DE281484C - Verfahren zum gerben tierischer häute - Google Patents

Verfahren zum gerben tierischer häute

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DE281484C
DE281484C DE1913281484D DE281484DA DE281484C DE 281484 C DE281484 C DE 281484C DE 1913281484 D DE1913281484 D DE 1913281484D DE 281484D A DE281484D A DE 281484DA DE 281484 C DE281484 C DE 281484C
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Description

KAISERLICHES
PATENTAMT.
PATENTSCHRIFT
- M 281484 :-· KLASSE 28 a. GRUPPE
Verfahren zum Gerben tierischer Häute. Patentiert im Deutschen Reiche vom 18. Mai 1913 ab.
Es ist schon ein Verfahren zum Gerben tierischer Häute beschrieben, darin bestehend, daß man diese mit wasserlöslichen Verbindungen, welche aus Formaldehyd bzw. Formaldehyd entwickelnden oder wie dieser reagierenden Stoffen und aromatischen Oxyverbindungen erhältlich sind, und die außer Hydroxyl eine oder mehrere andere salzbildende saure Gruppen enthalten, für sich oder in Mischung mit anderen
ίο gerbenden oder nichtgerbenden Stoffen behandelt. Diese wasserlöslichen Verbindungen haben einen nicht kristallinischen Charakter und vermögen Leim- bzw. Gelatinelösungen zu fällen.
Es wurde nun gefunden, daß man die genannten Produkte mit analogem Erfolg ganz generell durch andere wasserlösliche, aromatische, hydroxylhaltige Verbindungen nichtkristallinischen Charakters ersetzen kann, in denen im Molekül zwei oder mehr aromatische Kerne, welche pro Kern höchstens eine Hydroxylgruppe enthalten, durch ein oder mehrere Atomgruppen oder mehrwertige Atome miteinander verbunden sind, und die außer Hydroxyl eine oder mehrere andere salzbildende saure Gruppen enthalten und Leim- oder Gelatinelösung zu fällen vermögen, wobei die Verwendung der durch Erhitzen von Phenol- oder Kresolsulf 0-säuren für sich oder bei Anwesenheit von Kondensationsmitteln erhältlichen Produkte ausgenommen ist.
Beispiel I.
Die gut gekalkte und gebeizte Blöße wird in eine wässerige, etwa 21/2Prozentige Lösung von sulfiertem Dimethyldioxysulfobenzid, welche bis zu mäßig saurer Reaktion anneutralisiert ist, eingeführt. Man bessert dann in üblicher Weise unter Zusatz weiterer Mengen des obigen Produkts zu und läßt die Häute so lange in dieser Hänge farbe, bis die Gerbung vollendet ist, was nach etwa 10 Tagen der Fall ist. Man kann zu der Gerblösung auch Salze, wie z. B. Kochsalz, hinzugeben.
Statt einer Hängefarbe kann man auch einen Satz von drei oder mehr Hängefarben verwenden, wobei die Farben sukzessive stärker gehalten werden. Statt in Hängefarben kann auch im Haspel oder im Walkfaß gegerbt werden, wobei die Gerbbrühen zweckmäßig von vornherein stärker gehalten und dann aufgebessert werden. Das gare Leder wird entsprechend ent- ■ säuert, in bekannter Weise. gefettet und getrocknet. Das so erhaltene Leder ist ungefärbt; in seinen sonstigen Eigenschaften ist es dem mit Hilfe von vegetabilischen Gerbstoffen erhältlichen sehr ähnlich.
Das sulfierte Dimethyldioxysulfobenzid läßt sich z. B. in nachstehender Weise darstellen. 50 Teile Dimethyldioxysulfobenzid (erhältlich durch Erhitzen von o-Kresol mit Schwefelsäure) werden bei gewöhnlicher Temperatur mit 200 Teilen 23prozentigem Oleum so lange gerührt, bis das Produkt wasserlöslich geworden ist; das Reaktionsprodukt wird auf etwa 200 Teile Eis gegossen und aus der Lösung die überschüssige Schwefelsäure in üblicher Weise durch Kalk oder Baryt entfernt. Die so erhaltene Lösung wird entweder direkt oder nach weiterer Konzentration verwendet.
Beispiel II.
Eine konzentrierte Lösung des Einwirkungsprodukts von Chlorschwefel auf das Sulfierungsprodukt von Rohkresol wird mit Natronlauge anneutralisiert und alsdann mit Wasser so weit verdünnt, bis die Lösung etwa 5prozentig ist. Mit der so erhaltenen Gerbbrühe wird in üblicher Weise gegerbt. Das auf diese Weise erhaltene Leder stimmt in seinen Eigenschaften mit dem
ίο nach vorstehender Vorschrift erhaltenen im wesentlichen überein.
Das verwendete Chlorschwefeleinwirkungsprodukt wird z. B. in folgender Weise erhalten: 239 Teile Rohkresol werden mit 261 Teilen konzentrierter Schwefelsäure so lange erwärmt, bis die Sulfierung beendet ist, dann wird abgekühlt, und es werden bei gewöhnlicher Temperatur langsam 150 Teile Chlorschwefel unter gutem Rühren eingetropft. Nach beendeter Salzsäureentwicklung wird auf Eis gegossen, die Reaktionsfiüssigkeit mit Wasser verdünnt und aufgekocht, bis die Schwefelabscheidung beendet ist. Dann filtriert man den Schwefel ab. Die Lösung wird, wenn nötig, eingedampft.
Beispiel III.
100 Teile der nach der Vorschrift der Patentschrift 50077 erhältlichen Thionaphtolsulfosäure B werden in so viel Wasser gelöst, daß eine etwa 5prozentige Lösung erhalten wird. Diese Lösung wird in angegebener Weise zum Gerben benutzt.
Beispiel IV.
Eine konzentrierte Lösung der Substanz, welche durch Sulfieren des Kondensationsproduktes von Acetaldehyd und Phenol erhalten wird, wird mit Natronlauge anneutralisiert und alsdann mit Wasser zu einer 21Z2 0 Be starken Lösung verdünnt; man setzt dieser Lösung pro Liter 10 g Kochsalz zu und gerbt mit der Brühe wie üblich. Man erhält nach dem Fetten ein ■Leder von guter Reißfestigkeit.
Das verwendete Sulfierungsprodukt wird in folgender Weise erhalten: 94 Teile Phenol (1 Molekül) werden mit 22 Teilen Paraldehyd (entsprechend V2 Molekül Acetaldehyd) unter Zusatz von geringen Mengen konzentrierter Schwefelsäure einige Zeit geschüttelt; es tritt unter lebhafter Wärmeentwicklung Reaktion ein; man sorgt, wenn nötig, dafür, daß die Temperatur 90° nicht übersteigt. Nach beendeter Reaktion fügt man 100 Teile Schwefelsäure von 67 ° Be zu und rührt unter mäßigem Erwärmen so lange, bis das Reaktionsprodukt wasserlöslich ist. Das so erhaltene Produkt stellt eine viskose, in Wasser leicht lösliche Masse dar.
Beispiel V.
Eine konzentrierte Lösung des Einwirkungs-Produktes von Glyzerin und Schwefelsäure auf Phenol wird mit Natronlauge anneutralisiert und alsdann mit Wasser so weit verdünnt, bis die Lösung ein spezifisches Gewicht von etwa 2 ° Be zeigt; man geht mit der gut gekalkten und gebeizten Blöße in diese Gerbbrühe ein und verstärkt dieselbe im Laufe des Gerbprozesses allmählich auf 40Be.
Man erhält ein weiches, volles, grobnarbiges Leder.
Das genannte Einwirkungsprodukt wird z. B. folgendermaßen erhalten: 94 Teile Phenol (1 Molekül) werden mit 100 Teilen 98prozentiger Schwefelsäure (1 Molekül) und 46 Teilen Glyzerin (1Z2 Molekül) 10 Stunden auf 100 ° erwärmt. Man gießt nach dem Erkalten auf Eis, filtriert von geringen Mengen unlöslicher Produkte ab und reinigt die Lösung, wenn nötig, in bekannter Weise. Die so erhaltene Verbindung ist in Wasser sehr leicht löslich und zeigt stark sauren Charakter; sie enthält phenolische Hydroxyl- und Sulfosäuregruppen. Produkte ähnlicher Art erhält man durch Einwirkung von Glyzerin auf Phenolsulfosäure.
Beispiel VI. ®5
Eine Lösung des Harnstoffs der 2-Amino-5-naphtol-7-sulfosäure wird zum Gerben verwandt, wobei man in üblicher Weise verfährt.
Man erhält ein hartes Leder von guten Narben und sehr guter Reißfestigkeit.
In analoger Weise verfährt man bei Verwendung anderer Gerbstoffe der eingangs gekennzeichneten Art.

Claims (1)

  1. 95 Patent-Anspruch:
    Verfahren zum Gerben tierischer Häute, darin bestehend, daß man die Häute mit wasserlöslichen, aromatischen, hydroxylhaltigen Verbindungen nichtkristallinischen Charakters behandelt, in denen im Molekül zwei oder mehr aromatische Kerne, welche pro Kern höchstens eine Hydroxylgruppe enthalten, durch ein oder mehrere Atomgruppen oder mehrwertige Atome miteinander verbunden sind, und die außer Hydroxyl eine oder mehrere andere salzbildende saure Gruppen enthalten und Leim- oder Gelatinelösung zu fällen vermögen, für sich oder in Mischung mit anderen gerbenden oder nichtgerbenden Stoffen, wobei die Verwendung der durch Erhitzen von Phenoloder Kresolsulfosäuren für sich oder bei Anwesenheit von Kondensationsmitteln erhältliehen Produkte ausgenommen ist.
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