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Verfahren und Vorrichtung zur Vertilgung von Ungeziefer mit Blausäuregas
bei erhöhter Temperatur. Es ist bekannt, daß man bei Desinfektion von Gegenständen
heiße Dämpfe und Gase anzuwenden pflegt, welche die Bakterien durch die Erhitzung
abtöten. Auch zur Bekämpfung von Läusen und anderem,Ungeziefer ist die Anwendung
von heißen Gasen vielfach üblich gewesen, obwohl hierdurch dje zu behandelnden Gegenstände
erheblich leiden. Wenn man, wie es neuerdings der Fall ist, giftige Gase und insbesondere
Blausäure zur Abtötung der Schädlinge benutzt, so hat man bisher von einer Erwärmung
Abstand genommen, weil diese Gase auch bei gewöhnlicher Temperatur wirken. Es hat
sich nun gezeigt, daß es auch bei der Verwendung giftiger Gase nützlich ist, bei
einer etwas höheren Temperatur zu arbeiten, weil die Atemtätigkeit der Schädlinge
bei dieser höheren Temperatur steigt und dadurch die Aufnahme der Giftgase beschleunigt
wird. Man erhält infolgedessen eine sicherere und schnellerere Wirkung als bei Durchführung
des Verfahrens bei gewöhnlicher Temperatur. Die Temperatursteigerung muß unter derjenigen
bleiben, bei welcher die Gase schon durch ihre Wärme tödlich wirken, weil bei Annäherung
an diese Temperatur die Lebenstätigkeit der Schädlinge schon wieder vermindert ist
und zugleich die schädigende Einwirkung auf die zu behandelnden Stoffe zu befürchten
ist. Die zum Arbeiten günstigste Tempera.tur ist ungefähr die des menschlichen oder
tierischen Körpers, bei welcher die Lebenstätigkeit der Schädlinge besonders energisch
und zugleich eine Schädigung der zu behandelnden Stoffe ausgeschlossen ist. Das
Verfahren wird am zweckmäßigsten in der Weise durchgeführt, daß die Kammer zur Aufnahme
des zu behandelnden Gutes mit einer Wärmkammer durch eine mit Zirkulationsvorrichturg
versehene Leitung verbunden wird und ihr Luftinhalt zunächst durch Hindurchdrücken
durch die Wännkammer erwärmt wird, bis die günstigste Temperatur erreicht ist, worauf
die giftigen Gase zugelassen werden. Nun wird der Kreislauf noch einige Zeit aufrecht
erhalten, bis die Abtötung der Schädlinge erfolgt ist. Dann wird eine Umschaltvorrichtung
in der Leitung umgestellt und durch die gleiche Zirkulationsvorrichtung die Aufnahmekaminer
von den schädlichen Gasen befreit. Die Verwendung der höheren Temperatur hat außerdem
noch den Vorteil, daß die Luftfeuchtigkeit und das Gas an der Kondensation verhindert
werden. Hi&durch ergibt sich ein geringerer Verbrauch an Blausäuregas. Auch
eine schnellere Entfernung der Blausäure aus den behandelten Gegenständen läßt sich
so erreichen. Wenn man bei niedriger Temperatur arbeitet, so haftet die Blausäure
unter Umständen längere Zeit in den Gegenständen und kann zu Unfällen Veranlassung
geben. In der Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel der Vorrichtung zur Durchfübrung
des Verfahrens veranschaulicht.
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Abb. i ist eine schaubildliche Ansicht, Abb. 2 ist ein senkrechter
Querschnitt nach Linie A-B der Abb. 3 und Abb. 3 ist ein wagerechter
Schnitt nach Linie C-D der Abb. 2.
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Bei dem dargestellten Ausführungsbeispiel besteht die Vorrichtung
aus der zur Aufnahme des zu behandelnden Gutes dienenden Hauptkammer i und der Vor-
oder Nebenkammer z, welche getrennt oder an die Hauptkammer i anschließend angeordnet
sein kann. Sie steht mit der Hauptkammer durch Öffnungen 3 und mit der Außerluft
durch eine verschließbare Öffnung 1-7 in Verbindung. Der Innenraum der Nebenkammer
2 wird beispielsweise durch eine in ihr angeordnete Heizschlange 4. beheizt, welche
im vorliegenden Fall ihre Heizgase aus einem außerhalb der Kammer 2 angeordneten
Ofen 5 empfängt und durch einen kaminartigen Schacht 14 ableitet. Die Entwicklung
des Blausäuregases erfolgt in einem außerhalb der Kammer 2 angeordneten Apparat
6, welcher durch die Leitung -7 mit dem Inneren der Kammer 2 verbunden
ist. Das Blausäuregas kann aber auch in der Haupt- oder Nebenkammer entwickelt werden,
wie auch die Heizquelle in der Hauptkammer angeordnet werden kann.
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Die Hauptkammer i, welche durch die Tür 9
beschickt und luftdicht
abgeschlossen wird, ist in ihrer oberen Wand mit Öffnungen io versehen, die in einen
Schacht ii führen, der mittels der Leitung 12 an eine zur Erzeugung eines Kreislaufes
durch Haupt- und Nebenkammer geeignete Einrichtung, beispielsweise einen Ventilator
13, angeschlossen ist. Der
Austrittskanal 2o des letzteren
führt zu einem schachtförmigen Kamin -15, welcher nach oben in die freie
Luft führt und unten in die Vorkammer 2 endet. Gegenüber der Einmündungsöffnung
des Ventilators 13 in die Leitung 15 befindet sich eine Einrichtung 16, vermittels
welcher der Austritt 2o des Ventilators 13 einmal mit dem in- die Außenluft führenden
Zweig des Schachtes 15 und das andere Mal mit dem in die Kammer 2 führenden
Zweig dieses Schachtes in Verbindung gesetzt werden kann. Im vorliegenden Fall besteht
diese Einrichtung aus einer von außen drehbaren Klappe, welche in die Stellungen
I und II gedreht werden kann.
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Die Wirkungsweise der beschriebenen Vorrichtung ist folgende: Nachdem
die Kammer :i mit den beispielsweise zu entlausenden Gegenständen beschickt und
luftdicht abgeschlossen worden ist, wird sie zunächst zwecks Erwärmung dieser Gegenstände
erhitzt. Zu diesem Zwecke wird die Beheizung der Heizschlange 4 angestellt, die
Öffnung 17 geschlossen und die Klappe 16 in die Stellung I gebracht, so daß der
Schacht 15 gegen die Außenluft abgeschlossen ist und dessen unterer Zweig
den Ventilator 13 mit der Kammer 2 verbindet. Wird jetzt der Ventilator 13 angestellt,
so entsteht ein Kreislauf, indem die in der Vorkammer z durch die Heizschlange 4
erhitzte Luft durch die Öffnungen 3 in die Kammer i eintritt, durch die Öffnungen
io und den Schacht 11, 12 durch den Ventilator 13 abgesaugt wird und wieder in die
Kammer 2 eintritt. Durch diesen Kreislauf der in der Kammer 2 erhitzten Luft wird
-eine Erwärmung' des zu entlausenden Gutes bewirkt, wodurch die Atemtätigkeit der
Schädlinge erhöht wird und die letzteren für die schädagsvertilgende Wirksamkeit
des Blausäuregases besonders empfänglich gemacht werden.
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Nachdem dieser Vorgang in genügendem Maße stattgefunden hat, wird
außerdem der Zutritt des in dem Apparat 6 entwickelten Blausäuregases in
die Vorkammer 2 geöffnet, so daß nunmehr in der beschriebenen Weise ein in der Vorkammer
2 immer wieder erwärmtes Blausäuregasluftgemisch in dem Kasten i zirkuliert, wodurch
eine völlige Abtötung der Schädlinge bewirkt wird, und zwar in verhältnismäßig außerordentlich
kurzer Zeit, da die Einwirkung des Blausäuregases auf die durch die vorhergegangene
Erwärmung bereits besonders aufnahmefähig gemachten Schädlinge, auch durch die Erwärmung
des Blausäuregases selbst, in erheblichem Maße erhöht wird. Ist genügend Blausäuregas
eingetreten, so wird die Entwicklung beendet oder der Zutritt desselben abgestellt.
Die Erwärmung der zu entlausenden Gegenstände kann auch gleichzeitig mit der Blausäuregasbehandlung
stattfinden.
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Sind die Schädlinge abgetötet, so wird die Klappe 16 in die Stellung
II gedreht und der Luftzutritt 17 geöffnet, so daß der Ventilator 13 nun durch die
Vorkammer 2 und die Hauptkamnier i: frische Luft hindurchsaugt, welche dann durch
den oberen Zweig des Schachtes 1:5 zusammen mit den Blausäuregasen entweicht. Durch
die Erwärmung dieser frischen Luft in der Vorkammer 2 werden die entlausten Gegenstände
getrocknet. Es ist dies deswegen von besonderer Bedeutung, weil Blausäuregas die
Neigung hat, in Feuchtigkeit haften zu bleiben. Werden also die mit Blausäuregas
behandelten Gegenstände nicht auf das Sorgfältigste von jeder Feuchtigkeit getrocknet,
so bleibt trotz aller Entlüftung ein Teil der Blausäuregase in der Feuchtigkeit
haften und macht sich beim späteren Tragen oder bei der sonstigen spä.teren Verwendung
der behandelten Gegenstände schädlich bemerkbar.
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Ist die Trocknung beendet, so wird die Vorrichtung abgestellt und
das entlauste, entmottete oder sonstwie durch das Blausäuregas behandelte Gut herausgenommen.