-
Verfahren zur Herstellung von Konturen, Beschriftungen od. dgl. auf
Glasflächen Zusatz zum Patent 801 164 Durch das Patent 8o1 164 ist ein Verfahren
zur Herstellung von aufgerauhten Konturen, Beschriftungen od. dgl. auf Glasflächen
durch Mattierung unter Anwendung von Pasten, Ätzen mit Hilfe von Säuren oder Aufrauhen
mittels Sandstrahlgebläsen od. dgl., der gegenüber einer Schutzschicht frei liegenden
Flächen, geschützt, bei dem die zu bearbeitende Fläche mit einer gegenüber dem jeweils
angewandten Ätz- oder Mattierungsverfahren widerstandsfähigen, schnittfähigen und
elastischen Schutzschicht versehen wird, die erforderlichen Stellen mittels Spateln
geeigneter Form freigelegt und dann mattiert bzw. geätzt werden, worauf die Schutzschicht
entfernt wird. Durch das Patent 8o1164 wurde ein Mattierungsverfahren geschaffen,
bei dem die mattierten Flächen sich durch eine besondere Schärfe und Sauberkeit
auszeichnen und Muster und Schriften von einer bisher unerreichten Feinheit hergestellt
werden. Darüber hinaus besitzt das Verfahren nach dem Hauptpatent noch den Vorteil
einer großen Zeit- und Arbeitsersparnis sowie den Vorzug, daB es auch von wenig
geübten Arbeitskräften durchgeführt werden kann.
-
Die vorliegende Erfindung betrifft eine Weiterbildung des Verfahrens
nach dem Patent 8oi 164 und hat sich insbesondere zum Ziel gesetzt, eine Aufrauhung
von Flächen mit Hilfe verschiedener
Mattierungsverfahren in verschiedenen
Tönungen in besonders einfacher Weise ztt ermöglichen.
-
Die Herstellung von Mattierungen in verschiedetie, "Tönungen erforderte
nach den bisherigen :\rbeitsweisen eine außergewöhnliche Sorgfalt und einen großen
Zeit- und Arbeitsaufwand. Sollten beispielsweise Flachglasflächen durch Ätzen mit
1# lußsäure mit verschieden getönten Mättierungen versehen werden, so mußte das
entsprechende Gesamtmuster zunächst mittels einer Schablone auf die Fläche übertragen
werden, dann sämtliche Flächen mit Ausnahme derjenigen Flächen, welche <nie stärkste
Mattierung erhalten sollten, abgedeckt werden. Dann wurde die Glasplatte zum Zweck
der erster Ätzung mit Flußsäure stärkerer Konzentration vorsichtig übergossen, und
es mußte hierbei darauf geachtet werden, daß die Flußsäure die Glasfläche in gleichmäßiger
Schicht überdeckte. Hierauf wurde die Flußsäure entfernt, die Flächen mit der rächst
schwächeren -Mattierung freigelegt und die Ätzung mit einer schwächeren Flußsäure
wiederholt. An diesen Arbeitsgang anschließend wurden die Flächen, welche die schwächste
Mattierung erhalten sollten, von der Schutzschicht freigelegt und dann eine dritte
Ätzung mit einer noch schwächeren Säure durchgeführt. Dieses Verfahren w-ar äußerst
umständlich und zeitraubend, und es war hierbei ungemein schwierig, die einzelnen
verschieden mattierten Flächen sorgfältig und scharf voneinander zu trennen und
dabei in den verschiedenen Tönungen eine Ätzung gleichmäßiger Stärke durchzuführen.
-
Diese Nachteile werden durch die Erfindung vermieden und ein Mattierungsverfahren
geschaffen, nach welchem zahlreiche Tönungen der Mattierung in kürzester Geit ohne.
Aufwendung besonderer Sorgfalt und von größter Feinheit und Schärfe hergestellt
werden können.
-
Die vorliegende Erfindung geht dabei von dem Verfahren nach dem Patent
ßor 164 aus, bei denn die durch 'Mattierung zu bearbeitende Fläche mit einer gegenüber
dein jeweils angewandten Ätz- oder Mattierungsverfahren widerstandsfähigen, schnittfähigen
oder elastischen Schutzschicht versehen wird, die erforderlichen Stellen mittels
Spateln geeigneter Form freigelegt, dann mattiert oder geätzt werden und die Schutzschicht
hierauf entfernt wird. Die Erfindung besteht im wesentlichen darin, daß die zu bearbeitende
Fläche von beiden Seiten, also auf der Vorder- und Rückseite, durch Mattierung oder
Ätzung bearbeitet wird. Dadurch, (laß gemäß der Erfindung beide Seiten einer durchsichtigen
Glasfläche mattiert werden, wird die Möglichkeit geschaffen, Mattierungen verschiedener
"Tönungen in einfachster Weise herzustellen. ßeispie-lsweise kann das Verfahren
nach der Erfindung derart durchgeführt werden, daß die aus der Schutzschicht mittels
Spateln freigelegten Flächen auf den beiden Seiten des Werkstücks so angeordnet
werden, daß sich im fertigen Werkstück mattierte Flächen auf der Vorderseite, urmattierten
Fläcll,en auf der Rückseite gegenüberliegend befinden, oder es kann das Verfahren
so durchgeführt werden, daß mattierten 1# l:iclte» auf der Rückseite urmattierte
Flächen auf der Vorderseite gegenüberliegen. Schließlich ist es auch möglich, das
Verfahren derart durchzuführen, (laß sich die mattierten Flächen ganz oder teilweise
auf der Vorder- und Rückseite überdecken und (laß sich jeweils mattierte Flächen
auf der Vorderseite mit urmattierten Flächen auf der Rückseite und urmattierte Fläche»
auf leiden Seiten miteinander abwechseln.
-
Das Verfahr:n nach der I?rfinduug kann beispielsweise mittels des
Üblichen Mattierungsverfalirens, mittels Sandstrahlgebläsen, durchgeführt werden,
indem beide Seiten einer durchsichtigen Glasplatte zur l,.rzieltitir; des jew-nils
gewünschten Musters nach hreilegung der entsprechenden Flächen von der Schutzschicht
durch Sandstrahlgebläse bearbeitet «-erden.
-
Eine besonders vorteilhafte Ausführungsform der Erfindung ergibt sich
bei der Herstellung von :Mattierungen in verschiedenen Tönungen durch Ätzen, insbesondere
mit Hilfe eitler Ätzpaste oder eines Ätzlyreis. Bei dieser Ausführungsform der l?rfindung
besteht ein besonders wichtiger Vorschlag der Erfindung darin, daß die zu bearbeitenden
Flächen oder Werkstücke in senkrechter Stellung in eine Ätzmasse eingetattcltt werden.
Diese Ausführungsform der Irrfindung wird also im einzelnen so durchgeführt. (laß
beide Seiten des Werkstücks aus durchsichtigem Glas mit einer gegenüber der angewandten
Ätzpaste widerstandsfähigen, schnittfähigen und elastischen Schutzschicht bedeckt
werden, dann die erforderlichen Stellen mittels Spateln geeigneter 1# orm auf beiden
Seiten freigelegt xverden und dann das Werkstück in senkrechter Stellung in eine
Ätzmasse getaucht wird. Hierbei werden die entsprechenden Ätzungen auf beiden Seiten
gleichzeitig vorgenommen, und es besteht im Gegensatz zu dem bisher bekannten Verfahren
die absolute Sicherheit, daß sich eine gleichmäßige Ätzung aller Flächen durchführen
läßt, da von beiden Seiten die Ätzmasse gleichartig und in gleich starker Schicht
auf die zu bearbeitenden Flächen einwirkrti kann. Es ist auch ohtrv Schwierigkeiten
möglich, nach durchgeführter Ätzung die Ätzmasse von dem \Verkstück ohne große Verluste
an Ätzmasse zu entfernen. Unabhängig davon ist es auch möglich, diese Ausführungsform
der Erfindung, bei welcher die Ätzung in senkrechter Stellung vorgenommen wird,
derart ,durchzuführen, (laß nur eine eintönige Ätzung dadurch hergestellt wird,
(laß auf einer Seite die Schutzschicht die gesamte Fläche des Werkstücks bedeckt.
Auf der anderen Seite ist es auch möglich, für die Zw-:cl:e einer eitttö eigen Ätzung
zwei Glasplatten mit \\';ts:er angefeuchtet aufeinanderzulegen, die liierl>; i durch
.\(lltäsion fest aufein-and@eriklehen und so zusammen je einer einseitigen Tauchätzung
unterzogen werden.
-
Darüber hinaus 1)e,;telit itn lahmen der Erfindung grundsätzlich die
Möglichkeit, zur Erzielung verschiedenster "Tönungen auch eine mehrfache Ätzung
in der Weise durchzuführen, (laß nach
Vollendung der ersten Ätzung
andere Flächen des Werkstücks freigelegt oder bedeckt werden und dann die Ätzung
in einer Ätzmasse wiederholt wird, deren Konzentration eine andere ist als die bei
der ersten Atzung zur .Anwendung gelangende Ätzmasse.
-
Allgemein empfiehlt es sich, bei dem Verfahren nach der Erfindung
eine Ätzmasse zur .Anwendung zu bringen, welche beispielsweise unter der geschützten
Bezeichnung »Baver-matt« im Handel erhältlich ist und bei der aus einem Ätzpulver
durch Anrühren mit Wasser ein Ätzl>rei von der gewünschten Konzentration und Konsistenz
hergestellt wird, der ein Eintauchen des Werkstücks in die vlasse in senkrechter
Stellung und die Durchführung der Ätzung in der gewünschten Stärke ermöglicht.
-
Weitere vorteilhafte 1?inzelheiten der Erfindung sind in der Zeichnung
an einigen :lusführungsbeispielen erläutert. Es zeigt Fig. i bis 3 die Vorder- und
Rückseite und das fertige Werkstück einer nach dem Verfahren gemäß der Erfindung
zu bearbeitenden Glasplatte, Fig. 4 bis 6 ein anderes Ausführungsbeispiel der 1?rfitldulig,
Fig. 7 bis 9 ein anderes :\usführungsbeispiel der Erfindung, Fig. 10 bis
12 eine weitere Ausführungsform. Bei dem Ausführungsbeispiel der Fig. i bis 3 wird
eine durchsichtige Glasplatte zunächst mit einer schnittfähigen Schutzschicht auf
der Vorder-und Rückseite bedeckt und dann auf der Vorderseite die Fläche i und auf
der Rückseite die Fläche 2 mittels Spateln von der Schutzschicht freigelegt. Hierauf
wird die Platte in eine Ätzmasse eingetaucht, die Ätzung auf den Flächen i und 2
durchgeführt und darin die Schutzschicht von der Vorder- und Rückseite entfernt.
In dem in F ig. 3 dargestellten fertigen Werkstück bewirken die auf der Vorderseite
befindliche Ätzfläche i und die auf der Rückseite befindliche Ätzfläche 2 den Eindruck
verschiedener Tönungen.
-
111 F ig. 4 bis 6 wird das Verfahren in gleicher Weise durchgeführt
wie in Fig. i bis 3. Die Flächen i und 2 liegen jedoch dichter nebeneinander, so
daß sich zwischen ihnen ein auf beiden Seiten urgeätzter Streifen 3 befindet, welcher
d=ie Wirkung der einmal auf der Vorderseite geätzten Fläche i und der auf der Rückseite
geätzten Fläche 2 in der "Tönung verändert.
-
Bei dem :@usführurgsheispiel der Fig.7 bis sind die Flächen i auf
der Vorderseite und die Flächen 2 auf der Rückseite derart angeordnet, daß sich
in dein in Fig. 9 dargestellten fertigen Werkstück die verschiedensten Tönungen
ergeben. In (lern fertigen Werkstück ist einmal die Fläche 4 nur auf der Vorderseite
geätzt, während die l@ läche 5 auf der Vorder- und Rückseite eine Ätzung aufweist.
Die Fläche 6 ist nur auf der Vorderseite und die Fläche 7 ist auf der Vorder-und
Rückseite geätzt, während die Fläche 8 nur auf der Rückseite und die Fläche g nur
auf der Vorderseite geätzt ist. In der Fläche io ist eire Ätzung auf der Vorder-
und Rückseite vorhanden. Es werden also in dieser und ähnlicher Weise die verschiedensten
Tönungen von Atzungen mit den einfachsten Mitteln erzielbar.
-
Bei dem :Ausführungsbeispiel der Fig. io bis 12 sind die Flächen i
auf der Vorderseite und die Flächen 2 auf der Rückseite der Platte derart angeordnet,
daß sich in dem fertigen Werkstück der Fig. 12 diese Flächen kreuzen und sich Flächen
i i., die nur auf der Rückseite, und Flächen 12, die nur auf der Vorderseite geätzt
sind, ergeben und außerdem Flächen 13, die sowohl auf der Vorder- wie auf der Rückseite
geätzt sind. Zwischen den Flächen i i bis 13 befinden sich Flächen 14, die auf beiden
Seiten keine Atzung aufweisen.
-
:Allgemein kann je nach Tauch- und Einwirkungszeit auch eine verschieden
starke Mattierung der einzelnen Flächen erreicht werden, auch kann der Gesamteffekt
der bearbeitenden Glasplatte durch Buntgestalturg der einzelnen Flächen in verschiedenen
Farben oder Farbtönen nach der sog. Wischmanier erhöht werden.
-
Wird die Mattierung mittels Sandstrahlung durchgeführt, so empfiehlt
es sich, hierzu feingekörnten Quarzsand zu verwenden. Der Mattierungsgrad der einzelnen
Flächen kann hierbei durch verschieden starkes Sanden, d. h. durch wechseln im Druck
und in der Bearbeitungszeit, gleichfalls variiert werden.
-
In dieser und ähnlicher Weise können durch die Erfindung Atzungen
verschiedener Tönungen durchgeführt werden und insgesamt eine Mattierung von Flächen
in einer Arbeitsweise verwirklicht werden, welche sich durch besondere Einfachheit
und Schnelligkeit allen bisher bekannten Verfahren gegenüber auszeichnet.