VERFAHREN UND VORRICHTUNG ZUM STEUERN EINER BRENNKRAFTMASCHINE MIT EINEM VARIABLEN VERDICHTUNGSVERHÄLTNIS
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betreiben einer Brennkraftmaschine, bei welcher ein Verdichtungsverhältnis mittels einer Stelleinrichtung auf ein Sollverdichtungsverhältnis eingestellt wird, wobei in einer Normalbetriebsart der Brennkraftmaschine das Sollverdichtungsverhältnis in Abhängigkeit von einer Betriebsgröße der Brennkraftmaschine bestimmt wird. Die Erfindung betrifft weiterhin eine Brennkraftmaschine.
Die Brennkraftmaschine dient beispielsweise dem Antreiben eines Kraftfahrzeugs. Die Brennkraftmaschine weist ein variables Verdichtungsverhältnis auf, wobei die Stelleinrichtung dazu dient, das vorgegebene Sollverdichtungsverhältnis an der Brennkraftmaschine einzustellen. Ändert sich also das Sollverdichtungsverhältnis, so wird das tatsächlich vorliegende Istverdichtungsverhältnis der Brennkraftmaschine mithilfe der Stelleinrichtung dem Sollverdichtungsverhältnis nachgeführt. Dabei erreicht die Stelleinrichtung jedoch lediglich eine begrenzte Stellgeschwindigkeit. Das Sollverdichtungsverhältnis der Brennkraftmaschine wird beispielsweise derart festgelegt, dass ein möglichst geringer Kraftstoffverbrauch erzielt wird. Dabei muss jedoch die Klopfgrenze des Kraftstoffs berücksichtigt werden. Bei einem geringen an der Brennkraftmaschine anliegenden Lastmoment wird daher ein größeres Sollverdichtungsverhältnis gewählt als bei einem höheren Lastmoment. Insbesondere wird das Sollverdichtungsverhältnis in einem Schubbetrieb der Brennkraftmaschine, in welchem sie von einem externen Drehmoment mitgeschleppt wird, im Leerlauf und bei Teillast bis zu einem bestimmten Lastmoment auf ein maximales Verdichtungsverhältnis der Brennkraftmaschine eingestellt.
Wird das Lastmoment der Brennkraftmaschine, beispielsweise aufgrund einer Vorgabe eines Fahrers des Kraftfahrzeugs, vergrößert, so muss das tatsächlich vorliegende Verdichtungsverhältnis so schnell wie möglich verringert werden, um dieses Lastmoment bereitstellen zu können, ohne dass die Klopfgrenze des Kraftstoffs überschritten wird. Aufgrund der begrenzten Stellgeschwindigkeit kann beispielsweise bis zum Erreichen des nunmehr verringerten Sollverdichtungsverhältnisses durch das Istverdichtungsverhältnis der Zündwinkel derart eingestellt werden, dass die Klopfgrenze eingehalten wird, klopfender Betrieb der Brennkraftmaschine also vermieden wird. Dazu wird der Zündwinkel beispielsweise nach Spät verstellt. Wird dagegen das Lastmoment verkleinert, so soll das Verdichtungsverhältnis möglichst rasch vergrößert werden, um
BESTÄTIGUNGSKOPIE
den Kraftstoffverbrauch zu reduzieren. Die Verstellung selbst ist jedoch aufgrund der begrenzten Stellgeschwindigkeit lediglich mit einem höheren Kraftstoffverbrauch zu realisieren.
Bei einem Wechsel des Betriebspunkts beziehungsweise einer Änderung des Lastmoments mit geringerer Geschwindigkeit ist dies unproblematisch, weil die Stellgeschwindigkeit der Stelleinrichtung ausreichend ist. Bei dynamischen Lastwechseln, also einer raschen Veränderung des Betriebspunkts beziehungsweise des Lastmoments, läuft dagegen das Istverdichtungsverhältnis dem Sollverdichtungsverhältnis weit hinterher. Insbesondere wird das Sollverdichtungsverhältnis erst nach Erreichen des neuen Betriebspunkts aus der Betriebsgröße der Brennkraftmaschine bestimmt und nachfolgend mittels der Stelleinrichtung eingestellt, sodass der zeitliche Versatz zwischen dem Istverdichtungsverhältnis und dem eigentlich optimalen Verdichtungsverhältnis sehr groß ist.
Aus dem Stand der Technik ist die Druckschrift EP 1 293 659 B1 bekannt. Diese beschreibt ein Steuerungssystem für eine Brennkraftmaschine, die eine Verdichtungsverhältnis-Steuerungsvorrichtung, eine Beschleunigungsparameter-Erlangungseinrichtung, eine Beschleunigungs-Bestimmungseinrichtung sowie eine Steuereinrichtung aufweist. Es ist nun vorgesehen, dass die Steuerungseinrichtung eine Verdichtungsverhältnis- Verminderungsgeschwindigkeit vermindert, mit der das Motorverdichtungsverhältnis während der Motorbeschleunigung vermindert wird, wenn der Motor in einem langsamen Beschleunigungszustand ist, im Vergleich zu einer Verdichtungsverhältnis- Verminderungsgeschwindigkeit, mit der das Verdichtungsverhältnis während der Motorbeschleunigung vermindert wird, wenn der Motor in einem schnellen Beschleunigungszustand ist. Zudem soll die Steuerungseinrichtung eine Verdichtungsverhältnis- Verminderungsstartzeit verzögern, bei der die Verminderung des Motorverdichtungsverhältnisses während der Motorbeschleunigung gestartet wird, wenn der Motor in einem langsamen Beschleunigungszustand ist, im Vergleich zu einer Verdichtungsverhältnis- Verminderungsstartzeit, bei der die Verminderung des Motorverdichtungsverhältnisses während der Beschleunigung gestartet wird, wenn der Motor in einem schnellen Beschleunigungszustand ist.
Weiterhin beschreiben die Druckschrift DE 102 20 598 B3 ein Verfahren zum Anpassen des Zündwinkels an das Verdichtungsverhältnis einer Brennkraftmaschine, die Druckschrift DE 10 2004 031 288 A1 eine Brennkraftmaschine mit variablem Verdichtungsverhältnis sowie ein Verfahren zu ihrem Betrieb und die Druckschrift DE 10 201 1 017 181
A1 ein Verfahren zum Betreiben einer Stelleinrichtung zum variablen Einstellen eines Verdichtungsverhältnisses einer Verbrennungskraftmaschine.
Es ist Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren zum Betreiben einer Brennkraftmaschine vorzuschlagen, welches den eingangs genannten Nachteil nicht aufweist, sondern insbesondere auch bei einer raschen Veränderung des Betriebspunkts beziehungsweise des Lastmoments der Brennkraftmaschine eine Verringerung des Kraftstoffverbrauchs durch rasches Einstellen des Verdichtungsverhältnisses auf einen optimalen Wert ermöglicht.
Dies wird erfindungsgemäß mit einem Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 1 erreicht. Dabei ist vorgesehen, dass die Brennkraftmaschine zumindest zeitweise in einer Prädiktionsbetriebsart betrieben wird, in welcher das Sollverdichtungsverhältnis anhand einer erwarteten Schätzbetriebsgröße ermittelt wird, die auf Grundlage des momentanen Gradienten der Betriebsgröße über der Zeit abgeschätzt wird. Im Gegensatz zu der Vorgehensweise in der Normalbetriebsart, welche beispielsweise bei konstanter Betriebsgröße oder lediglich langsamer Veränderung der Betriebsgröße herangezogen wird, wird nun also das Sollverdichtungsverhältnis nicht aus der momentanen Betriebsgröße, sondern vielmehr aus einem erwarteten Wert für die Betriebsgröße, nämlich der Schätzbetriebsgröße, ermittelt.
Diese Schätzbetriebsgröße wird beispielsweise anhand des momentanen Gradienten der Betriebsgröße abgeschätzt. Es wird also der zeitliche Verlauf der Betriebsgröße über der Zeit betrachtet und aus der Steigung dieses Verlaufs zum momentanen Zeitpunkt der erwartete Wert der Betriebsgröße berechnet. Dies erfolgt beispielsweise mittels einer mathematischen Beziehung der Art
wobei Mt die Betriebsgröße zum momentanen Zeitpunkt, dMt/dt der Gradient der Betriebsgröße über der Zeit und At die Zeitspanne von dem momentanen Zeitpunkt bis zu einem zukünftigen Zeitpunkt ist. Aus diesen Größen ergibt sich die Schätzbetriebsgröße Μ(+Δ(, die in dem zukünftigen Zeitpunkt zu erwarten ist. Die Schätzbetriebsgröße wird also für einen Zeitpunkt abgeschätzt, der die bestimmte Zeitspanne At in der Zukunft liegt.
Anhand dieser Schätzbetriebsgröße wird nun analog zu der Vorgehensweise für die Betriebsgröße in der Normalbetriebsart das Sollverdichtungsverhältnis ermittelt. Beispielsweise wird zu diesem Zweck eine mathematische Beziehung, eine Tabelle oder ein Kennfeld verwendet, wobei in der Normalbetriebsart die Betriebsgröße und in der Prädiktionsbetriebsart die Schätzbetriebsgröße als Eingangsgröße dient, während das Sollverdichtungsverhältnis eine Ausgangsgröße darstellt. Die Betriebsgröße ist beispielsweise eine momentane Sollbetriebsgröße, welche an der Brennkraftmaschine eingestellt ist, oder eine Istbetriebsgröße, welche die Brennkraftmaschine momentan tatsächlich aufweist. Beispielsweise wird die Sollbetriebsgröße aus einer Vorgabebetriebsgröße bestimmt, welche sich wiederum aus einer Vorgabe des Fahrers und/oder einer Vorgabe einer Fahrerassistenzeinrichtung des Kraftfahrzeugs ergibt. Die Sollbetriebsgröße wird anschließend an der Brennkraftmaschine eingestellt, sodass sich die tatsächlich vorliegende Betriebsgröße, nämlich die Istbetriebsgröße, in Richtung der Sollbetriebsgröße ändert. Während die Sollbetriebsgröße also beispielsweise unmittelbar aus der Vorgabebetriebsgröße bestimmt wird, läuft die Istbetriebsgröße der Sollbetriebsgröße hinterher.
Mit der beschriebenen Vorgehensweise wird bei dynamischen Vorgängen, also einem raschen Lastwechsel, welcher beispielsweise eine rasche Änderung des momentanen Lastmoments der Brennkraftmaschine zur Folge hat, das Sollverdichtungsverhältnis prä- diktiv bestimmt, sodass die Stelleinrichtung bereits angesteuert werden kann, auch wenn die Brennkraftmaschine noch nicht in dem neuen Betriebspunkt vorliegt. In der Normalbetriebsart wird dagegen üblicherweise das Sollverdichtungsverhältnis erst dann aus der Betriebsgröße bestimmt, wenn die Brennkraftmaschine in dem neuen Betriebspunkt vorliegt. Mithin laufen das Sollverdichtungsverhältnis und entsprechend auch das tatsächlich vorliegende Istverdichtungsverhältnis der Betriebsgröße der Brennkraftmaschine stets hinterher. Dies wird durch das Betreiben der Brennkraftmaschine in der Prädiktionsbetriebsart zumindest teilweise verhindert.
In einer weiteren Ausbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass die Prädiktionsbetriebsart bei einem Überschreiten eines Schwellwerts durch den Gradient einer Bedienelementgröße über der Zeit und/oder durch den Gradient der Betriebsgröße über der Zeit eingeleitet wird. Normalerweise wird die Brennkraftmaschine in der Normalbetriebsart betrieben. Ist jedoch zumindest eine der genannten Bedingungen erfüllt, so wird in die Prädiktionsbetriebsart gewechselt. Die Bedienelementgröße ist dabei der von einem Bedienelement zurückgegebene Wert, wobei das Bedienelement beispielsweise ein Gaspedal des Kraftfahrzeugs ist. Es ist unmittelbar einsichtig, dass eine rasche Betätigung
des Bedienelements durch den Fahrer einen hohen Gradienten der Bedienelementgröße zur Folge hat. Entsprechend kann aus dem Überschreiten des Schwellwerts durch den Gradient der Bedienelementgröße darauf geschlossen werden, dass sich die Betriebsgröße rasch verändern wird. Entsprechendes gilt für den Gradient der Betriebsgröße, wobei die Betriebsgröße beispielsweise als Sollbetriebsgröße vorliegt, welche insbesondere durch eine Fahrerassistenzeinrichtung vorgegeben wird. Die Prädiktionsbetriebsart wird also vorzugsweise nicht lediglich auf Fahrerwunsch eingeleitet, sondern auch, falls eine Fahrerassistenzeinrichtung einen raschen Lastwechsel bewirkt.
Eine Weiterbildung der Erfindung sieht vor, dass das momentane Lastmoment der Brennkraftmaschine als Betriebsgröße verwendet wird. Entsprechend ist die Betriebsgröße also eine Istbetriebsgröße der Brennkraftmaschine. Durch die Verwendung des momentanen Lastmoments beziehungsweise dessen Gradienten kann das zukünftig benötigte Sollverdichtungsverhältnis besonders genau bestimmt werden.
In einer Weiterbildung der Erfindung ist es vorgesehen, dass die Schätzbetriebsgröße während des Durchführens der Prädiktionsbetriebsart regelmäßig abgeschätzt wird. Es wird also nicht lediglich einmalig nach dem Einleiten der Prädiktionsbetriebsart die Schätzbetriebsgröße und aus dieser das Sollverdichtungsverhältnis ermittelt. Vielmehr ist es vorgesehen, dass die Schätzbetriebsgröße und auch das Sollverdichtungsverhältnis während des Durchführens der Prädiktionsbetriebsart in bestimmten Zeitabständen aktualisiert werden. Auf diese Art und Weise wird eine höchstmögliche Genauigkeit der Abschätzung der erwarteten Schätzbetriebsgröße erzielt. Dies führt zu einem raschen Einstellen des Verdichtungsverhältnisses auf das zukünftig benötigte Verdichtungsverhältnis, mit welchem ein kraftstoffsparender Betrieb der Brennkraftmaschine durchgeführt werden kann.
Bei dem regelmäßigen Abschätzen der Schätzbetriebsgröße und dem entsprechenden Ermitteln des Sollverdichtungsverhältnisses kann es vorgesehen sein, nicht lediglich den momentanen Gradienten der Betriebsgröße, sondern vielmehr dessen Verlauf heranzuziehen. Auf Grundlage dieses Verlaufs kann anschließend eine Extrapolation der Betriebsgröße zum Erlangen der zu erwarteten Schätzbetriebsgröße vorgenommen werden.
Eine Weiterbildung der Erfindung sieht vor, dass die Ableitung des Gradienten der Betriebsgröße bestimmt und bei Unterschreiten oder Überschreiten eines Grenzwerts durch die Ableitung die Prädiktionsbetriebsart beendet wird. Es wird also nicht lediglich der
Gradient der Betriebsgröße selbst, sondern zusätzlich dessen Ableitung ermittelt. Bei zu starken Veränderungen des Gradienten, welche durch das Überschreiten des Grenzwerts durch die Ableitung angezeigt werden, kann die Schätzbetriebsgröße nicht zuverlässig auf Grundlage des Gradienten der Betriebsgröße ermittelt werden. Aus diesem Grund wird die Prädiktionsbetriebsart beendet und erneut die Normalbetriebsart durchgeführt. So können falsche Prädiktionen der Schätzbetriebsgröße und darauf basierende, nicht zutreffende Sollverdichtungsverhältnisse vermieden werden, welche ansonsten zu einer Beeinträchtigung des Betriebsverhaltens der Brennkraftmaschine führen könnten. Andererseits ist unter Umständen bei zu schwachen Änderungen des Gradienten keine Abschätzung notwendig, sondern vielmehr die Bestimmung des Sollverdichtungsverhältnisses in der Normalbtriebsart ausreichend. Diesem Umstand wird dadurch Rechnung getragen, dass die Prädiktionsbetriebsart bei dem Unterschreiten beendet wird.
Mit Vorteil kann zudem vorgesehen sein, dass die Prädiktionsbetriebsart beendet wird, wenn der Gradient der Bedienelementgröße und/oder der Gradient der Betriebsgröße den Schwellwert unterschreiten. Diese Bedingung kann zusätzlich oder alternativ zu der vorstehend beschriebenen Bedingung angewandt werden. Auch hier ist es bei Erfüllung der Bedingung vorgesehen, die Prädiktionsbetriebsart zu beenden und erneut die Normalbetriebsart durchzuführen. Wird der Schwellwert unterschritten, so bedeutet dies, dass nunmehr eine lediglich langsame Veränderung der Betriebsgröße und damit des Sollverdichtungsverhältnisses stattfinden wird. In diesem Fall reicht jedoch die Stellgeschwindigkeit der Stelleinrichtung aus, um das Verdichtungsverhältnis dem Sollverdichtungsverhältnis auch in der Normalbetriebsart ausreichend schnell nachzuführen. Die Prädiktion der Schätzbetriebsgröße ist daher nicht mehr notwendig.
Besonders vorteilhaft ist es, wenn die Prädiktionsbetriebsart bei einem Überschreiten eines ersten Schwellwerts durch eine der genannten Größen eingeleitet und bei Unterschreiten eines zweiten Schwellwerts beendet wird. Der erste Schwellwert und der zweite Schwellwert sind dabei besonders bevorzugt verschieden gewählt. Insbesondere ist der erste Schwellwert größer als der zweite Schwellwert, sodass insoweit ein hystereseartiges Verhalten erzielt wird. Auf diese Art und Weise wird bei einem Schwanken der mit dem Schwellwert verglichenen Größe um diesen herum kein ständiges Wechseln zwischen der Normalbetriebsart und der Prädiktionsbetriebsart verursacht.
Besonders bevorzugt ist es vorgesehen, dass der Zündwinkel während der Prädiktionsbetriebsart optimal gewählt wird. Eingangs wurde erläutert, dass aufgrund des Nachlaufens des Istverdichtungsverhältnisses zu dem Sollverdichtungsverhältnis bei einem ra-
sehen Lastwechsel eine Veränderung des Zündwinkels notwendig sein kann, um die Klopfgrenze einzuhalten. Weil durch das vorausschauende Bestimmen der Schätzbetriebsgröße und mithin des Sollverdichtungsverhältnisses das gewünschte Verdichtungsverhältnis durch die Brennkraftmaschine rascher erreicht wird als bei bekannten Verfahren, kann auf eine solche Verschlechterung des Zündwinkels verzichtet werden. Vielmehr wird der Zündwinkel stets optimal gewählt. Alternativ kann jedoch auch eine derartige Zündwinkelverstellung vorgenommen werden, allerdings in geringerem Umfang als bei aus dem Stand der Technik bekannten Verfahren.
Eine vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung sieht vor, dass als Bedienelementgröße die Stellung eines Bedienelements verwendet wird. Die Stellung beschreibt die Position des Bedienelements, in welche es durch einen Benutzer, beispielsweise durch den Fahrer des Kraftfahrzeugs, gebracht wird. Bei geeigneter Wahl des Bedienelements kann mithin auf eine zu erwartende rasche Änderung der Betriebsgröße der Brennkraftmaschine geschlossen werden.
Beispielsweise wird als Bedienelement ein Gaspedal, ein Bremspedal oder eine Kupplung verwendet. Durch die Betätigung zumindest eines dieser Bedienelemente löst der Fahrer des Kraftfahrzeugs instationäre Vorgänge aus, beispielsweise ein Anfahren, ein Beschleunigen oder ein Verzögern.
Die Erfindung betrifft weiterhin eine Brennkraftmaschine, insbesondere zur Durchführung des vorstehend beschriebenen Verfahrens, mit einer Stelleinrichtung zum Einstellen ei-, nes Verdichtungsverhältnisses auf ein Sollverdichtungsverhältnis, wobei die Brennkraftmaschine dazu ausgebildet ist, in einer Normalbetriebsart das Sollverdichtungsverhältnis in Abhängigkeit von einer Betriebsgröße der Brennkraftmaschine zu bestimmen. Dabei ist vorgesehen, dass die Brennkraftmaschine dazu ausgebildet ist, zumindest zeitweise in einer Prädiktionsbetriebsart betrieben zu werden, in welcher das Sollverdichtungsverhältnis anhand einer erwarteten Schätzbetriebsgröße ermittelt wird, die auf Grundlage des momentanen Gradienten der Betriebsgröße über der Zeit abgeschätzt wird. Auf die Vorteile einer derartigen Ausgestaltung der Brennkraftmaschine beziehungsweise einer derartigen Vorgehensweise wurde bereits hingewiesen. Die Brennkraftmaschine sowie das entsprechende Verfahren können gemäß den vorstehenden Ausführungen weitergebildet sein, sodass insoweit auf diese verwiesen wird.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand der in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispiele näher erläutert, ohne dass eine Beschränkung der Erfindung erfolgt. Dabei zeigt:
Figur 1 ein Diagramm, in welchem eine Bedienelementgröße, ein Lastmoment einer
Brennkraftmaschine, ein Sollverdichtungsverhältnis sowie ein Istverdichtungsverhältnis über der Zeit aufgetragen sind, und
Figur 2 ein Ablaufdiagramm eines Verfahrens zum Betreiben der Brennkraftmaschine mit einem variablen Verdichtungsverhältnis.
Die Figur 1 zeigt ein Diagramm, in welchem verschiedene Größen über der Zeit t aufgetragen sind. Ein Verlauf 1 gibt den Verlauf einer Bedienelementgröße wieder, wobei diese Bedienelementgröße die Stellung eines Bedienelements eines Kraftfahrzeugs, nämlich beispielsweise eines Gaspedals, wiedergibt. Es wird deutlich, dass ein Fahrer des Kraftfahrzeugs ab dem Zeitpunkt t0 die Stellung des Gaspedals verändert, um ein höheres Lastmoment der Brennkraftmaschine des Kraftfahrzeugs zu erzielen beziehungsweise auszugleichen. Die Veränderung der Stellung des Gaspedals ist zum Zeitpunkt t2 abgeschlossen. Bis zum Zeitpunkt t3 bleibt die Stellung konstant. Nachfolgend wird sie erneut durch den Fahrer bis zum Zeitpunkt t5 verändert, um ein geringeres Lastmoment der Brennkraftmaschine einzustellen beziehungsweise auszugleichen. Der Verlauf des Lastmoments wird durch einen Verlauf 2 wiedergegeben. Es wird deutlich, dass das Lastmoment der Bedienelementgröße hinterherläuft.
Die Brennkraftmaschine verfügt über eine Stelleinrichtung, mittels welcher ein Verdichtungsverhältnis in den Zylindern der Brennkraftmaschine einstellbar ist. Das Verdichtungsverhältnis gibt dabei das Verhältnis des Zylindervolumens vor einer Verdichtung zu dem Zylindervolumen nach erfolgter Verdichtung an. Zum Einstellen des Verdichtungsverhältnisses wird an der Brennkraftmaschine beziehungsweise der Stelleinrichtung ein Sollverdichtungsverhältnis eingestellt. Der Verlauf dieses Sollverdichtungsverhältnisses ist durch den Verlauf 3 angedeutet. Es wird deutlich, dass sich das Sollverdichtungsverhältnis bei einer Veränderung des Lastmoments der Brennkraftmaschine, welche als Betriebsgröße verwendet wird, ausgehend von einem Maximalwert verändert, bis ein Minimalwert erreicht ist.
Weil jedoch die zum Einstellen des Verdichtungsverhältnisses verwendete Stelleinrichtung lediglich eine begrenzte Stellgeschwindigkeit aufweist, läuft das tatsächlich vorlie-
gende Istverdichtungsverhältnis dem Sollverdichtungsverhältnis hinterher. Der Verlauf des Istverdichtungsverhältnisses wird durch einen Verlauf 4 wiedergegeben. Auch zwischen einer ersten Veränderung des Sollverdichtungsverhältnisses und einer ersten Veränderung des Istverdichtungsverhältnisses liegt eine Verzögerung vor. Während das Sollverdichtungsverhältnis sich bereits ab dem Zeitpunkt t0 verändert, ist dies für das Istverdichtungsverhältnis erst ab dem Zeitpunkt ti der Fall. Dies gilt ebenso analog für die Verringerung der Bedienelementgröße ab dem Zeitpunkt t3, für welche die Veränderung des Istverdichtungsverhältnisses erst ab dem Zeitpunkt t4 erfolgt.
Dem Diagramm ist zu entnehmen, dass das Nachlaufen des Istverdichtungsverhältnisses vergleichsweise rasch erfolgt. Dies wird erzielt, indem die Brennkraftmaschine in mehreren Betriebsarten betreibbar ist. In einer Normalbetriebsart soll das Sollverdichtungsverhältnis in Abhängigkeit von einer Betriebsgröße der Brennkraftmaschine bestimmt werden, wobei als Betriebsgröße beispielsweise das Lastmoment herangezogen wird. In einer Prädiktionsbetriebsart soll dagegen das Sollverdichtungsverhältnis auf Grundlage einer erwarteten Schätzbetriebsgröße ermittelt werden, wobei diese Schätzbetriebsgröße auf Grundlage des momentanen Gradienten der Betriebsgröße über der Zeit abgeschätzt wird. Das Sollverdichtungsverhältnis wird also nicht auf den momentan vorliegenden Betriebspunkt der Brennkraftmaschine, sondern auf einen in der Zukunft erwarteten Betriebspunkt eingestellt. Auf diese Art und Weise kann das Anpassen des Istverdichtungsverhältnisses auf ein optimales Verdichtungsverhältnis, mit welchem ein kraftstoffsparender Betrieb der Brennkraftmaschine möglich ist, bei abrupten Lastwechseln deutlich rascher erfolgen als in der Normalbetriebsart.
Die Figur 2 zeigt ein Ablaufdiagramm, in welchem die Vorgehensweise für die Prädiktionsbetriebsart wiedergegeben ist. Das Verfahren beginnt in einem Startpunkt 5. Im Rahmen einer Verzweigung 6 wird überprüft, ob der Gradient einer Bedienelementgröße, in dem hier beschriebenen Ausführungsbeispiel die Stellung des Gaspedals, von Null verschieden ist. Ist dies der Fall, so wird im Rahmen einer Verzweigung 7 überprüft, ob der Gradient größer als ein Schwellwert ist. Dabei wird ein Absolutwert für den Gradient herangezogen, sodass sowohl bei einer auf eine Verringerung des Lastmoments gerichteten Veränderung der Stellung als auch bei einer auf eine Vergrößerung des Lastmoments gerichteten Veränderung der Stellung aus der Normalbetriebsart in die Prädiktionsbetriebsart gewechselt wird, wenn die genannte Bedingung erfüllt ist.
Ist die Bedingung tatsächlich erfüllt, ist also der Gradient größer als der Schwellwert, so wird im Rahmen einer Operation 8 der Gradient der Betriebsgröße, beispielsweise der
Gradient des momentanen Lastmoments der Brennkraftmaschine, bestimmt. Aus diesem wird in der Operation 9 die Schätzbetriebsgröße bestimmt und aus dieser das Sollverdichtungsverhältnis ermittelt. Die Schätzbetriebsgröße wird dabei für einen Zeitpunkt ermittelt, der eine bestimmte Zeitspanne in der Zukunft liegt. Die Operationen 8 und 9 werden dabei, was durch die Einfassung 10 angedeutet wird, zu einem Zeitpunkt t durchgeführt.
Nachfolgend wird im Rahmen einer Operation 1 1 die Ableitung des Gradienten der Betriebsgröße bestimmt, insbesondere also die zweifache Ableitung des Lastmoments der Brennkraftmaschine. Zur Durchführung dieser Berechnung sind wenigstens zwei Werte für den Gradient der Betriebsgröße notwendig. Beispielsweise wird also die Operation 1 1 , wie durch die Einfassung 12 angedeutet, erst zu einem auf den Zeitpunkt t folgenden Zeitpunkt t+At durchgeführt. Nach der Operation 1 1 wird in einer Verzweigung 13 geprüft, ob die Ableitung kleiner als ein Grenzwert ist. Ist dies der Fall, so wird im Rahmen einer Operation 14 die Prädiktionsbetriebsart beendet und erneut die Normalbetriebsart durchgeführt, weil eine Prädiktion bei einem kleinen Wert der Ableitung nicht notwendig ist. Ist dagegen die Ableitung des Gradienten der Betriebsgröße größer als der Schwellwert, so wird mit dem nun aktuellen Gradient der Betriebsgröße zum Zeitpunkt t+At im Rahmen der Operation 15 die Schätzbetriebsgröße und mithin das Sollverdichtungsverhältnis aktualisiert.
Das Bestimmen des Sollverdichtungsverhältnisses erfolgt in der Prädiktionsbetriebsart analog zu der Vorgehensweise in der Normalbetriebsart, wobei jedoch anstatt der Betriebsgröße die Schätzbetriebsgröße als Grundlage herangezogen wird. Das Bestimmen wird beispielsweise mittels einer mathematischen Beziehung, einer Tabelle oder eines Kennfelds vorgenommen, wobei in der Normalbetriebsart die Betriebsgröße und in der Prädiktionsbetriebsart die Schätzbetriebsgröße als Eingangsgröße verwendet wird. Als Ausgangsgröße liegt nachfolgend das Sollverdichtungsverhältnis vor. Mithilfe einer der- artigen Vorgehensweise kann in der Prädiktionsbetriebsart ein schnelles Angleichen des Istverdichtungsverhältnisses an das Sollverdichtungsverhältnis erzielt werden. Damit kann eine ansonsten notwendige Anpassung des Zündwinkels während des Verstellens des Verdichtungsverhältnisses mittels der Stelleinrichtung weitgehend oder sogar vollständig unterbleiben, sodass insgesamt eine deutliche Reduzierung des Verbrauchs und auch der Schadstoffemissionen erreicht wird.
BEZUGSZEICHENLISTE
Verlauf
Verlauf
Verlauf
Verlauf
Startpunkt
Verzweigung
Verzweigung
Operation
Operation
Einfassung
Operation
Einfassung
Verzweigung
Operation
Operation