DE199042C - - Google Patents

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DE199042C
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    • DTEXTILES; PAPER
    • D01NATURAL OR MAN-MADE THREADS OR FIBRES; SPINNING
    • D01CCHEMICAL OR BIOLOGICAL TREATMENT OF NATURAL FILAMENTARY OR FIBROUS MATERIAL TO OBTAIN FILAMENTS OR FIBRES FOR SPINNING; CARBONISING RAGS TO RECOVER ANIMAL FIBRES
    • D01C1/00Treatment of vegetable material
    • D01C1/02Treatment of vegetable material by chemical methods to obtain bast fibres

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  • Chemical & Material Sciences (AREA)
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Description

KAISERLICHES
PATENTAMT.
PATENTSCHRIFT
- JVl 199042 KLASSE 296. GRUPPE
insbesondere Flachs.
Patentiert im Deutschen Reiche vom 3. August 1906 ab.
Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zum Degummieren und Bleichen von Pflanzenfasern, insbesondere von mechanisch entschälten Flachsfasern, und auch zum Bleichen .von solchen Flachsfasern, die vorher dem gewöhnlichen Röstprozeß unterworfen worden sind.
Durch das mechanisch vorgenommene Entschälen wird die Schabe (Rinde) aufgebrochen
ίο und die Fasern sowohl von ihr wie voneinander in der äußeren Bastschicht getrennt. Die Fasern enthalten dann aber noch gummiartige Substanzen, welche bewirken, daß ein Teil der Fasern aneinanderklebt bzw. mit Teilchen der aufgebrochenen Schabe verfilzt bleibt. Das Vorhandensein dieser gummiartigen Substanzen erschwert das Verspinnen der Faser und die Herstellung der Leinengewebe.
Die Entfernung der gummiartigen Substanzen von den Fasern durch den natürlichen Röstprozeß ist das Resultat einer Gährung, die beim Weichen der Stengel im Wasser sich in diesem vollzieht. Dieses Röstverfahren ist äußerst langwierig; es nimmt 7 bis 14 Tage in Anspruch, und nach seiner Beendigung müssen die Stengel an der Luft ausgebreitet und getrocknet werden. Die Dauer des natürlichen Röstverfahrens ist zudem schwer zu bestimmen, da die Gährung, auf der es basiert, durch Witterungseinflüsse und Wassertemperatur beeinflußt wird. Es-ist außerdem sehr unappetitlich und mit äußerst unangenehmen Gerüchen verbunden, und schließlich wird die Qualität der Fasern durch die um sie herum stattfindende Gährung vermindert.
Die als Ersatz für das natürliche Röst- und Bleichverfahren vorgeschlagenen Methoden der chemischen Röstung vermögen zwar die Dauer der Behandlung erheblich abzukürzen, wirken aber mehr oder minder schädlich auf die Fasern ein. 'Sofern sie die Fasern mit irgendwelcher Flüssigkeit kochen, greifen sie die Fasern stark an, indem der Zusammenhang zwischen den einzelnen Zellen zum Teil zerstört wird. Werden starke chemische Agenzien bzw. konzentrierte Lösungen verwendet, so ergibt sich die gleiche Schädigung der Faser schon bei niedrigerer Temperatur, die Faser verliert ihre Geschmeidigkeit und Festigkeit.
Gegenstand der Erfindung ist nun ein Verfahren zum Degummieren und Bleichen von Pflanzenfasern, insbesondere Flachs, das Alkali, Seife usw. nur als ganz sekundäre Hilfsmittel verwendet und die Ablösung der Gummisubstanz bzw. die Entfernung des Farbstoffs in der Hauptsache dadurch erzielt, daß die mechanisch entschälten Fasern lose und jede für sich frei beweglich der Druck- und Reibwirkung von zwischen ihnen durchströmendem Wasser unterworfen werden, indem die lose Fasermasse durch das Wasser hindurch bewegt wird, Die Dauer des Verfahrens
kann durch schwaches Erwärmen und durch Zusatz geringer Mengen eines Alkaliborats bzw. von Seifenlösung abgekürzt werden. Durch die mechanische Wirkung des gegen jede einzelne Faser reibenden Wassers wird der Gummi allmählich, aber keineswegs langsam, in kleinen Partikelchen abgelöst, und in wenigen Stunden ist die Degummierung bzw. Bleichung vollendet, ohne daß die . Faser
ίο durch chemische Einflüsse oder durch hohe Erwärmung irgendwie in ihren wertvollen Eigenschaften verändert worden wäre.
Die Fasern werden dabei in dem alkalisch gemachten Wasser auf- und niederbewegt, wobei dann die dünne Lauge die Faserschicht durchdringt, die einzelnen Fasern seitlich voneinander abdrängt und den Gummi entfernt. Um ein Verfilzen der Fasern während der Degummierung zu verhindern, werden sie in wagerechter Lage lose nebeneinander in einen durchlöcherten oder aus Drahtgewebe bestehenden Behälter gebracht und dieser mittels mechanischer Vorrichtungen senkrechtin dem Bad auf- und abwärts geführt.
Versuche haben ergeben, daß zum schnellen und kräftigen Degummieren mittels dieses Verfahrens eine Lösung von 2 bis 4 g Kaliumborat auf das Liter genügt.
Das hierbei verwendete Wasser muß eisen- und kälkfrei sein oder vorher abgekocht werden; wenn der Flachs eingelegt wird, muß das Wasser warm sein. Eine Temperatur von etwa" 20° C. wurde schon als genügend befunden.
Zur Behandlung größerer Flachsmengen wird zweckmäßig ein Behälter mit einer An-
■'"■■ zahl von geschlossenen Fächern verwendet, deren Böden durchlöchert, deren Seitenwände dagegen voll waren und der in dem Bad senkrecht bewegt wird, um das Wasser zu zwingen, nur in senkrechter Richtung durch die in den Fächern liegenden Fasern zu streichen. Der Zweck der Bewegung der Fasern im Wasser oder, was ebenso wirksam ist, der Behandlung der Fasern mit bewegtem ■ Wasser ist die Einwirkung des Wasserdrucks auf die Fasern, wodurch die Lösung der gummiartigen Substanzen leicht erfolgt. Sind die Fasern gebündelt, bzw. können sie sich nicht frei bewegen, und werden sie in wagerechter Richtung bewegt, so kann das Wasser nicht hindurchtreten, und seine Einwirkung ist dann nur sehr gering: Auch die Bewegung der Fasern in ihrer Längsrichtung ist verwerflich, da hierbei die Gummisubstanz in das Innere der Fasermenge hineingedrückt werden würde.
Um die auf diese Weise degummierten Fasern von dem in ihnen enthaltenen Farbstoff zu befreien, ohne zu dem bisher gebräuchlichen und langwierigen Bleichprozeß zu greifen, bringt man den Behälter mit den degummierten Fasern in ein schwach mit Seifenwasser versetztes Bad von etwa 38 ° C. und bewegt sie darin in wagerechter Riehtung; die Fasern sind dann in kurzer Zeit (oft schon in einer Stunde) entfärbt. Die anzuwendende Seifenmenge wechselt entsprechend der Qualität des Flachses.
Diese Bleichmethode ist nicht auf mechanisch entschälte Fasern beschränkt, kann vielmehr auch bei den auf die alte Manier gerösteten Fasern Verwendung finden. Unter Umständen kann man zur Beschleunigung des ganzen Verfahrens das Degummieren und Entfärben entschälter Fasern in _ einem einzigen Bade vornehmen. Zu diesem Zwecke verwendet man eine schwache Lösung eines Alkaliborats, in welcher eine gewisse Menge Seife gelöst ist, bei etwa 380C, und die entschälten Fasern werden, wie oben beschrieben, in diesem Bade bewegt. Bei dieser Behandlung können die Fasern schon in einer halben Stunde gereinigt sein.
Nach dem Degummieren und Entfärben werden die Fasern aus dem Behälter genommen, durch Ausringen zwischen Quetschwalzen von dem gelösten Gummi und der Farbsubstanz befreit und dann, eventuell in dem gleichen Fächerkasten wie oben, in klarem Wasser hin- und herbewegt und gewaschen. Nach dieser Behandlung sind die Fasern vollständig voneinander getrennt, von Gummi und Farbstoff befreit und haben ein weißes oder grauweißes Aussehen.

Claims (2)

Patent-Ansprüche:
1. Verfahren zum Degummieren und Entfärben von entschälten Pflanzenfasern, insbesondere Flachs, dadurch gekennzeichnet, daß die Fasern lose und frei beweglich in durchbrochene Behälter eingelegt und diese Behälter senkrecht durch Wasser hindurchbewegt werden.
2. Ausführungsform des Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Wasser durch Auflösen von Alkaliborät oder von Seife schwach alkalisch gemacht wird.
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