DE4131562A1 - Arzneistofftraeger aus festen lipidteilchen-feste lipidnanosphaeren (sln) - Google Patents
Arzneistofftraeger aus festen lipidteilchen-feste lipidnanosphaeren (sln)Info
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Description
Die Erfindung betrifft einen Arzneistoffträger, dessen Disper
sion in einem wäßrigen Medium, ein Verfahren zu seiner Herstel
lung und seine Verwendung. Insbesondere handelt es sich um einen
Arzneistoffträger aus Lipid- oder Lipoidteilchen.
Auf dem Gebiet der Arzneimittelwirkstoffe wird ständig nach
Trägern gesucht, die eine vielfältige Art der Applikation er
möglichen, d. h. in einer Form vorliegen, die es gestattet, das
jeweilige Medikament auf die am besten geeignete Weise dem Kör
per zuzuführen, z. B. intravenös, intraarthrikulär, intramuskulär
oder subkutan.
So sind beispielsweise Träger aus festen Mikroteilchen, Mikro
sphären und Mikrokapseln bekannt (mittlerer Durchmesser im Mi
krometerbereich) sowie Nanoteilchen und Nanokapseln (mittlerer
Durchmesser im Nanometerbereich). Mikro- und Nanoteilchen beste
hen aus einer festen Polymermatrix. Bei Mikro- und Nanokapseln
sind flüssige oder feste Phasen von filmbildenden Polieren
umhüllt. Derartige Teilchen bestehen aus oder weisen Überzüge
aus Polymeren wie Polylactiden (PLA), Polylactid-Glycoliden
(PLA/GA) oder Polyalkylcyanoacrylaten auf. Polylactid und Poly
lactid-Glycolid als Teilchenmatrix und als Überzüge haben jedoch
den Nachteil, daß sie nur sehr langsam abgebaut werden, d. h. der
Abbau dauert Wochen bis Monate. Dies führt bei Mehrfachapplika
tion eines Arzneimittels mit diesem Träger zur Polymerakkumula
tion im Organismus und möglicherweise zu toxischen Effekten.
Teilchen auf Basis von Polymeren wie Polyalkylcyanoacrylaten
werden zwar innerhalb von 24 Stunden bis zu 80% im Organismus
abgebaut, doch wird beim Abbau toxisches Formaldehyd frei. Zur
Herstellung der Polymerteilchen müssen als Lösungsmittel für das
Polymer beispielsweise Chlorkohlenwasserstoffe wie Dichlormethan
eingesetzt werden, die ihrerseits wiederum toxisch sind (T.R.
Tice und D.H. Lewis, Microencapsulation Process, US-PS 43 89 330).
Mikroteilchen können darüberhinaus aufgrund ihrer Größe
bei der intravenösen Injektion zu Embolien führen, so daß hier
von in der Regel abgesehen wird. Ein weiterer Nachteil von Poly
merteilchen ist, daß beim Sterilisieren in einem Autoklaven die
Glastemperatur überschritten wird, so daß es zu einer Aggrega
tion der Teilchen kommt. Derartige Arzneimittelträger bzw. Arz
neimittel sind daher auf diese Weise nicht sterilisierbar und
müssen auf dem mit Nachteilen behafteten Wege der Strahlensteri
lisation behandelt werden.
Bekannt sind ferner als Arzneistoffträger einsetzbare Fettemul
sionen. Fettemulsionen sind Öl-in-Wasser-Emulsionen, bei denen
die dispergierte (innere) Phase flüssig ist. In der Literatur
werden derartige Fettemulsionen auch als "Lipid-Mikrosphären"
und hochdisperse Fettemulsionen mit einer mittleren Teilchen
größe im Nanometerbereich werden auch als "Nanoemulsionen" be
zeichnet (H.G. Weder und M. Muetsch, Eur Pat. EP 90-8 10 436, Juni
1990). Diese Fettemulsionen bestehen insgesamt aus zwei flüssi
gen Phasen. Fettemulsionen geben inkorporierte Arzneistoffe nach
Verdünnung durch Körperflüssigkeiten (z. B. nach Injektion ins
Blut) relativ rasch frei. Die t (50%) liegt im Bereich von 30
bis 60 Sekunden, was mit der hohen Diffusionsgeschwindigkeit der
Arzneistoffe im relativ niedrigviskosen Öl korreliert ist. Zu
sätzlich wird die flüssige dispergierte Phase der Fettemulsio
nen (= Öl) im Organismus innerhalb weniger Stunden vollständig
metabolisiert, was zur schnellen Freisetzung auch von extrem
lipophilen Substanzen aus dem Öl führt. Durch die rasche Frei
setzung kann es auch zu sogenannten Wirkstoffpeaks im Plasma
kommen, so daß aufgrund dieser kurzzeitigen Überdosierung toxi
sche Nebenwirkungen möglich sind. Darüber hinaus ist der Verlust
an Wirkstoff vor Erreichung des Zielorgans beim passiven Targe
ting zu Leber- und Milzmakrophagen relativ groß.
Durch P. Eldem, P. Speiser und A. Hincal, Pharmaceutical Re
search 8, 47-54 (1991) sind Mikropellets auf Lipidbasis bekannt,
deren mittlerer Durchmesser wiederum im Mikrometerbereich liegt.
Bekannt sind auch Arzneistoffträger, bei denen Liposomen oder
Liposomenähnliche oder -analoge Substanzen wie Niosomen mit
einem wäßrigen, flüssigen Kern von einer oder mehreren Phospho
lipiddoppelmembranen umgeben sind.
Darüber hinaus sind subpartikuläre oder halbpartikuläre Systeme
bekannt, bei denen Substanzen mit Hilfe von Lösungsvermittlern
wie Tensiden soweit gelöst werden, daß sich Mizellen oder Misch
mizellen bilden. Hierbei handelt es sich nicht mehr um Disper
sionen sondern bereits um Lösungen.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, einen Arznei
stoffträger zur Verfügung zu stellen, der eine Dispersion von
Teilchen in einem wäßrigen Medium bilden kann, wobei die Teil
chen bei Raumtemperatur fest und biologisch abbaubar sind und
außerdem aus Komponenten bestehen, die eine geringe oder keine
Toxizität aufweisen. Bei der Herstellung des Arzneistoffträgers
sollen ferner keine toxischen Hilfsstoffe wie Dichlormethan oder
ähnliche benötigt werden. Ferner soll ein Verfahren zur Herstel
lung dieses Arzneistoffträgers zur Verfügung gestellt werden.
Die erfindungsgemäße Aufgabe wird gemäß Anspruch 1 durch einen
Arzneistoffträger gelöst, der Teilchen aus Lipid- oder lipidähn
lichem (lipoidem) Material oder Mischungen davon umfaßt, die
einen Durchmesser von 10 nm bis 10 µm aufweisen und bei Raumtem
peratur fest sind.
Bevorzugte Ausgestaltungen dieses Arzneistoffträgers sind Gegen
stand der Unteransprüche.
Bei dem Arzneistoffträger handelt es sich um bei Raumtemperatur
(d. h. ca. 20°C) feste Teilchen mit einer Größe im Nanometerbe
reich. Derartige Teilchen können als "feste Lipidnanosphären"
(solid lipid nanosperes - SLN) bezeichnet werden. Diese Teilchen
können in einem wäßrigen Medium dispergiert werden, so daß sich
eine Fest/Flüssig-Dispersion ergibt. Die Teilchengröße der dis
pergierten Phase bewegt sich im Bereich von <10 nm bis zu weni
gen Mikrometern (ca. 10 µm). Die mittlere Teilchengröße (Durch
messer bestimmt mittels Photonenkorrelationsspektroskopie) liegt
überwiegend im Bereich von 100 nm bis 1000 nm, insbesondere 200
bis 800 nm.
Die SLN bestehen aus Lipiden oder lipidähnlichen Substanzen, die
vom Organismus wie Fett aus Nahrungsmitteln abgebaut werden
können. Der Abbau von Lipiden erfolgt schneller als der Abbau
von synthetischen Polymeren wie PLA, PLA/GA. Vorteilhafterweise
entstehen ferner beim Abbau bzw. der Verstoffwechselung von
Lipiden keine toxischen Metabolite wie es bei Teilchen auf Poly
alkylcyanacrylatbasis der Fall ist. Diesbezüglich wird auf die
Toxikologie der seit den 50er Jahren in der parenteralen Ernäh
rung verwendeten Fettemulsionen verwiesen.
Da es sich bei den SLN um feste Lipidteilchen mit entsprechend
hoher Viskosität handelt, ist die Diffusions- und Freisetzungs
geschwindigkeit eines darin eingeschlossenen Wirkstoffs redu
ziert. Somit ist es im Gegensatz zu Fettemulsionen mit flüssiger
dispergierter Phase möglich, die Einstellung einer kontrollier
ten Freisetzung über einen längeren Zeitraum zu erreichen. Auf
grund der längeren Freisetzungszeit wird die Bildung von Plasma
peaks des jeweiligen Wirkstoffs vermieden, so daß die aufgrund
derartiger Spitzenwerte eintretenden Nebenwirkungen ausbleiben.
Ferner ist der Verlust an Wirkstoff nach Applikation und vor
Erreichung des jeweiligen Zielorgans aufgrund der verzögerten
Freisetzung geringer als bei Fettemulsionen, bei denen die Wirk
stoffe vergleichsweise schnell freigesetzt werden.
Der oder die Wirkstoffe sind in den Lipid- oder Lipoidteilchen
gelöst oder dispergiert. Ferner können sie an deren Oberfläche
adsorbiert sein. Aufgrund des Feststoffcharakters können auch
hydrophile Wirkstoffe in Form einer wäßrigen Wirkstofflösung in
die Lipid- oder Lipoidphase eingearbeitet werden. Nach dieser
Einarbeitung und der anschließenden Dispergierung der erhaltenen
SLN in dem wäßrigen Dispersionsmedium entsteht ein System W/F/W,
d. h. Wasser in Fett in Wasser. Der Lipidkern schließt hierbei
die wäßrige Arzneistofflösung aufgrund seines festen Aggregatzu
standes besser ein als es bei vergleichbaren multiplen Emulsio
nen Wasser in Öl in Wasser (W/Ö/W) möglich ist.
Ein weiterer Vorteil der festen Lipidnanosphären ist, daß sie im
Gegensatz zu Teilchen aus Polymer in einem Autoklaven sterili
sierbar sind, ohne daß es zu einer Aggregation der Teilchen
kommt. Auf diese Weise können die mit der Strahlensterilisation
verbundenen Nachteile umgangen werden.
Im Gegensatz zu Mikroteilchen aus dem Mikrometerbereich sind die
SLN aufgrund ihrer geringen Teilchengröße im Nanometerbereich
auch problemlos ohne Gefahr der Embolie intravenös injizierbar.
Bei ihrer Herstellung müssen keine toxischen Hilfsstoffe wie
z. B. leicht flüchtige Chlorkohlenwasserstofflösungsmittel einge
setzt werden.
Der erfindungsgemäße Arzneistoffträger kann auf folgende Weisen
hergestellt werden:
- 1. Dispergieren der inneren Phase (des Lipids oder Lipoids) in geschmolzenem oder erweichtem Zustand. Die Dispergierung erfolgt oberhalb der Raumtemperatur und kann durch verschie dene, beispielsweise die unten beschriebenen Verfahren be wirkt werden.
- 2. Dispergieren der festen inneren Phase in festem Zustand. Die feste Phase wird hierfür fein zerkleinert und in Wasser oder in einem wäßrigen Medium dispergiert.
Der dispergierte, bei Raumtemperatur feste Lipid- oder Lipoid
kern wurde zuvor mit einem oder mehreren Arzneistoffen beladen.
Dies kann dadurch erfolgen, daß der Wirkstoff in dem Lipid/Li
poid gelöst oder dispergiert wird, an dessen Oberfläche adsor
biert wird oder in Form einer wäßrigen Lösung in dem Lipid/Li
poid dispergiert wird.
Als dispergierte Phase können Lipide und Lipoide im weitesten
Sinne als Einzelverbindungen oder als Mischungen eingesetzt
werden. Beispiele hierfür schließen natürliche und synthetische
Triglyceride oder deren Mischungen, Mono- und Diglyceride allei
ne oder in Mischung untereinander oder mit z. B. Triglyceriden,
natürliche und synthetische Wachse, Fettalkohole einschließlich
ihrer Ester und Ether sowie Lipidpeptide ein. Insbesondere sind
synthetische Mono-, Di- und Triglyceride als Einzelsubstanzen
oder in Mischung (z. B. Hartfett), Glycerintrifettsäureester
(z. B. Glycerintrilaurat, -myristat, -palmitat und -stearat) und
Wachse wie z. B. Cetylpalmitat und Cera alba (gebleichtes Wachs,
DAB 9) geeignet.
Falls es zur Herstellung stabiler Dispersionen erforderlich sein
sollte, dispersionsstabilisierende Zusätze zu verwenden, können
diese zur Stabilisierung der Teilchen in Form von Reinsubstanzen
oder in Form von Mischungen eingesetzt werden. Als stabilisie
rende Substanzen kommen in Frage:
- a) Tenside, insbesondere ethoxylierte Sorbitanfettsäureester, Blockpolymere und Blockcopolymere (wie z. B. Poloxamere und Poloxamine), Polyglycerinether und -ester, Lecithine ver schiedenen Ursprungs (z. B. Ei- oder Sojalecithin), chemisch modifizierte Lecithine (z. B. hydriertes Lecithin) als auch Phospholipide und Sphingolipide, Mischungen von Lecithinen mit Phospholipiden, Sterine (z. B. Cholesterin und Choleste rinderivate sowie Stigmasterin), Ester und Ether von Zuckern oder Zuckeralkoholen mit Fettsäuren oder Fettalkoholen (z. B. Saccharosemonostearat),
- b) sterisch stabilisierende Substanzen wie Poloxamere und Pol oxamine (Polyoxyethylen-polyoxypropylen-Blockpolymere), ethoxylierte Sorbitanfettsäureester, ethoxylierte Mono- und Diglyceride, ethoxylierte Lipide und Lipoide, ethoxylierte Fettalkohole oder Fettsäuren und
- c) Ladungsstabilisatoren bzw. Ladungsträger wie z. B. Dicetyl phosphat, Phosphatidylglycerin sowie gesättigte und ungesät tigte Fettsäuren, Natriumcholat, Aminosäuren oder Peptisato ren wie Natriumcitrat (siehe J. S. Lucks, B.W. Müller, R.H. Müller, Int. J. Pharmaceutics 63, 183-188 (1990)).
Als äußere Phase (kontinuierliche Phase, Dispersionsmittel)
werden Wasser oder wäßrige Medien eingesetzt. Die wäßrigen Me
dien können hierbei nicht-isotonisch oder isotonisch sein. Als
wäßrige Medien kommen Mischungen von Wasser mit einer oder meh
reren anderen Komponenten wie beispielsweise Glycerin, Mannose,
Glucose, Fructose, Xylose, Mannit, Sorbit, Xylit oder andere Po
lyole sowie Elektrolyte wie Natriumchlorid in Frage.
Die Herstellung der SLN erfolgt in der Regel durch Dispergieren
der inneren Phase (des Lipids oder Lipoids), in der äußeren
Phase (Wasser oder wäßriges Medium) oberhalb der Raumtemperatur
(<20°C). Die Temperatur wird so gewählt, daß sich die zu disper
gierende Substanz im flüssigen Zustand befindet oder zumindest
im erweichten Zustand vorliegt. Bei vielen Lipiden erfolgt die
Dispergierung somit bei 70 bis 80°C. Die Herstellung erfolgt
meist in zwei Schritten:
- 1. Herstellen einer Vordispersion, z. B. mit einem Rührer oder einem Rotor-Stator-Dispergierer (z. B. Ultra Turrax). Falls es erforderlich ist, erfolgt der Zusatz einer oder mehrerer dispersionsstabilisierender Substanzen.
- 2. Anschließende Dispergierung bei erhöhtem Druck in einem Hochdruckhomogenisator (z. B. ein Spalthomogenisator wie APV Gaulin oder French Press, ein Hochgeschwindigkeitshomogeni sator wie der Mikrofluidizer) oder durch Ultrabeschallung (z. B. durch Ultraschallstäbe von Branson, Labsonic). Bei gut dispergierbaren Systemen kann Schritt 1 entfallen.
Die Einarbeitung des oder der Wirkstoffe kann nach verschiedenen
Methoden erfolgen. Beispielhaft seien genannt:
- 1. Lösen des Wirkstoffs in der inneren Phase.
- 2. Lösen des Wirkstoffs in einem mit der inneren Phase misch baren Lösungsmittel und Zugabe dieser Wirkstofflösung zur inneren Phase. Anschließend wird gegebenenfalls das Lösungs mittel teilweise oder vollständig entfernt.
- 3. Dispergieren des Wirkstoffs in der inneren Phase (z. B. durch Dispergieren eines Feststoffs oder gezielte Präzipitation).
- 4. Lösen des Wirkstoffs in der äußeren, wäßrigen Phase (z. B. amphiphile Substanzen) und Einbindung des Wirkstoffs in einen die Teilchen stabilisierenden Tensidfilm während der Herstellung.
- 5. Adsorption des Wirkstoffs an der Teilchenoberfläche.
- 6. Lösen des Wirkstoffs in der Lipid-/lipoiden Phase mittels eines Lösungsvermittlers (z. B. eines Blockcopolymeren oder Sorbitanfettsäureesters), anschließende Dispergierung der Lipid-/lipoiden Phase zur Herstellung der Vordispersion. Der Wirkstoff liegt dann in den SLN als feste Lösung vor.
- 7. Einarbeiten von wäßrigen Wirkstofflösungen in die Lipid-/li poide Phase und anschließende Dispergierung der Lipid-/li poiden Phase zur Herstellung der Vordispersion, so daß ein System W/F/W entsteht, das den multiplen Emulsionen analog ist.
Die Sterilisierung kann nach Verfahren erfolgen, die in den
Arzneibüchern beschrieben sind, z. B. durch Autoklavieren (121°C,
2 bar, DAB 9) oder nach sonstigen anerkannten Verfahren.
Die Anwendungsgebiete für den erfindungsgemäßen Arzneistoffträ
ger mit den festen Lipidnanosphären sind vielfältig. Beispiels
weise kann er zur parenteralen, enteralen, pulmonalen und topi
schen (nasal, dermal, intraocculär) und in Körperhöhlen Arznei
stoffapplikationen verwendet werden.
Bei der parenteralen Applikation handelt es sich insbesondere
um:
- 1. Intravenöse Gabe (Targeting zu Leber, Milz und Knochenmark, im Blut zirkulierenden Teilchen mit kontrollierter Freiset zung von Wirkstoffen, z. B. Peptidarzneistoffe, Cytostatika, Immunstimulantien, Wachstumsfaktoren wie der Colony Stimula ting Factor (Leucozytenregulation) und der Growth Factor.
- 2. Intramuskuläre Gabe (Depotformen für verlängerte oder lang anhaltende Abgabe von Wirkstoffen, z. B. Peptidarzneistoffen oder Hormonen).
- 3. Intraarthrikuläre Gabe (z. B. für Antirheumatika und Imunsup pressiva bei Arthritis).
- 4. Intrakavitale Gabe (z. B. für Cytostatika und Peptidarznei stoffe für Krebsformen im Peritoneum und in der Pleurahöhle) und
- 5. Subkutane Gabe (z. B. Depotformen für Cytostatika bei Haut krebs).
Die enteralen Applikationsformen dienen insbesondere zur
- 1. Einarbeitung von lipidlöslichen Vitaminen,
- 2. lymphatischen Adsorption (z. B. Wirkstoff-Targeting von Cyto statika zu den Lymphknoten),
- 3. Präsentation von Antigenen (z. B. orale Immunisierung mit Hilfe der Peyerschen Plaques) und
- 4. Aufnahme von Peptidarzneistoffen mit Hilfe von M-Zellen.
Als pulmonale Applikationsformen kommen insbesondere in Be
tracht:
- 1. Aerosole, Dosieraerosole (Versprühen der wäßrigen SLN-Dis persion),
- 2. Instillation der Dispersion.
Als topische Anwendung seien beispielhaft
- 1. dermatologische Arzneimittel zur Applikation von z. B. Corti koiden und Antimykotika,
- 2. Augentropfen oder Augengele, z. B. für β-Blocker, aber auch
- 3. Kosmetika analog den liposomalen Präparaten genannt.
Die Erfindung wird in den folgenden Beispielen näher erläutert.
10,0 g Cera Alba (gebleichtes Wachs)
2,5 g Poloxamer 188 (Polyoxyethylen-polyoxypropylen-Blockpoly mer)
0,1 g Dicetylphosphat
87,4 g Wasser für Injektionszwecke
2,5 g Poloxamer 188 (Polyoxyethylen-polyoxypropylen-Blockpoly mer)
0,1 g Dicetylphosphat
87,4 g Wasser für Injektionszwecke
Cera alba und Dicetylphosphat wurden auf 700 erwärmt und mit der
ebenfalls auf 70°C erwärmten Lösung von Poloxamer 188 in Wasser
für Injektionszwecke gemischt. Die Mischung wurde mit Hilfe
eines Ultra Turrax bei 70°C vordispergiert. Die so erhaltene
Vordispersion wurde anschließend durch einen auf 70°C temperier
ten APV Gaulin Hochdruckhomogenisator gegeben (5 Zyklen mit 500
bar). Es wurde eine SLN-Dispersion mit einem mittleren Durch
messer von 216 nm erhalten. Der Polydispersitätsindex als Maß
für die Breite der Teilchengrößenverteilung betrug 0,143 (PCS-
Photonenkorrelationsspektroskopie). Alle Partikel waren kleiner
als 6,0 µm (vermessen mit einem Sympatek Laserdiffraktometer).
10,0 g Cetylpalmitat
2,5 g Poloxamer 188
87,5 g Wasser für Injektionszwecke
2,5 g Poloxamer 188
87,5 g Wasser für Injektionszwecke
Die Herstellung erfolgte wie unter Beispiel 1 beschrieben. Der
mittlere Durchmesser betrug 215 nm, der Polydispersitätsindex
0,131 (PCS-Daten). Alle Partikel waren kleiner als 4,2 µm (La
serdiffraktometer).
10,0 g Cetylpalmitat
2,5 g Lipoid S 75 (Sojalecithin mit 75% Phosphatidylcholin)
0,1 g Dicetylphosphat
87,4 g Wasser für Injektionszwecke
2,5 g Lipoid S 75 (Sojalecithin mit 75% Phosphatidylcholin)
0,1 g Dicetylphosphat
87,4 g Wasser für Injektionszwecke
Die Herstellung erfolgte wie unter Beispiel 1 beschrieben, je
doch wurde Lipoid S 75 in der erwärmten Lipidphase dispergiert.
Der mittlere Durchmesser betrug 183 nm, der Polydispersitäts
index 0,133 (PCS-Daten). Alle Partikel waren kleiner als 8,6 µm
(Laserdiffraktometer).
10,5 g Glycerintrilaurat (Dynasan®112)
2,5 g Poloxamer 188
87,5 g Wasser für Injektionszwecke
2,5 g Poloxamer 188
87,5 g Wasser für Injektionszwecke
Die Herstellung erfolgte wie unter Beispiel 1 beschrieben. Der
mittlere Durchmesser betrug 199 nm, der Polydispersitätsindex
0,180 (PCS-Daten). Alle Partikel waren kleiner als 7,2 µm (La
serdiffraktometer).
10,0 g Cetylpalmitat
2,5 g Poloxamer 188
0,5 g Dicetylphosphat
87,0 g Wasser für Injektionszwecke
2,5 g Poloxamer 188
0,5 g Dicetylphosphat
87,0 g Wasser für Injektionszwecke
Die Herstellung erfolgte wie unter Beispiel 1 beschrieben. Die
Kenndaten vor und nach der Autoklavierung belegen die Anwend
barkeit der Sterilisationsmethode;
Als Modellarzneistoff wurden 0,25 g Tetracainbase in die Rezep
tur Nr. 5 eingearbeitet.
Die Herstellung erfolgte wie unter Beispiel 1 beschrieben. Der
mittlere Durchmesser betrug 218 nm, der Polydispersitätsindex
0,186 (PCS-Daten). Alle Partikel waren kleiner als 10,2 µm (La
serdiffraktometer).
Die Arzneistoffbeladung betrugt 92,8%
Die Teilchen können ferner bei Verwendung hydrolyseempfindlicher Wirkstoffe lyophylisiert oder sprühgetrocknet werden.
Die Arzneistoffbeladung betrugt 92,8%
Die Teilchen können ferner bei Verwendung hydrolyseempfindlicher Wirkstoffe lyophylisiert oder sprühgetrocknet werden.
Die Erfindung umfaßt auch das Verfahren zur Herstellung des
beschriebenen Arzneimittelträgers sowie dessen Verwendung zur
Applikation von Arzneimittelwirkstoffen.
Insgesamt gesehen, kombinieren die festen Lipidnanosphären die
Vorteile von Polymernanopartikeln (fester Kern, kontrollierbare
Freisetzung über einen längeren Zeitraum, Einarbeitungsmöglich
keit für hydrophile Arzneistoffe) mit den Vorteilen von parente
ralen Fettemulsionen (relativ schnelle Abbaubarkeit, geringe
bzw. keine Toxizität, Herstellung im industriellen Maßstab mit
bei der Emulsionsproduktion etablierten Techniken, problemlose
Sterilisation durch Autoklavieren) unter Umgehung der Nachteile
von Nanopartikeln (zu langsamer Abbau in vivo bzw. toxische
Abbauprodukte, fehlende Scaling-up-Möglichkeit in der Produk
tion) und der Nachteile von Fettemulsionen (z. B. sehr schnelle
Metabolisierung, sehr schnelle Arzneistofffreisetzung).
Claims (16)
1. Arzneistoffträger, der Teilchen aus Lipid, lipidähnlichem
(lipoidem) Material oder Mischungen umfaßt, die einen Durch
messer von 10 nm bis 10 µm aufweisen und bei Raumtemperatur
fest sind.
2. Träger nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die
Teilchen einen mittleren Durchmesser von 100 bis 1000 nm
aufweisen.
3. Träger nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß
das Teilchenmaterial Mono-, Di- und Triglyceride, Fettalko
hole, deren Ester oder Ether, Wachse und Lipidpeptide sowie
Mischungen derselben umfaßt.
4. Träger nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekenn
zeichnet, daß das Triglycerid Glycerintrilaurat, -myristat,
-palmitat und -stearat, der Fettalkohol Cetyl- und Stearyl
alkohol und das Wachs Cetylpalmitat sowie gebleichtes Bie
nenwachs umfassen.
5. Träger nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekenn
zeichnet, daß er außerdem eine oder mehrere dispersionssta
bilisierende Substanzen umfaßt.
6. Träger nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß die sta
bilisierenden Substanzen Verbindungen aus der Reihe der Pol
oxamere, Poloxamine, ethoxylierten Mono- und Diglyceride,
ethoxylierten Lipide und Lipoide, ethoxylierten Fettalkohole
und Alkylphenole, ethoxylierten Fettsäureester, Polyglyce
rinether und -ester, Lecithine, Ester und Ether von Zuckern
oder Zuckeralkoholen mit Fettsäuren oder Fettalkoholen,
Phospholipide und Sphingolipide, Sterine, deren Ester oder
Ether sowie der Mischungen dieser Verbindungen umfassen.
7. Träger nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, daß
die stabilisierende Substanz Eilecithin, Sojalecithin oder
hydriertes Lecithin, deren Mischungen oder Mischungen aus
einem oder beiden Lecithinen mit einer oder mehreren Phos
pholipidkomponenten, Cholesterin, Cholesterinpalmitat, Stig
masterin oder andere Sterine umfaßt.
8. Träger nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch
gekennzeichnet, daß er außerdem Ladungsstabilisatoren um
faßt.
9. Träger nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß die
Ladungsstabilisatoren Dicetylphosphat, Phosphatidylglycerol,
gesättigte oder ungesättigte Fettsäuren, Natriumcholat,
Peptisatoren oder Aminosäuren umfassen.
10. Träger nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch ge
kennzeichnet, daß die Teilchen in destilliertem Wasser oder
einem wäßrigen Medium mit Zusätzen aus Elektrolyten, Mono-
und Disacchariden, Polyolen oder deren Mischungen disper
giert sind.
11. Träger nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß die
Zusätze Natriumchlorid, Mannose, Glucose, Fructose, Xylose,
Mannit, Sorbit, Xylit und Glycerin umfassen.
12. Träger nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch ge
kennzeichnet, daß die Teilchen lyophylisiert oder sprühge
trocknet sind.
13. Träger nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch ge
kennzeichnet, daß er keinen, einen oder mehrere Wirkstoffe
umfaßt.
14. Träger nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, daß der
oder die Wirkstoffe in den Teilchen gelöst oder dispergiert
sind, an deren Oberfläche adsorbiert sind oder als wäßrige
Lösung in den Teilchen dispergiert sind.
15. Verfahren zur Herstellung des Arzneistoffträger gemäß An
spruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß entweder die inneren
Phase (das Lipid oder Lipoid) in geschmolzenem oder erweich
tem Zustand in dem Dispersionsmittel (Wasser oder wäßriges
Medium) dispergiert wird oder die inneren Phase in festem
Zustand, wobei die feste Phase fein zerkleinert ist, in dem
Dispersionsmittel dispergiert wird.
16. Verwendung des Arzneistoffträgers gemäß Anspruch 1 zur Ap
plikation von Arzneimittelwirkstoffen.
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