Verfahren zum Betreiben eines Gargeräts sowie ein solches Gargerät zur
Durchführung des Verfahrens
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betreiben eines Gargeräts in Form eines Heiß-Umluftofens, eines Heißluftdämpfers oder eines Kombidämpfers, welches in der Lage ist, eine automatische Garzeitanpassung auszuführen.
Moderne Gargeräte in Form von Umluftöfen, insbesondere von Kombidämpfern, die mittels in der Steuerung hinterlegten Garprogrammen entsprechende Garschritte steuern können, enthalten Garschritte, deren Garzeit auf die Beladung eines einzigen Bleches bzw. Einschubs im Garraum ausgerichtet ist. Die Gargeräte werden jedoch mit unterschiedlichen Mengen von zu garendem Gargut beschickt. So ist bei Halbbeladung die Hälfte der Bleche bzw. Einschübe mit Gargut besetzt, wohingegen wenn alle Bleche besetzt sind bzw. alle Einschübe beschickt sind, die Vollbeladung des Gargeräts besteht.
Die durch das Gargerät erbrachte Heizleistung muss sich je nach Anzahl der bela- denen Bleche entsprechend aufteilen. Diese Aufteilung ist in der Aufheizphase am Anfang des Garprozesses relevant. Das zunächst kalte Gargut senkt die Garraumtemperatur im gegebenenfalls auf Solltemperatur vorgeheizten Garraum ab. Mittels der Temperaturregelung wird mit Hilfe der Heizeinrichtung der Garraum wieder auf die Solltemperatur gebracht. Aufgrund der endlichen Heizleistung der Heizeinrichtung ist dieser Vorgang von der Beladungsmenge abhängig. Das heißt, bei höheren Beladungsmengen dauert es länger als bei geringen Beladungsmengen die Solltemperatur zu erreichen. Es ist ersichtlich, dass je nach Verteilung der eingebrachten Heizenergie in der Aufheizphase entsprechend der Beladung, diese Aufheizphase desto länger dauert, je größer die Beladung ist. Um Beladungsunterschiede auszugleichen wird oft ein Kerntemperaturfühler verwendet, der mit einem oder mehreren Temperatursensoren die Temperatur im Gargut selbst misst. Der Garprozess wird dann nicht nach einer festen Zeit, sondern in Abhängikeit von der erreichten Kerntemperatur beendet. Kerntemperaturfühler ha-
ben jedoch den Nachteil, dass sie einerseits vorhanden sein müssen, dass sie andererseits korrekt eingestochen sein müssen und dass sie bei vielen Produkten, wie Tiefkühlware, kleines Gargut, wie Erbsen etc. nicht bzw. nicht ohne weiteres verwendbar sind.
Der vorliegenden Erfindung liegt deshalb die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum Betreiben eines Gargeräts in Form Heiß-Umluftofens, eines Heißluftdämpfers oder eines Kombidämpfers anzugeben, mit dem eine automatische Anpassung der Garzeit abhängig von der Beladung im Garraum, ohne Einsatz eines Kerntemperatur- fühlers verwirklicht wird.
Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Anspruchs 1 gelöst.
Das erfindungsgemäße Verfahren zeichnet sich dadurch aus, dass ausgehend von einer in der Speichereinheit abgespeicherten Garzeit für eine bestimmte Art des Gargutes bei einer minimalen Beschickung des Garraums von einem Ausgangs- Temperaturwert (T_Start) zu einem Ziel-Temperaturwert (T_Soll) anhand des er- fassten Temperaturverlaufs im Garraum ermittelt wird, ob und gegebenenfalls um welches Maß sich eine zeitliche Verzögerung bis zum Erreichen des Ziel- Temperaturwerts ergibt, und dass basierend auf der erfassten zeitlichen Verzögerung die Gargerätesteuerung eine Garzeitverlängerung errechnet, um die der laufende Garprogrammschritt sodann verlängert wird. Mit anderen Worten, die Verlängerung der Garzeit wird aus dem Temperaturverlauf im Garraum bestimmt. Der Ansatz des Verfahrens ist, die anfangs aufgrund der Beladung des Gargerätes wegen des notwendigen Aufheizens für den Garprozess fehlende Energie am Ende des Garprozesses anzuhängen, d.h. ihn soweit zu verlängern, dass mit dieser Energie zusätzlich gegart wird. Diese fehlende Energie für das Garen wird aus dem Temperaturverlauf bestimmt, indem die Differenz zwischen der Ziel-Temperatur oder Garraumsolltemperatur (T_Soll), bei der nach dem Aufheizen der Garprozess stattfindet, und der aktuellen Garraumtemperatur, die über der Oberfläche der Produkte herrscht, zwischen dem Zeitpunkt des Schließens der Tür und Erreichen der Solltemperatur im Garraum zeit-
lieh integriert wird. Da die Temperaturdifferenz proportional zum Wärmestrom in das Produkt ist, ist das zeitliche Integral über diese Temperaturdifferenz proportional zur eingebrachten Energie. Für den linearen Anstieg der Garraumtemperatur ist dieses Integral proportional zur anfänglichen Dreiecksfläche im Gartemperaturverlauf.
Speisen und Gargüter bzw. Garprodukte lassen sich in verschiedene Kategorien unterteilen, wie zum Beispiel Backwaren, Fleisch, Fisch, Gemüse etc. Weichen die unterschiedlichen Produkte in ihrem Garverhalten voneinander ab, kann dies in der Berechnung der Garzeit berücksichtigt werden. Dies kann insbesondere unter Ver- wendung von Korrekturfaktoren bzw. Skalierungsfaktoren erfolgen, was zu einer genaueren Berechnung und damit Optimierung der Garzeit des jeweiligen Garguts führt. Entsprechend vorteilhaft ist, dass gemäß der vorliegenden Erfindung die gespeicherten Garprogramme Produktkategorien zugeordnet und den Produktkategorien sind spezifische Skalierungsparameter zugeordnet, die in die Berechnung der Garzeitverlängerung mit eingehen. Damit kann eine feinere Anpassung an das jeweilige Garprodukt erfolgen, wie sich unschwer bei den unterschiedlichen Produkten: Backwaren Fleisch, Fisch oder Gemüse nachvollziehen lässt.
Die vorliegende Erfindung umfasst somit auch eine Optimierung der Garzeitanpas- sung abhängig von der Kategorie der Gargüter, den Gargütern selbst und/oder den Garprogrammen, was zu unterschiedlichen Berechnungen der jeweiligen Garzeiten führen kann. Insbesondere kann neben der Produktkategorie (Fleisch, Fisch Gemüse) auch die Garart (Erwärmung, Bratvorgang, Röstung, Bräunung, etc.) Eingang in die Berechnungen der Garzeitverlängerung finden, denn die Effizienz der Wärme- Übertragung hängt u. a. von der verwendeten Garart ab. Beispielsweise ist bei Erwärmung mit Dampf der Wärmeübertrag durch den Übergang von Kondensationswärme auf das Gargut effizienter als mit reiner Heißluft oder ergeben sich unterschiedliche Werte für die Garart Dünsten gegenüber der Garart Grillen. Zur genaueren Steuerung des entsprechenden Garverfahrens abhängig von der Beschickungsmenge des Garraums wird beim Start des Garprozesses die thermische Ausgangssituation im Garraum bei der Berechnung der Garzeitverlängerung berücksichtigt bzw. festgelegt. Es ergeben sich für die Länge der Garzeit Unterschiede, ob der Garraum am Beginn des Garvorgangs bereits aufgeheizt ist oder
nicht. In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung geht das Verfahren von einem vorgeheizten Garraum aus, wobei bei Minimalbeschickung davon ausgegangen wird, dass die Isttemperatur im Garraum sich nach der Minimalbeschickung im Wesentlichen nicht ändert, also im Wesentlichen keine Abkühlung festgestellt wird. Bei festgestellter Abkühlung wird von einer größeren Beschickungsmenge ausgegangen, die eine entsprechende Garzeitverlängerung benötigt.
Ein Garprozess kann aus mehreren Schritten, bzw. Phasen bestehen. Ein zu lösendes Problem wiederholt sich bei jeder Phase des Garprogramms bei der die Soll- temperatur sich gegenüber der vorangegangenen Phase erhöht. Das heißt, die Verlängerung muss bei mehrschrittigen Garprogrammen pro Schritt erfolgen. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass im Gegensatz zum ersten Garschritt bei dem ein vorgeheizter Garraum vorhanden ist, nunmehr auch der Garraum selbst einschließlich seiner Einbauteile mit aufgeheizt werden muss. Dies bedeutet, dass auch bei einer minimalen Beladungsmenge es eine gewisse Zeit dauert, bis die neue, höhere Garschritttemperatur erreicht wird. In einem solchen Fall ergibt sich jedoch keine Garzeitverlängerung, was von der Gargerätesteuerung berücksichtigt wird.
Vorteilhafterweise wird der Temperaturverlauf im Garraum nach Einbringen des Garguts über einen längeren Zeitraum überwacht und wird der Temperaturanstieg gemittelt. Dadurch kann sichergestellt werden, dass kleinere Temperaturschwankungen nicht zu falschen Temperaturgradienten führen, die eine falsche Extrapolation der benötigten Garzeitverlängerung verursachen können. Diese Einflüsse können beispielsweise die Reversierung des Umluftgebläses im Garraum sein.
Somit ist auch vorteilhaft, dass der ansteigende Temperaturgradient bzw. die Steigung des Temperaturanstiegs erst nachdem zumindest 50%, bevorzugt ca. 80% des Ziel-Temperaturwerts erreicht oder zumindest 50%, bevorzugt ca. 80% der eingestellten Garzeit verstrichen sind, bestimmt wird und daraus die zu erwartende Gar- Zeitverlängerung berechnet wird.
Die vorliegende Erfindung umfasst auch ein Gargerät in Form eines Heiß- Umluftofens, eines Heißluftdämpfers oder eines Kombidämpfers, welches geeignet und in der Lage ist, das erfindungsgemäße Verfahren auszuführen. Nach Ermittlung
der Garzeitverlangerungszeit t_b setzt die im Gargerät vorhandene Steuer- oder Regeleinrichtung das Garzeitende auf diesen Wert.
Weitere Einzelheiten, Merkmale und Vorteile der vorliegenden Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung an Ausführungsbeispielen unter Bezugnahme auf die beigefügten Zeichnungen. Darin zeigt:
Fig. 1 eine perspektivische Ansicht eines Gargeräts, das für die Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens geeignet ist;
Fig. 2 eine weitere perspektivische Ansicht des Gargeräts von Fig. 1 mit entfernter Garraumtür;
Fig. 3 eine grafische Darstellung eines idealisierten Garverlaufs; und
Fig. 4 ein Beispiel eines mittels Sensoren erfassten tatsächlichen Garverlaufs.
In den Zeichnungen sind gleiche Elemente mit den gleichen Bezugsziffern bezeichnet.
In den Fig. 1 und 2 ist in perspektivischer Ansicht ein Gargerät 1 in Form eines Kombidämpfers dargestellt, das geeignet ist, das erfindungsgemäße Verfahren durchzuführen. Das Gargerät 1 weist ein Gehäuse 3 auf, mit einer vorderen Abdeckwand 5, einem Garraum 6, der von einer Garraumtür 7 verschlossen ist und durch diese nach deren Öffnen zugänglich ist. Das Gargerät 1 weist weiterhin eine linke Seitenwand 9, eine rechte Seitenwand 1 1 (Fig. 2) und eine Deckenwand 13 auf. Zum Öffnen und Schließen der Garraumtür 7 ist ein Türgriff 15 vorgesehen.
In der vorderen Abdeckwand 5 befindet sich ein Anzeige- und Bedienfeld 17, das in Form eines Touch-Screens ausgebildet ist. Durch unmittelbare Berührung bestimmter Felder kann ein Eingabesignal an die Gerätesteuerung übermittelt werden.
Die Unterteilung des Anzeige- und Bedienfelds 17 ist näher in Fig. 2 dargestellt. Das Anzeige- und Bedienfelds 17 weist verschiedene Teil-Anzeige- und Bedienfelder auf. Dabei ist ein Touch-Screen 61 in Rechteckform vorgesehen, mit dem durch Berühren eine Eingabe vorgenommen werden kann, wobei durch Reaktion der Geräte- Steuerung entsprechende weitere Touch-Screens angezeigt werden um die nachfolgenden Eingaben zu ermöglichen und den damit verbundenen Gargerätezustand anzuzeigen. Dadurch kann auf einfache Weise die Steuerung des Gargeräts 1 seitens des Benutzers durchgeführt werden. Oberhalb des Touch-Screens 61 befindet sich ein Zeilenfeld 62, in dem links ein Lautsprecher 64 vorgesehen ist, der am Kundengerät nicht zu sehen ist, weil er mit einer Designfolie überdeckt ist. Auf der rechten Seite befindet sich eine Ein/Aus- Taste 66 für das Gargerät 1 , die vorzugsweise ebenfalls berührungsempfindlich ausgebildet ist. Unterhalb des Touch-Screens 61 befindet sich eine weitere Design- fläche 68, die gegebenenfalls als eine weitere Anzeige- und Bedienfläche ausgebildet sein kann.
In Fig. 2 ist zur übersichtlicheren Darstellung die Garraumtür entfernt und gibt den Blick in den Garraum 6 noch besser frei. Einbauten wie beispielsweise Luftleitbleche und Gargutträgerhalterungen sind ebenfalls ausgeblendet. Der Garraum 6 wird von einer Rückwand 12 an der Hinterseite begrenzt und weist weiterhin einen Garraumboden 25 auf. Im Garraumboden ist eine Ablauföffnung 27 vorgesehen, durch die jegliche Flüssigkeit und auch abgelöschter Wrasen abgeführt werden können. Sie werden zu einem Flüssigkeitsreservoir (nicht dargestellt) unterhalb des Garraumbo- dens 25 geführt. Auf der Rückwand 12 befindet sich ein Temperatursensor 35, der die Temperatur im Garraum 6 erfasst.
Wie aus Fig. 2 ersichtlich, weist das Gargerät 1 ein Lüfterrad 29 auf, das von einer Heizeinrichtung 31 umgeben ist. Die Ausführungsform des Gargeräts gemäß Fig. 1 und 2 zeigt eine "direkte" Beschwadung, bei der mittels eines Rohres 33 Wasser in das Innere des Lüfterrads 29 zugeführt wird, durch das Lüfterrad 29 verteilt und auf die Heizeinrichtung 31 geschleudert wird, wo das Wasser verdampft. Selbstverständlich sind auch Gargeräte zur Ausführung des erfindungsgemäßen Verfahrens
geeignet, bei denen eine separate Dampferzeugung außerhalb des Garraums 6 erfolgt und zur Beschwadung Dampf in den Garraum 6 eingebracht wird.
In Fig. 3 ist grafisch in einem Diagramm ein idealisierter Garverlauf von einem Aus- gangstemperaturwert T_Start zu einem Zieltemperaturwert T_Soll über die Zeit t grafisch dargestellt. Horizontal ist dabei die Zeitachse t und vertikal die Temperaturachse T dargestellt.
Die Grafik der Fig. 3 zeigt einen idealisierten Garverlauf eines Garschrittes bei Bela- dung. Im Garschritte sind die Solltemperatur T_Soll und die Garzeit t_1 für die Beladung eines Bleches vorgegeben. Die verlängerte Garzeit t_b bei vorhandener Beladung wird aus dem Gartemperaturverlauf ermittelt.
Idealisiert beginnt das Heizen zum Zeitpunkt 0 bei einer Garraumtemperatur T_Start und erreicht nach einer Zeit t Soll die Temperatur T_Soll. Die Steigung des Temperaturanstiegs hängt stark von dem Beladungsgrad des Kombidämpfers ab. Die Dreiecksfläche A_aufheizen mit den Eckpunkten (0, t_Soll) (0, T_Start) und (t_Soll, T_Soll) ist damit je nach Beladung unterschiedlich groß. Der Flächeninhalt A- aufheizen ist ein Maß für die Energie, die anfangs in den Garraum eingetragen wer- den muss, damit alle Garstücke außen auf Solltemperatur T_Soll aufgeheizt werden. Der Flächeninhalt von A_aufheizen beträgt: 0,5 x t Soll x (T_Soll - T_Start).
Der Energieeintrag in das Gargut für die Ein-Blech-Beladung wird durch den Flächeninhalt des Rechtecks mit den Eckpunkten (0, T_Soll), (0, T_Start), (t_1 , T_Start) und (t_1 , T_Soll) gegeben. Der Flächeninhalt von A_Energieeintrag beträgt: t_1 x (T_Soll - T_Start).
Der Ansatz des Verfahrens besteht darin, die gegenüber der Ein-Blech-Beladung erhöhte Energiemenge im Anschluss an das Erreichen der Ein-Blech-Sollgarzeit t_1 einzubringen. Entsprechend ergibt sich die verlängerte Garzeit wie folgt: t_b = t_1 x (A_Energieeintrag + S x A_aufheizen) / A_Energieeintrag.
Hierbei ist S ein garartspezifischer Skalierungsfaktor. Dieser setzt sich aus zwei Faktoren, nämlich Garart und Produktkategorie zusammen gemäß, beispielsweise, folgender Tabelle:
Wie aus Fig. 3 ersichtlich wird der Flächenwert des Dreiecks A_aufheizen an die Rechteckfläche A_Energieeintrag als Rechteckfläche A_Garzeitergänzung angeschlossen, wodurch sich der Wert für t_b für die Garzeitverlängerung ergibt. Im dar- gestellten Beispielsfall ist der Faktor S = 1 ,0.
Die Erkennung von tiefgekühlter Ware (TK-Ware) in der Garart Dämpfen ist, welches in der Regel bei 100°C durchgeführt wird, dadurch möglich, dass in diesem Fall die Garraumtemperatur nach Abschluss des Vorheizvorganges und Einbringen des Gargutes unter 55°C fällt.
Unter Bezugnahme auf Fig. 4 wird nunmehr die Erkennung der Steigung der Garraumtemperatur nach Einbringung des Garguts beschrieben. Die Wertre auf der Zeit-Achse (horizontal) sind in Sekunden angegeben und die Temperaturwerte (ver- tikal) in °C. Es sind drei Kurven ersichtlich: eine Kurve A, die die gemessenen Temperaturwerte darstellt, eine Kurve B, die die gemittelten Temperaturwerte darstellt und eine Kurve C, die die errechnete Steigung der Temperatur bzw. den aufsteigenden Temperaturgradienten darstellt. Mit Hilfe der errechneten Steigung kann die Zeit ermittelt werden, wann die gewünschte Ziel-Temperatur bzw. der Solltemperaturwert erreicht wird. Daraus berechnet sich dann, wie unter Bezugnahme auf Fig. 3 dargelegt, die Garzeitverlängerung.
Nach der Einbringung des Garguts in den Garraum kühlt sich dieser entsprechend der Menge und der Temperatur des Garguts ab. Durch Einbringen der Heizleistung
mittels der Heizeinrichtung steigt die Temperatur im weiteren Verlauf im Garraum wieder und weiter an.
Ist die Temperatur im Garraum niedrig, so können weitere Effekte auftreten, die zu einem nochmaligen Abfall der Temperatur führen können.
Bei Betrachtung der vorstehenden Kurve, insbesondere des real gemessenen Temperaturverlaufs, fällt auf, dass die gemessene Temperatur vor dem tiefsten Punkt teilweise kurz ansteigt. Neben nicht näher identifizierten Effekten könnte beispiels- weise eine Veränderung der Strömung z.B. die Drehrichtungsumkehr der Lüfter bzw. Lüftergeschwindigkeitsänderung oder auch eine Veränderung in der Beschwadung zu den dargestellten Temperaturschwankungen führen.
Bei der Ermittlung der Steigung des Temperaturverlaufs müssen diese Effekte be- rücksichtigt und eliminiert werden. Hierzu muss der Temperaturverlauf über einen längeren Zeitraum überwacht werden. Um den Temperaturverlauf zu glätten, um damit kleinere Schwankungen des Temperaturverlaufs zu eliminieren, wird die Berechnung auf einem gleitenden Mittelwert der Temperatur über einen Verlauf von mindestens 30 Sekunden durchgeführt.
Sobald die Temperatur ansteigt, wird ein erster Referenzpunkt für die Messung der Steigung erfasst. Dabei wird ein 30 s Mittelwert gebildet. Wird ein„Minimum" festgestellt, wird ein erster Referenzpunkt gesetzt. Sobald die Steigung 0 wird, wird ein zweiter Referenzpunkt aufgenommen. Sollte die Steigung anschließend jedoch wieder ansteigen und anschließend erneut 0 erreichen, so wird der erste zweite Referenzpunkt aufgegeben und durch den nunmehr festgestellten neuen zweiten Referenzpunkt ersetzt. Sollte die Steigung hingegen anschließend wieder einen negativen Wert annehmen, so werden beide Referenzpunkte verworfen und die Aufnahme der Referenzpunkte beginnt von vorne.
Die Auswertung der Steigung der Temperatur erfolgt sobald beide Referenzpunkte ermittelt wurden und entweder die Temperatur 80% der Ziel-Temperatur oder Solltemperatur erreicht hat oder aber 80% der eingestellten Garzeit verstrichen sind. So kann sichergestellt werden, dass die Steigung zuverlässig ermittelt werden kann und die richtigen Referenzpunkte festgestellt werden.
Stehen diese fest, wird die Steigungsgerade verlängert bis sie sowohl die 0- Zeitachse als auch die T-Soll Linie schneidet wodurch sich das vollständige Dreick A_aufheizen ergibt, dessen Fläche zur Garzeitverlängerungs-Bestimmung, wie oben erläutert, dient.
Kann keine Steigung ermittelt werden, weil z.B. die Abbruchbedingungen beim Start bereits erfüllt sind, oder aber eine negative Steigung vorliegt, so soll der Sollwert nicht verwendet werden. Beispielsweise wenn die Solltemperatur beim Start der Be- rechnung anliegt. Das kann passieren wenn der Garraum mit einer höheren als der Solltemperatur vorgeheizt wurde und wenig Gargut oder Gargut mit geringer Wärmekapazität beschickt wird. Dann bleibt die normale Garzeit bestehen.
Weitere Einflussfaktoren sollten berücksichtigt werden. Gerade bei niedrigen Tem- peraturen kann sich eine Beschwadung mittels direkter Wassereinspritzung negativ auf das Messergebnis auswirken, da diese in der Regel den Garraum zusätzlich abkühlt.
Die vorliegende Erfindung folgt einem Grundprinzip: sie arbeitet nach dem Muster ein Garprogramm für eine sehr kleine Beschickung, wie ein Blech zu erstellen. Derartige Garprogramme können produktabhängig und garartabhängig auch vom Benutzer optimiert werden bzw. weitere Garprogramme in der Speicherung des Gargeräts hinterlegt werden. Die Garraumtemperatur nach dem Beschicken verringert sich bei dieser geringen Beschickung im Wesentlichen nicht. Vorteilhafterweise können somit für jede Garart und für jedes Garprodukt entsprechende Werte einer Minimalbeschickung in der elektronischen Gargerätesteuerung gegebenenfalls nach einer Optimierung als Ausgangswerte hinterlegt werden.
Stellt die Gerätesteuerung fest, dass der ansteigende Temperaturgradient vom hinterlegten abweicht, stellt sie fest, dass eine größere Beschickung stattgefunden hat und errechnet entsprechend die Garzeitverlängerung. Gargeräte, wie beispielsweise professionelle Kombidämpfer, können beim Start der Garzeitberechnung neben der Garart Einstellungen wie die Kategorie, das Gargut oder das Garprogramm berücksichtigen. So ist es beispielsweise möglich, in der Garart„Heißluft" Fleisch oder Backwaren zu garen. Abhängig von der jeweiligen Kategorie ergibt sich in diesem Beispiel bei der Berechnung der Garzeitverlänge- rung für Fleisch ein unterschiedlicher Wert gegenüber dem Wert für Backwaren und wird damit eine unterschiedliche Garzeitverlängerung durchgeführt.
Erfindungsgemäß ergibt sich darüber hinaus der Vorteil, dass in der Steuerung des Gargeräts unterschiedliche Berechnungsmodi oder Skalierungsfaktoren für bei- spielsweise verschiedene Fleischarten (Schweinebraten, Roastbeef, Kalbshaxe, etc.) und sogar für unterschiedliche Zubereitungsarten (Garprogramme) hinterlegt sein können.
Bevorzugt entwickelt der Benutzer des Gargeräts ein Garprogramm, welches für eine minimale Gargutmenge ein optimales Garergebnis erreicht. Der Benutzer kann hierzu die Garart, Zeitdauer, Feuchte und die Lüftergeschwindigkeit (Strömungser- zeugungseinrichtung) wählen. Das so erstellte Garprogramm wird durch den Benutzer in einer Produktkategorie gespeichert, wobei dieser hierfür vorteilhafterweise einen Namen vergibt.
Idealerweise wird das Gargerät nach dem Start des entsprechenden Garprogramms und vor Beschickung vorgeheizt. Dies kann automatisch erfolgen oder manuell ausgelöst werden. Nachdem die Gerätesteuerung durch Anzeigen an der Anzeige- und Bedieneinrichtung 17 und/oder durch Signalausgabe, beispielsweise akustisch, dem Benutzer signalisiert hat, dass die Ziel-Temperatur bzw. Vorheiztemperatur ereicht ist, beschickt der Benutzer den Garraum 6 mit einer für die Gerätesteuerung unbekannten Menge an Gargut, das für das ausgewählte Garprogram vorgesehen ist. Die Gerätesteuerung speichert in ihrem Speicher den Verlauf der Garraumtemperatur.
Durch die Einbringung des kalten Garguts bis hin zu Tiefkühlware kühlt sich trotz des Heizens die Atmosphäre im Garraum 6 zunächst ab, wie aus Fig. 4 gemäß Kurven A und B hervorgeht. Der Grad der Abkühlung ist abhängig von der Gargutmen- ge, der Dauer des Beschickungsvorgangs, bei dem die Heizfunktion unterbrochen ist, und der Temperatur des Garguts. Nach einiger Zeit steigt die Temperatur wieder (erster Wendepunkt). Der Zeitbedarf bis zur Erreichung der Solltemperatur wird abgespeichert, wobei er von der Beladungsmenge des Garguts abhängt. Bei einer sehr geringen Menge wird die Solltemperatur schnell bzw. sofort nach dem Start des Garprogramms wieder erreicht. Bei höheren Beladungsmengen kann die zusätzlich nötige Zeitdauer und damit die Garzeitverlängerung bis zu 50% der Gesamtgardauer betragen, was einen erheblichen Wert darstellt. Unterbleibt die Garzeitverlängerung oder ist sie nicht ausreichend, was der Benutzer nicht oder kaum abschätzen kann, so stellt sich das gewünschte Garergebnis nicht ein.
Für eine genaue Erfassung der Garraumtemperatur während der Aufheizphase ist die Lage des Temperaturfühlers 35 innerhalb des Garraums 6 von entscheidender Bedeutung. Es macht nämlich einen erheblichen Unterschied, ob der Temperatur- fühler in der Nähe der Heizeinrichtung oder in der Nähe des Gargutes platziert ist. Erfindungsgemäß befindet sich der Temperaturfühler 35 in der Nähe des Gargutes oder alternativ im Ansaugbereich des Lüfterrades 29 der Strömungserzeugungsein- richtung. Mit der vorliegenden Erfindung ist es beispielsweise möglich, basierend auf empirisch ermittelten Daten und den hinterlegten Berechnungsformeln bzw. -algorithmen die Garzeit für eine Vollbeschickung mit frischem Rindfleisch, das„medium" gegart werden soll, zu berechnen. Diese Berechnung kann sich aufgrund der in die Berechnung einfließenden Erfahrungswerte deutlich von der Garzeit einer Vollbeschi- ckung mit Backwaren unterscheiden, obwohl das jeweilige Garprogramm möglicherweise ein vergleichbares bzw. ähnliches Garklima fordert bzw. die Gargerätesteuerung oder die Bedienungsperson ein vergleichbares Garklima einstellt.
Mit der vorliegenden Erfindung wird somit ein deutlich verbessertes Garergebnis beim Betreiben eine Kombidämpfers gegenüber dem bisherigen Stand der Technik erreicht, ohne den Einsatz eines Kerntemperaturfühlers.
Bezuqszeichenliste
1 - Gargerät
3 - Gehäuse
5 - vordere Abdeckwand
6 - Garraum
7 - Garraumtür
9 - linke Seitenwand
1 1 - rechte Seitenwand
12 - Rückwand
13 - Deckenwand
15 - Türgriff
17 - Anzeige- und Bedienfeld (Touch-Screen)
19 - Schlauchbrause
21 - Zuluftrohr
22 - Kappe
23 - Abluftrohr
25 - Garraumboden
27 - Ablauföffnung
29 - Lüfterrad
31 - Heizeinrichtung
33 - Rohr für Beschwadung
35 - Temperatursensor
61 - Anzeige- und Bedienfeld (Touch-Screen)
62 - Zeilenfeld
64 - Lautsprecher
66 - Ein/Aus-Taste
68 - Designfläche
A - gemessene Temperatur B - gemittelte Temperatur C- errechnete Steigung