DE3902009C2 - - Google Patents

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DE3902009C2 DE19893902009 DE3902009A DE3902009C2 DE 3902009 C2 DE3902009 C2 DE 3902009C2 DE 19893902009 DE19893902009 DE 19893902009 DE 3902009 A DE3902009 A DE 3902009A DE 3902009 C2 DE3902009 C2 DE 3902009C2
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    • A01AGRICULTURE; FORESTRY; ANIMAL HUSBANDRY; HUNTING; TRAPPING; FISHING
    • A01NPRESERVATION OF BODIES OF HUMANS OR ANIMALS OR PLANTS OR PARTS THEREOF; BIOCIDES, e.g. AS DISINFECTANTS, AS PESTICIDES OR AS HERBICIDES; PEST REPELLANTS OR ATTRACTANTS; PLANT GROWTH REGULATORS
    • A01N59/00Biocides, pest repellants or attractants, or plant growth regulators containing elements or inorganic compounds

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Description

Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Schädlingsbekämpfung an Pflanzen.
Durch pilzliche Schadorganismen, insbesondere in Form von Peronospora (Plasmopara viticola), Botrytis cinerea, Oidium und Schwarzfleckenkrankheit (Phomopsis viticola Sacc.), sowie dem Bakterium Agrobacterium tumefaciens (Mauke) an Weinreben, mußten die Winzer schon früher große Ertragseinbußen hinnehmen. Beim Auftreten größerer Infektionen kam es vor, daß ganze Ernten verdarben. Erst im 19. Jahrhundert entdeckte man, daß Lösungen von Kupfervitriol gegen Peronospora eingesetzt werden konnten. Dadurch wurden jedoch bis heute die Weinbergsböden mit dem Schwermetall Kupfer in erheblichem Ausmaß belastet. Im 20. Jahrhundert entwickelte dann die chemische Industrie synthetische Pflanzenschutzmittel gegen Pilze. Diese Mittel wirken jedoch nur selektiv gegen bestimmte Pilze und zeigen keine Wirkung bei Bakterien. Bestimmte Pilzarten haben inzwischen gegen diese synthetischen Pflanzenschutzmittel resistente Stämme gebildet, was auch z. B. für die Botrytizide gilt, die nur noch geringe Wirkung zeigen.
Hinzu kommt als weiterer Nachteil, daß die derzeitigen Fungizide im Weinbau immer vorbeugend als Schutzbelag oder systematisch alle 10-14 Tage ausgebracht werden müssen. Aufgrund ihrer teilweisen hohen Giftigkeit müssen außerdem lange Wartezeiten vom letzten Spritzeinsatz bis zur Traubenlese eingehalten werden, da sonst sowohl der Wirkstoff, als auch Abbauprodukte und Formulierungshilfsstoffe dieser synthetischen Pflanzenschutzmittel im Lebensmittel Traube und Wein vorhanden sein können. Trotzdem läßt sich bis heute unter gewissen Witterungsbedingungen nicht verhindern, daß Rückstände dieser Pflanzenschutzmittel im Wein auftreten und dort Fehltöne (Böckser) oder Trübungen (durch Kupfer) verursachen können, welche nur mit hohem Aufwand und dem Nachteil einer Qualitätsminderung beseitigt werden können. Im übrigen ist die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln, die mutagene und kanzerogene Einflüsse haben, für Mensch und Tier sehr bedenklich. Da ferner diese bekannten Pflanzenschutzmittel nicht nur eine teilweise Schädigung der Rebstöcke bewirken, sondern sich auch insgesamt negativ auf die gesamte Umwelt auswirken, die Gewässerbelastung eingeschlossen, versuchen heute schon wieder Winzer, wie in früherer Zeit, als man noch keine synthetischen Pflanzenschutzmittel kannte, durch biologische Methoden und den Einsatz von pflanzlichen Jauchen und Tinkturen alternativen Pflanzenschutz zu betreiben. Diese selbst hergestellten und nicht zulassungspflichtigen Schutzmittel sind jedoch in ihrer Wirkung nur sehr gering oder gar vollkommen wirkungslos und können sich vor allem deutlich negativ auf den Weingeschmack und damit die Weinqualität auswirken.
Beim Einsatz herkömmlicher synthetischer Pflanzenschutzmittel ist man ferner zur Reduzierung der Umweltbelastung bestrebt, sog. Tropf- und Abtriftverluste auf den Weinbergsboden und die Wege möglichst zu vermeiden. Somit wird auch keine gezielte Behandlung des Weinbergbodens vorgenommen und dieser bleibt daher ein ständiger Pilz- und Bakterien-Herd für Reinfektionen der Weinreben.
Durch die DE-OS 30 03 875 ist zwar ein Bodenbehandlungsmittel zur Vernichtung phytopathogener Schadorganismen bekannt, das aus einer wäßrigen Wirkstofflösung besteht, die als Wirkstoff Wasserstoffperoxid oder Peressigsäure enthält. Die Einbringung des Bodenbehandlungsmittels erfolgt durch Vermischen mit der Erde in einem geeigneten Mischer oder auch durch einfaches Gießen des verseuchten Bodens. Erst nach dieser Behandlung des Bodens soll ausgesät bzw. gepflanzt werden. Es handelt sich hier also um eine vorbeugende, einmalige Boden-Desinfektion.
Durch die DE-OS 34 38 966 ist eine Zubereitung zur Freisetzung aktivierten Sauerstoffs, enthaltend stabilisierte Chloritmatrices in Lösungen bekannt, die neben anderen Anwendungszwecken auch zur Desinfektion und Konservierung pflanzlicher Oberflächen an Lebendpflanzen und Saatgut eingesetzt wird. Die Aufbringung auf die Pflanzen oder Pflanzenteile bzw. das Saatgut erfolgt durch Aufsprühen der Lösung, wodurch die strukturelle Resistenz, insbesondere Frostbeständigkeit vieler Pflanzen verbessert werden kann. Diese Offenlegungsschrift offenbart jedoch keine Schädlingsbekämpfungsmethode an Pflanzen.
Durch die DE-PS 6 95 908 ist es ferner bekannt, Saatgut, insbesondere Getreide, vor dem Aussäen mit Lösungen von Wasserstoffperoxid oder anderen aktiven Sauerstoff enthaltenden Verbindungen zu behandeln. Neben einer Abtötung schädlicher Pilze und Bakterien soll dadurch eine vollständigere, kräftigere und schnellere Keimung des Saatguts erreicht werden. Auch diese Patentschrift enthält keinen Hinweis, solche Lösungen zur Schädlingsbekämpfung an Lebendpflanzen einzusetzen.
Nach Römpps Chemie-Lexikon, Franckh′sche Verlagshandlung, Stuttgart 1988, Seite 4601 soll wasserstoffperoxidhaltiger Nebel maßgeblich an der Entstehung von Waldschäden beteiligt sein, was Bedenken beim Fachmann hervorrufen mußte, ein Verfahren zur Schädlingsbekämpfung an Pflanzen unter Verwendung von Wasserstoffperoxid einzuführen.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein hochwirksames Verfahren zur Schädlingsbekämpfung an Pflanzen anzugeben, welches besonders umweltfreundlich und wirtschaftlich ist.
Obige Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß eine Wasserstoffperoxid (H₂O₂) enthaltende wässerige Lösung auf die Pflanzen aufgesprüht wird. Der Erfindung liegt die die Fachwelt überraschende Erkenntnis zugrunde, daß es unter Ausschaltung der bisher für notwendig gehaltenen vorbeugenden Schutzmaßnahmen nunmehr möglich ist, Pflanzenschädlinge erst nach Feststellung des Schädlingsbefalls zu bekämpfen. Hierdurch werden in sprunghafter Weise Material und Arbeitszeit eingespart sowie die Umwelt geschont. Die Verwendung der Wasserstoffperoxid enthaltenden wässerigen Lösung bringt noch weitere Vorteile, wenn der Lösung Biozide und/oder die Schädlingsbekämpfung unterstützende Wirkstoffe und/oder pflanzenstärkende Wirkstoffe beigemengt werden. Die Oxidationsmittel in Form von Wasserstoffperoxid sind äußerst wirksam bei der Bekämpfung der hier infragestehenden pilzlichen Schadorganismen und Bakterien. Die Konzentration von Wasserstoffperoxid (H₂O₂) in dem Sprühmittel kann bis zu 35% betragen. Die Wasserstoffperoxid enthaltende wässerige Lösung wird, wie schon oben hervorgehoben, erst anch Auftreten einer pilzlichen Infektion zur Abtötung der Pilze eingesetzt, zeigt eine heilende Wirkung und braucht nicht mehr so häufig verspritzt werden, wie herkömmliche Pflanzenschutzmittel.
Eine Steigerung der Wirkung des Oxidationsmittels "Wasserstoffperoxid" kann, wie beim herkömmlichen Pflanzenschutz, durch indirekte Pflanzenschutzmaßnahmen, z. B. im Weinbau auf den Rebbestand abgestimmte Düngung und Laubarbeit (luftige Erziehungsweise) erfolgen. In diesem Sinne ist auch der Einsatz und die Durchführung einer optimalen Applikation des Sprühmittels von Bedeutung.
Da Wasserstoffperoxid ohne Hinterlassung von negativen Rückständen in relativ kurzer Zeit in Wasser und Sauerstoff zerfällt, kann die erfindungsgemäße Anwendung des Wasserstoffperoxid enthaltenden Sprühmittels im Weinbau auch noch kurz vor Beginn der Traubenlese eingesetzt werden, falls eine pilzliche Spätinfektion im Weinberg auftritt. Zu einem Zeitpunkt, bei dem also herkömmliche Pflanzenschutzmittel ihre Wirkung bereits verloren haben und aufgrund der gesetztlich vorgeschriebenen Wartezeit vor der Traubenlese nicht mehr eingesetzt werden dürfen, kann somit vorteilhaft noch Pflanzenschutz mit dem Wasserstoffperoxid enthaltenden Sprühmittel betrieben werden. Weitere Vorteile der Erfindung bestehen darin, daß es nun möglich ist, gesünderes Lesegut als bisher, d. h. ohne pilzliche Infektion (insbesondere durch Botrytis) zu ernten, was wiederum zu bekömmlicheren Weinen führt und die kellerwirtschaftliche Weiterverarbeitung des Leseguts erheblich erleichtert. Denn es kann dann vor allem im Trauben-, Maische- und Moststadium auf Schwefel zum Schutz vor Oxidation und mikrobiologisch negativen Einflüssen ganz oder mindestens weitgehend verzichtet werden. Außerdem wird durch die Reduzierung des Botrytispilzes, welcher für die unerwünschten Oxidationsenzyme verantwortlich ist, auch der Anteil dieser Enzyme reduziert und es werden somit Voraussetzungen für die Herstellung schwefelarmer bis schwefelfreier Weine geschaffen. Mit der modernen Kellerwirtschaft ist man heute in der Lage, ohne den Einsatz irgendwelcher Stoffe oder Hilfsmittel (zur Schönung) nur durch eine Filtration und den Zusatz geringer Mengen an Schwefel Wein auszubauen. Es können somit vollkommen naturbelassene und reintönige Weine erzeugt werden, was bei Verwendung von synthetischen oder alternativen Pflanzenschutz- und Pflegemitteln aufgrund von deren negativen Auswirkungen im Weinbau nicht möglich ist.
Ausgestaltungen der Erfindung gehen aus den Unteransprüchen hervor.
Eine besonders hohe Wirtschaftlichkeit des erfindungsgemäßen Verfahrens wird erreicht, wenn bei Verwendung von handelsüblichem Wasserstoffperoxid in einer Konzentration von 35% dessen Anteil in der als Sprühmittel dienenden wässerigen Lösung im Bereich von 0,5-15% liegt.
Wenn nach noch einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung die als Sprühmittel dienende wässerige Wasserstoffperoxid- Lösung Beimengungen von Bioziden oder unterstützenden Wirkstoffen (z. B. Calcium) enthält, wird die fungizide Wirkung des Sprühmittels erhöht und die Wirtschaftlichkeit des erfindungsgemäßen Verfahrens weiter verbessert. Das Sprühmittel kann dadurch vorteilhaft zur Bekämpfung praktisch aller pilzlicher und bakterieller Schadorganismen sowie Viren an Pflanzen aller Art eingesetzt werden, also an Weinreben ebenso wie im Obst-, Garten- und Gemüsebau. Auch der Befall von Getreide- und Maispflanzen sowie Raps durch pilzliche Schädlinge läßt sich mit einem solchen Sprühmittel unterhalb der Schadschwellen halten.
Wenn der Wasserstoffperoxid-Lösung Essigsäure beigemengt wird, erzielt man nochmals eine erhebliche Wirkungsverbesserung gegen alle pilzlichen Schädlinge an Pflanzen. Dadurch kann wiederum der Anteil der Wasserstoffperoxid-Lösung in dem Sprühmittel gesenkt werden, wodurch die Wirtschaftlichkeit des Sprühmittels weiter entsprechend gesteigert wird.
Die Konzentration der durch den Essigsäurezusatz entstehenden Lösung im Sprühmittel kann beim Einsatz gegen pilzliche Schädlinge im Bereich von 0,05-15% liegen.
Wenn nach noch einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung dem Wasserstoffperoxid enthaltenden Sprühmittel als unterstützender Wirkstoff elementarer Schwefel beigemengt wird, wird insbesondere die Bekämpfung von Oidium und Milben verbessert.
Dem Wasserstoffperoxid enthaltenden Sprühmittel kann elementarer Schwefel in einer Menge von ca. 1-7,5 kg/ha Anwendungsfläche beigemengt werden.
Noch eine weitere Ausbildung der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, daß dem Wasserstoffperoxid enthaltenden Sprühmittel als pflanzenstärkender Wirkstoff eine Magnesiumverbindung beigemengt wird. Ein solches Sprühmittel ist nicht nur in fungizider oder bakterieller Hinsicht wirksam, sondern wirkt zugleich auch als pflanzenstärkender Blattdünger. Für Weinreben ist z. B. Magnesium ein wichtiger Nährstoff, der insbesondere gegen die sog. Stiellähme bei Trauben wirksam ist und somit Botrytis verhindert.
Wenn nach noch einer weiteren Ausbildung der Erfindung dem Wasserstoffperoxid enthaltenden Sprühmittel wenigstens ein die Schädlingsbekämpfung unterstützender Wirkstoff und wenigstens ein pflanzenstärkender Wirkstoff beigemengt werden, erhält man ein besonders vielseitiges Pflanzenschutz- und Pflanzenstärkungsmittel, welches bei seiner Anwendung die Umwelt nicht im geringsten belastet.
Die Erfindung wird anschließend anhand von Wasserstoffperoxid enthaltenden wässerigen Lösungen erläutert, die im Weinbau als Sprühmittel zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden können. Die im folgenden verwendeten Größen für die Entwicklungsstadien von Reben sind der von Eichhorn und Lorenz aufgestellten Skala entnommen, die im Nachrichtenblatt des Deutschen Pflanzenschutzdienstes Braunschweig, 29.1977 veröffentlicht ist. Zunächst wurde die Rebenverträglichkeit solcher Sprühmittel in Versuchen ermittelt. Es zeigte sich, daß bis zum phaenologischen Reben-Entwicklungsstadium 03 eine 35%ige wässerige Wasserstoffperoxid-Lösung mit einem Anteil bis zu 15% mit Wasser angesetzt als Sprühmittel eingesetzt werden kann, wobei es eine hervorragende Wirkung zur Bekämpfung von allen weinbaulichen pilzlichen Schadorganismen, Bakterien und Viren besitzt. Auf höhere Konzentrationen von Wasserstoffperoxid sollte aus verschiedenen Gründen verzichtet werden.
In den Reben-Entwicklungsstadien 05-38 sollte für die Behandlung durch Spritzen die Untergrenze für die Wassermenge bei 2000 l/ha liegen, wobei die zugegebene Wirkstoffmenge, nämlich 35%ige wässerige Wasserstoffperoxid- Lösung ca. 1% betragen kann. Diese Anwendung kann als Grundlage für die Behandlung von Weinreben mit einer Wasserstoffperoxid enthaltenden wässerigen Lösung angesehen werden. Während der Vegetation und der einzelnen Entwicklungsstadien der Weinreben sollte bei Anwendung des Sprühverfahrens die Konzentration der wässerigen Wasserstoffperoxid-Lösung in dem Sprühmittel nicht mehr als 5% betragen.
Versuche haben ergeben, daß sich folgende Konzentrationen von 35%iger Wasserstoffperoxid-Lösung in nachstehenden Sprühmittelmengen bei der Schädlingsbekämpfung im Weinbau noch als wirkungsvoll erwiesen:
400 l/ha mit 5%igem Anteil von H₂O₂ in einer Konzentration von 35%
500 l/ha mit 4%igem Anteil von H₂O₂ in einer Konzentration von 35%
650 l/ha mit 3%igem Anteil von H₂O₂ in einer Konzentration von 35%
Die beste Wirkung bei voller Laubwand liegt bei 5%igem Anteil der 35%igen wässerigen Wasserstoffperoxid-Lösung und 600 l fertigem Sprühmittel/ha (Anwendungslösung). Muß eine Pflanzenschutzbehandlung unmittelbar in die abgehende Blüte (Rebenentwicklungsstadium 25) erfolgen, hat man durch Versuche ermittelt, daß bereits mit 1%igem Anteil der 35%igen wässerigen Wasserstoffperoxid-Lösung im Sprühmittel bie 650 l/ha Sprühmittelaufwand eine gute Wirkung gegen Gescheinsbotrytis erreicht wird.
Schließlich haben Versuche gezeigt, daß bei erfindungsgemäßer Verwendung des Sprühmittels auch nach einer Vegetationsperiode alle tierischen Nützlinge, welche die Schädlinge parasitieren, somit dezimieren und früher durch den Einsatz von synthetischen Pflanzenschutzmitteln selbst in großem Ausmaß vernichtet wurden, sich wieder vermehren. Daher braucht man bei Anwendung des erfindungsgemäßen Sprühmittels z. B. im Weinbau keine hochgiftigen Insektizide mehr zur Bekämpfung tierischer Schädlinge einzusetzen, da sich ein biologisches Gleichgewicht einstellen kann.
Wenn man einer 35%igen wässerigen Wasserstoffperoxid-Lösung Essigsäure zugibt, um Peressigsäure zu erhalten, haben Versuche ergeben, daß das wirkungsverbessernde Optimum dann erreicht wird, wenn der Anteil der Peressigsäure in obiger Lösung 5-15% beträgt. Gleichwohl konnte in Versuchen eine zufriedenstellende fungizide Wirkung des Sprühmittels bereits bei einer Konzentration der obigen Lösung von 0,5% erzielt werden, und zwar bei einer optimalen Sprühtechnik. Schon bei einem Anteil der Peressigsäure von ca. 3-5% in der 35%igen wässerigen Wasserstoffperoxid-Lösung können selbst Sporen und Sporenbildner, sowie Bakterien und Viren aller Art vollständig vernichtet werden. Es hat sich dabei gezeigt, daß die Temperatur zum Sprühzeitpunkt einen erheblichen Einfluß auf die Konzentration obiger Lösung im Sprühmittel hat und diese um so geringer sein kann, je höher die Umgebungsluft-Temperatur liegt.
Zur Verbesserung der Oidiumbekämpfung und der Bekämpfung von Milben an Weinreben kann man dem eine 35%ige wässerige Wasserstoffperoxid-Lösung oder auch Peressigsäure enthaltenden Sprühmittel elementaren Schwefel beimengen. Versuche haben ergeben, daß der Schwefelanteil im fertigen Sprühmittel (bei einem Anteil von 0,05-15% der 35%igen wässerigen Wasserstoffperoxid-Lösung) zwischen 1-7,5 kg/ha Anwendungsfläche betragen sollte. Auch in diesem Fall verbessert sich die angestrebte Wirkung, wenn das Sprühmittel bei relativ höherer Umgebungs- Lufttemperatur eingesetzt wird.
Gibt man dem Wasserstoffperoxid enthaltenden Sprühmittel eine Magnesiumverbindung bei, so erzielt man beim Sprüheinsatz im Weinberg nach der Blüte eine die sog. Stiellähme von Trauben hemmende und somit ertrags- und qualitätsstabilisierende Wirkung. Der Anteil von z. B. Magnesiumsulfat (MgSO₄) in dem Sprühmittel betrug bei einem derartigen Versuch 20 kg/ha Reblfäche. Aber auch bei anderen Pflanzen zeigte die Anwendung dieses Sprühmittels einen besseren Wuchs bzw. eine höhere Assimilationsleistung.
Die sprunghafte Überlegenheit des Gegenstandes vorliegender Erfindung wird im folgenden noch weiter anhand der Ergebnisse von Pflanzenschutzversuchen und eines zahlenmäßig gehaltenen Vergleichsversuchsergebnisses erläutert. Hierbei handelt es sich um nachgereichte Beispiele.
Vergleichsversuch
Insgesamt ist also festzustellen, daß der Erfindung die überraschende Erkenntnis zugrunde liegt, daß es unter Ausschaltung der bisher üblichen vorbeugenden Schutzmaßnahmen nunmehr möglich ist, nachträglich, d. h. erst nach Auftreten eines Schädlingsbefalls das Schädlingsbekämpfungsmittel (Sprühmittel) einzusetzen. Dadurch wird eine höhere Wirtschaftlichkeit und eine Schonung der Umwelt erzielt.
Da Wasserstoffperoxid z. B. in einer Konzentration von 35% in Wasser vorliegen kann, beziehen sich die %-Angaben an Wasserstoffperoxid auf diese 35%ige wässerige Lösung als Basis bzw. Bezugsgröße.
Um also die im Vergleichsversuch genannte 2 bzw. 3%ige wässerige H₂O₂-Lösung herzustellen, werden 2 bzw. 3 Liter einer 35%igen wässerigen H₂O₂-Lösung mit 98 bzw. 97 Litern Wasser verdünnt. Die Prozentangaben sind Gewichts- Prozentangaben.
Neben der eindeutigen Überlegenheit des Wirkungsgrades des erfindungsgemäß einzusetzenden Schädlingsbekämpfungsmittels (Sprühmittels) kommt also als weiterer sprunghaft fortschrittlicher Aspekt die Tatsache hinzu, daß das erfindungsgemäße Verfahren zur Schädlingsbekämpfung kurativ angewendet wird, d. h. erst nach Auftreten eines Schädlingsbefalls. Diese kurative Anwendung ist sowohl aus Umweltschutzgründen als auch Gründen einer größeren Wirtschaftlichkeit dem prophylaktischen Verfahren sprunghaft überlegen.
Im folgenden werden weitere Pflanzenschutzversuche an Weinreben und Edelreisern gemäß vorliegender Erfindung geschildert. Die Konzentrationen lagen bei allen Versuchsgliedern bei 0,05-3,5% Wasserstoffperoxid bezogen auf die 35%ige wässerige Wasserstoffperoxid-Lösung.
Die Applikation erfolge als Sprüh- oder Gießmittel, sowie im Tauchverfahren.
Reben
Der Pflanzenschutz wurde kurativ, d. h. bei oder nach Auftreten der pilzlichen Infektion durchgeführt. Insbesondere wurden Peronospora, Botrytis, Oidium, Roter Brenner und die Schwarzflecken-Krankheit bekämpft.
Die Weißwein-Rebsorten, an denen die Versuche durchgeführt wurden, waren: Silvaner, Scheurebe, Kerner und Bacchus, sowie bei den Rotwein-Rebsorten: Spätburgunder und Dornfelder, auf einer Gesamt-Rebfläche von 2 ha, was unter Versuchsbedingungen einen Großversuch bedeutet.
Die Pflanzweiten der Rebanlagen lagen bei 1,60 m×1,30 m und 1,70 m×1,30 m.
Die Applikation wurde mittels eines Tangential-Querstrom-Gebläse durchgeführt, wobei überwiegend mit einer 3%igen Lösung des Prüfmittels (interne Bezeichnung: Bio 2000), also einem 3%igen Wasserstoffperoxid bezogen auf eine 35%ige wässerige Wasserstoffperoxid-Lösung, gearbeitet wurde.
Bei einem sich über 2 Jahre erstreckenden Behandlungszeitraum waren aufgrund der kurativen Bekämpfungsweise zwischen 1 und 5 Behandlungen notwendig. Bei einem Durchschnitt von 4 Behandlungen liegt dies 20-30% unter dem traditionellen Behandlungsbedarf.
Da bei dieser Verfahrensweise eine Erstinfektion an Rebblättern geduldet wird, kam es durch die erwähnten Pilze zu einer Befallshäufigkeit an den Blättern von 0-18% und zu einem Wirkungsgrad des erfindungsgemäß anzuwendenden Prüfmittels im Vergleich zur unbehandelten Parzelle von 52-85%.
Schäden an den Reben entstanden durch das Prüfmittel nicht.
An den Trauben kam es in beiden Jahren zu einer Befallshäufigkeit von 0-5%. Der Wirkungsgrad des Prüfmittels lag im Vergleich zur unbehandelten Parzelle bei 15-80%.
Die Weine konnten schwefelfrei ausgebaut werden und zeigten keine Fehltöne, wie sie von herkömmlichen oder biologischen Pflanzenschutzmitteln verursacht werden können.
Die Vergleichs-Wirkstoffe waren
gegen Peronospora:
Kupferoxichlorid und Mancozeb
gegen Botrytis: Vinclozolin
gegen Oidium: Triadimefon
gegen Schwarzflecken-Krankheit und gegen Roten Brenner: Metiram
Edelreis und Unterlage
Neben der Anwendung an grünen Rebpflanzen erfolgte auch eine Behandlung von Edelreisern und Unterlagen, also am Holz in Form einer Stand-Desinfektion bzw. die Durchführung des Pflanzenschutzes im Tauchverfahren, jeweils nach dem erfindungsgemäßen Verfahren.
Je nach Sporenhäufigkeit lag die Konzentration zwischen 0,5% und 5% Wasserstoffperoxid bezogen auf eine 35%ige wässerige Wasserstoffperoxid-Lösung.
Es zeigte sich nach erfolgter Kopulation von Edelreis mit Unterlage ein deutlich gesteigertes Austriebsverhalten der jungen Reben.
Insbesondere wurde jedoch eine Bakterien- und Virenfreiheit festgestellt, was eine sehr große, d. h. sprunghafte Wertsteigerung des jungen Pflanz- bzw. Rebgutes bedeutet.
Auch auf diesem Anwendungsgebiet ist also vorliegende Erfindung von großer Bedeutung.
Pflanzenschutzversuche im Gemüsebau und Salatanbau
Hier wurde in einfachen Versuchen gegen eine unbehandelte Variante ermittelt, wobei ein 95%iger Wirkungsgrad gegen alle pilzlichen Schadorganismen, insbesondere gegen Mehltau erreicht wurde. Die Anwendung erfolgte im Gießverfahren jeden zweiten Tag mit einer Konzentration von 0,15-1,0% Wasserstoffperoxid bezogen auf eine 35%ige wässerige Wasserstoffperoxid-Lösung. Eine Schädigung der so behandelten Pflanzen konnte nicht festgestellt werden.

Claims (8)

1. Verfahren zur Schädlingsbekämpfung an Pflanzen, dadurch gekennzeichnet, daß eine Wasserstoffperoxid (H₂O₂) enthaltende wässerige Lösung auf die Pflanzen aufgesprüht wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß bei Verwendung von handelsüblichem Wasserstoffperoxid in einer Konzentration von 35% dessen Anteil in der als Sprühmittel dienenden wässerigen Lösung im Bereich von 0,5-15% liegt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die als Sprühmittel dienende wässerige Wasserstoffperoxid-Lösung Beimengungen von Bioziden oder unterstützenden Wirkstoffen enthält.
4. Verfahren nach den Ansprüchen 1-3, dadurch gekennzeichnet, daß der Wasserstoffperoxid-Lösung Essigsäure beigemengt wird.
5. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß dem Wasserstoffperoxid enthaltenden Sprühmittel als unterstützender Wirkstoff elementarer Schwefel beigemengt wird.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß dem Wasserstoffperoxid enthaltenden Sprühmittel elementarer Schwefel in einer Menge von ca. 1-7,5 kg/ha Anwendungsfläche beigemengt wird.
7. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß dem Wasserstoffperoxid enthaltenden Sprühmittel als pflanzenstärkender Wirkstoff eine Magnesiumverbindung beigemengt wird.
8. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß dem Wasserstoffperoxid enthaltenden Sprühmittel wenigstens ein die Schädlingsbekämpfung unterstützender Wirkstoff und wenigstens ein pflanzenstärkender Wirkstoff beigemengt werden.
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