-
Die Erfindung betrifft ein zusammenklappbares Untergestell für Kamerastative, Diaprojektoren, Drehstühle, Klapptische, Notenständer oder dergleichen, mit wenigstens zwei Gestellfüßen, die jeweils als Koppel eines Gelenkparallelogramms in Umfangsrichtung versetzt um die Symmetrieachse des Untergestells angeordnet sind und beim Spreizen bzw. Zusammenklappen der Gestellfüße zueinander zwangsläufig parallelgeführt werden.
-
Zusammenklappbare Untergestelle weisen üblicherweise drei in Umfangsrichtung gleichmäßig um ihre Symmetrieachse versetzte Gestellfüße auf, die jeweils als Kurbel eines Schubkurbelgetriebes gestellfest oder um die Symmetrieachse des Untergestells drehbar angelenkt sind. An jedem Gestellfuß greift die Koppel des zugehörigen Schubkurbelgetriebes drehbeweglich an; die Koppeln sind an einem gemeinsamen Schieber angelenkt, der zum Spreizen bzw. Zusammenklappen der Gestellfüße auf einer gestellfesten Schubstange verschiebbar geführt ist.
-
Bei Untergestellen besteht das allgemeine Bedürfnis, die Gestellfüße auf Rollen zu stellen, um das Untergestell fahrbar auszubilden. Dabei müssen die untergesetzten Rollen um eine senkrechte Achse schwenkbar angeordnet und mit einem gewissen Nachlauf versehen sein, damit sie sich selbsttätig in die gewählte Verschieberichtung ausrichten. Würde man die Schwenkachse der Rollen unmittelbar in die Gestellfüße herkömmlicher Untergestelle einstecken, dann ginge der für die erwünschte selbsttätige Ausrichtung der Rollen erforderliche Nachlauf verloren, weil sich die Achse der Gestellfüße infolge der drehbeweglichen Anlenkung am Gestell beim Auseinanderspreizen bzw. Zusammenklappen zwangsläufig zur Senkrechten neigt. Die untergesetzten Rollen würden somit wegen der unvermeidbaren Neigung ihrer Schwenkachse zur Senkrechten jeglicher Verschieberichtung Widerstand entgegensetzen. Man bedient sich deshalb einer anderen Lösung und setzt die Untergestelle auf einen sog. Stativwagen auf, der in sich starr ausgebildet ist und die untergesetzten Rollen in gewünschter Weise mit einer der senkrechten Schwenkachse nachlaufenden Drehachse führt, vgl. z. B. Firmenprospekt BILORA 83-84, Seite 6, Ausführung 430, oder Seite 10, Ausführung 432.
-
Ein Untergestell der eingangs genannten Art ist durch den Linhof-Firmenprospekt: "Der Original Linhof Stativwagen" vom Jan. 1954 bekanntgeworden. Hierbei handelt es sich um ein zusammenklappbares Untergestell, das normalerweise als Stativwagen verwendet wird, auf den in üblicher Weise ein herkömmliches Kamerastativ aufgesetzt wird, um letzteres bei Aufnahmen aus normaler Höhe fahrbar zu machen. Der bekannte Stativwagen kann jedoch für Aufnahmen aus niedriger Höhe bis zur Froschperspektive hin auch unmittelbar als Kamerastativ dienen, wenn die Kamera auf die dortige Verstellkurbel aufgesetzt wird. Bei diesem bekannten zusammenklappbaren Stativwagen sind die Gestellfüße jeweils als Koppel eines Gelenkparallelogramms geführt. Beide Lenker der Gelenkparallelogramme sind jeweils an dem zentralen Gehäuse angelenkt, in dem sich eine mit der Verstellkurbel drehfest verbundene und senkrecht angeordnete Gewindespindel befindet, die mit jeweils um den Drehpunkt des oberen Lenkers der Gelenkparallelogramme konzentrisch angeordneten verzahnten Segmenten kämmt, die an den Enden der oberen Lenker fest angebracht sind. Die Laufrollen sind unmittelbar in die Enden der Gestellfüße eingesteckt. Bei diesem bekannten Stativwagen ist die Höhe des Stativkopfs in beabsichtigter Weise von der Spreizweite der Gestellfüße abhängig; die Gelenkparallelogramme führen die Gestellfüße jedoch zueinander parallel, so daß diese stets senkrecht zur Aufstandebene stehen.
-
Unter den Getrieben der zwangsläufigen Viergelenkkette ist die sog. gleichschenklige zentrische Schubkurbel ein Geradführungsgetriebe, das zwei Punkte der Koppelebene auf zueinander senkrechten exakten Geraden führt, vgl. z. B. Autorenkollektiv, "Getriebetechnik-Lehrbuch", 2. Aufl., VEB Verlag Technik Berlin, März 1972, Seiten 70 und 71. Bei der gleichschenkligen zentrischen Schubkurbel verläuft die Schubachse des Schiebers durch den gestellfesten Kurbeldrehpunkt; sie heißt deshalb zentrisch. Die Antriebskurbel ist ebenso lang wie die Koppel, weswegen diese Schubkurbel gleichschenklig heißt. Der Punkt der Koppelebene, der auf der Verlängerungsgeraden der Koppel im gleichen Abstand wie Kurbel- oder Koppellänge bezogen auf die Schubachse auf der der Kurbel zugewandten Seite liegt, erfährt eine exakte Geradführung, die die Schubachse senkrecht kreuzt und durch den gestellfesten Kurbeldrehpunkt verläuft.
-
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein zusammenklappbares Untergestell mit zwangsläufig parallelgeführten Gestellfüßen zu schaffen, bei dem die aufgesetzten Gegenstände beim Zusammenklappen bzw. Spreizen der Gestellfüße stets etwa auf gleicher Höhe bleiben.
-
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß die beiden Lenker des Gelenkparallelogramms jeweils unmittelbar an einem gemeinsamen Schieber von zugehörigen Schubkurbelgetrieben angelenkt sind, deren Kurbel jeweils etwa mittig an dem einen der beiden Lenker des zugehörigen Gelenkparallelogramms drehbeweglich angreift.
-
Gemäß der Erfindung sorgt das auf dem Schieber der Schubkurbelgetriebe angeordnete Gelenkparallelogramm für die Parallelführung aller Gestellfüße zur Symmetrieachse des Untergestells im Bewegungsbereich des Schiebers. Der gemeinsame Schieber der Schubkurbelgetriebe weicht beim Spreizen bzw. Zusammenklappen samt den darauf befindlichen Gelenkparallelogrammen auf seiner gestellfesten Schubführung so aus, daß die aufgesetzten Gegenstände stets etwa auf gleicher Höhe bleiben.
-
In einfachster Anordnung weist ein im Anspruch 1 gekennzeichnetes Untergestell zwei der erfindungsgemäßen sechsgliedrigen Führungsgetriebe auf. Wenigstens einer der beiden Gestellfüße weist dann eine Verzweigung auf und erhält zwei Aufstandpunkte. Zumeist werden jedoch drei Gestellfüße als Koppel der erfindungsgemäßen Führungsgetriebe angeordnet sein. Grundsätzlich ist es aber möglich, auch vier oder mehr der erfindungsgemäßen Führungsgetriebe sternförmig um die Symmetrieachse zu verteilen.
-
Aufgrund der zwangsläufigen senkrechten Parallelführung aller Gestellfüße lassen sich unterzusetzende Rollen mit ihrer Schwenkachse unmittelbar in die Enden der Gestellfüße ein- oder aufstecken. Die Schwenkachse der eingesteckten Rollen steht stets senkrecht zur Aufstandebene. Ein zusätzlicher Stativwagen ist nicht mehr erforderlich.
-
Bei entsprechenden Abmessungen der Schubkurbelgetriebe kann die auf die Schubführung des Schiebers einwirkende Last das auf Rollen gesetzte Untergestell nach der Erfindung selbsttätig spreizen.
-
Eine besonders vorteilhafte Aufgabenlösung ergibt sich aber, wenn erfindungsgemäß die Schubkurbelgetriebe gleichschenklig und zentrisch sind und jeweils mit ihrem geradgeführten Koppelpunkt am zugehörigen Gestellfuß drehbeweglich angreifen. Dann wird nämlich die gesamte Koppelebene, d. h. Gestellfuß samt ggf. untergesetzter Rolle, geradlinig parallelgeführt, und zwar längs die Symmetrieachse des Untergestells senkrecht kreuzender Geraden. Aufgrund dieser Eigenschaft kann die die Schubstange beaufschlagende Last keine Spreizung der Gestellfüße bewirken. Der Schieber der gleichschenkligen zentrischen Schubkurbeln braucht auf seiner Schubstange nicht einmal festgeklemmt zu werden. Die Reibung in den Gelenken genügt, um den Schieber festzuhalten.
-
Mit den im Anspruch 2 angegebenen speziellen kinematischen Abmessungen kann das erfindungsgemäße Untergestell bspw. bei einem Drehstuhl gespreizt oder zusammengeklappt werden während der Benutzer darauf sitzt und mit einer Hand den Schieber der Schubkurbelgetriebe auf seiner Schubstange verschiebt; er muß dabei lediglich die Reibkräfte in den Gelenken und den untergesetzten Rollen überwinden. Die Sitzhöhe ändert sich bei einem mit dem erfindungsgemäßen Untergestell versehenen Drehstuhl beim Spreizen bzw. Zusammenklappen der Gestellfüße selbstverständlich nicht.
-
Beispielsweise bei einem Kamerastativ kann die Spreizweite der Gestellfüße eines Untergestells nach der Erfindung nach vorgenommener Kameraeinstellung noch verstellt werden, ohne daß sich dabei die Bildeinstellung verändert.
-
Bei der räumlichen Anordnung von wenigstens drei der erfindungsgemäßen Führungsgetriebe mit den im Anspruch 2 angegebenen speziellen kinematischen Abmessungen benötigt der Schieber grundsätzlich keine Schubführung. Denn derselbe bewegt sich auch ohne Schubstange zwangsläufig geradlinig längs der Symmetrieachse des Untergestells. Die Schubstange kann also grundsätzlich entfallen. Auf die nach oben verlängerten Gestellfüße läßt sich ohne weiteres eine ebene Platte aufsetzen. Der schubführungslose Schieber der Führungsgetriebe nach der Erfindung bleibt auch unter Last stabil in der vorgewählten Stellung. Ein dergestaltetes Untergestell nach der Erfindung weist dann ausschließlich Drehgelenke auf und kann dennoch mehrere Koppelebenen geradlinig zueinander parallelführen.
-
Ausführungsbeispiele der Erfindung werden nachstehend unter Bezugnahme auf die Zeichnung näher erläutert. Einander entsprechende Teile sind in den perspektivischen Darstellungen der schematischen Skizzen mit gleichen Bezugszeichen versehen.
-
Fig. 1 zeigt ein erstes Ausführungsbeispiel nach der Erfindung, bei dem die gestellfesten Drehpunkte der Kurbeln der Schubkurbelgetriebe unten angeordnet sind.
-
Fig. 2 zeigt eine Abwandlung der Erfindung, bei der die gestellfesten Kurbeldrehpunkte oben angeordnet sind. Die
-
Fig. 3 und 4 zeigen das zusammenklappbare Untergestell nach der Erfindung im ausgespreizten bzw. nahezu eingeklappten Zustand.
-
Gemäß Fig. 1 wird das Untergestell über eine gestellfeste Stativsäule 6 oder dergleichen von oben her von der Last Fbeaufschlagt. Die Stativsäule 6 ist als Schubstange ausgebildet. Auf der Schubstange 6 sind drei Schubkurbelgetriebe 3, 4, 5, 6 angeordnet, die einen gemeinsamen Schieber 3 und jeweils eine Koppel 4 und eine Kurbel 5 aufweisen. Die Kurbeln 5 sind auf der der Aufstandebene zugewandten Seite in Drehpunkten 15 an einem mit der Schubstange 6 fest verbundenen oder um die Achse A derselben drehbaren Ring 7&min; angeordnet, wie dies gemäß Fig. 1 schematisch dargestellt ist.
-
Die Schubkurbelgetriebe 3, 4, 5, 6 weisen spezielle kinematische Abmessungen auf. Sie sind nämlich zum einen gleichschenklig, d. h. Kurbel 5 (Abstand der Drehpunkte 15 und 16) ist von gleicher Länge wie Koppel 4 (Abstand der Drehpunkte 14 und 16). Zum anderen sind die Schubkurbelgetriebe 3, 4, 5, 6 zentrisch, d. h. der als Anlenkpunkt ausgebildete Drehpunkt 15 von Kurbel 5 an der Schubstange 6 und der als Anlenkpunkt ausgebildete Drehpunkt 14 von Koppel 4 am Schieber 3 befinden sich auf einer zur Achse A parallelen Geraden. Mit diesen kinematischen Abmessungen erfährt der auf der Verlängerungsgeraden der beiden Drehpunkte 14 und 16 im gleichen Abstand wie Kurbel- 5 oder Koppellänge 4 zur Kurbelseite 5 hin gelegene Koppelpunkt 11 der Koppel 4 eines jeden der drei Schubkurbelgetriebe 3, 4, 5, 6 eine exakte Geradführung längs einer die Achse A senkrecht kreuzenden und durch den Drehpunkt 15 der Kurbel 5 verlaufenden Geraden. Im geradgeführten Koppelpunkt 11 ist jeweils ein Gestellfuß 1 drehbeweglich angelenkt, und zwar derart, daß jeder Gestellfuß 1 über einen weiteren Lenker 2 die Koppel eines Gelenkparallelogramms 1, 2, 3, 4 bildet, das die Drehgelenke 11, 12, 13 und 14 aufweist, wobei sich die Drehgelenke 13 und 14 jeweils auf dem gemeinsamen Schieber 3 der drei Schubkurbelgetriebe 3, 4, 5, 6 befinden. Ein Lenker 4 des Gelenkparallelogramms 1, 2, 3, 4 ist jeweils zugleich Koppel 4 der gleichschenkligen zentrischen Schubkurbel 3, 4, 5, 6. Kurbel 5 kann ohne weiteres auch am anderen Lenker 2 in analoger Weise angreifen.
-
In dieser Anordnung erfahren alle Punkte der bewegten Koppelebene bei 1 beim Verschieben des Schiebers 3 auf seiner Schubstange 6 eine exakte Geradführung längs die Achse A des Schiebers 3 senkrecht kreuzenden Geraden Z, von denen in Fig. 1 jeweils eine eingezeichnet ist. In jeden Gestellfuß 1 sind schwenkbare Rollen 7eingesteckt (bei 17), deren Drehachse der Schwenkachse nachläuft. Die Bodenaufstandpunkte der drei Rollen 7 bewegen sich somit beim Verschieben des Schiebers 3 auf seiner Schubstange 6 als Punkte der bewegten Koppelebene bei 1 stets innerhalb einer Ebene, die die drei Geraden Z aufspannen.
-
Die das Untergestell beaufschlagende Last F kann keine Bewegung in das Führungsgetriebe 1 bis 6 einleiten. Der Schieber 3 benötigt deshalb keine Festklemmeinrichtung.
-
Gemäß Fig. 2 ist eine Variante des zusammenklappbaren Untergestells dargestellt, bei der die gestellfesten Drehpunkte 15 der Kurbeln 5 auf der der Aufstandebene abgewandten Seite am Ring 7&min; angeordnet sind und die bewegten Drehpunkte 16 auf derselben Seite an einem Lenker 4 des Gelenkparallelogramms 1, 2, 3, 4 angreifen. Die Lenker 2, 4 der Gelenkparallelogramme 1, 2, 3, 4 sind nach oben geneigt, so daß sich längere Gestellfüße 1 ergeben. Im übrigen stimmt die Ausführungsform der Führungsgetriebe 1 bis 6 nach Fig. 2 mit der der Fig. 1 überein.
-
Für die bspw. bei Kamerastativen erforderliche Höhenverstellung des Untergestells bietet sich bei der Ausführungsform nach Fig. 1 die dargestellte teleskopartige Verlängerung der Schubstange 6 an. Bei der Ausführungsform nach Fig. 2 lassen sich in üblicher Weise die Gestellfüße 1 teleskopartig verlängern.
-
In den Fig. 3 und 4 ist das zusammenklappbare Untergestell im ausgefahrenen (Fig. 3) bzw. im nahezu eingefahrenen Zustand (Fig. 4) dargestellt. Der dort mit x bezeichnete Abstand der gestellfesten Drehpunkte der Kurbeln zur Rollenaufstandebene ist innerhalb des Bewegungsbereichs des Schiebers in allen Stellungen exakt gleich. Die Schubstange 6 durchgreift den Schieber 3 mit Spiel und stützt die Last F am Ring 7&min; ab. Schieber 3 ist somit ohne Schubführung. Aufgrund der räumlichen Versetzung der Führungsgetriebe 1 bis 6 bewegt sich der Schieber 3 auch ohne Schubführung zwangsläufig auf seiner geradlinigen Bahn. Beim Ausführungsbeispiel nach Fig. 2 ist der Ring 7&min; oberhalb des Schiebers 3 angeordnet, so daß die Schubstange 6 den Schieber 3 nicht zu durchgreifen braucht.
-
Wird auf das Untergestell eine ebene Fläche bspw. eine Tisch- oder Stuhlauflage gesetzt, dann kann dies auch direkt auf die nach oben verlängerten Gestellfüße 1 geschehen. Auch in dieser Anordnung läßt sich der gemeinsame Schieber 3 der Führungsgetriebe 1 bis 6 schubführungslos ausbilden.
-
Beispielsweise eine Kamera kann unmittelbar auf dem schubführungslosen Schieber 3 angebracht werden. In diesem Fall muß das Führungsgetriebe 1 bis 6 aber in einem seiner Drehgelenke arretiert werden, weil die Last F auf den Schieber 3 einwirkt.
-
Selbstverständlich ist die Erfindung auch ohne untergesetzte Rollen 7 als zusammenklappbares Untergestell verwendbar (Fig. 2).