DEN0007121MA - - Google Patents
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Description
BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND
Tag der Anmeldung: 2. Mai 1953 Bekanntgemacht am 17. Mai 1956
DEUTSCHES PATENTAMT
Die vorliegende Erfindung betrifft die Zusammensetzung von Schmierfetten auf Mineralölgrundlage
von hoher Stabilität bei erhöhten Temperaturen.
Die mit Seifen gelierten Schmierfette werden bereits
bei verhältnismäßig niedrigen Temperaturen (etwa 93°) weich und schließlich flüssig. Man hat
daher für Hochtemperaturzwecke schon Schmierfette aus flüssigen Siliconen und anorganischen
Kolloiden vorgeschlagen, deren Filmfestigkeit und Gleitfähigkeit noch durch einen Zusatz gewisser
Disulfide verbessert werden kann. Diese Schmierfette sind jedoch recht teuer und daher für viele
technische Zwecke schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht anwendbar.
Mit anorganischen Kolloiden gelierte Mineralöle haben sich nicht als oxydationsbeständig genug
für die gewünschte Verwendung der Schmierfette bei hohen Temperaturen erwiesen. Man hat auch
bereits versucht, die Mineralölbasis solcher Schmierfette durch Zusatz von Phenolen oder aromatischen
Aminen gegenüber Oxydations- und Abbaureaktionen bei hohen Temperaturen zu schützen,
doch hat sich diese Maßnahme oberhalb I2O° als unwirksam erwiesen.
Es wurde gefunden, daß die Stabilität von Schmierfetten, welche ein mineralisches Schmieröl
und eine zur Erzielung der Fettkonsistenz ausreichende Menge eines anorganischen Gelierungsmittels
enthalten, bei erhöhten Temperaturen in un-
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erwarteter Weise verbessert werden kann, wenn man in der Mischung das Sulfid eines mehrwertigen
Metalls dispergiert.
Das Sulfid des mehrwertigen Metalls ist vorzugsweise das Sulfid eines Schwermetalls, d. h. ein
Sulfid eines Metalls mit einem spezifischen Gewicht von mehr als 4 bei 200 C. Das nachweislich wirksamste
Sulfid ist Zinksulfid. Andere Sulfide, bei denen hervorragende Eigenschaften nachgewiesen
wurden, sind Kupfersulfid, und Wolframsulfid. Weitere Beispiele für geeignete Sulfide sind diejenigen
von Chrom, Molybdän, Quecksilber, Tellur, Eisen, Kobalt, Nickel, Thorium, Zirkon, Kadmium,
Mangan und Vanadium. Das Sulfid wird vorzugsweise in einer Menge von 1 bis 10 %, insbesondere
2 bis 5 °/o, auf das Gewicht der gesamten Mischung bezogen, verwendet.·* ' ■
Das Sulfid muß gleichmäßig durch das ganze Schmierfett hindurch dispergiert werden und sich
in einem feinverteilten Zustande befinden. Beispielsweise kann die Größe der Sulfidteilchen zwischen
0,1 und 10 Mikron liegen. Vorzugsweise haben die Teilchen eine Größe von unter 5 Mikron. Es ist
darauf hinzuweisen, daß die Sulfide nicht in einem derartigen kolloidalen Zustande vorliegen müssen,
daß sie auch zur Verwendung als Gelierungsmittel geeignet sind.
Es wurde bereits vorgeschlagen, Sulfide in einem feinverteilten kolloidalen Zustande, wie er für die
Schmierfettbildung geeignet ist, herzustellen und dieselben bei einem Schmierfett als das alleinige
Gelierungsmittel zu verwenden. Hierbei ilst es jedoch notwendig, daß derartige Kompositionen mehr
als etwa 20 Gewichtsprozent des Gesamtschmierfettes an Sulfid enthalten, wenn das Schmierfett eine zufriedenstellende
Schmierfettstruktur haben soll. Für viele Verwendungszwecke ist ein derartig hoher
Gehalt an festen Stoffen sowohl unpraktisch als auch unwirtschaftlich. Im Vergleich zu den Schmierfetten,
welche allein mit kollodialen Sulfiden geliert wurden, besitzen die erfindungsgemäßen zusammengesetzten
Schmierfette einen herabgesetzten Gehalt an festen Stoffen, haben aber gleichzeitig die ausgezeichneten,
durch die Gegenwart der besagten Sulfide verursachten stabilisierenden Eigenschaften.
Die erfindungsgemäß zusammengesetzten Schmierfette enthalten im allgemeinen das als Gelierungsmittel
verwendete Kolloid in einer Menge von 2 bis 20 Gewichtsprozent; des Gesamtschmierfettes. In
der Regel genügen 5 bis 15 Gewichtsprozent des Gelierungsmittels, um dem Schmierfett erne gute
Konsistenz zu verleihen. Beispiele für geeignete Gelierungsmittel sind Oxyde (z. B. Kieselsäure,
Tonerde, Magnesia, Kalk) und Tone, welch letztere in der Form von »Onium-Tonen« vorhanden sein
können. Durch die kombinierte Verwendung der Kieselsäure mit einem geringeren Anteil an einem
Erdalkalimetalloxyd, wie z. B.Magnesia oder Kalk, erhält man Fette mit verbesserten Korrosionsverhütungseigenschaften.
»Onium-Tone« erhält man durch Behandlung stark basenaustauschender Tone,
z. B. Wyoming-Bentonit oder Hectorit, mit einer oberflächenaktiven Oniumverbindung, beispielsweise
einer Ammonium-, Phosphonium-, Sulfonium- oder Stiboniumverbindung.
Die anorganischen Gelierungsmittel werden dem mineralischen Schmieröl vorzugsweise in hochexpandiertem
Zustand, beispielsweise mit einer Dichte von 0,1 bis 2,5 g/cms, einverleibt. Solche
hochvoluminösen Gele können in bekannter Weise mittels des »Aerosol«- und »Aerogel«-Verfahrens
oder des Lösungsmittelübertragungsverfahrens hergestellt werden. Eine besonders bevorzugte Methode
bestellt in dem Vermischen eines Hydrogels mit einem oberflächenaktiven Mittel, beispielsweise
einem Amin oder Teilamid von hohem Molekulargewicht, und Abfiltrieren des sich abscheidenden
Wassers. Anschließend wird das so modifizierte Hydrogel mit einem Mineralöl vermischt und das
restliche Wasser durch Absitzen oder Destillieren entfernt. Dieses Verfahren ist besonders wirtschaftlich,
und außerdem macht die Anwesenheit des oberflächenaktiven Mittels ein so hergestelltes
Schmierfett besonders wasserfest.
Das Sulfid des mehrwertigen Metalls kann dem Schmierfett in irgendeinem beliebigen Stadium des
Verfahrens hinzugesetzt werden, denn infolge seiner Unlöslichkeit in Wasser vereinigt es sich mit den
schmierfettbildenden Bestandteilen. Die Sulfide sind, von Spuren abgesehen, in Wasser weithin
unlöslich. Ein bevorzugtes Verfahren umfaßt die Bildung des Schmierfettes einschließlich des Gelierungsmittels
und des .mineralischen Schmieröls durch anschließende Einverleibung (durch Einkneten
oder eine ähnliche Technik) des Sulfids. Es ist indessen auch möglich, das Gelierungsmittel und
das Sulfid zusammen auszufällen, um ein Gel zu bilden und dieses Gel dann dem Schmieröl einzuverleiben.
Mineralöle, welche zur Verwendung bei der Zusammensetzung . der erfindungsgemäßen Schmierfette
besonders geeignet sind, sind Restöle, welche gemeinhin unter dem Namen »Zylinderölstocks«
oder »Bright Stocks«, d. h. raffinierte und entparaffinierte Zylinderölstocks, bekannt sind. Vorzugsweise
besitzen diese Öle einen Gehalt an aromatischen Kohlenwasserstoffen von weniger als 15 Gewichtsprozent
und eine Viskosität von 1250 bis 11 000 SUS bei. 37,8°.
Für den Naclnveis der Stabilität der erfmdungsgemäßen
Schmierfette gegenüber thermischer oder oxydativer Zersetzung werden drei Arten von Tests
verwendet. Bei dem ersten Test wird ein Film des Schmierfetts von etwa 0,33 mm Dicke auf einer mit
dem Sandstrahlgebläse behandelten Stahlplatte ausgebreitet und 6 Stunden lang bei 2000 in einer
Atmosphäre umlaufender Luft erhitzt. Schmierfette, welche einen »Bright Stock« und 10 Gewichtsprozent
eines Silikaaerogels enthalten, verkohlen unter diesen Verhältnissen. Wird ein entsprechendes
Schmierfett, welches außer dem Silikagel noch 5 Gewichtsprozent des Gesamtschmierfettes Zinksulfid
enthält, unter den gleichen Bedingungen erhitzt, dann bleibt der Schmierfettfilm plastisch, und
sein Zustand, wie er. zu Beginn des Tests war, scheint praktisch unverändert zu bleiben.
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Ein zweites Untersuchungsverfahren besteht darin; daß ein verdünntes Schmierfett in einem
Dornte-Oxydationsapparat bei i8o° erhitzt wird, um das Maß der Sauerstoff auf nähme in Gegenwart
eines Katalysators aus gepulvertem Eisen zu bestimmen. Zu diesem Zweck werden die Schmierfette
mit zusätzlichen Mengen des gleichen Mineralschmieröls, wie es für das ursprüngliche Schmierfett
verwendet wurde, verdünnt, damit die Struktür genügend aufgelockert wird, um Sauerstoff
hindurchblasen zu können. Unter den beschriebenen ι Versuchsbedingungen waren bei einem fluiden
Schmierfett mit einem Gehalt von 2 Gewichtsprozent Kieselsäure und einem »Bright Stock« nur
1,1 Stunden erforderlich, um 1500 cm3 Sauerstoff
zu absorbieren. Ein ähnliches Schmierfett, welches zusätzlich 5 % Zinksulfid enthielt, blieb etwa achtmal
so lange stabil, als es bei dem sulfidfreien Schmierfett der Fall war.
Ein dritter Test zur Bestimmung der Wirkung der Sulfide besteht darin, daß das Schmierfett in
einem Lagergerät, welches bei 204,4° bis zum Versagen
der Schmierung (wobei eine hohe Geräuschschwelle oder ein Festbrennen des Geräts eintritt)
in Betrieb gehalten wird, verwendet wird. Bei diesem Test läßt man das Gerät 4 Stunden lang bei
der Temperatur der Außenluft laufen und erhöht dann die Betriebstemperatur auf die Dauer von
10 Stunden auf 204,4°. Dann wird die Maschine auf die Dauer von 10 Stunden abgestellt, worauf
der Arbeitszyklus wiederholt wird. Unter diesen Verhältnissen hältein Silika-Bright-Stock-Schmierfett
mit einem Gehalt von 10 Gewichtsprozent nur etwa einen Arbeitszyklus aus. Der Zusatz von
5 Gewichtsprozent Zinksulfid führte eine Zunahme von 1100 % an möglichen Arbeitszyklen herbei.
Ähnliche Ergebnisse erzielte man durch die Einverleibung
von 5 Gewichtsprozent Kupfersulfid oder
5 Gewichtsprozent Wolframdisulfid in Bright-Stock-Schmierfette,
die mit 10 Gewichtsprozent Silikaaeroigol gelatiniert worden waren.
Als ein weiteres Beispiel für ein erfindungsgemäßes Schmierfett sei ein Schmierfett erwähnt,
welches nach dem Lösungsmittelübertragungsverfahren aus einem »Zylinderölstock«und 8 Gewichtsprozent
eines gemeinsam ausgefällten Kieselsäure-Magnesia-Gels hergestellt worden war, wobei
das besagte Schmierfett auch 4 Gewichtsprozent Antimonpentasulfid enthielt. Hervorragende Ergebnisse
erhielt man auch, wenn ein Zylinderölstockschmierfett hergestellt wurde durch Einverleibung
eines gemeinsam ausgefällten Silika-Magnesia-Gels,
welches durch den Zusatz von etwa 40 Gewichtsprozent, auf das Gewicht des Gels bezogen, eines
speziellen oberflächenaktiven Mittels wasserfest gemacht worden war, wobei das Schmierfett ungefähr
6 Gewichtsprozent, auf das Gewicht des Gesamtschmierfettes bezogen, Zinksulfid enthielt. Das
spezielle oberflächenaktive Mittel ist in diesem Falle ein Kondensationsprodukt vonEpichlorhydrin
und Ammoniak, wobei ein Drittel der Aminogruppen durch die Reaktion mit einer Fettsäure von
oder mehr Kohlenstoffatomen in Amidgruppen umgewandelt worden waren. Die stabilisierende
Wirkung kann auch nachgewiesen werden durch die Einverleibung von Wolframsulfid in ein Bright-Stock-Schmierfett,
dessen Gelbildungsmittel ein Oniumton, hergestellt durch den Ionenaustausch zwischen Hectorit undDimethyl-dicetyl-ammoniumbromid,
ist.
Außer den wesentlichen drei Bestandteilenkönnen die erfindungsgemäßen Schmierfette noch andere
Stoffeenthalten, beispielsweise synthetische Schmiermittel, wie Phosphorsäureester, <z. B. Trioctylphosphat,
Trikresylphosphat oder Dihexylbenzolphosphonat, oder Tetrakieselsäureester, z. B. Tetraoctylsilikat
und Triphenyloctylsilikat.,
Weiterhin können die Schmierfette geringere Mengen bekannter oberflächenaktiver Mittel, welche
kationaktiv, aniionaktiv oder nicht ionogen sein können, zur Verbesserung der wasserabweisenden
Eigenschaften der Schmierfette enthalten.
Claims (5)
1. Schmierfett auf Mineralölgrundlage, welches eine zur Erzielung der Fettkonsistenz
ausreichende Menge, vorzugsweise 2 bis 20 Gewichtsprozent, bezogen auf das Gesamtschmierfett
eines anorganischen sauerstoffhaltigen Kolloids, wie Kieselsäure, gegebenenfalls mit einem
geringen Zusatz an Erdalkalioxyden oder Ton und gewünschtenfalls eine geringe Menge eines
oberflächenaktiven Mittels enthält, dadurch gekennzeichnet, daß es außerdem ein Sulfid eines
mehrwertigen Metalls enthält.
2. Schmierfett nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß das Sulfid des mehrwertigen Metalls ein Sulfid eines Schwermetalls mit einem spezifischen Gewicht von mehr als 4 bei
20°, insbesondere Zinksulfid ist. .
3. Schmierfett nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Sulfid des mehrwertigen
Metalls in einer Menge von 1 bis 10 Gewichtsprozent, vorzugsweise 2 bis 5 Gewichtsprozent,
bezogen auf das Gesamtschmierfett, vorhanden ist.
4. Schmierfett nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Mineralölgrundlage
ein »Zylinderöl-Stock« oder »Bright Stock«
, mit einem Aromatengehalt von weniger als 15 Gewichtsprozent und einer Viskosität von
1250 bis 11 000 SUS bei 37,8° ist.
5. Schmierfett nach Anspruch 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß es außer dem Mineralschmieröl
noch ein synthetisches Schmier mittel, z. B. einen Tetrakieselsäureester, enthält.
. ■
Angezogene Druckschriften:
Deutsche Patentschrift Nr. 829 198.
Deutsche Patentschrift Nr. 829 198.
© 609 526/413 5.56
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