seiten 73 bis 85). Wenn an die Qualität der Oberfläche des Estrichbelages höhere Anforderungen gestellt wurden, mußte noch nachgespachtelt werden. All diese Arbeitsgänge mußten mit Hand durchgeführt werden.
Die bekannte Estfichveflegüng war also verhältnismäßig lohnintensiv, ganz abgesehen davon, daß die hiermit erhaltenen Estriche hinsichtlich ihrer Oberflächenausbildung besonders hohen Ansprüchen nicht genügen konnten.
Die der vorliegenden Erfindung zugrunde liegende Aufgabe ist hiernach darin zu sehen, für das aus der FR-PS 13 70 747 bekannte Verfahren, kurz Fließestrichverfahren genannt, eine Masse zur Verfügung zu stellen, die in der Praxis tatsächlich brauchbar ist, also nach dem Aufbringen auf die Unterlage mit einer Flüssigkeit vergleichbar auseinanderfließt und unter dem Einfluß der Schwerkraft eine horizontale Oberfläche erhält, die auch noch während des Aushärtungsprozesses beibehalten wird. Nach der Lösung dieser Aufgabe bestand am Anmeldetag bereits seit sehr langer Zeit ein Bedürfnis, da die bisher erforderliche Handarbeit den Lohnkostenanteil der Estrichherstellung immer stärker erhöhte und sich auch auf die Oberflächenqualität des Estrichs immer nachteiliger auswirkte.
Zur Lösung der Erfindungsaufgabe sind ausgehend von der beschriebenen Estrichmasse Anhydritbinder
is gemäß DIN4208 und Sand bis max. 50 VoL-% bezogen auf den Anhydrit im Binder sowie ein Netzmittel und eine die Fließfähigkeit erhöhende Substanz in Wasser bis zu 50 Gew.-% bezogen auf den Achydritbinder aufgeschlämmt
Durch diese Bestandteile kann erreicht werden, daß die Aufschlämmung beim Ausgießen auf eine Unterlage sich von selbst einnivelliert und unter Beibehaltung der durch die Einnivellierung gebildeten Oberfläche erstarrt
Die Verlegung der erfindungsgemäß zusammengesetzten Estrichmasse läßt sich mit einem im Vergleich zu der bekannten Estrichherstellung sehr viel geringeren Einsatz manueller Tätigkeit und damit auch mit wesentlich geringeren Lohnkosten durchführen. Bei einem aus der erfindungsgemäß zusammengesetzten Estrichmasse hergestellten Estrich liegen selbst bei Flächen von mehreren Hundert Quadratmetern die Niveauabweichungen nur noch im Bereich der Fehlergrenzen der Meßgeräte zur Bestimmung solcher Abweichungen. Bei der Herstellung derart großer Estrichflächen mit der erfindungsgemäß zusammengesetzten Estrichmasse zeigt sich, daß bis zum Beginn der Aushärtung eine ausreichende Zeitdauer verbleibt, um die Verlegearbeit mit der Masse zu Ende zu führen. Eine nur momentan bzw. nur wenige Minuten fließfähige Estrichmasse wäre für die Durchführung eines Fließestrichverfahrens unbrauchbar.
Anhydritbinder-Estriche waren am Anmeldetag bereits seit langem bekannt. Für die Verarbeitung des
« Anhydritbinders zu Estrichen hoher Festigkeit reichen zwar 20—30 Gew.-% Wasser bezogen auf den Anhydritbinder aus; es wurden aber von den Anhydritherstellern Verarbeitungsvorschriften gegeben, die von den Estrichverlegern genau eingehalten werden mußten
so (vgl. Ulimanns Enzyklopädie der technischen Chemie, Band 8 [1957] S. 118, Z. 12 bis 15), um das Auftreten von Schäden an den Estrichen zu vermeiden. Dementsprechend war die Verpackung des für die Estrichherstellung bestimmten Anhydritbinders immer mit einer Verarbeitungsvorschrift versehen (vgl. DIN 4208 ν. Oktober 1962). Hiernach mußte der Anhydritbinder mit Sand in einem Magerungsverhältnis von 1 :2,5 nach Raumteilen (entsprechend etwa 1 :3,75 nach Gewichtsteilen) erdfeucht verarbeitet werden. In solcher Weise wurde in der Praxis auch der aus der BE-PS 7 16426 bekannte Estriehbaustoff auf Anhydritbinderbasis verarbeitet, dem zur Verbesserung der Wasserfestigkeit ein Harz bestimmter Zusammensetzung zugesetzt wurde. Die diesem Baustoff anhaftenden verarbeitungstechni-
h> sehen Nachteile sind in der nichtvorveröffentlichten DE-OS 19 09681 beschrieben. Sowohl der in der genannten BE-PS beschriebene als auch die sonstigen am Anmeldetag bekannten Anhydritbinder-Estrichbau-
stoffe mußten also in mehr oder weniger mühevoller Handarbeit verlegt werden. Demgegenüber bringt die Erfindung den weiter oben beschriebenen wesentlichen technischen Fortschritt mit sich.
Die in der erfindungsgemäß zusammengesetzten Estrichmasse neben dem Bindermaterial und dem Magerungsmittel enthaltenen Bestandteile (Sedimentationsverzögerer, Verflüssiger und Netzmittel) sind bereits bei Baustoffen, zum Teil auch bei solchen auf Calciumsulfatbinderbasis (Gips), eingesetzt worden. So ist aus der AT-PS 2 63 607 die Verwendung eines Harzes als Verflüssiger für Gips — richtig Calciumsulfat-Halbhydrat — bekannt, das auch in der erfindungsgemäßen Masse verwendet werden kann. Mit einem Calciumsulfat-Halbhydrat läßt sich jedoch im Fließestrichverfahren trotz Mitverwendung eines Verflüssigers entsprechend der genannten AT-PS kein (schwimmender) Estrich erhalten, der die durch DIN 4109 vorgeschriebene Mindestbiegezugfestigkeit aufweist
Es wurde sogar festgestellt, daß die Zugabe eines Verflüssigers ix. einer Bindermasse aus Calciumsulfat-Halbhydrat die Biegefestigkeit verringert, obgleich die Druckfestigkeit ansteigt Für einen brauchbaren (schwimmenden) Estrich kommt es jedoch gerade im besonderen Maße auf die Biegezugfestigkeit an.
Als Sedimentationsverzögerer können in der erfindungsgemäß zusammengesetzten Estrichmasse wasserlösliche Zelluloseäther (Methylzellulosen, Carboxymethylzellulosen) verwendet werden, wobei insbesondere solche Zelluloseäther in Betracht zu ziehen sind, die in einer 2%igen wäßrigen Lösung eine Viskosität zwischen 0,02 und 8 Pas, insbesondere zwischen 0,2 und 2 Pa^, aufweisen. Durch d?s in άζ- Binderaufschlämmung enthaltenen Sediment? tionsverzögerer wird die Fließfähigkeit und deren Aufrechternaltung über eine für die Verlegearbeit benötigten Zeitspanne ebenso gefördert wie durch den Gehalt an einem Verflüssiger und einem Netzmittel. Als Beispiel für eine in der erfindungsgemäß zusammengesetzten Estrichmasse verwendbare Substanz mit verflüssigender Wirkung wurde bereits vorstehend auf die AT-PS 2 63 607 Bezug genommen; als Beispiel für bei der Erfindung einsetzbare Netzmittel werden die Kondensationsprodukte aus Naphthalinsulfonsäure und Formaldehyd genannt Erst das Zusammenwirken dieser Substanzen in der erfindungsgemäß zusammengesetzten Estrichmasse und die Abstimmung von deren Hauptbestandteilen (Anhydritbinder, Wasser und Sand ) innerhalb des durch die Erfindung gesetzten Rahmens für die Mengenanteile dieser Bestandteile führen zu einer optimalen Lösung der Erfindungsaufgabe. Dabei kommt den mitverwendeten Netzmitteln die Wirkung zu, daß die in der Aufschlämmung enthaltenen Feststoffteilchen an einer vorzeitigen Agglomeration gehindert werden, die sich auf das Fließverhalten der Estrichmasse nachteilig auswirken würde.
Durch die Mengenabstimmung der Bestandteile der erfindungsgemäß zusammengesetzten Estrichmasse aufeinander kann den jeweiligen Anforderungen, die durchaus sehr unterschiedlich sein können, Rechnung getragen werden. Sie hängen beispielsweise von der Länge der Fließwege und damit auch von der zur Verfügung stehenden bzw. benötigten Verarbeitungsdauer (Verlegezeit) ab. In jedem Falle wird man jedoch darauf zu achten haben, daß die Estrichmasse eine ausreichende Fließfähigkeit besitzt, damit der geltend gemachte Vorteil, daß sich die Estrichmasse beim Ausbreiten auf der tragenden Unterlage selbst einnivellieren kann, erreicht wird, Fließfähigkeiten von ca, 2 m/min und Viskositäten von ca, 0,8 Pajs haben sich als praktisch erwiesen. Bei kürzeren Fließwegen kann die Menge der in der erfindungsgemäß zusammengesetzten Estrichmasse enthaltenen Nebenbestandteile (Sedimentationsverzögerer, Netzmittel, Verflüssiger) geringer sein als bei längeren Fließwegen. Die in der AT-PS 2 63 607 beschriebene gießfähige Gips-Aufschlämmung besitzt eine Viskosität von weit oberhalb 03 P?s, wie dies auch bezüglich der in der BE-PS 7 16 426 angegebenen Anhydritbinder-Estrichmasse der Fall ist (2^-3,7 Pas). Massen mit einer derart hohen Viskosität lassen sich im Fließestrichverfahren nicht verarbeiten.
Bei der Herstellung eines Estrichs unter Verwendung
der erfindungsgemäßen Masse ergeben sich für den ausgehärteten Baustoff überraschenderweise Biegezugfestigkeiten, die deutlich über dem von der Norm (DIN 4109) vorgeschriebenen Mindestwert liegen. Dies konnte aufgrund von Untersuchungen der bei Verwendung von unter Einsatz eines Verflüssigers hergestellten gießfähigen Gips-Aufschlämmungen (vgl. AT-PS 2 63 607) erreichbaren Biegezugfestigkeitswerte und aufgrund der allgemeinen Erfahrung, daß eine erhöhte Wasserzugabe zu einer Verringerung der Biegezugfestigkeit führt, nicht erwartet werden. Demgegenüber führt die Mitverwendung eines Verflüssigers in einer
Anhydritbinder-Estrichmasse überraschend zu einem
deutlichen Anstieg der Biegezugfestigkeit
In der nichtvorveröffentlichten DE-AS 19 16 918 des
ίο Anmelders sind zwar bereits Massen zur Herstellung eines Estrichbelages als bekannt angegeben, welche so fließfähig gemacht werden können, daß sie sich auch über längere Strecken einnivellieren und trotzdem nach dem Erhärten eine ausreichende Festigkeit aufweisen.
Soweit diese Angabe auch Anhydritbinder einschließt, handelt es sich hierbei um eine Weiterentwicklung der in der vorerwähnten BE-PS 7 16 426 beschriebenen, nicht im Fließestrich verfahren verarbeitbaren Estrichmasse, wobei die Weiterentwicklung als in der sechsmonatigen Schonfrist zur vorhegenden Anmeldung liegend anzusehen ist
In manchen Fällen hat es sich als zweckmäßig erwiesen, der Estrichmasse noch ein Schaumverhütungsmittel zuzusetzen.
v, Ein solcher Zusatz wirkt sich auf die Ausbildung einer einheitlichen bzw. glatten Oberfläche des aus der Masse hergestellten Belags günstig aus. Schaumverhütungsmittel sind aus der Literatur hinlänglich bekannt, so daß hierauf nicht im einzelnen eingegangen zu werden
ίο braucht (vgl. Chemie Lexikon Römpp). Dies gilt auch für die verwendeten Mengen an Schaumverhütungsmitteln.
Bei einem Verfahren zur Verarbeitung der erfin-
duiigsgemäß zusammengesetzten Estrichmasse kann bei der Herstellung eines besonders großflächigen
~» Bodenbelags so vorgegangen werden, daß der mit der Masse auszufüllende Raum in getrennte Gießräume unterteilt wird.
Die Erfindung wird nachfolgend an Hand eines Ausfuhrungsbeispiels beschrieben-.
wi Zur Herstellung eines Estrichs auf einer Massivdecke aus Beton wurde im Trommelmischer eine Mischung folgender Zusammensetzung hergestellt:
1000 kg synthetischer Anhydrit mit einem Gehalt an CaO von etwa I %
h; 15 kg Anreger (K2SO4)
150 kg Feinsand
0,1 kg Methyl-Hydroxyäthylcellulose (niedrig viskos)
6,8 kg sulfonsäuremodifiziertes Harz auf der Basis eines Amino-s-triazins mit mindestens 2
NHi-Gruppen
0,6 kg Naphthalinsulfonsäure-Formaldehyd-Kondensat
Aus dieser Trockenmischung wurden mit 300 kg Leitungswasser 12 Chargen einer gut fließfähigen Masse (Viskosität: etwa 0,8 Pas) in einem Mischer aufbereitet und mit einer Pampe, die eine Förderleistung von 60 Liter/Min, besaß, an 10 etwa gleichmäßig über eine Fläche von ca. 500 m2 verteilten Stellen auf eine aus Beton bestehende Massivdecke aufgebracht, welche mit einem wassersperrenden Überzug (Anstrich) versehen war, damit die Massivdecke der Masse nicht das für die Hydratisierung des Anhydrits erforderliche Wasser entzieht Durch den wassersperrenden Oberzug wurde allerdings der Verbund zwischen dem Estrich und der Massivdecke nicht behindert Die Masse breitete sich auf der Massivdecke innerhalb von 30 Minuten gleichmäßig aus. Nach 6 Stunden war sie soweit erhärtet, daß mit einer Wasserwaage festgestellt
ίο werden konnte, daß die Oberfläche der Masse genau horizontal war. Nach 14tägiger Aushärtungszeit wurde eine Biegezugfestigkeit von 75 kg/cm2 festgestellt

Claims (4)

Patentansprüche:
1. Masse aus in Wasser aufgeschlämmtem Calciumsulfatbinder und Sand sowie einer die Sedimentation der Feststoffe in der Aufschlämmung verzögernden Substanz für im Fließverfahren einzubringende Estriche, dadurch gekennzeichnet, daß Anhydritbinder gemäß DIN 4208 und Sand bis maximal 50 VoL-% bezogen auf den Anhydrit im Binder, sowie ein Netzmittel und eine die Fließfähigkeit erhöhende Substanz in Wasser bis zu 50 Gew.-% bezogen auf den Anhydritbinder aufgeschlämmt sind.
2. Masse nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß ein Schaumverhütungsmittel zugesetzt ist
3. Masse nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Netzmittel ein Naphthalin-
sulfonsäure-Formaldehyd-Kondensationsprodukt
ist.
4. Verfahren zur Verarbeitung einer Masse nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß bei der Herstellung eines großflächigen Bodenbelags der mit der Masse auszufüllende Raum in getrennte Gießräume unterteilt wird.
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