DE490090C - Verfahren zur Herstellung von keimfreiem Katgut - Google Patents

Verfahren zur Herstellung von keimfreiem Katgut

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    • A61—MEDICAL OR VETERINARY SCIENCE; HYGIENE
    • A61L—METHODS OR APPARATUS FOR STERILISING MATERIALS OR OBJECTS IN GENERAL; DISINFECTION, STERILISATION OR DEODORISATION OF AIR; CHEMICAL ASPECTS OF BANDAGES, DRESSINGS, ABSORBENT PADS OR SURGICAL ARTICLES; MATERIALS FOR BANDAGES, DRESSINGS, ABSORBENT PADS OR SURGICAL ARTICLES
    • A61L17/00—Materials for surgical sutures or for ligaturing blood vessels ; Materials for prostheses or catheters
    • A61L17/06—At least partially resorbable materials
    • A61L17/08—At least partially resorbable materials of animal origin, e.g. catgut, collagen

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Description

  • Verfahren zur Herstellung von keimfreiem Katgut Zu einem keimfreien Katgut, wie es für chirurgische Zwecke benötigt wird, kann man auf verschiedenen Wegen gelangen. Entweder man bewirkt die Sterilität durch Anwendung von trockener Hitze oder man zrzeugt Sterilität durch chemische Stoffe von bakterientötender Wirkung, wie z. B. Jod. Ein nach dem letztgenannten Verfahren hergestelltes Katgut ist ein antiseptisches; es enthält noch keimwidrige Stoffe, die bisweilen erwünscht, bisweilen aber unerwünscht sind. Schließlich kann man zu einem Sterilkatgut noch gelangen, wenn man einem mit Jod oder einem anderen keimtötenden Mittel vorbehandelten Katgut das keirntötende Mittel wieder entzieht und alsdann in geeigneter Weise das Hinzutreten neuer Keime bei der weiteren Verarbeitung zu einem Sterilkatgut bis zum Gebrauch verhindert.
  • Die Sterilisation unter Anwendung von trockener Hitze hat den Nachteil, daß zur Erzeugung von absoluter Sterilität hohe Hitzegrade angewendet werden müssen, die eine Schwächung der Katgutsubstanz zur Folge haben. Erhöht wird die Schwächung, wenn Mineralsäuren, z. B. Schwefelsäure, im Katgut enthalten sind. Schwefelsäure ist aber nicht selten im Rohkatgut und entfetteten Katgut enthalten.
  • Das mit Jod unter Anwendung von Claudiusscher oder anderer Jodlösung keimfrei gemachte Katgut hat den Nachteil, daß es bereits nach der Herstellung Jodwasserstoff entbält, und daß die Menge des Jodwasserstoffes durch die Wirkung des Jods auf die Katgutsubstanz beim Lagern noch zunimmt. Die Lagerfähigkeit des Jodkatguts ist daher eine beschränkte, weil r. die gebildete Jodwasserstoffsäure nicht nur den. Katgutfaden schädigt, sondern auch wie sämtliche 1VIineralsäuren beim Gebrauch des Katguts zu chemischen Eiterungen und zu seiner Abstoßung des Fadens führen kann und weil a. Jod auf die Dauer Katgut angreift. Der dritte Weg der zu keimfreiem Katgut führt, ist ein kombiniertes Verfahren, bei dem man .erst keimfreies Jodkatgut nach dem Claudiusschen Verfahren herstellte, diesem das Jod mit Natriumthiosulfatlösung entzog und dieser Vorbehan:dlun.g nacheinander Einlegen in Wasser und Alkohol von 95% folgen ließ. Zwecks Nachsterilisation wurde das in Glasröhren gebrachte Katgut Dämpfen von 7oprozentigem Alkohol ausgesetzt, die Röhrchen mit 94prozentigem Alkohol beschickt und nach dem Zuschmelzen auf roo° C erhitzt.
  • Dieses Verfahren berücksichtigt wohl die Entfernung des Jods; .es ist aber nicht erkannt, daß wesentliche Mengen Mineralsäure oft im Katgut und vor allen Dingen stets im Jodkatgut vorhanden sind. Die Beseitigung des Jods ist mit Natriumthiosulfat durchführbar, nicht aber die Entfernung der vorhandenen Mineralsäure, die sich nachdem- Claudiusschen Verfahren bildet und durch Natriumthiosulfat, Wasser und Alkohol nicht fortjenommen wird.
  • Die Nachteile der bisher bekannten Verfahren zur Herstellung von antäseptischeni Kaigut einesteils und von sterilem Katgut anderenteils, sind damit nicht .erschöpft, dürften aber an dieser Stelle zur Begründung der Erfindung, die- diese bedeutungsvollsten Mängel neben anderen ausschaltet, genügen.
  • Die Erfindung berücksichtigt, daß unter Umständen ein antiseptisches Kaigut erforderlich ist, daß aber auch ein steriles bzw. ein jodfreies Katgut nicht entbehrt werden kann. Zwangsläufig gelangt das Verfahren vom antiseptischen zum sterilen Katgut und erforderlichenfalls vom sterilen Katgut auf einfachste Weise wieder zum Jodkatgut, wobei für einige Handlungsweisen neuartige Wege gefunden wurden. Die Erfindung gliedert sich daher in folgende Phasen: i. Herstellung von mineralsäurefreiem Rohkatgut, 2. Herstellung von Jodkatgut, 3. Herstellung von Sterilkatgut. i. Herstellung von mineralsäurefreiem Rohkatgut .
  • Einer der schädlichsten Stoffe für Katgut ist die freie oder organisch gebundene Schwefelsäure.
  • Auf dem internationalen Kongreß der Mediziner und Pharmazeuten in Paris 1925 wurde die Forderung erhoben, daß ein Kotgut, das lagern soll, keine Schwefelsäure ;enthalten darf. Schon hieraus geht hervor, daß ein mit Schwefelsäure verunreinigtes Kotgut nicht zu denn Seltenheiten gehört.
  • Die Verfasser haben in den meisten käuflich erworbenen Rohkatgutsorten freie Schwefelsäure gefunden, und zwar bis 2,3%. Bleibt die freie Schwefelsäure im Kotgut, so stört sie nicht nur die weitere Verarbeitung, sondern ruft auch im Organismus Schädigungen hervor. Wird ein schwefelsäurehaltiges Rohkatgut für die Herstellung von Jodkatgut verwendet, so tritt-=bei dem bisher fast allgemein angewendeten Jodanlagerungsverfahren mit Jodjodkaliumlösung der nicht weniger schädliche Jodwasserstoff an die Stelle der Schwefelsäure. Es erfolgt eine einfache Umsetzung, bei der das Jodkaliurn beteiligt ist. Der Gehalt an Jodwasserstoff betrixg bei Verwendung solchen schwefelsäurehältigen Katguts unmittelbar nach der Jodierung, auf Jod berechnet, in einem Falle bereits 8,7 %.
  • Die Entfernung jeder Mineralsäure bezweckt nun die Erfindung.
  • Dieser Zweck kann zwar in gewissem Grade auch durch Verwendung von Alkalien erreicht werden, doch schädigen diese Stoffe die 1"--atgutsubstanz. Erfindungsgemäß wird die Beseitigung der iVIineralsäuren dadurch erreicht, daß das Rohkatgut mit einer, Lösung von Salzen unschädlicher Säuren, z. B. Salzen der Essigsäure, Zitronensäure, Salicylsäure, B-enzoes.äure u. dgl., in Berührung gebracht wird.
  • Zur Ausführung des Verfahrens wird das Katgut auf Wickeln aus Glas o. dgl. in die Salzlösung getaucht, wobei eine chemische Umsetzung in der Weise erfolgt, da.ß die Schwefelsäure oder eine andere starke Mineralsäure, die für die Behandlung ausersehene schwache evtl. desinfizierend wirkende Säure, z. B. Benzoesäure, frei macht und dabei selbst als Salz in Lösung geht.
  • Die Umsetzung geht bereits bei gewöhnlicher Temperatur vor sich und führt zu einem mineralsäurefreien Katgut. 2. Herstellung von Jodkatgut Die bisher ,gebräuchlichen Verfahren zur Herstellung von Jodkatgut beruhen darauf, daß Rohkatgut auf gläserne Wickel gewunden und dann in eine Jodjodkaliumlösung von wechselnder Zusa.nimens;etzung, z. B. i Teil Jod, i Teil Jodkalium, i oo Teile Wasser, getaucht wird. In der Hauptsache findet hierbei eine Anlagerung und .ein Eindringen von Jod statt, das vermöge seiner stark bakteriziden Eigenschaft .die Keime abtötet und somit Herstellung von keimfreiem antiseptischen Isatgut gestattet.
  • Nach anderen Verfahren geht eine Quellung mit chemischen Stoffen, wie Pbttasche, Chlor-oder Bromlösungen, der Behandlung mit einer Jodjodkaliumlösung vorher, wodurch - eine bessere Durchdringung der Katgutsubstanz erzielt werden soll.
  • Auch Jodtinktur und starke Jodacetonlösung sind verwendet worden, um jo-danlagerung und Keimfreiheit zu erzielen.
  • Andere Fachleute glauben eine bessere Wirkung dadurch zu erreichen, daß sie das Kotgut zunächst mit einer Jodnatriumlösung imprägnieren und aus dieser das Jod erst durch Säure, z: B. Phosphorsäure, und ein Oxydationsmittel, z. B. Wasserstoffsuperoxyd, in Freiheit setzen.
  • Die Jodanlagerung und Keimfreimachung wurde anfangs mit fertigem Rohkatgut vorgenommen. Erst später wurde von K u h n die Forderung gestellt, daß :eine Jodanlagerung bereits vor dem Drehen zum Faden vorgenommen werden müßte, wenn absolute Keimfreiheit ,erzielt werden soll. Es geht daraus hervor, daß eine vollkommene Durchdringung der Katgutsubstanz mit Lösungen und Erzielung absoluter Sterilität bei Verwendung fertiger Katgutfäden von .einigen Fachleuten bezweifelt wird.
  • Die Erfindung bezieht sich nun ebenfalls auf die Herstellung von Jodkatgut, schlägt aber einen Weg ein., der die Nachteile der bisherigen Verfahren nicht besitzt. Es wird bezweckt, eine vollkommene Durchdringung des fertig gedrehten Katgutfadens, damit eine Behandlung der Darmlamellen. vor dem Drehen zum Faden überflüssig wird. Weiter wird bezweckt, eine Vermeidung von Jodverlusten, die selbst bei einer Wiedergewinnung von Jod aus den verwendeten Jodjodkaliumlösungen unvermeidlich sind. Schließlich sollen andere Chemikalien als Jod ausgeschlossen werden, weil sie für die Sterilisätion zwecklos sind, verteuernd wirken, die Fabrikation erschweren und unter Umständen zersetzend auf die Katgutsubstanz einwirken.
  • Dieser Zweck wird erfindungsgemäß dadurch erreicht, daß eine mit Joddampf und Wasserdampf gesättigte Atmosphäre zur Jodanlagerung verwendet wird. Es genügen hierfür Temperaturen, die die Zimmertemperatur nicht oder doch unerheblich überschreiten, so daß eine Schwächung der Katgutfäden nicht eintritt. Die mit destilliertem Wasser erzielte feuchte Atmosphäre bewirkt eine so ergiebige Quellung des Katguts, daß das - bereits bei Zimmertemperatur verdampfende Jod den Katgutfaden völlkonunen durchdringt und damit absolute Sterilität bewirkt.
  • Erfahrungsgemäß können Gase oder Stoffe in Dampfform besser poröse Körper durchdringen, als es feste oder gelöste Stolte vermögen.
  • Zur Ausführung des Verfahrens werden die zu sterilisierenden Katgutfäden auf Wickeln aus Glas oder einem anderen dem Jod gegenüber indifferenten Stoff in einer abschließbaren Kammer aus Glas oder einen anderen durch Jod nicht veränderlichen Stoff aufgestellt, in der nacheinander oder gleichzeitig Wasser und Jod freiwillig verdunsten können. Unter diesen Bedingungen wird dem Katgut Jod in Mengen angelagert, die völlige Keimfreiheit gewährleisten.
  • Da in der Kammer nur Jod und Wasser getrennt, oder in Dampfform gemischt, enthalten sind, und beide Stoffe keiner Veränderung unterliegen, so kann das Verfahren der Jodbehandlung als ein kontinuierliches angesehen werden, bei dem Katgut in solchen Mengen sterilisiert werden kann, als dem in der Kammer enthaltenen. Jod und Wasser entsprechen. Es ist demnach das gesamte Jod zur Desinfektion von hatgut verwendbar, ohne da.ß es zu unerwünschten Neben- oder Abfallprodukten des Jods kommt, die ein Umarbeiten oder eine Wiedergewinnung von Jod erforderlich machen würden.
  • 3. Herstellung von steriul.em Katgut Das .in der unter a angegebenen Weise hergestellte jodkatgut wird zwischen keimfreien Bakterienfiltern. aus Watte oder einem anderen Stoffe verpackt und wie unter r beschrieben nochmals in geeigneter Apparatur mit einer Lösung von Salzen schwacher organischer Säuren von der bei der Jodanlagerung gebildeten jodwass.erstolfsäure befreit. Die diesem Vorgange folgende Entfernung von Jod mit der keimfreien Lösung eines, Entjodungsmittels, sodann von den Salzen mit keimfreiem Wasser, darauf vom Wasser mit 95prozentigem Alkohol oder einem anderen keimfreien Entwässerungsmittel und schließlich vom Alkohol mit keimfreier erwärmter Luft werden in bereits bekannter Weise ausgeführt.

Claims (1)

  1. PATEN T AN SPRÜCHE: n. Verfahren zur Herstellung von keimfreiem Katgut in. keimfreier Packung für chirurgische Zwecke unter Verwendung von Joddampf, dadurch gekennzeichnet, da.ß von Mineralsäure befreites Rohkatgut mit Wasser- und Joddampf gleichzeitig oder nacheinander bei niedriger Temperatur in Jodkatgut übergeführt, darauf mit Bakterienfiltern aus Watte, Cellulose o. d91. umhüllt, mit keimfreien Lösungen der Salze schwacher organischer Säuren vom Jodwasserstoff und in bekannter Weise mit einem Entjodungsmittel vom Jod, mit keimfreiem Wasser von den Salzen, mit 95prozentigem Alkohol, Methylalkohol oder einem anderen Entwässerungsmittel vom Wasser und mit keimfreier Luft vom Alkohol befreit wird. Verfahren nach Anspruch t, dadurch gekennzeichnet, daß die Entsäuerung des Rohkatguts mit der Lösung eines Salzes einer schwachen organischen Säure, z. B. essigsauren, zitronensauren, salicylsauren oder benzoesauren Natriums, erfolgt.
DEST41504D 1926-09-03 1926-09-03 Verfahren zur Herstellung von keimfreiem Katgut Expired DE490090C (de)

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