DE74437C - Sphärisch, chromatisch und astigmatisch corrigirtes Objectiv - Google Patents
Sphärisch, chromatisch und astigmatisch corrigirtes ObjectivInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
KLASSE 57: Photographie.
Seit einigen Jahren sind der' optischen Industrie . durch die Arbeiten des glastechnischen
Laboratoriums zu Jena neue Glassorten zur Verfügung gestellt, welche vermöge ihrer von
den früher allein zugänglichen Glasarten durchaus abweichenden optischen Eigenschaften Anregung
zur Verbesserung der optischen Instrumente, besonders der photographischen Objective,
gegeben haben.
Die Bedingung zur Beseitigung der astigmatischen Fehler schief einfallender Strahlenbüschel
erfordert ein Crownglas von höherer brechender Kraft, als das mit ihm verbundene
Flintglas. Glassorten, welche derartige Combinationen möglich machen, werden seit 1886
hergestellt, und es ist seit dieser Zeit von verschiedenen Seiten der Versuch gemacht worden,
das neue Glasmaterial zur Beseitigung der astigmatischen Fehler der Photographenobjective
anzuwenden. So entstand u. A. der »Anastigmat« von Hartnack, welcher im
Jahre 1887 von Dr. Miethe berechnet wurde.
Dieses Objectiv ist frei von Astigmatismus bei annähernder Ebenheit des Bildes; es hat jedoch,
ebenso wie alle ähnlichen von anderen Optikern nach dem gleichen Princip hergestellten Instrumente,
den Nachtheil, dafs die sphärische Abweichung nicht gehoben werden kann, das System daher für. die meisten Fälle der photographischen
Praxis zu lichtarm und insbesondere für Momentaufnahmen ungeeignet ist.
Der Grund für diese Thatsache liegt darin, dafs zur Compensation der sphärischen Abweichung
das Brechungsvermögen des Crownglases nothwendig kleiner sein mufs, als dasjenige
des mit ihm verbundenen Flintglases.
Der Construction eines sphärisch corrigirten, d. h. unbeschadet der Bildschärfe lichtstarken
Anastigmaten scheinen demnach zwei unvereinbare, sich widersprechende Bedingungen
hindernd in den Weg zu treten, und man hat in der That längere Zeit in den best informirten
wissenschaftlichen Kreisen die Möglichkeit einer Construction, welche die beiden genannten
Eigenschaften in sich vereinigt, in Abrede gestellt.
Erst dem Erfinder der neuerdings bekannt gewordenen »Zeifs' Anastigmate« (D. R. P.
Nr. 56109), Dr. P. Rudolph in Jena, gelang es, den Nachweis für die Ausführbarkeit
lichtstarker Anastigmate zu führen.
Auf wesentlich anderem Wege, als ihn Dr. Rudolph eingeschlagen, hat Erfinder
versucht, dem Ziele näher zu kommen. Es wurden umfangreiche rechnerische Arbeiten
unternommen, welche zunächst nur den Zweck verfolgten, unter Zugrundelegung einer neuen.
Objectivform die astigmatischen Fehler soweit zu reduciren, als dies überhaupt möglich
erschien; in der nach menschlischem Ermessen berechtigten Erwartung, dafs, wenn auch die
Möglichkeit einer vollständigen Beseitigung der astigmatischen Fehler wirklich ausgeschlossen
sein sollte, dennoch wesentliche Verbesserungen in der angedeuteten Richtung zu erhoffen wären.
Von den oben erwähnten, theoretisch feststehenden Thatsachen ausgehend, wonach zur
Compensation der sphärischen Aberration ein Crownglas von niedrigerem, zur Compensation
der astigmatischen Fehler dagegen ein Crownglas von höherem Brechungsvermögen,.als das
mit demselben zu combinirende Flintglas be-
sitzt, erforderlich ist, wurde an der Hand der strengen Berechnung untersucht, wie weit ein
Doppelobjectiv, dessen beide Hälften aus drei Linsen verkittet sind, den Forderungen der
Compensation beider Fehler, der sphärischen Abweichung und des Astigmatismus, gerecht
zu werden vermochte.
Die einzelnen Bestandtheile derartiger Systeme konnten mit Aussicht auf Erfolg so zusammengesetzt
gedacht werden, dafs dieselben entweder aus einem zwischen zwei positiven Crowngläsern α und a1, Fig. i, eingeschlossenen
negativen Flintglase b bestehen, derart, dafs das eine der beiden Crowngläser, etwa a,
höheren, das andere, also a1, niedrigeren
Brechungsindex hat, als das eingeschlossene Flintglas b, oder aber aus einem von zwei
negativen Flintgläsern b b\ Fig. 2, eingeschlossenen Crownglase a, wobei dem einen
der beiden Flintgläser, etwa b, höhere, dem anderen, also b\ niedrigere Brechung beizulegen
wäre, als dem eingeschlossenen positiven Crownglase a.
Es zeigte sich, dafs beide Arten der Zusammenstellung es ermöglichen, bei Compen-
Krümmungsradien:
sation der sphärischen und chromatischen Abweichung den Astigmatismus nicht nur zu
reduciren, sondern in theoretisch vollkommener Weise zu beseitigen.
Von den beiden ins Auge gefafsten Ausführungsarten führt die letztere — Crown
zwischen zwei Flint — auf ungünstige Formen der Einzellinsen und auf Glasarten, deren
praktische Verwendbarkeit durch nachtheilige Eigenschaften eingeschränkt ist, weshalb nur
die erstere Art —■ Flint zwischen zwei Crown — bei der weiteren Bearbeitung des Problems
und zur Feststellung der Constanten eines praktisch ausführbaren Objectivs beibehalten
wurde.
Als Beispiel ist in Fig. 3 beiliegender Zeichnung ein Objectiv der beschriebenen Art von
240 mm äquivalenter Brennweite und 36 mm freier Linsenöffnung in natürlicher Gröfse im
Achsenschnitt dargestellt.
Die gröfste wirksame ' Oeffnung beträgt 30 mm, entsprechend dem achten Theil der
Brennweite. Die zur Herstellung des Objectivs erforderlichen Constanten sind folgende:
' ■ '
Ro
R8 = 4 5,835
^7 = 54;324
R6 — 19,853
R, ^= 49,°88
R6 — 19,853
R, ^= 49,°88
| Glasdicken: | Glassorten: | nG. | |
| nD. | |||
| d, | = dü = 7>334 | I,62683 | |
| d2 | = d5 = 1,833 J | ^1 = L1. '. 1,61310 | 1,58182 |
| J3 | = di = 4j584 J | L2 = L, : ι ,56804 | 1,52663 |
| A | = 11,00 (Luftabstand) | ^3 = L^ : 1,51497 | |
Alle Mafse — Radien, Glasdicken, Abstände etc. — sind in Millimetern ausgedrückt. Die
Glassorten sind bestimmt durch die Brechungsexponenten für die Linie D (nD) des Sonnenspectrums
und für die Linie des Wasserstoffspectrums H8 (n^).
Als Vereinigungsweiten (F) in verschiedenen Zonen das Objectiv treffender, zur Achse
parallel gerichteter Strahlen findet man durch Rechnung:
FG' = 223,065
FD = 223,275
F G' = 221,400
FD = 221,360
FD = 223,275
F G' = 221,400
FD = 221,360
FG' = 223,495
F = 223,442
F = 223,442
für Centralstrahlen
für Mittelzone F: 12
für Randzone F : 8
/} = —0,210
Rechnet man einen unter 30° zur Achse geneigten Hauptstrahl durch das System und
bestimmt auf demselben den Ort des Bildpunktes der Sagittalstrahlen und denjenigen der
Meridionalstrahlen, so erhält man in der Distanz beider Punkte ein Mafs für den noch vorhandenen
Astigmatismus. Diese Distanz beträgt bei dem als Beispiel angeführten Objectiv ι ,2 mm bei Ebenheit des Bildes der Meridionalstrahlen;
dieser thatsächlich noch vorhandene Rest von Astigmatismus übt auf die Schärfe des Randbildes keinen gröfseren Einflufs aus,
als ihn die secundäre sphärische Abweichung in der Achse hervorbringt.
Das oben als Beispiel aufgeführte, streng berechnete Objectiv ist symmetrisch gebaut;
diese Zusammensetzung aus zwei völlig gleichartigen Hälften ist jedoch nicht als ein besonderes
Merkmal des vorliegenden Objectivtypus anzusehen; das allein charakteristische Kennzeichen der neuen Objectivart ist vielmehr
die Zusammensetzung der für sich sphärisch, chromatisch und astigmatisch corrigirten Einzelsysteme
aus je drei Linsen in der beschriebenen Abstufung in den Brechungsindices des angewendeten Glasmaterials; man könnte vielmehr
dem einen System des , Objectes eine andere äufsere Form wie dem anderen geben oder gar in demselben Objectiv das eine System
nach Fig. 1, das andere System nach Fig. 2
einrichten. Derartige Abänderungen in der äufseren Form der einzelnen Linsen kann
ohne Schwierigkeit jeder rechnende Optiker vornehmen; sie sind übrigens, vom praktischen
Standpunkt aus betrachtet, als zwecklos zu bezeichnen, da die einfachere symmetrische
Anordnung allen hier in Betracht kommenden Bedingungen in ausreichendem Mafse genügt.
Da ferner jedes der beiden Einzelsysteme für sich ein selbstständiges, astigmatisch, sphärisch
und chromatisch corrigirtes Objectiv darstellt, so kann man dieselben auch für
sich allein als einfaches photographisches Objectiv verwenden.
Claims (2)
- Patent-Ansprüche:i. Ein photographisches Doppelobjectiv, dessen beide Einzelsysteme für sich sphärisch, chromatisch und astigmatisch corrigirt und zu diesem Zweck aus je drei verkitteten Linsen bestehen, deren eine Kittfläche convergirend, d. h. lichtsammelnd (zur Compensation der astigmatisch en Abweichung), deren andere Kittfläche aber divergirend, d. h. lichtzerstreuend wirkt (zur Compensation der sphärischen Abweichung), und wobei die Systeme zusammengesetzt sind:a) entweder aus einer negativen Linse, welche von zwei positiven Linsen eingeschlossen ist, von denen die eine höhere, die andere niedrigere brechende Kraft besitzt, als die eingeschlossene negative Linse;b) oder aus einer positiven Linse, welche von zwei negativen Linsen eingeschlossen ist, von denen die eine höhere, die andere niedrigere brechende Kraft besitzt, als die eingeschlossene positive Linse.
- 2. Die Anwendung eines Einzelsystems der in Anspruch ι. angegebenen Art für sich als selbstständiges photographisches Objectiv.Hierzu ι Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE74437C true DE74437C (de) |
Family
ID=347486
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DENDAT74437D Expired - Lifetime DE74437C (de) | Sphärisch, chromatisch und astigmatisch corrigirtes Objectiv |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE74437C (de) |
-
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- DE DENDAT74437D patent/DE74437C/de not_active Expired - Lifetime
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