Die Erfindung betrifft eine mechanisch und elektrisch codierte Vorrichtung zur
Verriegelung und Entriegelung eines in einem ersten feststehenden Teil beweglich
gelagerten zweiten Teiles mit Hilfe von Riegelmitteln, die von einem als elektromechanischer
Wandler ausgebildeten Aktor getrennt sind und von einem dem
Aktor zugeordneten, von diesem auf einer Achse A bewegbaren Stellelement zur
Durchführung der Verriegelung und Entriegelung derart verstellbar sind, daß die
im ersten Teil geführten Riegelmittel im Verriegelungszustand in mindestens eine
Aufnahme des zweiten Teiles greifen und sich im Entriegelungszustand außer
Eingriff mit dem zweiten Teil befinden und dessen Bewegung relativ zum ersten
Teil zulassen, sofern die Benutzercodes zu den vorerwähnten definiert vorgegebenen
Codes passen.
Im Gebrauchsmuster DE 88 02 880 U wird eine Vorrichtung zur Arretierung eines
verdrehbaren oder verschiebbaren Teiles beschrieben, bei der ein elektromagnetischer
Aktor bei Bestromung eine radiale Ausweichbewegung von Kugeln verhindert
und hierdurch einen Mitnehmerschaft derart blockiert, daß dieses ansonsten zu
einem feststehenden Teil relativ bewegliche Teil mit dem feststehenden verbunden
bleibt. Nachteilig bei einer solchen Vorrichtung ist es, daß diese aus einer Vielzahl
von Einzelteilen besteht, die komplizierte und teure Fertigungs- und Montageverfahren
bedingen, und daß eine solche Vorrichtung eben aufgrund der erforderlichen
Vielzahl der Bauteile relativ großbauend ist.
Aus der DE 40 29 208 A1 ist ein Zylinderschloß mit mechanischer und elektronischer
Codierung bekannt. Bei diesem Schloß besteht der Verriegelungsmechanismus
ebenfalls aus einem elektromagnetischen Aktor, der bei Übereinstimmung
des Benutzercodes mit einem definiert vorgegebenen Code ausgelöst wird und
hierbei auf Riegelmittel einwirkt. Diese sind durch einen Sperrstift gebildet, der
mit einer dein Zylinderkern des Schlosses zugeordneten ringförmigen Sperrscheibe
zusammenwirkt. Diese ist auf den Zylinderkern aufgesetzt und mit diesem mittels
eines durchgreifenden Befestigungszapfens drehfest verbunden. Die Sperrscheibe
hat eine Ausnehmung, in die bei Bestromung des Aktors ein an dessen freiem Ende
vorgesehener Stift eingreifen und somit eine Blockierung oder Freigabe des
Zylinderkernes bewirken kann. Auch eine solche Ausführungsform weist eine
Vielzahl von miteinander zusammenwirkenden, kompliziert herstellbaren Einzelteilen
auf und ist deshalb kostenintensiv in der Herstellung und recht voluminös.
Die Aufgabe der Erfindung besteht in der Schaffung einer Verriegelungsvorrichtung,
die bei hoher Funktionssicherheit und relativ einfacher Funktion aus nur
wenigen Teilen besteht, kleinbauend ist und besonders preisgünstig hergestellt
werden kann.
Diese Aufgabe wird bei einer Vorrichtung der einleitend erwähnten Art erfindungsgemäß
so gelöst, daß bei Bewegung des Stellelementes in einer Richtung die
Riegelmittel aus einer ersten Position jeweils auf einer feststehenden Bahn mit im
Verhältnis zur Achse A axialer und radialer Bewegungskomponente in eine zweite
Position verstellbar und in Eingriff mit der jeweiligen Aufnahme bringbar sind und
daß bei Bewegung des Stellelementes in entgegengesetzter Richtung die Riegelmittel
auf der gleichen Bahn zurück in die erste Position bringbar sind.
Wenn die Achse A bei Einbaulage der Vorrichtung senkrecht verläuft, wird zweckmäßigerweise
jede in den ersten feststehenden Teil eingearbeitete Bewegungsbahn
für die Riegelmittel unter einem vorgegebenen Winkel α zur Achse geneigt nach
außen und oben verlaufen. Die Riegelmittel bestehen vorzugsweise aus mindestens
einem Rollkörper, der beim Entriegelungsvorgang allein unter Einwirkung der
Schwerkraft selbsttätig auf seiner Bewegungsbahn in die erwähnte erste Position
abrollen kann, wenn der Verlauf dieser Bahn im Verhältnis zur Achse A wie
erwähnt gewählt wird.
Gleiches ließe sich im Prinzip auch erreichen, wenn anstelle von Rollkörpern
Gleitkörper verwendet werden, wobei dann allerdings die Bewegungsbahnen für
die Gleitkörper relativ steil verlaufen sollten, damit diese sicher beim Entriegelungsvorgang
nach unten und innen zur Achse A hin abgleiten können. Als Rollkörper
werden insbesondere Kugeln, Zylinder und Walzenkörper mit glatter und
reibungsarmer Oberfläche geeignet sein.
Das Stellelement ist zweckmäßigerweise als Druckstück mit zur Achse A geneigten
Dachflächen ausgebildet, über welche die Riegelmittel bzw. Rollkörper bei
Bewegung des Druckstückes auf der Achse A in der einen Richtung, bei senkrechter
Stellung der Achse A nach oben, in ihre zweite Position gedrückt werden. Für
jeden Rollkörper ist jeweils eine Dachfläche vorgesehen, die zur Bewegungsbahn
des zugehörigen Rollkörpers in einem vorgegebenen Winkel geneigt verläuft.
Eine besonders günstige Ausführung der Vorrichtung ergibt dich wenn zwei
Rollkörper als Riegelmittel vorgesehen werden, die sich mit ihrer zugehörigen
Bewegungsbahn und Dachfläche jeweils diametral und spiegelbildlich symmetrisch
zur Achse A gegenüberliegen, da auf diese Weise erreicht wird, daß auf den
Aktor und die diesem zugeordneten beweglichen Teile keine Seitenkräfte einwirken
können.
Als Aktor kommt vor allem ein elektrisch über einen vorgegebenen Code ansteuerbarer
Magnet in Betracht. Andere Aktoren sind allerdings auch geeignet, wie etwa
elektrisch ansteuerbare und mit Strom zu betreibende Dehnkörper.
Die Verwendung von elektrisch ansteuerbaren und betätigbaren Magneten wird
sich allerdings besonders bewähren, da diese Magneten je nach Aufgabenstellung
als Hubmagnet oder als Zugmagnet ausgebildet sein können, was davon abhängt,
ob im elektrisch unbestromten Zustand der beweglich gelagerte zweite Teil der
Vorrichtung mit dem ersten feststehenden Teil verriegelt oder entriegelt werden
soll. Sind beide Teile im unbestromten Zustand des Magneten verriegelt, so muß
zur Entriegelung der Magnet bestromt werden. Hierfür ist dann ein Zugmagnet
erforderlich, der bei Bestromung die Vorrichtung entriegelt. Umgekehrt verhält es
sich, wenn die Vorrichtung in unbestromtem Zustand des Aktors bzw. Magneten
entriegelt sein soll. Dann muß zur Verriegelung der Aktor nach Eingabe des
vorgegebenen Codes bestromt werden. Ein Hubmagnet bewegt dann die Riegelmittel
mit Hilfe des dachförmigen Druckstückes in ihre jeweiligen Aufnahmen.
Die vorher erwähnten Dehnkörper haben sich auch als Aktoren bewährt, da sie
teilweise noch kleiner bauen als elektromagnetische Aktoren. Als Dehnkörper kann
zum Beispiel ein Bi-Metall eingesetzt werden, das sich durch Bestromung erwärmt
und dabei seitlich ausgelenkt wird. Diese Auslenkung kann je nach vorgegebener
Aufgabe eine Verriegelung oder Entriegelung der Vorrichtung einleiten. Im
übrigen besteht der Vorteil einer solchen Lösung darin, daß bis zur invertierten
Ausführung eines eingegebenen Signales nach dessen Löschkommando eine
gewisse Verzögerung durch die Abkühlzeit des Bi-Metalles eintritt. Dieses kann
besonders bei sicherheitsrelevanten Verriegelungsmechanismen besondere Bedeutung
haben.
Wird der Verriegelungsmechanismus auf der elektrischen Seite beispielsweise
durch eine autarke Energieversorgung, also etwa durch einen Akkumulator oder
eine Batterie, gespeist, werden auch Biege-Piezoelemente als Aktoren verwendbar
sein. Diese sind in der Wirkung und Ausführung bezogen auf die Ausführung des
Eingabesignalbefehles vergleichbar mit der Wirkungsweise eines Bi-Metalles. Sie
benötigen jedoch aufgrund ihrer piezoelektrischen Eigenschaften nur während der
tatsächlichen Bewegungszeit von weniger als einer Milisekunde Energie. Selbst
bei länger anstehendem Eingangssignal wird praktisch keine Leistung mehr
benötigt, da diese Elemente sich dann wie ein aufgeladener Kondensator verhalten
und nur noch ein vernachlässigbar geringer Leckstrom benötigt wird.
Werden bei groß dimensionierten und relativ selten eingesetzten Vorrichtungen der
erfindungsgemäßen Art große Kräfte zum Verriegeln oder Entriegeln benötigt,
werden sich als Aktoren solche aus Formgedächtnismetallen bewähren. Hierbei
wird dem Aktor unter entsprechenden Maßgaben eine Form aufgezwungen, die er
nur bei Erreichen einer bestimmten Temperatur einnimmt. Wenn diese Temperatur
über- oder unterschritten wird, nimmt der Aktor eine andere vorgegebene Form
ein. Im übrigen kann ein solcher Aktor beispielsweise aus einer Wendel- oder
Spiralfeder bestehen, die im normalen Temperaturbereich eine große vorgespannte
Länge hat und eine Kraft ausübt, welche die beispielsweise als Rollkörper ausgebildeten
Riegelmittel in deren Aufnahmen fixiert. Wird diese Feder z. B. als
elektrisches Widerstandselement ausgebildet, das sich bei Anlegen eines elektrischen
Stromes auf die vorgegebene Temperatur erwärmt, reduziert sich die
Länge der Feder auf ihren vorbestimmten Wert. Hierbei werden die Rollkörper
freigegeben und die Vorrichtung entriegelt. Ein Absenken dieser erhöhten Temperatur
auf den ursprünglichen Ausgangswert bringt dann die Feder wieder auf ihre
kraftausübende Länge, und die Rollkörper werden wieder in die Aufnahmen
bewegt und fixiert und somit die Vorrichtung verriegelt.
In der anliegenden Zeichnung sind Ausführungsbeispiele der Erfindung dargestellt,
die nachfolgend beschrieben werden. Es zeigt:
- Fig. 1
- eine erfindungsgemäße Vorrichtung in gesperrtem Zustand bei
unbestromtem Aktor, und zwar als Querschnitt durch ein Zylinderschloß
im Bereich des Aktors und der Riegelmittel,
- Fig. 2
- einen Teilschnitt gemäß der Schnittlinie II-II in Fig. 1 bei bestromtem
Aktor,
- Fig. 3
- den gleichen Schnitt wie Fig. 2, jedoch in nicht bestromtem Zustand
des Aktors, und
- Fig. 4
- den entriegelten Zustand einer erfindungsgemäßen Vorrichtung bei
nicht bestromtem Aktor in ähnlichem Schnitt wie Fig. 1.
Das Zylinderschloß 1 besteht aus einem ersten feststehenden Teil 2 und einem
hierin geführten, drehbeweglich gelagerten zweiten Teil 3, das mit einer umlaufenden
Nut 3.1 versehen ist, welche im entriegelten Zustand des Schlosses die
Riegelmittel 4, die hier aus zwei Rollkörpern 5 und 6 bestehen, durch teilweisen
Eingriff dieser Rollkörper in die Nut aufnimmt, ohne daß die Riegelmittel eine
Sperrfunktion ausüben (Fig. 2 und 4).
An vorgegebenen Bereichen ist die Nut 3.1 mit Ausnehmungen zur Bildung von
Aufnahmen 8.1, 8.2 für jeweils einen Rollkörper versehen. Diese Aufnahmen sind
unter einem Winkel α schräg zur Längsachse A des Aktors 7 in den Teil 3 eingebracht.
Die Rollkörper 5 und 6 stützen sich jeweils auf einer zugehörigen dachförmigen
Schrägfläche 9.1, 9.2 eines Druckstückes 9 ab, wobei die Dachflächen einen
Winkel β einschließen und spiegelbildlich symmetrisch zur Achse A verlaufen.
Der Aktor 7 ist bei der in Fig. 1 gezeigten Vorrichtung ein Zugmagnet. Dieser
besteht aus einer bestrombaren Spule 10.1, die auf einen Spulenkörper 10.2 aufgebracht
ist, welcher eine hohle Aufnahme hat. In dieser ist in dem vom beweglichen
Teil 3 abgewandten Ende ein ferritischer Kern 10.3 fest eingebracht. Innerhalb des
hohlen Spulenkörpers ist auch ein Anker 10.4 axial beweglich aufgenommen.
Durch eine Feder 10.5 wird der Anker im unbestromten Zustand von dem Kern
10.3 auf Abstand gehalten. Im übrigen ist mit dem Anker 10.4 das Druckstück 9
verbunden.
Wenn der Aktor 7 bzw. die Spule 10.1 bestromt wird, zieht der Kern 10.3 den
Anker 10.4 gegen die Kraft der Feder 10.5 an. Die beiden Rollkörper 5, 6 können
dann aus den Aufnahmen 8.1, 8.2 rollen und unter Anlage an der jeweiligen
Dachfläche 9.1, 9.2 des Druckstückes 9 den Darstellungen entsprechend schräg
nach unten und innen auf im Teil 2 eingearbeiteten, die Rollkörper auch seitlich
führenden Bewegungsbahnen 2.1, 2.2 abrollen, bis sie sich schließlich nur noch im
Bereich der umlaufenden Nut 3.1 des beweglichen zweiten Teiles 3 befinden.
Dieses ist dann vom ersten Teil 2 entriegelt (Fig. 2) und frei um seine Längsachse
beispielsweise mit einem Schlüssel verdrehbar.
Wird die Spule 10.1 wieder stromlos geschaltet, bewirkt die Kraft der Feder 10.5,
daß bei einer vorgegebenen Drehposition des Teiles 3 der Anker 10.4 mit seinem
Druckstück 9 die Rollkörper 5, 6 in ihre zugehörige Aufnahme 8.1, 8.2 drücken
kann, so daß das Teil 3 wiederum mit dem feststehenden Teil 2 verriegelt ist
(Fig. 3).
Bei der in Fig. 4 gezeigten Vorrichtung befindet sich diese bei unbestromtem
Aktor im entriegelten Zustand. Der Anker 12 des Aktors bzw. Magneten ist mit
einem Mitnehmerstößel 13 verbunden, auf dem das bereits beschriebene Druckstück
9 auf dem dem beweglichen Teil 3 zugekehrten Ankerende angebracht ist.
Der Stößel 13 durchdringt axial beweglich den Kern 11. Die Kraft der Druckfeder
10.5 bewirkt, daß der Anker 12 vom Kern 11 in unbestromtem Zustand auf Abstand
gehalten wird.
Bei Bestromung der Spule 10.1 wird der Anker 12 gegen den Kern 11 gezogen,
wobei der Stößel 13 das Druckstück 9 anhebt und dieses in schon vorher beschriebener
Weise die Rollkörper 5, 6 mit einer axial und radial gerichteten Bewegungskomponente
auf den Bewegungsbahnen im ersten Teil 2 bewegt. Wenn sich
in diesem Zustand die Aufnahmen 8.1, 8.2 nicht in Überdeckung mit jeweils einem
der Rollkörper befinden und diese nur in die umlaufende Nut 3.1 greifen, ist der
zweite Teil 3 noch verdrehbar, und zwar mit einem mechanisch passend codierten
Schlüssel so weit, bis die Aufnahmen 8.1, 8.2 schließlich den Rollkörpern gegenüberstehen
und die weiter unter der Kraft des Aktors stehenden Rollkörper in ihre
jeweilige Aufnahme geschoben werden können. Dann ist der in Fig. 3 gezeigte
Zustand erreicht und die Vorrichtung verriegelt.
Die erfindungsgemäße Lösung ist vielseitig und nicht nur bei Zylinderschlössern
anwendbar. So kann zum Beispiel bei einem sogenannten Kastenschloß dessen
Schließbolzen mit dem beschriebenen Verriegelungsmechanismus etwa in einem
Schloßgehäuse lösbar verriegelt werden. Denkbar ist unter anderem auch die
Anwendung der Vorrichtung, wenn es um Verriegelung zu Kupplungszwecken,
zum Beispiel im Zusammenhang mit Drehmomentübertragungen, geht.