DE4234875C2 - Vorrichtung zur Kopplung von mindestens zwei Raumfahrtgeräten und Verwendung der Vorrichtung zur Reparatur von Seilbeschädigungen - Google Patents
Vorrichtung zur Kopplung von mindestens zwei Raumfahrtgeräten und Verwendung der Vorrichtung zur Reparatur von SeilbeschädigungenInfo
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Description
Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur Kopplung von
mindestens zwei Raumfahrtgeräten nach dem Oberbegriff des
Anspruch 1 sowie die Verwendung einer solchen Vorrich
tung zur Reparatur von Seilschäden.
In US 4 824 051 ist eine Vorrichtung zur Kopplung von
zwei Raumfahrtgeräten beschrieben, bei welcher als Verbin
dungsmittel ein Seil vorgesehen ist.
Bei der Anwendung der Fesselseil-Technologie in der Raum
fahrt ergeben sich aufgrund der besonderen Systemkonfigura
tion, beispielsweise aufgrund der exponierten Seilfläche pro
Zeit, zusätzliche Schadensrisiken. Insbesondere stellt ein
Seilriß, welcher durch technische oder mechanische Defekte,
durch dynamische Instabilitäten oder aufgrund der Umgebungs
bedingungen, beispielsweise in Form von natürlichen und/oder
künstlichen Teilen im All, durch chemische Reaktionen mit
der Atmosphäre oder durch Strahlungseinwirkung, hervorgeru
fen worden ist, ein besonderes Risiko dar, das bis zum To
talverlust der Raumfahrtmission führen kann.
Bei den bisher verwendeten Monoseilen ist nach einem Seilriß
aufgrund der Wirkungen der Orbitalmechanik ein Wiederher
stellen der ursprünglichen Fesselseilkonfiguration, falls
überhaupt, nur mit einem äußerst hohen technischen Aufwand
möglich.
Bisher kamen bei experimentellen, orbitalen Vorversuchen für
die Fesselseil-Technologie, beispielsweise in Verbindung mit
Gemini 11, Monoseile zur Anwendung. Ferner wurden bei ersten
wissenschaftlichen Fesselseil-Missionen, wie beispielsweise
bei dem TSS-1 Programm, ebenfalls nur leitende bzw. nicht
leitende Monoseile verwendet. Im Rahmen des vorerwähnten
TSS-1 Programms sind hinsichtlich einer Inspektion und einer
möglichen Reparatur von beschädigten Monofesselseilen theo
retische Untersuchungen angestellt worden.
Eine Abschätzung der Wahrscheinlichkeit eines Seilrisses
(bei bis zu fünf möglichen Rissen pro Jahr) hat ergeben, daß
aufgrund solcher Seilrisse das Risiko einer Raumfahrtmission
unakzeptabel hoch ist. In vielen geplanten Anwendungsfällen
würde ein Riß eines Monoseils möglicherweise zum Verlust von
mindestens einem der gefesselten Systeme führen. Durch ein
Überdimensionieren des Durchmessers eines Monoseils wird die
Seilmasse quadratisch vergrößert, ohne daß dadurch die Seil
riß-Wahrscheinlichkeit in gleichem Maße reduziert wird. Aus
diesem Grund sind daher mit den bis heute eingesetzten und
vorgeschlagenen Konzepten der Fesselseiltechnologie in der
Raumfahrt nur kurzfristige Missionen möglich.
Wie bereits kurz ausgeführt, ist im Falle eines Seilrisses
ein Wiederherstellen der Seilkonfiguration aufgrund der sich
durch einen Seilriß ergebenden, divergierenden Umlaufbahnen
der getrennten Raumfahrtsysteme, was durch die Gravitations
gradienten-Kräfte bedingt ist, nur mit einem sehr hohen Auf
wand und den damit verbundenen hohen Kosten möglich.
Aufgabe der Erfindung ist es daher, eine Vorrichtung zur
Kopplung von mindestens zwei Raumfahrtgeräten zu schaffen,
mit welcher die Risiken einer Raumfahrtmission aufgrund
eines Seilrisses stark reduziert werden, und bei deren Ver
wendung ein Reparieren eines Seilrisses ermöglicht wird. Ge
mäß der Erfindung ist dies bei einer Vorrichtung zur Kopp
lung von mindestens zwei Raumfahrtgeräten durch die Merkmale
im kennzeichnenden Teil des Anspruchs 1 erreicht. Vorteil
hafte Weiterbildungen sind Gegenstand der auf den Anspruch 1
unmittelbar oder mittelbar rückbezogenen Ansprüche.
Durch die Erfindung sind Mehrfach-Seilsysteme geschaffen,
bei welchen mindestens zwei Längsseilstränge durch flexible
und/oder starre Stege, die als Quer- und/oder Diagonalver
bindungen ausgebildet sind, verbunden sind. Durch den Ein
satz und die Verwendung solcher Mehrfach-Seilsysteme ist der
Fesselseil-Technologie ein redundantes System zur Verfügung
gestellt. Damit ist die Wahrscheinlichkeit eines Versagens
oder eines Ausfalls eines solchen Mehrfach-Seilsystems ent
scheidend gemindert bzw. weitgehend ausgeschlossen.
Der Aufbau und die Ausbildung eines Mehrfach-Seilsystems
können hierbei für den jeweiligen Anwendungszweck beliebig
gewählt und entsprechend optimiert werden. So können bei
spielsweise im Hinblick auf den jeweiligen Anwendungsfall
die Anzahl der Längsseile, deren jeweiliger Abstand, die An
zahl, der Abstand sowie die technische Ausführung der Stege
in Form von Quer- und/oder Diagonalverbindungen sowie deren
Beschaffenheit beliebig gewählt und festgelegt werden.
Im Falle eines Risses eines Einzelseils des Mehrfach-Seil
verbundes läßt sich die Seilkonfiguration verhältnismäßig
einfach dadurch wieder herstellen, daß der oder die verblie
benen, unbeschädigten Seilstränge zum Auffinden des Schadens
und zum Führen entsprechender Reparaturfahrzeuge, wie bei
spielsweise eines Space-Crawlers, an den Ort des Schadens in
Form eines Seilrisses, benutzt werden. Somit ist die Haupt
ausfallursache aufgrund eines Seilrisses, welcher einem ope
rationellen Einsatz hauptsächlich entgegensteht, durch ein
einfaches oder gegebenenfalls sogar mehrfach redundantes Sy
stem in Form des entsprechend ausgebildeten Mehrfach-Seilsy
stems gemäß der Erfindung behoben.
Nachfolgend wird die Erfindung anhand von bevorzugten Aus
führungsformen unter Bezugnahme auf die anliegenden Zeich
nungen im einzelnen erläutert. Es zeigen:
Fig. 1 eine schematische Darstellung der
erfindungsgemäßen Vorrichtung zur
Kopplung von zwei Satelliten;
Fig. 2 eine vergrößerte Darstellung eines
Teils der erfindungsgemäßen Kopp
lungsvorrichtung;
Fig. 3 eine schematisierte Querschnittdar
stellung einer weiteren Ausfüh
rungsform einer Kopplungsvorrich
tung gemäß der Erfindung, und
Fig. 4 eine schematische Darstellung der
Anwendung der erfindungsgemäßen
Kopplungsvorrichtung zur Behebung
eines Seilrisses.
Die in Fig. 1 wiedergegebene, schematische Darstellung eines
Fesselseil-Systems in Form eines Mehrfach-Seilsystems 3
weist zwei parallel verlaufende Längsseile 3 11 und 3 12,
durch welche zwei Satelliten 1 und 2 miteinander verbunden
sind, und die dazugehörigen Querverbindungen 3 2 auf; hier
durch ist das Mehrfach-Seilsystem 3 in der Art einer Strick
leiter ausgebildet. Das Mehrfach-Seilsystem 3 kann in Berei
che unterteilt werden, die nachfolgend als Abschnitte be
zeichnet werden und anhand von Fig. 2 beschrieben werden.
Die technischen Eigenschaften des anhand von Fig. 1 beschrie
benen Mehrfach-Seilsystems 3 mit zwei Längsseilen und deren
Querverbindungen können analog für alle vorstehend skizzier
ten Mehrfach-Seilsysteme übernommen werden.
Bei einem Seilriß, beispielsweise eines der beiden Haupt
stränge in Form der Längsseile 3 11 oder 3 12 in Fig. 1 an ir
gendeiner Stelle des Seilsystems, bleiben außer dem defekten
Abschnitt alle anderen Abschnitte des Seilsystems voll funk
tionsfähig. Die für die weitere Beschreibung notwendigen,
technischen Eigenschaften beziehen sich daher nur auf einen
solchen Abschnitt.
Wie der schematischen Darstellung der Fig. 2 zu entnehmen
ist, besteht ein Abschnitt aus Anteilen von zwei Hauptsträn
gen oder Längsseilen 3 11 und 3 12 mit einer Sektionslänge von
LH und zwei Querverbindungen 3 2 mit einer Länge LQ. Die Län
ge LQ, d. h. der Abstand der Längs- oder Hauptseile 3 11 und
3 12 muß dabei so bemessen werden, daß die Wahrscheinlichkeit,
ein größeres Objekt könne beide Seile durchtrennen, sehr ge
ring ist, wobei ein Wert von einigen Zentimetern schon aus
reicht. Weitere wichtige technische Größen sind der Durch
messer dH der Hauptstränge oder Längsseile 3 11 und 3 12 sowie
der Durchmesser dQ der Querverbindungen 3 2. Mit diesen tech
nischen Größen kann dann die Anzahl der möglichen Seildurch
trennungen Z pro Jahr gemäß der nachstehenden Gleichung er
halten werden:
wobei mit ΦN der kumulative Teilchenfluß bezeichnet ist,
welcher angibt, wieviele Teilchen, die größer als ein be
stimmter Wert sind, auf einer Flächeneinheit pro Zeitinter
vall auftreffen. Aus der gemäß der vorstehenden Gleichung
berechneten Größe Z läßt sich dann auch die mittlere zu er
wartende Zeit bis zu einem Fesselseilriß, d. h. der Erwar
tungswert E der Zeit TL ohne eine entsprechende Kollision,
aus dem Reziprokwert von Z berechnen:
Die Wahrscheinlichkeit P von mindestens einer Seildurchtren
nung in n Jahren ist dann gegeben durch:
P(TL n) = 1 - e-Zn
wobei P die Poisson-Verteilungsfunktion der Zeit TL ohne
Seilriß ist.
Die Wahrscheinlichkeit, daß beide Seile eines Abschnitts in
n Jahren durchtrennt werden, ergibt sich dann zu
P(TL n) = (1 - e-Zn)2
unter der Annahme, daß die Wahrscheinlichkeit sehr gering
ist, daß ein Teilchen beide Seile eines Abschnitts durch
trennt.
Beispielhafte Ergebnisse nach den vorstehenden Gleichungen
sind für entsprechend gewählte Durchmesser d und Seillängen
L in der nachstehenden Tabelle zusammengefaßt.
In Fig. 3 ist ein weiteres Beispiel eines Mehrfach-Seilsy
stems in Form eines Dreifach-Seilsystems wiedergegeben, wo
bei die vorgesehenen drei Längs- oder Hauptseile 3 11 bis 3 13
im Schnitt dargestellt sind, während die drei Querverbindun
gen mit 3 21 bis 3 23 bezeichnet sind. Die eingetragenen
Durchmesserangaben dH und dQ entsprechen denjenigen der
Fig. 2. Bei mehr als drei Längs- oder Hauptseilen können die
Querverbindungen in Querschnittsansicht auch sternförmig,
d. h. in einem sogenannten "Sternverbund" angeordnet werden.
Ein solcher Sternverbund kann auch mit einem "Rundverbund"
gekoppelt sein.
Bei der Ausführung der Querverbindungen 3₂ (in Fig. 2) und
3 21 bis 3 23 (in Fig. 3) kann prinzipiell zwischen starren
Verbindungsstegen und elastischen Verbindungen unterschieden
werden. Ferner können die Verbindungen zwischen den Querste
gen bzw. -verbindungen und den Längs- oder Hauptseilen durch
verschiedene Methoden hergestellt werden, nämlich beispiels
weise durch starre Verbindungen, wie Klemmungen, (thermopla
stische) Verschweißungen, Klebungen u.ä. oder auch durch
elastische Verbindungen, wie mittels Klemmhülsen, Verschwei
ßungen, durch Verflechten von Fasern, beispielsweise bei
Seilen durch Spleißen, oder auch wieder durch Klebungen u. ä.
In Fig. 4 ist schematisch eine Reparatur eines Seilrisses 4
angedeutet. Bei Eintreten eines Seilrisses 4 kann durch
eine entsprechende, ferngesteuerte Reparaturvorrichtung 5
eine solche defekte Stelle repariert werden. Hierzu kann als
Reparaturvorrichtung beispielsweise ein schon bei der Mono
seiltechnik beschriebener, sogenannter "Space-Crawler" 5
eingesetzt werden. Hierzu wird der Space-Crawler 5 entlang
der intakten Abschnitte des Mehrfach-Seilsystems 3 in Fig. 4
beispielsweise von dem Satelliten 1 aus zu der defekten
Stelle in Form eines Seilrisses 4 geführt. Mittels des
Space-Crawlers 5 kann dann beispielsweise der in Fig. 4 dar
gestellte Seilriß 4 repariert werden. Solange innerhalb des
defekten Abschnitts eine weitere Führung des "Space-Crawlers" 5
durch intakt gebliebene Abschnitts-Anteile gewährleistet
ist, sind auch räumlich ausgedehntere Beschädigungen eines
Mehrfach-Seilsystems durchaus reparabel.
Weitere Anwendungsmöglichkeiten eines Mehrfach-Seilsystems
gemäß der Erfindung sind überall dort gegeben, wo beim Ein
satz von Monoseilen das Risiko durch eine Seilbeschädigung
aufgrund besonderer Umgebungsbedingungen, wie beispielsweise
in strahlungsexponierten Räumen, zu groß ist und beispiels
weise eine Überdimensionierung der Monoseil-Stärke techni
sche Nachteile beispielsweise hinsichtlich einer Reparatur
fähigkeit gegenüber einem Mehrfach-Seilsystem ergeben würde.
Claims (10)
1. Vorrichtung zur Kopplung von mindestens zwei Raumfahrtge
räten mittels einer Seilverbindung, dadurch gekenn
zeichnet, daß die Verbindung durch mindestens zwei
Seilstränge (3 11; 3 12) ausgeführt ist, zwischen welchen
mehrere Querverbindungen (3 2) vorgesehen sind, wobei die
Länge der gekoppelten Seilstränge weitaus größer ist als
die Abmessungen quer zu der gedachten Längsachse des
Seilsystems (1).
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekenn
zeichnet, daß zur Kopplung von mindestens zwei Raum
fahrtgeräten (1; 2) eine Anzahl Querverbindungen (3 2; 3 21,
3 22, 3 23) angeordnet sind und Zugkräfte über die Querverbin
dungen (3 2; 3 21 bis 3 23) übertragen werden.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekenn
zeichnet, daß die Querverbindungen in Form von
Querseilen oder -stegen (3 2; 3 21 bis 3 23) parallel zueinan
der unter einem rechten oder beliebigen Winkel zu den Längs
seilsträngen (3 11, 3 12) angebracht sind.
4. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, da
durch gekennzeichnet, daß die Raumfahrtgeräte
(1, 2) durch mindestens drei in einer Art "Rundverbund" an
geordnete Längsseile (3 11 bis 3 13) miteinander verbunden
sind, wobei in Querschnittsansicht die mindestens drei
Längsseile (3 11 bis 3 13) an den Ecken einer gleichseitigen,
zweidimensionalen, geometrischen Konfiguration angeordnet
sind, und daß die im Rundverbund angeordneten Längsseile
(3 11 bis 3 13) durch Querverbindungen (3 21 bis 3 23) mitein
ander verbunden sind.
5. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, da
durch gekennzeichnet, daß die Längsseile (3 11,
3 12; 3 11 bis 3 13) und die Querverbindungen (3₂; 3 21 bis 3 23)
an den Verbindungsstellen miteinander verspleißt sind.
6. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch
gekennzeichnet, daß die Längsseile (3 11, 3 12;
3 11 bis 3 13) und die Querverbindungen (3 2; 3 21 bis 3 23)
mittels elastischer Flansche miteinander verbunden sind.
7. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch
gekennzeichnet, daß die Längsseile (3 11, 3 12;
3 11 bis 3 13) und die Querverbindungen (3 2; 3 21 bis 3 23)
durch Klemmen starr miteinander verbunden sind.
8. Vorrichtung nach den Ansprüchen 1 bis 4, dadurch ge
kennzeichnet, daß die Längsseile (3 11, 3 12; 3 11
bis 3 13) und die Querverbindungen (3 2; 3 21 bis 3 23) an den
Verbindungsstellen miteinander verklebt sind.
9. Vorrichtung nach einem der vorherigen Ansprüche, da
durch gekennzeichnet, daß zur elastischen
Kopplung von Raumfahrtgeräten (1, 2) die Längsseilstränge
(3 11 bis 3 13) elastisch ausgeführt sind.
10. Verwendung einer Vorrichtung zur Kopplung von Raumfahrt
geräten nach einem der Ansprüche 1 bis 9 zur Reparatur eines
beschädigten Mehrfach-Seilsystems (3), indem entlang der un
beschädigten Abschnitte des Mehrfach-Seilsystems (3) ein Re
paraturfahrzeug (Space-Crawler) (5) zur Reparatur der be
schädigten Stelle bis zu der defekten Stelle geführt wird.
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