DE399280C - Verfahren zur Herstellung eines kuenstlichen Bitumens aus Steinkohlengoudron - Google Patents

Verfahren zur Herstellung eines kuenstlichen Bitumens aus Steinkohlengoudron

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DE399280C
DE399280C DEL57646D DEL0057646D DE399280C DE 399280 C DE399280 C DE 399280C DE L57646 D DEL57646 D DE L57646D DE L0057646 D DEL0057646 D DE L0057646D DE 399280 C DE399280 C DE 399280C
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    • C—CHEMISTRY; METALLURGY
    • C10—PETROLEUM, GAS OR COKE INDUSTRIES; TECHNICAL GASES CONTAINING CARBON MONOXIDE; FUELS; LUBRICANTS; PEAT
    • C10C—WORKING-UP PITCH, ASPHALT, BITUMEN, TAR; PYROLIGNEOUS ACID
    • C10C1/00—Working-up tar
    • C10C1/04—Working-up tar by distillation

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  • Chemical & Material Sciences (AREA)
  • Engineering & Computer Science (AREA)
  • Oil, Petroleum & Natural Gas (AREA)
  • Materials Engineering (AREA)
  • Organic Chemistry (AREA)
  • Working-Up Tar And Pitch (AREA)

Description

  • Verfahren zur Herstellung eines künstlichen Bitumens aus Steinkohlengoudron. Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist die Herstellung eines künstlichen Bitumens aus Steinkohlengoudron mit denselben Eigenschaften, wie sie die natürlichen Bitumina haben (beispielsweise die Bitumina von Trinidad, Selenitza, Palästina oder wie Gilsonit oder Grahamit), oder wie sie die Petromeumbitumina oder Teerbitumina verschiedener Herkunft haben. Durch diese Eigenschaften des gemäß der Erfindung hergestellten Produktes ist es möglich, die natürlichen Produkte bei ihren verschiedenen Verwendungszwecken zu ersetzen, z. B. bei der Herstellung vor. Lacken, Isolierstoffen, Klebstoffen, wasserdichten Stoffen aus Leinewand oder Filzpappe. Ebenso läßt sich das künstliche Produkt zur Herstellung von Stampfasphalt oder gegossenem Asphalt bei der Belegung von Straßen verwenden. Das künstliche Produkt ist - dadurch dem natürlichen überlegen, daß man es mit dem für den besonderen. Verwendungszweck gewünschten Schmelzpunkt herstellen kann.
  • Das Wort Bitumen ist hier im Sinne der europäischen Terminologie gebraucht. Nach der gegenwärtigen amerikanischen Terminologie würde an Stelle von Bitumen die Bezeichnung Asphalt anzuwenden sein.
  • Zur Herstellung dieses Bitumens fügt man zu irgendeinem guten Steinkohlengoudron eine geeignete Flüssigkeit, um den darin enthaltenen freien Kohlenstoff auszufällen. Man verwendet zweckmäßig Leichtöl oder Rohbenzin oder Rohbenzol. Nach dem Filtrieren erhält man eine klare Flüssigkeit, welche man destilliert. Bei dieser Destillation wird zuerst das ausfällende Lösungsmittel wiedergewonnen. Alsdann treibt man die Temperatur höher, bis die Anthrazenöle, wie sie bei der gewöhnlichen Teerdestillation erhalten werden, übergegangen sind. In der Retorte bleibt alsdann ein erstes oder Rohbitumen. Um ein Bitumen von gewünschtem (höherem) Schmelzpunkt zu erhalten, destilliert man das Rohbitumen von neuem. Hierbei gehen orangefarbene bis lebhaft rote öle über, die bisher bei der Goudrondestillation unbekannt sind. Aus der Menge dieser öle kann man den Schmelzpunkt des in der Retorte zurückbleibenden Bitumens berechnen und kann auf diese Weise sehr genau ein Bitumen mit dem gewünschten Schmelzpunkt erhalten.
  • Durch die eben beschriebenen Operationen gewinnt man ein Bitumen, dessen Schmelzpunkt zwischen 55 und i65° liegen kann. Über diese Temperatur hinaus vermindern sich die plastischen Eigenschaften des Produktes mehr und mehr, je mehr man sich der Temperatur nähert, bei welcher die Verkokung beginnt. Die so gewonnenen Bitumina sind frei von freiem Kohlenstoff, vollständig löslich in Schwefelkohlenstoff, beständig gegen alkalische Lösungen sowie gegen heiße oder kalte Schwefelsäure. Sie sind vollständig löslich in Anthrazenölen und in Schwerölen aus Steinkohlengoudron, zum Teil löslich in Benzin.
  • Das Bitumen mit einem Schmelzpunkt von 'i65° hat einen glänzenden Bruch, es ist absolut beständig gegen Sonne und Atmosphäre, durch welche es nicht matt oder stumpf gemacht wird; es ist unlöslich in Alkohol und kann leicht zu einem kastanienbraunen Pulver zerrieben werden. Es ist ein elektrischer Isolator, besitzt sehr großes Klebvermögen, seine Lösungen geben vollkommen schwarze Lacke, mit anderen Worten, es hat vollkommen die Eigenschaften der natürlichen Bitumina aus Palästina. Selenitza oder die des Gilsonits oder Graharnits. Die Bitumina mit einem niedrigeren Schmelzpunkt haben dieselben Eigenschaften, jedoch löst aus diesen Alkohol ein orangefarbenes öl- Es ist dies dasselbe öl, welches man hei der Destillation des hochschmelzenden Bitumens erhält. Die niedrig schmelzenden Bitumina sind Gemische des bei 165' schmelzenden Bitumens mit den erwähnten orangefarbenen bis roten ölen.
  • Das bei 165" schmelzende Bitumen anderseits ist ein wohldefinierter Körper, den man auch erhalten kann, wenn man irgendeins der niedriger schmelzenden Bitumina mit siedendem Alkohol behandelt. Dabei lösen sich die roten Öle im Alkohol, und das zurückbleibende Bitumen hat den Schmelzpunkt von r65`.
  • Das weiche Bitumen kann als Ersatz dienen für Trinidad-Asphalt, für flüssigen Selenitza-Asphalt, für die bituminösen Extrakte aus Asphaltgesteinen, für mexikanische Asphalte und für andere Rückstände der Teerdestillation bei den verschiedensten Anwendungsgebieten, wie sie eingangs bereits geschildert wurden. Hierbei kann durch Zufügung von Leinöl oder von einem anderen trocknenden Öl in an sich bekannter Weise die Plastizität des Bitumens erhöht werden, oder das Intervall, innerhalb dessen das Bitumen plastisch bleibt, erweitert werden.
  • Zu beachten ist, daß das gemäß der Erfindung hergestellte künstliche Bitumen nicht die Mängel des Steinkohlenteers aufweist; denn bei der gewöhnlichen Teerdestillation wird das darin enthaltene Bitumen teilweise durch die Wirkung des sogenannten freien Kohlenstoffs, der stets Wasser enthält, zersetzt. Es entstehen dabei Kohlenwasserstoffe mit höherem Kohlenstoffgehalt, ja sogar selbst Kohle. Ferner ist man gezwungen, wegen der Gegenwart der eben erwähnten störenden Fremdkörper einen Teil des Anthrazenöles oder selbst des Anthrazenkuchens beim Bitumen zu lassen, wenn man Bitumina vom Schmelzpunkt 6o bis 8o° erhalten will. Hierdurch wird das Bitumen aber unbeständig gegen Einflüsse der Atmosphäre, weil der Anthrazenkuchen nicht luftbeständig ist.
  • Die Herstellung des eben beschriebenen künstlichen Bitumens geschieht fabrikationsmäßig, beispielsweise folgendermaßen: i oo Teile Steinkohlengoudron werden mit 4oo Teilen Leichtöl oder besser Benzol oder Rohbenzin gemischt und in einem geschlossenen Gefäß miteinander verrührt. Hierbei wird vier freie Kohlenstoff ausgefällt, danach wird filtriert oder dekantiert. Im Falle des Dekantierens wird der sehr viel Leichtöl-oder Benzin enthaltende Rückstand mit Goudron gemischt, «-elches der üblichen Destillation unterworfen werden soll. Im Falle der Filtration wird der Rückstand in einem Autoklaven mit überhitztem Wasserdampf destilliert, wobei die Leichtöle oder das Benzin aus@eschieden werden. Nach dem Filtrieren erhuilt man eine klare Lösung von ungefähr .15o Teilen mit etwa 8 bis 9 Gewichtsprozenten Biturnen. Dies Bitumen wird folgendermal;)en getrennt: Die Lösung füllt man in einen Destillierkessel von der üblichen Form mit einem Fassungsvermögen von ioo Teilen. Mai, destilliert. his Naphthalin anfängt überzugehen. Bis dahin sind nur das Leichtöl oder Benzin bzw. Benzol übergegangen, die so für eine neue Operation wieder gewonnen sind. Sobald das Naphthalin anfängt überzugehen. füllt man den Destillierkessel von neuere und destilliert wiederum bis zum Erscheinen des Naphthalins. Diese Füllung wird 6- bis 7mal wiederholt, bis das ganze zu behandelnde Filtrat aufgebraucht ist. Nach der letzten Füllung unterbricht man die Destillation nicht beim C-bergehen des Naphthalins, sondern setzt sie fort, bis alles Anthrazen überbegangen ist. Dieser Zeitpunkt wird durch die üblichen Verfahren festgestellt, entweder durch die Temperaturmessung, falls man nicht reit Wasserdampf oder im Vakuum destilliert (die Endtemperatur liegt bei 320 bis 3;o'r, oder durch die Dichte des Destillats, die 1, 14 bei 15' sein soll, endlich durch die Farbe des Destillats, die von Gelb in Gelborange übergehen soll. In diesem Augenblick unterbricht man die Destillation und läßt abkühlen. In dem Destillierkessel sind alsdann ;o bis .lo Teile Bitumen. Eine weitere Destillation in derselben Destillierblase ist gefährlich, da ein Durchbrennen der Kesselwände- zu befürchten ist. Man bringt deshalb nach dein elbkühlen das -Bitumen in eine andere Retorte von -to bis 4.5 Teilen Fassungsvermögen, die mit eingeblasenem Dampf arbeitet. 'Während des Cberführens von der einen Retorte in die andere wird die Menge sowie der Schmelzpunkt des Bitumens festgestellt. Dieser soll zwischen 6o und 70° liegen, wenn die Operation richtig ausgeführt ist.
  • Das Verfahren kann in gleicher Weise in einem kontinuierlich arbeitenden Apparat ausgeführt werden, wobei nur die Regelung der Kühlung zu ändern ist. Die Destillation geht so vor sich, als wenn man einen Teer zu destillieren hat, der sehr hohen Gehalt an Leichtölen besitzt. Wenn der Apparat mit Stufenkühlung arbeitet, kann der eingeführte Dampf derselbe sein, der bereits dazu gedient hat, die Leichtöle aus dem übrigbleibenden Ölkuchen von freiem Kohlenstoff zu extrahieren und der mit diesen Ölen beladen ist. Das erhaltene Rohbitumen ist dasselbe wie beim diskontinuierlichen Verfahren, Der Heizkessel für die weitere Verarbeitung ist ein gewöhnlicher Teerdestillierkessel, der mit Einführung von Dampf oder Gas oder im Vakuum arbeitet, um die Temperatur herabzusetzen und die oxydierende Wirkung der Luft zu verhindern. Die Kondensation findet in einem mit Luft gekühlten Gefäß statt, wenn es sich nicht um die Einführung von Dampf handelt; in einem mit Wasser gekühlten Gefäß im entgegengesetzten Falle. Das abdestillierte Öl wird in einem Behälter aufgefangen, an welchem mit Hilfe einer Teilung unmittelbar die Menge des Destillates abgelesen werden kann. Da man einerseits den Schmelzpunkt des Rohbitumens kennt und anderseits weiß, daß dieser Schmelzpunkt um io° steigt, wenn 2,66 Prozent Ö1, bezogen auf das Gewicht des Rohbitumens, übergegangen sind, kann man Bitumen von jedem gewünschten Schmelzpunkt herstellen. wenn man die Destillation bei dem vorher berechneten Temperaturpunkt unterbricht. Der Koeffizient, 2,66 Prozent, ist der in den Gasanstalten geläufige. Er kann sich natürlich ändern, selbst um mehrere Einheiten, je nach dem angewandten Goudron und muß vorher durch einen Laboratoriumsversuch bestimmt werden.

Claims (2)

  1. PATENTANSPRÜCHE: i. Verfahren zur Herstellung eines künstlichen Bitumens aus Steinkohlengoudron, dadurch gekennzeichnet, daß das Goudron zur Fällung des freien Kohlenstoffes mit Rohbenzin, Benzol oder leich, ten Ölen behandelt wird, und daß nach dem Filtrieren oder Dekantieren die'klare Lösung destilliert wird.
  2. 2. Verfahren nach Anspruch i, dadurch gekennzeichnet, daß das nach der ersten Destillation zurückbleibende Rohbitumen weiter destilliert wird, bis der Rückstand den gewünschten Schmelzpunkt hat.
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