-
Technisches
Gebiet
-
Die
vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von
L-Leucin, genauer ein Verfahren zur Herstellung von L-Leucin unter
Verwendung eines Bakteriums der Gattung Escherichia. L-Leucin ist
eine essentielle Aminosäure,
die als Nahrungsmittelzusatz für
Lebensmittel oder Futtermittel, Reagens oder Material für die medizinische Behandlung,
pharmazeutische oder chemische Industrie oder als Wachstumsfaktor,
der für
die Herstellung weiterer Aminosäuren,
wie Lysin, verwendet wird, verwendet werden kann.
-
Hintergrund
-
Früher wurde
L-Leucin durch ein Fermentationsverfahren hergestellt, bei dem hauptsächlich Mikroorganismen
der Gattung Brevibacterium, Corynebacterium oder Serratia oder L-Leucin
herstellende Mutanten davon verwendet wurden (Amino acid fermentation,
JAPAN SCIENTIFIC SOCIETY'S
PRESS, S. 397–422,
1986).
-
Zum
Beispiel offenbart
US 3,970,519 Mikroorganismen
der Gattung Brevibacterium oder Corynebacterium, die resistent gegen
Rückkopplungshemmung
durch Leucin oder seine Analoga sind, und die mindestens eines von
Isoleucin, Threonin oder Methionin als Wachstumsnahrungsmittel benötigen und
die L-Leucin unter aeroben Kulturbedingungen produzieren.
-
Die
größte L-Leucin-Akkumulation
wurde erreicht, wenn Brevibacterium flavum VKPM B-2736 verwendet
wurde: Dieser Stamm produziert L-Leucin in einer Konzentration bis
zu 26 g/L auf einem Saccharose enthaltenden Medium bei 72 Std. Fermentation
in einem Laborfermentator(USSR Author Certificate 1394711). Brevibacterium
lactofermentum 34 produziert L-Leucin bis zu 34 g/L auf einem Glucosemedium
(Appl. Environ. Microbiol., 51, S. 1024 (1986)).
-
Wie
oben beschrieben, wurde die L-Leucin-Produktivität zu einem gewissen Teil verbessert, jedoch
wird die Entwicklung eines effizienteren und kosteneffektiveren
Verfahrens zur Herstellung von L-Leucin erforderlich, um die zunehmende
Nachfrage nach L-Leucin in der Zukunft zu befriedigen.
-
Andererseits
werden Mikroorganismen der Gattung Escherichia aufgrund ihrer raschen
Wachstumsrate, wichtigen Daten aus genetischen Analysen und der
im Überfluss
vorhandenen genetischen Materialien potenziell als potente L-Leucin
produzierende Bakterien verwendet. Jedoch gibt es wenige Berichte,
die die Herstellung von L-Leucin offenbaren, wobei Bakterien der
Gattung Escherichia verwendet werden.
-
Als
L-Leucin produzierende Bakterienstämme der Gattung Escherichia
sind ein Stamm, der gegen β-Thienylalanin
resistent ist, ein Stamm, der gegen β-Thienylalanin und β-Hydroxyleucin
resistent ist (japanische Patentveröffentlichung Nr. 62– 34397,
für beide)
und ein Stamm, der gegen 4-Azaleucin oder 5,5,5-Trifluorleucin resistent
ist (japanische der Offenlegungsschrift Nr. 8-70879), bekannt.
-
Jedoch
ist weder ein L-Leucin resistentes Bakterium der Gattung Escherichia
noch eine Beziehung zwischen der L-Leucin-Resistenz und der L-Leucin-Produktivität bekannt.
-
Jedoch
offenbart EP-A-0 698 668 ein Verfahren zur Herstellung von L-Leucin,
welches das Kultivieren eines Mikroorganismus der Gattung Escherichia,
der resistent gegen ein L-Leucin-Analogon
ist und L-Leucin produzieren kann, umfasst.
-
Offenbarung
der Erfindung
-
Die
vorliegende Erfindung wurde unter den zuvor erwähnten Gesichtspunkten gemacht,
wobei eine Aufgabe der Erfindung ist, die L-Leucin-Produktivität von Bakterien
der Gattung Escherichia zu verbessern und ein effizientes und kosteneffektives
Verfahren zur Herstellung von L-Leucin bereitzustellen.
-
Als
Ergebnis sorgfältiger
Untersuchungen zum Erreichen der zuvor erwähnten Aufgabe haben die Erfinder
herausgefunden, dass, die L-Leucin-Produktivität verbessert wird, wenn einem
Bakterium der Gattung Escherichia Resistenz gegen L-Leucin verliehen
wird, und haben die vorliegende Erfindung vervollständigt.
-
In
einem ersten Aspekt stellt die vorliegende Erfindung ein Verfahren
zur Selektion eines L-Leucin produzierenden Bakteriums der Gattung
Escherichia bereit, welches das Selektieren eines Stammes eines
Bakteriums der Gattung Escherichia, das L-Leucin produzieren kann,
und das Selektieren eines Stammes dieses Bakteriums umfasst, der
in einem Medium wachsen kann, das 15 g/L L-Leucin enthält.
-
In
einem zweiten Aspekt stellt die vorliegende Erfindung ein Bakterium
bereit, das durch ein Verfahren nach dem ersten Aspekt erhältlich ist.
-
In
einem dritten Aspekt stellt die vorliegende Erfindung Bakterien
mit den Hinterlegungsnummern VKPM-7386, VKPM-7387 und VKPM-7388
bereit.
-
In
einem vierten Aspekt stellt die vorliegende Erfindung ein Verfahren
zur Herstellung von L-Leucin bereit, welches die Stufe des Kultivierens
eines Bakteriums nach dem ersten Aspekt umfasst.
-
In
einem fünften
Aspekt stellt die vorliegende Erfindung ein Verfahren zur Herstellung
von L-Leucin bereit, welches folgende Stufen umfasst:
- a) Selektieren eines Bakteriums durch ein Verfahren, wie im
ersten Aspekt definiert,
- b) Kultivieren des Bakteriums, welches in Stufe a) erhalten
wurde, und
- c) Gewinnen des L-Leucins aus dem Medium.
-
Bevorzugte
erfindungsgemäße Ausführungsformen
sind in den abhängigen
Ansprüchen
definiert.
-
Die
vorliegende Erfindung wird nachfolgend genauer erklärt.
-
<1> Erfindungsgemäßes Bakterium
der Gattung Escherichia
-
Ein
erfindungsgemäßes Bakterium
ist ein Bakterium der Gattung Escherichia, das L-Leucin produzieren
kann und resistent gegen L-Leucin ist. Das Bakterium der Gattung
Escherichia kann beispielsweise durch Escherichia coli (E. coli)
dargestellt werden. Das Bakterium der Gattung Escherichia, das L-Leucin
produzieren kann, wird zum Beispiel durch Bakterien mit einer Resistenz
gegen L-Leucin-Analoga, wie β-2-Thienylalanin,
3-Hydroxyleucin,
4-Azaleucin und 5,5,5-Trifluorleucin, die in der japanischen Patentveröffentlichung
Nr. 62-34397 und der japanischen Patentoffenlegungsschrift Nr. 8-70879
beschrieben sind, und durch ein Bakterium beispielhaft dargestellt,
das mittels gentechnischen Verfahren gezüchtet werden kann, wie in WO
96/06926 beschrieben. Das erfindungsgemäße Bakterium der Gattung Escherichia
kann aus Bakterien der Gattung Escherichia, die L-Leucin produzieren
können,
durch Selektieren eines Stammes erhalten werden, der gegen L-Leucin
resistent ist. Alternativ kann das erfindungsgemäße Bakterium der Gattung Escherichia
ebenso aus Bakterien der Gattung Escherichia, die gegen L-Leucin
resistent sind, durch Selektieren eines Stammes erhalten werden,
der L-Leucin produzieren kann. Die am stärksten bevorzugte Ausführungsform ist
ein Bakterium der Gattung Escherichia, das außerdem gegen Leucin-Analoga
resistent ist.
-
In
einem Bakterium der Gattung Escherichia wird L-Leucin im Biosyntheseweg
hergestellt, der eigentümlich
für L-Leucin
ist, und der sich vom Biosyntheseweg des L-Valins im letzten Zwischenprodukt (2-Ketoisovalerat)
unterscheidet.
-
In
einem Bakterium der Gattung Escherichia werden die letzten Schritte
der Biosynthese des L-Valins und der Biosynthese, die eigentümlich für das L-Leucin
ist, durch eine Gruppe von Enzymen ausgeführt, die durch das ilvGMEDA-Operon
bzw. die durch das leuABCD-Operon codiert werden.
-
Das
leuABCD-Operon umfasst die leuA-, leuB-, leuC- und leuD-Gene. Davon codiert
leuA für die α-Isopropylmalat-Synthase,
leuB für
die β-Isopropylmalat-Dehydrogenase,
leuC und leuD für
die α-Isopropylmalat-Isomerase.
Von diesen Enzymen katalysiert die α-Isopropylmalat-Synthase die
synthetische Umsetzung des α-Ketoisovalerats
zu α-Isopropylmalat,
die α-Isopropylmalat-Isomerase
die Isomerisierungsreaktion des α-Isopropylmalats
zu β-Isopropylmalat
und die β-Isopropylmalat-Dehydrogenase die
Dehydrierungsreaktion des β-Isopropylmalats
zu α-Ketoisocapronsäure, die
das letzte Zwischenprodukt der L-Leucin-Biosynthese ist. Die Aminierungsreaktion
der α-Ketoisocapronsäure zum
Endprodukt, L-Leucin, wird hauptsächlich durch die Transaminase katalysiert.
Bakterien der Gattung Escherichia weisen vier Arten an Transaminsasen
auf, die Transaminase A (Aspartat-Glutamat-Aminotransferase), die durch das aspC-Gen
codiert wird, die Transaminase B (BCAA-Aminotransferase), die durch
das ilvE-Gen codiert
wird und die im ilvGMEDA-Operon enthalten ist, die Transaminase
C (Alanin-Valin-Aminotransferase), die durch das avtA-Gen codiert
ist, und die Transaminase D (Tyrosine-Aminotransferase), die durch das tyrB-Gen
codiert ist. Diese Enzyme sind an verschiedenen Aminierungsreaktionen
beteiligt. Von diesen Enzymen katalysieren die Transamainase B und
die Transaminase D die oben erwähnte
Aminierungsreaktion der α-Ketoisocapronsäure zu L-Leucin.
Die Transaminase C und die Transaminase D katalysieren den letzten
Schritt des Biosynthesewegs von L-Valin, der einen gewöhnlichen
Syntheseweg innerhalb der Biosynthese des L-Valins und des L-Leucins
beinhaltet.
-
Von
den oben erwähnten
Umsetzungen im Biosyntheseweg des L-Leucins ist die synthetische Umsetzung
des α-Ketoisovalerats
zu α-Isopropylmalat,
die durch die α-Isopropylmalatsynthase
katalysiert wird, die der Rückkopplungshemmung
durch L-Leucin unterliegt, der geschwindigkeitsbestimmende Schritt.
Ebenso wird die Expression des leuABCD-Operons durch L-Leucin gehemmt.
Die Expression des ilvBN-Gens, das für die Acetohydroxysäure-Synthase
I codiert, wird gemeinsam durch L-Valin und L-Leucin gehemmt, die
Expression des ilvGM-Gens, das für
die Acetohydroxysäure-Synthase
II codiert, wird gemeinsam durch L-Isoleucin, L-Valin und L-Leucin
gehemmt und die Expression des ilvIH-Gens, das für die Acetohydroxysäure-Synthase
III codiert, wird durch L-Leucin gehemmt.
-
Die α-Isopropylmalat-Synthase,
die ebenso wie das unterdrückte
leuABCD-Operon gehemmt ist, betrifft nur die Biosynthese des L-Leucins.
Daher verursacht die oben genannte Hemmung und Unterdrückung keine
Unterbrechung des Zufuhrweges für Nährstoffe,
sogar wenn ein Überschuss
an L-Leucin vorhanden ist. Obwohl die Expression des ilvIH-Gens gehemmt
ist, wird die Expression des ilvBN-Gens und des ilvGM-Gens, die
für die
anderen Isozyme codieren, nicht beeinflusst. Daher wird angenommen, dass
ein Überschuss
an L-Leucin das Zellwachstum nicht beeinflusst. Jedoch haben die
Erfinder unerwartet entdeckt, dass das Zellwachstum in Gegenwart
eines Überschusses an
L-Leucin gehemmt war. Außerdem
konnten die Erfinder die L-Leducin-Produktivität eines
Bakteriums der Gattung Escherichia durch Verleihen von L-Leucin-Resistenz
verbessern.
-
Das
Verfahren, bei dem Bakterien der Gattung Escherichia erhalten werden,
die gegen L-Leucin resistent sind, und Bakterien der Gattung Escherichia,
die gegen Leucin-Analoga resistent sind, wird nachfolgend erklärt.
-
Die
Bakterien der Gattung Escherichia, die gegen L-Leucin resistent
sind, können
durch Kultivieren von Bakterien der Gattung Escherichia in einem Minimalmedium,
das L-Leucin in einer Konzentration enthält, die eine Hemmung des Wachstums
verursacht, erhalten werden. Als Wachstumshemmung wird hier ein
langsames Wachstum oder eine Beendigung des Wachstums verstanden.
Die Selektion der Mutanten kann einmal oder mehrmals durchgeführt werden.
Die L-Leucin-Konzentration im Medium beträgt 15 g/L. Das Bakterium der
Gattung Escherichia kann vor der Selektion mutiert werden. Die Mutation kann
durch Bestrahlung mit ultravioletten Strahlen oder durch Behandlung
mit einem Mutagen, das gewöhnlich
zur künstlichen
Mutagenese verwendet wird, wie N-Methyl-N'-nitro-N-nitrosoguanidin (NTG) oder
Salpetrigesäure
und dergleichen, durchgeführt werden.
-
Das
Bakterium der Gattung Escherichia, das gegen L-Leucin resistent
ist und, wie oben erwähnt, erhalten
wird, kann in Gegenwart einer L-Leucin-Konzentration wachsen, bei
der der Ursprungsstamm nicht wachsen kann.
-
Wie
oben erwähnt,
ist das L-Leucin an mehreren Regulierungsstufen der L-Leucin-Biosynthese beteiligt.
Daher beeinflussen einzelne Mutationen, die die L-Leucin-Resistenz
verursachen, die L-Leucin-Produktivität, jedoch wird bevorzugt, dass
mehrere Regulierungen durch doppelte oder dreifache Mutationen ausgeschaltet
werden. Ein Bakterium der Gattung Escherichia mit einer einfachen
Mutation kann als Ausgangsquelle zur Aufzucht von L-Leucin produzierenden
Stämmen
verwendet werden, auch wenn seine L-Leucin-Produktivität gering
ist.
-
Die
Bakterien der Gattung Escherichia, die gegen Leucin-Analoga resistent
sind, können
durch Kultivieren von Bakterien der Gattung Escherichia in einem
Minimalmedium, das ein Leucin-Analogon in einer wachstumshemmenden
Konzentration enthält, und
Selektieren der wachsenden Stämme
erhalten werden. Das Leucin-Analogon wird beispielhaft durch 4-Azaleucin,
3-Hydroxyleucin, α-Thienylalanin und
5,5,5-Trifluorleucin und dergleichen, vorzugsweise durch 4-Azaleucin
und 3-Hydroxyleucin,
dargestellt.
-
Die
Selektion der Mutanten, die gegen Leucin-Analoga resistent sind,
kann mit einer Art von Leucin-Analogon, alternativ mit mehreren
Arten von Leucin-Analoga, durchgeführt werden. Die Selektion der
Mutanten kann einmal oder mehrfach für eine Art an Leucin-Analoga
durchgeführt
werden.
-
Die
Menge an Leucin-Analogon, das dem Medium zugegeben werden soll,
hängt von
der Art des Leucin-Analogons ab, ist aber im Fall von 4-Azaleucin
oder 3-Hydroxyleucin vorzugsweise mindestens 0,1 g/L. Die Bakterien
der Gattung Escherichia können
vor dem Selektieren in der selben Weise, wie oben beschrieben, einer
Mutation unterzogen werden.
-
Werden
Bakterien der Gattung Escherichia, die sowohl gegen L-Leucin-Analoga als
auch gegen L-Leucin resistent sind, selektiert, ist jede Reihenfolge
der Selektion für
jede der Resistenzen annehmbar und die Reihenfolge nicht beschränkt.
-
Wird
E. coli K-12 oder seine Derivate als Bakterium der Gattung Escherichia
verwendet, ist es bevorzugt, neben der Resistenz gegen L-Leucin- und/oder
L-Leucin-Analoga, Resistenz gegen L-Valin zu verleihen. Der K-12-Stamm
exprimiert kein aktives Isozym II der Acetohydroxysäure-Synthase,
da eine „Frameshift-Mutation" im ilvG-Gen, das
für eine
große
Untereinheit des Isozyms II, das eines der Acetohydroxysäure-Synthaseisozyme im
verzweigten Aminosäurebiosyntheseweg
ist, codiert, auftritt (Proc. Natl. Acad. Sci. USA 78, 922–925, 1981).
Das Isozym II unterliegt keiner Rückkopplungshemmung durch L-Valin,
jedoch die anderen Isozyme, Isozym I und Isozym III. Daher kann
der K-12-Stamm in Gegenwart eines Überschusses an L-Valin nicht
in einem Minimalmedium wachsen, da die Biosynthese von L-Isoleucin,
L-Valin and L-Leucin gehemmt ist. Folglich ist es bevorzugt, einen
Stamm mit einer reversen Mutation (engl.: „reverse mutation") des ilvG-Gens zu
verwenden, in dem der Leserahmen (engl.: „frame") so wiederhergestellt ist, wie es für die Wiedergewinnung
der Aktivität
der Acetohydroxysäure-Synthase
notwendig ist, um einen L-Leucin
produzierenden Stamm zu erhalten, der aus einem K-12-Stamm gewonnen wurde.
Solch ein Stamm mit einer reversen Mutation des ilvG-Gens wird Resistenz
gegen L-Valin aufweisen (Proc.Natl.Acad.Sci.USA 78,922–925, 1981).
Ein K-12-Stamm, der resistent gegen L-Valin ist, kann durch Kultivieren
des Stammes in einem Minimalmedium, das L-Valin enthält, und
Selektieren der wachsenden Kulturen in der selben Weise, wie für die L-Leucin-Resistenz
oder L-Leucin-Analogon-Resistenz, erhalten werden.
-
Wird
zur Aufzucht eines Bakteriums der Gattung Escherichia, das gegen
L-Leucin resistent ist, ein Bakterium der Gattung Escherichia verwendet, das
eine Acetohydroxysäure-Synthase
besitzt, die keine Rückkopplungshemmung
durch L-Valin aufweist, ist es jedoch nicht notwendig, einem Bakterium der
Gattung Escherichia Resistenz gegen L-Valin zu verleihen, im Gegensatz
zu dem oben beschriebenen K-12-Stamm.
-
Die
Aktivität
eines oder mehrerer Enzyme des L-Leucin-Biosynthesewegs kann in einem erfindungsgemäßen Bakterium
der Gattung Escherichia durch gewöhnliche Mutation oder gentechnische
Verfahren verbessert sein. Solch eine Verbesserung der Aktivität des Enzyms
kann durch Einbringen einer rekombinanten DNA, die durch Einbringen
eines DNA-Fragments mit dem gesamten ilvGMEDA-Operon oder einem
Teil davon und/oder leu-ABCD-Operons
in ein Plasmid, einen Phagen oder ein Transposon erhalten wurde,
in ein Bakterium der Gattung Escherichia erreicht werden.
-
Die
Analyse der Nukleotidsequenz des leuABCD-Operons wurde in Nucleic
Acid Res., 20, 3305–3308
(1992) beschrieben. Die gesamte Sequenz des leuABCD-Operons wurde
in der Datenbank registriert (DDBJ Hinterlegungsnummer D10483, Internet-Adresse
DDBJ: http://www.ddbj.nig.ac.jp). Ein DNA-Fragment mit dem leuABCD-Operon
kann durch Amplifizieren des DNA-Fragments mittels PCR erhalten
werden (Polymerase-Kettenreaktion, nach White,T.J. et al., Trends
Genet., 5,185 (1989)), wobei Oligonucleotide auf der Basis der oben
beschriebenen Sequenzen als Primer verwendet werden und chromosomale
DNA eines Bakteriums der Gattung Escherichia als Templat für die PCR
verwendet wird. Alternativ kann das leuABCD-Operon ebenso durch
Screening einer chromosomalen DNA-Bibliothek eines Bakteriums der
Gattung Escherichia mittels Hybridisierung unter Verwendung einer
Oligonucleotidsonde erhalten werden, die auf der Basis der oben
beschriebenen Sequenzen hergestellt wurde.
-
Diese
gesamte Nucleotidsequenz des ilvGMEDA-Operons und die Nucleotidsequenz
der Hinstrangregion des Operons sind in Nucleic Acid Res., 15, 2137-2155
(1987) bzw. Gene, 97, 21-27 (1991) beschrieben. Ein DNA-Fragment
mit dem ilvGMEDA-Operon kann durch PCR oder Hybridisierung unter
Verwendung von Oligonucleotidsonden oder Primern erhalten werden,
die auf der Basis der oben beschriebenen Sequenz hergestellt werden.
Wird Escherichia coli K-12 oder seine Derivate verwendet, um das
ilvGMEDA-Operon zu erhalten, ist es außerdem bevorzugt, einen Stamm
mit einer reversen Mutation des ilvG-Gens zu verwenden, in dem der
Leserahmen so wiederhergestellt ist, wie es für die Wiedergewinnung der Aktivität der Acetohydroxysäure-Synthase
notwendig ist. Die Verfahren, bei denen das ilvG-MEDA-Operon erhalten wird, und das Verfahren
zum Amplifizieren des Operons in einer Zelle eines Bakteriums der
Gattung Escherichia, sind vollständig
in WO 96/06926 bzw. FR 2627508 beschrieben.
-
<2> Verfahren
zur Herstellung von L-Leucin
-
L-Leucin
kann effizient durch Kultivieren des Bakteriums, das wie oben beschrieben
erhalten werden kann, in einem Kulturmedium, Herstellen und Akkumulieren
des L-Leucins in dem Medium und Gewinnen des L-Leucins aus dem Medium,
hergestellt werden.
-
In
dem erfindungsgemäßen Verfahren
kann das Kultivieren des Bakteriums der Gattung Escherichia, das
Gewinnen und das Reinigen des L-Leucins aus dem flüssigen Medium
in einer ähnlichen
Weise durchgeführt
werden, wie die herkömmlichen
Fermentationsverfahren, bei denen L-Leucin unter Verwendung eines
Bakteriums hergestellt wird, durchgeführt werden. Ein Medium, das
in der Kultur verwendet wird, kann entweder ein künstliches
oder ein natürliches
Medium sein, solange das Medium eine Kohlenstoffquelle, eine Stickstoffquelle,
Mineralien und, falls notwendig, eine geeignete Menge an Nährstoffen,
die das Bakterium zum Wachstum benötigt, enthält. Die Kohlenstoffquelle kann
ein oder mehrere verschieden Kohlenhydrate, wie Glucose und Saccharose,
und verschiedene organische Säuren
enthalten. Bezüglich
der Art der Aufnahme durch das verwendete Bakterium kann ein Alkohol,
der Ethanol und Glycerin umfasst, verwendet werden. Es ist möglich, Als
Stickstoffquelle verschiedene Ammoniumsalze, wie Ammoniak und Ammoniumsulfat,
andere Stickstoffverbindungen, wie Amine, eine natürliche Stickstoffquelle,
wie Pepton, Sojabohnenhydrolysat oder aufgeschlossene fermentative
Mikroben, zu verwenden. Als Mineralien können Kaliumphosphat, Magnesiumsulfat,
Natriumchlorid, Eisen(II)sulfat, Mangansulfat oder Calciumcarbonat
verwendet werden.
-
Das
Kultivieren wird vorzugsweise unter aeroben Bedingungen, wie einer
Schüttelkultur,
und einer Belüftungs-
und Rührkultur,
bei einer Temperatur von 20 bis 40°C, vorzugsweise 30 bis 38°C, durchgeführt. Der
pH-Wert der Kultur liegt gewöhn lich
zwischen 5 und 9, vorzugsweise 6,5 und 7,2. Der pH-Wert der Kultur
kann mit Ammoniak, Calciumcarbonat, verschiedenen Säuren, verschiedenen
Basen und Puffern eingestellt werden. Gewöhnlich führt eine Kultivierung über 1 bis
3 Tage zur Akkumulation des Ziel-L-Leucins in dem Flüssigmedium.
-
Nach
der Kultivierung werden unlösliche Substanzen,
wie Zellen, durch Zentrifugation und Membranfiltration von dem Flüssigmedium
abgetrennt und dann kann das Ziel-L-Leucin gesammelt und durch Innenaustausch,
Einengung und Fällung gereinigt
werden.
-
Ein
erfindungsgemäßes Bakterium
der Gattung Escherichia kann als L-Leucin produzierender Stamm oder
als Ausgangsquelle zur Aufzucht von L-Leucin produzierenden Stämmen verwendet
werden. Die vorliegende Erfindung ermöglicht es, unter Verwendung
eines Bakteriums der Gattung Escherichia effizienter L-Leucin herzustellen,
verglichen mit bisher bekannten Verfahren zur Herstellung von L-Leucin.
-
Beste Ausführungsform
der Erfindung
-
Die
vorliegende Erfindung wird unter Bezugnahme auf die folgenden Beispiele
genauer beschrieben.
-
Beispiel 1: Konstruktion
des L-Leucin-resistenten Stammes aus Escherichia coli.
-
<1> Selektion
des L-Leucin-resistenten Stamms
-
Die
Escherichia coli-Stämme
mit Resistenz gegen L-Leucin und Leucin-Analoga wurden durch schrittweises
Selektieren aus dem Standard-Labor-Wild-Typ-Stamm E. coli K-12 konstruiert,
wie nachfolgend beschrieben. Der Mutantenstamm mit jeder Resistenz
wurde durch Selektieren von spontanen Mutanten, die die Resistenz
besitzen, erhalten. Genauer wurde E. coli K-12 oder seine Mutantenstämme, die
selektiert werden sollen, auf eine Agar-Platte aufgetragen, die
L-Leucin oder (ein) L-Leucin-Analoga(on)
in verschiedenen Konzentrationen enthält, wie unten angezeigt. Dann
wurde der gewachsene Stamm selektiert.
-
Vor
der Selektion des Stammes mit L-Leucin- und L-Leucin-Analogon-Resistenz
wurde als erstes ein Mutantenstamm aus E. coli K-12 selektiert,
der gegen 5 g/L L-Valin resistent war, wobei der Stamm B-5(Valr) erhalten wurde. Aus dem Stamm B-5 wurde ein
Mutantenstamm, der gegen 1 g/L L-Leucin resistent war, selektiert
und als Nr. 325 (Valr, Leur)
benannt. Dann wurde ein Mutantenstamm, der gegen 0,1 g/L 4-Aza-D,L-Leucin
(im Folgenden als "4-Azaleucine" bezeichnet) aus
dem Stamm Nr. 325 selektiert und der Stamm Nr. 244 (Valr,
Leur, ALr) erhalten. Aus
dem Stamm Nr. 244 wurde ein Stamm, der gegen 2 g/L 4-Azaleucin resistent
war, selektiert und der Stamm Nr. 70 (Valr,
Leur, ALrr) erhalten.
Das Symbol "Valr", "Leur" oder "ALr" stellt den Stamm
dar, dem Resistenz gegen L-Valin, L-Leucin bzw. Azaleucin verliehen wurde.
Das Symbol ALrr stellt den Stamm dar, dem
zweimal Resistenz gegen Azaleucin verliehen wurde.
-
2. Die Beziehung
zwischen der L-Leucin-Resistenz und der L-Leucin-Herstellung
-
Um
die Beziehung zwischen der L-Leucin-Resistenz und der L-Leucin-Herstellung
zu untersuchen, wurde aus dem Stamm Nr. 70, der wie oben beschrieben
erhalten wurde, der spontane Mutantenstamm ausgewählt, der
gegen 15 g/L L-Leucin resistent war.
-
Sieben
zufällig
isolierte Kolonien des Stamms Nr. 70 und 10 zufällig ausgewählte Mutanten der L-Leucin-resistenten
Mutanten wurden von dem Stamm Nr. 70 erhalten und auf L-Leucin-Produktion untersucht.
Als Ergebnis zeigte sich, dass jeder der Leucin-resistenten Mutanten,
der aus dem Stamm Nr. 70 erhalten wurde, eine höhere Produktivität als der
Ausgangsstamm aufwies. Die Zunahme der Produktion betrug im Durchschnitt
60 %.
-
Beispiel 2: Aufzucht von
L-Leucin produzierenden Stämmen
aus Escherichia coli K-12
-
Die
L-Leucin produzierenden Stämme
wurden aus E. coli K-12 durch schrittweise Selektion von Stämmen konstruiert,
die gegen L-Valin, Azaleucin, Hydroxyleucin und L-Leucin resistent
waren, wie nachfolgend beschrieben. Genauer wurden E. coli-Stämme, die
selektiert werden sollten, auf einer Agar-Platte aufgetragen, die
L-Valin, ein Leucin-Analogon oder L-Leucin in verschiedenen Konzentrationen
enthält,
wie nachfolgend angezeigt. Dann wurde der gewachsene Stamm selektiert.
-
Aus
E. coli K-12 wurde ein Mutantenstamm selektiert, der gegen 5 g/L
L-Valin resistent war, und der Stamm Nr. 101 (Valr)
ausgewählt,
der kein L-Leucin produzierte. Aus dem Stamm Nr. 101 wurde ein Mutantenstamm,
der gegen 1,3 g/L Azaleucin resistent war, ausgewählt. Der
erhaltene Stamm, Nr. 51 (Valr, ALr), produzierte etwa 0,05 bis 0,1 g/L L-Leucin. Dann
wurde ein Stamm mit Resistenz gegen 2 g/L 3-Hydroxy-D,L-Leucin (im
Folgenden als Hydroxyleucin bezeichnet) aus dem Stamm Nr. 51 selektiert und
der Stamm Nr. 4 (Varr, ALr,
Hleur) erhalten. Das Symbol "Hleu" stellt den Stamm
dar, der gegen Hydroxyleucin resistent war. Der Stamm Nr. 4 produzierte
mehr Leucin (etwa 0.4 – 0.6
g/L).
-
Der
Stamm Nr. 4 wurde mit NTG behandelt und Mutanten mit Resistenz gegen
15 g/L Leucin wurden selektiert. Als Ergebnis wurden zwei Mutantenstämme, Nr.
57 und Nr. 103 (Valr, ALr,
Hleur, Leur) erhalten.
Die Leucinproduktion dieser Mutanten erreichte 1,5 bis 1,7 g/L.
-
Von
den obigen Stämmen
wurden die Stämme
Nr. 4 (Escherichia coli K-12,4), Nr. 57 (Escherichia coli K-12,57)
und Nr. 103 (Escherichia coli K-12,103) in der Russischen Nationalsammlung
Industrieller Mikroorganismen (Russian National Collection of Industrial
Microorganisms; Russia 113545 Moscow 1 Dorozhny proezd, 1) auf der
Grundlage des Budapester Vertrags mit den Hinterlegungsnummern VKPM-7387,
VKPM-7386 bzw. VKPM-7388 hinterlegt.
-
Beispiel 3: Die L-Leucin-Produktion
der Stämme
Nr. 57 und Nr. 103
-
Zellen
der Stämme
Nr. 57 und Nr. 103 wurden über
30 Stunden bei 37°C
auf M9 Agar-Platten kultiviert. Jeweils eine Platinöse voll
Kulturmaterial wurde in einen Schüttlerkolben (250 ml) mit 15
mL Fermentationsmedium, das Glucose (6 %), Ammoniumsulfat (1,5 %),
Kaliumhydrophosphat (0,15 %), Magnesiumsulfat (0,1 %), Thiamin (0.00001
%) und Calciumcarbonat (2 %) enthält, übertragen. Die Kultivierung
erfolgte über
48 Stunden bei 32°C
auf einem Rotationsschüttler
(250 rpm). Die L-Leucin-Produktion des Stammes Nr. 57 betrug 1,5
g/L, die des Stammes Nr. 103 1,7 g/L.