Die vorliegende Erfindung betrifft ein Kraftfahrzeugschließsystem gemäß dem
Oberbegriff des Anspruchs 1 oder des Anspruchs 7.
Die DE 100 01 415 C1, die den Ausgangspunkt der vorliegenden Erfindung bildet,
offenbart ein Kraftfahrzeugschließsystem mit einem elektromotorisch öffenbaren
Kraftfahrzeugschloß und einer elektrisch arbeitenden Kindersicherung.
Bisher ist jedem elektrisch öffenbaren Kraftfahrzeugschloß aus Sicherheits- bzw.
Redundanzgründen eine manuell betätigbare Öffnungsmechanik zugeordnet, so
daß das Kraftfahrzeugschloß bei Ausfall der Elektrik grundsätzlich von innen
mechanisch öffenbar bleibt. Zur Kindersicherung ist diese Öffnungsmechanik
elektromotorisch blockierbar. Die elektromotorische Blockierung ist jedoch aufwendig,
da ein Motor, ein Getriebe und ggf. zusätzliche Hebel erforderlich sind.
Unter dem Begriff "Kraftfahrzeugschloß" ist bei der vorliegenden Erfindung
primär ein Seitentürschloß eines Kraftfahrzeugs zu verstehen. Jedoch kann es
sich auch um ein Hecktürschloß, ein Haubenschloß oder ein Klappenschloß eines
Kraftfahrzeugs handeln.
Unter dem Begriff "Kindersicherung" ist bei der vorliegenden Erfindung eine
wahlweise Blockierung eines innenseitigen Öffnens eines Kraftfahrzeugschlosses
und damit der zugeordneten Kraftfahrzeugtür, insbesondere zum Schutz von
Kindern gegen ungewolltes oder unvorsichtiges Öffnen, zu verstehen.
Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Kraftfahrzeugschließsystem
anzugeben, bei dem eine komfortable Kindersicherung bei einfachem
und kostengünstigem Aufbau ermöglicht wird.
Die obige Aufgabe wird durch ein Kraftfahrzeugschließsystem gemäß Anspruch
1 oder Anspruch 7 gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen sind Gegenstand der
Unteransprüche.
Eine grundlegende Idee der vorliegenden Erfindung liegt darin, dem Kraftfahrzeugschloß
eine von innen manuell betätigbare Öffnungsmechanik zuzuordnen,
die durch die Kindersicherung manuell, und zwar ausschließlich manuell blokkierbar
ist, wobei die Kindersicherung im übrigen elektrisch wirksam und unwirksam
zu setzen ist, somit also insoweit ausschließlich elektrisch und mechanikfrei
arbeitet. Der Begriff "blockiert" bzw. der Begriff "blockierbar", ist im
Sinne der Lehre der vorliegenden Erfindung funktional zu verstehen. Konstruktiv
kann dies durch eine mechanische Blockierung dergestalt realisiert sein, daß die
von innen an sich manuell betätigbare Öffnungsmechanik, abgesehen von Toleranzen
und Eigenelastizitäten des Kraftübertragungszuges, nicht mehr bewegt
werden kann. Häufiger ist die Realisierung einer Freilaufschaltung, so daß die
manuell betätigbare Öffnungsmechanik in der Stellung "kindergesichert" einfach
einen Leerhub ausführt und wirkungslos bleibt.
Eine alternative Idee der vorliegenden Erfindung liegt darin, das Kraftfahrzeugschloß
von innen elektrisch öffenbar auszubilden, wobei die Kindersicherung
mittels eines insbesondere für einen Fahrzeugführer zugänglichen Schalters
wahlweise dauerhaft ein- oder ausschaltbar ist.
Vorzugsweise ist die Kindersicherung im eingeschalteten Zustand temporär deaktivierbar,
so daß während der Dauer einer solchen Deaktivierung ein Insasse
trotz eingeschalteter Kindersicherung die eigentlich kindergesicherte Kraftfahrzeugtür
durch Betätigung des Innenbetätigungselements öffnen kann, ohne daß
ein Öffnen der Kraftfahrzeugtür von außen erforderlich ist.
Weitere Vorteile, Merkmale, Eigenschaften und Aspekte der vorliegenden Erfindung
ergeben sich aus der folgenden Beschreibung bevorzugter Ausführungsformen
anhand der Zeichnung. Es zeigt:
- Fig. 1
- eine schematische, perspektivische Darstellung eines Kraftfahrzeugs mit
einem vorschlagsgemäßen Kraftfahrzeugschließsystem mit mehreren
Kraftfahrzeugschlössern;
- Fig. 2
- eine schematische Darstellung eines vorschlagsgemäßen Kraftfahrzeugschließsystems
gemäß einer ersten Ausführungsform; und
- Fig. 3
- eine schematische Darstellung eines vorschlagsgemäßen Kraftfahrzeugschließsystems
gemäß einer zweiten Ausführungsform.
In den Figuren werden für gleiche oder ähnliche Teile die selben Bezugszeichen
verwendet, wobei entsprechende oder vergleichbare Eigenschaften und Vorteile
erreicht werden, auch wenn eine wiederholte Beschreibung weggelassen ist.
Fig. 1 zeigt in schematischer Darstellung ein Kraftfahrzeug 1 mit einem vorschlagsgemäßen
Kraftfahrzeugschließsystem 2 mit vorzugsweise mehreren
Kraftfahrzeugschlössern 3, insbesondere Seitentürschlössern für Seitentüren 4.
Die Pfeile in Fig. 1 geben die ungefähren Einbaupositionen der dargestellten
Kraftfahrzeugschlösser 3 im Kraftfahrzeug 1 an.
Jedes Kraftfahrzeugschloß 3 ist vorzugsweise motorisch, insbesondere elektromotorisch
bei einer Ausbildung als sogenanntes Elektroschloß, öffenbar. Beispielsweise
kann ein in Fig. 2 angedeuteter Antrieb 5, wie ein Elektromotor, zur
Öffnung eine nicht dargestellte Sperrklinke ausheben, die im geschlossenen Zustand
beispielsweise einen nicht dargestellten Drehriegel sperren kann. Jedoch
können die Kraftfahrzeugschlösser 3 auch in sonstiger Weise motorisch angetrieben
oder beispielsweise pneumatisch öffenbar sein. Vorzugsweise ist das
Öffnen jedoch jeweils elektrisch steuerbar.
Fig. 2 zeigt in schematischer Darstellung eine erste Ausführungsform des vorschlagsgemäßen
Kraftfahrzeugschließsystems 2, und zwar ein Kraftfahrzeugschloß
3 an einer zugeordneten Kraftfahrzeugtür 4.
Das Kraftfahrzeugschließsystem 2 weist ein Innenbetätigungselement 6 auf, das
von einer nicht dargestellten Bedienperson im Innenraum bzw. Fahrgastraum des
Kraftfahrzeugs 1 betätigbar ist, um das zugeordnete Kraftfahrzeugschloß 3 mittels
des Antriebs 5 zu öffnen. Das Innenbetätigungselement 6 ist dementsprechend
insbesondere der jeweiligen Kraftfahrzeugtür 4 zugeordnet, vorzugsweise
an deren Innenseite angeordnet.
Das Innenbetätigungselement 6 ermöglicht ein elektrisch gesteuertes Öffnen des
Kraftfahrzeugschlosses 3. Vorzugsweise ist das Innenbetätigungselement 6 als
elektrischer Drucktaster, Wechseltaster, Mikroschalter oder sonstiger Sensor
ausgebildet oder damit versehen. Anstelle einer manuellen Betätigung des Innenbetätigungselements
6 kann ggf. auch eine Berührung oder gar Annäherung
genügen. Das Innenbetätigungselement 6 bzw. diesem zugeordnete Komponenten
führen also im Normalzustand bei einer Betätigung zu einem elektrisch gesteuerten
Öffnen des zugeordneten Kraftfahrzeugschlosses 3 mittels des Antriebs
5.
Das Kraftfahrzeugschließsystem 2 weist weiter eine Kindersicherung 7 auf, die
im gesetzten bzw. eingeschalteten Zustand bewirkt, daß das Kraftfahrzeugschloß
3 und damit die Kraftfahrzeugtür 4 von innen nicht geöffnet werden können.
Hierauf wird später noch näher eingegangen.
Bei der ersten Ausführungsform weist das Kraftfahrzeugschließsystem 2 eine
von innen manuell betätigbare Öffnungsmechanik 8 auf, die insbesondere aus
Sicherheits- bzw. Redundanzgründen vorgesehen ist, so daß das Kraftfahrzeugschloß
3 bei Ausfall der Elektrik grundsätzlich von innen mechanisch öffenbar
bleibt. Die Öffnungsmechanik 8 gestattet insbesondere ein mechanisches Ausheben
einer nicht dargestellten Sperrklinke im Kraftfahrzeugschloß 3.
Die Öffnungsmechanik 8 ist von innen manuell betätigbar, beispielsweise mittels
des Innenbetätigungselements 6, oder - wie in Fig. 2 angedeutet - mittels eines
separaten Innenbetätigungshebels 9, einer sonstigen Handhabe o. dgl.
Die Öffnungsmechanik 8 ist - insbesondere nur bei geöffneter Kraftfahrzeugtür
4 - manuell blockierbar, insbesondere durch einen Sperrhebel 10 o. dgl. Im
blockierten Zustand ist folglich das Kraftfahrzeugtürschloß 3 nicht mehr von innen
mechanisch öffenbar. Insoweit ist der Begriff blockiert bzw. blockierbar,
funktional zu verstehen. Konstruktiv kann dies, wie dargestellt, durch eine mechanische
Blockierung realisiert sein, so daß der Innenbetätigungshebel 9 nicht
mehr bewegt werden kann. Möglich ist aber ebensogut, häufig bevorzugt, eine
Freilaufschaltung, so daß der Innenbetätigungshebel 9 in der Stellung "kindergesichert"
einen Leerhub ausführt.
Dementsprechend umfaßt die Kindersicherung 7 den ausschließlich manuell betätigbaren
Sperrhebel 10 oder eine sonstige nur manuell betätigbare Blockiermechanik
(bzw. Leerhubmechanik). Die Blockierung der Öffnungsmechanik 8 erfolgt
also nicht motorisch, wie ansonsten beim Stand der Technik bei einem
Elektroschloß üblich, sondern nur manuell. Dadurch spart man einen Antrieb ein.
Dem Sperrhebel 10 ist vorzugsweise ein Mikroschalter 11 oder sonstiger Sensor
zugeordnet, so daß die manuelle Blockierung der Öffnungsmechanik 8 detektierbar
ist.
Das Kraftfahrzeugschließsystem 2 weist hier und vorzugsweise eine zentrale
oder dezentrale, ggf. auch mehrere Baugruppen oder Komponenten umfassende
Steuereinrichtung 12 auf. Das Innenbetätigungselement 6 und der Mikroschalter
11 bzw. ein sonstiger Sensor sind an die Steuereinrichtung 12 angeschlossen.
Bei Betätigung des Innenbetätigungselements 6 wird ein Öffnungssignal erzeugt
bzw. detektiert, das von der Steuereinrichtung 12 nur dann als Antriebs- bzw.
Öffnungssignal an das Kraftfahrzeugschloß 3 bzw. dessen Antrieb 5 weitergeleitet
oder ausgegeben wird, wenn die Kindersicherungsfunktion ausgeschaltet
bzw. deaktiviert bzw. unwirksam gesetzt ist. Die Steuereinrichtung 12 stellt
dementsprechend einen ausschließlich elektrisch und mechanikfrei arbeitenden
Teil der Kindersicherung 7 dar.
Bei eingeschalteter bzw. wirksam gesetzter Kindersicherung 7 gibt die Steuereinrichtung
12 kein Öffnungs- bzw. Antriebssignal an das Kraftfahrzeugschloß 3
bzw. dessen Antrieb 5 aus, selbst wenn das Innenbetätigungselement 6 von einem
nicht dargestellten Fahrzeuginsassen betätigt wird.
Die genannte, elektrisch arbeitende Kindersicherungsfunktion wird vorzugsweise
selbsttätig eingeschaltet, wenn die manuelle Blockierung der Öffnungsmechanik
8 mittels des Mikroschalters 11 oder sonstigen Sensors detektiert wurde. Entsprechend
ist die Kindersicherung 7 bzw. die elektrisch arbeitende Kindersicherungsfunktion
selbsttätig wieder ausschaltbar, wenn das Aufheben der manuellen
Blockierung der Öffnungsmechanik 8 detektiert wird.
Alternativ oder zusätzlich kann die elektrisch arbeitende Kindersicherungsfunktion
mittels eines insbesondere für einen nicht dargestellten Fahrzeugführer
und/oder Beifahrer zugänglichen Schalters 13 wahlweise ein- oder ausschaltbar
sein.
Gemäß einer besonders bevorzugten Ausführungsvariante ist die elektrisch arbeitende
Kindersicherungsfunktion, insbesondere mittels eines für einen nicht
dargestellten Fahrzeugführer und/oder Beifahrer zugänglichen Schalters, Tasters
14 o. dgl., temporär deaktivierbar, so daß während der Dauer einer solchen Deaktivierung
- also insbesondere während sich der Schalter 13 in einer die Kindersicherungsfunktion
einschaltenden Stellung befindet - bei Betätigung des Innenbetätigungselements
6 das Kraftfahrzeugschloß 3 elektrisch öffnet.
Die Kindersicherungsfunktion ist so also temporär nur elektrisch außer Kraft gesetzt
bzw. setzbar. Dies ist beispielsweise dann vorteilhaft, wenn der Fahrzeugführer
einem Fahrzeuginsassen das Aussteigen der grundsätzlich durch die Kindersicherungsfunktion
von innen nicht öffenbaren Kraftfahrzeugtür 4 gestatten
will. Ein Öffnen des Kraftfahrzeugschlosses 3 von außen ist bei der vorschlagsgemäßen
Lösung nicht erforderlich; vielmehr kann in diesem Fall ein Fahrzeuginsasse
das Kraftfahrzeugschloß 3 von innen öffnen und aus dem Kraftfahrzeug
1 aussteigen.
Die temporäre Deaktivierung erfolgt vorzugsweise nur für eine vorbestimmte,
insbesondere vorgebbare Zeitdauer, nur während einer Betätigung des Tasters 14
und/oder nur für ein einmaliges Öffnen des Kraftfahrzeugschlosses 3.
Der Taster 14 ist insbesondere als Drucktaster ausgebildet, so daß vorzugsweise
überhaupt nur eine temporäre Deaktivierung der Kindersicherung 7 - also der
elektrisch arbeitenden Kindersicherungsfunktion - möglich ist. So kann verhindert
werden, daß die Kindersicherungsfunktion ungewollt dauerhaft deaktiviert
wird.
Vorzugsweise kann die (temporäre) Deaktivierung der Kindersicherungsfunktion
- insbesondere mittels des Tasters 14 - wahlweise für die hintere rechte oder linke
Fondtür 4, für beide Fondtüren 4 und/oder für die Beifahrertür 4 erfolgen.
Zusätzlich wird bei eingeschalteter Kindersicherung 7 die Deaktivierung vorzugsweise
angezeigt, insbesondere mittels einer vorzugsweise für den Fahrzeugführer
gut sichtbaren Leuchte 15 oder sonstigen Anzeige.
Es ist anzumerken, daß die Ansteuerung, Signalerzeugung und Verarbeitung jeweils
üblicherweise elektrisch bzw. elektronisch erfolgt. Aus Vereinfachungsgründen
wird bei der vorliegenden Erfindung nicht zwischen elektrisch und
elektronisch unterschieden. Vielmehr soll der Begriff "elektrisch" auch eine
elektronische oder durch Software erfolgende Steuerung, Auswertung, Verarbeitung,
Signalerzeugung u. dgl. umfassen.
Nachfolgend wird anhand Fig. 3 eine zweite Ausführungsform des vorschlagsgemäßen
Kraftfahrzeugschließsystems 2 erläutert. Hierbei werden nur wesentliche
Unterschiede der zweiten Ausführungsform gegenüber der ersten Ausführungsform
hervorgehoben. Ansonsten ergeben sich zumindest im wesentlichen
entsprechende oder vergleichbare Eigenschaften und Vorteile.
Bei der zweiten Ausführungsform ist keine Öffnungsmechanik 8 vorgesehen.
Das Kraftfahrzeugschloß 3 ist also generell nicht mechanisch von innen zu öffnen.
Dies ermöglicht einen besonders einfachen und damit kostengünstigen Aufbau.
Der vollständige Verzicht auf eine ansonsten aus Sicherheits- und Redundanzgründen
vorgesehene mechanische Öffenbarkeit des Kraftfahrzeugschlosses 3
von innen ist deshalb zu vertreten, weil bei einer mechanisch wirkenden Kindersicherung
ohnehin der Fall auftreten kann, daß das Kraftfahrzeugschloß 3 mechanisch
nicht öffenbar ist. Dementsprechend arbeitet die Kindersicherung 7 bei
der zweiten Ausführungsform ausschließlich elektrisch - also ohne bewegliche
Teile und mechanikfrei. Dies gestattet eine weitere Vereinfachung des Aufbaus.
Zum wahlweisen dauerhaften Ein- und Ausschalten der Kindersicherung 7 ist bei
der zweiten Ausführungsform der Schalter 13 erforderlich.
Anstelle des Schalters 13 kann bei beiden Ausführungsformen das Ein- und Ausschalten
auch in sonstiger Weise, insbesondere vom Fahrzeugführer, steuerbar
sein, beispielsweise durch eine auf Software basierte Steuerungsfunktion o. dgl.,
die die Funktion des Schalters realisiert.
Das vorschlagsgemäße Kraftfahrzeugschließsystem 2 ist vorzugsweise für
Fondtüren 4 des Kraftfahrzeugs 1 eine Hecktür und/oder für eine Beifahrertür 4
einsetzbar.