Beschreibung
Titel
Verfahren zum Betreiben eines Sensorelements und Sensorelement
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betreiben eines Sensorelements zur Bestimmung der Konzentration von Gaskomponenten im Abgas von Brennkraftmaschinen und ein Sensorelement zur Bestimmung der Konzentration von Gaskomponenten im Abgas von Brennkraftmaschinen.
Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind auch ein Computerprogramm und ein Computerprogrammprodukt, welche zur Durchführung des Verfahrens geeignet sind.
Stand der Technik
Solche Sensoren, die auch als Lambdasonden bezeichnet werden, gehen beispielsweise aus der Buchveröffentlichung „Bosch Kraftfahrtechnisches Taschenbuch" 25. Auflage, Seiten 133 ff hervor. Ein Sensor zur Bestimmung von Gaskomponenten und/oder der Konzentration von Gasbestandteilen in Gasgemi- sehen, insbesondere in Abgasen von Verbrennungsmotoren, mit einer Referenzelektrode, die über einen Referenzgaskanal mit einem Referenzgas, insbesondere Luft oder einem sauerstoffhaltigen Gas, beaufschlagbar ist, ist ferner aus der DE 100 43 089 C2 bekannt geworden.
Sensorelemente für Lambdasonden, die üblicherweise planar aufgebaut sind, weisen einen Referenzgaskanal auf, in dem eine Referenzelektrode angeordnet ist. Diese Sensoren werden beispielsweise als Sprungsonden eingesetzt. Der Ausdruck „Sprungsonde" ist von der Kennlinie derartiger Lambdasensoren abgeleitet, die bei einer Luftzahl λ=1 einen „Sprung" von einem ersten Spannungswert im Bereich von etwa 900 mV auf einen zweiten Spannungswert im Bereich von wenigen mV ausführt. Dieser Sprung wird detektiert und zur Bestimmung des
korrekten Luft-Kraftstoff-Gemisches bei λ=1 , bei dem eine optimale, stöchio- metrische Verbrennung vorliegt, ausgewertet.
Darüber hinaus werden diese Sensoren auch mit einer sogenannten gepumpten Referenz bzw. mit einer mit einer Pumpspannung beaufschlagten Referenz betrieben, bei der über einen aufgeprägten anodischen Strom die Referenzelektrode aus dem Abgas mit Sauerstoff versorgt wird.
Beim Betrieb derartiger Lambdasonden tritt nun das Problem auf, dass an der Referenzelektrode bzw. in einem benachbarten Referenzgasvolumen unverbrannte Kohlenwasserstoffe auftreten, die beispielsweise von verschmutzten und/oder überhitzten Bauteilen oder einer undichten Packung der Sonde herrühren. Durch diese unverbrannten Kohlenwasserstoffe wird ein nicht vernachlässigbarer Teil des der Referenzelektrode zugeführten Sauerstoffs verbraucht, so- dass die Sauerstoffkonzentration an der Referenzelektrode herabgesetzt und damit die Sondenfunktion gestört ist. Dieses Phänomen ist als CSD-Verhalten („Characteristic-Shift-Down") bekannt. In diesem Zusammenhang ist es weiter störend, dass die unverbrannten Kohlenwasserstoffe vorzugsweise an den heißen, katalytisch aktiven Flächen, d.h. insbesondere an der Referenzelektrode in dem heißen Bereich der Sonde („Hot-Spot-Bereich") oxidiert werden. Darüber hinaus diffundieren die unverbrannten Kohlenwasserstoffe in den Referenzgaskanal zwar meist langsamer als Sauerstoff, jedoch setzt ein einzelnes Kohlenwasserstoffmolekül in der Regel mehr als ein einzelnes Sauerstoffmolekül um, sodass die effektive Sauerstoffverbrauchsrate durch eindiffundierte unverbrannte Kohlenwasserstoffe größer ist als die Diffusionsrate für reinen Sauerstoff. Damit kommt es an der Referenzelektrode zu einer relativen Anreicherung von unverbrannten Kohlenwasserstoffen bzw. zu einem relativen Sauerstoffmangel. Schließlich ist aufgrund der erläuterten Mechanismen die Gefahr des CSD- Verhaltens im Referenzgaskanal deutlich größer als im Innenvolumen im Son- dengehäuse, das mit dem Referenzgaskanal in Verbindung steht.
Dem CSD-Verhalten kann nun dadurch entgegengewirkt werden, dass das Sensorelement durch Anlegen einer elektrischen Spannung mit einem Elektronenstrom beaufschlagt wird, der dadurch einen Sauerstoffionenstrom antreibt. Der Sauerstoff ionenstrom geht an der Referenzelektrode in einen Sauerstoffstrom über und führt über den Referenzkanal in den Außenbereich des Sensorelemen-
tes. Dabei wird ein ausreichender Sauerstoffpartialdruck erzeugt, um Fettgaskomponenten zu oxidieren oder abzutransportieren, sodass das CSD-Verhalten aktiv beseitigt wird.
Der Innenwiderstand derartiger Lambdasonden ist darüber hinaus temperaturabhängig. Sofern derartige Sonden mit einem Pumpstrom betrieben werden, führt ein Pumpstrom zu einem Spannungsabfall am Innenwiderstand und damit zu einer Verschiebung des Messsignals. Bei konstanter Versorgungsspannung und konstantem Innenwiderstand (der durch eine konstante Temperatur bedingt ist) ist auch der Spannungsabfall konstant und kann so vorab im Steuergerät berücksichtigt werden. Bei unbeheizten Sensoren ist jedoch der Innenwiderstand abhängig von der Abgastemperatur. Hierdurch kann es zu einem temperaturabhängigen Spannungsabfall am Innenwiderstand kommen, der einem Signalverzug entspricht. Dieser ist proportional zum Pumpstrom.
Aus dem Stand der Technik bekannte, unbeheizte Lambdasensoren werden gewöhnlich ohne Pumpstrom betrieben. Dies führt einerseits aufgrund der Proportionalität des Signalverzuges zum Pumpstrom zu einem Verschwinden des temperaturabhängigen Signalverzuges. Andererseits kann auf diese Weise keine Pumpwirkung zur Beseitigung des CSD-Verhaltens durch Spülen des Referenzkanals erreicht werden.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum Betreiben eines unbeheizten Sensorelements, insbesondere einer Lambdasonde, und eine derartige Lambdasonde zu vermitteln, bei der das CSD-Verhalten beseitigt ist.
Offenbarung der Erfindung
Vorteile der Erfindung
Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren zum Betreiben eines Sensorelements zur Bestimmung der Konzentration von Gaskomponenten im Abgas von Brennkraftmaschinen und ein Sensorelement mit den Merkmalen der unabhängigen Ansprüche 1 und 4 gelöst.
Grundidee der Erfindung ist es, das CSD-Verhalten, also einen Signalverzug bei unbeheizten Lambdasonden, dadurch zu minimieren, dass zunächst der Innenwiderstand des Sensorelements bestimmt wird und dass die Versorgungsspannung des Sensorelements mit steigender Temperatur und dadurch sinkendem Innenwiderstand derart nachgeregelt wird, dass der Regelpunkt des Sensorelements sich nicht verändert, das heißt an der gleichen Stelle liegt und dabei ein vorgebbarer minimaler Pumpstrom nicht unterschritten wird.
Der Vorteil dieser Maßnahme liegt in einem vermehrten Pumpen bei hohen Temperaturen, bei denen Fettgas auch vermehrt aus der Packung ausdampfen kann.
Durch die in den abhängigen Ansprüchen aufgeführten Maßnahmen sind vorteilhafte Weiterbildungen und Verbesserungen des in den unabhängigen Ansprü- chen 1 und 4 angegebenen Verfahrens und des Sensorelements möglich.
So wird bei einer ersten Ausgestaltung des Verfahrens beispielsweise der Innenwiderstand des Sensorelements gemessen.
Bei einer anderen Ausführungsform des Verfahrens wird der Innenwiderstand über die Temperatur des Sensorelements anhand der Betriebsparameter der Brennkraftmaschine rechnerisch ermittelt oder einem Kennfeld entnommen. Dabei wird, abhängig beispielsweise vom Betriebspunkt der Brennkraftmaschine, auch die Abgastemperatur, das Abgasmengenverhältnis, den Abgasmassen- ström bestimmt, und aus diesen auf die Temperatur und somit den Innenwiderstand des Sensorelements geschlossen.
Das erfindungsgemäße Sensorelement zur Bestimmung der Konzentration von Gaskomponenten im Abgas von Brennkraftmaschinen mit wenigstens einer E- lektrolytschicht zeichnet sich durch die Verwendung von Scandium-stabilisiertem
Zirkonoxid statt Yttrium-stabilisiertem Zirkonoxid im Bereich unter der Außenelektrode mit einer Dicke zwischen 10 μm und 50 μm aus. Hierdurch sind vor allem im Niedertemperaturbereich niedrigere Innenwiderstandswerte erreichbar, weil der Widerstandsanteil der loneneinbaureaktion abgesenkt wird.
Um eine verbesserte lonenleitfähigkeit herzustellen, können dabei Lokalbereiche mit Yttrium-stabilisiertem Zirkonoxid verwendet werden. Dies betrifft insbesondere die Schichten, über die eine oder auch beide Elektroden mit dem Elektrolyten verbunden sind.
Weiterhin ist zur Reduktion des Gleichstrominnenwiderstands vorgesehen, die Elektrodenflächen zu maximieren und die Referenzelektrode nahe an der äußeren Oberfläche der Sonde zu positionieren, um den dazwischen angeordneten Elektrolyten möglichst gut an das heiße Abgas zu koppeln.
Eine derartige Lambdasonde wird darüber hinaus mit einem sehr geringen Pumpstrom betrieben, der zu einem möglichst geringen Spannungsverzug führt und dennoch eine CSD- und Nebenschlussfestigkeit gewährleistet. Die Pumpströme liegen dabei im Bereich zwischen 0 μA und 10 μA, bevorzugt zwischen 2 μA und δ μA.
Kurze Beschreibung der Zeichnung
Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in der Zeichnung dargestellt und in der nachfolgenden Beschreibung näher erläutert.
In der Fig. 1 ist ein erfindungsgemäßes Sensorelement schematisch im Schnitt dargestellt.
Ausführungsformen der Erfindung
In Fig. 1 ist schematisch ein Sensorelement dargestellt, welches durch einen E- lektrolyten 100 gebildet wird, der auf einen Träger 105, beispielsweise mittels Siebdruck aufgebracht sein kann. Der Elektrolyt weist eine Dicke von etwa 500 μm auf. Die erfindungsgemäße Drucktechnik zur Herstellung des Elektrolyten im
Bereich 101 unter der Außenelektrode 1 10 wird eingesetzt, um eine geringe Schichtdicke von etwa 10 μm bis 50 μm von Scandium-stabilisiertem Zirkonoxid zu erzielen und dadurch den Innenwiderstand bedingt durch die lonen- Einbaureaktion zu minimieren.
Die Lambdasonde weist eine dem (nicht dargestellten) Abgas ausgesetzte Außenelektrode 1 10 auf, die mit einem Steuergerät SG mit über eine in der Fig. 1 nur schematisch dargestellte elektrische Leitung 1 1 1 verbunden ist und eine in einem Referenzgasvolumen 130 (Referenzgaskanal) angeordnete Referenz- elektrode 120, die ebenfalls über eine Leitung 140 mit dem Steuergerät SG verbunden ist. Zur Reduktion des Gleichstrominnenwiderstands ist die Elektrodenfläche insbesondere der dem Abgas ausgesetzten Elektrode 1 10 möglichst groß gewählt, im Idealfall ist sie unter Berücksichtigung der baulichen Gegebenheiten und der daraus resultierenden Temperaturverteilungen maximal gewählt. Die Re- ferenzelektrode 120, deren Fläche an die der dem Abgas ausgesetzten Elektrode
1 10 angepasst ist, ist möglichst nahe an der äußeren Oberfläche der Sonde positioniert, um den dazwischen angeordneten Elektrolyten möglichst gut an das heiße Abgas zu koppeln. Die Sonde kann mit einem Pumpstrom betrieben werden, der möglichst klein gewählt wird, um einen geringen Spannungsverzug zu verur- Sachen und dennoch die CSD- und Nebenschlussfähigkeit zu gewährleisten. Die
Pumpströme liegen im Bereich zwischen 0 μA und 10 μA, insbesondere und bevorzugt im Bereich zwischen 2 μA und 5 μA.
Rein prinzipiell ist es auch möglich, einen Pumpstrom erst bei einer höheren Temperatur, beispielsweise > 5000C, zuzuschalten, der dazu dient, eine „Abreak- tion" des aus der Dichtpackung ausdampfenden Fettgases herbeizuführen. Ein Auslass 132 des Pumpgases wird klein dimensioniert, um ein Vordringen von Fettgas zur Referenzelektrode 120 möglichst zu unterbinden. Er muss allerdings so groß gewählt werden, dass ein Druckausgleich mit der Umgebung gewährleis- tet ist. Hierbei müssen poröse Schichten mit hohem Strömungswiderstand vermieden werden. Zu bevorzugen ist ein offener Kanal mit entsprechend kleinem Querschnitt. Der Referenzkanal kann durch eine einfache Druckschicht mit einer Opferschicht der Dicke 20 bis 30 μm und einer Kanalbreite zwischen 0,5 und 1 mm realisiert werden (nicht dargestellt). Rein prinzipiell ist es auch möglich, eine nicht ganz dicht gedruckte Elektrodenzuleitung als Referenzkanal zu nutzen
(nicht dargestellt). Darüber hinaus kann vorgesehen sein, mit einer porösen Druckschicht 133 im Eingangsbereich des Referenzkanals ein weiteres Eindringen von Fettgaskomponenten in den Referenzgaskanal 130 zu unterdrücken und gleichzeitig den Strömungswiderstand und somit den Druckaufbau im Referenz- bereich einzustellen.
Im Folgenden wird ein Verfahren zum Betreiben eines derartigen Lambdasen- sors zur Kompensation des Signalverzugs, der sich durch den Pumpstrom zur Unterdrückung von CSD-Verhalten ergibt, beschrieben. Die Kompensation des Signalverzugs setzt die Kenntnis des Innenwiderstands des Sensorelements voraus, der zunächst bestimmt wird. Dieser kann beispielsweise durch Messungen oder rechnerisch oder beispielsweise mittels eines Kennfelds, abhängig von den Betriebsparametern der Brennkraftmaschine, wie dem Abgasmassenstrom, dem Abgasmengenverhältnis, der Abgastemperatur und dergleichen, bestimmt werden. Es erfolgt nun eine Anpassung der Versorgungsspannung der Sonde an den mit steigender Temperatur sinkenden Innenwiderstand derart, dass die Versorgungsspannung mit steigender Temperatur nachgeregelt wird, sodass der Regelpunkt immer an der gleichen Stelle liegt, das heißt sich nicht verändert und dabei ein minimaler Pumpstrom nicht unterschritten wird. Hierbei wird auf vorteilhafte Weise ein vermehrtes Pumpen bei hohen Temperaturen erreicht, bei denen auch Fettgas vermehrt aus der Packung ausdampfen kann.
Durch die Veränderung des Regelpunkts, der innerhalb einer Regelsoftware im Steuergerät SG erfolgt, können CSD-bedingte Signalverzüge kompensiert werden.
Das vorstehend beschriebene Verfahren kann beispielsweise als Computerprogramm im Steuergerät der Brennkraftmaschine implementiert sein und dort ablaufen. Der Programmcode kann auf einem maschinenlesbaren Träger gespeichert sein, den das Steuergerät SG lesen kann.