DE307676C - - Google Patents
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Description
Man sieht bekanntlich zwei stereoskopisch aufgenommene und in Komplementärfarben
übereinandergedruckte Bilder körperlich, wenn man sie durch eine Brille mit zwei entsprechend
gefärbten Gläsern, unmittelbar oder auf dem Projektionsschirm betrachtet. Den gleichen
Erfolg erzielt man, wenn zwei an sich einfarbige (schwarz-weiße) Stereobilder durch zwei
Objektive mit komplementär gefärbten Lichtfiltern zur Deckung gebracht und wie oben
betrachtet werden. Hauptsächlich dem zuletzt genannten zweckmäßigeren Verfahren will die vorliegende Erfindung dienen, indem
sie-anstrebt, die Filterfarben streng komplementär
zu machen.
Wenn nun auch Neuhauß in seinem Lehrbuch
der Projektion, zweite Auflage, Halle a. S. 1908, Seite 100, ausspricht, daß die Filterfarben
genau komplementär sein müssen und der Beschauer die gleiche Empfindlichkeit für
beide Farben haben soll, so blieben doch diese Forderungen. bisher unerfüllbar und unerfüllt,
weil die durch von Helmholtz, König und ihre Nachfolger begonnenen bzw.
weitergeführten Untersuchungen über · die Empfindlichkeit des Auges für die verschiedenen
Spektralfarben und Methoden zur Untersuchung der Spektra verschiedener Lichtquellen
auf die Herstellung möglichst heller und auch im übrigen ejnwandsfreier, d. h. das
Spektrum restlos und für beide Augen gleichwertig aufteilender Zweifarbenfilterpaare bisher
nicht angewendet wurden. Erst der Urheber der vorliegenden Erfindung gelangte
dadurch, daß er die gedachten Untersuchungen zur; Strahlungsenergie der verschiedenen
Lichtquellen in Beziehung s,etzte und die Halbierung der Helligkeitskurve unter dem
Gesichtspunkt der Zerlegung in zwei gleich helle Teile unternahm, zu der Möglichkeit,
durch Farbenauswahl auf Grund der gewonnenen Erkenntnisse Filterpaare zu bekommen,
welche das sichtbare Spektrum restlos und gleichförmig aufteilen.
Die Kurve in Fig. 1 läßt für alle mög- 45, liehen Lichtquellen, deren spektrale Verschiedenheiten
bekanntlich Funktionen- der absoluten Temperatur sind, erkennen, an welcher Stelle der μ-μ Skala des Spektrums — also
bei welcher Wellenlänge — die die Fläche der Helligkeitskurve (Helligkeitsfläche, Wirkungsfläche)
halbierende Ordinate zu suchen ist. Verzeichnet ist insbesondere die Halbie-'
rende für das Sonnenspektrum bei 557,5 μ-μ, diejenige, für das Bogenlichtspektrum bei
562,3 μ-μ, diejenige für eine hochbeanspruchte Kohlenfadenglühlampe bei 582,5 ju-ju. und diejenige
für eine minder beanspruchte· Kohlenfadenglühlampe bei 590 ju-ju, entsprechend den
absoluten Temperaturen von 5800, 4100, 1940 und 1690°. In Fig. 2 ist über dem Normalspektrum
die hinsichtlich ihrer Fläche bei 562,3 μ-μ halbierte Kurve für Bogenlicht als
die vornehmlich in Betracht kommende Lichtquelle gezeichnet.
Wird nach Anleitung der Fig. 2 das Spektrum nach der halbierenden Wirkungsfläche,
sozusagen nach der Gleichgewichtsachse ,zerschnitten, so kommt es noch darauf an, die
färbenden Stoffe für die beiden Einzelfilter so zu wählen, daß die Absorptionsgrenzen
an der mehrerwähnten Halbierenden ohne
fühlbare Überdeckung, aber auch ohne fühl- j bare Lücke zusammentreffen und jedes Einzelfilter
auch im übrigen für alle Farben der ihm zugeordneten Hälfte des sichtbaren Spektrums
durchlässig und für alle Farben der gegenteiligen Hälfte undurchlässig ist. Damit
sind die Bedingungen für ein in jeder Hinsicht vollkommenes Filterpaar gegeben, welches
insbesondere auch die stereoskopische Projektion
in Naturfarben ermöglicht.
Auf diese Weise gelangte der Erfinder zu den folgenden Vorschriften für Flüssigkeitsfilter
bzw. Trockenfilter für Bogenlicht.
A. Flüssigkeitsfilter: Kaltgesättigte Kupfersulfatlösung
in 2 cm Schichtdicke für die brechbarere Hälfte des1 Spektrums; kaltgesättigte,
angesäuerte Lösung von Kaliumbichromat in 1 cm Schichtdicke für die minder brechbare
Hälfte des Spektrums.
B. Trockenfilter: Die Einzelfilter bestehen aus mit Gelatine überzogenen Glasplatten,
die in folgenden Lösungen gebadet sind:
Eine 2,5 prozentige wässerige Lösung von Metanilgelb für die brechbarere Hälfte des
Spektrums; eine 0,05prozentige wässerige Lösung von Methylenblau für die minder brechbare
Hälfte des Spektrums.
Da die Aufnahmefähigkeit von der Gelatineart und anderen Umständen abhängt, so sind
Dauer und Wärmegrad des Bades für eine bestimmte Gelatinesorte bei bestimmter Schichtdicke
durch spektroskopische Prüfungen auszumitteln.
Diese Filterpaare zeichnen sich den vorhandenen gegenüber äußerlich dadurch aus,
daß die Fa'rben der Einzelfilter viel weniger gesättigt erscheinen und orangefarben bzw.
hellblau aussehen.
Bei diesen Vorschriften handelt es sich um einheitlich gefärbte, je einer Hälfte des sichtbaren
Spektrums entsprechende Einzelfilter. Man kann aber unter dem Gesichtspunkt der
■ restlosen und gleichförmigen Aufteilung des Spektrums auch Filterpaare herstellen, bei
denen jedes Einzelfilter nach Art des Farbenrasters eine Mehrzahl von Farben enthält,
die je einem bestimmten Teilbereich des Spektrums entsprechen und derart ineinandergeschoben
werden, daß jedes Einzelfilter für wenigstens zwei je einer Hälfte des »halbierten«
Spektrums entnommene Teilbereiche durchlässig bzw. undurchlässig ist. Hier wird also jede Hälfte des Spektrums abschnittweise
auf beide ,Einzelfilter verteilt. Bei solcher Ausführung entfällt der Wettstreit
der Farben vollständig und es ist mit solchen Filtern die stereoskopische Projektion in den
Naturfarben in vollkommener Weise und mit vergleichsweise einfachen Mitteln möglich.
Diese Vorteile beruhen darauf, daß beide Einzelfilter in dem Sinne wie etwa die Autochromplatte »weiß« (in Wirklichkeit also neutral
grau) sind und dennoch zusammen als Zweifarbenfilter wirken.
Fig. 3 zeigt ein Normalspektrum mit eingezeichnetem Schema für die Zerlegung in
Abschnitte von, gleichem Helligkeitswert, wie aus der Beziehung zu der Kurve in Fig. 2
hervorgeht. Die Abschnitte 1 und 3 sind gemäß dem Schema Fig. 4 zu dem einen
Einzelfilter, die Abschnitte 2 und 4 zu dem anderen Einzelfilter in dem Sinne von Färbenras
tern zu verschmelzen. Die Zahl der Abschnitte, die nach Fig. 3 und 4=4 ist, ist
theoretisch nicht beschränkt, wird aber für die Praxis' über sechs kaum hinausgehen und
muß jedenfalls eine gerade Zahl sein.
Geeignete Farbstoffe für das beschriebene Rasterfilterpaar sind: -
Abschnitt 1: Filterrot 1 der Höchster Farbwerke in 1 prozentiger wässeriger Lösung;
Abschnitt 2: Metanilgelb (Höchst) in 2,5-prozentiger
wässeriger Lösung + Methylenblau (Höchst) in 0,1 prozentiger Lösung; gleiche
Mengen der beiden Lösungen gemischt;
Abschnitt 3: Toluidinblau (Höchst) in 0,5-prozentiger
+ Filtergelb (Höchst) in 1 prozentfger wässeriger Lösung; gleiche Lösungsmengen
gemischt;
Abschnitt 4: Filterblau (Höchst) in iprozentiger
wässeriger Lösung.
Hiermit können gelatineüberzogene Glasplatten in der oben für einfarbige Filter beschriebenen
Weise gefärbt werden.1
Bei dem Farbenrasterfilterpaar ist, wenn es als Brille benutzt wird, sowohl eine allzufeine
als eine allzugrobe Rasterung zu vermeiden. Im ersten Falle treten Beugungserscheinungen auf, im zweiten Falle lösen
sich die Farben für das Auge auseinander, d. h. das Filter wirkt subjektiv nicht mehr
additiv, nicht mehr als Farbenraster; das Bild wird mit farbigen Flecken gesehen.
Man umgeht die Schwierigkeit, die richtige Mitte innezuhalten, wenn man eine grobe
Rasterung anwendet, die beiden Farbenrasterfilter vor die Objektive eines Doppelfernrohres
mit Prismen einschaltet und dieses Instrument statt der Brille benutzt. Auf diese
Weise werden die Farbenraster gewissermaßen an die richtige Stelle, d. h. in die Pupille
der Augen verlegt, wodurch die besagten Fehlererscheinungen vermieden werden.
Claims (4)
- Patent-Ansprüche:i. Filterpaar für das anaglyphische Verfahren der Zweifarbenstereoskopie, dadurch gekennzeichnet, daß es als Flüssigkeitsfilter für Bogenlicht aus einer kaltgesättigten Kupfersulfatlösung von 2 cm Schichtdicke für die brechbarere Hälfte, aus einer kaltgesättigten, angesäuerten Kalium-bichromatlösung von ι cm Schichtdicke für die minder brechbare Hälfte des nach dem Helligkeitswerte für das menschliche Auge halbierten Spektrums besteht.
- 2. Trockenfilterpaar für das anaglyphische Verfahren der Zweifarbenstereoskopie, dadurch gekennzeichnet, daß es als Filter für Bogenlicht aus gelatineüberzogenen Glasplatten, gebadet in 2,5 prozen tiger wässeriger Lösung von Metanilgelb für die brechbarere Hälfte, in o,o5prozentiger wässeriger Lösung von Methylenblau für die minder brechbare Hälfte des wie in Anspruch 1 halbierten Spektrums besteht.
- 3. Trocken filterpaar für das anaglyphische Verfahren der Zweifarbenstereoskopie; dadurch gekennzeichnet, daß es als Filter für Bogenlicht für den Abschnitt des Spektrums von 700 bis 592 μ-μ Filteirot 1 (Höchst) in 1 prozentiger wässeriger Lösung, für den Abschnitt von 592 bis 562 μ-μ Metanilgelb (Höchst) in 2,5 prozentiger + Methylenblau (Höchst) in o.iprozentiger wässeriger Lösung, für den Abschnitt von 562 bis 532 μ-μ Toluidinbläu (Höchst) in 0,5 prozentiger + Filtergelb (Höchst) in ι prozentiger wässeriger Lösung, für den Abschnitt von 532 bis 400 μ-μ Filterblau (Höchst) in 1 prozentiger wässeriger Lösung enthält, und zwar derart, daß nach Art des Farbenrasters auf jedes Einzelfilter zwei färbende Elemente entfallen und durch diese in jedem Einzelfilter Abschnitte des Spektrums aus beiden Spekr trenhälften vertreten sind.
- 4. Gerät zur Anwendung des Filterpaares nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die farbenrasterartigen Einzelfilter den Objektiven eines Prismendoppelfernrohres vorgeschaltet sind.Hierzu 1 Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
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Country Status (1)
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