DEM0018164MA - - Google Patents
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Description
BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND
Tag der Anmeldung: 15. April 1953 Bekanntgemacht am 16. Februar 1956
DEUTSCHES PATENTAMT
Die Vakuumdestillation von Tallöl wird seit langem industriell nach verschiedenen Methoden durchgeführt.
Eine Übersicht über diese Methoden gibt Äke Linder in den IVA-Berichten Nr. 207, »Tall Oil Refining«,
Stockholm, 1952, S. 22 bis 36 (vgl. auch die deutsche Patentschrift 477 829). Gemeinsam für alle diese
Methoden ist der hohe Anteil an Destillationsrückstand (Tallölpech). Die von Linder· angegebenen Werte
für den Pechanfall im normalen Betrieb und bei einer Destillationsendtemperatur von 250 bis 2700 C schwanken
bei den verschiedenen Methoden zwischen. 18 und 3O°/0, bezogen auf die Tallölmenge. Gewöhnlicherweise
dürfte die Pechmenge zwischen 20 und 25°/0 liegen. Durch Erhöhung der Destillationstemperatur
bis auf 3000C konnte man zwar in einem gewissen
Falle die Pechmenge auf 15% herabsetzen; dabei aber wurde das Pech gekrackt, so daß der Gehalt der
Destillate an Unverseifbarem über die übliche Menge hinaus anstieg.
Die vorliegende Erfindung bezweckt durch eine Abänderung des gewöhnlichen Destillationsverfahrens
den Pechanfall bei der Tallöldestillation auf zwischen 8undi4°/0 der verwendeten Tallölmenge herabzusetzen,
ohne daß gleichzeitig der Gehalt der Destillate an Unverseifbarem ansteigt. Um die Natur der
Erfindung klarzustellen, ist es notwendig, die Zu-
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sammensetzung und die Bildung des Tallölpeches zu berühren.
Terje Enkvist zeigt in seiner gründlichen Untersuchung
über Tallölpech (Svensk Päpperstidning 50 [1947], S. 363 bis 369), daß das Pech zu einem sehr
großen Teil aus Estern von Fett- und Harzsäuren besteht, die an Hydroxylgruppen von Oxysäuren
oder Sterinen oder anderen Alkoholen von hohem Molekulargewicht gebunden sind. Diese Ester sind
to nur in geringerer Menge in dem ursprünglichen Tallöl
vorhanden. Die Veresterung erfolgt wesentlich bei der Erwärmung des Tallöles vor und während des
Destillationsvorganges. Ein großer Teil der in dem Tallölpech vorliegenden Ester -läßt sich nur schwierig
verseifen, wie aus der schwedischen Patentschrift 136 820 hervorgeht. Diese Bildung von Fett- und
Harzsäureestern bei der Erwärmung des Tallöles bedeutet einen Verlust an wertvollen Bestandteilen,
die in der Form von Tallölfettsäure und Tallölharzsäure gewinnbar wären, falls man die Veresterung vermeiden
könnte.
Es hat sich jetzt überraschenderweise herausgestellt,
daß der Pechanfall bei der Tallöldestillation wesentlich niedriger als bisher wird, wenn die Vakuumdestillation
in Gegenwart von überhitztem Wasserdampf durchgeführt wird, der in einer Menge von
zwischen 0,2 und 3 kg pro kg Tallöl, vorzugsweise zwischen 0,25 und 0,75 kg pro kg Tallöl, eingeführt
wird. Diese Verminderung des Pechanfalles dürfte einer entsprechenden Unterdrückung der Esterbildung
zuzuschreiben sein. Das bei diesem Verfahren erhaltene Destillat zeigt nämlich normale Werte für die
Gehalte an Fett- und Harzsäuren sowie an Unverseifbarem.
Um den Pechanfall möglichst gering zu gestalten, muß man die Bildung von Estern während der Vorwärmung
des Tallöles auf die Destillationstemperatur vermeiden. Die Vorwärmung sollte daher in einer
Zeit von weniger als 2 Stunden durchgeführt werden.
Das Überraschungsmoment bei der vorliegenden Erfindung hängt im wesentlichen damit zusammen,
daß die Tallöldestillation in Gegenwart von überhitztem Wasserdampf schon seit langem durchgeführt
worden ist, ohne daß man bisher die Fähigkeit des Dampfes den Pechanfall herabzusetzen beobachtet
hat.' So z. B. wird die Destillation mit überhitztem Wasserdampf in der schwedischen Patentschrift 70794
erwähnt, und Terje Enkvist (1. c. S. 363) berichtet, daß in den Karlsborgswerken in Kalix (Schweden)
die Tallöldestillation unter Einführung von 5% überhitztem Wasserdampf erfolgt. Daß man die vorteilhafte
Wirkung des Wasserdampfes nicht früher beobachtet hat, muß darauf beruhen, daß man entweder
mit einer unzweckmäßigen Dampfmenge gearbeitet oder auch das Tallöl vor der Destillation
während zu langer Zeit vorgewärmt hat.
Es ist bereits bekannt, daß Fette und fette Öle durch flüssiges Wasser bei hoher Temperatur, verseift
werden können, beispielsweise gemäß- der USA.-Patentschrift 2221.799. Es war daher zu vermuten,
daß das Vorhandensein des Wasserdampfes gemäß der vorliegenden Erfindung nur eine Verschiebung
desjenigen Estergleichgewichtes bedeuten würde, das zwischen Säuren, Alkoholen, Estern und Wasser im
Tallöl angenommen werden kann. Falls dies der Fall sein würde, sollte es auch möglich sein, mit Hilfe
von überhitztem Wasserdampf als Ester gebundene Fett- und Harzsäuren aus Tallölpech frei zu machen.
In der nachfolgend genannten Apparatur, die bei den Destillationsversuchen mit Tallöl verwendet wurde,
wurden daher einige Versuche ausgeführt, um Tallölpech in Gegenwart von überhitztem Wasserdampf zu
destillieren. Diese Versuche zeigten, daß mit Ausnahme von kleinen Mengen gekrackter. Produkte kein
organisches Destillat erhalten wurde. Die als Ester im Tallölpech gebundenen Säuren konnten somit nicht
durch überhitzten Wasserdampf frei gemacht werden. Wie bereits erwähnt, ist Tallölpech ein Material, das
sich nur äußerst schwierig verseifen läßt. Der Versuch wurde daher mit Schweineschmer wiederholt,
dem ι °/0 Zinkoxyd hinzugefügt war, welches als
Katalysator bei der Verseifung mittels flüssigen Wassers wirkt. Auch bei diesem Versuch wurde
neben den 2,6 °/0 von bereits ursprünglich im Schmer vorhandenen freien Fettsäuren kein organisches
Destillat erhalten. Die Ergebnisse dieser Versuche deuten darauf hin, daß die Wirkung des Wasserdampfes
in bezug auf die Verhinderung der Veresterung der Fett- und Harzsäuren recht kompliziert ist.
Die zur Erzielung eines optimalen Effekts zu verwendende
Dampfmenge im Verhältnis zur Tallölmenge dürfte auf der technischen Durchführung des Verfahrens
beruhen. Es muß in dem einzelnen Falle die günstigste Menge durch Versuch ermittelt werden.
Um die Erfindung in ihren Einzelheiten klarzustellen, werden im folgenden einige Beispiele gegeben,
die jedoch nicht im beschränkenden ■ Sinne aufzufassen sind. .
In einem säurefesten Gefäß von dem Volumen 2,5 1 wurden 1000 g Tallöl der folgenden Zusammensetzung
eingebracht:
Säurezahl 157
Verseifungszahl .;' 173
Unverseifbares 8,6 °/0
Pechanfall bei einfachem Abtreiben
■ im Vakuum ..-....:' 22,5 °/0
Die Destillation wurde während 10 Stunden bei 2600 C, auf welche Temperatur das Tallöl ■ in etwa
30 Minuten gebracht wurde, und etwa 40 mm/Hg unter Einblasen von insgesamt 3 kg auf 225 ° C überhitzten
Wasserdampfes durch den Boden des Destillationsgefäßes durchgeführt. Hierbei wurde im Destillationsgefäß
eine verbleibende Pechmenge von 86 g (8,6 °/0 der verwendeten Tallölmenge) erhalten. Das
organische Destillat hatte die folgende Zusammensetzung :
Säurezahl 172 lao
Verseifungszahl 179
Unverseifbares 10,3 °/0
Als Destillationskolonne wurde ein säurefestes Rohr von 200 cm Länge und 5 cm Durchmesser verwendet.
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Das Rohr wurde mit Porzellansatteln gefüllt und auf eine säurefeste Destillationsblase aufgesetzt, die ebenso
wie das ganze Rohr elektrisch beheizt war. Das Tallöl wurde durch einen elektrisch beheizten Vorwärmer
von solchem Volumen eingeführt, daß die Vorwärmezeit etwa 15 Minuten betrug. Der überhitzte Wasserdampf
wurde in die Destillationsblase eingeleitet. Am oberen Ende der Kolonne war ein luftgekühlter
Dephlegmator angeordnet, und nach diesem Dephleg-
Lo mator wurden die Dämpfe durch ein System von wassergekühlten Kühlern und Sammelgefäßen für die
Kondensate geleitet.
Die Destillationen wurden unter stetiger Einführung von Tallöl derselben Zusammensetzung wie im Bei-
L5 spiel ι und bei einem Druck von etwa 20 mm/Hg am
. oberen Ende der Destillationskolonne durchgeführt.
Die Destillationstemperatur betrug normalerweise 2600C. Das Verhältnis zwischen Rückflußmenge am
oberen Ende der Kolonne und herausgenommenen
so Destillat betrug im. Die folgenden Versuchsreihen
wurden durchgeführt:
a) Pechanfall bei schwankendem Verhältnis zwischen Tallöl und Wasserdampf.
Tallölzufuhr
ä5 g/Std. 200 200 200 200 200 200
Wasserdampf
g/g Tallöl 0,20 0,25 0,38 0,50 0,75 1,0
Pechanfall, °/0
bezogen auf
!0 Tallöl 18,4 176 13,8 13,6 14,6 15,3
bezogen auf
!0 Tallöl 18,4 176 13,8 13,6 14,6 15,3
b) Pechanfall in Abhängigkeit von der Zufuhrgeschwindigkeit
des Tallöles.
Tallölzufuhr
g/Std. 200 225 240 280 300
5^ Wasserdampf
g/g Tallöl 0,38 0,38 0,38 0,38 0,33
Pechanfall, °/0
' bezogen auf
' bezogen auf
Tallöl 13,8 13,6 14,3 16,4 18,9
Die Zusammensetzung der erhaltenen Destillate wird durch die folgende Analyse veranschaulicht:
Säurezahl 177
Verseifungszahl 179
Unverseifbares 7,3 °/0
In derselben Destillationsapparatur wie im Beispiel 2 wurde eine Reihe von Destillationen durchgeführt mit
einer Tallölzufuhr von 200 g pro Stunde und einem Verhältnis zwischen zugeführtem Wasserdampf und
zugeführtem Tallöl von 0,38. Der Vorwärmer, durch den das Tallöl vor seinem Eintritt in die Kolonne zu
fließen hatte, war umgebaut worden, so daß die Vorwärmezeit innerhalb weiter Grenzen geändert
werden konnte. Das bei diesen Versuchen verwendete Tallöl hatte die folgende Zusammensetzung:
Säurezahl 166
Verseifungszahl 174
Unverseifbares 8,0 %
Pechanfall beim einfachen Abtreiben im Vakuum 21,2 °/0
Je nach der Vorwärmezeit für das Tallöl auf 2400C
wurden die folgenden Ergebnisse erzielt:
Vorwärmezeit
Vorwärmezeit
in Stunden . 0,05 0,2 0,63 1,12 2,0 5,0
Pechanfall, %
bezogen auf
Tallöl 11,3 11,3 12,1 12,4 14,8 22,8
Claims (1)
- PATENTANSPRUCH:Verfahren zur Herabsetzung des Pechanfalls bei der mit Unterstützung von Wasserdampf ausgeführten Vakuumdestillation von Tallöl, dadurch gekennzeichnet, daß die Destillation in Gegenwart von überhitztem Wasserdampf in einer Menge von zwischen 0,2 und 3 kg, vorzugsweise zwischen 0,25 und 0,75 kg Wasserdampf pro kg Tallöl, und die Vorwärmung des Tallöles auf die Destillationstemperatur in weniger als 2 Stunden durchgeführt wird.Angezogene Druckschriften:Deutsche Patentschriften Nr. 314358, 477829; Chemiker-Zeitung, 1939, S. 77/78.© 509 658/213 2. 56
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