DE3330802C2 - Verfahren zur Beurteilung gebirgsschlaggefährlicher Spannungen und Meßvorrichtung - Google Patents
Verfahren zur Beurteilung gebirgsschlaggefährlicher Spannungen und MeßvorrichtungInfo
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Abstract
Zur Beurteilung gebirgsschlaggefährlicher Spannungen werden neben der aufgewendeten Energie und der Drehzahl des Bohrwerkzeuges auch das Drehmoment und der Andruck gemessen und ausgewertet. Damit sind zwei unabhängig voneinander stattfindende Teilmeßverfahren gegeben, die sowohl technische Mängel wie auch menschliche Unzulänglichkeiten weitgehend ausschalten. Zur Durchführung des Verfahrens dient eine Meßvorrichtung, bei der der Bohrmaschine ein Kraftmesser zur Ermittlung des Andrucks und nötigenfalls eine Meßwelle zur Ermittlung des Drehmomentes zugeordnet sind.
Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Beurteilung
gebirgsschlaggefährlicher Spannungen, insbesondere im untertägigen Steinkohlenbergbau, durch Einbringen
von Bohrungen und Feststellung, Registrierung und Vergleichen der dabei anfallenden Kenngrößen für die
aufgewendete Energie und/oder die Umdrehungen des Bohrwerkzeuges sowie ggfs. der anfallenden Bohrmehlmenge.
Gebirgsschläge treten durch die explosionsartige Auslösung von Spannungen im Gebirge auf. Dabei erfolgt
gleichzeitig das Ausschleudern erheblicher Kohle- und Gesteinsmengen die Mensch und Material erheblich
gefährden. Es sind Verfahren entwickelt worden, mit denen die Gefahr auf ein Mindestmaß beschränkt
werden soll, indem die gebirgsschlaggefährdeten Bereiche rechtzeitig ermittelt, z. B. durch Testbohrungen, und
dann Gegenmaßnahmen, meist sogenannte Eritspännungsbohrungen,
vorgenommen werden. Bei diesen Test- und Entspannungsbohrungen werden in der Praxis
zur Zeit die je Bohrmeter anfallende Bohrmehlmenge sowie die hierbei ausgelösten Entspannungsgeräusche
und »andere Anzeichen« notiert und als Aufschlüsse über den Druckzustand des Kohlenstoßes verwendet.
Hierzu sind Richtlinien des Landesoberbergamtes Nordrhein-Westfalen entwickelt worden.
In Ergänzung oder als Ersatz zu diesen bekannten Verfahren ist, wie die DE-PS 31 00 984 wiedergibt, die
Erfassung von Meßgrößen für derartige Bohrungen vorgeschlagen worden, wobei die aufgewendete Energie
und/oder die Umdrehungszahlen des Bohrwerkzeuges automatisch ermittelt und zur Beurteilung .">erangezogen
werden. Während die Ermittlung der Bohrmehlmenge und die Beachtung der Entspannungsgeräusche
unter Umständen arbeitsaufwendig und das Ergebnis mit menschlichen Unzulänglichkeiten behaftet ist, gibt
die Erfassung der Kenngrößen Energieaufwand und/ oder Drehzahl nicht in allen Fällen einen eindeutigen
Zusammenhang mit dem Gebirgsdruck oder den Bohrmehlmengen. Eine insbesondere von der menschlichen
Unzulänglichkeit unabhängige Beurteilung de«· gebirgsschlaggefährlichen
Spannungen ist somit nur bedingt erreichbar.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die Sicherheit
des Testbohrverfahrens gegen menschliche Unzulänglichkeiten und gegen technische Mängel wesentlich
zu erhöhen und geeignete Meßvorrichturigen dafür zu schaffen.
Die Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß neben der aufgewendeten Energie je Meter Bohrfortschritt
und/oder der Zahl der Umdrehungen des Bohrwerkzeuges je Meter Bohrfortschritt auch der Andruck
und oder das Drehmoment gemessen werden.
Durch die Einbeziehung der weiteren Meßgrößen Andruck und ggfs. Drehmoment ist eine eindeutige Interpretation
der Gefahrensituation gegeben, wobei durch die automatische Ermittlung dieser Meßgrößen
die menschlichen Unzulänglichkeiten weiter erheblich eingeschränkt sind. Die Umdrehung der Bohrstange je
Längeneinheit Bohrfortschritt ist bei gleichbleibendem Drehmoment der Energie proportional. Das Drehmoment
ändert sich aber, wenn sich dir Druck, der in der
Kohle herrscht, ändert, wobei dies bis zum Festklemmen der Bohrstange führen kann. Die Messung des
Drehmomentes gibt somit Aufschluß über die Gebirgsdruckwirkungen, die auch den Energieverbrauch mitbestimmen.
Normalerweise wird bei einem zu geringen Andruck nur wenig Bohrklein losgelöst, während bei
einem übermäßigen Andruck der Bohrmaschine ein zu hohes Drehmoment abverlangt wird. Der Energieverbrauch
oder die Umdrehungszahl muß daher stets auf den Andruck bezogen werden. Beim Bohren unter hohem
Gebirgsdruck kommt noch hinzu, daß die Materialeigenschaften wechseln, sobald die Kohle wegen dieses
Gebirgsdruckes spontan in das Bohrlochtiefste hineinbricht. Dann geht der Andruck in charakteristischer
Weise zurück und kann sogar negativ werden. Dies wird als Ziehen des Gestänges bezeichnet. Mit Hilfe dieser
Kenngrößen sowie der aufgewendeten Energie und/ oder der Drehzahl kann in vorteilhafter Weise eine ausreichend
genaue Bestimmung der gebirgsschlaggefährlichen Spannungen vorgenommen werden.
Nach einer Ausbildung der Erfindung wird zusätzlich zu den Kenngrößen Drehzahl, Energie, Drehmoment
-und Andruck parallel auch die je Meter Bohrfortschritt
anfallende Bohrmehlmenge ermittelt. Dies bringt eine optimale Bewertung und Beurteilung der gebirgsschlaggefährlichen
Spannungen. Da nun mehrere miteinander im Zusammenhang stehende Kenngrößen zur Verfügung
stehen, die darüber hinaus auch noch weitgehend unabhängig von menschlicher Beeinflussung ermittelt
werden, ist auch bei Ausfall des einen oder anderen Wertes eine sichere Beurteilung gegeben. Gefährliche
Flözspannungen geben sich stets durch erhöhte Bohrmehlmengea zu erkennen. Umgekehrt können erhöhte
Bohrmehlmengen beim Testbohren aber auch auftreten, wenn die Spannungen ungefährlich, die Kohle aber sehr
locker ist Das kann zum Beispiel in tektonisch gestörten Zonen der Fall sein. Da nun durch die zusätzlichen
Kennwerte auch bei solchen Verhältnissen eine einwandfreie Beurceilung der gebirgsschlaggefährlichen
Spannungen möglich ist kann auch bei solchen Situationen auf Entspannungsbohrungen verzichtet werden, die
ansonsten bei nur Bohrmehlmengenermittlung vorsichtshalber vorgenommen werden müßten. Allein hierin
liegt schon ein wesentlicher Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens, weil mit derartigen, vorsichtshalber
vorgenommenen Entspannungsbohrungen ein erheblicher Kostenaufwand verbunden wäre. Abgesehen davon,
kann bei ungünstigen Verhältnissen auf die Ermittlung der Bohrmehlmenge ganz verzichtet werden, insbesondere
wenn durch sehr starken Wetterzug das Bohrmehl teilweise weggeweht wird. Die anderen
Kenngrößen lassen dann immer noch eine einwandfreie Beurteilung zu. Die Bohrmehlmessungen könnest in solchen
Fällen auf die Testbohrungen oder Teiltestbohrungen beschränkt werden, die Gefahren anzeigende Bohrkenngiößen
hervorbringen.
Zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens dient eine Meßvorrichtung, bei der der Bohrmaschine
eine Meßwelle und ein Kraftmesser zugeordnet ist Ober die Meßwelle wird das Drehmoment ermittelt,
während über den Kraftmesser der Andruck zu ermitteln und festzuhalten ist
Dabei wird die Meßwelle zweckmäßig zwischen Bohrstange und Bohrmaschine angeordnet, um das
Drehmoment sicher zu ermitteln. Auch der Kraftmesser ist zweckmäßig an dem in der Bohrmaschine geführten
Ende der Bohrstange oder in der die Bohrstange aufnehmenden Bohrung innerhalb der Bohrmaschine angeordnet.
Um den meßtechnischen Aufwand möglichst zu beschränken, ist nach einer weiteren Ausbildung der Erfindung
vorgesehen, daß die Meßwertaufnehmer für Drehmoment und Andruck mit denen für die Drehzahl und/
oder den Energiebedarf kombiniert ausgebildet sind. Dabei kann sowohl Drehzahl und Andruck, wie auch
Drehmoment und Drehzahl oder Drehmoment und Andruck oder auch alle Werte gleichzeitig mit einem derartigen
komplexen Meßwertaufnehmer ermittelt und zur Auswertestelle weite^eleitet werden.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand einer Zeichnung näher prläutert.
In der einzigen Figur ist eine Testbohrung wiedergegeben.
Hierzu wird in den Kohlenstoß 1 ein Bohrloch 2 getrieben, wobei das im Bohrlochtiefsten 3 anfallende
Bohrklein kontinuierlich aus dem Bohrloch 2 herausgetragen wird. Hierzu weist die Bohrmaschine 5 eine
Bohrstange 6 mit Schneckengewinde auf, das dafür Sorge trägt, daß das von der Bohrschneide 7 gelöste Bohrklein
kontinuierlich abgefördert wird.
Die Bohrmaschine .5 weist eine Bohrung 8 auf, in die die Bohrstange 6 eingeführt ist. In diesem Bereich ist die
Meßwelle 9 zur Ermittlung des Drehmomentes und der Kraftmesser 10 zur Ermittlung des Andruckes angeordnet,
wobei beide wie im dargestellten Beispiel erläutert in einer Vorrichtung kombiniert sein können.
Mit Hilfe einer derartigen Meßvorrichtung kann darüber
hinaus auch gleichzeitig wie erläutert die Drehzahl und der Energiebedarf ermittelt werden. Sowohl der
Energiebedarf als auch die Drehzahl je Längeneinheit Bohrfortschritt werden von dem Andruck in Bohrrich
tung, dem der Maschine abverlangten Drehmoment und der Festigkeit des zu durchbohrenden Materials beeinflußt.
Beim Bohren unter erhöhtem Gebirgsdruck ist diese Festigkeit veränderlich. Die Kohle kann dann
nämlich im Bohrlochtiefsten spontan zerbrechen, so daß nur noch gelockerte Kohle zu durchbohren ist Der Andruck
geht dann in charakteristischer Weise zurück und kann sogar negativ werden. Weiterhin kann die Bohrlochwand
sich unter der Wirkung des Gebirgsdruckes verengen und dadurch das Gestänge im äußersten Fall
festklemmen. Hier erfährt das Drehmoment einen charakteristischen Verlauf, der eine Interpretation des
Spannungszustandes des Gebirges zuläßt Die Messung der Kennwerte Andruck und Drehmoment ist deshalb
für die Beurteilung des Zusammenhangs zwischen Energieverbrauch und gebirgsschlaggefährlichen Spannungen
erforderlich. Der Andruck gibt Aufschluß darüber, inwieweit die Energie noch zum Lc£ J,ösen der Kohle
verbraucht wird. Bei ziehendem Gestänge wird die
Energie fast nur noch für das Abfördern der spontan hereingebrochenen Kohle verbraucht und ein großer
Verbrauch oder eine große Umdrehungszahl zeigen dann an daß viel Kohle hereingebrochen ist und die
Gebirgsspannungen entsprechend hoch sind. Das Drehmoment gibt zu erkennen, ob ein Festklemmen droht
und läßt dadurch Rückschlüsse auf die Gebirgsspannungen im bereits durchbohrten Teil des Bohrloches zu.
Damit können Testbohrergebnisse erreicht werden, die für rechtzeitige Sicherheitsvorkehrungen und für
wirtschaftliche Maßnahmen von großer Tragweite sind. Durch zwei voneinander unabhängige Meßvorgänge ist
die Sicherheit weiter erhöht, wobei verschieden geartete,
aber miteinander in Beziehung stehende Meßgrößen erfaßt und zur Beurteilung herangezogen werden.
| 1 | Kohlenstoß |
| 40 2 | Bohrloch |
| 3 | Bohrlochtiefsten |
| 5 | Bohrmaschine |
| 6 | Bohrstange |
| 7 | Bohrschneide |
| 45 8 | Bohrung |
| 9 | Meßwelle |
| 10 | Kraftmesser |
Hierzu 1 Blatt Zeichnungen
Claims (7)
1. Verfahren zur Beurteilung gebirgsschlaggefährlicher Spannungen, insbesondere im untertägigen
Steinkohlenbergbau, durch Einbringen von Bohrungen und Feststellung, Registrierung und Vergleichen
der dabei anfallenden Kenngrößen für die aufgewendete Energie und/oder die Umdrehungen des
Bohrwerkzeuges sowie ggfs. der anfallenden Bohrmehlmenge, dadurch gekennzeichnet, daß
neben der aufgewendeten Energie je Meter Bohrfortschritt und/oder der Zahl der Umdrehungen des
Bohrwerkzeuges je Meter Bohrfortschritt auch der Andruck und/oder das Drehmoment gemessen werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß zusätzlich zu den Kenngrößen Drehzahl,
Energie, Drehmoment und Andruck parallel auch die je Meter Bohrfortschritt anfallende BohriüchlniengE
ermittelt wird.
3. Meßvorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
der Bohrmaschine (5) eine Meßwelle (9) und ein Kraftmesser (10) zugeordnet sind.
4. Meßvorrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Meßwelle (9) zwischen Bohrstange
(6) und Bohrmaschine (5) angeordnet ist.
5. Meßvorrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Kraftmesser (10) an dem in
der Bohrmi -rinne (5) geführten Ende der Bohrstange
(6) oder in der die Bohrstange aufnehmende Bohrung (8) in der Bohrmaschine \5) angeordnet ist.
6. Meßvorrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet,
daß die Meßweriaufnehmer(9,10) für Drehmoment und Andruck mit denen für die Drehzahl
und/oder den Energiebedarf kombiniert ausgebildet sind.
7. Meßvorrichtung nach Anspruch 3. dadurch gekennzeichnet, daß der Kraftmesser (10) und/oder die
Meßwelle (9) in der Bohrmaschine (5) angeordnet sind.
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| DE19833330802 DE3330802C2 (de) | 1983-08-26 | 1983-08-26 | Verfahren zur Beurteilung gebirgsschlaggefährlicher Spannungen und Meßvorrichtung |
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Publications (2)
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| DE3330802A1 DE3330802A1 (de) | 1985-03-14 |
| DE3330802C2 true DE3330802C2 (de) | 1986-07-10 |
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ID=6207498
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1983
- 1983-08-26 DE DE19833330802 patent/DE3330802C2/de not_active Expired
Also Published As
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