DE4410655C2 - Verfahren und Vorrichtung zur schnellen kontinuierlichen Sequenzanalyse von verschiedenen linearen polymeren Substanzen nach einer einheitlichen Vorgehensweise - Google Patents
Verfahren und Vorrichtung zur schnellen kontinuierlichen Sequenzanalyse von verschiedenen linearen polymeren Substanzen nach einer einheitlichen VorgehensweiseInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung, die es erlaubt eine
Sequenzanalyse, nach einem einheitlichem Prinzip, von linearen polymeren
Substanzen durchzuführen, ohne diese schrittweise abzubauen.
Dieses Verfahren ermöglicht es nach einer einheitlichen Arbeitsweise, die
Abfolge der Monomere großer linearer polymerer Substanzen wie
Desoxyribonukleinsäure (DNA), Ribonukleinsäure (RNA), Proteine, lineare
Polysaccharide oder strukturell verwandter Substanzen zu bestimmen, ohne
diese in die Monomere zu überführen oder das endständige Monomer
schrittweise abzuspalten zu müssen. Dies kann in einer vielfachen
Geschwindigkeit im Vergleich zu den bis her bekannten Verfahren durchgeführt
werden. Dieses Verfahren ermöglicht es weiterhin mehr als 10 000 Monomere
einer polymeren Substanz in einem Analyseschritt zu bestimmen. Dies ist von
großen praktischen Interesse, da so Sequenzanalysen erheblich schneller
durchgeführt werden können und eine Kosteneinsparung möglich wird. Ferner
erlaubt das Verfahren eine automatisierte Anwendung, sowohl in der
wissenschaftlichen Einzelanalytik, als auch in der gewerblichen Routineanalytik.
Es sind bereits Verfahren zur Sequenzanalyse von polymeren Substanzen wie
DNA, RNA, Proteinen und Polysacchariden bekannt, die nach verschiedenen
Prinzipien arbeiten (für Proteine "Laursen, R. A. (Herausgeb.) (1975), Solid-phase
Methods in Protein Sequence Analysis, Pierce Chem. Comp. Rocklord III", für
DNA und RNA "Maniatis T., Frisch E. F. & Sambrook, Molecular cloning, Cold
Spring Harbor Laboratory Press, New York, 2. Auflage (1991)). Für jede Klasse
polymerer Substanzen werden unterschiedliche Verfahren verwendet. Diese
richten sich nach den chemischen bzw. physikalischen Verhalten der Polymere
und deren Monomere. Aus diesem Grund sind die Analyseverfahren prinzipiell
verschieden und benötigen so auch verschiedene Apparaturen und
Vorgehensweisen. Sie arbeiten zumeist nach folgenden Grundprinzip. Zuerst
werden einzelne endständige Monomere abgespalten, dann werden je nach
Verfahren entweder die abgespaltenen oder Restpolymere in Verfahren wie
Hochgeschwindigkeitschromatographie (HPLC), Dünnschichtchromatographie
(DC) oder Säulenchromatographie aufgetrennt und analysiert.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zu Grunde eine kontinuierliche Sequenzanalyse
polymerer linearer Substanzen wie DNA, RNA, Proteine oder Polysaccharide
nach einem einheitlichem Verfahren zu ermöglichen, ohne dabei diese zuvor in
ihre Monomere zu überführen oder das endständige Monomer abzuspalten zu
müssen. Das Verfahren hat weitergehend die Aufgaben, auf einem schnellen
Weg die Abfolge der Monomere in linearen Polymeren zu bestimmen, sowie
große Sequenzen mit einem Arbeitsschritt erfassen zu können.
Nach der Erfindung wird ein Verfahren verwendet, daß molekulare Mechanik
nutzt. Als Basis für dieses Verfahren dient eine Festphase als Trägermaterial
(Fig. 1, 1), an dem molekulare Kohlenstoffketten (Fig. 1, 2) von 10 bis 20 oder
mehr Kohlenstoffatomen kovalent, nach bekannten chemischen Verfahren, als
Spacer (Fig. 1, 2), gebunden werden können. Diese Spacer werden durch
Doppelbindungen oder Dreifachbindungen zwischen den Kohlenstoffatomen in
der Längsachse stabilisiert.
Über diese Spacer werden molekulare Ringstrukturen (Fig. 1, 3) wie z. B.
Cyclopolysaccharide wie Cyclodextrine gezogen, sodaß die Spacer durch die
intakten Ringe hindurch stoßen. Dies kann unter Ausnutzung der chemisch-
physikalischen Eigenschaften der Cyclopolysaccharide in einer in situ Reaktion
geschehen, ohne daß von außen Energie zu gefügt werden muß oder besondere
Techniken angewendet werden müssen.
Die molekularen Ringe (Fig. 1, 3) müssen neben ihrer Grundeigenschaft, der
Ringstruktur, folgende weitere notwendige Eigenschaften besitzen. Sie müssen
flexibel sein und müssen mit Spektroskopieverfahran wie Infrarotspektroskopie
(IR), Ultraviolettspektroskopie (UV), Kernresonansspektroskopie (MNR) oder
Fluoreszensspektroskopie getrennt von den polymeren Substanzen detektierbar
sein. Ferner müssen sie eine fixierte, möglichst große einheitliche elektrische
Polarisierung besitzen. Die Ringgröße richtet sich nach dem größten
Durchmesser des Monomers, des zu untersuchenden Polymers. Sie muß
mindestens so groß sein, daß der Ring unter Einsatz von außen zugeführter
Energie über das größte Monomer des Polymers durch den Ring geführt werden
kann. Eine Deformation des Ringes (Fig. 1, 3) wird dabei beabsichtigt und ist
notwendig. Diese Deformation ermöglicht es, den Moment und die Art und Weise
des Überganges des Ringes über das Monomer zu spektroskopisch bestimmen.
Zur Verbesserung der Detektionsmöglichkeiten der Ringstruktur können, nach
bekannten chemischen Verfahren, Substituenten, wie Farbstoffe, als Liganden
an den Ring kovalent gebunden werden. Es hat sich erwiesen, daß die
Fluoreszensspektroskopie günstige Voraussetzungen bietet. Aus diesem Grund
können an den Ringen fluoreszierende Farbstoffe kovalent gebunden werden.
Zur weiteren Steigerung der Detektionsempfindlichkeit können, in alternierender
Reihenfolge, zwei unterschiedliche Fluoreszensfarbstoffe an den Ring gebunden
werden, z. B. Rhodamin B und Fluorescein. Dies kann über bekannte chemische
Kopplungsverfahren geschehen.
Nachdem die modifizierten Ringe in der in situ Reaktion über den Spacer
gebracht worden sind, wird das so veränderte Trägermaterial in eine
Analysekammer (Fig. 2) in eine Halterung (Fig. 1, 4) eingespannt.
Es wird ein elektrisches Feld mit Hilfe zweier Pole (Fig. 1, 5) so angelegt, daß die
elektrisch polarisierten Ringe (Fig. 1, 3) zum Trägermaterial (Fig. 1, 1) gezogen
(Fig. 1, 6) werden. Dies ist möglich, da der Ring sich frei, in Richtung der
Längsachse des Spacers, bewegen kann. Anschließend wird das endständige
Monomer des linearen Polymers (Fig. 1, 7) kovalent, nach bekannten chemisch-
physikalisch Verfahren, nachdem das elektrische Feld ausgeschaltet worden ist,
an den Spacer gebunden. Am gegenüberliegenden Ende des linearen Polymers
wird anschließend eine Molekülgruppe (Blockmolekül) (Fig. 1, 8) kovalent, nach
bekannten chemischphysikalisch Verfahren, gebunden. Dieses Blockmolekül ist
im kleinsten Moleküldurchmesser so groß, daß der molekulare Ring nicht über
diese Molekülgruppe, auch nicht mit Hilfe eines angelegten elektrischen Feldes,
gezogen werden kann. Ferner ist diese Molekülgruppe wie der Ring elektrisch
polarisiert, um eine Streckung, entlang der Längsachse des kovalent
gebundenen Polymers, zu erreichen. Anschließend wird durch bekannte
naßchemische Verfahren nicht gebundenes Material ausgewaschen.
Zur Analyse des linearen Polymers (Fig. 1, Schritt 6.) wird die Polung des
elektrischen Feldes so eingerichtet, daß der molekulare Ring (Fig. 1, 3) über das
lineare gestreckte Polymer (Fig. 1, 7), mit Hilfe des elektrischen Feldes, wandert
bzw. gezogen werden kann. Die Feldstärke wird so eingestellt, das dies mit
einer gleichbleibenden Geschwindigkeit geschieht. Während der Wanderung des
Ringes über das Polymer werden gleichzeitig Spektren, entsprechend des
Spektroskopieverfahrens oder Fluoreszensspektren, des Ringes und dessen
Umgebung aufgenommen. Diese Spektren werden per Computersystem
aufgezeichnet und ausgewertet. Sie sind abhängig von der Struktur des Ringes.
Diese ist wiederum abhängig von der Gestalt des Monomers über das der Ring
gerade wandert oder gezogen wird. Also kann das Monomer, das gerade durch
den Ring wandert, anhand der Momentanspektren des Ringes identifiziert
Werden. Die Zahl der aufgenommenen Fluoreszensspektren pro Zeiteinheit muß
mindestens dreimal so groß sein, wie die Wanderungsgeschwindigkeit der Ringe
über die Monomere entlang des Polymers. Die Einheit, aus Energiequelle
(Fig. 1, 9) des verwendeten Spektroskopieverfahrens und Detektor (Fig. 1, 10),
wird synchron mit der Front der wandernden Ringe entlang der Kammer
(Fig. 1, 6) gezogen. Dies ist bei kurzen Analysekammern oder Polymeren nicht
notwendig.
Diese Analysekammer (Fig. 2) besteht aus einer Detektionskammer (Fig. 2, 1) aus
einem Material, z. B. Quarzglas oder aus einem anderen Material, das eine
Detektion der Substanzen im inneren der Kammer zuläßt. An den Enden der
Detektionskammer befindet sich jeweils ein elektrischer Pol (Fig. 2, 2), mit denen
ein umpolbares und in seiner Feldstärke variables homogenes elektrisches Feld
erzeugt werden kann. Zwischen den Polen befindet sich eine Halterung
(Fig. 2, 3) in die das modifizierte Trägermaterial eingespannt werden kann.
Senkrecht oder gewinkelt zum elektrischen Feld befindet sich eine
Fluoreszenslichtquelle (Fig. 2, 4) oder eine der Art der Spektroskopie
entsprechende Energiequelle, die die Detektionskammer durchstrahlen kann
(Fig. 2, 3). Gegenüber dieser ist ein Fluoreszensdetektor (Fig. 2, 5) oder ein der
Art der Spektroskopie entsprechender Detektor (Fig. 2, 5). Beide sind so
angebracht, daß sie sich parallel zueinander entlang der Detektionskammer, mit
Hilfe eines mechanischen oder elektronischen Systems, bewegen können.
Dieses besteht aus Steuerschienen (Fig. 2, 6), entlang denen sich Energiequelle
und Detektor des Analysesystems mit Hilfe von Steuer- bzw. Antriebsmotoren
(Fig. 2, 7) bewegen. An der Detektionskammer befindet sich ein Zufluß (Fig. 2, 8)
und ein Abfluß (Fig. 2, 9) für Flüssigkeiten die in der Detektionskammer benötigt
werden. Zur Aufrechterhaltung konstanter Temperatur-, Druck- und
Umgebungsbedindungen ist um die Detektionskammer eine Isolierkammer
(Fig. 2, 10) angebracht. Diese ist mit mindestens zwei Versorgungseingängen
(Fig. 2, 11) versehen. Sowohl die Polung und die Feldstärke, als auch die
Bewegung der Energiequelle und des Detektors sowie die Aufnahme und
Auswertung der Spektroskopiedaten wird durch Computersysteme
bewerkstelligt, die mit entsprechenden Computerprogrammen ausgerüstet sind.
Das Gesamtsystem besteht aus mehreren Komponenten, diese können als externe
oder interne Einheiten zusammengeschaltet sein. Die Detektionskammer
(Fig. 3, 1) wird mit einem Thermoblock (Fig. 3, 2) und einem Versorgungsblock
(Fig. 3, 3) verbunden. Für die Steuerung des elektrischen Feldes wird ein
Steuergerät (Fig. 3, 4) verwendet. Zur Stromversorgung wird ein Stromgeber
(Fig. 3, 5), der wiederum am allgemeinen Stromnetz angeschlossen ist
verwendet, um Spannungsschwankungen verkleinern. Alle Komponenten
werden über ein Computersystem (Fig. 3, 6) angesteuert und über dieses
aufeinander abgestimmt. Das Computersystem (Fig. 3, 6) ist seinerseits mit
einem Druckmedium (Fig. 3, 7) und einem Massenspeicher (Fig. 3, 8) verbunden.
Claims (9)
1. Verfahren zur Sequenzanalyse mit folgenden Schritten:
- - Binden von mindestens einer molekularen Kohlenstoffkette als Spacer an die Oberfläche eines Trägermaterials,
- - Überstülpen einer molekularen Ringstruktur über jeweils einen der Spacer,
- - kovalentes Binden der zu untersuchenden polymeren Moleküle an jeweils einen der Spacer,
- - Anlegen eines elektrischen Feldes, so daß die Ringstrukturen auf den Spacern einheitlich positio niert werden,
- - Umpolen des elektrischen Feldes, um die Ringstrukturen zu einer Wanderung über die zu unter suchenden polymeren Moleküle zu zwingen, und detektieren der Wanderung mittels Spektrosko pie.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Wanderung der molekularen
Ringstrukturen durch eine Fluoreszenzdetektion spektroskopisch verfolgt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Wanderung der molekularen
Ringstrukturen durch eine Fourier-Transformations-Infrarot-Spektroskopie verfolgt wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die molekulare
Ringstruktur ein Cyclodextrinring ist, an dem zwei verschiedene Fluoreszenzfarbstoffmoleküle in
alternierender Reihenfolge kovalent gebunden sind.
5. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 4 mit:
- - einer Analysenkammer,
- - einer Detektionskammer, die innerhalb der Analysenkammer angeordnet ist,
- - zwei Elektroden innerhalb der Detektionskammer, die von einem Stromgeber versorgt werden,
- - einem Halter für ein Trägermaterial, der vor einer der beiden Elektroden angeordnet ist,
- - einer Detektionsvorrichtung mit einer Energiequelle und mit einem Empfänger, welche entlang der Detektionskammer bewegbar sind und mit einem EDV-System, zur Steuerung des Stromge bers bezüglich Stärke und Richtung eines zwischen den beiden Elektroden gebildeten elektrischen Feldes, zur Steuerung der Bewegung der Detektionsvorrichtung entlang der Detektionskammer und zur Auswertung von mittels der Detektionsvorrichtung gewonnener Spektren.
6. Vorrichtung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Analysenkammer von einer
mit Versorgungseingängen versehenen Isolierkammer umgeben ist.
7. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Detektions
kammer aus Quarz oder Kunststoff besteht.
8. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 5 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß die
Detektionskammer einen Zufluß und einen Abfluß für Flüssigkeit aufweist.
9. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 5 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß die Detektions
kammer als Teil eines Gesamtsystems vorliegt, zu dem ein Thermoblock, ein Versorgungsblock,
ein Steuergerät, ein Stromgeber, ein Zentralcomputer, ein Druckmedium und ein Daten
speicher gehören.
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