DE821947C - Verfahren zur Aufbereitung staedtischer Abfallstoffe zu Duenge- und Bodenverbesserungsmitteln - Google Patents
Verfahren zur Aufbereitung staedtischer Abfallstoffe zu Duenge- und BodenverbesserungsmittelnInfo
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- DE821947C DE821947C DEP36135A DEP0036135A DE821947C DE 821947 C DE821947 C DE 821947C DE P36135 A DEP36135 A DE P36135A DE P0036135 A DEP0036135 A DE P0036135A DE 821947 C DE821947 C DE 821947C
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Description
- Verfahren zur Aufbereitung städtischer Abfallstoffe zu Dünge- und Bodenverbesserungsmitteln Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Aufbereitung städtischer Abfallstoffe, insbesondere von Müll und Klärschlamm, zu Dünge- und Bodenverbesserungsmitteln, wobei die zu verarbeitende Masse durch Einwirkung von Luft bei gleichzeitiger Wärmeentwicklung einem Gärungs- und Trocknungsprozeß unterworfen wird.
- Bei bekannten derartigen Verfahren geht man in der Regel von einem vorwiegend aus Hausmüll bestehenden Gemisch aus, das vor der Aufbereitung durchAussortieren der metallischen Beimengungen, Scherben, Flaschen, Lumpen, Schlacken usw. von allen gröberen Bestandteilen befreit ist, so dafs nur eine feinkörnige Masse zur Verarbeitung kommt. Derart feinkörnige Massen ermöglichen der umgebenden Luft einen einigermaßen unbeschränkten Zutritt nur innerhalb einer begrenzten, nicht weit unter die Oberfläche reichenden Schicht. Dadurch wird die zur Bereitung von brauchbarem Humus unerläßliche aerobe Zersetzung auf eben diese Schicht beschränkt.
- Um auch die tiefer liegenden Schichten einwandfrei aufzubereiten, war man bei Anwendung der bisher bekanntgewordenen Verfahren gezwungen, Frischluft künstlich in das Innere des aufzubereitenden, geschichteten Gutes einzuleiten, und zwar durch Anwendung von Druck- oder Absauganlagen oder mindestens durch mehrfaches Umsetzen oder Umpflügen der Schichten. Dieser die einwandfreie Aufbereitung in unerwünschter Weise verzögernde, . komplizierende und verteuernde Aufwand war erst recht bei denjenigen früher ausgeübten Verfahren notwendig, bei deren Durchführung man zwar auch gröbere Müllbestandteile in der aufzubereitenden iNlasse beließ, wobei man aber vor der Einleitung des Gärprozesses den Müll mit nassem Klärschlamm mischte. Die Beimischung von nassem Klärschlamm wird in verschiedenen Vorveröffentlichungen ausdrücklich empfohlen, mit der Begründung, der Klärschlamm rege die Gärung des mit ihm versetzten Mülls an. Tatsächlich ist aber genau das Gegenteil der Fall: Mit Klärschlamm versetzter Müll bildet eine kompakte, stark mit Feuchtigkeit durchsetzte, zur Verkleisterung und Verkrustung neigende Masse, die dem Durchtritt von Luft den größten Widerstand entgegensetzt und die daher zur Durchführung der angestrebten aeroben Gärung so ungeeignet wie möglich ist.
- Gemäß der Erfindung wird- demgegenüber eine einwandfreie, ohne künstliche Belüftung funktionierende, tiefwirkende Gärung des aufgeschichteten Gutes ermöglicht, indem man den zu verarbeitenden Rohmüll auf dem Reifefeld ohne vorherige Aussortierung von Hohlkörpern oder Hohlräume enthaltenden Körpern, wie Flaschen, Büchsen, Lumpen usw., in an sich bekannter Weise derart aufschichtet, daß die Schicht von einer großen Anzahl von Hohlräumen durchsetzt ist bzw. daß mit der freien Atmosphäre in Verbindung stehende Luftkanäle z. B. mittels eines Erdbohrers o. dgl. nachträglich nach dem Aufschichten der zu verarbeitenden Massen angebracht werden und daß dann der durch Frischluftzutritt eingeleitete Gärungsprozeß nach Erreichen einer bestimmten, im Mittel vorzugsweise zwischen 40 und 6o° liegenden Gärtemperatur durch völligen oder teilweisen Abschluß der ins Freie führenden Mündungen der die aufzubereitende Masse durchsetzenden Hohlräume gedrosselt wird.
- Durch diese Maßnahme wird eine derartige Steuerung des Gärvorganges erreicht, daß die Gärung in allen Schichten des Müllhaufens gleichzeitig stattfindet und daß die dabei auftretenden Temperaturen ein bestimmtes Maß nicht überschreiten.
- Bei der Durchführung des Verfahrens können demRohmüllzweckmäßigerweise hohlraumbildende Körper, wie Büchsen o. dgl., über das bei der Alllieferung anfallende Maß beigegeben werden.
- Die Drosselung kann beispielsweise dadurch bewirkt werden, daß man die Hohlraummündungen der vorgegorenen Rohmüllschicht mehr oder weniger stark mit feinkörnigen, die Luft schwer durchlassenden Abfallstoffen abdeckt.
- Wenn mit Rohmüll zusammen etwa auch Klärschlamm aufbereitet werden soll, so wird dieser gemäß der Erfindung nicht von Anfang an, sondern erst nach Abschluß der ersten Verfahrensstufe, also nach erfolgter Vorgärung des Rohmülls, beigegeben, und zwar vorzugsweise in Form einer die Hohlräume der vorgegorenen Rohmüllschicht ganz oder teilweise abschließenden Deckschicht.
- Sinkt infolge zu starken Abdeckens der Rohmüllschicht die einmal erreichte Temperatur im inneren der Schicht zu stark ab, so daß eine Unterbrechung der Gärung zu befürchten ist, so kann man dem durch teilweise Unterbrechung der aufgetragenen Abdeckung leicht entgegenwirken.
- Es sind zwei Verfahren bereits bekanntgeworden, bei deren Durchführung eine Aussortierung im Müll enthaltener Flaschen oder Büchsen ebenfalls erst nach Durchführung des Gärungsprozesses erfolgt. Gemäß einem der beiden Verfahren soll durch die Belassung dieser Gegenstände im gärenden Müll eine Sterilisierung durch die beim Gärungsprozeß sich entwickelnde Wärme erreicht werden. Der Erfinder des Verfahrens hat aber nicht erkannt, daß durch die Beimengung von Büchsen, Flaschen oder ähnlichen Körpern zum Rohmüll eine selbsttätige Belüftung ermöglicht wird, und er hat sogar ausdrücklich eine künstliche Belüftung mit Hilfe von Druck- und Sauganlagen verlangt. Seinem Verfahren konnte daher die einen Teil der Erfindung bildende Lehre, die darin besteht, daß man die durch solche Beimengungen gebildeten Hohlräume zur selbsttätigen Belüftung benutzt, nicht entnommen werden. Bei dem anderen der beiden Verfahren werden zwar die durch die groben --\lüllbeimenguligeli gebildeten Hohlräume zur selbsttätigen Beliiftung des Rohmülls benutzt, dort fehlt aber die gemäß der vorliegenden Erfindung vorzunehmende Regulierung der Gärtemperatur durch Abdecken der in Gärung befindlichen Schichten, und es treten daher im Laufe der Gärung "Temperaturen auf, die der Bildung von wertvollem Humus schädlich sind und zur Verbrennung wertvoller Bestandteile des aufzubereitenden Mülls führen.
- Nach abgeschlossenem Reifeprozeß kann die ausgereifte Masse einer Schlußaufbereitung zugeführt werden, die durch Aussuchen bzw. mechanisches Zerkleinern während des Gärprozesses nicht von selbst zerfallender grober Müllbestandteile, gegebenenfalls unter Beigabe von Anreicherungsstoffen, erfolgt.
- Im Betriebe des Erfinders wird das Verfahren folgendermaßen durchgeführt: Städtischer Frischmüll wird, wie er ankommt, ohne vorheriges Aussortieren von Konservenbüchsen, Flaschen, Lumpen o. dgl. i,o bis 1,5 m hoch locker aufgeschichtet. Soweit organische Massen, z. B. Gemüseabfälle, in größeren Mengen unvermischt niit hohlraumbildenden Beimengungen anfallen, werden die betreffenden Parteien zusätzlich finit Konservenbüchsen o. dgl. vermischt oder durch Hacken, Aufreißen, Einbohren oder Einstoßen voll Luftkanälen aufgelockert. Den so geschichteten Müllhaufen läßt man ohne jede weitere Behandlung liegen, bis die Temperatur im Schichtinnern etwa im Mittel 5o" erreicht hat. Dann wird die Oberfläche des Müllhaufens durch Aufspritzen einer Klärschlammschicht von etwa 4 bis 8 cln Stärke abgedeckt. Dabei wird, falls der Schlamm sehr naß ist, die Temperatur vorübergehend absinken, jedoch nach Verdunstung des eingesickerten Wassers bald wieder auf etwa 4o bis 5o- ansteigen, und zwar selbstverständlich bei kaltem und regnerischem Wetter etwas langsamer als bei warmer und trockener Witterung. Bleibt die Temperatur ohne erkennbaren äußeren \Vitterungseinfluß längere Zeit unter 40c, so kann man die Gärung durch Einstoßen von Löchern in die Schlammschicht wieder intensivieren. Die erreichten Temperaturen sollen jedoch etwa 6o° auf keinen Fall übersteigen und können durch Schließen der Löcher jederzeit wieder gesenkt «erden. Der Müll verrottet bei der Durchführung dieses Verfahrens vollkommen gleichmäßig, und die wertvollen Bestandteile bleiben voll erhalten.
- Eine von neutraler Stelle vorgenommene Analyse ergab, daß (las Endprodukt neben anderen Bestandteilen im Mittel ii,4°/o Humus enthält. llumus ist bekanntlich nicht nur eine Zersetzungsstufe, sondern gleichzeitig auch eine Aufbaustufe organischer Bodenstoffe. Seine Bildung konnte bei (gen bis jetzt bekannten Müllaufbereitungsverfahren noch nicht beobachtet werden. Durch das erfindungsgemäße Verfahren ist daher ein Weg aufgezeigt worden, der erstmals nicht nur die Wiederverwendung von im Müll enthaltenen wertvollen Rohstoffen gestattet, sondern darüber hinaus etwas zu schaffen gestattet, das mehr als bloßer Dünger ist.
Claims (5)
- PATENTANSPRÜCHE: i. Verfahren zur Aufbereitung von städtischen Abfallstoffen. insbesondere von Müll und Klärschlamm, zu Dünge- und Bodenverbesserungsmitteln, wobei die zu verarbeitende Masse durch Einwirkung von Luft bei gleichzeitiger Wärmeentwicklung einem Gärungs- und Trocknungsprozeß unterworfen wird, dadurch gekennzeichnet, daß der anfallende Rohmüll auf (lern Reifefeld ohne vorherige Aussortierung von Hohlkörpern oder Hohlräume enthaltenden Körpern, wie Flaschen, Büchsen, Lumpen usw., in an sich bekannter Weise so aufgeschichtet wird, daß die Schicht von einer großen Anzahl von Hohlräumen durchsetzt wird bzw. daß mit der freien Atmosphäre in Verbindung stehende Luftkanäle, z. B. mittels eines Erdbohrers o. dgl., nachträglich nach dem Aufschichten der zu verarbeitenden Massen angebracht werden, und daß der dann durch Luftzutritt eingeleitete Gärungsprozeß nach Erreichen einer bestimmten, im Mittel vorzugsweise zwischen 4o und 6o° liegenden Gärtemperatur durch völligen oder teilweisen Abschluß der ins Freie führenden Mündungen der die aufzubereitenden Massen durchsetzenden Hohlräume gedrosselt wird.
- 2. Verfahren nach Anspruch i, dadurch gekennzeichnet, daß dem Rohmüll hohlraumbildende Körper, wie Büchsen o. dgl., über das bei der Anlieferung anfallende Maß beigegeben werden.
- 3. Verfahren nach den Ansprüchen i und 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Abschluß der Hohlraummündungen durch Abdecken mit feinkörnigen Abfallstoffen erreicht wird.
- 4. Verfahren nach den Ansprüchen i bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß etwa mit zu verarbeitender Klärschlamm erst in der zweiten Verfahrensstufe beigegeben wird, und zwar vorzugsweise in Form einer die Hohlräume der vorgegorenen Rohmüllschicht ganz oder teilweise abschließenden Deckschicht.
- 5. Verfahren nach den Ansprüchen i bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß etwa nach Abschluß des Gärprozesses noch vorhandene grobe Müllbestandteile ausgesucht bzw. mechanisch zerkleinert und gegebenenfalls unter Beigabe von .Bereicherungsstoffen der aufbereiteten Masse wieder beigemischt werden.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DEP36135A DE821947C (de) | 1949-03-08 | 1949-03-08 | Verfahren zur Aufbereitung staedtischer Abfallstoffe zu Duenge- und Bodenverbesserungsmitteln |
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DEP36135A DE821947C (de) | 1949-03-08 | 1949-03-08 | Verfahren zur Aufbereitung staedtischer Abfallstoffe zu Duenge- und Bodenverbesserungsmitteln |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE821947C true DE821947C (de) | 1951-11-22 |
Family
ID=7374585
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DEP36135A Expired DE821947C (de) | 1949-03-08 | 1949-03-08 | Verfahren zur Aufbereitung staedtischer Abfallstoffe zu Duenge- und Bodenverbesserungsmitteln |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE821947C (de) |
Cited By (8)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE1013300B (de) * | 1954-11-08 | 1957-08-08 | Friedrich Koester Sen | Verfahren und Vorrichtung zur Kompostbereitung in landwirtschaftlichen oder Gartenbaubetrieben aus organischen, pflanzlichen Abfallstoffen |
| DE1024532B (de) * | 1954-10-02 | 1958-02-20 | Jacob Petrus Beelaerts Van Jhr | Verfahren zur Herstellung von Kompost aus Hausmuell |
| DE1094275B (de) * | 1958-10-25 | 1960-12-08 | Voith Gmbh J M | Anlage zur kontinuierlichen Kompostierung von Stadtmuell |
| DE1255678B (de) * | 1963-11-22 | 1967-12-07 | Maschb Ruckstuhl & Co | Verfahren zur Umwandlung von Muell in Kompost-Duengemittel unter Beimischung von Klaerschlamm |
| DE1300957B (de) * | 1962-02-16 | 1969-08-14 | Emmet Geb Prinzessin V Schoenb | Verfahren und Vorrichtung zur Herstellung von Kompost aus organischen Abfallprodukten |
| FR2035962A1 (en) * | 1969-03-28 | 1970-12-24 | Kloeckner Humboldt Deutz Ag | Domestic effluent purifyer |
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| EP0041933A1 (de) * | 1980-06-06 | 1981-12-16 | Armerad Betong Vägförbättringar Ab | Verfahren zum in Kontakt Bringen von Gasen mit einer kompostierbaren Materie oder einer halbkompostierten Materie, und eine Vorrichtung zum Durchführen dieses Verfahrens |
-
1949
- 1949-03-08 DE DEP36135A patent/DE821947C/de not_active Expired
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