DE2201717B2 - Verfahren zur Herstellung von Gipswandplatten mit Papierabdeckung - Google Patents
Verfahren zur Herstellung von Gipswandplatten mit PapierabdeckungInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Vei fahren zur Herstellung von Gipswandplatten mit Papierabdeckung, wobei man
feinvermahlenen ungebrannten Feingips zu einem Gipsmörtel in einer solchen Menge zugibt, daß ein
Abbinden des Gipsmörtels innerhalb von 15 Minuten erfolgt
Gipsplatten werden jchon -/it langem in großem
Umfange verwendet und sie können nach den verschiedensten Verfahren hergestellt werden. Im
allgemeinen werden Gipsplatten in der Weise hergestellt, daß man calcinierten Gips in Wasser dispergiert
und der Dispersion einen vorher hergestellten Schaum mit einer geringen Rohdichte zusetzt, um einen
Schlamm zu erhalten, der ein Endprodukt mit der gewünschten Rohdichte ergibt (vgl. z. B. die US-Patentschriften
33 59 146, 26 60 416, 20 17 002 und 20 80 003). Auf diese Weise können Gipsplatten sowohl ohne
Papierabdeckung als auch solche mit Papierabdeckung hergestellt werden. In der Regel werden bei der
Herstellung solcher Gipsplatten noch verschiedene Zusätze verwendet, wie z. B. Beschleuniger (beispielsweise
Calciumsulfatdihydrat, Kaliumsulfat, Ammoniumsulfat und Aluminiumsulfat), Haftmittel (ζ. Β. Getreidemehl
oder Stärken), faserförmige Füllstoffe (z. B. Cellulosefasern oder Glasfasern) und Verdünnungsmittel
(z. B. Lignosulfate, insbesondere Ammoniumlignosulfat). Alle diese Zusätze werden in verhältnismäß
geringen Mengen zugegeben, so daß sie in der Regel weniger als 5, vorzugsweise weniger als 2% des
Gewichtes des fertigen Gipskernes ausmachen.
Der Schlamm mit den gewünschten Bestandteilen wird in kontinuierlich arbeitenden Mischern, beispielsweise
in dem aus der US-Patentschrift 33 59 146 bekannten Vor- und Nachmischer oder in dem aus der
US-Pätentschrift 26 60 416 bekannten Zentrifugalmischer hergestellt. Der fertig gemischte Schlamm wird
kontinuierlich auf eine unter dem Mischer hindurchlaufende Papierbahn aufgegeben. Auf die Schlammschicht
wird eine zweite Papierbahn aufgebracht und dann wird das ganze Band unter einer oder mehreren Rollen
hitidurchgeführt, um es auf die gewünschte Dicke zu bringen. Anschließend läßt man das Band auf einem
Förderband weiterlaufen, bis der Gips abgebunden hat Schließlich wird das Band auf Gipsplatten der
gewünschten Länge zugeschnitten, die anschließend durch einen Trocknungsofen hindurchgeführt werden,
um die überschüssige Feuchtigkeit daraus zu entfernen.
Man ist nun seit langem bestrebt, das Gewicht von
Gipsplatten, die aus einem zwischen zwei Papierabdekkungen eingeschlossenen Gipskern bestehen, möglichst
ίο niedrig zu halten, d.h. die Rohdichte des jipskerns
soweit wie möglich herabzusetzen, jedoch ohne daß dies auf Kosten der Festigkeit sowie der Haftung der
Papierabdeckung an dem Gipskasten bei — insbesondere kurzzeitiger — Einwirkung von Feuchtigkeit geht.
π Mit dem aus der US-Patentschrift 33 59 146 bekannten
Verfahren wurde versucht, durch eine sogenannte Nachbeschleunigung die Wichte der Platte ohne
Einbuße an Festigkeit herabzusetzen. Dabei wird der zugeführte calcinierte Gips in Wasser äußerst fein
dispergiert dann wird dem dabei erhaltenen Schlamm ein Beschleuniger zugesetzt und der auf diese Weise
erhaltene Schlamm wird vergossen. Aus dieser Patentschrift geht hervor, daß es dabei in hohem Maße auf die
möglichst feine Dispersion des calcinierten Gipses ankommt, um Platten mit einer hohen Festigkeit zu
erhalten. Zu diesem Zweck werden bei diesem bekannten Verfahren Vor- und Nachmischer verwendet
wobei der calrinierte Gips mittels des Vormischers in Wasser fein dispergiert wird, während in dem
ίο Nachmischer der Schaum und der Beschleuniger
zugesetzt werden. Dieses Verfahren läßt sich zwar mit dieser speziellen Mischer-Kombination recht gut
durchführen, doch eignet es sich nicht für die Anwendung des aus der US-Patentschrift 26 60 416
bekannten modernen Zentrifugalmischers.
Betrachtet man die Festigkeit, gemessen als Druckfestigkeit, der Gipsplatte oder des Gipskerns als Funktion
der Rohdichte des Gipses, so zeigt sich, daß diese Funktion nicht linear ist, sondern etwa der Gleichung
folgt:
S = A + 14,23 · iO0-4760
worin Sdie Druckfestigkeit in kg/cm2, A eine Konstante
mit dem Zahlenwert 413 und Ddie Rohdichte in kg/cm3 bedeuten.
Ein anderes wichtiges Kriterium, das bei Gipsplatten mit Papierabdeckung eine besondere Rolle spielt, ist die
Haftung der Papierabdeckung an dem Gipskern unter der Einwirkung von Feuchtigkeit. Wird nämlich eine
">o solche Gipsplatte für kurze Zeit einer hohen Luftfeuchtigkeit
ausgesetzt, so kann es zu einem Erweichen an oder in der Nähe der Trennfläche zwischen der
Papierabdeckung und dem Gipskern kommen, das zur Folge hat, daß sich die Papierabdeckung mit geringer
Kraft ganz oder teilweise von dem Gipskern abziehen läßt. Dabei wird häufig ein gewisser Anteil des Kerns,
etwa eine Schicht einer Dicke von etwa 0,1 mm, zusammen mit der Papierabdeckung abgezogen. Dies
führt zu Spannungen innerhalb der Gipsplatte aufgrund
w) des teilweisen Eindringens sehr feuchter Luft. Diese
Erscheinung ist auch dann zu beobachten, wenn Gipsplatten unter wechselnden Temperatur* und
Feuchtigkeitsbedingungen gelagert oder verwendet werden. Allgemein gilt, daß Gipsplatten einer geringe-
h> ren Rohdichte leichter zu einem Versagen der Haftung
der Papierabdeckung an dem Gipskern unter der Einwirkung von Feuchtigkeit neigen als solche mit einer
höheren Rohdichte des Gipskerns.
Aus der US-Patentschrift 20 78 199 ist ein abbindungsstabilisierter
Calciucnsulfathemihydrat-Gips bekannt,
der eine abbindungsstabilisierende Verbindung enthält, die einen Verzögerer, Calciumsulfatdihydrat
und eine die Dehydratisierung verhindernde Substanz aus der Gruppe der Zucker, Dextrine und Polyhydroxyalkohole
umfaßt Dadurch soll die Abbindezeit von Calciumsulfathemihydrat-Gipsen gegenüber dem Einfluß
vom zufälligen Zumischen von beschleunigend oder verzögernd wirkenden Substanzen und gegenüber der
Einwirkung von erhöhten Temperaturen stabilisiert werden. Nach den Angaben in dieser Patentschrift
erhält man einen gepufferten Gips dadurch, daß man ihm ein die Calcinierung verzögerndes Mittel, nämlich
ein lösliches Kohlenhydrat wie Zucker, oder einen polybasischen Alkohol, wie Glycerin oder ein Polyglykol,
das vorher mit dem fein gemahlenen Beschleuniger gemischt worden ist zusetzt Dadurch bleibt die
puffernde Wirkung des Beschleunigers erhalten. Auf diese Weise lassen sich jedoch keine mit einer >o
Papierabdeckung versehene Gipsplatten herstellen, da bei deren großtechnischer Herstellung die Abbindezeit
sehr genau gesteuert werden muß, damit r.'cht infolge einer Veränderung dieses Parameters der Gipsmörtel
zu früh oder zu spät abbindet und dadurch Betriebsstörungen hervorgerufen werden.
Aus der deutschen Offenlegungsschrift 19 40 843 ist
die Herstellung eines calcinierten Gipses unter Verwendung eines Abbindebeschleunigers bekannt. Dabei
erfolgt die Herstellung durch Mahlen von Calciumsul· ω
fatdihydrat und Saccharose bei einer Temperatur bis zu etwa 63°C. Dadurch soll ein Calciumsulfatdihydrat-Beschleuniger
mit hoher Aktivität geschaffen werden, dessen Beschleuniger-Eigenschaften sich nur geringfügig
ändern, wenn er über längere Zeit hinweg hohen Temperaturen und hoher Feuchtigkeit ausgesetzt ist.
Nach dem bekannten Verfahren erhält man ein teilweise calciniertes Calciumsulfatdihydrat mit einem Oberflächenüberzug
aus karamelisierter Saccharose, die offensichtlich eine komplizierte Struktur hat. Der auf diese -to
Weise erhaltene Beschleuniger besteht aus einem Calciumsulfathemihydrat- oder Anhydrit-Kern, der von
einem dünnen Calciumsulfatdihydrat-Überzug umgeben ist. Die Herstellung dieses Beschleunigers erfordert
neben dem gründlichen Mahlen der Teilchen bei erhöhter Temperatur auch ein nachfolgendes sorgfältiges
Trocknen unter Ausschluß von, Taubedingungen bei genau gesteuerten Temperaturen.
Die großtechnische Herstellung eines solchen Beschleunigers ist außerordentlich schwierig, da sich die ίο
Karamelisierung des Z'ickers auf dem Calciumsulfatdihydrat in größeren Mengen kaum einwandfrei steuern
läßt, wobei bei unsachgemäßer Temperaturführung Nester in der Masse entstehen, in denen der Zucker
schon verkohlt ist und die Calciumsulfatdihydratteilchen 5-, einschließen, dL· später bei der Herstellung des
Gipsbreis vom Wasser nicht mehr erreicht werden und demzufolge ihre Funktion als Beschleuniger nicht mehr
ausüben können. Die Verwendung eines derartigen Beschleunigers für die großtechnische Herstellung von t>o
Gipsplatten mit erhöhter Festigkeit ist nicht möglich, da einerseits zur Herstellung des Besehleunigers aufwendige
Apparaturen und kostspielige Verfahren benötigt werden und andererseits seine Zuverlässigkeit für die
Gipsplattenherstellung nicht gewährleistet ist. t>>
Die der hier beschriebenen Erfindung zugrunde liegende Aufgabe besteht nun darin, ein Verfahren zur
Herstellung von Gipsw^ndplatten mit Papierabdeckung zu entwickeln, das zu Gipswandplatten mit erhöhter
Festigkeit führt, ohne daß die Rohdichte des Gipses erhöht wird.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß man dem angerührten Gipsmörtel eine innige
Mischung von fein vermahlenem ungebranntem Feingips und Zucker zugibt
Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Erhöhung der Festigkeit von aus Gipsmörtel hergestellten
Gipswandpiatten mit Papierabdeckung ohne Erhöhung der Rohdichte, des Gipses, das dadurch gekennzeichnet
ist daß man eine innige Mischung von fein vermahlenem ungebranntem Feingips und Zucker zu
dem Gipsmörtel in einer solchen Menge zugibt, daß ein Abbinden des Gipsmörtels innerhalb von 15 Minuten
erfolgt
Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren ist es möglich, im Rahmen eines großtechnisch durchführbaren
Verfahrens unter Verwendung der herkömmlichen Produktionseinrichtungen und ohne Einbuße an Produktionsgeschwindigkeit
Gipswandplatten mit einer wesentlich höheren Festigkeit gegenüber den handelsüblichen
Gipswandplatten herzustellen, ohne die Rohdichte des Gipses zu erhöhen. Die erfindungsgemäß
hergestellten Platten weisen außerdem eine verbesserte Kantenfestigkeit sowie eine gute Haftfestigkeit der
Papiti abdeckung an dem Gipskern auf.
Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung gibt man eine Dispersion zu, die durch
Vermählen von Feingips mit etwa 5 Gew.-% Saccharose hergestellt worden ist. GemäLS einer weiteren
bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung verwendet man eine Dispersion, die eine Feinheit nach Blaine von
mindestens etwa 8000 cm2/g aufweist. Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung
verwendet man die Dispersion in einer Menge zwischen 2,5 und 10 kg, vorzugsweise zwischen 5 und 10 kg, pro
Tonne calcinierten Gipses.
Bei der praktischen Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens werden calcinierter Gips, Wasser
und ein vorher hergestellter Schaum in Gegenwart eines verzögert wirkenden Beschleunigers miteinander
gemischt, wobei der Beschleuniger in einer solchen Menge verwendet wird, daß ein Abbinden des
calcinierten Gipses unter Temperaturanstieg innerhalb von nicht mehr als 15 Minuten erfolg1 Hierbei erfolgt
die Hydratisierung des calcinierten Gipses in der Weise, daß es während des ersten Teils der Hydratisierungszeit
zu einem verhältnismäßig langsamen Temperaturanstieg kommt, während gegen Ende der Hydratisierungszeit ein verhältnismäßig rascher Temperaturanstieg zu
verzeichnen ist
Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren erhält man Gipswandplatten mit einem Gipskern, der ein Kristallgefuge
aufweist, das sich durch eine große Anzahl schlanker, stabförmiger Kristalle auszeichnet, v/elche
die Festigkeit der Gipswandplatte erhohen. Diese Kristalle haben im allgemeinen einen Durchmesser von
weniger als etwa 0,75 μπι, während die nach den bisher
bekannten Verfahren hergestellten Gipswandplatten mindestens zu einem großen Teil plumpe, gedrungene
Kristalle mit einem verhältnismäßig großen Durchmesser aufweisen. Diese unterschiedlichen KWstallformen
können mit einem Abtastelektronenmikroskop sichtbar gemacht werden.
Die vorstehend geschilderten Effekte und weitere vorteilhafte Erscheinungen kommen im wesentlichen
dadurch zustande, daß dem Gipsschlamm als einziger
22 Ol 7\7
Beschleuniger für das Abbinden ein solcher mit einem verzögerten Beschleunigungseffekt zugesetzt wird. Der
erfindungsgemäß verwendete Beschleuniger besteht aus einer innigen Mischung aus fein vermahlenem
ungebranntem Feingips (Calciumsulfatdihydrat) und Zucker, wie in der US-Patentschrift 20 78 199 beschrieben.
Die Erfindung wird nachfolgend unter Bezugnahme auf die Zeichnung näher erläutert. Dabei zeigt
Fig. 1 eine unter Verwendung eines Abtastelektronenmikroskops
angefertigte Photographic einer im Labor angefertigten, abgebundenen Gips-Gießprobc
unter Verwendung der in der US-Patentschrift 20 78 199 beschriebenen Abbindungsstabilisierungs-Zubereiuing,
['ig. 2 eine entsprechende Photographic einer im
Labor angefertigten Gips-Gießprobe unter Verwendung des erfindungsgemäß cingesct/ten verzögert
wirkenden Beschleunigers und unter Ausschluß des in der US-Patentschrift ?0 78 199 verwendeten Verzögerers.
I i g. 3 eine entsprechende Photographic eines Ausschnittes des Kerns einer Gipswandplatte, die unter
Verwendung des Verzögerers gemäß den US-Patentschriften 32 62 799 und 33 07 919 hergestellt worden ist.
und
F i g. 4 eine ähnliche Aufnahme eines Ausschnitts des Kerns einer erfindungsgemäß hergestellten Gipswandplatte.
In allen beiliegenden Photographicn ist die Gipsoberfluche
in 6420facher Vergrößerung dargestellt und der Betrachtungswinkel beträgt 45". Die im rechten unteren
Lck jeder Photographic erscheinende Ellipse entspricht tier Abbildung eines Kreises mit einem Durchmesser
von 1.95 u.
Bei Betrachtung der F i g. 1 erkennt man. daß das Gefüge gemäß der US-Patentschrift 20 78 199 aus einer
Menge gedrungener, plumper Kristalle besteht. Im gegensatz dazu zeigt das Gefüge der erfindungsgemäß
hergestellten Platte gemäß F i g. 2 f.ist ausschließlich sehr schlanke, langgestreckte, stabförmige Kristalle mit
einem Durchmesser von weniger als etwa 0,75 μ bei fast völligem Fehlen der gedrungenen, plumpen Kristalle,
wie sie in F i g. 1 zu erkennen sind.
Daß das aus der F i g. 2 ersichtliche Kristallgefüge für
die verbesserten Eigenschaften der erfindungsgemäE hergestellten Gipswandplatten verantwortlich ist, gehi
auch aus einer Gegenüberstellung der Fig. 3 und A hervor. In Fig. 3, die das Gefüge einer herkömmlicher
Gipswandplatte zeigt, ist zu erkennen, daß mindesten« die Hälfte der sichtbaren Kristalle plump unc
gedrungen ist in der Art wie dies Fig. I zeigt. Es sine
hier nur wenige langgestreckte, stabförmige Kristalle zt erkennen und diese haben einen verhältnismäßig
großen Durchmesser in der Größenordnung von I μ oder mehr. Im Gegensatz dazu zeigt der Kern einet
erfindungsgemäß hergestellten Gipswandplattc gcmäfi Fig. 4 die gleichen schlanken, stabförmigen Kristalle
wie sie auch aus F i g. 2 ersichtlich sind. Plumpe gedrungene Kristalle fehlen fast vollständig. Hinzu
kommt, daß der weit überwiegende Anteil der Kristalle der F ι g. 4 einen Durchmesser von weniger als etwa
0.75 μ hat. Diesem deutlichen Unterschied in bezug aul das Kristallgefüge und die Abmessungen der Kristalle
sind vermutlich die verbesserten Eigenschaften der erfindungsgemäß hergestellten Platten zuzuschreiben.
Die Erfindung wird nachfolgend an Hand einiger Beispiele, in denen bevorzugte Ausführungsformen
beschrieben sind, näher erläutert.
Auf einer Vorrichtung zur Herstellung handelsüblicher Gipswandplatten wurden parallele Versuche
durchgeführt, wobei dem calcinierten Gips zum einen der bekannte Beschleuniger A und zum anderen der
erfindungsgemäß verwendete, verzögert wirkende Beschleuniger zugesetzt wurde. Bei dem Beschleuniger
A handelte es sich um eine dünnflüssige, wäßrige Suspension von sehr fein gemahlenen Calciumsulfatdihydratkristallen.
Seine Herstellung ist in den US-Patentschriften 32 62 799 und 33 07 919 beschrieben. Der
erfindungsgemäß verwendete Beschleuniger wurde durch Mahlen von Feingips in einer kontinuierlich
arbeitenden Stabmühle unter Zusatz von etwa 5 Gew.-% Saccharose bis zu einer Feinheit nach Blaine
von etwa 8000 bis 12 000cmVg (ASTM-Verfahren
C-204) hergestellt. Die Unterscheide in bezug auf das Abbindeverhalten gehen aus der nachfolgenden Tabelle
hervor.
Einheiten
1) Zugabe d. Beschl. g/nr
2) Abbindezeit min
3) Maxim. Temperaturanstiegsgeschw. C'/min
4) Temperaturanst. während C'/min der 3. Minute
5) Verhältnis aus 3) und 4)
| Beschleuniger Λ | ErCindungsgemuU |
| ι Wandstärke | verwendeter |
| \.:~ cm) | Beschleuniger |
| ('Vandstärke | |
| 1,27 cm) | |
| 57,1 | 39,1 |
| 7,89 | 7,94 |
| 5,03 | 5,48 |
| 2,40 | 1,88 |
2,10
2,91
Es ist festzustellen, daß der Temperaturabstieg Abbindevorganges bei dem erfindungsgemäßen Bewährend
des ersten Teils des Abbindevorgangs unter &5 schleuniger mit verzögerter Wirkung wesentlich größer
Vewendung des Beschleunigers nach der Erfindung
erheblich geringer ist als bei dem Vergleichsversuch.
während der Temperaturanstieg gegen Ende des ist Die Versuche zeigen ferner, daS das spezifische
Gewicht der Platten aus dem Vergleichsversuch bei 9,29 kg/m2 (entsprechend 733 kp/m3 Rohdichte des
Kernes) lag, während erfindungsgemäß hergestellte Platten mit vergleichbarer Festigkeit und Feuchtigkeits
Haftung ein spezifisches Gewicht von nur 8,19 kg/m2 (entsprechend 640 kg/m' Rohdichte des Kerns) aufweisen.
Ein weiterer Vorteil der Erfindung, der aus den oben aufgeführten Vergleichsversuchen hervorgeht, besteht
in der Kantenfestigkeit der hergestellten Platten. Es ist bekannt, daß die Kanten von Gipsplatten beim
Durchlauf durch den Trockenofen in besonderem Maße einer Calcinierung ausgesetzt sind und dadurch weich
werden. Man hat nun festgestellt, daß die durchschnittli-
ehe Kantenhärte bei gleichbleibendem Plattengewicht um etwa 5 Punkte (von insgesamt etwa 15 - 20 Punkten)
anstieg, wenn man den erfindungsgemäßen, verzögert wirkenden Beschleuniger benutzte. Weitere Daten aus
den vorerwähnten Vergleichsversuchen gehen aus den beiden nachfolgenden Tabellen hervor, deren erste
Qualitätsdaten des Kernes der Platten und deren zweite Ergebnisse aus einer Untersuchung der Haftung bei
Feuchtigkeitseinwirkung nach Befeuchtung während einer Stunde bei 32°C unter 90% relativer Luftfeuchtigkeit
erkennen läßt.
'Hineile I-H
Beschleuniger Λ
Verzögert wirkender Beschleuniger
Normales Pldttengewicht
Normales Pldttengewicht
Verzögert wirkender Beschleuniger
Reduziertes Plattengewicht
Verzögert wirkender Beschleuniger
Reduziertes Plattengewicht
Reduziertes Plattengewicht
Verzögert wirkender Beschleuniger
Reduziertes Plattengewicht
Verzögert wirkender Beschleuniger
Normales Phittengewicht
Normales Phittengewicht
| Ki)h(lichtc (rocken ι / 1 kg/m |
I esligkeil N/mm' |
Festigkeit '.ι v. Diirch- schniiuwcrt |
| 761 | 4,51 | 88.0 |
| 750 | 5,11 | 1(15.0 |
| 728 | 4.64 | 105,0 |
| 683 | I.W | 98.0 |
| 749 | 5.37 | 1 !().() |
Platten- Gewicht
zahl der Vr-
zahl der Vr-
des Platten
Versuchs
kg/m
Kern- llaltungsversagcn
rohdichte %
Vorders. Rucks.
Beschleuniger A 6 847 722 28 69
Verzögert wirkender Beschleuniger 8 858 731 2 3
Verzögert wirkender Beschleuniger 6 815 689 7 12
Verzögert wirkender Beschleuniger 4 823 699 6 30
Verzögert wirkender Beschleuniger 5 780 657 35 81
Beispiel II
Diese Versuche wurden mit einer Herstellungsanlage für handelsübliche Gipsplatten durchgeführt, die sich
von derjenigen aus dem Beispiel I unterschied. Wie die nachfolgende Tabelle zeigt, lassen sie weitgehend die
gleichen Verbesserungen erkennen.
Einheiten
Beschleuniger
gemahlenes
Gipsgestein +
Kaliumsulfat
Erfindungsgem.
Beschleuniger
1) Zugabe d. Beschl. g/m2 48,9 + 7,3 34,2
2) Abbindezeit min 6,5 6,8
3) Maxim. Temperaturanstiegsgeschw. C/min 4,22 4,69
4) TemperaturansL während C/min 2,89 2,67 der 3. Minute
5) Verhältnis aus 3) und 4) 1.46 1.76
Beispiel III
Eine Anzahl Gipsplatten wurde im Laboratorium hergestellt, um die Eigenschaften unter Verwendung
eines herkömmlichen Beschleunigers aus gemahlenem Gestein mit denen bei Verwendung des erfindungsgemäBen
verzögert wirkenden Beschleunigers vergleichen zu kennen. Der letztere wurde wiederum durch
Vermählen von Feingips mit 5% Saccharose erhalten. Es wurden Platten mit einer Kernrohdichte zwischen
etwa 800 kg/mJ und 600 kg/mJ hergestellt. Dabei hat
sich gezeigt, daß, ganz im Gegensatz zu den unter Verwendung einer normalen Herstellungsanlage gemachten
Erfahrungen, gemahlenes Gipsgestein, welches sorgfältig unter Laboratoriumsbedingungen gewonnen
wurde, als Beschleuniger recht gut geeignet ist. Die
Druckfestigkeit des Kernes damit hergestellter Platten sowie ihr Widerstand gegenüber Luftdurchtritt, gemessen
mit einem Densometer nach Gurley, waren im wesentlichen die gleichen bei Platten entsprechender
Rohdichte. Jedoch zeigte der Feuchtigkeits-Haftungs-Test selbst unter diesen nahezu idealen Bedingungen die
beträchtlichen Vorteile der Erfindung, insbesondere sofern es sich um Platten geringeren Gewichts handelte.
Die Platten wurden 24 Stunden lang bei 32°C einer relativen Luftfeuchtigkeit von 90% ausgesetzt und dann
dem üblichen Haftungsversuch unterworfen. Rohdichte und Versagen der Haftung in % gehen aus der
nachfolgenden Tabelle hervor.
| Kernrohdichte | Versagen der Ilüftung | in % |
| Beschleuniger: | ||
| Gemahlenes | lirfindungs | |
| ki»/m | (jipsgestein | gemiiU |
| 802 | ü | 0 |
| 721 | 9 | 12 |
| 633-641 | 57 | 20 |
| 609-625 | 97 | 53 |
Es ist festzustellen, daß bei höherer Kernrohdichte die Haftung nach Befeuchten bei mit einem Beschleuniger
aus gemahlenem Gestein hergestellten Platten und solchen unter Verwendung des erfindungsgemäßen
Beschleunigers im wesentlichen die gleiche ist. Jedoch treten sehr merkliche Unterschiede dann auf, wenn die
Rohdichte des Kernes vermindert wird. Beispielsweise ergibt der erfindungsgemäße Beschleuniger bei einer
Plattenrohdichte von 633 — 641 kg/m1 Platten mit nur
20% Ausschuß, und dieser Prozentsatz steigt nur auf 53%, wenn die Kernrohdichte auf 609-624 kg/m!
vermindert wird. Im Gegensatz dazu zeigen Platten unter Verwendung eines Beschleunigers aus gemahlenem
Gipsgestein 57% Ausschuß bei einer Rohdichte von 633-641 kg/m' und 97% bei einer Rohdichte von
609-625 kg/m3. Dies läßt erkennen, wie wichtig es ist, diese Erscheinung in Rechnung zu stellen, wenn man
bestrebt ist, das Plattengewicht zu verringern. Die Daten dieses Beispiels aus laboratoriumsmäßig hergestellten
Platten zeigen ferner im Vergleich zu den Daten aus dem Feuchtigkeits-Haftungs-Test des Beispiels I die
Unterschiede, die bei einer Übertragung der im Laboratorium gewonnenen Erfahrungen auf eine
normale Produktion zu erwarten sind.
Hierzu 1 Blatt Zeichnungen
Claims (4)
- Patentansprüche:ί. Verfahren zur Herstellung von Gipswandplatten mit Papierabdeckung, wobei man feinvermahlenen ungebrannten Feingips zu einem Gipsmörtel in einer solchen Menge zugibt, daß ein Abbinden des Gipsmörtels innerhalb von 15min erfolgt, dadurch gekennzeichnet, daß man dem Gipsmörtel eine innige Mischung aus dem feinvermahlenen ungebrannten Feingips und Zucker zugibt
- 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man eine Dispersion zugibt, die durch Vermählen von Feingips mit etwa 5 Gew.-°/o Saccharose hergestellt wurde.
- 3. Verfahren nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß man eine Dispersion zugibt, die eine Feinheit nach Blaine von mindestens etwa 8000 cm2/g aufweist
- 4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch ^kennzeichnet, daß man die Dispersion in einer Menge zwischen 2.5 und 10 kg, vorzugsweise zwischen 5 und 10 kg, pro Tonne calcinierten Gipses zugibt
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|---|---|---|---|
| DE19722201717 DE2201717B2 (de) | 1972-01-14 | 1972-01-14 | Verfahren zur Herstellung von Gipswandplatten mit Papierabdeckung |
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| DE19722201717 DE2201717B2 (de) | 1972-01-14 | 1972-01-14 | Verfahren zur Herstellung von Gipswandplatten mit Papierabdeckung |
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| DE2201717A1 DE2201717A1 (de) | 1973-07-26 |
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|---|---|---|---|---|
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-
1972
- 1972-01-14 DE DE19722201717 patent/DE2201717B2/de not_active Ceased
Also Published As
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|---|---|
| DE2201717A1 (de) | 1973-07-26 |
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