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Verfahren zur Herstellung von Kieselsäure-Tannin-Eiweiß-und Kieselsäure-Fortnaldehyd-Tannn-Eiweißverbindungen.
Die Verwendung von Kieselsäure in verschiedener Form zu Heilzwecken ist bekannt.
Die bis jetzt zur inneren Darreichung benutzten, Siliciumdioxyd enthaltenden Arzneimittel,
lassen jedoch nur eine Kieselsäurewirkung zur Geltung kommen, während gegen die
Nebenerscheinungen der in Betracht kommenden Erkrankung mittels anderer Mittel vorgegangen
werden muß.
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Es wurde nun gefunden, daß sich therapeutisch wertvolle Produkte herstellen
lassen, wenn man lösliche kolloidale Yicselsäure oder lösliche kieselsaure Salze
mit Eiweiß und Tannin oder gleichzeitig » noch mit Formaldehyd in Wechselwirkung
bringt. Diese KiEselsäure-Tannin-Eiweiß- bzw. Kieselsäure-Formaldehyd-Tannin-Eiweiß-Verbin.dungen
sind in. Magensalzsäure unlöslich und kommen daher erst im Darmkanal zur Wirkung.
Sie werden dort in ihre Komponenten gespalten und entfalten deren Wirkung. Es werden
also mit diesen neuen Kieselsäuremitteln nicht nur die bekannten Wirkungen des Siliciumdioxyds
ausgelöst, , sondern es tritt auch gleichzeitig die stopfende Wirkung des Tannins
ein, was bei den meist mit Durchfällen einhergehenden Erkrankungen, für die eine
Darreichung von Kieselsäure in Frage kommt, wichtig ist. Es lassen sich also mit
Hilfe f der neuen Mittel gleichzeitig lästige Nebenerscheinungen der Erkrankung
beseitigen, ohne daß der Magen angegriffen wird, wie dies bei Verwendung von Tannin
allein gegen die bei der Erkrankung auftretenden Durchfälle der Fall wäre.
Die
neuen Verbindungen können selbstverständlich mit verschiedenem Gehalt der Komponenten
hergestellt werden. Auf die Reihenfolge ihrer Einwirkung kommt es nicht an; wesentlich
ist nur, daß nach Zugabe aller Komponenten neutrale oder schwach saure Reaktion
vorhanden ist, bzw. daß die infolge der Arbeitsweise in Lösung befindlichen Verbindungen
bei neutraler oder schwach saurer Reaktion zur Abscheidung gebracht werden. Zur
Darstellung lassen sich alle Eiweißkörper, ihre Abbau- und Halogensubstitutionsprodukte
verwenden.
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Die neuen Verbindungen sind in Wasser und organischen Lösungsmitteln
unlöslich; dagegen lösen sie sich in 0,5 prozentiger Sodalösung und verdünnten
Alkalien, werden aber durch Säuren aus diesen Lösungen wieder ausgefällt. Beispiel
i.
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i Teil Hühnereiweiß wird in 3o Teilen Wasser gelöst, i Teil einer
Lösung von Natriumpolysilicaten mit etwa 25 prozentigem Si 0ä Gehalt zugefügt und
mittels der gerade ausreichenden Menge Salzsäure bis zur eintretenden schwach sauren
Reaktion unter gutem Rühren versetzt. Zu der so erhaltenen opaleszenten Lösung wird
eine Lösung von o,2 Teilen Tannin in q. Teilen Wasser zugefügt und durch Erwärmen
auf 5o bis 6o' C das Kieselsäure -Tannin- Eiweiß abgeschieden. Der schwach bräunlich
gefärbte, flockige Niederschlag wird abfiltriert, mehrmals mit Wasser ausgewaschen
und bei niedriger Temperatur im Vakuum getrocknet. Das gemahlene Produkt ist schwach
bräunlich gefärbt und besitzt einen Gehalt von etwa 22 Prozent Si 02, 2o Prozent
Tannin und 8,5 Prozent Stickstoff. Beispiel 2.
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5 Teile Caseose, durch vorsichtiges Verdauen von Casein gewonnen,
und 3 Teile kristallisiertes Natriumsilicat werden in roo Teilen Wasser gelöst und
so länge mit verdünnter Salzsäure unter gutem Rühren versetzt, bis die alkalische
Reaktion verschwunden ist. Zu dieser Lösung werden 0,5 Teile* Tannin
in =o Teilen Wasser gelöst, zugesetzt und darauf langsam unter kräftigem Rühren
so viel verdünnte Salzsäure zugefügt, bis in einer erbfiltrierten Probe durch ri
Salzsäure keine Fälio lung mehr entsteht. Nun wird 114 Teil 40prozentige Formaldehydlösung
zugegeben und mehrere Stunden gerührt, dann wird abfiltriert, mit Wasser ausgewaschen
und bei niedriger Temperatur im Vakuum getrocknet. Die so erhaltene l#'-ieselsäure-Formaldehyd-Tannin-Caseose
stellt nach dem Mahlen ein hellbraunes Pulver dar mit einem Gehalt von etwa =o Prozent
Kieselsäure, 8 Prozent Tannin und 10,5 Prozent Stickstoff. Beispiel 3.
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5 Teile in Alkalilauge klarlösliches Casein werden auf übliche Weise
in etwa 212 prozentiger Lösung mit Pepsinsalzsäure a Stunden verdaut, die Flüssigkeit
mit Natronlauge schwach alkalisch gemacht und darauf mit il/, Teil Jod, das mit
= Teil Jodkalium in i Teil Wasser gelöst ist, bei etwa ¢o ° C unter Zusatz der zur
Erhaltung schwach alkalischer Reaktion nötigen Menge Natriumbicarbonat in Jodcaseose
übergeführt. Dann wird eine Lösung kolloidaler Kieselsäure, die durch Einfließenlassen
von 5 Teilen Wasserglas mit 25 Prozent Si 02 Gehalt, das im Verhältnis i : =o mit
Wasser verdünnt ist, in einen geringen Überschuß verdünnter Salzsäure erhalten wird,
unter Rühren zugegeben und sodann eine Lösung von i Teil Tannin in q. Teilen Wasser
zugefügt. Nun wird, je nach der Reaktion der Masse, so lange verdünnte Säure oder
Alkali zugesetzt, bis beim Filtrieren einer Probe das Filtrat gegen Methylorange
gerade sauer reagiert und der Niederschlag selbst auf Congopapier keine Reaktion
.ergibt. Sodann werden 5 Teile qo prozentige Formaldehydlösung zugesetzt, 2 Stunden
gerührt, das Gemisch über Nacht stehengelassen, dann abfiltriert, mit Wasser ausgewaschen,
abgepreßt und bei niedriger Temperatur getrocknet. Die bräunlichgelbe Kieselsäure-Formaldehyd-Tannin-Jod-Caseose
besitzt einen Gehalt von etwa 18 Prozent Si 02, 16 Prozent Tannin, q:,5 Prozent
Jod und 7,5 Prozent Stickstoff.