Verfahren zur Gewinnung reiner Substanzen aus Gemischen hoch- siedener luft- und/ oder temperaturempfindlicher Substanzen, die eine hohe Trennleistung erfordern, durch Rektifikation im Fein- vakuum sowie für dieses Verfahren geeignete Kolonnen
Beschreibung
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Gewinnung reiner Sub- stanzen aus Gemischen hochsiedener luft- und/oder temperatur- empfindlicher Substanzen, die eine hohe Trennleistung erfordern, durch Rektifikation im Feinvakuum, insbesondere ein Verfahren zur Rektifikation von Roh-Vitamin-E-acetat zwecks Reinigung von leichter siedenden und höher siedenden Verunreinigungen, sowie für dieses Verfahren geeignete Kolonnen.
Bei der destillativen Aufarbeitung von Produktgemischen erzielt man im allgemeinen die besten Ergebnisse bei der sogenannten Ge- genstromdestillation (auch Rektifikation genannt), d.h. einem speziellen Destillationsverfahren mit Gegenstromführung von in Rektifizierkolonnen abströmendem Rücklauf und aufströmendem Dampf. Üblicherweise arbeitet man dabei mit Rektifizierkolonnen, bei denen das zu trennende Gemisch im mittleren Teil der Kolonne eingebracht wird, der Dampf sich auf seinem Weg durch die Kolonne von unten nach oben an leichterflüchtigen Komponenten anreichert, während sich der Rücklauf von oben nach unten an schwerer flüch¬ tigen Komponenten anreichert. Der Stoff- und Wärmetransport wird durch in die Kolonne eingebaute Elemente, wie Kolonnenböden, Füllkörper oder Packungen, die für eine ausreichende Berührungs- zeit der Phasen und eine hinreichende große Phasengrenzfläche sorgen, intensiviert. Durch diese Kolonneneinbauten, verbunden mit dem abströmenden Rücklauf ergibt sich jedoch in der Kolonne ein Widerstand, der sogenannte Druckverlust. Der Druckverlust einer Kolonne hängt neben Art und Menge der zu rektifizierenden Verbindungen sehr stark von der Art der Kolonneneinbauten ab.
Für die Auftrennung von hochsiedenden Substanzgemischen, die eine hohe Trennleistung erfordern, verwendet man im allgemeinen Rekti¬ fizierkolonnen, die in regelmäßiger Geometrie systematisch aufge- baute Packungen mit definierten Durchtrittsbereichen für die Ge- genstromphasen aufweisen, da sich regelmäßig strukturierte Pak- kungen gegenüber Füllkörpern durch höhere Belastbarkeit und eine bessere Trennwirkung auszeichnen, einen geringeren spezifischen Druckverlust sowie ein geringeres erforderliches Packungsvolumen und daher auch eine kleinere notwendige Stoff- und wärmeaustau¬ schende Höhe aufweisen. Sie werden daher bei allen Vakuumrekti¬ fikationen eingesetzt, bei denen es wegen der Temperaturempfind-
lichkeit des zu trennenden Gemisches besonders auf eine Begren¬ zung des Kolonnendruckverlustes ankommt. Besonders geeignete Ko¬ lonnenpackungen sind Metallgewebepackungen vom Typ BX und CY der Firma Sulzer (vgl. Firmenschrift "Trennkolonnen für Destillation und Absorption" der Firma Sulzer) und ähnlich wirksame Metallge¬ webepackungen anderer Firmen, wie der Montz GmbH.
Eine schematische Darstellung solcher Kolonnen findet man beispielsweise auf Seite 103 des Lehrbuches "Thermische Trennver- fahren" von Klaus Sattler, VCH Verlagsges.mbH, Weinheim (BRD), 1988. Bezüglich näherer Einzelheiten über die Rektifikation von Substanzgemischen verweisen wir auf dieses Lehrbuch von Klaus Sattler, Seiten 101-225, insbesondere 120-160 und 199-214.
Die höchste Produkttemperatur tritt im Sumpf einer Kolonne auf. Sie wird außer vom Kopfdruck maßgeblich von dem für die erforder¬ liche Trennleistung bedingten Druckverlust der Kolonneneinbauten bestimmt. Bei Rektifikationskolonnen hat die Absenkung des Kopf- druckes auf unter 0,5 mbar keinen wesentlichen Einfluß auf die Sumpftemperatur.
Für zahlreiche hocnsiedende Gemische ist die thermische Belast¬ barkeit so gering, daß sich trotz Verwendung der beschriebenen Metallgewebepackungen mit geordneter Struktur und Kopfdrucken in der Kolonne von nur 0,5 bis 1 mbar durch den Druckverlust an den für die erforderliche Trennleistung benötigten Gewebepackungen im Sumpf Temperaturen auftreten würden, die oberhalb des Zerset¬ zungsbereichs der zu trennenden Verbindungen liegt. Für die destillative Auftrennung solcher Gemische arbeitet man daher bis- her im allgemeinen im Hochvakuumbereich (ca. IO-1 bis IO"5 mbar), d.h. man wendet Kurzwegdestillationen oder Molekulardestillatio¬ nen an. Bei Gemischen mit geringen relativen Flüchtigkeiten sind mit diesen Destillationen hohe Reinheiten jedoch nur mit niedri¬ gen Destillationsausbeuten erzielbar.
Ein Beispiel für ein Gemisch hochsiedender und stark luft- und/ oder temperaturempfindlicher Substanzen, die eine hohe Trennlei¬ stung erfordern, ist synthetisches Vitamin-E-acetat (VEA) , wel¬ ches technisch durch Umsetzen von Trimethylhydrochinon mit Phytol oder Isophytol und anschließende Veresterung mit Acetanhydrid hergestellt wird und noch geringe Mengen an gefärbten leichter siedenden und höher siedenden Verunreinigungen enthält. Da VEA in zunehmendem Maße für die menschliche Ernährung bzw. Gesundheit¬ sprophylaxe verwendet wird, werden immer höhere Anforderungen an die Reinheit dieses Produktes gestellt. Die für die Reinigung von Produkten im industriellen Maßstab im allgemeinen sehr vorteil¬ hafte Rektifikation bereitet bei VEA durch dessen hohen Siede-
punkt verbunden mit seiner Zersetzlichkeit bei höheren Temperatu¬ ren große Probleme. Deshalb werden bisher im wesentlichen De¬ stillationen im Hochvakuum oder gar Molekulardestillationen durchgeführt um VEA bei möglichst niedrigen Temperaturen destil- lieren zu können.
Trotz Anwendung von Hochvakuum (10"1 bis IO"5 mbar) werden nach dem Stand der Technik im allgemeinen nur Reinheiten von 97,3 %
(vgl. DE 2 743 920), 98 % (vgl. DE 42 08 477 und JP-3-58 011 869), 98,5 % (vgl. US 3 459 773) oder 98,5 bis 99 %
(vgl. DE 2 160 103) erzielt. Reinheiten über 99 % wurden nur durch Molekulardestillation erzielt, nämlich Reinheiten von 99,3 % gemäß JP-A 51/14671 und 99,5 % gemäß JP-A-62/226976, wobei anzumerken ist, daß vermutlich die so erhaltenen Produkte bei Un- tersuchung mit den heute angewendeten genaueren Analysenmethoden und reineren Vergleichssubstanzen niedrigere Reinheitswerte erge¬ ben würden. Zudem sind die so erzielbaren Destillationsausbeuten jeweils recht gering.
Da jedoch Destillationen unter Hochvakuum insbesondere aber Mole¬ kulardestillationen, bei hohen Reinheiten neben dem Nachteil der geringen Destillationsausbeuten sowohl bezüglich der Investi¬ tionskosten als auch hinsichtlich der laufenden Betriebskosten außerordentlich aufwendig und daher sehr teuer sind, war es die Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren zur destillativen Trennung von hochsiedenden luft- und/oder temperaturempfindlichen Substan¬ zen, die eine hohe Trennleistung erfordern, zu entwickeln, bei dem keine Hochvakuumdestillation oder gar Molekulardestillation notwendig sind, d.h. ein Verfahren bei dem ein Kopfvakuum von 0,1 bis 2 mbar ausreicht und dadurch wesentlich weniger aufwendige Vakuumerzeugungsverfahren notwendig sind und eine hohe Destilla¬ tionsausbeute erzielt wird.
Insbesondere war es die Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren zur destillativen Feinreinigung von VEA zu finden, mit dessen Hilfe man farbloses VEA mit einer Reinheit von 99 % oder mehr und guten Destillationsausbeuten auch durch Rektifikation im Feinvakuum in Kolonnen enthaltend Metallgewebepackungen mit geordneter Struktur erhalten kann.
Gegenstand der Erfindung ist nun ein Verfahren zur Gewinnung rei¬ ner Substanzen aus Gemischen hochsiedender luft- und/oder temperaturempfindlicher Substanzen, die eine hohe Trennleistung erfordern, durch Rektifikation im Feinvakuum in Kolonnen enthal- tend Metallgewebepackungen mit geordneter Struktur, das dadurch
gekennzeichnet ist, daß man die Rektifikation in einer Stoffau¬ stauschkolonne durchführt, in der
a) die Flüssigkeitsverteilung mit Kanalverteilern mit gleich oder mehr als 500 Abtropfstellen/m2, vorzugsweise 900 bis
1200 Abtropfstellen/m2, vorgenommen wird,
b) in der die Kanäle der Verteiler im Winkel von etwa 90° zu den Gewebelagen der direkt unter dem Verteiler befindlichen Pak- kungselemente angeordnet sind,
c) in der sich direkt unterhalb der Flüssigkeitsverteiler je¬ weils 2 oder mehrere Packungselemente mit einer Höhe von nur 20 bis 100 mm Höhe befinden, deren Gewebelagen jeweils um 90° zueinander gedreht sind,
d) daß die Kolonne so gestaltet ist, daß während der Rektifikation praktisch kein Wärmeaustausch durch die Kolon¬ nenwand stattfinden kann und
e) daß bei luftempfindlichen Substanzen die Kolonne so gestaltet ist, daß praktisch unter Luftausschluß gearbeitet werden kann.
Mit besonderem Vorteil gelingt das erfindungsgemäße Verfahren wenn man mit Gewebepackungen arbeitet, bei denen der Neigungswin¬ kel der Zahnung der einzelnen Gewebelagen der Packung gegen die Kolonnenachse möglichst gering ist, um den spezifischen Druckver¬ lust der Packung zu minimieren.
Während der Neigungswinkel der Zahnung bei den üblichen BX-Sul- zerpackungen im allgemeinen 30° beträgt, werden bei dem erfindungsgemäßen Verfahren Gewebepackungen bevorzugt, deren Nei¬ gungswinkel der Zahnung der Gewebelagen gegen die Kolonnenachse 0 bis 25°, vorzugsweise 3 bis 10° beträgt. Der Neigungswinkel der Zahnung der Gewebelagen gegen die Kolonnenachse wird in Figur 1 veranschaulicht. In dieser Figur bedeutet 1 den Neigungswinkel der Zahnung der Gewebelagen gegen die Kolonnenachse und 2. Gewebe- lagen.
Besondere Bedeutung hat das erfindungsgemäße Verfahren für die Feinreinigung von VEA, d.h. für den Fall, daß man als Gemisch hochsiedender luft- und/oder temperaturempfindlicher Substanzen, ein mit gefärbten leichter siedenden und höher siedenden Substan- zen verunreinigtes VEA rektifiziert.
Am Beispiel der Reinigung von VEA soll im folgenden das erfindungsgemäße Verfahren mit seinen apparativen und verfahrens¬ technischen Entwicklungen näher erläutert werden.
Bei Betriebskolonnen sind Kopfdrucke von 0,5 bis 1 mbar noch mit vertretbarem technischem Aufwand realisierbar. VEA weist bei einem Druck von 1 mbar eine Siedetemperatur von ca. 240°C auf. Durch die begrenzte thermische Stabilität von VEA ist die Temperatur im Kolonnensumpf auf ca. 260 bis 270°C begrenzt. Eine Rektifikationskolonne darf daher maximal mit einem Sumpfdruck von nur 4 mbar betrieben werden. Dies bedeutet, daß nur ein Druckver¬ lust von ca. 3 bis 3,5 mbar zwischen Kopf und Sumpf der Kolonne toleriert werden kann. Dies ist sehr schwierig zu erreichen, da zur Feinreinigung von VEA eine Trennleistung von etwa 10 bis 30 Trennstufen erforderlich ist und man normalerweise mit einem Druckverlust von 0,3 bis 0,5 mbar pro Trennstufe rechnen muß. In den erfindungsgemäßen Arbeitsbereichen lagen bezüglich der Druck¬ verluste keine Messungen vor.
Gemäß Merkmal a) des Hauptanspruch wird eine Flüssigkeitsvertei¬ lung mit Kanalverteilern mit gleich oder mehr als 500 Abtropf- stellen beansprucht. Ähnliche auch "Kapillarverteiler" genannte aber runde Verteiler werden von den Firmen Sulzer und Montz ver¬ trieben und werden beispielsweise in EP 512 277 beschrieben. Be- kannte Kanalverteiler weisen im allgemeinen nur 50 bis 60 Ab¬ tropfstellen pro rn2 auf.
Die erfindungsgemäße Verwendung der Kanalverteiler bewirkt auf 2 verschiedene Weisen eine Verminderung des sogenannten Druckverlu- stes. Zum einen bedingen sie eine schnelle äußerst feine Ver¬ teilung und damit letztlich eine bessere Nutzung der Packung zum Verteilen des zu trennenden Gemisches und zum anderen eine sehr geringe Berieselungsdichte. Für Sulzer-Packungen vom BX-Typ wer¬ den Flüssigkeitsbelastungen ab ca. 0,2 m3/m2-h als untere Bela- stungsgrenze angegeben. Durch die erfindungsgemäße Anwendung der Kanalverteiler mit gleich oder mehr als 500, vorzugsweise 900 bis 1200 Abtropfstellen werden beim VEA Flüssigkeitsbelastungen beim erfindungsgemäßen Verfahren von nur 0,03 bis 0,3 m3/m2-h am Kopf und 0,03 bis 1,0 m3/m2-h im Abtriebsteil der Kolonne erreicht. Überraschenderweise wurde gefunden, daß auch bei so niedrigen Flüssigkeitsbelastungen, die für eine optimale Trennleistung er¬ forderliche vollständige Benetzung der Metallpackungen sicherge¬ stellt ist. Durch diese geringe Berieselungsdichte wird die Gas¬ belastung in der Kolonne und damit der Druckverlust außerordent- lieh gering.
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Zur Erreichung einer optimalen Trennleistung ist jedoch nicht nur eine hohe Abtropfstellenzahl sondern auch die Anordnung der Ver¬ teiler im Bezug auf die Packungselemente wichtig.
Eine Lage einer Gewebepackung besteht im allgemeinen aus einer Vielzahl üblicherweise einzelner, 170 mm hoher Gewebelagen. Jede Packungsiage wird beim Einbau um jeweils 90° im Bezug auf die vor¬ hergehende eingebaut. Die Anordnung der Verteiler erfolgt eben¬ falls um 90° gedreht in Bezug auf das direkt unter den Verteilern befindliche Packuπgselerr.er.t, bzw. die dort befindliche Packungs¬ lage.
Die Flüssigkeit breitet sich nun auf einer dieser Gewebelagen in einem bestimmten Winkel aus. Nach einer von dem Ausbreitungswin- kei und dem Abstand zweier Abtropfsteiler, abhängigen Einläuflänge hat sich ein gleichmäßiger Film über einer Gewebelage ausgebil¬ det.
Eine optimale Ausnutzung der Packung, d.h. eines schellstmögliche Verteilung der Flüssigkeit auf allen Gewebelagen erzielt man, wenn man an dieser Stelle die Packung um 90° dreht.
Erfindungsgemäß werden daher unterhalb der Flüssigkeitsverteiler 2 oder mehrere Packungselemente mit einer Höhe von nur 20 bis 100 mm, vorzugsweise 25 bis 50 mm, insbesondere 35 bis 45 mm ein¬ gesetzt, deren Gewebelagen jeweils um 90° zueinander gedreht sind. Durch das Trennen der Packung in Elemente mit geringerer Höhe kann eine schnellstmögliche Verteilung und damit eine optimale Ausnutzung der Packung zum Trennen erzielt werden. Bei der her- kömmlichen Packungsanordnung dagegen beträgt die Einlauflänge ca. 340 mm, was bedeutet, daß bei einer Packungshöhe von 2 Metern ca. 17 % der Packung nicht voll für die eigentliche Trennoperation genutzt werden.
Gemäß Merkmal e) soll die Rektifikation praktisch unter Luftaus¬ schluß durchgeführt werden.
Laborversuche haben gezeigt, daß es z.B bei VEA bei den für die Rektifikation benötigten hohen Temperaturen schon bei geringsten Leckagen in der Destillationseinrichtung zu einer Dunkelfärbung des Produktes kommt, die Aufgrund der hohen Qualitats¬ anforderungen nicht toleriert werden kann. Die Verwendung von neu entwickelten besonders hochwertigen Dichtungsmaterialien, wie Helicoflex- der Firma Cefilac, zur Abdichtung von Flanschen und/ oder Öffnungen für Geräte zur Prozeßüberwachung ist daher unbe¬ dingt notwendig. Zur Abdichtung von Flanschen verwendet man mit besonderem Vorteil sogenannte Schweißlippendichtungen, wie sie
beispielsweise in den deutschen Patentschriften DE 27 10 859,
DE 39 12 478 oder DD 44 07 728 beschrieben sind.
Wie bereits dargestellt, zirkulieren in den erfindungsgemäßen Feinvakuumrektifikationskolonnen nur geringe Stoffströme. Daher führt jeder Wärmeverlust sofort zu wilder, d.h. unkontrollierter Kondensation an der Kolonnenwand, welche die Trennleistung der Kolonne reduziert. Die Verhinderung eines Wärmeaustausches durch die Kolonnenwand kann am besten durch eine Kombination aus Isola- tion und Schutzbeheizung der Kolonne gewährleistet werden.
Die technische Ausführung einer solchen Schutzbeheizung wird mit Vorteil praktisch auf folgende Weise realisiert: Auf einer ersten Isolierschicht auf dem Kolonnenmantel wird ein Blechmantel ange- bracht. Dieser Blechmantel wird erneut isoliert. Auf diese Iso¬ lierschicht wird dann ein weiterer Blechmantei und die Heizung aufgebracht und diese schließlich nach außen isoliert. Die Rege¬ lung der Heizung erfolgt dann derart, daß die Temperaturdifferenz zwischen dem Kolonnenmantel und dem ersten Blechmantel Null be- trägt.
Für die erfindungsgemäße Feinreinigung von VEA ist es notwendig, daß man bei der Rektifikation mit Kopfdrucken von 0,2 bis 1 mbar, vorzugsweise 0,5 bis 1 mbar und mit Sumpfdrucken von 1 bis 4 mbar, vorzugsweise 1,5 bis 3,5 mbar, insbesondere 2 bis 3 mbar, arbeitet.
Bei der erfindungsgemäßen Rektifikation von VEA werden die Pak- kungskolonnen mit einer Flüssigkeitsbelastung zwischen 0,03 und 0,3 m3/m2-h im Verstärkungsteil der Kolonne und mit einer Flüssig¬ keitsbelastung zwischen 0,03 und 1,0 m3/m2-h im Abtriebsteil der Kolonnen betrieben.
Zur Abtrennung von färbenden leichter siedenden Verunreinigungen und höher siedenden Verunreinigungen sind im allgemeinen und auch beim VEA 2 Kolonnen notwendig. Die Figuren 2a und 2b stellen schematisch 2 mögliche Destillationskonzepte für die Rektifikation von VEA in 2 Packungskolonnen dar. Hierin bedeuten
1 Zulauf für Roh-Vitamin-E-acetat
2 Ablauf für Feed-Qualität
3 Ablauf für Feed-Qualität + Rückstand
4 Ablauf für Destillat
5 Ablauf für Food bzw. Pharma-Qualität, d.h. Reinheit > 99 % 6 Sumpf-Strom
7 Rektifikation zur Abtrennung der Schwersieder
8 Rektifikation zur Abtrennung der Leichtsieder.
Man kann aber auch äquivalente Destillationseinrichtungen, wie eine sogenannte Trennblechkolonne verwenden. Unter einer Trenn- blechkolonne versteht man allgemein eine Kombination von 2 ge¬ trennten Kolonnenpackungen innerhalb von einem äußeren Kolonnen- mantel, an dem sich Zulauf und Seitenabzug befinden.
Eine solche Trennblechkolonne ist schematisch in Figur 2c darge- stellt. Hierin haben 1, 2, 3 und 5 die gleiche Bedeutung wie in den Figuren 2a und 2b und 9 bedeutet Trennblechkolonne.
Gegenstand der Erfindung sind auch die für das erfindungsgemäße Verfahren ausgerüsteten Packungskolonnen sowie deren Verwendung für die Feinreinigung von verunreinigtem VΞA durch Rektifikation im Druckbereich zwischen 0,1 und 2 mbar.
Es handelt sich dabei um Packungskolonnen mit Abtriebsteil und Verstärkungsteil enthaltend Metallgewebepackungen mit geordneter Struktur, die jeweils um 90° zueinander gedreht sind zum Rektifi¬ zieren von Gemischen hochsiedender luft- und/oder temperatur¬ empfindlicher Substanzen, die eine hohe Trennleistung erfordern, bei Kopfdrücken von 0,1 bis 2 mbar, die dadurch gekennzeichnet sind,
a) daß sie als Flüssigkeitsverteiler sogenannte Kanalverteiler- mit gleich oder mehr als 500 Abtropfstellen/m2, vorzugsweise 900 bis 1200 Abtropfstellen/m2 pro m2 enthalten,
b) die Kanäle der Flüssigkeitsverteiler im Winkel von etwa 90° zu den Gewebelagen der direkt unter dem Verteiler befindli¬ chen Packungselemente angeordnet sind,
c) daß sie unterhalb der Flüssigkeitsverteilung 2 oder mehrere Packungselemente mit einer Höhe von nur 20 bis 100 mm Höhe enthalten, deren Gewebelagen jeweils um 90° zueinander ge¬ dreht sind,
d) daß sie eine Kombination aus Isolierung und Schutzbeheizung enthalten, durch die gewährleistet ist, daß während der
Rektifikation praktisch kein Wärmeverlust durch die Kolonnen¬ wand stattfinden kann und
e) daß Dichtungen und Flansche so ausgestaltet sind, daß prak- tisch ein Luftausschluß gewährleistet ist.
Eine erfindungsgemäß für die Rektifikation von VEA einsetzbare Packungskolonne ist in Figur 3 schematisch dargestellt.
Hierin bedeuten:
1 Zulauf für Kühlmedium
2 Kondensator
3 Ablauf für Kühlmedium
4 Destillat 5 Rücklauf
6 Kanal-Flüssigkeitsverteiler mit gleich oder mehr als 500 Ab¬ tropfstellen/m2
7 Packungselemente mit einer Höhe von 20 bis 100 mm
8 Packungselemente mit einer Höhe von ca. 170 mm 9 Schutzheizung
10 Zulauf für Roh-VEA
11 Flüssigkeitssammler
12 Seitenabzug
13 Dichtungselement 14 Ablauf für Heizmedium (Ausgang)
15 Rieselfilmverdampfer
16 Zulauf für Heizmedium (Eingang)
17 Sumpfabzug.
Mit Hilfe der erfindungsgemäßen Packungskolonnen und des erfindungsgemäßen Verfahrens ist es möglich Gemische hoch¬ siedender luft- und/oder temperaturempfindlicher Substanzen, die eine hohe Trennleistung erfordern, wie Roh-VEA oder Gemische von Tocopherolen mit Verunreinigungen, auch im Feinvakuum, d.h. bei Drucken von 0,2 bis 2 mbar, vorzugsweise 0,5 bis 1 mbar in Kolon¬ nen mit druckverlustarmen Gewebepackungen mit sehr guten De¬ stillationsausbeuten zu rektifizieren.
Beispielhafte Beschreibung des Verfahrens zur Reinigung von Roh- Vitamin-E-acetat nach dem Destillationskonzept gemäß Figur 2a.
Entgastes, synthetisch hergestelltes Roh-Vitamin-E-acetat mit einem Gehalt von etwa 96 % VEA wird bei einer Temperatur zwischen 200 und 250 Grad Celsius durch den Zulauf 10 in die Mitte der ersten Rektifikationskolonne mit einer Packungshöhe von 3 bis 5 m vom Typ Sulzer BX oder Montz A3 eingetragen. Die Flüssigkeit wird am Kopf und am Zulauf der Kolonne mit den neu entwickelten Hoch- leistungs-Kanalverteilern 6 gleichmäßig über den Kolonnenquer¬ schnitt verteilt. Unterhalb der neu entwickelten Kanalverteiler befinden sich die Packungseiemente 7 mit einer Höhe von nur 20 bis 100 mm Höhe. Die Gewebelagen der direkt unter den Kanalver¬ teilern 6 angeordneten Packungselemente sind zu den Kanälen der
Flüssigkeitsverteiler im Winkel von 90° verdreht. Die Kolonne ist mit einer Schutzheizung 9 ausgestattet und wird adiabatisch be¬ trieben. Flansche und Stutzen sind mit Schweißlippendichtungen bzw. hochwertigen Metalldichtungen versehen.
Der Kopfdruck der Kolonne beträgt 0,5 bis 1 mbar. Das Rücklauf¬ verhältnis beträgt 2 bis 4. Die in der Kolonne zurücklaufende Flüssigkeit hat eine Temperatur zwischen 170 und 220 Grad Cel¬ sius. Am Sumpf der Kolonne wird 5 bis 20 % des ZulaufStromes ent- nommen.
Das am Kopf der ersten Kolonne entnommene Produkt mit einer Temperatur von 200 bis 250°C in die Mitte der zweiten Rektifikati¬ onskolonne mit 3 bis 5 m Packungshöhe vom Typ Sulzer BX oder Montz A3 gefördert. Die Flüssigkeit wird am Kopf und am Zulauf mit den neu entwickelten Hochleistungs-Kanalverteilern über den Kolonnenquerschnitt verteilt. Auch diese Kolonne ist mit einer Schutzheizung ausgerüstet und wird adiabatisch betrieben. Flan¬ sche und Stutzen sind mit Schweißlippendichtungen bzw. hochwerti- gen Metalldichtungen versehen.
Der Kopfdruck der Kolonne beträgt ca. 0,5 mbar. Das Rücklauf - Verhältnis beträgt 5 bis 15. Die in die Kolonne zurücklaufende Flüssigkeit hat eine Temperatur zwischen 170 bis 220°C. Am Kopf und im Sumpf der Kolonne werden 5 bis 20 % des ZulaufStromes ent¬ nommen. Das im Seitenabzug unmittelbar oberhalb des Verdampfers der zweiten Kolonne entnommene, Vitamin-E-acetat ist nahezu farb¬ los (Farbzahl kleiner als 2) und weist Pharma-Qualität auf mit einer Reinheit von mehr als 99 %. Die Ausbeute an so reinem Produkt beträgt etwa 50 % der Theorie.
In einem Dünnschichtverdampfer wird bei einem Druck zwischen 1 bis 5 mbar der Rückstand von der Sumpfentnähme der ersten Rekti¬ fikationskolonne abgetrennt. Das so gewonnene Destillat kann wie das Kopf- und Sumpfprodukt der zweiten Kolonne als Vitamin-E-ace¬ tat für Viehfutterzwecke (feed-Qualität) verkauft werden. Diese Produkte enthalten im allgemeinen 90 bis 99 % VEA. Die gesamte Destillationsausbeute an feed- und Pharma-VEA beträgt zwischen 95 und 98 %.