-
Schnellessigbildner mit Kühlvorrichtung. Die Ursache der relativ geringen
Leistungsfähigkeit der Großraumbildner in der Essigfabrikation ist in dem Auftreten
chronischer Wärmestörungen zu suchen. Nur in Füllungsschichten mit günstigster Temperatur
können die Essigbakterien ihr Maximum an Oxydations-. Fähigkeit entfalten. Steigt
oder fällt die Temperatur mehr oder weniger erheblich, so macht sich das in gleicher
Weise durch ein Nachlassen der Produktion bemerkbar.
-
Man hat auf verschiedene Weise versucht, diesem Übelstande zu begegnen.
Es wurde vorgeschlagen, einen möglichst hochprozentigen Essig zu erzeugen. Mit zunehmender
Konzentration des Essiggutes nimmt aber auch die Aufnahmefähigkeit für Alkohol ab,
mit einem verminderten Alkoholverbrauch sinkt auch die Wärmeerzeugung.
-
Diese gewissermaßen biologische Art der Lösung dieser Frage ist nur
ein Notbehelf und bei kleinen Bildnern angebracht, in denen diese Störungen nur
vorübergehend auftreten. Sie hat den Nachteil, daß zur Zeit des Spitzenbetriebes,
wenn die Nachfrage am stärksten ist, Produktionseinschränkungen vorgenommen werden
müssen. Auf Großraumbildner angewandt, würde ein solches Verfahren aus einem chronischen
Zustande einen -latenten schaffen, da die ersten Ursachen hierdurch nicht
beseitigt werden.
-
In südlicheren Breiten wurde erwogen, durch in die Essigstuben eingebaute
Kühlanlagen, wie sie für Fleischaufbewahrungsräume usw. gebräuchlich sind, Abhilfe
zu schaffen. Es hat sich jedoch gezeigt, daß das nur dann ausführbar ist, wenn die
Fabrikanlage sehr groß ist und die Kühlvorrichtung den größten Teil des Jahres in
Funktion ist, andernfalls tritt eine derartige Erhöhung der Unkosten ein, daß die
Konkurrenzfähigkeit in Frage gestellt ist. Zudem läßt das geringe Wärmeleitungsvermögen
der Wandungen der Großraumbildner eine genügende Beeinflussung der Innentemperatur
der Bildner nicht zu. Eine Zufuhr abgekühlter Luft in das Innere der Apparate kommt
nicht in Frage, da deren Menge so groß sein müßte, daß schwere Schädigungen anderer
Art nicht zu vermeiden wären.
-
Man ging infolgedessen dazu über, die überschüssige Wärmemenge von
dem aufgegossenen Essiggut aufnehmen zu lassen. Das ist indessen bei der sonst üblichen
und bewährten Arbeitsweise in Schnellessigbildnern nicht möglich. Beim Arbeiten
mit Rückgüssen oder kombinierten Maischen stehen für j e einen Liter zu verarbeitenden
reinen Alkohols nur etwa 251 Essiggut zur Verfügung. Um Störungen zu vermeiden,
kann die vorherige Abkühlung dieser Menge nicht erheblich sein, man könnte auf diese
Weise höchstens 500 Kalorien ableiten. Man mußte daher ein Vielfaches dieser
Menge, z. B. zoo 1, 41 reinen Alkohols enthaltend, zur Beschickung verwenden. Diese
Menge sammelt sich im unteren Teile des Bildners, der mit von Wasser durchflossenen
Röhren versehen ist, an und gibt seine Wärme an das Kühlwasser ab. Natürlich verarbeitet
der Bildner diese Alkoholmenge nicht auf einmal, sondern es muß der Vorgang so oft
wiederholt werden, bis eine vollständige Ausarbeitung stattgefunden hat (Rundpumpverfahren).
-
So glänzend wie diese Lösung, vom rein kalorimetrischen Standpunkte
aus, zu bezeichnen ist, so unvollkommen wirkt sie biologisch.
-
Die erwartete Produktionsvermehrung tritt nicht ein, da diese Arbeitsweise
gegen den anfangs erwähnten Grundsatz der Kontinuität des Temperaturoptimums verstößt.
Die übermäßige Zufuhr an Essiggut erniedrigt die Tempeiatur ganz erheblich unter
das Optimum, so daß die Temperaturen im Innern graphisch nicht als Grade, sondern
infolge der' sturzartigen Schwankungen als gebrochene Linien darzustellen wären.
Man kann mit dem folgenden Rundpumpen nicht so lange warten, bis das Optimum erheblich
überschritten ist, da die Gefahr des Säureabbaues naheliegt. Es findet bei diesem
Verfahren also nur eine verlangsamte Oxydation
derjenigen Teile
der Aufgußmenge statt, die nach Beendigung des Rundpumpens in der Füllung haften
bleiben oder langsam abtropfen. Beim ersten und zweiten Rundpumpen nimmt der Säuregehalt
des Essiggutes rasch zu, der Alkoholgehalt ebenso ab, da ja die in den Spänen zurückgehaltene
Essigsäure der letzten, beendigten Operation beim neuen Rundpumpen ausgewaschen
wird. Es ist indessen sehr schwer und zeitraubend, die letzten Reste an Alkohol,
besonders das letzte Prozent aufzuarbeiten. Die hierzu erforderliche Zeit und Arbeit
steht in sehr ungünstigem Verhältnis zum erreichten Effekt.
-
Die einzelnen Schichten der Füllung sind naturgemäß sehr ungleich
befeuchtet, denn die oberen Schichten tropfen ab und benetzen die darunter befindlichen,
oben wird das Temperaturoptimum schneller erreicht als unten. Es ist häufig überschritten,
wenn die neue Operation einsetzt. Neigung zum Abbau der Säure in den oberen Schichten
ist die Folge.
-
Die Wärmeentziehung des unten sich ansammelnden Essiggutes geht technisch
unter den denkbar ungünstigsten Verhältnissen vor sich.
-
Das Essiggut befindet sich im Ruhezustande, keinerlei Vorteile des
Gleich- oder Gegenstromprinzipes sind wahrgenommen. Der Wärmeübertragungskoeffizient
hat infolge des Ruhezustandes in derWanne den überhaupt nur möglichen und denkbar
geringsten Wert. Die erforderliche Kühlfläche wird so ein Maximum, was verteuernd
auf die Anschaffung wirkt, oder aber sie wird kleiner bemessen, dann steigt der
Wasserverbrauch derartig, daß von einer Anschaffung unter Umständen Abstand genommen
werden muß.
-
Alle diese Vorgänge finden zahlenmäßig ihren Ausdruck in einer relativ
geringen Produktionsziffer.
-
Die vorliegende Erfindung beseitigt diese Nachteile dadurch, daß die
Kühler, zweckmäßig Tafelkühler, deren Oberflächen in angemessenem Verhältnis zur
entziehenden Wärmemenge stehen, in die obere Zone des Bildners eingebaut sind.
-
Die Zeichnung stellt das obere Drittel, die aktive Zone, eines Kammerapparates
oder Großraumbildners dar.
-
Die Tafelkühler k, k', k" usw., aus gut leitenden säurefesten
Metallflächen bestehend, sind nur wenige Kubikzentimeter dick und werden von Kühlwasser
durchströmt. Ihr Raumbedarf ist derartig gering, daß von einer wesentlichen Verminderung
der Füllung nicht die Rede sein kann. Die Kühler werden in vertikaler Anordnung
auf der Unterlage U, aus hölzernen Querstreben bestehend, aufgestellt. Die Spannschicht
wird im oberen Teile des Apparates in einzelne Massen oder Räume in, m', nz" usw.
zerlegt, deren Scheidewände die Kühler bilden. Bei Kammerapparaten oder Großraumbildnern
von rechteckiger Form werden die Kühler parallel zu einer der Achsen (längs oder
quer), bei Großraumbildnern runder Form in konzentrischer Weise angeordnet.
-
Die überschüssige Wärme kann an die gut leitenden Metallwände ausstrahlen
und wird vom Kühlwasser aufgenommen und fortgeführt. Das Wasser tritt durch die
Rohre e, e', e" usw. in die Kühler ein und verläßt sie durch die Verbindungsrohre
a, a', cz" usw., durch das Hauptsammelrohr A.
-
In jede Schicht hineinreichende Thermometer gestatten die Einstellung
auf das Optimum auch der innersten Schichten.
-
Die hierdurch erzielten Vorteile sind erheblich und bestehen in folgendem
r. Wärmestörungen werden unmöglich gemacht.
-
a. Das relative Produktionsquantum von Normalrundbildnern, Großraum-
und Kammerapparaten wird auf die Höhe kleiner Bildner gebracht, bei Umstellungen
ist es nicht mehr nötig, ein Vielfaches des ursprünglichen Füllungsquantums einzusetzen.
-
3. Die Fabrikation ist von der Außentemperatur unabhängig, da die
Kühleroberfläche in jedem Fall derartig bemessen werden kann, daß etwa infolge hoher
Außentemperatur hinzukommende Wärmemengen vom Kühlwasser sehr leicht aufgenommen
und abgeführt werden.
-
q.. In allen Fällen kann bei großen Bildnern vom Rundpumpverfahren
Abstand genommen und zum alten intermittierenden Rückgußverfahren oder zu dem Arbeiten
mit kombinierten Maischen zurückgekehrt werden. Hierdurch wird Kosten verursachende
mechanische Hubarbeit vermieden und gleichzeitig Erhöhung der Ausbeute und Vermehrung
der Produktion erreicht.