Verfahren zur Herstellung einer elektronischen Struktur auf einer Glasscheibe sowie Glastafel mit mindestens einer derartigen Glasscheibe
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung einer elektroni schen Struktur auf einer Glasscheibe sowie eine Glastafel mit mindestens einer derartigen Glasscheibe.
Als Flachglas wird jedes Glas in Form von Scheiben bzw. Tafeln bezeichnet, unabhängig vom angewandten Herstellungsverfahren.
Die Glastafeln können dabei aus einer einzigen Glasscheibe bzw. Glasplatte bestehen (Einscheibenglas) oder es kann sich um Verbundglas handeln. Un- ter einer Verbundglastafel versteht man im Allgemeinen eine aus zwei oder mehr Glasscheiben bzw. Glasplatten mit gleicher oder unterschiedlicher Dicke ausgebildete Glastafel, wobei die Glasscheiben durch eine Zwischenschicht aus Kunststoff miteinander verbunden sind.
Um Flachglastafeln mit Filter-, Spiegel-, Heizfunktionen oder sonstigen Funkti- onen zu versehen, werden die unterschiedlichsten, ein- oder mehrlagigen Funk tionsbeschichtungen auf die Glasscheiben aufgebracht. Die Funktionen können dabei z.B. Wärmeschutz, Sonnenschutz, oder Beheizung sein. Bei Low-E-Glas (Low-E = Low-Emissivity = niedrige Wärmeabstrahlung) reduzieren eine oder mehrere Metallschichten den Emissionsgrad der Glasscheiben und dienen als Wärme- und/oder Sonnenschutzschicht.
In der Regel ist die funktionelle Beschichtung bzw. Funktionsbeschichtung eine einzelne Funktionsschicht oder ein Schichtaufbau mit mehreren Funktions schichten mit einer Gesamtdicke < 2 pm. Der Schichtaufbau wird in der Regel durch Abscheidevorgänge, vorzugsweise Sputtern, erhalten. Bei den einzelnen Funktionsschichten handelt es sich somit in der Regel um metallische und/oder keramische Schichten. Beispielsweise handelt es sich um
metallische Niedrigemissionsschichten oder elektrische Heizschichten. Zwi schen den einzelnen metallischen Funktionsschichten einer Funktionsbeschich tung können eine oder mehrere dielektrische (Funktions)schichten, z.B. aus ei nem Oxid, wie Aluminiumoxid, angeordnet sein. Zudem ist zwischen der Funk tionsbeschichtung und der Glasoberfläche in der Regel eine Haftvermittlungs schicht aus Zinnoxid vorhanden.
Spezielle Verbundglastafeln weisen z. B. eine erste, insbesondere innere, Glas scheibe aus einer üblicherweise un beschichteten Glasscheibe und eine zweite, insbesondere äußere, beschichtete, insbesondere mit einer Wärmeschutz schicht versehene, Glasscheibe auf.
Auch Fenstergläser von Zügen weisen in der Regel eine derartige, wärmeiso lierende Funktionsbeschichtung auf. Problematisch dabei ist, dass die Funkti onsbeschichtung zwar eine Energieeinsparung bewirkt, aber die Mobilfunkver bindung darunter leidet. Denn aufgrund der metallischen Funktionsbeschich tung wird ein faradayscher Käfig gebildet, der den Innenraum des Zuges vor elektromagnetischen Wellen abschirmt. Aufgrund dessen wurde von der ETH Zürich ein neues Fensterglas entwickelt, bei dem die Funktionsbeschichtung so verändert ist, dass sie für elektromagnetische Mobilfunkwellen und Licht durch lässiger ist (www.20min. ch_wissen_news_story_ETH-Superglas-macht- Handy.pdf). Der faradaysche Käfig wird unterbrochen, indem die metallische Funktionsschicht mit einem Laser bearbeitet wird. Es wird mittels des Lasers eine Struktur in die metallische Funktionsschicht graviert, wobei ca. 2,5 % der Oberfläche abgetragen werden.
Des Weiteren ist aus der DE 10 2014 002 644 A1 ein Verfahren zur Herstellung einer Vogelschutzvorrichtung bekannt. Bei diesem Verfahren wird in ein trans parentes Material, insbesondere Glas, eine optische Struktur durch den Einsatz von Laserstrahlung eingebracht. Dies kann zum Beispiel dadurch erfolgen, dass das transparente Material mit metallischen und/oder farbpigmententhaltenden Schichten versehen ist und diese Schichten mittels Laserstrahlung teilweise ab getragen und/oder umgewandelt werden, so dass eine Strukturierung erfolgt.
Des Weiteren sind aus den beiden Druckschriften DE 10 2005 026 038 A1 und DE 102005025982 A1 Lasermarkierungsverfahren zur Markierung von Glasta feln bekannt.
Gemäß der DE 10 2005 026 038 A1 wird mittels Laser eine glasartige Schicht mit Metall-Nanopartikeln auf die Oberfläche der Glasscheibe aufgebracht. Dazu wird ein Spender- bzw. Trägermedium in Kontakt mit der zu beschriftenden Glasscheibenoberfläche gebracht und durch laserstrahlinduzierte Prozesse eine Markierung auf der Glasscheibenoberfläche erzeugt. Das Trägermedium weist z.B. eine PET-Folie auf, die z.B. eine Low-E-Funktionsbeschichtung auf- weist, wobei diese mindestens eine metallische Funktionsschicht aufweist. Zur Markierung wird ein Laserstrahl auf die Funktionsbeschichtung gerichtet und aufgrund der Laserstrahleinstrahlung Material aus der Funktionsbeschichtung von der PET-Trägerfolie auf die zu markierende Glasscheibenoberfläche über tragen. Das Material haftet auf der Glasscheibenoberfläche als glasartige Matrix mit metallischen Nanopartikeln, wobei die Matrix aus den ursprünglich in den Funktionsschichten der Funktionsbeschichtung vorliegenden Substanzen gebil det ist. Die PET-Trägerfolie bleibt unversehrt.
Gemäß der DE 10 2005 025 982 A1 wird in ähnlicher Weise durch Laserstrah lung die Low-E-Funktionsbeschichtung einer Glasscheibe durch Laserstrahlein- Strahlung so farblich verändert, dass eine Markierung erzeugt wird.
Außerdem ist es auf dem Gebiet der organischen Elektronik bekannt, dünne funktionale Schichten unter anderem auf Glas mittels Laser zu strukturieren.
Des Weiteren sind Alarmgläser auf dem Fachgebiet bekannt. Hierbei handelt es sich um Gläser, die bei Beschädigung oder Zerstörung eine Einbruchmelde- anlage auslösen. Dazu ist eine Leiterschleife, die sogenannte Alarmschleife o- der Alarmspinne, also ein Netz aus elektrischen Leitern, auf dem Alarmglas auf gebracht oder in ein Verbund-Sicherheitsglas eingelassen. Bei Bruch des Alarmglases wird die Alarmschleife durchtrennt, der Strom unterbrochen und es
wird Alarm ausgelöst. Die Alarmschleife wird in der Regel mittels Siebdruck auf gebracht und eingebrannt.
Des Weiteren ist die Gestenerkennung bzw. Gestensteuerung insbesondere auch auf dem Automobilsektor oder zur Steuerung von Haushalts- oder Kü- chengeräten oder als Lichtschalter bekannt. Unter Gestenerkennung versteht man die automatische Erkennung von durch Menschen ausgeführten Ges ten mittels eines Computers. Diese kann berührungslos erfolgen. Dabei werden Systeme durch räumliche Hand, Finger- oder Ganzkörperbewegungen und Gesten berührungslos gesteuert. Hierzu werden Sensorsysteme mit elektri- sehen Feldern zum Erfassen bzw. Verfolgen der Handposition genutzt. Leitende Objekte, wie z.B. der menschliche Körper führen zu einer Veränderung in den elektrischen Feldern, welche dann entsprechend von einer Signalprozessor steuerung und einem Computerprogramm weiterverarbeitet wird.
Wie bereits erläutert, ist es z.B. bekannt, das Licht in Wohnräumen mittels Ges- tensteuerung berührungslos zu steuern. In Küchen werden z.B. vermehrt Kü chenrückwände aus Glas als Spritzschutz eingesetzt. In diesem Fall sind auf der Rückseite der Küchenrückwand die entsprechenden Sensoren für die be rührungslose Gestensteuerung aufgebracht. In der Regel handelt es sich hier bei um auf die Glasoberfläche aufgeklebte Folien oder dünne Platinen, die die notwendigen Leiterbahnen enthalten.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist die Bereitstellung eines einfachen und kostengünstigen Verfahrens zur Herstellung einer elektronischen Struktur, vor zugsweise eines kapazitiven Sensorsystems oder einer Alarmschleife, auf einer Glasscheibe. Weitere Aufgabe der Erfindung ist die Bereitstellung einer kostengünstig herge stellten Glastafel mit einer elektronischen Struktur.
Diese Aufgaben werden durch ein Verfahren gemäß Anspruch 1 sowie eine Glastafel gemäß Anspruch 21 gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfin dung sind in den sich anschließenden Unteransprüchen gekennzeichnet.
Im Rahmen der Erfindung wurde herausgefunden, dass es möglich ist, mittels Laserstrahlung die bereits vorhandene Funktionsbeschichtung einer Glas scheibe bereichsweise bzw. in einem bestimmten Abschnitt bzw. Bereich so zu strukturieren, dass eine elektronische Struktur, vorzugsweise ein kapazitives Sensorsystem oder eine Leiterschleife, erzeugt wird.
Eine elektronische Struktur weist mindestens ein elektronisches Bauelement auf. Zudem kann sie in an sich bekannter Weise Leiterbahnen aufweisen. Es handelt sich bei einer elektronischen Struktur somit um ein elektronisches Mo dul bzw. eine elektronische Funktionseinheit bzw. eine elektronische Schaltung bzw. ein elektronisches Bauteil.
Im Folgenden wird die Erfindung anhand einer Zeichnung beispielhaft näher er läutert. Es zeigt:
Figur 1 : Stark vereinfacht und schematisch einen Schnitt durch eine Glas scheibe (Einscheibenglas) mit Funktionsbeschichtung und Schutz- Schicht und mit einer Strukturierungseinrichtung für das eine erfin dungsgemäße Verfahren
Bei der erfindungsgemäß zu strukturierenden Glastafel 1 (Fig. 1 ) handelt es sich beispielsweise um eine Einscheibenglastafel, die nur eine einzelne bzw. eine einzige Glasscheibe 2 aufweist. Die Glasscheibe 2 weist zwei Glasscheiben- Oberflächen 2a;b auf. Zudem weist die Glasscheibe 2 an zumindest einer ihrer beiden Glasscheibenoberflächen 2a;b vollflächig eine oberflächliche Funktions beschichtung 3 auf. Die Funktionsbeschichtung 3 weist eine der Glasscheiben 2 abgewandte, äußere Funktionsbeschichtungsoberfläche 3a auf.
Die Funktionsbeschichtung 3 kann eine oder mehrere einzelne Funktions- schichten aufweisen. Bei mehreren Funktionsschichten handelt es sich somit um ein Funktionsschichtenlaminat. Die Funktionsschichten ändern bestimmte Eigenschaften der Glasscheibe 2 bzw. verleihen dieser bestimmte Funktionen.
Die Funktionen können dabei z.B. Wärmeschutz, Sonnenschutz, oder Behei zung sein. Bevorzugt handelt es sich bei der Funktionsbeschichtung 3 um eine Wellenlängenselektive bzw. Low-E-Beschichtung.
Die Funktionsbeschichtung 3 der Glastafel 1 weist zumindest eine, vorzugs- weise mehrere, elektrisch leitfähige metallhaltige Funktionsschichten auf. Zu dem kann die Funktionsbeschichtung 3 zumindest eine elektrisch halbleitende Funktionsschicht aufweisen. Vorzugsweise handelt es sich jeweils um eine Me tall- oder eine, bevorzugt keramische, Metalloxidschicht. Die metallischen Funk tionsschichten sind vorzugsweise in oxidische Funktionsschichten, z.B. aus ei- nem Metalloxid, vorzugsweise aus Zinnoxid, eingebettet, wodurch sich Trans mission und Haltbarkeit erhöhen.
Außerdem kann die Funktionsbeschichtung 3 eine Funktionsschicht aus, bevor zugt keramischem, Metalloxid, vorzugsweise aus Zinnoxid, aufweisen, die direkt mit der Glasscheibenoberfläche 2a;b verbunden ist, und die übrigen Schichten der Funktionsbeschichtung 3 mit der Glasscheibenoberfläche 2a;b verbindet. Die Funktionsschicht aus Metalloxid, vorzugsweise Zinnoxid, dient somit zu gleich als Haftschicht.
Vorzugsweise weist eine metallhaltige, bevorzugt eine metallische Funktions schicht Silber, Kupfer oder Gold auf. Eine Funktionsschicht aus Metalloxid be- steht vorzugsweise aus Zinnoxid.
Selbstverständlich muss die keramische Funktionsschicht nicht aus Oxidkera mik bestehen. Es kann sich z.B. auch um eine nichtoxidische keramische Funk tionsschicht handeln.
Auch kann die Funktionsbeschichtung 3 zumindest eine elektrisch isolierende Funktionsschicht aufweisen.
Die Funktionsbeschichtung 3 der Glastafel 1 weist somit zumindest eine elektrisch leitende, metallische und/oder zumindest eine, bevorzugt metallhal tige, keramische Funktionsschicht auf.
Das Aufbringen der Funktionsschichten auf die Glasscheibe 2 erfolgt vorzugs weise durch Sputtern oder nasschemisch.
Des Weiteren weist die Funktionsbeschichtung 3 vorzugsweise eine Dicke von < 2 pm, bevorzugt < 1 pm auf. Zudem kann die Glastafel 1 an zumindest einer der beiden Glasscheibenober flächen 2a;b eine an sich bekannte Schutzbeschichtung 4 in Form einer Poly merschutzschicht oder einer abziehbaren Schutzfolie aufweisen. Die Schutzbe schichtung 4 schützt insbesondere die unter der Schutzbeschichtung 4 ange ordnete Funktionsbeschichtung 3 oder, wenn keine Funktionsbeschichtung 3 vorhanden ist, die reine Glasscheibenoberfläche 2a;b vor mechanischer Be schädigung. Im Gegensatz zur Funktionsbeschichtung 3 wird die Schutzbe schichtung 4 vor der endgültigen Verwendung der Glastafel 1 vollständig ent fernt.
Wie bereits erläutert, erfolgt das Einbringen der elektronischen Strukturen beim erfindungsgemäßen Verfahren durch Laserstrukturierung der Funktionsbe schichtung 3.
Eine dazu vorzugsweise verwendete Strukturierungsvorrichtung 5 (Fig. 1 ) weist dazu eine Laserstrahlerzeugungseinrichtung 6 zur Erzeugung eines Laser strahls 7 auf. Die Laserstrahlerzeugungseinrichtung 6 weist dazu eine Laser- strahlungsquelle und eine dazugehörige Optik auf. Mittels der Optik wird der Laserstrahl 7 fokussiert. Dabei kann der Laserstrahl 7 von einer Ausgangsposi tion, in der er vertikal bzw. senkrecht zur Glasscheibenoberfläche 2a;b ausge richtet ist, verschwenkt bzw. ausgelenkt werden.
Die Laserstrahlungsquelle erzeugt dabei vorzugsweise einen Laserstrahl 7, dessen Wellenlänge bei 170 nm bis 2 pm, bevorzugt bei 300 nm bis 1200 nm, besonders bevorzugt bei 1000 nm bis 1 100 nm, liegt.
Zudem erzeugt die Laserstrahlungsquelle vorzugsweise einen Laserstrahl 7, dessen Laserleistung bei < 500 W, bevorzugt bei < 200 W, besonders bevorzugt
bei < 100 W, und/oder bei > 0,5 W, bevorzugt bei > 1 W, besonders bevorzugt bei > 2 W, liegt.
Außerdem erzeugt die Laserstrahlungsquelle vorzugsweise einen gepulsten Laserstrahl 7. Sie kann aber auch einen kontinuierlichen Laserstrahl 7 erzeu- gen.
Zum Einbringen der Strukturen müssen die Glasscheibe 1 und der Laserstrahl 7 relativ zueinander parallel zu den Glasscheibenoberflächen 2a;b bewegt wer den. Vorzugsweise wird nur der Laserstrahl 7 bewegt. Die Bewegung des La serstrahls 7 erfolgt dabei vorzugsweise mittels der Optik der Laserstrahlerzeu- gungseinrichtung 6. Die Optik der Lasererzeugungseinrichtung 6 ist nämlich vorzugsweise in der Lage, mit Hilfe von zwei verstellbaren Spiegeln (Scanoptik) den Laserstrahl 7 in einem Bereich von z.B. 100 mm x 100 mm (Scanfeld) zu bewegen.
Bei Laserstrukturierung werden einzelne oder alle Funktionsschichten der Funk- tionsbeschichtung 3 mittels des Laserstrahls 7 bereichsweise vollständig abge tragen, insbesondere verdampft bzw. verbrannt oder derart verändert, dass sie nicht mehr elektrisch leitfähig also elektrisch isolierend sind. Soll die jeweilige Funktionsschicht nur modifiziert werden, erfolgt die Bestrahlung somit unterhalb der Abtragsschwelle. Bei der Modifizierung wird somit kein Material abgetragen. Insbesondere wird bei der Modifizierung die Zusammensetzung der Funktions schicht chemisch und/oder physikalisch geändert. Beispielsweise kann die Funktionsbeschichtung 3 Funktionsschichten aus atomarem Silber aufweisen, die unter Einwirkung des Laserstrahls 7 so verändert werden, dass die Silbe ratome agglomerieren und Nanopartikel bilden. Dadurch verliert die Funktions- Schicht aus atomarem Silber ihre elektrische Leitfähigkeit und wird isolierend. Vorzugsweise sind die Funktionsschichten aus atomarem Silber eingebettet in als Schutzschichten ausgebildete, bevorzugt elektrisch isolierende, Funktions schichten, z.B. aus Metalloxid, insbesondere aus Zinnoxid.
Die Laserleistung und/oder die Wellenlänge des Laserstrahls 7 wird somit je nach dem gewünschten Ergebnis und je nach der zu bearbeitenden Funktions schicht jeweils angepasst.
Dabei kann vor der Laserstrukturierung die Schutzbeschichtung 4 entfernt wer- den, z.B. auch mittels Laserstrahlung und/oder mechanisch. Oder die Schutz beschichtung 4 wird während der Laserstrukturierung durch die Laserstrahlung im Bereich der elektronischen Struktur entfernt, indem sie durch die Laserstrah lung abgetragen, vorzugsweise verbrannt wird.
Die Laserstrahlung kann dabei durch die Glasscheibe 2 durch oder nicht durch die Glasscheibe 2 durch gestrahlt werden.
Es liegt im Rahmen der Erfindung, dass mittels Laserstrahlung strukturierte Schichten und Strukturen mit weiteren, nachträglich aufgebrachten Schichten und Strukturen kombiniert werden. In diesem Fall wird die Funktionsbeschich tung 3 wie vorstehend beschrieben mittels Laserstrahlung strukturiert, so dass eine elektronische Struktur, z.B. eine Leiterschleife erzeugt wird. Anschließend wird auf den strukturierten Bereich bzw. auf die erzeugte Struktur zumindest eine weitere elektronische Struktur, z.B. ein oder mehrere Leiterschleifen, auf getragen, vorzugsweise durch Aufdrucken oder durch Lasersintern, z.B. mit dem Verfahren gemäß DE 10 2006 040 352 B3. Für den Fall, dass keine Schutzbeschichtung auf der Glasscheibe bzw. auf der mittels Laserstrahlung erzeugten elektronischen Struktur vorhanden ist, werden die zusätzlichen Schichten und/oder Strukturen bevorzugt mit dem Verfahren gemäß der DE 10 2005 026 038 A1 aufgebracht. Das heißt, es wird Funktions schichtmaterial von einem Spender- bzw. Trägermedium mittels Laserstrahlung auf die Oberfläche der Glasscheibe mit der bereits erzeugten Struktur aufge druckt. Hierzu wird das eine oberflächliche Funktionsbeschichtung aus dem Funktionsschichtmaterial aufweisende Trägermedium mit seiner beschichteten Seite mit dem zu bedruckenden Bereich auf der Glasscheibe in Kontakt ge-
bracht. Dann wird mittels der auf die Funktionsbeschichtung fokussierten Laser strahlung das Funktionsschichtmaterial aus der Funktionsbeschichtung auf die Glasscheibe, insbesondere auf die nach außen weisende, bereits erzeugte elektronische Struktur oder auf die Struktur und zumindest teilweise die Funkti onsbeschichtung (3) und/oder Glasoberfläche, übertragen und an dieser fixiert. Indem die Laserstrahlung von dem Funktionsschichtmaterial absorbiert wird, wird dieses von dem Trägermedium gelöst und auf die Glasscheibe befördert.
Für den Fall, dass auf der Glasscheibe bzw. auf der mittels Laserstrahlung er zeugten elektronischen Struktur eine Schutzbeschichtung 4 vorgesehen ist, werden die zusätzlichen Schichten und/oder Strukturen bevorzugt mit dem Ver fahren gemäß der DE 10 2018 207 181 A1 aufgebracht. Das heißt, die Schutz beschichtung wird mittels Laserstrahlung abgetragen, bevorzugt verbrannt bzw. weggebrannt, und im gleichen Arbeitsgang wird Funktionsschichtmaterial von einem Spender- bzw. Trägermedium mittels der Laserstrahlung auf eine frei ge legte Oberfläche der Glasscheibe aufgedruckt, die sich zuvor unterhalb Schutz beschichtung der Glasscheibe befunden hat. Dabei wird das eine oberflächliche Funktionsbeschichtung aus dem Funktionsschichtmaterial aufweisende Träger medium mit seiner beschichteten Seite in dem zu bedruckenden Bereich mit der Schutzbeschichtung der Glasscheibe in Kontakt gebracht. Dann wird mittels der Laserstrahlung die Schutzbeschichtung abgetragen und wie beschrieben das Funktionsschichtmaterial aus der Funktionsbeschichtung auf die Glasscheibe, insbesondere auf die nach außen weisende, bereits erzeugte elektronische Struktur oder auf die Struktur und zumindest teilweise die Funktionsbeschich tung (3) und/oder Glasoberfläche, übertragen und an dieser fixiert.
Vorzugsweise wird bei beiden beschriebenen Verfahren zur Erzeugung zusätz licher Schichten und/oder Strukturen ein Laserstrahl erzeugt, dessen Wellen länge bei 190 nm bis 12 pm, bevorzugt bei 500 nm bis 2 pm, liegt, und/oder dessen Laserleistung bei < 20 W, bevorzugt < 10 W, und/oder bei > 0,5 W, bevorzugt bei > 5 W, liegt. Bei dem Spender- bzw. Trägermedium handelt es sich vorzugsweise um eine beschichtete Kunststofffolie, bevorzugt aus PET.
Dabei ist das Trägermedium vorzugsweise bandförmig. Das Trägermedium weist die Funktionsbeschichtung aus Funktionsschichtmaterial auf, welche zu mindest eine metallhaltige, vorzugsweise metallische, Funktionsschicht und/o der zumindest eine keramische Funktionsschicht aufweist. Durch das Kombinieren mit nachträglich aufgebrachten Schichten und Struktu ren wird die auf der Glasscheibe vorhandene Funktionsbeschichtung bzw. die mittels Laserstrukturierung erzeugte Struktur ergänzt, so dass eine kombinierte elektronische Struktur hergestellt wird, die insgesamt mehr Funktionsschichten aufweist als in der Funktionsbeschichtung ursprünglich enthalten waren. Auf diese Weise können die erfindungsgemäß strukturierten Bereiche bzw. Struktu ren derart ergänzt bzw. erweitert werden, z.B. in Form eines nachträglich auf gebrachten Kontaktpads, dass eine mehrschichtige Gesamtstruktur mit mehre ren übereinanderliegenden Schichten, darunter auch Isolierschichten, gebildet wird. Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens ist, dass auf einfache und kosten günstige Weise eine elektronische Struktur bzw. ein Sensorfeld auf der Glas scheibe 2 erzeugt werden kann. Denn es muss lediglich die bereits auf der Glas scheibe 2 ohnehin vorhandene, vollflächige Funktionsbeschichtung 3 mittel La serstrahlung strukturiert werden. Ein zusätzliches Aufbringen, insbesondere Aufdrucken, der elektronischen Struktur entfällt.
Dadurch können beispielsweise auf sehr einfache Weise Alarmglastafeln her gestellt werden, indem die Alarmschleife bzw. Alarmspinne durch Laserstruktu rierung der Funktionsbeschichtung 3 erzeugt wird. Die Glasscheibe kann auch mit einem großflächigen Näherungssensor versehen werden, welcher bei An- näherung bewirkt, dass ein Licht angeht oder ein Alarm ausgelöst wird.
Auch können kapazitive Sensorsysteme zur Bedienung von Haushalts- oder Medizingeräten, z.B. auf Küchenrückwandglastafeln für die Herstellung einer Küchenrückwand, erzeugt werden.
Des Weiteren entstehen durch Abtragen der Funktionsschichten Öffnungen in der Funktionsbeschichtung 3, die auch für die Gestaltung z.B. bei Innenraum elementen genutzt werden können. So ist es z.B. möglich, diese Öffnungen auch als Symbole zu gestalten, diese zu hinterleuchten und damit dem Bediener den Bereich einer Gestensensorik als„Schaltraum“ anzuzeigen.
Die Funktionsschichten werden von den Glasherstellern mit dem Zweck einer bestimmten Funktion, z.B. Wärmedämmung, hergestellt. Die Möglichkeit ein zelne Eigenschaften der Schichten, die eigentlich nicht für den primären Anwen dungsfall (z.B. Wärmedämmung) benutzt werden, mit dem Werkzeug Laser lo- kal zu verändern, um zusätzliche Eigenschaften im Gesamtprodukt zu erzielen, ist nicht naheliegend. Vielmehr ist erst durch die Bereitstellung von geeigneten Laserwerkzeugen (in den letzten Jahren) und dem Trend der Erhöhung des Komforts von Bauprodukten (Stichwort: smart home) einerseits die Werkzeug basis und andererseits der Bedarf an„mehr“ Funktionen in z.B. Fensterschei- ben entstanden. Dies führte zu der Frage: Wie kann man mehr Funktion inte griert und kostengünstig in Fenstern hersteilen? Eine Lösung ist dazu, die La serstrukturierung mit dem Ziel durch lokale Eigenschaftsänderung neue Funkti onen zu realisieren - ohne die ursprüngliche Primärfunktion der Schichten (z.B. Wärmedämmung) signifikant zu schädigen! Im Rahmen der Erfindung liegt es dabei auch, die Strukturen in eine Glas scheibe 2 einer Verbundglastafel aus mehreren miteinander verbundenen Glas scheiben 2 einzubringen (nicht dargestellt). In diesem Fall kann die Strukturie rung sowohl auf einer außenliegenden Glasscheibenoberfläche 2a;b als auch auf einer innenliegenden Glasscheibenoberfläche 2a;b erzeugt werden, sofern diese eine Funktionsbeschichtung 3 aufweist.
Ausführunasbeisoiel:
Erfindungsgemäß wird eine Alarmschleife auf einem Einscheibenglas (ESG) mit Low-E-Beschichtung hergestellt, indem die Low-E-Schicht durch den Laser strahl invers entschichtet wird, wobei mit folgenden Parametern zwischen zwei Isolationslinien eine Leiterschleife erzeugt wird:
Wellenlänge des Laserstrahls 1064 nm,
- Spurbreite 100 gm,
Länge der Spur ca. 50 mm, und
Elektrischer Widerstand der Spur ca. 12 Ohm. Die Leiterschleife wird im Gebäude mit Spannungen < 24 V beaufschlagt. Zer bricht das Glas, z.B. bei einem Einbruch, wird der Stromfluss durch die Leiter schleife unterbrochen und Alarm ausgelöst.