Beschreibung
Verfahren zum elektrischen Verbinden eines Umrichters mit einer elektrischen Maschine
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum elektrischen Verbinden eines Umrichters mit einer vom Umrichter gespeisten elektrischen Maschine, bei dem eine mehrere Phasen umfassende und getrennte elektrische Verbindung zwischen dem Umrichter und der Maschine geschlossen wird.
Bei Hochgeschwindigkeitszügen, die mit einer permanent erregten Synchronmaschine angetrieben werden, besteht das Problem, dass bei hohen Fahrgeschwindigkeiten hohe Spannungen in der Synchronmaschine induziert werden. Die induzierten Spannungen können bis zum 2,5-fachen der eingangsseitig am Umrichter anliegenden Zwischenkreisspannung oder sogar noch höher ansteigen. In ungünstigen Situationen kann dies dazu führen, dass hohe Ströme durch den Umrichter getrieben werden, die diesen beschädigen .
Zum Schutz des Umrichters ist es bekannt, zwischen dem Um¬ richter und dem Fahrmotor ein Trennschütz anzuordnen, durch das der Fahrmotor elektrisch vom Umrichter getrennt werden kann. Nach dem Öffnen des Trennschützes muss dieses wieder geschlossen werden können. Das Schließen muss auch während der Fahrt möglich sein. Hierzu soll der Umrichter beim
Schließen so geschaltet werden, dass immer noch hohe indu¬ zierte Spannungen sofort an den Klemmen abgebaut werden, um zu vermeiden, dass zu hohe Ströme durch den Umrichter in den Zwischenkreis getrieben werden.
Es ist eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren zum elektrischen Verbinden eines Umrichters mit einer elektrischen Maschine anzugeben, mit dem ein Material schonendes Schließen der elektrischen Verbindung erreicht werden kann.
Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren der eingangs genannten
Art gelöst, bei dem erfindungsgemäß zumindest zwei Phasen der Verbindung zu verschiedenen Zeitpunkten geschlossen werden.
Die Erfindung geht von der Überlegung aus, dass die Ströme durch die elektrische Maschine wieder zu fließen beginnen, sobald die Verbindung geschlossen wird. Die entsprechenden magnetischen Felder bauen sich wieder auf, sodass im Moment des Schließens der Verbindung Energie von der elektrischen Maschine aufgenommen wird. Dies kann dazu führen, dass das elektrische Drehmoment der Maschine für einen kurzen Moment unmittelbar nach dem Schließen stark abfällt, sodass ein starker mechanischer Ruck in der elektrischen Maschine und den mit ihr verbundenen beweglichen Elementen erzeugt wird. Dies führt nicht nur zu einem Ruck im fahrenden Zug sondern auch zu Materialermüdungen des Antriebstrangs.
Um einen solchen Ruck möglichst gering zu halten, ist es vorteilhaft, die Verbindung bei einem möglichst günstigen Zeit¬ punkt zu schließen. Um einen günstigen Zeitpunkt herauszufin- den, kann eine feldorientierte Regelung für den Umrichter verwendet werden, bei der der „Spannungszeiger" des Motorständers ausgewertet und der Trennschütz zu einer günstigen Zeigerstellung geschlossen wird. Es besteht jedoch auch bei einem optimalen Schließzeitpunkt des Trennschützes bei einer geeigneten Rotorlage das Problem, dass das Drehmoment am Mo¬ tor beim Schließen des Schützes kurzzeitig springt und damit einen Ruck erzeugt. Auch wenn dieser Ruck durch den guten Schließzeitpunkt verringert ist, ist es dennoch wünschens¬ wert, diesen Ruck weiter zu verringern.
Die Erfindung geht von der weiteren Überlegung aus, dass beim Zuschalten des Trennschützes bzw. Zuschalters die Ist-Ströme der Phasen der elektrischen Maschine Null sind. Auch bei einer rotorlagengesteuerten Schließung des Schützes ist es da- her nur möglich, eine einzige vorgegebene Stromphase aus dem Feldregler zum Schließzeitpunkt auf Null zu legen. Bei einer Drehstromverbindung sind die Sollströme der beiden anderen Phasen ungleich Null. Die Phase, deren Sollstrom zum Ein-
schaltZeitpunkt Null ist, kann den Ist-Strom von Null langsam aufbauen. Soll-Strom und Ist-Strom fallen zum Schließzeitpunkt des Trennschützes bzw. Zuschalters zusammen, sodass diese Phase ruhig einschwingen kann. Bei den anderen beiden Phasen liegt jedoch die Situation vor, dass zum Einschaltzeitpunkt der Soll-Strom und der Ist-Strom auseinanderfallen, hierdurch wird ein unerwünschter Drehmomentstoß bewirkt.
Gemäß der Erfindung werden zumindest zwei Phasen der Verbin- dung zu verschiedenen Zeitpunkten geschlossen. Hierdurch kann nicht nur für eine Phase ein ruhiges Einschwingen eingeleitet werden, sondern auch für eine zweite Phase ein recht ruhiges Einschwingen erreicht werden, indem der Schließzeitpunkt der zweiten Phasen auf einen geeigneten Zeitpunkt gelegt wird. Der Drehmomentstoß kann vermindert und die mechanischen Kom¬ ponenten können geschont werden.
Vorteilhafterweise werden alle Phasen der elektrischen Verbindung individuell, also zu unterschiedlichen Zeitpunkten, geschaltet. Hierdurch kann eine maximale Flexibilität bei der Wahl der Schließzeitpunkte erreicht werden und der Drehmo¬ mentstoß kann in besonderem Maße verringert werden.
Zeckmäßigerweise umfasst die Verbindung drei Phasen, wie es bei Drehstrom beziehungsweise Kraftstrom üblich ist. Wenn hiervon zwei zunächst getrennt sind, ist bei einem freien, also nicht geerdeten Sternpunkt somit ein Stromfluss durch alle Phasen unterbunden, sodass die elektrische Verbindung - obgleich nicht vollständig vom Umrichter getrennt - als ge- trennt betrachtet werden kann. Durch die Kirchhoffsehe Regel, die besagt, dass die Summe der Ströme durch die Phasen bei freiem Sternpunkt Null ist, kann es beliebig sein, ob die ersten beiden zu verbindenden Phasen gleichzeitig geschaltet oder zu unterschiedlichen Zeitpunkten geschaltet werden, da die Verbindung einer einzigen Phase keine Stromflüsse be¬ wirkt. Es ist daher ausreichend, wenn zumindest eine der Pha¬ sen einzeln und zeitlich getrennt von zumindest einer anderen geschaltet wird.
Die elektrische Maschine ist vorteilhafterweise ein Antriebs¬ motor eines Schienenfahrzeugs, wobei die Erfindung besonders geeignet zur Anwendung bei einer permanent erregten Synchron- maschine ist. Die Erfindung ist jedoch nicht auf die Verwen¬ dung von Synchronmaschinen beschränkt. So kann sie auch bei anderen geschalteten Maschinen, beispielsweise geschalteten Reluktanzmaschinen, vorteilhaft Anwendung finden. Die elektrische Maschine kann auch ein Generator sein zur Erzeugung von Strom aus mechanischer Energie. Der Stromrichter erzeugt die elektrischen Ströme durch die Phasen der Verbindung zweckmäßigerweise aus einer Zwischenkreisspannung eines
Schienenfahrzeugs. Die Zwischenkreisspannung kann eine Zwi- schenkreisgleichspannung sein, die vom Umrichter in eine Wechselspannung gewandelt wird.
Besonders vorteilhaft ist die Erfindung ferner anwendbar im laufenden Betrieb der elektrischen Maschine, bei dem die laufende Maschine eine Spannung durch den Umrichter in den Ein- gangskreis des Umrichters induziert, also beispielsweise in den Zwischenkreis, die zumindest das 1,5-fache der Eingangs¬ spannung in den Umrichter beträgt. Die Verbindung wird nach vorgegebenen Kriterien, beispielsweise Spannungskriterien, geöffnet, wobei die Öffnung der Verbindung vom Umrichter zur elektrischen Maschine in zumindest zwei Phasen erfolgt. Bei Vorliegen vorbestimmter Bedingungen, beispielweise dem Verstreichen einer vorgegebenen Zeitspanne oder dem Vorliegen eines vorbestimmten Zustands im Umrichter und/oder in der elektrischen Maschine wird die Verbindung in der erfindungs- gemäßen Weise wieder geschlossen. Hierdurch wird der Betrieb der elektrischen Maschine weitergeführt.
In einer vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung sind alle Phasen der elektrischen Verbindung geöffnet und alle Pha- sen werden zeitlich individuell geschlossen. Hierdurch kann eine größtmögliche Freiheit für eine gute Beschaltung bzw. Speisung der elektrischen Maschine mit Betriebsspannung erreicht werden. Insbesondere bei einem nicht freien Sternpunkt
der elektrischen Maschine kann jede Phase zeitlich individuell mit Strom beaufschlagt werden.
Der Drehmomentstoß kann besonders klein gehalten werden, wenn zumindest zwei Phasen bei einem Nulldurchgang ihres Soll¬ stroms dieser Phasen geschlossen werden. Der Nulldurchgang bezieht sich auf den Nulldurchgang des Sollstroms der elekt¬ rischen Maschine in diesen Phasen. Vorteilhafterweise sind diese beiden Phasen die beiden letzten zugeschalteten Phasen der elektrischen Verbindung.
Zur Bestimmung des Sollstroms der einzelnen Phasen der elektrischen Maschine ist es notwendig, Kenntnis von der Rotorlage der elektrischen Maschine zu haben. Entsprechend wird ein die Rotorlage der elektrischen Maschine anzeigender Parameter sensorisch gemessen und aus den Messdaten wird die Rotorlage bestimmt. Aus der Rotorlage kann der Sollstrom der einzelnen Phasen bestimmt werden, wobei die Sollströme zweckmäßigerwei¬ se diejenigen Ströme durch die Phasen sind, bei denen kein Drehmomentsprung beim Verbinden der einzelnen Phasen mit dem Umrichter entsteht. Aus der Rotorlage direkt oder aus den Größen der Sollströme können die Nulldurchgänge der Sollströ¬ me der einzelnen Phasen ermittelt werden, also diejenigen Zeitpunkte, zu denen der Strom durch eine Phase Null ist.
Vorteilhaft ist es auch, alle Phasen bei einem Nulldurchgang ihres Sollstroms zu schließen. Bei einem offenen Sternpunkt ist es auch möglich, die ersten beiden Phasen gemeinsam, also zeitgleich, und eine dritte Phase erst danach zu schließen.
Bei einem freien Sternpunkt kann nach der Kirchhoffsehen Regel nur bei zumindest zwei geschlossenen Phasen Strom durch diese Phasen fließen. Es ist daher nicht möglich, die
Schließmomente beider Phasen auf einen Nulldurchgang dieser Phasen zu legen. Zum Verursachen eines möglichst geringen
Drehmomentstoßes kann es daher vorteilhaft sein, die ersten beiden Phasen außerhalb eines Nulldurchgangs ihres Sollstroms und eine dritte Phase insbesondere in einem Nulldurchgang ih-
res Sollstroms zu schließen. Der Schließmoment kann hierdurch so auf die Phasenlagen der ersten beiden zu schließenden Phasen gerichtet werden, dass der Drehmomentstoß sehr gering ist .
Weiter ist es besonders vorteilhaft, wenn bei den beiden zu¬ erst geschlossenen Phasen die Summe der beiden Integrale über den Betrag der Differenzen zwischen Sollstrom und Iststrom minimal wird. Das Integral oder die beiden Integrale sind hierbei zweckmäßigerweise von der Phasenlage des Schließens bis zu einem vorgegebenen Phasenpunkt danach zu betrachten. Der Phasenpunkt ist ein Zeitpunkt, der zweckmäßigerweise zwi¬ schen T/6 und T/3 nach dem Schließzeitpunkt liegt, wobei T die Zeitdauer einer vollen Schwingung des Sollstroms ist, der Phasenzeitpunkt liegt also zwischen 60° und 120° nach dem
Schließzeitpunkt. Das Minimum ist gemäß dieser Ausgestaltung der Erfindung auch bei einer Abweichung von bis zu 20 ~6 vom rechnerischen Minimum gewährleistet - gleiche Integralgrenzen beim rechnerischen Minimum und bei der realen Integralsumme voruasgesetzt . Der Ist-Strom kann entweder an der Verbindung beziehungsweise an den Phasen der elektrischen Verbindung direkt gemessen oder durch Simulation der Interaktion von Umrichter und elektrischer Maschine bestimmt werden. Eine weitere vorteilhafte Ausführungsform der Erfindung sieht vor, dass die zweite zu schließende Phase bei demjenigen Nulldurchgang von ihr geschlossen wird, der auf einen Nulldurchgang der zuerst geschlossenen Phase unmittelbar folgt. Auch hierdurch kann ein Drehmomentstoß gering gehalten wer- den.
Eine weitere vorteilhafte Ausführungsform sieht vor, dass drei Phasen der Verbindung bei einander unmittelbar folgenden Nulldurchgängen geschlossen werden. Dieser einfache zu steu- ernde Schaltalgorithmus sorgt für einen sehr geringen Drehmo¬ mentstoß in der elektrischen Maschine.
Die Erfindung ist außerdem gerichtet auf ein Maschinensystem
mit einer elektrischen Maschine, einem Umrichter zum
Umrichten einer Eingangsspannung in eine mehrere Phasen aufweisende Maschinenspannung und einer Steuereinheit zum Schal¬ ten des Umrichters.
Um ein verschleißarmes Zuschalten der elektrischen Maschine zu erreichen, wird vorgeschlagen, dass das Maschinensystem erfindungsgemäß einen Zuschalter aufweist, der für zumindest zwei der Phasen ein eigenes und einzeln ansteuerbares Zus- chaltelement aufweist, wobei die Steuereinheit dazu vorberei¬ tet ist, die Zuschaltelemente zum Schließen der einzelnen Phasenverbindung einzeln anzusteuern.
Die im Vorhergehenden beschriebenen Details zum Verfahren sind auch auf das Maschinensystem anwendbar, wobei die Steuereinheit zum Steuern eines einzelnen, mehrerer oder aller beschriebener Verfahrensdetails vorbereitet ist. Eine solche Vorbereitung kann durch ein entsprechendes Steuerprogramm der Steuereinheit vorliegen, dessen Ablauf - beispielsweise in Verbindung mit geeigneten Eingangssignalen, wie Sensorsignalen - eine solche Steuerung bewirkt. Hierzu umfasst die Steu¬ ereinheit zweckmäßigerweise elektronische Elemente, wie einen Prozessor und Datenspeicher, die zum Ablaufen des Steuerprogramms notwendig sind.
Das Maschinensystem ist zweckmäßigerweise ein Schienenfahrzeug oder in einem Schienenfahrzeug angeordnet. Die elektri¬ sche Maschine ist vorteilhafterweise ein Antriebsmotor des Schienenfahrzeugs und der Umrichter ein Motorumrichter. Der Zuschalter ist zweckmäßigerweise ein Trennschütz. Die Eingangsspannung kann die Zwischenkreisspannung sein, insbesondere des Schienenfahrzeugs.
Zum präzisen Zuschalten der Phasen ist es vorteilhaft, wenn die Schaltzeit des Zuschalters präzise definiert ist. Thyris¬ toren weisen präzise Schaltzeiten auf und sind daher besonders geeignete Schaltelemente für den Zuschalter.
Die oben beschriebenen Eigenschaften, Merkmale und Vorteile dieser Erfindung, sowie die Art und Weise, wie diese erreicht werden, werden klarer und deutlicher verständlich im Zusammenhang mit der folgenden Beschreibung der Ausführungsbei- spiele, die im Zusammenhang mit den Zeichnungen näher erläutert werden. Die Ausführungsbeispiele dienen der Erläuterung der Erfindung und beschränken die Erfindung nicht auf die darin angegebene Kombination von Merkmalen, auch nicht in Bezug auf funktionale Merkmale. Außerdem können dazu geeignete Merkmale eines jeden Ausführungsbeispiels auch explizit iso¬ liert betrachtet, aus einem Ausführungsbeispiel entfernt, in ein anderes Ausführungsbeispiel zu dessen Ergänzung einge¬ bracht und/oder mit einem beliebigen der Ansprüche kombiniert werden .
Es zeigen:
FIG 1 eine schematische Darstellung eines angetriebenen
Schienenfahrzeugs mit zwei Motorumrichtern, die je¬ weils zwei Fahrmotoren versorgen,
FIG 2 ein Schaltbild eines der Umrichter aus FIG 1 mit einem der Fahrmotoren und einem zwischengeschalteten Trennschütz,
FIG 3 drei Diagramme der drei Phasenströme durch die drei
Phasen der elektrischen Verbindung zwischen Umrichter und Fahrmotor mit eingezeichneten Schließzeitpunkten der drei Zuschaltelemente des Trennschüt- zes ,
FIG 4 das Diagramm aus FIG 3 mit anderen Schließzeitpunkten und FIG 5 ein vergrößerter Ausschnitt aus dem mittleren Diagramm aus FIG 4 mit einer eingezeichneten Integralfläche zwischen Soll-Strom und Ist-Strom.
FIG 1 zeigt eine schematische Darstellung eines Schienenfahr¬ zeugs 2, das einen Triebwagen 4 mit vier angetriebenen Achsen aufweist. Jede der Achsen wird von einer elektrischen Maschine 6 angetrieben, die jeweils als Synchronmotor ausgeführt sind und als Fahrmotoren den Zug antreiben. Alle Fahrmotoren 6 werden von einem Traktionsumrichter 8 gespeist. Der
Traktionsumrichter 8 umfasst einen Eingangsstromrichter 10, der aus der Netzspannung einer Oberleitung - gegebenenfalls über mehrere Stufen - eine Zwischenkreisgleichspannung in ei- nem Zwischenkreis 12 erzeugt.
Mit dem Zwischenkreis 12 elektrisch verbunden sind vier Umrichter 14, die in diesem Ausführungsbeispiel als Motorumrichter in Form von Pulswechselrichtern ausgeführt sind, wobei jedoch auch andere Formen von Umrichtern denkbar sind. Die Umrichter 14 wandeln die Zwischenkreisgleichspannung in drei Phasen-Wechselspannung für die elektrischen Maschinen 6 um, wobei jeder der Umrichter 14 jeweils eine elektrische Ma¬ schinen 6 versorgt. Es ist auch möglich, dass ein Umrichter 14 zwei oder mehr als zwei elektrische Maschinen 6 versorgt. Die Versorgung der elektrischen Maschine 6 mit Betriebsspannung wird von einer Steuereinheit 16 gesteuert, die den Be¬ trieb des Traktionsumrichters und der elektrischen Maschinen 6 steuert. Es ist auch möglich, dass die Steuereinheit 16 weitere Aggregate des Schienenfahrzeugs 2 steuert, beispiels¬ weise Instrumente des Fahrerstandes, Bremsen, Klimaaggregate und dergleichen mehr.
Zwischen jedem der Umrichter 14 und den elektrischen Maschi- nen 6 ist ein Trennschütz 18 angeordnet, das in FIG 2 schema¬ tisch dargestellt ist. Alternativ ist es möglich, für alle von einem Umrichter 14 versorgte elektrische Maschinen 6 nur ein einziges Trennschütz 18 vorzusehen, sodass ein Trennschütz 18 mehrere gleiche Phasen mehrerer elektrischer Ma- schinen 6 öffnet und schließt. Alle drei Phasen 20a, 20b, 20c der elektrischen Verbindung 22 zwischen Umrichter 14 und der elektrischen Maschine 6 laufen durch das Trennschütz 18, das für jede Phase 20 ein einzelnes Trennelement beziehungsweise
Zuschaltelement 24 aufweist. Jedes Zuschaltelement 24 ist mit einem oder mehreren Thyristoren ausgestattet zum schnellen und zeitdefinierten Trennen und Schließen der entsprechenden Phase 20.
Bei einem Betrieb des Schienenfahrzeugs 2 kann es vorkommen, dass der von den elektrischen Maschinen 6 in den Zwischenkreis 12 durch die Umrichter 14 induzierte Stromfluss so hoch ist, dass ein Umrichter 14 droht, Schaden zu nehmen. Der in- duzierte Strom, entsprechende Spannungsgrößen oder andere
Messparameter werden von geeigneten Sensoren gemessen und von der Steuereinheit 16 ausgewertet, die ein Öffnen des
Zuschalters 18 bei vorliegenden kritischen Parametern steuert. Der Zuschalter 18 öffnet in zumindest zwei, insbesondere allen drei Phasen beziehungsweise mit allen seinen Zuschalt¬ elementen 24, und die elektrische Verbindung zwischen dem Umrichter 14 und der elektrischen Maschine 6 ist getrennt be¬ ziehungsweise offen.
Um den Antrieb des Schienenfahrzeugs 2 wieder aufzunehmen wird die elektrische Verbindung 22 durch die Steuereinheit 16 nach vorgegebenen Kriterien wieder geschlossen. Die Steuereinheit 16 steuert den Umrichter 14 zur Versorgung der elektrischen Maschinen 6 durch eine feldorientierte Regelung an. Durch die Steuermethode der feldorientierten Regelung sind der Steuereinheit 16 die Soll-Ströme durch die einzelnen Pha¬ sen 20, bzw. Parameter, aus denen sich die Soll-Ströme ablei¬ ten lassen, bekannt. Die Steuereinheit 16 ermittelt aus dem Verlauf der Soll-Ströme die Nulldurchgänge der Soll-Ströme der einzelnen Phasen 20.
FIG 3 zeigt die Soll-Ströme in Ampere aufgetragen gegen die Zeit in Sekunden. Die Verläufe der Soll-Ströme sind in FIG 3 gestrichelt dargestellt. Das oberste der drei Diagramme zeigt den Soll-Strom durch die Phase 20a, das mittlere Diagramm den Soll-Strom der Phase 20b und das untere Diagramm den Soll- Strom durch die Phase 20c. Zum Zeitpunkt t = 0 sind die Soll- Ströme aller drei Phasen 20 Null, die elektrische Verbindung
22 ist vollständig getrennt, alle Zuschaltelemente 22 sind offen .
Besteht die Gefahr der strominduzierten Beschädigung des Um- richters 14 nicht mehr, beispielsweise weil die im Motor 6 induzierte Spannung die Eingangsspannung des Umrichter 14 nicht mehr wesentlich übersteigt, so steuert die Steuerein¬ heit 16 das Schließen der elektrischen Verbindung 22 durch den Zuschalter 18. Das Schließen der elektrischen Verbindung geschieht in einem in FIG 3 gezeigten ersten Ausführungsbei¬ spiel bei Nulldurchgängen des Sollstroms der einzelnen Phasen 20. Zum Zeitpunkt ti durchläuft der Sollstrom der dritten Phase 20c einen absteigenden Nulldurchgang, sodass der Strom durch die dritte Phase 20c zum Zeitpunkt ti Null ist. Zu die- sem Zeitpunkt wird das Schließen des dritten Zuschaltelements 24 von der Steuereinheit 15 gesteuert. Durch dieses Schließen der Phase 20c fließt jedoch durch diese Phase 20c noch kein Strom, da die anderen beiden Phasen 20a, 20b noch getrennt sind und der Sternpunkt der elektrischen Maschine 6 offen ist, also nicht geerdet ist. Entsprechend der Kirchhoffsehen Regel, dass die Summe der Phasenströme Null ist, beginnt der Strom erst mit dem Schließen der zweiten Phase zu fließen.
Zum Zeitpunkt t2 durchläuft die zweite Phase 20b, die in FIG 3 im mittleren Diagramm dargestellt ist, einen aufsteigenden Nulldurchgang. Zu diesem Zeitpunkt wird von der Steuereinheit 16 das Schließen des zweiten Zuschaltelements 24 gesteuert, sodass auch diese Phase 20b geschlossen beziehungsweise ver¬ bunden ist. Ab dem Zeitpunkt t2 fließt durch die zweite und dritte Phase 20b, 20c Ist-Strom wie aus den beiden unteren
Diagrammen aus FIG 3 anhand der durchgezogenen Stromlinien zu sehen ist. Hierbei folgt der Ist-Strom der zweiten Phase 20b dem Soll-Strom sehr gut und der Ist-Strom der dritten Phase 20c eilt dem Soll-Strom mit entgegengesetztem Vorzeichen zur Phase 20b nach, sodass die Summe der Ströme Null ist.
Die erste Phase 20a ist weiterhin offen bis zum Zeitpunkt t3, zu dem auch diese Phase 20a einen Nulldurchgang durchläuft
und das entsprechende Zuschaltelement 24 geschlossen wird. Ab diesem Moment verteilen sich die Ströme durch alle drei Pha¬ sen 20, wobei auch der Ist-Strom der ersten Phase 20a dem Soll-Strom sehr genau folgt.
Bei den auf die Nulldurchgänge gesteuerten Schließzeitpunkten der Zuschaltelemente 24 beziehungsweise der Verbindung 22 ist die Summe der Differenzen der Soll-Ströme zu den Ist-Strömen sehr gering. Die ersten beiden Phasen 20a, 20b, folgen dem Soll-Strom sehr gut. Lediglich bei der dritten Phase weicht der Ist-Strom - erzwungen durch die Summenstromregel - in deutlicher Weise vom Soll-Strom ab. Diese Abweichung ist für einen verbleibenden Drehmomentsprung im elektrischen Drehmoment der elektrischen Maschine 6 verantwortlich, der jedoch insgesamt erheblich geringer ist als bei der zeitgleichen
Verbindung aller drei Phasen 20 durch ein Trennschütz mit gekoppelten Zuschaltelementen. Die mechanische Belastung der Komponenten der elektrischen Maschine 6 und des Antriebsstrangs des Triebwagens 4 beziehungsweise Schienenfahrzeugs 2 ist erheblich geringer.
Alle drei Phasen 20 der Verbindung 22 werden in diesem Ausführungsbeispiel bei einander unmittelbar folgenden Nulldurchgängen geschlossen. Da der Schließzeitpunkt der ersten zu schließenden Phase 20c wegen des nicht fließenden Stroms minderwichtig ist, ist es jedoch ausreichend wenn die zweite und dritte zu schließende Phase 20b, 20a bei unmittelbar fol¬ genden Nulldurchgängen geschlossen werden. Vorteilhaft ist es hierbei wenn die Phasen 20 in der Reihenfolge geschlossen werden, in denen sie unmittelbar aufeinanderfolgende Null¬ durchgänge aufweisen. Bei dem in FIG 3 gezeigten Ausführungs¬ beispiel wird also die dritte Phase 20c zuerst die zweite Phase 20b danach und die erste Phase 20a zuerst geschlossen, da die Nulldurchgänge der Phasen 20 - ausgehend von einer ersten zu schließenden Phase 20c - in dieser Reihenfolge auf¬ einander folgen. An welchen Nulldurchgängen die Phasen 20 dann tatsächlich geschlossen werden, ist nicht so wichtig, es können also auch spätere Nulldurchgänge gewählt werden. Ein
etwas größerer Drehmomentsprung tritt allerdings auf, wenn diejenige Phase erst zuletzt geschlossen wird, deren Null¬ durchgang unmittelbar auf den Nulldurchgang der zuerst geschlossenen Phase 20c folgt.
Ein weiteres Ausführungsbeispiel mit anderen Schließzeitpunk¬ ten ist in FIG 4 dargestellt. Im Unterschied zu dem in FIG 3 gezeigten Ausführungsbeispiel ist der Schließpunkt der zwei¬ ten Phase 20b so gewählt, dass der Strom durch die ersten beiden geschlossenen Phasen 20b, 20c kurz vor (bei Phase 20b) beziehungsweise kurz nach Phase 20c im entsprechenden Null¬ durchgang erfolgt. Hierdurch kann die Differenz zwischen Soll-Strom und Ist-Strom in der ersten geschlossenen Phase 20c verringert werden. Allerdings wird die Differenz in der an zweiter Stelle geschlossenen Phase 20b vergrößert. Der
Schließzeitpunkt t3 der als drittes zu schließenden Phase 20a bleibt unverändert.
Bei dem in FIG 4 gezeigten Ausführungsbeispiel sind also die Schließzeitpunkte der beiden zuerst geschlossenen Phasen 20b, 20c gleich, also t2 = ti. Da der Schließzeitpunkt der ersten zu schließenden Phase 20c im Prinzip gleichgültig ist, kann der Schließzeitpunkt ti auch früher gewählt werden. Das in FIG 4 gewählte Ausführungsbeispiel ermöglicht jedoch einen Zuschalter 18 beziehungsweise einen Trennschütz, das nur zwei Zuschaltelemente aufweist, wobei eines der Zuschaltelemente zwei Phasen gleichzeitig öffnet und schließt. Die Summen der Differenzen zwischen Soll-Strom und Ist-Strom aller Phasen bei dem in FIG 4 gezeigten Ausführungsbeispiel ist größer als die entsprechende Differenz aus dem Ausführungsbeispiel aus
FIG 3. Entsprechend ist der Sprung des Drehmoments der elekt¬ rischen Maschine 6 größer bei dem FIG 4 gezeigten Ausführungsbeispiel. Allerdings ist er insbesondere bei hohen Ge¬ schwindigkeiten immer noch kleiner als bei gleichzeitig ver- bundenen drei Phasen 20.
Ein Maß für die Differenz von Soll-Strom zu Ist-Strom ist in FIG 5 schematisch dargestellt. FIG 5 zeigt einen Ausschnitt
aus der mittleren Phase 20b des Ausführungsbeispiels aus FIG 4. Als Maß für die Differenz zwischen Soll-Strom und Ist- Strom ist das Integral zwischen den beiden Strömen als schraffierte Fläche dargestellt, das Integral ist vom
Schließzeitpunkt t2 bis T/4, also 90°, nach dem Schließzeit¬ punkt t2 gewählt. Entsprechend wäre die Differenz zwischen Soll-Strom und Ist-Strom auch bei der ersten geschlossenen Phase 20c zwischen dem Schließzeitpunkt der zweiten zu schließenden Phase t2 und 90 Grad nach diesem Schließpunkt zu integrieren. Zu integrieren ist jeweils der Betrag der Differenz .
Die Summe der Integrale ist ein Maß für die Abweichung des elektrischen Drehmoments der elektrischen Maschine 6 zum Drehmoment während des kontinuierlichen, eingeschwungenen Betriebs der elektrischen Maschine 6. Entsprechend ist es vor¬ teilhaft, die Summe der beiden Integrale über den Betrag der Differenzen zwischen Soll-Strom und Ist-Strom möglichst klein wird. Zumindest sollte die Summe kleiner sein als sie es bei einem gemeinsamen Schließen aller drei Phasen 20 wäre. Besonders vorteilhaft ist es, die Schließzeitpunkte so zu wählen, dass die Summe minimal wird.