DE4332316C2 - Mittel zum Anlocken von Insekten - Google Patents

Mittel zum Anlocken von Insekten

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    • A01N27/00—Biocides, pest repellants or attractants, or plant growth regulators containing hydrocarbons

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Description

Die vorliegende Erfindung betrifft ein Mittel zum Anlocken von Borkenkäfern vom Typ Ips typographus mittels einem Pheromon.
Die entscheidende Aufgabe einer Borkenkäferbekämpfung, wie auch im entsprechenden Sinn einer allgemeinen Insek­ tenbekämpfung, ist eine Verhinderung des Neubefalls von gesunden Bäumen bzw. Pflanzen, da eine Heilung oder Ret­ tung bereits befallener Stämme praktisch ausgeschlossen ist. Um diese Aufgabe zu lösen, sind grundsätzlich zwei Wege nebeneinander einzuschlagen, nämlich zum einen die Verhinderung des Ausflugs von Borkenkäfern aus den befal­ lenen Stämmen und aus ihren Winterquartieren, und zum anderen die Ablenkung dennoch ausgeflogener Käfer von ge­ sunden Stämmen.
Während früher der Borkenkäfer im Winterquartier - über­ wiegend in der Bodenstreu - mittels flächiger Anwendung von Insektiziden bekämpft wurde, müssen sich die heutigen Aktivitäten auf die Verhinderung des Ausfluges aus befalle­ nen Stämmen sowie die Ablenkung dennoch ausgeflogener Kä­ fer von den gesunden Stämmen konzentrieren. Insbesondere zur Ablenkung von dennoch ausgeflogenen Käfern von den gesunden Stämmen sind lockstoffbeköderte Fallensysteme ent­ wickelt worden.
In den sechziger Jahren wurde entdeckt, daß Borkenkäfer über ein Kommunikationssystem verfügen, das im wesentli­ chen biochemischer Natur ist. Mit Hilfe solcher Kommu­ nikationspheromone signalisieren die Käfer u. a., an wel­ chen Stellen geeignete Fraß- und Brutorte zu finden sind. Diese Kommunikationspheromone werden von männlichen Bor­ kenkäfern gebildet und locken sowohl männliche als auch weibliche Individuen an. Insbesondere brutbereite Käfer können durch die Pheromone während ihres Suchfluges (Dis­ persionsflug) angelockt werden und zwar in speziell ent­ wickelten Fallen bzw. Fallensystemen (Fallenstern), in denen sie arretiert und unschädlich gemacht werden, oder an Fangbäumen Fangpfählen, Fangpoltern, Fangreisighäufen. Hier können Käfer und Brut mechanisch - durch rechtzeitiges Schälen, Verbrennen, Häckseln einerseits - oder durch vorbeugende bzw. kurative Maßnahmen mittels eines zugelassenen Insektizids andererseits, unschädlich gemacht werden.
Aus der DD 0 153 315 ist eine Zusammensetzung zum Anlocken von Ambrosiakäfern bekannt. Ziel der Erfindung ist es, Ambrosiakäfer in großer Zahl anzulocken, so dass die Möglichkeit besteht, sie in Fenster-, Konus- oder Rohrfallen zu fangen. Die Zusammmensetzung zum Anlocken von Ambrosiakäfern (Trypodendron) enthält neben Lineatin auch Aethanol und wahlweise andere in Bäumen natürlich vorkommende Komponenten, die normalerweise von den Ambrosiakäfern angegriffen werden, insbesondere Aethanol und α-Pinen.
Ferner beschreibt die DE 35 43 297 A1 ein Mittel und Verfahren zur Bekämpfung von Borkenkäfern, insbesondere von Dendroctonus Arten, durch Mischung von Pheromonkomponenten, die inhibitorische und attraktive Wirkung haben. Das Problem ist allerdings, dass jeder Käfer ganz bestimmte Lockstoffe bevorzugt, so dass das Wissen von Lockstoffen für eine bestimmte Käferart nicht auf eine andere Käferart übertragbar ist. Die o. g. Lockstoffe sind für den Ips typographus völlig ungeeignet.
Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Mittel zu entwickeln, welches das Anlocken von Ips typographus durch Pheromone wesentlich verbessert.
Zur Lösung dieser Aufgabe führt, daß dem Pheromon (-)- Alpha-Pinen und (+)-Limonen zugeordnet sind.
Wirtspezifische Duftstoffe spielen beim Dispersionsflug des Käfers und dem Auffinden geeigneten Brutmaterials eine maßgebliche Rolle. Träger dieser primären Reize können insbesondere die im Harz der Bäume enthaltenen Monoterpene sein. Männliche Käfer lassen sich vermutlich dadurch an­ locken und besiedeln dann unbefallenes Brutmaterial.
Diese zunächst zur Wirtserkennung herangezogenen Duftstof­ fe veranlassen einerseits direkt die Besiedelung des Wir­ tes, andererseits werden sie in der Folge auch als Aus­ gangssubstanzen zur Synthese von Pheromonkomponenten ver­ wandt. Mit der Atmung werden die Terpendämpfe des Wirts­ baumes von den Käfern aufgenommen und gelangen über das Tracheensystem in den Körper. Durch Allyloxidation werden sie im Körper umgewandelt und mit den Exkreten als Kon­ taktpheromone ausgeschieden. Bei Ips typographus ist das (-)-Alpha-Pinen von Bedeutung, das als Vorstufe zur Synthese von cis- und trans-Verbenol dient. Die Enantiomerenanteile des (-)-Alpha-Pinens in den Harzdämp­ fen des Wirtes bestimmen dabei das Mengenverhältnis von cis : trans-Verbenol. Der Anteil an (S)-cis-Verbenol, das eine obligate Komponente im Aggregationspheromon von Ips typographus darstellt, ist daher vom Zustand des Wirtsma­ terials abhängig. Es dient dem Buchdrucker zur Fernorien­ tierung und wird als Fernlockstoff bezeichnet.
Ips typographus induziert so bei der Besiedelung von ste­ henden Fichten oder Fangbäumen Massenbefall.
Eine weitere Komponente des Aggregationspheromons ist 2- Methyl-3-Buten-2-ol (2-3-2-MB), das als Signal zum Lan­ den dient. Dieses hydroxylierte Isoprenderivat ist bereits in Jungkäfern vorhanden und offenbar von der chemischen Qualität des Wirtsbaumes unabhängig. Die 2-3-2-MB-Produk­ tion setzt bei beiden Geschlechtern mit der Geschlechts­ reife ein. Frisch geschlüpfte Käfer können bereits ange­ flogene Stämme mit dieser Lockstoffkomponente unmittelbar markieren. Beide Substanzen, (S)-cis-Verbenol und 2-3-2- MB, wirken synergistisch und lösen durch die massenhafte Anlockung von Buchdruckern beiderlei Geschlechts die Aggregation aus; diese "sekundäre" Anlockung übertrifft die "primäre" bei weitem.
Das quantitative Verhältnis von (S)-cis-Verbenol : 2-3-2-MB scheint dabei in der Natur sehr variabel zu sein und hat auf den Verlauf der Aggregation offenbar nur geringen Einfluß.
Schließlich entsteht nach erfolgreicher Nahrungsaufnahme noch Ipsdienol, das die Lockwirkung der beiden Pheromon­ komponenten auf die Weibchen noch erhöht.
Versiegt der Harzfluß einer Fichte infolge des Massenbe­ falls oder trocknet der Baum stark aus, kommt es zu ent­ sprechend geringer Produktion der anlockenden Pheromon­ komponenten. Die Lockwirkung des Baumes erlischt, und die Besiedelungsphase ist abgeschlossen. Dieses Phänomen läuft möglicherweise auch mit dem Einfluß von käfereigenen Ab­ lenkstoffen einher. Als solche Ablenkstoffe wurden der Terpenalkohol Ipsenol und das Keton Verbenon ermittelt.
Der Komplex der Wirtsfindung durch Ips typographus-Männ­ chen sowie Intensität und Dauer der Lockstoffabgabe stehen offensichtlich in einem direkten Zusanmmenhang zum physio­ logischen Zustand des Wirtsmaterials und sind damit von der Güte des Nahrungssubstrates abhängig.
Über die Rolle sekundärer Pflanzeninhaltsstoffe bei der Besiedelung von Wirtsbäumen ist jedoch nur wenig bekannt:
  • 1. Monoterpenkohlenwasserstoffe dienen chemisch als Vorstu­ fen insekteneigener Duftstoffe.
  • 2. Sie steuern als Harzfluß Dauer und Intensität der Phe­ romonabgabe.
  • 3. Im Wirtsbukett beeinflussen sie möglicherweise Wirts­ wahl und Aggregationsverhalten.
Bei der Besiedelung intakter Bäume durch den Buchdrucker spielen die Zusammensetzung des Harzes und der Harzfluß eine wichtige Rolle im Wechselspiel zwischen Käferaggre­ gation und Baumresistenz.
Derartige Zusammenhänge blieben bei der Formulierung syn­ thetischer Pheromone bislang unberücksichtigt. Durch die vorliegende Erfindung können diese in ihrer Zusammenset­ zung komplementiert werden, wodurch eine erhebliche Lei­ stungssteigerung herbeigeführt wird. Sie sind auch eine Erklärung für das schlechte Abschneiden synthetischer Duftstoffe gegenüber der Konkurrenz insekteneigener Phero­ monbuketts in akuten Borkenkäfernestern.
Ausführungsbeispiel 1) Synthetische Duftstoffe
Die in den Versuchsreihen eingesetzten synthetischen Duftstoffe sind kommerziell erhältlich und in Tab. 1 zusammengefaßt. Die angegebenen Reinheitsgrade entsprechen den Herstellerangaben.
Tab. 1
Reinheit und Herkunft der in den Versuchen einge­ setzten Testsubstanzen
2) Dispensertypen
Die Ausbringung der Testsubstanzen erfolgte in verschiede­ nen Dispensertypen:
Polyethylen-Beutel "low density" (PE-Beutel): Zur Aus­ bringung größerer Substanzmengen/Zeiteinheit dienten PE- Beutel (7 cm × 9 cm, Wandstärke 50 µm, dreifach) mit einer Schwammtucheinlage aus Viskose (5 cm × 5 cm × 0,5 cm), auf die 3 ml Testsubstanzen aufgetragen waren. Die Oberkante wurde mit einem Folienschweißgerät verschlossen, so daß der Verdampfungsraum stets gleich groß war.
Eppendorf-Cup: Diese wurden mit Testsubstanzen (1 ml) gefüllt. Die Verschlußoberseite mit einer Nadel (Durch­ messer 1,0 mm) vierfach durchstochen, so daß aus der Öffnung die eingefüllten Flüssigkeiten verdampfen konn­ ten.
Fig. 1: Lockstoffdispenser: (A) Folienbeutel aus low- density Polyethylen mit Schwammtucheinlage; (B) Eppendorf-Cup mit durchbohrtem Stopfen (vier­ fach mit 1,0 mm Durchmesser).
3) Ergebnisse
Die Kombination von (-)-Alpha-Pinen und (+)-Limonen steigerte die Fangergebnisse schwärmender Ips typographus an Pheromonfallen signifikant. Hierbei zeigen beide Ge­ schlechter eine höhere Affinität zu Fallen mit der Mono­ terpen-Zusatzbeköderung als zu denen, die per se mit Phe­ romonmischködern bestückt waren. Darüber hinaus ist dieses Bestreben bei Buchdrucker-Männchen stärker vertreten als bei den Weibchen.
Tab. 2
Durchschnittliche Zahl (x), Standardfehler (+/- SE) und Anteile (%) der in Pheromon-Flugbarrierefallen mit bzw. ohne Monoterpenkohlenwasserstoffe gefangenen Ips typogra­ phus (Bad Abbach, 28. 4. bis 4. 7. 1992 und 21. 4. bis 27. 6. 93)
4) Diskussion
Das Geschlecht, welches die Wirtswahl trifft, erkennt ge­ eignetes Brutmaterial am wirtsspzezifischen Duftstoff-Bu­ kett und/oder an den Rindengeschmacksstoffen. Es dringt darauf in die Rinde ein und gibt das artspezifische Ag­ gregationspheromon ab, welches aus mehreren käferbürtigen Lockstoffen besteht. Dies führt zur Anlockung beider Ge­ schlechter, also auch des Geschlechtspartners.
Diese Wirtswahl wird beim polygamen Ips typographus vom Männchen vorgenommen.
Bei aggressiven Borkenkäferarten, wie dem Buckdrucker, spielen neben den käferbürtigen Duftstoffen auch Wirts­ duftstoffe eine fördernde Rolle bei der Auslösung der Ag­ gregation.
Dieser Zusammenhang scheint naheliegend, da durch das Einbohren der Käfer, die Bildung von Harztrichtern am Ein­ bohrloch sowie durch das Auswerfen des harzgetränkten Bohrmehls die Monoterpenkonzentration in der Nähe der be­ fallenen Bäume deutlich erhöht wird.
Zur Formulierung der synthetischen Pheromone für Ips typo­ graphus wurden bislang ausschließlich die käferbürtigen Komponenten berücksichtigt, da die Zugabe einzelner Mono­ terpene zum Mischköder die Fangleistung nicht veränderte oder gar reduzierte.
Umfangreiche wissenschaftliche Analysen und Freilandver­ suche ergaben die oben dargestellte Formulierung, mit der dem dispergierenden Käfer ein besonders attraktives Wirts­ gefüge simuliert wird.
Die Kombination von (-)-Alpha-Pinen mit (+)-Limonen als Zusatzbeköderung steigert wesentlich die Fangergebnisse in herkömmlichen Pheromonfallen, darüber hinaus werden im besonderen die Buchdrucker-Männchen bei ihrer Wirtssuche an das Fallensystem gebunden. Die Monoterpen-Zusatzbe­ köderung komplementiert die synthetischen Pheromone, die bislang ohne Wirtsduftstoffe formuliert wurden.
5) Anwendungshinweis Dispenser
Aufgrund der höheren Flüchtigkeit der Monoter­ penkohlenwasserstoffe gegenüber der cis-Verbenol-Formulie­ rung muß die Applikation der Zusatzbeköderung in einem se­ paraten Dispenser erfolgen. Hierzu eignen sich Eppendorf- Cups mit perforierbaren Schließdeckeln oder Aluminiumbeu­ tel mit eingenähtem Zellstoffließ.
Die Verabreicherung in Polyethylen-Beuteln mit einer Wandstärke von 50 µm ist aufgrund der schnellen Dispersion für eine Anwendung im Waldschutz unzureichend, da ihre volle Wirkungsdauer bei drei bis sieben Tagen liegt.
Sicherheitsabstand
Neben den olfaktorischen Reizen reagieren Buchdrucker im Suchflug besonders stark auf Silhouetten von Bäumen und Bestandesrändern. Durch die Monoterpen-Zusatzbeköderung wird ein attraktives Wirtsgefüge simuliert, auf das dispergierende Ips typographus aggressiv reagieren.
Der für synthetische Pheromone in Borkenfallen vorgeschla­ gene Sicherheitsabstand von 10 bis 15 m zum nächsten ste­ henden Wirtsbaum ist einzuhalten, um einen Stehendbefall zu vermeiden.
Wirkungsbereich
Der Wirkungsbereich der synthetischen Aggregationspheromone umfaßt je nach Windstärke, Windrich­ tung, Lufttemperatur, Luftfeuchte und Lockstoffkonzentra­ tion einen Umkreis von ca. 30 m um die Lockstoffquelle.

Claims (2)

1. Mittel zum Anlocken von Borkenkäfern vom Typ Ips typographus mit einem Pheromon, dadurch gekennzeichnet, daß dem Pheromon (-)-Alpha-Pinen und (+)-Limonen zugeordnet ist.
2. Mittel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Verhältnis von (-)-Alpha-Pinen zu (+)-Limonen 1 : 1 ist.
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* Cited by examiner, † Cited by third party
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WO2006037546A1 (de) 2004-10-04 2006-04-13 Contitech Elastomer- Beschichtungen Gmbh Werkstoff als pheromondispenser zum anlocken insbesondere von fichtenborkenkäfern unter verwendung eines trägermaterials

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DD153315A5 (de) * 1979-07-25 1982-01-06 Borregaard Ind Zusammensetzung zum anlocken von ambrosiakaefern
DE3543297A1 (de) * 1984-12-10 1986-06-12 Celamerck Gmbh & Co Kg, 6507 Ingelheim Mittel zur bekaempfung von borkenkaefern

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