Beschreibung
Verfahren und Vorrichtung zur katalytischen Umwandlung eines Stoffs
Die Erfindung liegt auf dem Gebiet der Katalysatoren.
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Umwandlung eines Stoffs in einem Gasstrom, insbesondere zur katalytischen Um- Wandlung von Stickoxid in einem mit Ammoniak vermischten
Rauchgasstrom zu Wasser und Stickstoff nach dem Prinzip der selektiven katalytischen Reduktion, wobei der Gasstrom einem Reaktionsraum zugeführt und wobei der Stoff der Einwirkung eines katalytisch wirksamen Materials ausgesetzt wird.
Die Erfindung bezieht sich auch auf ein Verfahren zur Reaktivierung eines zumindest teilweise desaktivierten Katalysatormoduls, das durch Abscheiden eines katalytisch wirksamen Materials in oder auf einem Katalysatorsubstrat hergestellt worden ist, insbesondere zur Reaktivierung eines nach dem Prinzip der selektiven katalytischen Reduktion arbeitenden Katalysatormoduls zum Abbau von Stickoxid in einem Rauchgas.
Die Erfindung betrifft außerdem einen Brennstoff zur Verbren- nung in einem Verbrennungsprozeß.
Weiterhin bezieht sich die Erfindung auf eine Abgasreinigungsanlage ersten Typs, insbesondere für eine Verbrennungsanlage eines Kraftwerks oder für einen Verbrennungsmotor ei- nes Kraftfahrzeugs, bei der ein bei der Verbrennung entstehender Abgasstrom zur Umwandlung eines darin enthaltenen Schadstoffs durch ein Katalysatormodul geführt ist, das durch Abscheiden eines die katalytische Umwandlung des Schadstoffs fördernden katalytisch wirksamen Materials auf oder in einem Katalysatorsubstrat hergestellt ist, wobei insbesondere im Abgasstrom enthaltenes Stickoxid nach dem Prinzip der selektiven katalytischen Reduktion umwandelbar ist.
Die Erfindung bezieht sich auch auf eine Abgasreinigungsanlage zweiten Typs, insbesondere für eine Verbrennungsanlage eines Kraftwerks oder einen Verbrennungsmotor eines Kraftfahrzeugs, bei der ein aus der Verbrennung eines Brennstoffs entstehender Abgasstrom zur Umwandlung eines darin enthaltenen Schadstoffs durch ein Katalysatormodul geführt ist, das durch Abscheiden eines die katalytische Umwandlung des Schadstoffs fordernden katalytisch wirksamen Materials auf oder in einem Katalysatorsubstrat hergestellt ist, wobei insbesondere im Abgasstrom enthaltenes Stickoxid nach dem Prinzip der selektiven katalytischen Reduktion umwandelbar ist.
Bei der oxidischen Verbrennung von fossilen Brennstoffen, entstehen im Abgas oder Rauchgas Stoffe oder Schadstoffe, welche die Umwelt belasten. Beispielsweise sind in den Rauchgasen, welche in Müllverbrennungsanlagen, Kraftwerken, Schmelzöfen oder Heizwerken entstehen, Stickoxide, z.B. NO oder N02, enthalten. Ein Abgas- oder Fluidstrom vergleichbarer Art entsteht auch bei der Verbrennung von Dieselkraft- stoff oder anderen Kraftstoffen in den Verbrennungsmotoren von Kraftfahrzeugen.
Zur Umwandlung der ungewünschten Stickoxide ist ein unter der Bezeichnung „selektive katalytische Reduktion (SCR)" bekann- tes Verfahren z.B. in einem Prospekt der Siemens AG mit der
Bestellnummer A96001-U11-A294-V1 aus dem Jahre 1996, oder aus der deutschen Patentschrift DE 24 58 888 bekannt.
Die Stickoxide werden bei diesem Verfahren durch Zugabe von Ammoniak katalytisch in harmlosen Stickstoff und Wasserdampf umgewandelt. Hierzu wird das Rauchgas oder Abgas bei einer Temperatur zwischen 300 und 500 °C durch einen Katalysator oder durch ein Katalysatormodul geleitet. Das Katalysatormodul besteht aus einer keramischen Matrix oder einem kerami- sehen Katalysatorsubstrat, auf dem ein katalytisch wirksames Material abgeschieden ist, welches die Umwandlung der Stickoxide in Stickstoff und Wasserdampf bewirkt oder fördert. Ein
solches katalytisches Material sind beispielsweise die Oxide des Titans, Vanadiums und/oder des Wolframs und /oder des Molybdäns.
Es ist bekannt, daß SCR-Katalysatoren in Abhängigkeit von den Rauchgasinhaltsstoffen im Laufe ihres Betriebs desaktivieren. Die Ursachen für die Desaktivierung sind z.B. chemisch begründet, d.h. daß das katalytisch wirksame Material Verbindungen eingeht, die nicht am SCR-Prozeß teilhaben können. Es kann aber auch sein, daß im Laufe des Betriebs das katalytisch wirksame Material vom durchströmenden Abgasstrom aus dem Katalysatormodul heraus transportiert wird. Dies tritt insbesondere dann auf, falls das katalytisch wirksame Material mit im Abgas enthaltenen Halogenen leicht flüchtige Me- tall-Halogen-Verbindungen eingeht.
Die Desaktivierung der SCR-Katalysatoren wurde bislang dadurch ausgeglichen, dass zusätzliches Katalysatorvolumen oder weitere Katalysatormodule zugebaut wurden. Diese Vorgehens- weise ist teuer und aufwendig. Bei Durchführung der' SCR im
Kraftfahrzeugbereich ist sie technisch nur unter unvertretbarem Aufwand durchführbar. Beim Einsatz im Kraftwerksbereich ist ein Kraftwerksstillstand- erforderlich.
Es besteht demzufolge ein Bedarf, der Desaktivierung des katalytisch wirksamen Materials durch andere Maßnahmen zu begegnen. Der Erfindung liegt die daher Aufgabe zugrunde, ein Verfahren, eine Vorrichtung und einen Stoff zu diesem Zwecke anzugeben.
Diese Aufgabe wird bezogen auf das eingangs erstgenannte Verfahren gemäß der Erfindung dadurch gelöst, daß mit dem Gasstrom dem Reaktionsraum eine Substanz zugeführt wird, die katalytisch wirksames Material ist oder aus der katalytisch wirksames Material bildbar ist.
Vorzugsweise wird die Substanz kontinuierlich zugegeben. Es ist aber auch eine diskontinuierliche Zugabe möglich.
Bei Durchführung dieses Verfahrens ist ein Katalysatormodul nicht notwendigerweise erforderlich. Die katalytische Umwandlung des Schadstoffs im Abgas kann allein durch solches kata- lytisches wirksames Material erfolgen, das dem Reaktionsraum in Form der Substanz zugeführt wird. Dieses katalytische wirksame Material kann kontinuierlich oder diskontinuierlich zugeführt werden.
Nach eir.-;r bevorzugten Ausgestaltung wird der Gasstrom durch ein, insbesondere im Reaktionsraum angeordnetes, Katalysator- substra oder an einem solchen vorbei geführt.
Vorzugswei e wird die Substanz dem Gasstrom in Strömungsrichtung vor dem Katalysatorsubstrat zugegeben.
Insbesondere wird die Substanz bei Zugabe in den Gasstrom ho- mögen dispergiert oder zerstäubt.
Bevorzugt ist oder wird die Substanz einem Brennstoff beigemischt, bei dessen Verbrennung der im Gasstrom enthaltene Stoff als Abgas entsteht.
Mit besonderem Vorteil ist in oder auf dem Katalysatorsubstrat ein die katalytische Umwandlung des Stoffs förderndes katalytisch wirksames Material ein Katalysatormodul bildend eingelagert bzw. abgelagert. Das Katalysatormodul wurde also zum Beispiel durch Abscheiden des katalytisch wirksamen Materials in einem gesonderten Herstellungsprozeß vor Durchführung des Verfahrens nach der Erfindung produziert.
Falls ein solches Katalysatormodul ganz oder teilweise desak- tiviert ist, ist es mit diesem Verfahren möglich, es quasi in situ zu regenerieren. Das Katalysatormodul muß also zur Regenerierung nicht notwendigerweise außer Betrieb genommen wer-
den, d.h. insbesondere muss ein Kraftwerk nicht zwingend außer Betrieb gehen. Bei einem frischen oder unverbrauchten Katalysatormodul wird bei Anwendung dieses Verfahrens einer Desaktivierung bereits von Beginn an entgegengewirkt.
Nach einer bevorzugten Ausgestaltung ist das katalytisch wirksame Material, das mit dem Gasstrom zugeführt bzw. aus der Substanz gebildet wird, das gleiche wie das katalytisch wirksame Material, das bei der Herstellung des Katalysator- moduls ein- bzw. abgelagert wurde. Dadurch wird das Kätalysa- tormodul in besonders effizienter Weise regeneriert.
Außerdem wirkt das dem Gasstrom zugegebene oder in ihm gebildete katalytische Material selbst katalytisch, so daß selbst bei nicht stattfindender Regenerierung des Katalysatormoduls eine Steigerung der Katalyseeffizienz möglich wäre.
Zur Steigerung des Regenerierüngseffekts hat das vor dem Katalysatormodul zugegebene katalytisch wirksame Material bzw. das aus der Substanz gebildete katalytisch wirksame Material die Eigenschaft, sich auf dem Katalysatormodul abzulagern.
Ebenfalls mit besonderem Vorteil wird durch Ein- oder Ablagerung des katalytisch wirksamen Materials des Gasstroms in bzw. auf das Katalysatorsubstrat ein Katalysatormodul gebildet.
Mit diesem Verfahren ist es nämlich in besonders vorteilhafter Weise möglich, in den Gasstrom ein inertes oder kataly- tisch inaktives Katalysatorsubstrat einzubringen. Das Katalysatormodul bildet sich dann nach und nach durch Abscheidung oder Einlagerung des aus der Substanz gebildeten oder darin enthaltenen katalytisch wirksamen Materials.
Die Herstellung des Katalysatormoduls geschieht insbesondere in folgenden Schritten:
a) Dem Gasstrom wird eine Substanz beigemischt, die katalytisch wirksames Material ist oder enthält oder aus der katalytisch wirksames Material abscheidbar ist. b) Der Gasstrom wird anschließend durch oder über ein Katalysatorsubstrat geführt. c) Durch Ab- oder Einlagerung des katalytisch wirksamen Materials auf dem bzw. in das Katalysatorsubstrat wird das Katalysatormodul gebildet .
Die verfahrensbezogene Aufgabe wird bezogen auf das eingangs zweitgenannte Verfahren gemäß der Erfindung dadurch gelöst, daß das Katalysatormodul mit einer Substanz benetzt wird, die katalytisch wirksames Material ist oder enthält oder aus der katalytisch wirksames Material abscheidbar ist.
Es wird also beispielsweise in oder auf das Katalysatorsub- strat des Katalysatormoduls, nachdem das Katalysatormodul für längere Zeit in Betrieb war, erneut katalytisch wirksames Material auf oder eingebracht.
Insbesondere wird das katalytisch wirksame Material der Substanz in oder auf das herstellungsbedingt vorhandene katalytisch wirksame Material ein- und/oder abgelagert.
Mit besonderem Vorteil ist das katalytisch wirksame Material der Substanz das gleiche wie das katalytisch wirksame Material, das bei der Herstellung des Katalysatormoduls ein bzw. abgelagert wurde.
Nach einer besonders bevorzugten Ausgestaltung wird die Substanz dem Katalysatormodul während des Katalysatorbetriebs zugeführt. Ein derartiger online-Betrieb hat den besonderen Vorteil, daß das Katalysatormodul zur Regenerierung nicht außer Betrieb genommen werden muß und deshalb keine Unterbre- chung des katalytisch beeinflußten Prozesses stattfinden muß.
Vorzugsweise wird die Substanz mit einem Stoff vermischt, der dem Katalysatormodul zur Förderung der Umwandlung des Stoffs zugeführt wird. Es ist also in vorteilhafter Weise kein gesonderten Stoffstrom zum Katalysatormodul erforderlich, da die Substanz dem Stoff beigemischt wird, der betriebsgemäß ohnehin dem Katalysatormodul zugeführt wird.
Zum Benetzen des Katalysatormoduls liegt die Substanz vorzugsweise im verdampften oder gasförmigen Zustand vor.
Nach einer bevorzugten Variante ist oder wird die Substanz einem Brennstoff beigemischt, bei dessen Verbrennung ein Stoff als Abgas entsteht, der dem Katalysatormodul zur Förderung der Umwandlung des Stoffs zugeführt wird.
Bei allen genannten Verfahren enthält das katalytisch wirksame Material vorzugsweise Atome eines der Elemente Vanadium, Titan, Wolfram, Eisen und/oder Molybdän, und das katalytisch wirksame Material ist insbesondere ein Oxid eines dieser Me- talle. Auch Mischungen der genannten Elemente sind möglich.
Die auf einen Stoff bezogene Aufgabe wird .gemäß der Erfindung dadurch durch'' einen Brennstoff zur Verbrennung in einem Verbrennungsprozeß, der eine Substanz enthält oder dem eine Sub- stanz zugegeben ist, die katalytisch wirksames Material ist oder aus der bei der Verbrennung katalytisch wirksames Material entsteht. Der Brennstoff enthält also insbesondere katalytisch wirksames Material oder ihm ist katalytisch wirksames Material zugegeben.
Ein solcher Brennstoff ist insbesondere zur Durchführung der Verfahren nach der Erfindung geeignet, und zwar besonders für diejenigen Ausgestaltungen, bei denen explizit ein Brennstoff zum Einsatz kommt. Die in diesem Zusammenhang genannten Vor- teile gelten für den Brennstoff analog.
Vorzugsweise weist der Substanzgehalt im Brennstoff einen Wert zwischen 10 mg/kg Brennstoff und 200 mg/kg Brennstoff auf.
Insbesondere weist der Gehalt des Brennstoffs an katalyti- schem Material einen Wert zwischen 50 mg/kg Brennstoff und 100 mg/kg Brennstoff auf.
Die Substanz, und insbesondere das katalytisch wirksame Mate- rial, ist vorzugsweise in gelöster oder dispergierter Form im Brennstoff enthalten bzw. ist ihm in löslicher oder disper- gierender Form zugegeben.
Das katalytisch wirksame Material ist vorzugsweise dazu ge- eignet, die Umwandlung bei der Verbrennung entstehenden Schadstoffs zu fördern.
Nach einer besonders bevorzugten Ausgestaltung hat das katalytisch wirksame Material die Eigenschaft, Stickoxid nach dem Prinzip der selektiven katalytischen Reduktion umzuwandeln, das im bei der Verbrennung entstehenden Abgas enthalten ist.
Nach einer anderen bevorzugten Ausgestaltung des Brennstoffs enthält das katalytisch wirksame Material mindestens eines der Elemente Vanadium, Titan, Wolfram, Eisen, Molybdän, oder Mischungen daraus.
Die vorrichtungsbezogene Aufgabe wird bezogen auf die eingangs genannte Abgasreinigungsanlage ersten Typs gemäß der Erfindung gelöst durch eine Injektionseinrichtung, mit der eine Substanz in Strömungsrichtung vor dem Katalysatormodul in das Abgas einspeisbar ist, wobei die Substanz katalytisch wirksames Material ist oder enthält oder aus der Substanz katalytisch wirksames Material abscheidbar ist.
Vorzugsweise weist die Injektionseinrichtung einen Vorratsbehälter zur Aufnahme der Substanz auf.
Die vorrichtungsbezogene Aufgabe wird bezogen auf die eingangs genannte Abgasreinigungsanlage zweiten Typs gemäß der Erfindung gelöst durch eine Einspeiseeinrichtung mittels der dem Brennstoff eine Substanz zusetzbar ist, wobei die Sub- stanz katalytisch wirksames Material ist oder- enthält oder aus der Substanz katalytisch wirksames Material abscheidbar ist .
Die Abgasreinigungsanlagen beider Typen sind insbesondere zur Durchführung des erstgenannten Verfahrens nach der Erfindung geeignet. Die in Zusammenhang damit genannten Vorteile gelten für diese Abgasreinigungsanlagen analog.
Vorzugsweise weist die Einspeiseeinrichtung einen Lagerbehäl- ter zur Aufnahme der Substanz auf.
Sechs Ausführungsbeispiele einer Vorrichtung nach der Erfindung bzw. zur Erläuterung eines Verfahrens nach der Erfindung werden nachfolgend anhand der Figuren 1 bis 6 näher erläu- tert. Es zeigen:
FIG 1 ein erstes Ausführungsbeispiel einer Abgasreinigungsanlage nach der Erfindung,
FIG 2 ein zweites Ausführungsbeispiel betreffend die
Durchführung eines Verfahrens nach der Erfindung,
FIG 3 ein drittes Ausführungsbeispiel betreffend ein Verfahren nach der Erfindung,
FIG 4 ein viertes Ausführungsbeispiel betreffend ein Verfahren nach der Erfindung,
IG 5 ein fünftes Ausführungsbeispiel betreffend ein Ver- fahren nach der Erfindung,
FIG β ein sechstes Ausführungsbeispiel betreffend eine Vorrichtung und ein Verfahren nach der Erfindung,
FIG 7 ein erstes Meßergebnis, das mit dem Verfahren gemäß dem zweiten Ausführungsbeispiel erzielt wurde, und
FIG 8 ein zweites Meßergebnis, das mit dem Verfahren des zweiten Ausführungsbeispiels erzielt wurde.
Figur 1 zeigt eine Leitung 1, in der ein Reaktionsraum 2 ge- bildet ist. Im Reaktionsraum 2 ist eine Katalysatoreinrichtung umfassend drei Katalysatormodule 3 angeordnet. Die Katalysatormodule 3 werden in Strömungsrichtung 5 von einem Fluid oder Gas A, das ein Abgas oder Rauchgas ist, durchströmt. Das Abgas A enthält einen Stoff oder Schadstoff, und zwar Stick- oxid NO (NOx) . Zur Minderung der Stickoxide nach dem Prinzip der selektiven katalytischen Reduktion (SCR) wird dem Gas A mit dem Schadstoff NO mittels einer in die Leitung 1 mündenden ersten Speiseleitung 7 Ammoniak NH (NH3) Reduktionsmittel zugeführt. Die Stickoxide NO gelangen zusammen mit dem zuge- mischten Ammoniak NH in die Katalysatormodule 3 im Reaktionsraum 2. Dort findet eine Umwandlung des Stickoxids NO in Stickstoff (N2) und Wasserdampf (H20) statt, so daß der nach den Katalysatormodulen 3 austretende Gasstrom einen stark verminderten Stickoxidgehalt aufweist.
Das Abgas A entstammt beispielsweise der Feuerungsanlage eines mit Gas, Öl oder Kohle betriebenen Kraftwerks. Die Katalysatormodule 3 beinhalten als katalytisch wirksames Material K Vanadium, Molybdän, Wolfram und/oder Titan, insbeson- dere in oxidischer Form. Im bevorzugten Temperaturbereich von 300 °C bis 450 °C arbeiten die für das SCR-Verfahren benutzten katalytisch wirksamen Materialien K hochselektiv, so dass unerwünschte Nebenreaktionen weitgehend verhindert sind.
Die Katalysatormodule 3 können nach längerem Betrieb teilweise oder völlig desaktivieren. Als mögliche Desaktivierungsursachen kommen die Einwirkung von Staub oder
die Einwirkung chemischer Verbindungen, beispielsweise von im Abgas A enthaltenen Halogenen, auf das katalytisch wirksame Material K in Frage.
Zur Insitu-Regenerierung der desaktivierten Katalysatormodule 3 wird dem Abgas A in Strömungsrichtung 5 vor den Katalysatormodulen 3 mittels einer Injektionseinrichtung 8 neues oder frisches katalytisch wirksames Material KU zugeführt. Anstelle von katalytisch wirksamem Material KU kann mittels der Injektionseinrichtung 8 auch eine Substanz S zugeführt werden, aus der sich, beispielsweise erst im Abgasstrom A, das katalytisch wirksame Material KU bildet. Das zugegebene oder sich bildende katalytisch wirksame Material KU ist das gleiche oder weist eine ähnliche Zusammensetzung auf wie das katalytisch wirksame Material K, das in den Katalysatormodulen 3 bereits vorhanden ist oder ursprünglich vorhanden war.
Die Injektionseinrichtung 8 weist einen Vorratsbehälter 11 zur Aufnahme der Substanz S bzw. des katalytisch wirksamen Materials KU auf. Von dem Vorratsbehälter 11 ausgehend mündet eine zweite Speiseleitung 9 in der Abgas A führenden Leitung 1. Die zweite Speiseleitung 9 ist an ihrer Mündung derart ausgestaltet, daß die Substanz S bzw. das katalytisch wirksame Material KU beim Eintritt in die Leitung 1 disper- giert oder zerstäubt wird.
Die Leitung 1, die Katalysatormodule 3 und die erste Speiseleitung 7 bilden zusammen mit der Injektionseinrichtung 8 eine Abgasreinigungsanlage 13, die sowohl stationär für eine Verbrennungsanlage eines Kraftwerks als auch mobil für einen Verbrennungsmotor eines Kraftfahrzeugs verwendbar ist.
Das in Figur 2 dargestellte zweite Ausführungsbeispiel eines Verfahrens nach der Erfindung unterscheidet sich von dem er- sten Ausführungsbeispiel im wesentlichen dadurch, daß die
Substanz S oder das frische katalytisch wirksame Material KU einem Brennstoff B beigemischt ist, aus dem bei der Verbren-
nung in einer Brennkammer 15 das Abgas A erst entsteht. Im dargestellten Ausführungsbeispiel wird der Brennstoff B, dem die Substanz S oder das katalytisch wirksame Material KU in gelöster oder dispergierter Form zugegeben ist, mittels einer Brennstoffleitung 17 in die Brennkammer 15 gefördert. Zur Förderung des Brennstoffs B aus einem Tank 21 ist eine Pumpe 19 vorhanden. Der Brennstoff B enthält die Substanz S oder das katalytisch wirksame Material KU mit einem Anteil zwischen 10 mg/kg Brennstoff und 200 mg/kg Brennstoff.
In der Brennkammer 15 wird der Brennstoff B verbrannt, wobei stickoxidhaltiges Abgas A entsteht. Beispielsweise bildet sich in der Brennkammer 15 aus der Substanz S auch das neue katalytisch wirksame Material KU . Aus der Brennkammer 15 her- aus gelangt das Abgas A mit dem Stickoxid NO und dem neuen katalytisch wirksamen Material KU durch die Leitung 1 zu den Katalysatormodulen 3 im Reaktionsraum 2. In Strömungsrichtung 5 vor den Katalysatormodulen 3 wird wie beim ersten Ausführungsbeispiel über die erste Speiseleitung 7 Ammoniak NH zugemischt.
Durch die Verbrennung des mit Substanz S oder katalytisch wirksamem Material KU versetzten Brennstoffs B während eines längeren Zeitraums werden die Katalysatormodule 3 regene- riert.
Diese Regenerierung ist aus dem in Figur 7 dargestellten ersten Meßergebnis ersichtlich. Bei dem zugrundeliegenden Experiment wurde dem Brennstoff B eines Raffineriekraftwerks ka- talytisch wirksames Material KU als ein Gemisch von Vanadium V und Eisen Fe zugesetzt. Es wurden 102 mg Vanadium und 252 mg Eis.en pro kg Brennstoff B zugegeben. Bei der Verbrennung des Brennstoffs B wurde ein Abgasstrom mit einem Volumenstrom i.N. feucht von 150.000 m3/h erzeugt. Der Vanadium- Gehalt im Abgas A oder Rauchgas betrug 316 ppm. Dabei wurde eine feuchte Rauchgasdichte von 1,31 kg/m3 zugrunde gelegt. Die Betriebstemperatur der Katalysatormodule 3 betrug 370 °C.
In der nachstehenden Tabelle ist der Vanadium-Gehalt V205 (Gehalt an Vanadiumoxid V205) zu Beginn der Verbrennung des Brennstoffs B (t = Oh) und nach ca. 6000 h angegeben, und zwar jeweils gemessen auf der Anströmseite und auf der Abströmseite der Katalysatormodule 3:
In dem Diagramm der Figur 7 ist auf der linken Ordinate der Vanadium-Gehalt V205 in den Katalysatormodulen 3 in Prozent aufgetragen. Auf der Abszisse ist die Zeit t in Stunden (h) aufgetragen.
Der Vanadium-Gehalt V205 in den teilweise desaktivierten Ka- talysatormodulen 3 betrug zu Beginn der Regenerierungsmaßnahme (t = 0h) etwa 0,4%. Nach 6000 Betriebsstunden wurde der Vanadium-Gehalt V205 mit RFA (= Röntgenfloureszenzanalyse) gemessen, wobei zuvor ein Staubbelag entfernt wurde.
Das Diagramm zeigt, daß der Vanadium-Gehalt V205 auf etwa 1,3% angestiegen war. Im Ergebnis stieg die stickoxidspezi- fische katalytische Aktivität K-NOx der Katalysatormodule 3 von zunächst etwa 41,5 m/h auf ca. 48,5 m/h nach 6000 Betriebsstunden (rechte Ordinate) .
In Figur 8 ist die Oxidationsrate K-SOx für die Oxidations- reaktion von S02 zu S03 auf der rechten Ordinate aufgetragen. Diese nahm während der 6000-stündigen Beobachtungsphase von zunächst 200 m/h auf ca. 550 m/h zu.
Das in Figur 3 dargestellte dritte Ausführungsbeispiel unterscheidet sich von dem in Figur 2 dargestellten zweiten Aus¬ führungsbeispiel zunächst dadurch, daß die Substanz S oder
das frische katalytisch wirksame Material KU dem Brennstoff B im Tank 21 nicht bereits zugemischt ist, sondern aus einem gesonderten Behälter 25 heraus dem Brennstoff B erst dann zugemischt wird, nachdem dieser aus dem Tank 21 gefördert ist. Im dargestellten Beispiel wird die Substanz S oder das katalytisch wirksame Material KU aus dem Behälter 25 mittels einer Zufuhrleitung 27 der Brennstoffleitung 17 zugeführt, so daß der Brennstoff B vermischt mit der Substanz S oder dem frischen katalytisch wirksamen Material KU - wie bei dem Aus- führungsbeispiel der Figur 2 - in die Brennkammer 15 gelangt. Diese Variante der Brennstoffzufuhr in die Brennkammer 15 kann auch bei dem Ausführungsbeispiel der Figur 2 realisiert sein. Der Behälter 25 und die Zufuhrleitung 27 bilden eine Einspeiseeinrichtung 28.
Das Ausführungsbeispiel der Figur 3 unterscheidet sich von dem Ausführungsbeispiel der Figur 2 weiterhin dadurch, daß keine Katalysatormodule 3 vorhanden sind. Die katalytische Umwandlung der bei der Verbrennung entstehenden Stickoxide NO im Abgasstrom A geschieht bei diesem Ausführungsbeispiel al¬ lein durch Einwirkung des dem Brennstoff B beigemischten ka¬ talytisch wirksamen Materials KU auf die Stickoxide NO, insbesondere im Reaktionsraum 2.
Das in Figur 4 dargestellte vierte Ausführungsbeispiel eines Verfahrens nach der Erfindung dient der Reaktivierung eines zumindest teilweise desaktivierten Katalysatormoduls 3. Die Reaktivierung findet im dargestellten Beispiel ex-situ statt, d.h. in einem Zustand, in dem die Katalysatormodule 3 nicht zur katalytischen Umwandlung des Stoffs NO eingesetzt sind.
Die desaktivierten Katalysatormodule 3 sind hierzu im Reakti¬ onsraum 2 angeordnet und werden mit einer Substanz S benetzt, die neues oder frisches katalytisch wirksames Material KU ist oder enthält oder aus der solches katalytisch wirksames Mate- rial KU abscheidbar ist. Das frische katalytisch wirksame
Material KU lagert sich hierbei in oder auf einem Katalysa¬ torsubstrat 31 ein bzw. ab, in oder auf dem bereits bei der
Herstellung der Katalysatormodule 3 katalytisch wirksames Material K ein- oder abgelagert wurde. Die Katalysatormodule 3 werden auf diese Weise regeneriert.
Bei dem in Figur 5 dargestellten fünften Ausführungsbeispiel wird von einem zunächst inerten Katalysatorsubstrat 33 ausgegangen. Dieses Katalysatorsubstrat 33 wird von einem Gasstrom oder Abgasstrom A beaufschlagt, der beispielsweise bei der Verbrennung eines Brennstoffs entsteht. Dem Gasstrom A ist entweder in zu den Figuren 2 oder 3 analoger Weise (in Figur
5 nicht explizit dargestellt) oder mittels einer in die Leitung 1 mündenden Zweigleitung 29 eine Substanz S zugesetzt, die katalytisch wirksames Material K ist oder enthält oder aus der katalytisch wirksames Material K bildbar ist. Gemäß dem in Figur 5 dargestellten Ausführungsbeispiel wird also durch Einbringen des inerten Katalysatorsubstrats 33 in die vom Abgas A durchströmte Leitung 1 ein Katalysatormodul 3 hergestell .
Die in Figur 6 als sechstes Ausführungsbeispiel dargestellte Abgasreinigungsanlage 41 umfaßt, wie das in Figur 3 dargestellte dritte Ausführungsbeispiel, eine Einspeiseeinrichtung 28. Im Gegensatz zu Figur 3 sind jedoch bei den in Figur
6 dargestellten Ausführungsbeispiel, wie auch beim Ausfüh- rungsbeispiel der Figur 2, Katalysatormodule 3 im Reaktionsraum 2 vorhanden, die durch Ein- oder Ablagern eines katalytisch wirksamen Materials K in bzw. auf ein Katalysatorsubstrat 31 hergestellt worden sind. Bei dem in Figur 6 dargestellten Ausführungsbeispiel werden also die Katalysatormo- dule 3 mittels des durch die Einspeiseeinrichtung 28 zugesetzten neuen oder frischen katalytisch wirksamen Materials KU, bzw. mittels der Substanz S, „insitu" oder "online" regeneriert .
Den Kondensatormodulen 3 in Strömungsrichtung 5 nachgeschaltet ist eine Abscheideeinrichtung 49, in der zur Regenerierung der Katalysatormodule 3 nicht benötigtes katalytisch
wirksames Material KU, d.h. solches, das' im Abgasstrom A nach den Katalysatormodulen 3 noch enthalten ist, abgetrennt wird. Von der Abscheideeinrichtung 49 führt eine Rückführleitung 51 - gegebenenfalls über eine nicht dargestellte Konzentriereinrichtung - zur Einspeiseeinrichtung 28. Auf diese Weise kann eingespeistes, aber nicht benötigtes katalytisch wirksames Material KU erneut zur Einspeisung in den Brennstoff B verwendet werden. Dadurch sind die Kosten für katalytisch wirksames Material KU erheblich reduziert.