DE845866C - Verfahren und Vorrichtung zum Bestimmen der Viskositaets-eigenschaften kolloidaler Loesungen - Google Patents

Verfahren und Vorrichtung zum Bestimmen der Viskositaets-eigenschaften kolloidaler Loesungen

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DE845866C
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Eugen Dipl-Ing Abele
Hermann Dr Boenig
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    • G01MEASURING; TESTING
    • G01NINVESTIGATING OR ANALYSING MATERIALS BY DETERMINING THEIR CHEMICAL OR PHYSICAL PROPERTIES
    • G01N11/00Investigating flow properties of materials, e.g. viscosity, plasticity; Analysing materials by determining flow properties
    • G01N11/10Investigating flow properties of materials, e.g. viscosity, plasticity; Analysing materials by determining flow properties by moving a body within the material
    • G01N11/14Investigating flow properties of materials, e.g. viscosity, plasticity; Analysing materials by determining flow properties by moving a body within the material by using rotary bodies, e.g. vane

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Description

  • Verfahren und Vorrichtung zum Bestimmen der Viskositätseigenschaften kolloidaler Lösungen Zur Viskositätsmessung sind in der Praxis vielfach Auslaufviskosimeter und älmliche Vorrichtungen in Gebrauch, die aber nur bei idealen Kolloiden mit kugelförmigen Teichen vergleichbare Meßwerte liefern. Die meisten Kolloide besitzen aber eine von der Kugelform abweichende Gestalt. Die scheinbare Visckosität solcher Lösungen hängt weitgehend von der Struktur der Kolloidteilchen ab. Zur Messung der sogenannten Strukturviskosität sind verschielene Apparate bekannt, die im wesentlichen auf dem von Couette angegebenen Prinzip beruhen, bei dem innerhalb eines festehenden Gefäßes ein sich drehender Zylinder einen koaxial angebrachten kleineren Zylinder je nach der Strukturviskosität des zwischen den Zylindern belindlicllell Mediums in Rotation versetzt. L)ie Drehung des inneren Zylinders wird iiber einen Zeiger auf einer Skala sichtbar gemacht und dient als Maß für die Strukturviskosität der in den Apparat eingefüllten Lösung. Die verwendung zweier Zylinder ist notwendig weil andernfalls keine definierten Schubkräfte in der zu untersuchenden Lösung erzeugt werden. Dieser apparat liefert nur bei sehr kleinen Schubkräften genaue Ergebnisse und erfordert daher ein sehr sorgfältiges und genaues Arbeiten.
  • Die neue Vorrichtung gemäß der Erfindung erlaubt neben einer Strukturviskositätsmessung bei kleiIlen Schubspannungen vor allem auch die Untersuchung von Lösungen bei sehr hohen Geschwindigkeitsgradienten und ist deshalb wesentlich allgemeiner anwendbar als die Couette-Apparatur.
  • Das Wesentliche der neuen Vorrichtung besteht darin, daß das die zu untersuchende Lösung aufnehmende Gefäß drehbar gelagert ist. Innerhalb des Gefäßes befindet sich ein zentral angeordneter, an- getriebener Rührer, durch dessen Drehung das mit der zu untersuchenden Flüssigkeit gefüllte Gefäß mitgenommen wird. Die dem Gefäß erteilte Drehung wird nun durch ein Drehmoment kompensiert, welches seinerseits genau meßbar ist und als NIaß für die Viskonsitätseigenschaften der zu untersuchenden Flüssigkeit dient. Dieses Drehmoment kann dem Untersuchungsgefäß in beliebiger Weise auf mechanischem oder elektrischem ziege erteilt werden.
  • Der Rührer kann eine beliebige Form aufweisen.
  • Für die Ermittlung von Strukturviskositäten ist es jedoch wesentlich, daß zwischen der Rührerkante und der Gefäßwand überall der gleiche Geschwindigkeitsgradient vorhanden ist. Die Kanten des Rührers müssen daher zur \N'andung des Gefäßes parallel sein, und die zu untersuchende Flüssigkeit soll den Rand des Rührflügels nicht übersteigen. Zur Verminderung des Rührwiderstandes können die Rührflügel gegebenenfalls mit parallel zu den Außenkanten des Flügels verlaufenden Schlitzen versehen sein.
  • Auf der Achse des drehbar angeordneten Rührgefäden kann ein mit einem Anzeigeinstrument verbundener Generator befestigt sein, der so lange Strom erzeugt, wie die Drehung andauert. Da mit dem auf hören der Drehung auch die Stromlieferung des Generators aufhört, läßt sich, besonders bei Anbringung eines empfindlichen Anzeigeinstruments, auf diese Weise der Stillstand der Drehung besonders genau ermitteln. Die zur Kompensation der Drehung erforderliche Gegenkraft läßt sich ebenfalls auf elektrischem Wege besonders genau messen, wenn man für die Gegendrehung einen in seiner Leistung stufenlos regelbarren Elektromotor verwendet.
  • Eine Ausführungsform der neuen @ Vorrichtung ist in der Zeichnung schematisch dargestellt.
  • In dem Gefäß 2 mit parallelen Wänden ist der Rührer 9 angeordnet, der durch einen Elektromotor I in Umdrehung versetzt wird. Das Gefäß 2 ist auf einer Scheibe 5a angeordnet, deren Mittelachse In in dem Gestell S drehbar gelagert ist. Die Achse In trägt auf ihrer Unterseite eine Scheibe 5b, die beispielsweise durch einen Elektromagneten in einer der Drehrichtung des Rührers 9 entgegengesetzten Richtung gedreht werden kann. Als besonders zweckmäßig hat sich hierbei die von Ferraris angegebene Anordnung bewährt, nach die Scheibe 51 durch einen am Rande der Scheibe schräg angeordneten Wechselstrommagneten 4 in Drehung versetzt wird. Die Leistung dieses Elektroniagneten 4 ist stufenlos regelbar. Die Leistung kann auf dem Meßinstrument 7 abgelesen werden.
  • Innerhalb des Traggestells 8 ist um die Drehachse In nun ein Generator angeordnet, dessen Rotor fest auf der Achse 10 sitzt. Die bei Drehung der Achse 10 im Generator erzeugte elektromotorische Kraft kann am Anzeigeinstrument 6 abgelesen werden. Hört die Drehung der Achse In auf, so wird das Anzeigeinstrument stromlos. Die geringste Drehung der Achse In macht sich sogleich in einem Zeigerausschlag des Anzeigeinstruments 6 bemerkbar.
  • I)ie Messung der Strukturviskosität mit Hilfe der neuen Vorrichtung geschieht wie folgt : Zunächst wird das Gefäß 2 bis zum oberen Rand des Rührfliigels mit der zu untersuchenden Flüssigkeit gefüllt. I)er Elektromotor I wird eingeschaltet und die Leistung des in entgegengesetzter Richtung drehenden Wechselstrommagneten 4 so lange gesteigert, bis das Gefäß 2 zum Stillstand kommt. Dieser Augenblick läßt sich am Anzeigeinstrument 6, welches dann auf die o-Stellung zurückgeht, mit großer Genauigkeit feststellen. Die Leistung des ÄVechselstrommagneten 4 in diesem Augenblick läßt sich am Anzeigeinstrument 7 ebenfalls sehr genau ablesen. Gegebenenfalls kann die Skala des Anzeigeinstruments 7 derart geeicht sein, daß hier unmittelbar die gemessene Strukturviskosität abgelesen werden kann.
  • Statt die Messung in der oben beschriebenen Weise vorzunehmen, kann man auch umgekellrt vorgehen. indem man die Leistung des Elektromagneten 4 von vornherein auf einen bestimmtell unveränderlichen Betrag einstellt und die Drehung des den Rührer 9 antreibenden Motors I, dessen Leistung dann natürlich stufenlos regelbar sein muß, so lange veriiidert, bis das Anzeigeinstrument sich wieder auf o einstellt. In diesem Fall läßt sich die Viskositiit an einem mit dem motor I gekuppelten Anzeigeinstrument messen.
  • Statt die Gegendrehung der Achse 1< mit Hilfe eines Elektromagneten zu bewerkstelligen, kann man auch dasselbe auf mechanischem \N'ege erreichen, beispiels weise, indem man statt der Scheibe 5 eine Spiral feder einbaut. Der Ausschlag des mit der Spiralfeder verbundenen Zeigers gibt dann ebenfalls ein Maß für die zur Gegendrehung erforderliche Kraft und damit für die zu messende Viskosität. ()bw()lal diese Meßmethode für viele technische Zwecke ausreicht, hat sich doch herausgestellt, daß die Gegendrehung mit Hilfe eines Elektromotors noch genallere Meßwerte ergibt.
  • Mit Hilfe der neuen Vorrichtung ist es nicht nur möglich, die Viskositätseigenschaften. insbesondere die Strukturviskosität beliebiger technischer I Flüssigkeiten oder Suspensionen innerhalb eines großen Viskositätsbereichs mit erheblicher Genauigkeit zu bestimmen; die Vorrichtung eignet sich vielmehr insbesondere zur Bestimmung der Reife von Spinnlösungen in der Kunstseiden- und Stapelfaserindustrie, vornehmlich von Viskoselösunge.
  • Die' Reife von Viskose wird bekanntlich bisher im wesentlichen nach der von Hottenroth angegebenen Methode bestimmt, wonach eine in bestimmter \eise verdünnte Viskose durch Zutropfenlassen einer 10%igen Ammoniumchloridlösung allmählich vom Sol- in den Gelzustand übergeführt wird. Die bis zur Erreichung des Gelzustandes erforderliclle Menge an Ammoniumchloridlösung dient als Maß ffir den jeweiligen Reifezustand der Viskose. Diesem \'erfahrell haften zahlreiche Unsicherheiten an, die die Reifebestimmung in der Technik vielfach problematisch erscheinen lassen. Die Feststellung des Endpunktes hängt nämlich unter anderem viJn der Einhaltung konstanter Rührgeschwindigkeiten. der Zulaufgeschwindigkeit der Chlormmoniumlösung, der Menge, der Konzentration der verwendeten Viskose und verschiedenen anderen Faktoren ab, die dazu führen, daß kaum zwei verschiedene Untersucher die gleiche Reife bestimmen, zumal auch die Beurteilung des End- punktes weitgebend von dem subjektiven Ermessen des unterschenden abhängt. Bei unreifen Viskosen. d. h. solchen, deren Reifezahl nach Hottenroth über etwa 20 liegt, ist eme genaue Bestimmung der Reife übershaupt nicht mehr möghch.
  • Mit Hille der neuen Vorrichtung läßt sich die Reifebestimmung der Viskose wie folgt durchführen: Die Leistung des Rührmotors 1 und Gegendrehkraft des Elektromagneten 4 werden zu Begim des Versuchs bende auf einen bestimmten unveränderlichen Wert engestellt, und zwar derart, daß nach Füllung des Gefäßes 2 mit der zu untersuchenden Viskose die Drehkraft des Elektromagneten 4 überwiegt. Nun läßt man mit genau geregelter Geschwindigkeit die Ammonchlrodidlösung so lange zutropfen, bis der Zeiger des Anzeigeinstruments 6 auf o steht, d. h. bis Stillstand der Verrichtung eingetreten ist. Die Menge des bis dahin verbrachten Ammonchlorid stellt ein genanes Maß fur den Reifezustand der Viskose dar.
  • Die außerordentliche Empfindlichkeit dieser Meßmethode ergibt sich daraus daß schon 1 Tropfen mehr der Ammonchloridlösung eine Umkehrung der Drehrichtung erzeugt.
  • Die Reifebestimmung mit Hilfe der neuen Vorrichtung kann dadurch völlig automatisiert werden, daß mit Hilfe emes Anzeigenschalters sowohl der Rührer mit bestimmter Geschwindigkeit und Rührleistung als auch der Ferraris-Motor mit fest eingestellter Überkompensterung der Drchleistung eingeschaltet wird.
  • Gleichzeitig wird die Bürette für den Chlorammonzulauf durch einen Magnetschalter geöffnet und das Anzeigenstrument 6 freigegeben. Das Ende der Messung ergibt sich aus dem Stillstand des Zeigers des Registrierinstruments 6. Dabei kann die Einrichtung so getroffen werden, daß in diesem Augenblick das Relais des Magnetventils stromlos wird, so daß die Chlorammonbürette geschlossen wird. Bei einer solchen Einrichtung hat der Laborant also lediglich den Hauptschalter zu betätigen und nach automatischen Stillstand die Menge der verbauchten Kubikzentimeter Ammonchloridlösung abzulesen.
  • Es hegt auf der Hand, daß mit Hilfe dieser neuen Meßmethode alle subjektiven Faktiren bei der Reifebestimmung ausgeschaltet sind. Die Homogenisierung der Viskoselösung im augenblick des Zutropfens der Ammonchloridlösung die bisher durch gleichmäßiges Schlagen der Viskose von Hand erzielt werden mußte, wird nummehr automatisch vom Rührer 9 erreicht.
  • Da die Phasenumkehr vom Sol zum Gel außerordentlich zeitabhangig ist, wirkten sich bei der bisherigen Bestimmung geringe Änderungen der Zulaufgeschwindigkeit der Ammonchloridlösung durch eine unbeabsichtigte Unterbtechung dieses Zulaufs, wie sie bei der bisherigen Bestummungsmethode unvermeidlich war, äußerst stötend auf die erzielbare Meßgenaulgkeit aus.
  • Bei dem neuen Verfahren fallen alle diese Unsicherheitsfaktoren fort, da die Zulaufgeschwindihkeit der Ammonchloridlösung praktisch stets dieselbe ist.
  • Die mit Hilfe der neuen Vorrichtung und des neuen Verfahrens erzielbaren Ergebnisse sind daher jederzeit genau reproduzierbar und zeigen eine Meßgenauigkeit, deren Fehlergrenze unter 5%0 liegt. Andereseits hat sich aus dem Vergleich der Meßreihen mit der Reifebestimmung nach der bisherigen Methode durch einen erfahrenen Laboranten ergeben, daß die mit Hilfe der neuen Methode erzielten Reifegradzahlen der bisher von Hand bestimmten Hottenroth-Reife genau proportional sind, denn die Werte zeigen die gleiche Abhängigkeit von der Zulaufgeschwindigkeit der Chlorammonlösung, der Konzentration und der Menge der Viskose und ähnlichen Faktoren. Dabei zeigt das neue Meßverfahren den großen Vorteil, daß die Bestimmung innerhalb eines viel größeren Reifegebietes als bisher mit gleichbleibender Ganeuigkeit möglich ist, da auch bei Hottentroth-Reifen über 20 die Meßergenisse innerhalb des gleichen geringen Fehlergebietes reproduzierbar sind.
  • Die Vorrichtung kann natürlich in Einzelheiten anders ausgestaltet sein. Statt des in der zeichnung dargestellten, am Rande der Scheibe 5% sitzenden Wechselstrommagneten 4 kann zur Erzielung der Gegendrehung auch unter Fortlassung ger Scheibe 5b ein unmittelbar auf der Drehachse sitzender Motor verwendet werden. Es ist auch nicht notwendig, zur Feststellung der Ruhelage den Generator 3 mit dem Anzeigeinstrument 6 zu verbinden, vielmehr kann die Ruhelage auch auf optischem Wege, beispielsweise durch Anbringung einer Markierung an der Scheibe 5a oder 5b oder Anordnung eines Spiegels am Rande dieser schiebe oder auf ähnlichem Wege festgestellt werden. Als Meß- und Anzeigeinstrument können die verschnedenartigsten bekannten Vorrichtungen, wie Spiegelgalvanometer, benutzt wenden.

Claims (6)

  1. P A T E N T A N S P R Ü C H E: 1. Vorrichtung zum bestimmen der Viskositätseigenschaften kolloidaler Lösungen und von Suspensionen, dadurch gekennzeichnet, daß das mit einem zentralen, angetriebenen Rührer (9) versehene, zur Aufnahme der zu untersuchenden Flüssigleit bestimmte Gefäß (2) drehbar gelagert ist, wobei die dem Gefäß durch Vermittlung des Rührers und der zu untersuchenden Flüssigkeit erteilte Drehung durch genau meßbare mechanische oder elektrische entgegengesetzt wirkende Drehkräfte kompensierbar ist.
  2. 2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet daß auf der Drehachse (10) des Rührgefäßes (2) eine Scheibe (5b) angeordnet ist, deren Drichtung durch einen elektromagneten (4) kompensierbar ist, dessen Leistung durch ein anzeigeinstrument (7) meßbar ist.
  3. 3. Vorrichtung nach den Ansprüchen 1 und 2 dadurch gekennzeichnet, daß auf der Achse (10) des Rührgefäßes (2) ein mit einem Anzeigeinstrument (6) verbundener Generator (3) angeordnet ist.
  4. 4. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Leistung des den Rührer (9) antreibenden Elektromotors (1) stufenols regelbar und meßbar ist.
  5. 5. Verfahren zum Bestimmen der Viskositätseigenschaften, insbesondere der Strukturviskosität von Flüssigkeiten, dadurch gekennzeichnet, daß das dem zur Aufnahme der zu untersuchen den Flüssigkeit bestimmten Gefäß (2) duerch einen zen- tralen Rührer (9) erteilte Drehmoment als Maß für die Viskositätseigenschaften der zu untersuchen-'cn Flüssigkeit dient.
  6. 6. Verfahren zur Reifebestimmung von Viskose unter Verwendung der Vorrichtung nach den Ansprüchen I bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß zu Beginn der Messung die dem Rührgefäß (2) durch den Rührer (9) erteilte Drehung überkompensiert wird, worauf man in an sich bekannter Weise so lange eine koagulierende Lösung in die im Rührgefäß (2) enthaltene Viskose eintropfen läßt, bis das Rührgefäß stillsteht.
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