DE4302244A1 - Antivirales Chemotherapeutikum mit Breitbandwirkung und dessen Verwendung - Google Patents

Antivirales Chemotherapeutikum mit Breitbandwirkung und dessen Verwendung

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DE4302244A1 DE19934302244 DE4302244A DE4302244A1 DE 4302244 A1 DE4302244 A1 DE 4302244A1 DE 19934302244 DE19934302244 DE 19934302244 DE 4302244 A DE4302244 A DE 4302244A DE 4302244 A1 DE4302244 A1 DE 4302244A1
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NMI Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut
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Description

Die Erfindung betrifft ein antivirales Chemotherapeutikum mit Breitbandwirkung und dessen Verwendung.
Viele schwere Erkrankungen werden durch Viren hervorgerufen. Im Gegensatz zu Bakterien sind Viren sehr schwer zu bekämpfen und es gibt bisher sehr wenige Arzneimittel, die überhaupt eine Wirkung gegenüber Viren zeigen. Vor allem aufgrund der Variabi­ lität ihrer Außenhülle können sie sich dem Angriff von spezifi­ schen Antikörpern leicht entziehen, weswegen auch eine Impfung oft wirkungslos ist. Zu den bei Menschen schwere Erkrankungen verursachenden Viren gehören unter anderem die Herpesviren, wie Herpes simplex, Varicella-Zoster-, Epstein-Barr- und Zytomega­ lie-Virus, das Hepatitis B-Virus, die Influenza-Viren, Masern-, Mumps- und Röteln-Viren, das Tollwut-Virus, Meningitis ver­ ursachende Viren sowie Retro-Viren, die für Tumore und die Immunschwächekrankheit Aids verantwortlich sind. Es ist daher ein lange bestehendes Bedürfnis, Mittel zur Bekämpfung dieser Viren zu finden, die gleichzeitig den Wirt, d. h. den Menschen, nicht schädigen. Antiviral wirkende Chemotherapeutika sollen, ohne den normalen Zellstoffwechsel zu schädigen, in virus­ spezifische Synthesevorgänge eingreifen.
Zur Bekämpfung von Virenerkrankungen sind einige Verbindungen bekannt, z. B. Amantadin, Ribavirin, Aciclovir und Tyrozidin, die jeweils nur gegen wenige Virusstämme wirksam sind. Um die Wirkung dieser Verbindungen noch zu verbessern bzw. um diese Verbindungen direkt in die Zelle, die von Viren befallen ist, zu bringen, wird beispielsweise in DE-A 37 26 100 vorgeschla­ gen, das antivirale Mittel eingeschlossen in Mizellen zu verabreichen. Als mizellbildende Substanz wird hierzu eine quaternäre Ammonium- oder Pyridiniumverbindung verwendet, die einen hydrophoben Anteil aufweist. Oberhalb bestimmter Konzen­ trationen, die als kritische Mizellbildungskonzentrationen bezeichnet werden, bilden diese Verbindungen in wäßriger Phase Mizellen, d. h. Aggregate, deren hydrophober Teil nach innen ragt und deren hydrophiler Teil nach außen ragt, die innen das antivirale Mittel aufnehmen können und es aufgrund ihrer hydro­ philen Oberfläche in Zellen einschleusen können. Das aktive Prinzip ist hier das antivirale Mittel, wie z. B. Tyrozidin, und die Mizelle ist das Vehikel. Die in DE-A 37 26 100 beschriebe­ nen, aktive Substanzen enthaltenden Mizellen können nur topisch und somit nicht systemisch angewandt werden.
Weiterhin ist es bekannt, quaternäre Ammonium- oder Pyridinium­ verbindungen als Desinfektionsmittel zu verwenden. Desinfek­ tionsmittel werden eingesetzt, um Gegenstände oder Oberflächen von pathogenen Keimen, z. B. Viren, zu befreien. Da die Desin­ fektion zur Behandlung von freien Viren auf Oberflächen oder in nicht lebendem Material eingesetzt wird, ist es irrelevant, ob dieses Mittel gleichzeitig mit den Viren auch deren Wirt schä­ digen könnte. Desinfektionsmittel werden normalerweise jedoch in so hohen Konzentrationen eingesetzt, daß sie prinzipiell zelltoxisch sind.
Es war nun Aufgabe der Erfindung, ein Mittel zur Verfügung zu stellen, mit dem eine Vielzahl von Viren prophylaktisch und therapeutisch bekämpft werden kann, bei dem die Nebenwirkungen gering sind und das gut verträglich ist.
Diese Aufgabe wird gelöst durch ein antivirales Chemotherapeu­ tikum mit Breitbandwirkung, das dadurch gekennzeichnet, daß es eine amphiphile Verbindung mit mindestens einer kationischen Gruppe im hydrophilen Teil sowie einen pharmazeutisch annehm­ baren Träger enthält.
Amphiphile Verbindungen sind solche Verbindungen, die sowohl hydrophile als auch hydrophobe Eigenschaften aufweisen, d. h. die sowohl hydrophile als auch hydrophobe Bereiche haben.
Überraschenderweise wurde nun gefunden, daß amphiphile Ver­ bindungen mit mindestens einer kationischen Gruppe, wenn sie in sehr geringen Konzentrationen in einem pharmazeutisch annehm­ baren Träger, bevorzugt einer wäßrigen Phase, gelöst oder dispergiert verwendet werden, gegen Viren, auch wenn diese bereits in eine Wirtszelle eingedrungen sind, wirken, wobei jedoch die Wirtszellen nicht geschädigt werden. Im Gegensatz zu der bisher bekannten Anwendung von quaternären Verbindungen, bei denen sich Mizellen bilden, die sich an die Zellwand anlagern und die das im Kern enthaltene Mittel in die Zelle übermitteln, wird bei dem erfindungsgemäßen antiviralen Chemotherapeutikum die Zelle oder das Virus von der amphiphilen Verbindung, die monomer oder oligomer vorliegt, derart ver­ ändert, daß die Virusvermehrung verhindert und die Virusinfek­ tion gestoppt wird. Die Wirtszelle wird dadurch nicht, wie es bei Verwendung von viruziden Desinfektionsmitteln der Fall ist, geschädigt. Auf diese Weise werden bei dem erfindungsgemäßen antiviralen Chemotherapeutikum kaum Nebenwirkungen festge­ stellt, und die therapeutische Breite ist sehr vorteilhaft.
Wesentlicher Bestandteil des erfindungsgemäßen antiviralen Chemotherapeutikums mit Breitbandwirkung, das auch als Breit­ bandvirustatikum bezeichnet werden kann, ist eine amphiphile Verbindung mit mindestens einer kationischen Gruppe im hydro­ philen Teil. Bevorzugt ist die kationische Gruppe ein quaternä­ res Stickstoffatom.
In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen antiviralen Chemotherapeutikums umfaßt der hydrophile Bereich der amphiphilen Verbindung mindestens eine Gruppe der Formel I
worin die Reste R1, R2 und R3 gleich oder verschieden sind und unabhängig voneinander jeweils einen gesättigten oder ungesät­ tigten Alkylrest mit 1 bis 6 Kohlenstoffatomen, der gegebenen­ falls mit hydrophilen Resten substituiert sein kann, bedeuten. Eine oder mehrere Gruppen der Formel I sind in der erfindungs­ gemäßen amphiphilen Verbindung mit dem hydrophoben Anteil des amphiphilen Moleküls verknüpft. Bevorzugt weist die amphiphile Verbindung 1 bis 3 Gruppen der Formel I auf, besonders bevor­ zugt nur eine Gruppe der Formel I.
Die Reste R1, R2 und R3 können gleich oder verschieden sein und bedeuten jeweils unabhängig voneinander einen gesättigten oder ungesättigten Alkylrest mit 1 bis 6 Kohlenstoffatomen, vorzugs­ weise einen Methylrest. Der Ausdruck "gesättigter oder ungesät­ tigter Alkylrest" beinhaltet sowohl lineare als auch verzweigte Alkylreste. Die Reste R1, R2 und R3 werden so ausgewählt, daß die Hydrophilie des quaternären Stickstoffatoms nicht beein­ trächtigt wird.
Die Reste R1, R2 und R3 können jeweils unabhängig voneinander mit hydrophilen Resten substituiert sein. Bevorzugt werden als hydrophile Reste Hydroxy-, primäre, sekundäre oder tertiäre Aminoreste, Halogenid-, Sulfonat-, Phosphonat-, Carboxyl-, Phosphat-, Carboxamid- oder Aldehydreste verwendet, wobei Hydroxy- und primäre, sekundäre oder tertiäre Aminoreste besonders bevorzugt sind.
In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des erfindungs­ gemäßen antiviralen Chemotherapeutikums umfaßt der hydrophile Anteil der amphiphilen Verbindung statt eines Restes der Formel I oder zusätzlich zu diesem mindestens einen 4- bis 14-gliedri­ gen mono-, bi- oder tricyclischen gesättigten oder ungesättig­ ten heterocyclischen Ring, der weitere Heteroatome ausgewählt aus N, O und S aufweisen kann und mindestens ein quaternäres Stickstoffatom als kationische Stelle enthält. Bevorzugt ist der heterocyclische Ring ein Heterocyclus mit ein oder zwei Stickstoffatomen, z. B. ein Pyrrol-, Imidazol-, Pyrazol-, Pyridin-, Pyrimidin, Pyrazin-, Indol-, Chinolin-, Isochinolin-, Chinoxalin- oder Chinazolinring. Besonders bevorzugt ist der heterocyclische Ring ein Pyridiniumring. Die amphiphile Verbindung enthält bevorzugt bis zu drei Heterocyclen und besonders bevorzugt einen Heterocyclus als hydrophilen Anteil.
Der heterocyclische Ring kann mit einem oder mehreren hydro­ philen Resten, linearen oder verzweigten C1- bis C4-Alkyl- oder C1- bis C4-Alkoxygruppen, bevorzugt Methyl- oder Methoxygruppen, substituiert sein. Als hydrophile Reste können die in Ver­ bindung mit der Gruppe der Formel I in diesem Zusammenhang definierten Reste verwendet werden.
Wenn die erfindungsgemäß verwendete amphiphile Verbindung mehr als eine hydrophile Gruppe umfaßt, so sind diese Gruppen bevorzugt benachbart zueinander an dem hydrophoben Teil der Verbindung gebunden.
Der hydrophobe Bereich der amphiphilen Verbindung umfaßt bevorzugt einen gesättigten, ungesättigten oder mehrfach ungesättigten Alkylrest mit 8 bis 40 Kohlenstoffatomen und/oder einen Steroidrest. Der langkettige Alkylrest ist bevorzugt linear und weist 10 bis 22 Kohlenstoffatome, besonders bevor­ zugt 14 bis 18 Kohlenstoffatome, auf. Bevorzugt werden solche Alkylreste verwendet, die wenige oder keine Dreifachbindung haben. Der langkettige Alkylrest kann einfach oder mehrfach mit Hydroxyl-, Carbonyl- oder Carboxylgruppen, Alkylresten mit 1 bis 6 Kohlenstoffatomen, Arylresten oder den entsprechenden fluorsubstituierten Alkyl- oder Arylresten substituiert sein. In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung ist der langkettige Alkylrest selbst partiell oder vollständig mit Fluor substituiert. Die Auswahl der Substituenten der langket­ tigen Alkylkette erfolgt in solcher Weise, daß dieser Teil der amphiphilen Verbindung immer noch hydrophobe Eigenschaften aufweist.
Anstelle des langkettigen Alkylrestes oder zusätzlich zu diesem umfaßt der hydrophobe Anteil der amphiphilen Verbindung einen Steroidrest, der ebenfalls mit für den langkettigen Alkylrest definierten Substituenten substituiert sein kann. Bevorzugt wird zusätzlich zu dem langkettigen Alkylrest oder statt diesem ein Cholesterinrest als hydrophober Anteil der amphiphilen Verbindung verwendet.
In einer besonders bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist der hydrophobe Anteil der amphiphilen Verbindung ein Cetylrest, der gegebenenfalls mit einem Arylrest, bevorzugt einem fluorierten Phenylrest, substituiert ist. Eine besonders bevorzugte Verbindung ist daher ein Cetylpyridiniumhalogenid, insbesondere Cetylpyridiniumchlorid.
Falls die positive Ladung des quaternären Stickstoffatoms nicht innerhalb des Moleküls ausgeglichen wird, beispielsweise durch eine Carboxylgruppe, muß zum Ladungsausgleich ein Gegenion vorbunden sein. Hier kommen die üblicherweise in pharmazeuti­ schen Zubereitungen verwendeten Ionen in Betracht, insbesondere Halogenidionen und besonders bevorzugt Chloridionen.
Um die Eigenschaften der amphiphilen Verbindung zu modulieren, ist es möglich, eine solche amphiphile Verbindung zu verwenden, bei der der hydrophile Teil mit dem hydrophoben Teil über eine Spacergruppe verbunden ist. Als Spacer kommen die auf dem biochemischen Gebiet allgemein verwendeten Spacer in Betracht. Bevorzugt ist die Spacergruppe eine Kette, die bis 10 Atome lang und aus C, N, O, P und/oder S aufgebaut ist. Eine beson­ ders bevorzugte Spacergruppe ist Hexamethylendiamin.
In einer weiteren Ausführungsform wird eine amphiphile Ver­ bindung verwendet, die in der Form A-B-A vorliegt, worin A der hydrophile Anteil und B der hydrophobe Anteil des amphiphilen Moleküls ist. Als hydrophile Gruppen A enthält das Molekül die oben definierten Gruppen, und als hydrophobe Gruppe B enthält es die oben definierte Gruppe. Bevorzugt ist als hydrophobe Gruppe B ein langkettiger Alkylrest mit 20 bis 40 Kohlenstoff­ atomen, vorzugsweise mit 30 bis 40 Kohlenstoffatomen. Dieses Molekül A-B-A kann zum Beispiel abhängig von dem hydrophoben Rest entweder die Membran durchtauchen, so daß der hydrophobe Rest in der Membran verbleibt und beidseitig der Membran die hydrophilen Reste herausragen, oder das Molekül kann abknicken, so daß der abgeknickte hydrophobe Rest in die Membran eintaucht und aus der Membran benachbart zwei hydrophile Teile heraus­ ragen.
Die erfindungsgemäße amphiphile Verbindung wird in einer solchen Konzentration angewendet, daß sie bei Verabreichung am Einsatzort in submizellärer Konzentration vorhanden ist, was bedeutet, daß die amphiphilen Moleküle monomer oder oligomer vorliegen und nicht zu einem Mizellverband aggregiert sind. Es ist wesentlich für das erfindungsgemäße antivirale Chemo­ therapeutikum, daß am Wirkungsort keine Mizellen vorhanden sind, da die Mizellen die gewünschte Zellverträglichkeit nicht liefern können.
Das erfindungsgemäße antivirale Chemotherapeutikum enthält außer der amphiphilen Verbindung noch einen pharmazeutisch annehmbaren Träger. Die amphiphile Verbindung wird in diesem pharmazeutisch annehmbaren Träger gelöst, dispergiert oder verteilt. Als pharmazeutisch annehmbarer Träger kann jeder Träger, der pharmazeutisch verträglich und nicht toxisch ist und die Eigenschaften der amphiphilen Verbindung nicht nachtei­ lig beeinflußt, verwendet werden. Als pharmazeutisch annehm­ barer Träger kommen die auf diesem Gebiet bekannten Träger in Betracht, insbesondere eine wäßrige Phase, wie Wasser, ein Wasser/Alkohol-Gemisch, eine Salz- oder Zuckerlösung, zum Beispiel Hanks′-Lösung, eine Salbengrundlage, eine Tabletten­ grundmasse oder dergleichen. In einer bevorzugten Ausführungs­ form der Erfindung wird die amphiphile Verbindung in einer wäßrigen Phase gelöst oder dispergiert. In einer anderen Ausführungsform wird die amphiphile Verbindung in submizellärer Konzentration in eine Salbengrundlage eingearbeitet. Für die Anwendung als Infusionslösung oder zur Injektion wird bevorzugt eine isotonische Elektrolytlösung als Träger eingesetzt. Für die orale Verabreichung ist es bevorzugt, die amphiphile Verbindung in eine Tablettengrundmasse einzuarbeiten oder in eine Kapsel, bevorzugt eine Hart- oder Weichgelatinekapsel, einzuschließen.
Die Konzentration, oberhalb der eine Mizellbildung auftritt, auch als kritische Mizellbildungskonzentration bezeichnet, ist abhängig von der Art der Träger und der jeweiligen amphiphilen Verbindung. Die Mizellbildungskonzentrationen liegen in der Regel für quaternäre Ammoniumverbindungen, gemessen in wäßriger Lösung, oberhalb etwa 1,5·10-7 mol/l und für Pyridiniumver­ bindungen oberhalb von etwa 2,5·10-6 mol/l. In proteinhaltigen Lösungen sind sie höher. Die erfindungsgemäß verwendete amphi­ phile Verbindung kann je nach Anwendungsform bereits in submizellärer Konzentration fertig zur Anwendung oder in höherer Konzentration formuliert und dann bei Anwendung verdünnt werden, zum Beispiel durch Zugabe eines wäßrigen Löse­ mittels oder durch Injektion in die Blutbahn. Geeignet ist beispielsweise eine Konzentration einer amphiphilen Verbindung, gelöst beziehungsweise verdünnt in proteinhaltigem Medium, von 3·10-5 mol/l. In Salben, Aerosolen und Sprühlösungen, die direkt auf die Haut oder Schleimhaut aufgebracht werden, ist die amphiphile Verbindung bevorzugt bereits in submizellärer Konzentration enthalten. Für die parenterale Verabreichung wird bevorzugt eine konzentriertere Vorratslösung bereitgestellt, die bei Anwendung verdünnt wird. Für Injektionen und Infusionen kann außerdem durch die Verabreichungsrate die Konzentration im Blut so eingestellt werden, daß sofort nach Eintritt in die Blutbahn submizelläre Konzentrationen erreicht werden.
Um sicherzustellen, daß bei Verabreichung des erfindungsgemäßen antiviralen Chemotherapeutikums die amphiphile Verbindung nicht in Mizellen vorliegt, kann bei einer bevorzugten Ausführungs­ form, wenn das antivirale Chemotherapeutikum in Form einer wäßrigen Lösung verabreicht wird, zusätzlich noch eine Substanz zugefügt werden, die die Mizellbildung hemmt. Diese Substanz muß inert und physiologisch verträglich sein und soll die amphiphilen Eigenschaften nicht beeinträchtigen. Bevorzugt wird als die Mizellbildung hemmende Substanz ein Protein, zum Beispiel Humanserumalbumin, ein Fettalkohol oder eine Fett­ säure, verwendet.
Das erfindungsgemäße antivirale Chemotherapeutikum mit Breit­ bandwirkung wird in üblicher Weise abhängig von dem Ort der Virusinfektion formuliert. So wird beispielsweise ein topisches Präparat verwendet, wenn es sich um eine Virusinfektion auf der Haut, wie beispielsweise Herpes simplex, handelt. In diesem Fall ist der pharmazeutische Träger eine Salbengrundlage. Handelt es sich um eine Virusinfektion im Rachen oder in der Lunge, so wird das erfindungsgemäße antivirale Chemotherapeuti­ kum bevorzugt in Form einer Sprühlösung oder eines Aerosols verwendet, wobei die amphiphile Verbindung in Wasser oder einer wäßrigen Phase verteilt ist. Für die parenterale Verabreichung wird die amphiphile Verbindung bevorzugt in einer isotonischen Lösung gelöst. Weiterhin kann das antivirale Chemotherapeutikum als Tablette oder eingeschlossen in Kapseln vorliegen.
Das erfindungsgemäße antivirale Chemotherapeutikum mit Breit­ bandwirkung wirkt gegen Viren, sowohl gegen DNA- als auch RNA- Viren und sowohl gegen umhüllte als auch nicht umhüllte Viren. Eine besonders vorteilhafte Wirkung wurde gegenüber umhüllten Viren, sowohl DNA- als auch RNA-Viren, festgestellt. Viren, gegen die das erfindungsgemäße Chemotherapeutikum zum Beispiel eingesetzt werden kann, sind Herpes-Viren, z. B. Herpes sim­ plex-, Varicella-Zoster-, Epstein-Barr- und Zytomegalie-Virus, Poxviridae, Hepadna Viridae, z. B. das Hepatitis B-Virus, und RNA-Viren, wie Orthomyxoviridae, z. B. Influenza-Virus A, B, C, Paramyxoviridae, z. B. Parainfluenza-, Masern-, Mumps- und das respiratorische Syncytiales-Virus, Rhabdoviridae, z. B. das Tollwut-Virus, Togaviridae, z. B. das Röteln-Virus, Flaviviri­ dae, z. B. das Frühsommermeningitis-Virus, Arenaviridae, z. B. das Chariomeningitis-Virus, und Retro-Viren, wie HIV und verschiedene Tumor-Viren.
Erfindungsgemäß wird ein antivirales Chemotherapeutikum mit Breitbandwirkung zur Verfügung gestellt, das gegen verschiedene Viren wirksam ist und das insbesondere in sehr niedrigen Konzentrationen wirkt. Verglichen mit bekannten antiviralen Chemotherapeutika ist die Wirkkonzentration für das erfindungs­ gemäße Chemotherapeutikum bis zu einer Zehnerpotenz geringer, bei gleicher oder höherer Wirksamkeit.
Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist die Verwendung einer amphiphilen Verbindung mit mindestens einer kationischen Gruppe im hydrophilen Teil, zur Behandlung von durch Viren hervor­ gerufene Infektionen.
Insbesondere ist Gegenstand der Erfindung die Verwendung eines der oben beschriebenen antiviralen Chemotherapeutika mit Breitbandwirkung zur Behandlung von durch Viren hervorgerufene Infektionen, insbesondere zur Behandlung von durch umhüllte Viren hervorgerufene Infektionen.
Während die bekannten antiviralen Mittel in der Regel nur gegen spezifische Viren wirken, z. B. Aciclovir nur gegen Herpesvirus, Amantadin nur gegen Influenzavirus, Ribavirin nur gegen respiratorisches Syncytialis-Virus, haben die erfindungsgemäßen antiviralen Chemotherapeutika eine Breitbandwirkung auf viele Virusstämme, insbesondere auf umhüllte RNA- und DNA-Viren. Weiterhin ist es besonders vorteilhaft, daß das erfindungs­ gemäße antivirale Chemotherapeutikum gegen die Viren sowohl dann wirkt, wenn diese extrazellulär vorliegen, als auch dann, wenn sie in die Wirtszelle eingedrungen sind. Die Behandlung bleibt somit nicht auf freie Viren beschränkt, und die Hemmung der Virusvermehrung ist daher besonders effektiv.
Weiterhin wurde gefunden, daß eine Verabreichung des erfin­ dungsgemäßen antiviralen Chemotherapeutikums vor einer Infek­ tion die Wirtszellen vor einem Eindringen der Viren beziehungs­ weise einem Befall durch Viren schützt. Das erfindungsgemäße antivirale Chemotherapeutikum kann daher sowohl prophylaktisch als auch therapeutisch zur Bekämpfung von Virusinfektionen verwendet werden.
Die Anwendung des antiviralen Chemotherapeutikums erfolgt in solcher Weise, daß die amphiphile Verbindung in solcher Menge verwendet wird, daß sie am Einsatzort in monomerer oder oligomerer Form vorliegt. Bevorzugt wird das erfindungsgemäße antivirale Chemotherapeutikum zur Verwendung in Form von Infusionslösungen, Aerosolen, Salben, Tabletten, Kapseln, Zäpfchen oder Tropfen formuliert. Die Formulierung derartiger Präparate ist dem Fachmann bekannt und bedarf keiner näheren Erläuterung.
Die Erfindung wird durch die folgenden Beispiele weiter erläutert.
Beispiel 1
Es wurde die antivirale Eigenschaft von Cetylpyridiniumchlorid (CPC) geprüft. Dazu wurden Epithelzellkulturen (MDCK) zunächst mit definierten Virusstämmen infiziert. Die infizierten Zell­ kulturen wurden danach mit den Prüfsubstanzen, die in Speichel­ ersatzlösungen gelöst waren, 30 Minuten behandelt. Danach wurde der Verlauf der Virusinfektion in behandelten und unbehandelten Kulturen verfolgt.
Die antiviralen Eigenschaften von Cetylpyridiniumchlorid wurden bei folgenden Virusstämmen geprüft:
RNA-Viren, umhüllt:
Influenza A/Chile/1/83/ (HINI)
Influenza B/Singapore/222/79
Parainfluenza-Virus Typ 1, Typ 2 und Typ 3
Respiratorisches Syncytiales Virus, Stamm Long
DNA-Viren, umhüllt:
Herpes simplex-Virus Typ 1, Stamm Thea.
Diese Virusstämme repräsentieren die Kerngruppen der Viren, die für entzündliche Erkrankungen des Mund-Rachen-Raumes verant­ wortlich sind. Um der besonderen Situation der Erkrankung und der Behandlung des Mund-Rachen-Raumes Rechnung zu tragen, wurde ein spezielles virologisches Prüfungsverfahren entwickelt. Dabei wird die Prüfsubstanz in einer Speichelersatzlösung ver­ dünnt eingesetzt, die infizierten Zellkulturen werden nur kurz­ zeitig, d. h. bis maximal 30 Minuten lang, mit der Prüfsubstanz behandelt und die Dosierung wird so gewählt, daß keine Zell­ schädigung auftritt. Ein weiteres besonderes Kennzeichen dieses Prüfungsverfahrens ist es, daß die infizierten Zellen und nicht die Viren direkt mit den Prüfsubstanzen behandelt werden.
Gleichzeitig wurden zum Vergleich Referenzsubstanzen mit­ getestet, und zwar Amantadin, eine Substanz, die gegen In­ fluenza-Viren eingesetzt wird, Ribavirin, eine Substanz, die gegen RS-Viren eingesetzt wird, und Aciclovir, eine Substanz, die gegen Herpes simplex-Viren eingesetzt wird. Die eingesetz­ ten Konzentrationen sind der folgenden Tabelle I zu entnehmen. Als Verdünnungslösung wurde dabei eine Mischung aus Ethanol (96 %) 5,0 g, Glycerin (85%) 10,0 g und destilliertem Wasser 85,0 g verwendet. Als Speichelersatzlösung wurde eine Lösung verwendet, die 0,3 g Mucin in 100 g Hanks′ gepufferter Koch­ salzlösung enthielt. Dazu wurde CPC bzw. die Vergleichssubstanz zunächst in der Verdünnungslösung gelöst und danach 1 : 10 mit Speichelersatzlösung vermischt. Die Zusammensetzung der jeweiligen Gemische ist der folgenden Tabelle I zu entnehmen:
Tabelle I
Mit diesen Zusammensetzungen wurden verschiedene Prüfungen der viruziden Eigenschaften durchgeführt. Zuerst wurde der Anteil an viralen Proteinen im Überstand von infizierten Zellkulturen nach Behandlung mit den Prüfsubstanzen bestimmt. Dazu wurden geeignete Zellkulturen mit den oben genannten Virusstämmen infiziert und danach 30 Minuten mit der erfindungsgemäßen Zusammensetzung bzw. einer Vergleichszusammensetzung in der in Tabelle I angegebenen Mischung behandelt. Die täglich produ­ zierte Menge viraler Proteine im Zellkulturüberstand wurde mit Hämagglutinintests oder mit Enzymimmunotests ermittelt. In unbehandelten Kontrollkulturen stieg die täglich produzierte Virusproteinmenge zunächst an und sank dann ab, nachdem die meisten Zellen durch Viren zerstört waren. Bereits durch eine einmalige Behandlung mit CPC konnte der Anstieg der Virus­ proteinmenge bei allen geprüften Virusstämmen gehemmt werden. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind in Fig. 1 zusammen­ gefaßt.
Der Fig. 1 ist zu entnehmen, daß die Vermehrung von Influenza A-Viren in Zellkulturen durch eine einmalige Gabe von 10 µg CPC/ml in Speichelersatzlösung ( - - - ) und durch die permanente Gabe von 200 µg Amantadin/ml Speichelersatzlösung (○ -·- ○) gehemmt werden kann. Die Wirkung einer einmaligen Behandlung mit CPC ist stärker als die einer kontinuierlichen Behandlung mit Amantadin. Im Diagramm der Fig. 1 ist kumulativ die täglich produzierte Menge viraler Proteine aufgetragen. Bei Influenza A-infizierten Kulturen, die nicht behandelt werden (∆ - - - ∆), ist die Zunahme der Hämagglutininmenge am zweiten Tag am stärksten. Danach nimmt die Neubildung der Viren ab, weil die meisten Zellen zerstört sind. Die Symbole repräsentieren Mittelwerte aus 16 Messungen.
Nur in einem engen zeitlichen Bereich in der Anstiegsphase können die ermittelten Proteinmengen im Zellkulturüberstand für vergleichende Analysen herangezogen werden. Dieser Zeitpunkt ist vom Virusstamm, der Viruskonzentration und von vielen anderen Parametern abhängig und wurde aus Verlaufsmessungen, wie z. B. der in Fig. 1 gezeigten, ermittelt. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind für die 8 untersuchten Virusstämme in Tabelle II zusammengefaßt.
Tabelle II
Gehalt viraler Proteine in Zellkulturüberständen nach Behandlung mit CPC und Referenzsubstanzen
Bei umhüllten RNA- und DNA-Viren hemmt CPC die Bildung viraler Proteine. Der Nachweis von viralen Proteinen kann als Hinweis für die Produktion von Viren angesehen werden. Bei Influenza A- und B-Virus, RS-Virus-, Parainfluenza Typ 1-, Typ 2- und Herpes simplex-Virus-Infektionen konnte in vitro eine deutliche viru­ zide Wirkung nachgewiesen werden. CPC in einer Dosierung von 10 µg/ml ist bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit von weniger als 1% den Referenzsubstanzen Amantadin mit 200 µg/ml, Ribavirin mit 50 µg/ml und Aciclovir mit 20 µg/ml überlegen.
Beispiel 2
Es wurde der Einfluß des Behandlungszeitpunktes mit CPC auf die viruzide Wirkung untersucht. Bei Virusinfektionen sind nicht alle Epithelzellen gleichzeitig befallen und die Virusentwick­ lung befindet sich in den befallenen Zellen in verschiedenen Stadien. Bei einer Applikation eines Arzneimittels werden infi­ zierte und nicht infizierte Zellen jedoch nur kurzfristig mit dem Medikament behandelt. So können Medikamente, die wie im Fall von Amantadin nur das Knospen und Ausschleusen von Influ­ enza A-Viren behindern, bei einer kurzzeitigen Applikation nur begrenzt wirken.
Der Einfluß einer Behandlung mit Cetylpyridiniumchlorid und Referenzsubstanzen 4 Stunden vor, 0,5 Stunden und 4 Stunden nach Virusinfektion auf die Menge viraler Proteine in Kultur­ überständen wurde überprüft. Die Ergebnisse dieser Unter­ suchungen mit Influenza A-, RS-, Parainfluenza Typ 1- und Herpes simplex-Virusstämmen sind in Tabelle III zusammengefaßt.
Tabelle III
Der Einfluß des Behandlungszeitpunktes auf die viruzide Wirkung von CPC und Referenzsubstanzen
Bei allen vier geprüften Virusstämmen kann eine viruzide Wirkung von CPC unabhängig vom Behandlungszeitpunkt festge­ stellt werden. Dies gilt ebenso für Aciclovir und mit Ein­ schränkungen für Ribavirin. Bei Amantadin konnte eine derartige Wirkung nicht festgestellt werden. Die viruzide Wirkung kann wahrscheinlich nur bei einer permanenten Behandlung der Kulturen mit Amantadin hervorgerufen werden. Die viruzide Wirkung von CPC ist zu allen Behandlungszeitpunkten und bei allen geprüften Virusstämmen stärker als die der Referenzsub­ stanzen. Darüber hinaus besitzt CPC prophylaktische Wirkung, da Kulturen, die vier Stunden vor der Virusinfektion behandelt wurden, ein deutlich verringertes Viruswachstum aufweisen.
Beispiel 3
Die viruzide Wirkung von CPC wurde in einem Plaque-Test nachgewiesen. Der Nachweis von viralen Proteinen in Zellkultur­ überständen kann als Hinweis auf die Menge infektiöser Viren herangezogen werden. Als direkter quantitativer Nachweis von infektiösen Partikeln in Überständen von behandelten Zell­ kulturen gilt jedoch der Plaque-Test nach Dulbecco. Die zu prüfenden Zellkulturüberstände werden dabei in log10 Schritten verdünnt. Mit den Virussuspensionen der einzelnen Verdünnungs­ stufen werden frische Zellkulturen infiziert, die danach mit Agarose überschichtet werden. Ausgehend von einer infizierten Zelle werden nach einem Vermehrungszyklus benachbarte Zellen infiziert. Nach mehreren Vermehrungszyklen bildet sich in­ nerhalb weniger Tage, ausgehend von der ursprünglich infizier­ ten Zelle, ein Lysishof oder Plaque aus. Jedes Plaque re­ präsentiert die Nachkommenschaft eines infektiösen Partikels. Die Anzahl der Plaques wird ausgezählt, und die Plaque-bilden­ den Einheiten (PFU) pro ml Zellkulturüberstand werden berech­ net. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind in Fig. 2 für das Influenza A-Virus, in Fig. 3 für das Herpes simplex-Virus und in Fig. 4 für Parainfluenza Typ 1 zusammengefaßt.
Die Fig. 2 zeigt die infektiösen Einheiten (PFU/ml) im Zell­ kulturüberstand, bezogen auf unbehandelte Kontrollkulturen, zu verschiedenen Behandlungszeitpunkten. Die Zellkulturüberstände, in die die neu gebildeten infektiösen Influenza A-Viren abgegeben wurden, wurden 24 Stunden nach Infektion der Zellen entnommen. Die Säulen stellen die Mittelwerte von 4 Proben mit Standardabweichung dar. Zu allen Behandlungszeitpunkten ist CPC in einer Konzentration von 10 µg/ml der Referenzsubstanz Amantadin in einer Konzentration von 200 µg/ml überlegen. Die PFU/ml der mitgeführten unbehandelten Kontrollkulturen wurden als 100% gesetzt.
Die Fig. 3 zeigt die infektiösen Einheiten (PFU/ml) im Zell­ kulturüberstand, bezogen auf unbehandelte Kontrollkulturen, für verschiedene Behandlungszeitpunkte. Die Zellkulturüberstände, in die die neu gebildeten infektiösen Herpes simplex-Viren abgegeben wurden, wurden 30 Stunden nach Infektion der Zellen entnommen. Die Säulen stellen die Mittelwerte von 4 Proben mit Standardabweichung dar. Lösungen, die 10 µg/ml CPC enthalten, besitzen an allen 3 Behandlungszeitpunkten vor und nach Infektion mit Herpes simplex-Viren eine antivirale Wirkung, die vergleichbar ist mit der von 20 µg Aciclovir pro ml Lösung.
Die Fig. 4 zeigt die infektiösen Einheiten (PFU/ml) im Zell­ kulturüberstand, bezogen auf unbehandelte Kontrollkulturen, für verschiedene Behandlungszeitpunkte für Parainfluenza Typ 1- Virus. Die Zellkulturüberstände, in die die neu gebildeten infektiösen Parainfluenza-Viren abgegeben wurden, wurden nach der Einzykluszeit entnommen. Die Säulen stellen die Mittelwerte von 4 Proben mit Standardabweichung dar. Im Vergleich zur unbehandelten Kontrollkultur ist die Virusvermehrung um bis zu 99% reduziert.
Der direkte Nachweis von infektiösen Partikeln in den Über­ ständen von mit CPC, Amantadin und Aciclovir behandelten Kulturen bestätigt weitgehend die in Beispiel 2 gezeigten Befunde. CPC besitzt sowohl eine protektive Wirkung als auch viruzide Wirkung, nachdem das Virus in die Wirtszelle einge­ drungen ist. Es kann daher sowohl prophylaktisch als auch therapeutisch eingesetzt werden.
Beispiel 4
MDCK- und Hep-2-Zellen (im Handel erhältliche Zell-Linien) wurden mit CPC-haltigen Speichelersatzlösungen (Surrogaten) eine halbe Stunde bei 34°C inkubiert. Als Kontrollen dienten reine Surrogatlösungen. Mit Vitalitätstests wurden die relati­ ven Zytotoxizitäten von CPC-haltigen Lösungen bestimmt. Aus der Dosis-Wirkungs-Kurve, die in Fig. 5 dargestellt ist, läßt sich der LD50-Wert von CPC bestimmen. Dieser liegt sowohl für die MDCK- als auch für die Hep-2-Zellen bei einer Konzentration von 0,5 mg CPC/ml. Für die Untersuchungen der antiviralen Wirkung von CPC wurden Konzentrationen von 0,01 mg CPC/ml eingesetzt.

Claims (26)

1. Antivirales Chemotherapeutikum mit Breitbandwirkung, dadurch gekennzeichnet, daß es eine amphiphile Verbindung mit mindestens einer kationischen Gruppe im hydro­ philen Teil sowie einen pharmazeutisch annehmbaren Träger enthält.
2. Antivirales Chemotherapeutikum mit Breitbandwirkung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als kationische Gruppe ein quaternäres Stickstoffatom im hydrophilen Teil vorhanden ist.
3. Antivirales Chemotherapeutikum mit Breitbandwirkung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die amphiphile Verbindung als hydrophilen Anteil mindestens eine Gruppe der Formel I umfaßt, worin die Reste R1, R2 und R3 gleich oder verschieden sind und unabhängig voneinander jeweils einen gesättigten oder ungesättigten Alkylrest mit 1 bis 6 Kohlenstoffatomen, der gegebenenfalls mit hydrophilen Resten substituiert sein kann, bedeuten.
4. Antivirales Chemotherapeutikum mit Breitbandwirkung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der hydrophile Anteil der amphiphilen Verbindung mindestens einen 4- bis 14-gliedrigen mono-, bi- oder tricyclischen gesättigten oder ungesättigten heterocyclischen Ring umfaßt, der weitere Heteroatome ausgewählt aus N, O und S aufweisen kann und ein quaternäres Stickstoffatom enthält, wobei der heterocyclische Ring mit hydrophilen Gruppen, linearen oder verzweigten C1- bis C4-Alkyl- oder C1- bis C4-Alkoxygruppen substituiert sein kann.
5. Antivirales Chemotherapeutikum mit Breitbandwirkung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeich­ net, daß der hydrophile Rest ein Hydroxy-, primärer, sekundärer oder tertiärer Aminorest, Halogenid-, Sulfonat-, Phosphonat-, Carboxyl-, Phosphat-, Carboxamid- oder Aldehydrest ist.
6. Antivirales Chemotherapeutikum mit Breitbandwirkung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß der heterocycli­ sche Ring Pyridin ist.
7. Antivirales Chemotherapeutikum mit Breitbandwirkung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeich­ net, daß der hydrophobe Anteil der amphiphilen Verbindung einen gesättigten, ungesättigten oder mehrfach ungesättigten Alkyl­ rest mit 8 bis 40 Kohlenstoffatomen und/oder einen Steroidrest umfaßt, wobei die Reste gegebenenfalls jeweils mit Hydroxyl-, Carbonyl- oder Carboxylgruppen, Alkylresten mit 1 bis 6 Kohlen­ stoffatomen, Arylresten oder den entsprechenden fluorsubstitu­ ierten Alkyl- oder Arylresten substituiert sein können.
8. Antivirales Chemotherapeutikum mit Breitbandwirkung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß der Alkylrest mit 8 bis 40 Kohlenstoffatomen partiell oder vollständig mit Fluor substituiert ist.
9. Antivirales Chemotherapeutikum mit Breitbandwirkung nach Anspruch 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, daß der hydrophobe Anteil der amphiphilen Verbindung ein gesättigter Alkylrest mit 10 bis 22 Kohlenstoffatomen ist.
10. Antivirales Chemotherapeutikum mit Breitbandwirkung nach einem der Ansprüche 7 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß der hydrophobe Anteil der amphiphilen Verbindung ein gesättig­ ter Alkylrest mit 14 bis 18 Kohlenstoffatomen ist.
11. Antivirales Chemotherapeutikum mit Breitbandwirkung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß der Steroidrest ein Cholesterinrest ist.
12. Antivirales Chemotherapeutikum mit Breitbandwirkung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeich­ net, daß die amphiphile Verbindung in der Form A-B-A vorliegt, worin A der hydrophile Anteil und B der hydrophobe Anteil des amphiphilen Moleküls ist.
13. Antivirales Chemotherapeutikum mit Breitbandwirkung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeich­ net, daß der hydrophobe Teil der amphiphilen Verbindung mit dem hydrophilen Teil der amphiphilen Verbindung über eine Spacer­ gruppe verbunden ist.
14. Antivirales Chemotherapeutikum mit Breitbandwirkung nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, daß die Spacergruppe eine Kette ist, die bis 10 Atome lang ist und aus C, N, O, P und/oder S aufgebaut ist.
15. Antivirales Chemotherapeutikum mit Breitbandwirkung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeich­ net, daß die amphiphile Verbindung in einer solchen Konzen­ tration vorliegt, daß bei Verabreichung keine Mizellen am Wirkungsort vorhanden sind.
16. Antivirales Chemotherapeutikum mit Breitbandwirkung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeich­ net, daß die amphiphile Verbindung ein Cetylpyridiniumhalogenid ist.
17. Antivirales Chemotherapeutikum mit Breitbandwirkung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeich­ net, daß der pharmazeutisch annehmbare Träger Wasser, ein Wasser/Ethanol-Gemisch, eine Zucker- oder Salzlösung, eine Elektrolytlösung, eine Tablettengrundmasse oder eine Salben­ grundlage ist.
18. Antivirales Chemotherapeutikum mit Breitbandwirkung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeich­ net, daß es zusätzlich eine Substanz enthält, die die Mizell­ bildung behindert.
19. Antivirales Chemotherapeutikum mit Breitbandwirkung nach Anspruch 18, dadurch gekennzeichnet, daß es als die Mizellbildung hinderndes Mittel ein Protein, eine Fettsäure oder einen Fettalkohol enthält.
20. Antivirales Chemotherapeutikum mit Breitbandwirkung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeich­ net, daß es in Form von Tropfen, Injektionslösungen, Tabletten, Kapseln, Zäpfchen oder Salben vorliegt.
21. Verwendung einer amphiphilen Verbindung mit mindestens einer kationischen Gruppe im hydrophilen Teil zur Behandlung von durch Viren hervorgerufenen Infektionen.
22. Verwendung eines antiviralen Chemotherapeutikums mit Breitbandwirkung nach einem der Ansprüche 1 bis 20 zur Behand­ lung von durch Viren hervorgerufenen Infektionen.
23. Verwendung nach Anspruch 22 zur Behandlung von durch umhüllte Viren hervorgerufenen Infektionen.
24. Verwendung eines antiviralen Chemotherapeutikums mit Breitbandwirkung nach einem der Ansprüche 1 bis 20 zur prophy­ laktischen oder therapeutischen Behandlung von durch Viren hervorgerufenen Infektionen.
25. Verwendung nach einem der Ansprüche 20 bis 24, dadurch gekennzeichnet, daß die amphiphile Verbindung in solcher Menge verwendet wird, daß sie am Einsatzort in monome­ rer oder oligomerer Form vorliegt.
26. Verwendung nach einem der Ansprüche 20 bis 25, dadurch gekennzeichnet, daß das antivirale Chemotherapeutikum in Form von Infusionslösungen, Aerosolen, Salben, Tabletten, Kapseln, Zäpfchen oder Tropfen formuliert wird.
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