DE76392C - Voltameter mit einer zum Auffangen des Gases dienenden drehbaren Röhre - Google Patents
Voltameter mit einer zum Auffangen des Gases dienenden drehbaren RöhreInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
Den Gegenstand vorliegender Erfindung bildet ein Voltameter, bei welchem die zum
Auffangen des Gases dienende graduirte Röhre oder Bürette in zwei Theile, einen unteren,
die Elektroden umgebenden und einen oberen, das Gas sammelnden,, zerlegt ist, so dafs durch
Verschiebung oder Verdrehung des einen Theiles gegen den anderen das Auffangen des Gases
zu einer bestimmten Zeit, begonnen und nach
Verlauf der gewünschten Betriebszeit unterbrochen werden kann, ohne das Voltameter aus
dem Stromkreis ausschalten zu müssen.
Aufserdem ist das Voltameter noch mit einer Vorrichtung verbunden, welche ermöglicht,
dasselbe in bequmer Weise zu füllen und den Spiegel der äufseren Flüssigkeit bis zum Spiegel
der Flüssigkeit in der Bürette zu senken, wie dies zum genauen Ablesen der aufgefangenen
Gasmenge erforderlich ist.
Auf der beiliegenden Zeichnung ist eine Ausführungsform dieses Voltameters dargestellt,
bei welcher der untere, von der eigentlichen Bürette abgetrennte Theil aus zwei Kappen
oder Hauben besteht, welche über je eine der Elektroden gestülpt sind.
Fig. ι zeigt einen senkrechten Durchschnitt,
Fig. 2 einen Querschnitt nach der Linie a-b der Fig. 1,
Fig. 3 einen Querschnitt nach der Linie c-d der Fig. 1 und
Fig. 4 eine Oberansicht; der das Voltameter oben abschliefsende Deckel ist abgenommen
gedacht.
Das äufsere Glasgefäfs 1,2,3, ^as die Bürette
und die Elektroden umschliefst, besteht aus einem unteren weiteren Cylinder 1 und einem
sich daran schliefsenden engeren oberen Cylinder 2, dessen oberes Ende 3 sich becherartig
erweitert und mit einem nicht luftdicht schliefsenden Deckel abgedeckt ist. Unten ist
das. Gefä'fs durch einen abnehmbaren Boden 4 abgeschlossen, der eine aus Glas, Guttapercha
oder anderem Material bestehende Schüssel bildet, gegen die der untere Rand des Cylinders
ι mittelst eines leicht entfernbaren Kittes, z. B. Wachs, abgedichtet ist. Der Cylinder 1
umschliefst einen aus Glas, Guttapercha oder dergleichen'angefertigten Behälter 5, von dessen
Decke ein Gasrohr 6 nach aufsen durch den Cylinder ι hindurchführt, das durch einen Gummischlauch
7 mit zwei als Blasebälge dienenden Gummibirnen 8 in Verbindung steht. Oberhalb der Birnen zweigt von dem Schlauch ein
Stutzen 9 ab, dessen freies Ende mittelst eines Quetschhahnes 10 verschlossen werden kann.
Dicht über dem Boden hat der Behälter 5 ein seitliches Loch λ1, von dem ein Rohr 12
nach oben bis über die Decke des Behälters 5 führt.
Der Behälter 5 ist mit verdünnter Schwefelsäure gefüllt. Durch Drücken auf die untere
Gummibirne wird in den Behälter 5 Luft eingeprefst und dadurch die in ihm enthaltene
Flüssigkeit durch das Rohr 12 in das Gefäfs 1, 2 getrieben. Oeffnet man-dagegen den Quetschhahn
10 des Stutzens 9, so strömt die Luft aus dem Behälter 5 ab und die Flüssigkeit tritt
in den Behälter zurück.
Neben der einen (in Fig. 1 und 2 rechten) Seite des Behälters 5 münden von aufsen durch
Stutzen 13 des Cylinders ι die Zuleitungsdrähte 14 ein, deren jeder in eine ringförmige
Platinelektrode 15 endet. Ueber jede dieser
Elektroden ist eine cylindrische Haube 16 gestülpt, die sich auf den zugehörigen Draht 14
stützt, seitlich an den Wandungen des Behälters 5 und des Cylinders 1 anliegt und oben
in einen Schnabel 17 ausläuft, der eine etwa 4 mm grofse Oeffnung 18 hat; um beide Gefäfse
sind ein oder zwei Gummibänder 19 geschlungen, welche die Gefäfse zusammenhalten und gegen
Verschiebung sichern.
Oberhalb des Behälters 5 ist die Bürette 20 in das Gefäfs 1, 2, 3 so 'eingesetzt, dafs sie um
ihre Achse gedreht werden kann. Sie ist mit einem Cylinder 21 umgeben, der oben offen,
unten aber gegen die Bürette abgedichtet ist. Der Cylinder 21 enthält dieselbe Flüssigkeit wie
der Behälter 5. In diese Flüssigkeit taucht ein Thermometer 22, das mittels eines Drahtes am
oberen Rande des Cylinders 21 hängt. Das Thermometer kann auch in der Bürette selbst
untergebracht sein. Der Cylinder 21 läuft oben in einen als Handhabe dienenden Glaslappen
23 aus, mittels dessen man den Cylinder nebst der Bürette bequem drehen, herausheben
und einsetzen kann. Aufsen trägt der Cylinder 21 sowohl oben als unten je. einen
Gummiring 24 bezw. 25, die zum Centriren der Bürette dienen. Der obere Ring 25 kann
sich auf den Cylinder 2 stützen und so als Träger der Bürette dienen; in diesem Falle
mufs der Ring aber am äufseren Rande Ausschnitte haben, um der Luft Durchgang zu
gewähren. Die Bürette kann aber auch mit ihrem unteren Ende auf dem dann oben gewölbten
Behälter 5 aufruhen. Das untere, offene Ende der Bürette ist seitwärts abgebogen
und so erweitert (Fig. 2), dafs es in der in Fig. ι und 2 punktirt gezeichneten Lage sich
über den Oeffnungen 18 der beiden die Elektroden 15 umgebenden Hauben 16 befindet
und das aus diesen aufsteigende Gas auffängt. Man kann die Bürette auch so einstellen, dafs
deren unteres Ende nur über der Oeffnung 18 der einen oder anderen Haube 16 steht, wenn
man nur Sauerstoff oder nur Wasserstoff auffangen will. In dem zwischen den Cylindern 21
und 2 befindlichen ringförmigen Raum kann man einen Dichtigkeitsmesser 26 unterbringen.
Das vorbeschriebene Voltameter wird wie folgt in Betrieb gesetzt:
Man giebt der Bürette die in Fig. 1 in vollen Linien angegebene Lage und öffnet den oben
an der Bürette angebrachten Hahn 27. Dann drückt man auf die untere Gummibirne 8 und
treibt die Flüssigkeit des Behälters 5 in das Gefäfs i, 2, 3, bis dieses und die Bürette bis
zum Nullstrich der Bürette gefüllt sind. Hierauf schliefst man den Hahn der Bürette und sendet
den elektrischen Strom durch die Elektroden.
Sobald der Strom constant ist, dreht man die Bürette so, dafs ihr unteres Ende das aus der
einen oder aus beiden Elektrodenhauben 16 aufsteigende Gas auffängt. Nach Verlauf einer
bestimmten Zeit dreht man die Bürette wieder in die Anfangslage, ohne den Strom zu unterbrechen.
Man öffnet jetzt den Quetschhahn 10 so lange, bis der Spiegel der zwischen ■ den
Cylindern 21 und 2 befindlichen äufseren, ringförmigen Wassersäule mit dem Spiegel der
Flüssigkeit in der Bürette gleich hoch steht, also der Druck des Gases in der Bürette gleich
dem äufseren Luftdrück ist. Dann schliefst man den Quetschhahn. Ist der äufsere Spiegel
zu tief gesenkt, so hebt man die Wassersäule durch Benutzung der Gummibirnen bis zur
erforderlichen Höhe. Nun liest man die Temperatur und den Barometerstand ab und
berechnet auf Grund einer Tabelle, die zweckmäfsig aufsen in den unteren Theil des Gefäfses
i, 2, 3 eingeätzt wird, die Stromstärke.
Das Volumen des aufgefangenen Gases wird in. Kubikcentimetern abgelesen, die Zeit in
Secunden ausgedrückt und aus der Tabelle diejenige Zahl genommen, die dem Thermometergrad
und dem nicht reducirten Barometerstand entspricht.
Man dividirt dann das Volumen durch das Product aus der Zeit und der Zahl der Tabelle,
der Quotient giebt die mittlere Stromstärke an. Will man die Elektricitätsmenge wissen, so
dividirt man das Volumen durch die Zahl aus der Tabelle.
Es empfiehlt sich, zwischen der Bürette und dem diese umgebenden Cylinder 21 einen
Glasstab 28, Fig. 1, 3 und 4, unterzubringen, dessen unteres Ende seitlich abgebogen und
gekrümmt ist, um mittels dieses Stabes das Flüssigkeitsbad der Bürette vor jeder Messung
umrühren zu können, so dafs es eine gleichmäfsige Temperatur und Dichte hat.
Infolge der beschriebenen Einrichtung gewährt das Voltameter noch die weiteren, nachstehend
genannten Vortheile:
Das entwickelte Gas kann die Flüssigkeit nie von den Elektroden forttreiben, denn sollte
die Bürette versehentlich ganz mit Gas gefüllt sein, so tritt das ferner zugeführte Gas um
den unteren Rand der Bürette nach aufsen in das Gefäfs 1, 2, 3 und steigt in diesem nach
oben.
Die Bürette kann zu jeder Zeit herausgenommen werden, auch wenn der Strom nicht
unterbrochen ist, so dafs man die Bürette bequem reinigen oder durch eine andere, gröfsere
oder kleinere ersetzen kann.
Das in der Bürette gesammelte Gas kann
nach Oeffnen des Bürettenhahnes durch einen auf dessen Auslafsende aufgeschobenen Schlauch
nach einem entfernt stehenden Behälter gedrückt und dort aufgespeichert werden.
Das Voltameter lä'fst sich auch zu gewöhnlichen Volumenmessungen benutzen.
Claims (1)
- Patent-Anspruch:Ein Voltameter, bei welchem die zum Auffangen des Gases dienende graduirte Röhre oder Bürette in das die Elektroden enthaltende Gefäfs drehbar und herausnehmbar eingesetzt und unten derart seitlich abgebogen ist, dafs durch Drehen der Bürette deren untere Oeffhung über eine oder mehrere Gasauslafsöffnungen der die Elektroden umgebenden Hauben gebracht oder von diesen Gasauslafsöffnungen entfernt werden kann.Hierzu ι Blatt Zeichnungen.
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE76392T | 1893-11-11 |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE76392C true DE76392C (de) | 1894-07-24 |
Family
ID=33426449
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE189376392D Expired DE76392C (de) | 1893-11-11 | 1893-11-11 | Voltameter mit einer zum Auffangen des Gases dienenden drehbaren Röhre |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE76392C (de) |
-
1893
- 1893-11-11 DE DE189376392D patent/DE76392C/de not_active Expired
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