DE2505747B2 - Belüften von flüssigen Medien in einem Bioreaktor zur Züchtung von Mikroorganismen - Google Patents
Belüften von flüssigen Medien in einem Bioreaktor zur Züchtung von MikroorganismenInfo
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Description
Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum -» Belüften von flüssigen Medien in einem kugelförmigen
Bioreaktor zur Züchtung von Mikroorganismen mit Druckluft, bei dem mit der noch unter erhöhtem
Druck stehenden Abluft eine Abluftturbine angetrieben wird. .'")
Bei der Züchtung von Mikroorganismen werden große Luftmengen benötigt. Arbeitet man bei der
Fermentation unter Normaldruck, so ist der Aufwand an Energie und Bioreaktorvolumen besonders groß.
Bei der Belüftung unter erhöhtem Druck nach dem in Airlift-Verfahren (Luftheberprinzip) müssen zur
Ausnützung des Sauerstoffs der Luft sehr hohe Reaktionsgefäße, sogenannte Schlaufenreaktoren, verwendet
werden, oder es muß mit reinem Sauerstoff gearbeitet werden, was die Risiken einer Explosions- r>
gefahr einschließt. Bei Schlaufenreaktoren sind zur Überwindung des hydrostatischen Drucks Kompressoren
mit hoher Leistungsaufnahme notwendig.
Bei kugelförmigen, als Druckgefäß ausgebildeten Bioreaktoren reicht zur Belüftung eines gleichen Volumens
Flüssigkeit bei gleichzeitiger Zwangsumwälzung eine geringere Luftmenge und niedrigerer Druck
aus. Die verdichtete Luft wird im Bioreaktor gekühlt zugeführt und aus ihm entspannt ins Freie geleitet.
4")
Die Sauerstoffausbeute ist eine Funktion der eingeblasenen Luftmenge. Je größer die Luftmenge, desto
schlechter wird aber die Sauerstoffausnutzung, da die Verweilzeit der Luft im Reaktionsbehälter kleiner
wird. Beispielsweise beträgt die Sauerstoffausnutzung bei zwei Volumen Luft pro Volumen Flüssigkeit und
Minute (2 vvm) nur 24%, während sie bei 0,8 vvm jedoch 55% beträgt. Deshalb versucht man neuerdings
im Bioreaktor (Fermenter) unter Druck zu arbeiten, da sich in der Regel die Produktivität bzw.
Ausbeute erhöht, weil diese in vielen Fällen direkt proportional zur in Lösung gebrachten Sauerstoffmenge
ist.
Die zur Belüftung ntowendige Energie ist bei isothermer
Kompression proportional In (P1Zp0) mit p, bo
und ρ,, dem Druck am Kompressorausgang und am
Kompressoreingang. Bei höherem Fermentereingangsdruck ist also mehr Kompressionsenergie aufzuwenden.
In einem Airlift-Fermenter wird außer zur Überwindung des hydrostatischen Drucks die Druck- b5
energie größtenteils in kinetische Energie umgesetzt, die der Flüssigkeitsumwälzung im Fermenter
dient.
Wegen des niedrigen hydrostatischen Drucks im Kugelbioreaktor tritt dort lediglich ein Druckabfall in
der Größenordnung von 0,5 atm auf. Bei hohem, vom Standpunkt der Produktivität erwünschten Eingangsdruck verbleibt in der Luftmenge viel Restenergie, die
im allgemeinen ungenutzt blieb.
Man hat aber bereits zur Verbesserung der Energieausbeute vorgesehen (DD-PS 100016), den Fermentationsprozeß
mit einem Gasturbinenprozeß derart zu kombinieren, daß die, vorzugsweise zweistufig
verdichtete Luft des Gasturbinenprozesses oder ein Teil davon zur Fermentation benutzt und nach dem
Freisetzen aus der Fernieiitationsflüssigkeit, insbesondere
wegen der nicht umgesetzten Natursubstrate und Brenngase, der Verbrennung und/oder den
Rauchgasen des Gasturbinenprozesses zugeführt und, vorzugsweise zweistufig, entspannt und ins Freie geleitet
wird. Die aus dem Bioreaktor freigesetzte Luft gelangt daher zur Erhitzung in eine Brennkammer und
zur arbeitsleistenden Entspannung von dieser in eine Entspannungsturbine, sofern sie nicht direkt in die
Entspannungsturbine geleitet wird. Die oder jede Entspannungsturbine kann ihrerseits einen mechanisch
angekoppelten Verdichter für die dem Bioreaktor und der Verbrennungskammer zuzuführende Luft
antreiben.
Der technische Aufwand für die Vereinigung des offenen Gasturbinenprozesses mit dem Fermentationsprozeß
ist apparativ aufwendig und rechtfertigt sich höchstens bei sehr großen Anlagen. Die Prozeßführung
wird kompliziert und arbeitet nur bei aufwendiger Regelung unbeaufsichtigt hinreichend betriebssicher.
Die durchgesetzten Luftmengen und die aus der Verbrennung von Öl od. dgl. in den Brennkammern
erzeugte Wärmeenergie müssen so groß sein, daß die selbsterzeugte Energie zum Antrieb der Verdichter
völlig ausreicht, insoweit der Gasturbinenprozeß also im Kraftwerksprozeß zur vollständigen Eigenversorgung
ausgelegt sein muß. Für kleinere, besonders betriebssicher sowie einfach und übersichtlich
aufzubauende Fermentationsaniagen kommt eine so aufwendige Kombination mit einem Gasmaschinenprozeß
nicht in Frage.
Aufgabe der Erfindung ist es, die Verbesserung der Energieausbeute beider Züchtung von Mikroorganismen
in einem Biokugelreaktor bei hoher Produktivität durch arbeitsleistende Entspannung der aus dem Reaktor
austretenden Luft mit einfachen Mitteln zu verbessern, so daß die Energierückgewinnung ohne großen
apparativen und regelungstechnischen Aufwand möglich ist.
Die Aufgabe wird gemäß der Erfindung für das eingangs genannte Verfahren dadurch gelöst, daß mit der
Abluftturbine ein Stromgenerator und mit dem erzeugten Strom der Rührmotor des Reaktors teilweise
oder der Motor eines mechanischen Schaumzerstöirers oder zum Teil der Motor eines Luftkompressors mitangetrieben
wird. Durch den zunächst unzweckmiißig erscheinenden Umweg über die Stromerzeugung ist
die Fortleitung der Energie an die als einfache Elektromotore
auszubildenden Antriebsmotore der Hilfsaggregate und die Aufteilung der Energie auf diese
besonders unproblematisch und einfach. Aufwendige Rohrleitungen und Transmissionen entfallen und bei
Ausfall der Turbine kann die ganze Stromversorgung der Antriebsmotore nach elektrischer Umschaltung
sofort in herkömmlicher Weise aus dem Stromnetz erfolgen. Bestehende Anlagen können ohne größere
Schwierigkeit auf das erfindungsgemäße Verfahren umgestellt werden.
Für einen Fermenter mit 100 m' Arbeitsvolumen
und einer Produktivität von 5 kg/ml · h Hefe benötigt
man für die verschiedenen Belüftungssysteme i. a. etwa folgende Energiemengen:
Airlift-Fermenter 1491kW
Airlift-Fermenter 1491kW
Druckloser Fermenter 396 kW
Druckfermemter mit erfindungsgemäßer
Energierückgewinnung 284 kW
Energierückgewinnung 284 kW
Das erfindungsgemäße Verfahren reduziert also die für die Belüftung zu installierende Leistung gegenüber
dem Airlift-Ferm-jnter um das 5,25fache und erbringt
überraschenderweise gegenüber dem drucklosen Fermenter auch bei Berücksichtigung aller Verluste der
Energierückgewinnung (ca. 30%) noch eine Verbesserung um das 1,4fache trotz der gegenüber dem Gasturbinenprozeß
thermodynamisch ungünstigeren Arbeitsweise.
Überraschend ist aber nicht nur die sehr hohe Reduktion der zu installierenden Leistung gegenüber
dem Airlift-Verfahren und dem drucklosen Verfahren, sondern auch, daß jetzt Fermentationsverfahren
wirtschaftlich arbeiten können, die es bisher wegen des Energieaufwandes und der Verluste flüchtiger
Kohlenwasserstoffe im Abgas nicht konnten. Solche Verfahren sind beispielsweise die Herstellung von
Einzellproteinen mit flüchtigen Kohlenwasserstoffen, wie Methan, aber auch Methanol, Essigsäure etc. zur
Deckung der Eiweißlücke.
Das Verfahren nach der Erfindung ist an Hand einer Zeichnung näher beschrieben, die ein Blockschaltbild
einer Kugelfermenteranlage zur Ausführung des erfindungsgemäßen Verfahrens zeigt.
Der Kugelreaktor 1, in der Biotechnik Fermenter genannt, ist am unteren Ende mit einem Rühr- oder
Mischwerk 2 versehen, welches mit Hilfe eines Elektromotors 3 angetrieben wird. Für den Luftzugang ist
eine Luftverteilervorrichtung bzw. Begasungsleitung 4 eingebaut. Am oberen Ende des Fermeniers
befindet sich ein mechanischer Schaumzerstörer 5, der mittels eines Elektromotors 6 angetrieben wird.
Die erforderliche Druckluft wird mittels eines Kompressors 7 erzeugt, der durch einen Motor 8 angetrieben
wird. Der Kompressor 7 saugt durch eine Luftansaugleitung 9 Luft an und gibt sie über eine
Austrittsleitung 10 an den Fermenter ab, aus dem sie durch eine Abluftleitung 11 mit Überdruck austritt.
An die Abluftleitung 11 ist eine Abluftturbine 12 angeschlossen, die einen Generator 13 zur Erzeugung
elektrischer Energie antreibt. Die entspannte Abluft tritt aus der Abluftturbine 12 od. dgl. Kraftmaschine
über einen Stutzen 14 aus.
Die zu komprimierende Luft tritt mit einem Druck Pn über die Luftansaugleitung 9 in den Kompressor 7
ein. Hier wird sie auf einen Druck /?, komprimiert
und geht so über die Austrittsleitung 10 durch die Begasungsleitung 4 in den Fermenter. Sie wird beim
Austritt sogleich von dem Mischwerk 2 erfaßt und verteilt. Durch eine Drosselung der austretenden Abluft
durch ein Ventil oder die Abluftturbine 12 bildet sich im Fermenter ein mittlerer Druck von P1-Ap aus,
mit Ap dem Druckabfall. Die austretende Druckluft verläßt nach Zerteilung des eventuell vorhandenen
Schaumes über den mechanischen Schaumzerstörer 5 den Fermenter über die Abluftleitung 11, in der nun
ein Druck von /;,-Ap herrscht. Dieser Druck kann
jetzt so hoch gewählt sein, daß der Betrieb einer Abluftturbine 12 sinnvoll ist, die die Abluft auf Atmosphärendruck
p„ arbeitsleistend entspannt und sie über die Stutzen 14 in die Atmosphäre abgibt. Die
Ablufttuibine 12 ist nun in der Lage, einen Generator 13 anzutreiben, der elektrische Energie liefert. Diese
elektrische Energie wird dazu verwendet, den Elektromotor 3 des Rühr- oder Mischwerks 2 des Kugelreaktors
1 teilweise oder den Elektromotor 6 des mechanischen Schaumzerstörers 5 oder zum Teil den
Motor 8 des Kompressors 7 mitanzutreiben.
Hierzu 1 Blatt Zeichnungen
Claims (1)
- Patentanspruch:Verfahren zum Belüften von flüssigen Medien in einem kugelförmigen Bioreaktor zur Züchtung ί von Mikroorganismen mit Druckluft, bei dem mit der noch unter erhöhtem Druck stehenden Abluft eine Abluftturbine angetrieben wird, dadurch gekennzeichnet, daß mit der Abluft'urbine ein Stromgenerator und mit dem erzeugten Strom der i<> Rührmotor des Reaktors teilweise oder der Motor eines mechanischen Schaumzerstörers oder zum Teil der Motor des Luftkompressors mitangetrieben wird.
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