DE4119087A1 - Verfahren zum pruefen und messen der haftscherfestigkeit flaechenhafter verbindungen - Google Patents
Verfahren zum pruefen und messen der haftscherfestigkeit flaechenhafter verbindungenInfo
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Description
Das Verfahren zum Prüfen und Messen der Haftscherfestigkeit
flächenhafter Verbindungen, wie z. B. von Schichten, Schichtsystemen,
Verbundmaterialien und Verbunden, findet vorwiegend
Anwendung in der Werkstofftechnik sowie in der Meß- und
Prüftechnik.
Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren ist es möglich, mit geringem
präparativem Aufwand und unter definierten Bedingungen
die Haftscherfestigkeit flächenhafter Verbindungen, insbesondere
von Schichten, Schichtsystemen, Verbundmaterialien
und Verbunden, zu messen und zu prüfen.
Haftfestigkeiten sind nicht einfach meßbar. Haftfestigkeiten
sind definiert als Quotient einer Kraft und einer durch ihre
Wirkung abgetrennten Fläche. Die Haftscherfestigkeit ist der
Quotient aus der im Scherversuch ermittelten Höchstkraft und
der durch die Probenform gegebenen Scherfläche in der Bindungsfläche
Auflagewerkstoff - Grundwerkstoff /DIN 5162/.
Das ist in etwa auch die Definition als maximale Scherspannung
im Augenblick des ersten Versagens /DIN EN 2377/.
Die Krafteinleitung ist problematisch. Schneidkantenform und
die Maßhaltigkeit beider Kanten zueinander beeinflussen die
notwendige Kraft, Materalien durch Scherung zu trennen. Auch
das Material der Schneiden und besonders die Kraftzunahmegeschwindigkeit
beim Prüfvorgang sind weitere Einflußgrößen.
Zum Messen der Haftscherfestigkeit muß zudem noch die Scherung
in Richtung und bündig mit der Haftfläche wirken.
Es ist ein Prüfverfahren bekannt, bei dem eine Druckausübung
erfolgt, bis die Haftflächen sichtbar werden. Das setzt voraus,
daß der Verbund vollständig gelöst werden muß /WP GO1N/
321 530 4/.
Alle gegenwärtigen Verfahren benötigen einen hohen Präparationsaufwand
bzw. sind nicht für dünne Schichten geeignet.
Methoden wie Biege- und Scratch-Test sind bezüglich der
Krafteinleitung unübersichtlich.
Das Problem wird dadurch gelöst, daß ein Prüfstempel gleichzeitig
beide Materialien belastet und durch die elastische
Deformation längs der Verbindung auf beide Werkstoffe verschieden große
Kräfte übertragen werden und die Differenz beider
Kräfte als Scherkraft wirksam wird.
Unter der Wirkung dieser Scherkraft wird die Haftfestigkeit
der Verbindung zwischen Auflage- und Grundwerkstoff überschritten,
die Bindung reißt auf, und die Größe der abgescherten
Fläche ist feststellbar.
Zur Durchführung des Verfahrens wird die Probe senkrecht zu
der zu prüfenden Verbundfläche eben geschliffen und poliert.
Ein Prüfstempel wird mit ebenfalls polierter Unterseite auf
die Prüffläche aufgesetzt. Durch Stempeldruck in Richtung
der Verbundfläche ergeben sich vorteilhafte Bedingungen zur
Scherbelastung. Mit dieser geometrisch sehr exakten Anordnung
wird, wenn die Scherfestigkeit des Stempelmaterials hinreichend
gering ist, die Scherhaftfestigkeit des Verbundes ermittelt
und kann bei hinreichend geringer Scherhaftfestigkeit
des Scherfestigkeit des Stempelmaterials vergleichsweise
bestimmt werden. Als Grenzfälle sind hierbei einerseits Flüssigkeiten
und Plasten mit zu vernachlässigender Scherfestigkeit
zu nennen. Andererseits weisen aneinandergedrückte Auflage-
und Grundwerkstoffe ebenfalls eine zu vernachlässigende
Haftfestigkeit auf.
Zur Berechnung der Haftscherfestigkeit werden nur elastische
Deformationen für Auflage-, Grundwerkstoff und Stempelmaterial
vorausgesetzt. Aus den Elastizitätsmoduln und geometrische
Abmessungen berechnet sich die Scherkraft FS, die
bei der Prüfung losgelöste Verbundfläche ΔA wird gemessen.
Die Haftfestigkeit τ ergibt sich zu:
F: Auf den Stempel wirkende Kraft
τS: Haftfestigkeit des Stempelmaterials
E₁, E₂, ES: Elastizitätsmoduln von Grundwerkstoff, Auflagewerkstoff und Stempelmaterial
L: Länge des der Kraft ausgesetzten Verbundes
d₁, d₂: dito Dicke von Grund- bzw. Auflagewerkstoff
l, lS: Proben- bzw. Stempelhöhe
A1: Tiefe der eingerissenen Verbundfläche
τS: Haftfestigkeit des Stempelmaterials
E₁, E₂, ES: Elastizitätsmoduln von Grundwerkstoff, Auflagewerkstoff und Stempelmaterial
L: Länge des der Kraft ausgesetzten Verbundes
d₁, d₂: dito Dicke von Grund- bzw. Auflagewerkstoff
l, lS: Proben- bzw. Stempelhöhe
A1: Tiefe der eingerissenen Verbundfläche
Im Falle zu vernachlässigender Scherfestigkeit des Stempelmaterials
und hinreichend kleinem Elastizitätsmodul des Stempelmaterials
(ES«E₁, E₂) vereinfacht sich die Gleichung zu
Solange die Scherfestigkeit des Stempelmaterials geringer
als die Haftscherfestigkeit ist, kann die Bindung aufgerissen
werden. Sind beide Größen gleich, so löst sich die Bindung gerade
nicht mehr, und die Haftscherfestigkeit ist gleich der Haftfestigkeit
des Stempelmaterials. Diese kann nach DIN 50 141
ermittelt werden, so daß ein Anschluß an eine Norm zur Scherfestigkeit
erreicht ist.
In einem ersten Ausführungsbeispiel (Fig. 1) wird eine Probe
aus 1 mm dickem vernickelten Messingblech verwendet. Es sind
10 Proben der Größe 10×50 mm durch Kleben und Verschrauben
zu einem Probekörper 1 zusammengefügt. Die Prüffläche 2 ist
mit Schleifpapier abnehmender Körnung plan geschliffen und poliert.
Dabei wurde die Krafteinwirkung gering gehalten, um den
Verbund möglichst wenig zu belasten. Mit einem Mikroskop kann
bei 200facher Vergrößerung gut zwischen Nickelschicht und Messingblech
unterschieden und der noch intakte Verbund nachgewiesen
werden.
Der Prüfstempel 3 aus gehärtetem Werkzeugstahl ist auf der
zum Probekörper 1 hin gerichteten Seite plan geschliffen und
poliert. Am Prüfstempel 3 befindet sich auf seiner Unterseite
eine 2 mm dicke Folie 4 einer Bleilegierung. Der Prüfstempel 3
ist so angebracht, daß er am hinteren Ende über ein Stützelement
5 den Probekörper 3 mit nur geringer Kraft gegen die Unterlage
6 drückt. Am vorderen Ende wird für 5 min eine Kraft F
von 500 N angelegt, danach der Prüfstempel 3 entfernt, die
Folie 4 entnommen und in einem Mikroskop ausgewertet.
Das vordere Endes des Probekörpers 3 ist als Abdruck auf der
Folie 4 zu erkennen. Die Tiefe des Abdruckes nimmt von vorn
nach hinten ab. Nickelschicht und Messingblech haben sich verschieden
tief in die Folie 4 eingedrückt. Der Ort des gerade
noch sichtbaren Abdruckes der Trennlinie zwischen Schicht und
Blech wird vermessen. Aus der dort wirkenden Kraft und mit
noch anderen Materialgrößen ist die Haftscherfestigkeit berechenbar.
Im dargestellten Beispiel beträgt sie 0,33 MPa.
Im zweiten Ausführungsbeispiel Fig. 2 werden 1 mm dicke Aluminiumbleche,
einseitig mit einer Bornitrit-Hartstoffschicht versehen,
ausgemessen. Diese 12×60 mm große Streifen sind zu zwei
Probekörpern 1 zusammengesetzt und durch seitliche Verschraubung
unter mäßigem Druck aneinandergepreßt und auf eine Unterlage
6 aus Hartmetall aufgesetzt.
Darüber befindet sich ein in einer Klammer 7 aus Werkzeugstahl
durch seitliche Versteifungen 8 mit geringem Druck zusammengehaltener
Satz von Prüfstempeln 3. Er besteht aus 1,5 mm dicken
Metallstreifen unterschiedlicher Scherfestigkeit. Die Festigkeitswerte
wurden nach DIN 50 141 gemessen. Die Prüfstempel 3
liegen im rechten Winkel auf den Probekörpern 1 auf.
Über eine bewegliche Rolle 9 werden die Prüfstempel 3 nacheinander
mit konstanter Kraft F auf die Prüfkörper 1 gedrückt.
Die Rolle 9 bewegt sich gleichmäßig mit einer Geschwindigkeit
von 1 mm/min.
Da, wo die Trennlinie zwischen Hartstoffschicht und Aluminiumblech
an einer Aufdampfschicht an der Unterseite des
Prüfstempels gerade noch bzw. gerade nichtmehr zu erkennen
ist, wird die Scherfestigkeit der Verbindung durch die
Scherfestigkeit des dort angeordneten Prüfstempels bestimmt.
Es wurde ein Wert zwischen 0,02 und 0,05 MPa ermittelt.
Im dritten Ausführungsbeispiel Fig. 3 wird ein Probekörper 1, bestehend
aus einer Keramik-Metall-Lötverbindung auf einer
kreisförmigen Fläche von 100 mm² in Richtung der Grenzfläche
belastet. Druckvermittler ist ein Kunststoff 12 hoher Plastizität,
der wie eine Flüssigkeit wirkt.
Die Lötverbindung ist senkrecht zur Verbindungsfläche eben
geschliffen und poliert. Auf die so präparierte Probefläche 2
wird, die Materialien beiderseits der Verbindungsfläche erfassend,
ein Metallzylinder 10 durch eine Feder 11 mit mäßiger
Kraft aufgesetzt.
Der Druck wird durch die Kraft F auf einen in den Zylinder
leicht gleitend eingepaßten Prüfstempel 3 aus Metall erzeugt
und über den 3 mm dicken Druckvermittler aus Kunststoff 12
auf die Prüffläche 2 übertragen. Die Kraft auf den Prüfstempel
3 und seine Bewegung werden über Sensoren aufgenommen
und registriert.
Mit ansteigender Kraft ist nach einer Anpassungsphase des
Druckvermittlers an die Konturen der angrenzenden Flächen
eine nur geringe Weglängenänderung zu beobachten. Eine nachfolgend
abrupte Änderung des Stempelweges zeigt das Reißen
der Lötverbindung an.
Aufstellung der verwendeten Bezugszeichen
1 Probekörper
2 Prüffläche
3 Prüfstempel
4 Folie
5 Stützelement
6 Unterlage
7 Klammer
8 Versteifung
9 Rolle
10 Metallzylinder
11 Feder
12 Kunststoff
2 Prüffläche
3 Prüfstempel
4 Folie
5 Stützelement
6 Unterlage
7 Klammer
8 Versteifung
9 Rolle
10 Metallzylinder
11 Feder
12 Kunststoff
Claims (7)
1. Verfahren zum Prüfen und Messen der Haftscherfestigkeit flächenhafter
Verbindungen, insbesondere von Schichten, Schichtsystem,
Verbundmaterialien und Verbunden, dadurch gekennzeichnet,
daß die Materialien beiderseits der zu prüfenden
Verbindung durch Druck im Bereich von 0,1 MPa bis
1000 MPa mit einer maximalen Druckzunahmegeschwindigkeit
von 10 MPa/s so belastet werden, daß der Verbund teilweise
gelöst und/oder ein Abdruck der Verbindung im Prüfstempel
(3) erzeugt und dieser Abdruck oder die belastete
Verbindung selbst ausgewertet wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die
Materialien beiderseits der Verbindung verschiedene Elastizitätsmoduln
aufweisen.
3. Verfahren nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet,
daß der Druck durch eine Flüssigkeit ausgeübt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
daß der Abdruck in einem Prüfstempel (3), bestehend aus
dem Stempelmaterial und einer Folie (4), erzeugt wird.
5. Verfahren nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
daß der Abdruck in einem Prüfstempel (3), der beschichtet
ist, erzeugt wird.
6. Verfahren nach Anspruch 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet,
daß mittels Materialien verschiedener Scherfestigkeit
gleichzeitig oder nacheinander Druck ausgeübt wird.
7. Verfahren nach Anspruch 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet,
daß gleichzeitig mehrere Verbindungen gleicher oder verschiedener
Haftscherfestigkeit geprüft werden.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE19914119087 DE4119087A1 (de) | 1991-06-10 | 1991-06-10 | Verfahren zum pruefen und messen der haftscherfestigkeit flaechenhafter verbindungen |
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE19914119087 DE4119087A1 (de) | 1991-06-10 | 1991-06-10 | Verfahren zum pruefen und messen der haftscherfestigkeit flaechenhafter verbindungen |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE4119087A1 true DE4119087A1 (de) | 1992-02-06 |
Family
ID=6433622
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE19914119087 Withdrawn DE4119087A1 (de) | 1991-06-10 | 1991-06-10 | Verfahren zum pruefen und messen der haftscherfestigkeit flaechenhafter verbindungen |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE4119087A1 (de) |
Cited By (4)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| WO1998049535A1 (de) * | 1997-04-30 | 1998-11-05 | Kosper Juergen | Verfahren zur prüfung der verbundfestigkeit metallkeramischer systeme |
| RU2134873C1 (ru) * | 1997-08-01 | 1999-08-20 | Военный автомобильный институт | Способ определения тангенциальной прочности адгезионной связи антифрикционных покрытий |
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| CN104502205A (zh) * | 2014-12-17 | 2015-04-08 | 上海应用技术学院 | 硬质合金钎焊接头剪切性能测试装置 |
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-
1991
- 1991-06-10 DE DE19914119087 patent/DE4119087A1/de not_active Withdrawn
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