DE3701193C2 - - Google Patents
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von
Wein mittels alkoholischer Gärung, bei dem die Gärung bei
Atmosphärendruck erfolgt, und die Gärungsgeschwindigkeit
z.B. mittels Kühlung des Gärgebindes auf ca. 1-9 Grad
Öchsle oder weniger pro Tag begrenzt und die Gärung unter
brochen wird, sobald der jeweils gewünschte Restzucker
gehalt im Gärgebinde vorliegt.
Bei einer normal üblichen Weingärung erfolgt dies meist
spontan, die Zuckerumwandlung erfolgt zum größten Teil
innerhalb von 2-4 Tagen. Es ist dabei ein Temperatur
anstieg je nach Größe des Gärgebindes bis 25° und höher
zu beobachten. Hat zum Beispiel ein Most 90° Öchsle,
entspricht dies etwa einem Zuckergehalt von 180 g/l.
Dieser wird bei je 100 Gramm in 45-47 g Alkohol umge
wandelt, es bilden sich Gärungsnebenprodukte, wie Extrakte,
Ester usw. Die ungeheure Menge Kohlensäuregas, die in dem
Beispiel gewichtsmäßig etwa 50% ausmacht, entweicht
stürmisch, schäumend und füllt den Keller bei mangelnder
Belüftung unter Umständen mit tödlichem Gas, reißt Bukett
und Duftstoffe heraus, ein Teil Alkohol (bis 10%) wird
ebenfalls einfach verdunstet. Jedermann kennt den be
sonderen Duft, Geruch in Weindörfern während oder nach
der Weinlese, er kommt hiervon. Eine Herstellung von
Weinen mit hohem Fruktose und niedrigen Glukoseanteil
auf dem Wege der normalen üblichen Weingärung ist nicht
praktikabel, da es bei der stürmisch verlaufenden Spontan
gärung nicht möglich ist, den optimalen Zeitraum zu
analysieren, bei dem die Glukose weitgehend vergoren,
die Fruktose noch unvergoren vorhanden ist. Bis zur
Fertigstellung der aufwendigen teuren Analysen sind bei
einer normalen meist spontanen Gärung längst völlig andere
Analysenwerte d.h. Glukose-Fruktose-Verhältnisse eingetreten.
Aus der DE-OS 34 34 170 ist ein Verfahren der im Oberbe
griff genannten Art bekannt. Bei dem dort dargestellten
"Kaltgärverfahren" wird durch die Temperaturverringerung
die Konzentration der bei der fermentativen Herstellung
des Alkohols entstehenden Kohlensäure reduziert und damit
gewährleistet, daß die in dem Most bzw. Jungwein vor
handenen oder sich bildenden Aroma und Bukettstoffe im
Jungwein verbleiben und dadurch der Gehalt an Alkohol und
Aromastoffen hierdurch wesentlich erhöht wird. Zudem
werden bei dem Gärverfahren die Aromastoffe zum größten
Teil an den im Gärgebinde vorhandenen, "verbleibenden
Zucker" gebunden und damit erhalten. Dagegen haben trockene
durchgegorene Weine sehr oft überhaupt keine Sorten bzw.
traubentypisches Bukett.
Es ist Aufgabe vorliegender Erfindung, bukettreiche Weine
auf natürliche Weise herzustellen, bei denen der Anteil der
Fruktose gegenüber der Glukose eindeutig überwiegt.
Gelöst wird die Aufgabe bei einem Verfahren der genannten
Art dadurch, daß dem Gärgebinde glucophile Hefe zugesetzt,
die Entwicklung des Glukose-Fruktose-Verhältnisses im
Gärgebinde überwacht und die Gärung unterbrochen wird,
wenn ein vorher bestimmtes Glukose-Fruktose-Verhältnis
erreicht ist. Damit wird die Herstellung von bevorzugt
fruktosehaltigen Weinen nicht dem Zufall überlassen.
Glucophile Hefen sind als solche seit langer Zeit bekannt.
Nicht bekannt ist hingegen die Verwendung dieser Hefen bei
einem Verfahren der beschriebenen Art. Die glucophile
Hefe baut zunächst die Glukose ab, anschließend die
Fruktose. Durch eine Unterkühlung, d.h. durch die Kälte
kann eine wesentliche verlangsamte Gärung überhaupt erst
erfolgen und damit in der Praxis der optimale Zeitpunkt
für die Gärungsunterbrechung analytisch bestimmt werden.
Es bietet sich dabei an, die Gärungsunterbrechung mit
Kühlung auf Minus 2-3 Grad vorzunehmen. Der so gekühlte
Wein wird dann in einem Kühlkeller bei 4-8 Grad gelagert,
seine still verlaufende weitere Gärung beobachtet und der
weitere Abbau der Glucose analytisch überwacht.
Ist dann der Zeitpunkt mit einem optimal gewünschten
Glucose-Fruktose-Verhältnis d.h. Restzuckergehalt erreicht,
wird der Wein sofern erforderlich, zum Beispiel mit
Schönungen zur Entfernung von Hefe, Eisen, Eiweiß und
Gerbstoffen usw. behandelt, anschließend mit Separator/
Filter geklärt, ausgebaut und dann steril abgefüllt.
Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellte Weine
sind aufgrund des hohen Fruktosegehaltes bekömmlicher,
sie können bei Beobachtung des Kaloriengehaltes als
Diabetikerweine getrunken werden. Für einen Gesunden
haben Weine die nach dem beschriebenen Verfahren herge
stellt wurden, ebenfalls große Vorteile. Fruktose baut
in unserem Körper Alkohol viel schneller ab, ist erheblich
weniger belastend, bekömmlicher. Die Weine weisen bei
spielsweise bei einem Gesamtanteil vergärbaren Zuckers
von 14,5 g/l einen Glukoseanteil von 2,0 g/l und einen
Fruktoseanteil von 12,5 g/l auf. Auf dem Wege der Normal
gärung erzeugte Weine hingegen besitzen in der Regel
Glukose/Fruktoseanteile von etwa 1:1.
Letzeres besonders wenn sie mit der sogenannten Süßreserve
(Traubensaft) hergestellt werden.
Überraschenderweise hat sich gezeigt, daß der Geschmack
der nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten
Weine mit hohem Fruktose und niedrigem Glukosegehalt
nicht schlechter sondern eher noch besser ist als der
vergleichbarer Weine mit normalem Glukose/Fruktosever
hältnis.
Um die Entwicklung des Glukose-Fruktose- Verhältnisses im
Gärgebinde zu überwachen, sind zunächst regelmäßige
Analysen erforderlich. Bei Einhaltung reproduzierbarer
Gärbedingungen ist es jedoch möglich, mit Erfahrungs
werten zu arbeiten und die Überwachung auf einzelne
Kontrollanalysen zu beschränken.
Claims (4)
1. Verfahren zur Herstellung von Wein mittels
alkoholischer Gärung, bei der die Gärung bei Atmos
pährendruck erfolgt und die Gärgeschwindigkeit z.B.
mittels Kühlung des Gärgebindes auf ca. 1-9 Grad Öchsle
pro Tag begrenzt, die Gärung unterbrochen wird sobald
der jeweils gewünschte Restzuckergehalt im Gärgebinde
vorliegt, dadurch gekennzeichnet, daß dem Gärgebinde
glucophile Hefe zugesetzt, die Entwicklung des Glukose-
Fruktose-Verhältnisses im Gärgebinde überwacht und die
Gärung unterbrochen wird, wenn ein vorher bestimmtes
Glukose-Fruktose-Verhältnis erreicht ist.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß die Gärung durch Schockkühlung des Gärgebindes auf
Minus 2-3 Grad unterbrochen wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 und 2, dadurch
gekennzeichnet, daß nach der Schockkühlung bei 2-8 Grad
eine weitere sehr langsame stille Gärung mit bevorzugtem
Glukose-Abbau zugelassen wird.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß vor der vollständigen Ver
gärung der Fruktose durch die Hefen diese sowie vor
handenes oder bei der Gärung gebildetes Eiweiß durch
Schönung mit anschließender Filtration und/oder Separation
zur Klärung entfernt werden.
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- 1987-01-16 DE DE19873701193 patent/DE3701193A1/de active Granted
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