Kameravorrichtung zum Erzeugen eines Abbilds einer Umgebung
BESCHREIBUNG: Die Erfindung betrifft eine Kameravorrichtung zum Erzeugen wenigstens eines Abbilds einer Umgebung. Weiterhin betrifft die Erfindung auch ein Kraftfahrzeug mit einer derartigen Kameravorrichtung.
Eine herkömmliche Kamera oder Kameravorrichtung, wie beispielsweise eine Foto- oder Videokamera, weist zum Erzeugen eines Abbilds einer Um gebung in der Regel einen Bildsensor und eine davor angeordnete abbilden de Optik auf. Die abbildende Optik wird auch als Objektiv bezeichnet und besteht meist aus einer Linse oder einem Linsensystem mit mehreren Lin sen. Sie dient zum Bündeln des Lichts aus der Umgebung und somit zum fokussierten Lenken oder Umlenken des Lichts auf den Bildsensor, sodass ein gewünschtes Objekt aus der Umgebung scharf auf dem Bildsensor ab gebildet wird. Eine Auslegung des Bildsensors, insbesondere dessen Di mensionierung oder Sensorgröße, und/oder einer Brennweite des Objektivs legen dabei einen Sichtbereich oder ein Sichtfeld (field of view; FOV) und somit einen Sichtwinkel der Kamera fest. Mit Sichtfeld ist dabei der Bereich in der Umgebung gemeint, der von der Kamera erfasst und auf dem Bildsensor abgebildet werden kann.
Aus der US 2008/0180537 A1 ist zum Beispiel ein Kamerasystem bekannt, das eine Orientierungseinrichtung aufweist, durch die ein Nutzer das Sicht feld einer Kamera identifizieren kann.
Weiterhin ist aus der US 2018/0338089 A1 ein Kameramodul für eine norma le und eine Infrarotfotografie offenbart. Um die Qualität eines resultierenden Abbilds der Umgebung zu verbessern, ist hier vorgesehen, dass ein Sicht-
Winkel, also das Sichtfeld des Kameramoduls während des normalen Foto- grafierens eingeschränkt wird.
Für Virtual-Reality oder Augmented-Reality Anwendungen sowie in Kraft fahrzeugen sind jedoch immer öfter weitwinklige Kamerasysteme, insbeson dere Kameras mit einem Sichtfeld oder Sichtwinkel größer 60 Grad, gefor dert. Dadurch soll ein möglichst großer Bereich in der Umgebung abgedeckt oder erfasst werden. Dazu werden häufig sogenannte Weitwinkelobjektive genutzt. Diese haben jedoch den Nachteil, dass sie relativ groß sind und eine ausgeprägt gekrümmte Linse aufweisen. Dadurch kann es insbesonde re an den Rändern des Sichtfelds zu ungewollten Reflexionen des Lichts aus der Umgebung an der Linse kommen, wodurch das Sichtfeld eingeschränkt werden würde. Außerdem entstehen hierbei häufig starke optische Verzer rungen, zum Beispiel eine Barrel Distortion oder eine chromatische Aberrati on, die zu Bildfehlern auf dem resultierenden Abbild führen können.
Alternativ zu einer Kamera mit Weitwinkelobjektiv könnten zum Erfassen eines möglichst großen Sichtfelds auch mehrere Einzelkameras verwendet werden. Diese können entsprechend nebeneinander angeordnet werden, sodass deren Sichtfelder aneinander angrenzen und sich beim Zusammen setzen der Einzelbilder oder Einzelaufnahmen ein Abbild mit einem großen Sichtfeld ergibt. Nachteilig an dieser Methode ist jedoch, dass eine Mehrzahl an Einbauorten für die Einzelkameras gegeben sein muss. Zudem müssen Einzelbilder synchronisiert oder genau zeitgleich aufgenommen werden, damit das vergrößerte Sichtfeld erfasst werden kann. Durch Nutzen vieler Einzelkameras erhöhen sich außerdem die Kosten eines derartigen Kame rasystems.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, eine Kameravorrichtung bereitzu stellen, die ein kostengünstiges Aufnehmen eines Abbilds einer Umgebung mit einem vergrößerten Sichtfeld ermöglicht.
Diese Aufgabe wird durch die Gegenstände der unabhängigen Patentan sprüche gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung sind durch die abhängigen Patentansprüchen, die folgende Beschreibung sowie die Figuren offenbart.
Die Erfindung basiert auf der Erkenntnis, dass eine entsprechende Kamera vorrichtung mittels holografisch-optischer Elemente (HOE) bereitgestellt werden kann. Ein HOE kann nämlich die optische Funktion eines herkömmli chen Objektivs, also eines Linsensystems vollständig oder teilweise nachbil den. Das heißt, mit dem HOE kann Licht aus der abzubildenden Umgebung zu der Bilderfassungseinrichtung, also beispielsweise dem Bildsensor, umge lenkt oder abgelenkt werden. Zum Ablenken oder Um lenken des Lichts weist ein HOE dabei eine Ablenkstruktur, zum Beispiel in Form eines optischen Gitters, auf. HOEs haben dabei den Vorteil, dass sie je nach Ausgestaltung der Ablenkstruktur für unterschiedliche Wellenlängen und/oder unterschiedli che Einfallswinkelbereiche selektiv oder sensitiv ausgebildet sein können. Sie sind also winkelselektiv und/oder wellenlängenselektiv. Die Eigenschaft der Wellenlängenselektivität von HOEs ist beispielsweise auch aus der JP 40 866 617 A bekannt. In der vorliegenden Erfindung werden nun zwei oder mehrere solcher HOEs, die jeweils für unterschiedliche Einfallswinkel bereiche selektiv sind, genutzt, um das Sichtfeld der Kameravorrichtung zu vergrößern. Das vergrößerte Sichtfeld der Kameravorrichtung setzt sich somit aus den Einfallswinkelbereichen also den einzelnen Sichtbereichen der HOEs zusammen. Die Herstellung und Funktion eines HOEs ist im späteren Verlauf noch einmal genauer erklärt.
Zum Erzeugen des wenigstens einen Abbilds der Umgebung weist die Ka meravorrichtung ein Lichtleitmedium, zum Beispiel eine Platte oder Scheibe aus Glas oder Kunststoff, welches als Lichtleiter ausgebildet ist. An dem Lichtleitmedium sind, vorzugsweise entlang einer Längserstreckungsrichtung des Lichtleitmediums, ein Einkoppelbereich und ein Auskoppelbereich ange ordnet. Der Einkoppelbereich weist wenigstens zwei einkoppelnde Ab lenkstrukturen, also beispielsweise zwei der genannten HOEs auf, von de nen jede ausgebildet ist, Licht eines vorgegebenen Spektralbereichs, das
aus einem jeweils vorgegebenen Einfallswinkelbereich aus der Umgebung auf die jeweilige Ablenkstruktur fällt, in das Lichtleitmedium einzukoppeln. Jede der Ablenkstrukturen ist dabei gegenüber einem zu den anderen Ab lenkstrukturen unterschiedlichen Spektralbereich und Einfallswinkelbereich selektiv oder sensitiv ausgebildet. Das Lichtleitmedium übernimmt dann die Funktion des Weiterleitens des eingekoppelten Lichts. Das Lichtleitmedium ist dabei ausgebildet, das eingekoppelte Licht mittels interner Reflexion von dem Einkoppelbereich an den Auskoppelbereich zu übertragen. Analog zu dem Einkoppelbereich weist auch der Auskoppelbereich wenigstens zwei auskoppelnde Ablenkstrukturen auf. Die wenigstens zwei auskoppelnden Ablenkstrukturen sind dazu ausgebildet, das von jeweils einer der einkop pelnden Ablenkstrukturen eingekoppelte Licht des vorgegebenen Spektralbe reichs, das auf die jeweilige auskoppelnde Ablenkstruktur fällt, aus dem Lichtleitmedium auszukoppeln. Jede der auskoppelnden Ablenkstrukturen ist dabei bevorzugt jeweils einer der einkoppelnden Ablenkstrukturen zugeord net. Das heißt, sie koppeln nur das von der jeweils zugeordneten einkop pelnden Ablenkstruktur aus. Entsprechend sind die wenigstens zwei auskop pelnden Ablenkstrukturen in vorteilhafter Weise gegenüber denselben Spekt ralbereichen selektiv oder sensitiv, wie die wenigstens zwei einkoppelnden Ablenkstrukturen.
Das Lichtleitmedium mit dem Einkoppelbereich und dem Auskoppelbereich kann folglich als Umlenkeinheit für das Licht aus der Umgebung verstanden werden. Durch die versetzte Anordnung des Einkoppelbereichs und des Auskoppelbereichs ergibt sich somit ein Versatz einer optischen Achse des eingekoppelten Lichts und des ausgekoppelten Lichts.
Zum Erfassen des durch die Umlenkeinheit umgelenkten Lichts ist zudem noch die zuvor genannte Bilderfassungseinrichtung vorgesehen. Diese ist an dem Auskoppelbereich angeordnet. Die Bilderfassungseinrichtung kann beispielsweise als Bildsensor, wie ein CCD- oder CMOS-Sensor ausgebildet sein. Alternativ kann die Bilderfassungseinrichtung auch als herkömmliche Kamera mit einem Objektiv ausgebildet sein. Die Umlenkeinheit ist somit der Bilderfassungseinrichtung vorgeschaltet. Zum Erfassen des ausgekoppelten
Lichts weist die Bilderfassungseinrichtung wenigstens zwei Erfassungsberei che auf. Die wenigstens zwei Erfassungsbereiche sind insbesondere jeweils einer der wenigstens zwei auskoppelnden Ablenkstrukturen zugeordnet. Somit ist jeder dieser Erfassungsbereiche ausgebildet, das von jeweils einer der auskoppelnden Ablenkstrukturen ausgekoppelte Licht zu erfassen und die Bilderfassungseinrichtung ist ausgebildet, aus dem erfassten Licht Bild daten zu erzeugen. Für jeden der Erfassungsbereiche kann also ein separa ter Bilddatensatz von der Bilderfassungseinrichtung erzeugt werden. Die Bilddaten oder Bilddatensätze unterscheiden sich dabei in ihren Spektralbe reichen und Einfallswinkelbereichen. Aus diesen Bilddaten kann anschlie ßend das wenigstens eine gewünschte Abbild der Umgebung, das heißt, ein oder mehrere Abbilder der Umgebung erzeugt oder breitgestellt werden.
Zusammengefasst wird also eine Kameravorrichtung vorgeschlagen, mit eine Weitwinkelaufnahme oder mehrere einzelne Aufnahme mit unterschiedlichen Sichtbereichen aus einer Umgebung zeitgleich erfasst werden können. Die beschreibende Umlenkeinheit kann somit eine Art Weitwinkel- oder Multi- View-Spezialobjektiv basierend auf holografisch-optischen Elementen als bildgebende Optik darstellen. Somit kann die Kameravorrichtung zum Erfas sen eines möglichst großen Sichtfelds besonders kostengünstig bereitgestellt werden.
Zu der Erfindung gehören auch Ausführungsformen, durch die sich zusätzli che Vorteile ergeben.
In einer Ausführungsform ist vorgesehen, dass die Kameravorrichtung wei terhin eine Recheneinrichtung aufweist, die ausgebildet ist, aus den erzeug ten Bilddaten jeweils separate Abbilder bereitzustellen. Das heißt, die ge nannte Umlenkeinheit ist somit als Multi-View-Objektiv ausgebildet. Dadurch können mit der Kameravorrichtung können mehrere Aufnahmebereiche oder Sichtfelder aufgenommen werden. Je Bilddatensatz wird somit ein Abbild der Umgebung erzeugt. Die Abbilder unterscheiden sich dabei zumindest teil weise in ihrem dargestellten Sichtfeld. Somit kann mit nur einer Kameravor richtung, das heißt insbesondere mit nur einer Bilderfassungseinrichtung mit
wenig Bauraumbedarf und kostengünstig eine Kameravorrichtung, die meh rere Aufnahmebereiche (Multi View) oder Sichtfelder erfassen kann, bereit gestellt werden. Die Einzelabbilder können dabei als Farbbilder entspre chend ihres jeweiligen Spektralbereich oder als schwarz-weiß Bilder oder Graustufenbilder bereitgestellt werden.
In einer zusätzlichen oder alternativen Ausführungsform dazu ist vorgese hen, dass die Recheneinrichtung der Kameravorrichtung ausgebildet ist, aus den erzeugten Bilddaten ein gemeinsames Abbild der Umgebung bereitzu stellen. Das heißt, die genannte Umlenkeinheit kann ein Weitwinkelobjektiv basierend auf HOEs bilden. Das Sichtfeld der Kameravorrichtung kann dabei aus den einzelnen Sichtbereichen, die durch die Winkelselektivität der Ab lenkstrukturen bereitgestellt sind, zusammengesetzt werden. Dabei können sich die Sichtbereichen, also auch die Einfallswinkelbereiche, zumindest teilweise überlappen. Durch die Bilderfassungseinrichtung können somit die verschiedenen Bilddaten oder Bilddatensätze, die in Abhängigkeit von den Einfallswinkelbereichen und jeweils unterschiedlichen Sichtbereichen erzeugt wurden, zusammengefügt und daraus ein gemeinsames Abbild der Umge bung berechnet werden. Das gemeinsame Abbild der Umgebung kann be vorzugt als schwarz-weiß Bild oder Graustufenbild bereitgestellt werden.
In den folgenden Ausführungsformen ist nun eine Ausgestaltung der Ab lenkstrukturen und damit auch die Herstellung und Funktion von HOEs näher beschrieben.
Eine Ausführungsform sieht vor, dass als jeweilige Ablenkstruktur zumindest ein optisches Gitter, insbesondere ein holografisches Oberflächengitter oder ein holografisches Volumengitter, bereitgestellt ist.
Ein Optisches Gitter, auch Beugungsgitter genannt, sowie dessen Wir kungsweise und Herstellungsverfahren ist allgemein bekannt. Grundsätzlich kann ein optisches Gitter als zumindest abschnittsweise periodische Struktu ren, sogenannte Gitterstrukturen, in einem Substrat ausgebildet sein. Mittels der Gitterstruktur kann ein optisches Gitter durch den physikalischen Effekt
der Beugung eine Lichtlenkung, wie sie zum Beispiel von Spiegeln, Linsen oder Prismen bekannt ist, herbeiführen. Fällt Licht, das heißt fallen Licht strahlen auf das optische Gitter, wobei die einfallenden Lichtstrahlen insbe sondere die Bragg-Gleichung erfüllen, werden die Lichtstrahlen durch das optische Gitter gebeugt oder abgelenkt. Die Lichtlenkung kann somit insbe sondere durch Interferenzerscheinungen der durch das optische Gitter ge beugten Lichtstrahlen erfolgen. Die Ablenkstruktur des Einkoppelbereichs oder Auskoppelbereichs kann dementsprechend auch als Beugungsstruktur bezeichnet werden.
Vorzugsweise kann ein optisches Gitter gegenüber dem einfallenden Licht richtungsselektiv oder winkelselektiv ausgebildet sein. Somit kann nur Licht, insbesondere ein Anteil des Lichts, das aus einer vorbestimmten Einfallsrich tung, zum Beispiel in einem vorbestimmten Winkel, auf ein optisches Gitter fällt, abgelenkt werden. Licht, insbesondere ein Anteil des Lichts, das aus einer anderen Richtung auf das optische Gitter fällt, wird vorzugsweise nicht abgelenkt oder umso weniger, je größer der Unterschied zur vorbestimmten Einfallsrichtung ist. Der Lichtanteil, welcher von der vorbestimmten Einfalls richtung oder Optimaleinfallsrichtung abweicht, kann folglich vorzugsweise ungehindert durch das Substrat mit dem optischen Gitter propagieren.
Zusätzlich oder alternativ kann ein optisches Gitter noch wellenlängenselek tiv oder frequenzselektiv ausgebildet sein. Somit kann nur Licht, insbesonde re ein erster Anteil des Lichts mit einer vorbestimmten Wellenlänge von dem optischen Gitter in einem bestimmten Beugungswinkel abgelenkt oder ge beugt werden. Licht, insbesondere ein zweiter Anteil des Lichts mit einer anderen als der vorbestimmten Wellenlänge wird vorzugsweise nicht abge lenkt, oder umso weniger je größer der Unterschied zur vorbestimmten Wel lenlänge ist. Der zweite Lichtanteil, welcher von der vorbestimmten Wellen länge oder Optimalwellenlänge abweicht, kann folglich vorzugsweise unge hindert durch das Substrat mit dem optischen Gitter propagieren. Dadurch kann beispielsweise von polychromatischem Licht, welches auf das optische Gitter trifft, wenigstens ein monochromatischer Lichtanteil abgespaltet wer den. In vorteilhafter Weise ist der Ablenkeffekt für die Optimalwellenlänge
maximal und fällt zu längeren und kürzeren Wellenlängen hin, beispielsweise gemäß einer Gaußglocke, ab oder wird schwächer. Insbesondere wirkt der Ablenkeffekt nur auf einen Bruchteil des sichtbaren Lichtspektrums und/oder in einem Winkelbereich kleiner als 90 Grad.
Eine Herstellung eines optischen Gitters kann insbesondere mittels Belich tung eines Substrats, also beispielsweise fotolithografisch oder holografisch, erfolgen. In diesem Zusammenhang kann das optische Gitter dann auch als holografisches oder holografisch-optisches Gitter bezeichnet werden. Es sind zwei Arten von holografisch-optischen Gittern bekannt: holografische Ober flächengitter (surface holografic gratings, kurz: SHG) und holografische Vo lumengitter (volume holografic gratings, kurz: VHG). Bei einem holografi schen Oberflächengitter kann die Gitterstruktur durch optisches Verformen einer Oberflächenstruktur des Substrats erzeugt werden. Durch die verän derte Oberflächenstruktur kann auftreffendes Licht abgelenkt, zum Beispiel reflektiert werden. Beispiele für holografische Oberflächengitter sind soge nannte Sägezahn- oder Blazegitter. Im Gegensatz dazu kann die Gitterstruk tur bei holografischen Volumengittern in das ganze Volumen oder einen Teilbereich des Volumens des Substrats eingearbeitet sein. Holografische Oberflächengitter und holografische Volumengitter sind in der Regel fre quenzselektiv. Es sind jedoch auch optische Gitter bekannt die polychromati sches Licht beugen können. Diese werden als holografische Mehrfachvolu mengitter (multiplexed volume holografic gratings, kurz: MVHG) bezeichnet und können beispielsweise durch Verändern der Periodizität der Gitterstruk tur eines optischen Gitters oder durch Anordnen mehrerer holografisches Volumengitter hintereinander hergestellt werden.
Als Material für das besagte Substrat zum Einarbeiten eines optischen Git ters eignet sich besonders ein Polymer, insbesondere ein Fotopolymer, oder eine Folie, insbesondere eine fotosensitive Folie, zum Beispiel aus Kunststoff oder organischen Stoffen. Zur Verwendung derartiger Substrate für die fle xible Kameravorrichtung, sollte zusätzlich beachtet werden, dass das Materi al, insbesondere in Substratform, flexible und lichtwellenleitende Eigenschaf ten aufweist. Substrate die eine Ablenkstruktur zum Beugen von Licht, bei-
spielsweise in Form eines optischen Gitters aufweisen, können auch als holografisch-optische Elemente (HOE) bezeichnet werden.
In einer weiteren Ausführungsform ist vorgesehen, dass die Ablenkstrukturen einstückig mit dem Lichtleitmedium ausgebildet sind. Die wenigstens zwei einkoppelnden und die wenigstens zwei auskoppelnden Ablenkstrukturen können somit beispielsweise direkt in eine Oberflächenstruktur oder ein Vo lumen des Lichtleitmediums eingearbeitet sein. Das heißt, die jeweilige Ab lenkstruktur kann beispielsweise in eine Oberfläche des Lichtleitmediums geätzt oder gelasert sein. Somit kann das Lichtleitmedium selbst als HOE ausgebildet sein.
Eine alternative Ausführungsform hierzu sieht vor, dass die Ablenkstrukturen in wenigstens einem separaten Element zu dem Lichtleitmedium ausgebildet sind. Das heißt, die einkoppelnden Ablenkstrukturen, die auskoppelnden Ablenkstrukturen und das Lichtleitmedium können in separaten Substraten oder Elementen ausgebildet sein. Zum Beispiel können die einkoppelnden Ablenkstrukturen ein erstes Element bilden, die auskoppelnden Ablenkstruk turen können ein zweites Element bilden und das Lichtleitmedium kann ein drittes Element bilden, an welchem das erste und das zweite Element anlie- gen. Somit können die Ablenkstrukturen in wenigstens einem HOE ausgebil det sein. Beispielsweise können die einkoppelnden und auskoppelnden Ab lenkstrukturen in unterschiedlichen Abschnitten einer holografischen Folie oder Platte ausgebildet sein. Zum Befestigen der Folie oder Platte an dem Lichtleitmedium kann die Folie oder Platte an das Trägermedium angeklebt sein. Alternativ kann die holografischen Folie auch als Adhäsionsfolie ausge bildet sein und direkt, also ohne Klebstoff, durch molekulare Kräfte an der Oberfläche des Lichtleitmediums haften.
In einer weiteren Ausführungsform ist vorgesehen, dass die einkoppelnden Ablenkstrukturen seriell nacheinander in Bezug auf eine Einfallsrichtung des Lichts ausgebildet sind. Mit anderen Worten können die einkoppelnden Ab lenkstrukturen übereinander gestapelt angeordnet sein, wobei ihre Flächen bevorzugt vollständig überlappen. Alternativ dazu ist in einer weiteren Aus-
führungsform vorgesehen, dass die einkoppelnden Ablenkstrukturen flächig nebeneinander in dem Einkoppelbereich ausgebildet sind. Anders ausge drückt, können die einkoppelnden Ablenkstrukturen in einer Ebenen neben einander angeordnet sein, wobei ihren Flächen bevorzugt nicht überlappen.
In einer weiteren Ausführungsform ist vorgesehen, dass jede der einkop pelnden Ablenkstrukturen eine Fläche aufweist, die größer ausgebildet ist als eine jeweilige Fläche der wenigstens zwei auskoppelnden Ablenkstrukturen. Somit kann auch der Einkoppelbereich eine größere Fläche aufweisen als der Auskoppelbereich. Bevorzugt kann eine Fläche der jeweiligen einkop pelnden Ablenkstruktur um einen Faktor 2 größer sein als eine Fläche der jeweiligen auskoppelnden Ablenkstruktur.
Zum Ablenken des Lichts aus der Umgebung kann der Einkoppelbereich hierbei als jeweilige einkoppelnde Ablenkstruktur eine Bündelungsstruktur aufweisen. Mittels dieser Bündelungsstruktur kann das aus der Umgebung auftreffende Licht gebündelt über das Lichtleitmedium zu dem Auskoppelbe reich umgelenkt werden. Das jeweilige optische Gitter der jeweiligen aus koppelnden Ablenkstruktur kann entsprechend als Bündelungsgitter ausge bildet sein. Anders ausgedrückt ist in einer weiteren Ausführungsform jede der einkoppelnden Ablenkstrukturen als optisches Gitter mit einer Bünde lungsgitterstruktur ausgebildet. Durch die Bündelungsgitterstruktur werden Lichtstrahlen des umzulenkenden Lichts, das aus der Umgebung auf die jeweilige einkoppelnde Ablenkstruktur trifft, in Abhängigkeit von einem Ein fallsort unterschiedlich stark abgelenkt. Somit bündelt oder fokussiert die jeweilige einkoppelnde Ablenkstruktur die Lichtstrahlen zu der jeweiligen auskoppelnden Ablenkstruktur hin. Bevorzugt kann weiterhin der Auskoppel bereich als jeweilige auskoppelnde Ablenkstruktur eine Zerstreuungsstruktur aufweisen. Mittels dieser kann das gebündelte Licht, insbesondere ein Strah len des durch die jeweilige einkoppelnde Ablenkstruktur gebündelte Licht, insbesondere ein Strahlengang des Lichts, bei Ablenken an der Zerstreu ungsstruktur, aus dem Trägermedium heraus parallelisiert oder begradigt werden, um von der Bilderfassungseinrichtung erfasst zu werden. Das opti sche Gitter der jeweiligen auskoppelnden Ablenkstruktur kann somit entspre-
chend als Zerstreuungsgitter ausgebildet sein. Anders ausgedrückt, ist in dieser Ausführungsform vorgesehen, dass die wenigstens zwei auskoppeln den Ablenkstrukturen als optisches Gitter mit einer Zerstreuungsgitterstruktur ausgebildet sind. Durch die Zerstreuungsgitterstruktur werden Lichtstrahlen des eingekoppelten Lichts, das auf die jeweilige auskoppelnde Ablenkstruk tur trifft, in Abhängigkeit von einem Einfallsort unterschiedlich stark abge lenkt. Dadurch parallelisiert die jeweilige auskoppelnde Ablenkstruktur die Lichtstrahlen zum Erfassen durch die Bilderfassungseinrichtung. Die Licht strahlen verlaufen somit zum Erfassen durch die Bilderfassungseinrichtung parallel zueinander.
Somit ergibt sich eine Lichtbündelung des Lichts aus der Umgebung, sodass eine Lichtintensität, welche auf den Bildsensor der Bilderfassungseinrichtung trifft, erhöht werden kann.
Zum Realisieren eines Bündelungsgitters oder eines Zerstreuungsgitters kann beispielsweise eine inhomogene Gitterstruktur, insbesondere eine abschnittsweise aperiodische Gitterstruktur in das beschriebene Substrat eingearbeitet sein. Alternativ können auch mehrere Beugungsgitter mit glei cher oder unterschiedlichen Gitterstrukturen nebeneinander oder hinterei nander angeordnet oder geschaltet sein.
In einer weiteren Ausführungsform ist vorgesehen, dass die Bilderfassungs einrichtung zum Erfassen des ausgekoppelten Lichts einen Farbbildsensor aufweist. Anders ausgedrückt kann die Bilderfassungseinrichtung eine Farb filtereinheit aufweisen mit der das erfasste Licht nach Wellenlängen oder Spektralbereichen getrennt werden kann. Die Farbfiltereinrichtung kann beispielsweise nach dem Bayer-Prinzip oder dem Foveon-Prinzip funktionie ren. Der Farbbildsensor ist somit insbesondere als Bayer-Sensor oder Fove- on-X3-Sensor ausgestaltet.
Die Erfindung betrifft auch eine alternative Ausgestaltung der Kameravorrich tung zum Erzeugen wenigstens eines Abbilds einer Umgebung, umfassend ein Lichtleitmedium an welchem gegenüberliegend an unterschiedlichen
Oberflächen ein Einkoppelbereich und eine Bilderfassungseinrichtung ange ordnet sind. Der Einkoppelbereich weist dabei, wie zuvor beschrieben, we nigstens zwei einkoppelnde Ablenkstrukturen auf, von denen jede ausgebil det ist, Licht eines vorgegebenen Spektralbereichs, das aus einem jeweils vorgegebenen Einfallswinkelbereich aus der Umgebung auf die jeweilige Ablenkstruktur fällt, in das Lichtleitmedium einzukoppeln, wobei die einkop pelnden Ablenkstrukturen gegenüber unterschiedlichen Spektralbereichen und Einfallswinkel-bereichen selektiv sind. Das Lichtleitmedium ist ausgebil det, das eingekoppelte Licht von dem Einkoppelbereich an die Bilderfas sungseinrichtung zu übertragen. Die Bilderfassungseinrichtung weist wenigs tens zwei Erfassungsbereiche auf, von denen jede ausgebildet ist, das von jeweils einer der einkoppelnden Ablenkstrukturen eingekoppelte Licht des vorgegebenen Spektralbereichs, das auf den jeweiligen Erfassungsbereich fällt, nach Einfallswinkelbereichen getrennt zu erfassen und die Bilderfas sungseinrichtung ist ausgebildet, daraus Bilddaten zu erzeugen. Somit ergibt sich eine besonders kompakte Ausgestaltung der Kameravorrichtung.
Das Lichtleitmedium kann somit als Trägereinheit oder Trägermedium, also zum Tragen oder Halten des Einkoppelbereichs der Bilderfassungseinrich tung ausgebildet sein. Einkoppelbereich und Bilderfassungseinrichtung sind dabei gegenüberliegend an dem Lichtleitmedium angeordnet, wobei sich ihre jeweiligen Flächen vorzugsweise vollständig überlappen. Das eingekoppelte Licht kann somit das Lichtleitmedium, ohne intern reflektiert zu werden, durchstrahlen und zum Erfassen auf die Bilderfassungseinrichtung treffen. Somit kann das Lichtleitmedium ausgebildet sein, von dem eingekoppelte Licht durchstrahlt zu werden, und insbesondere das eingekoppelte Licht an die Bilderfassungseinrichtung weiterzuleiten. Die jeweilige Ablenkstruktur dient in dieser Ausgestaltung also dem Umlenken oder Ablenken von Licht aus dem jeweiligen Einfallswinkelbereich in eine Einfallsrichtung für die Bil derfassungseinrichtung. Zum Beispiel kann das Licht von einem in Bezug auf eine Senkrechte auf eine Oberfläche des Lichtleitmediums 45 Grad Winkel auf einen 0 Grad Winkel (Senkrecht zur Oberfläche) zum Erfassen durch die Bilderfassungseinrichtung abgelenkt werden.
Wie zuvor beschrieben, wird Licht, das einen anderen als den jeweils vorge gebenen Spektralbereich aufweist und aus einem anderen als dem vorge gangen Einfallswinkelbereich auf die jeweilige Ablenkstruktur trifft, weniger oder nicht abgelenkt wird und transmittiert somit vorzugsweise ungehindert durch das Lichtleitmedium. Dieses vorzugsweise unabgelenkte Licht kann auch als Streulicht bezeichnet werden. Um nun ein Erfassen von Streulicht in dieser Ausgestaltung der Kameravorrichtung durch die Bilderfassungsein richtung zu vermeiden, kann die Bilderfassungseinrichtung beziehungsweise deren Erfassungsbereiche ebenfalls winkelselektiv und wellenlängenselektiv ausgebildet sein. Zum Realisieren der Wellenlängenselektivität kann die Bilderfassungseinrichtung eine Farbfiltereinheit, wie sie zum Beispiel von einem Bayer-Sensor oder einem anderen Farbbildsensor bekannt ist, umfas sen. Zum Realisieren der Winkelselektivität kann die Bilderfassungseinrich tung eine Blendeneinheit umfassen. Das heißt, die Erfassungsbereiche kön nen zum Beispiel durch eine geeignete Anordnung von Blenden in Lichtein fallsrichtung voneinander getrennt sein. Durch die Anordnung von Blenden kann somit vermeiden werden, dass das Licht das für einen der Erfassungs bereiche bestimmt ist, als Streulicht zu einem anderen der Erfassungsberei che gelangt. Es können auch andere geeignete Maßnahmen zum Unterdrü cken des Streulichts genutzt werden.
Die Erfindung betrifft auch ein Kraftfahrzeug mit einer Kameravorrichtung wie sie zuvor beschrieben wurde. Dabei ist das Lichtleitmedium als eine Fenster scheibe des Kraftfahrzeugs, das heißt, zum Beispiel als eine Windschutz scheibe, eine Seitenscheibe, oder eine Heckscheibe des Kraftfahrzeugs ausgebildet. Das erfindungsgemäße Kraftfahrzeug ist bevorzugt als Kraftwa gen, insbesondere als Personenkraftwagen oder Lastkraftwagen, oder als Personenbus oder Motorrad ausgestaltet.
Zu der Erfindung gehören auch Weiterbildungen des erfindungsgemäßen Kraftfahrzeugs, die Merkmale aufweisen, wie sie bereits im Zusammenhang mit den Weiterbildungen der erfindungsgemäßen Kameravorrichtung be schrieben worden sind. Aus diesem Grund sind die entsprechenden Weiter-
bildungen des erfindungsgemäßen Kraftfahrzeugs hier nicht noch einmal beschrieben.
Die Erfindung umfasst auch die Kombinationen der Merkmale der beschrie- benen Ausführungsformen.
Im Folgenden sind Ausführungsbeispiele der Erfindung beschrieben. Flierzu zeigt: Fig. 1 eine schematische Darstellung einer vorteilhaften Ausgestal tung einer Kameravorrichtung zum Erfassen eines vergrößerten Sichtfelds mit nur einer Bilderfassungseinrichtung;
Fig. 2 eine schematische Darstellung einer alternativen Ausgestaltung der Kameravorrichtung; und
Fig. 3 eine schematische Darstellung einer weiteren alternativen Aus gestaltung der Kameravorrichtung. Bei den im Folgenden erläuterten Ausführungsbeispielen handelt es sich um bevorzugte Ausführungsformen der Erfindung. Bei den Ausführungsbeispie len stellen die beschriebenen Komponenten der Ausführungsformen jeweils einzelne, unabhängig voneinander zu betrachtende Merkmale der Erfindung dar, welche die Erfindung jeweils auch unabhängig voneinander weiterbilden. Daher soll die Offenbarung auch andere als die dargestellten Kombinationen der Merkmale der Ausführungsformen umfassen. Des Weiteren sind die beschriebenen Ausführungsformen auch durch weitere der bereits beschrie benen Merkmale der Erfindung ergänzbar. In den Figuren bezeichnen gleiche Bezugszeichen jeweils funktionsgleiche Elemente.
Fig. 1 zeigt eine schematische Darstellung eines Ausführungsbeispiels einer Kameravorrichtung 10, die zum Erzeugen eines oder mehrerer Abbilder einer
Umgebung mit nur einer Bilderfassungseinrichtung 12 ein vergrößertes Sichtfeld FOV aufweist. Die Bilderfassungseinrichtung 12 ist in Fig.1 als Bildsensor, wie beispielsweise ein CCD oder ein CMOS-Sensor, dargestellt. Zum Erfassen des vergrößerten Sichtfelds FOV ist der Bilderfassungseinrich tung 12 eine Umlenkeinheit 11 vorgeschaltet. Die Umlenkeinheit 11 stellt somit die abbildende Optik, also das Objektiv, der Kameravorrichtung 10 dar. Insbesondere ist die Umlenkeinheit 11 als Weitwinkel- oder Multi-View- Objektiv basierend auf holografisch-optischen Elementen (HOE), also Ab lenkstrukturen, die in ein geeignetes Substrat eingearbeitet sind, als bildge bende Optik ausgebildet.
Ein FIOE ist ein bekanntes optisches Bauelement, das den physikalischen Effekt der Beugung nutzt, um eine Lichtlenkung, z ähnlich wie beispielsweise eine Linse oder ein Spiegel, herbeizuführen. Ein HOE hat jedoch den Vorteil, dass es abhängig von einer Ausgestaltung der Ablenkstruktur das Licht win kelselektiv und/oder wellenlängenselektiv ablenken oder umlenken kann. Außerdem kann ein HOE im Gegensatz zu einer Linse einen besonders großen Erfassungsbereich oder Sichtwinkel von bis zu 170 Grad aufweisen. Das heißt, auch Licht, das bezogen auf eine Oberfläche des HOE in einem steilen oder spitzen Winkel auf das HOE fällt, kann umgelenkt werden. Wei terhin kann die Ablenkstruktur eines HOE zudem mit wenig Aufwand beson ders platzsparend zum Beispiel in eine wenige Millimeter dünne Glasplatte oder eine Folie eingearbeitet sein. Diese Eigenschaften eines HOE werden nun genutzt, um mit nur einer Bilderfassungseinrichtung 12 das vergrößerte Sichtfeld FOV, bevorzugt mit einen Sichtwinkel größer 60 Grad, insbesonde re größer 100 Grad, vorzugsweise zwischen 0 Grad und 170 Grad erfassen zu können, ohne dass Abbildungsfehler auf dem oder den resultierenden Abbildern entstehen. Dazu umfasst die umfasst die Umlenkeinheit 11 gemäß Fig. 1 nun mehrere solcher Ablenkstrukturen oder HOEs. Durch diese wird das gesamte Sichtfeld FOV in mehrere einzelne Sichtbereiche oder Einfalls winkelbereiche T1 , T2, T3 eingeteilt. Durch diese Einfallswinkelbereiche T1 , T2, T3 wird somit jeweils ein Teilbereich des Sichtfelds FOV erfasst. Bevor zugt können sich die Einfallswinkelbereiche dabei leicht überlappen. Alterna-
tiv können die Einfallswinkelbereiche T1, T2, T3 wie in Fig. 1 gezeigt, aber auch direkt aneinander angrenzen.
In einer vorteilhaften in der Fig. 1 nicht gezeigten Ausgestaltung der Kame ravorrichtung 10, kann auch vorgesehen sein, dass die Einfallswinkelberei che T1, T2, T3 getrennte Bereiche in der Umgebung erfassen. Das heißt, die Einfallswinkelbereiche T1, T2, T3 können nicht aneinander anliegen oder überlappen.
Im Folgenden ist nun ein Aufbau der Umlenkeinheit 11 gemäß Fig.1 kurz beschrieben. Die Umlenkeinheit 11 umfasst ein Lichtleitmedium 20, welches als Lichtleiter ausgebildet ist. Das Lichtleitmedium 20 ist in Fig. 1 als Glas platte oder Glasscheibe dargestellt. Alternativ sind auch alle andere Arten von Materialien, die lichtleitende Eigenschaften aufweisen, wie beispielswei se Kunststoff, denkbar, um das Lichtleitmedium 20 bereitzustellen. An dem Lichtleitmedium 20 sind ein Einkoppelbereich 21 und ein Auskoppelbereich 22 angeordnet. Einkoppelbereich 21 und Auskoppelbereich 22 sind dabei entlang einer Längserstreckungsrichtung des Lichtleitmediums 20 getrennt voneinander an unterschiedlichen Seiten oder Oberflächen des Lichtleitme diums 20 angeordnet.
Zum Einkoppeln des Lichts aus der Umgebung weist der Einkoppelbereich in Fig. 1 drei einkoppelnde Ablenkstrukturen 23, 24, 25 oder HOEs auf. Dieses sind flächig, das heißt, in einer Ebene nebeneinander in Bezug auf eine Einfallsrichtung des Lichts aus der Umgebung angeordnet und bilden so den Einkoppelbereich 21. Jede der einkoppelnden Ablenkstrukturen 23, 24, 25 ist dazu ausgebildet, Licht eines vorgegebenen Spektralbereichs, das aus ei nem der jeweils vorgegebenen Einfallswinkelbereiche T1, T2, T3 aus der Umgebung auf die jeweilige Ablenkstruktur 23, 24, 25 fällt, derart abzulen ken, dass es in das Lichtleitmedium 20 eingekoppelt wird. Jede der einkop pelnden Ablenkstrukturen 23, 24, 25 ist dabei gegenüber einem unterschied lichen Spektralbereich und Einfallswinkelbereich T1, T2, T3 selektiv ausge bildet. Zum Beispiel kann die erste einkoppelnde Ablenkstruktur 23 für rotes Licht in einem Spektralbereich von etwa 470 Nanometer bis 780 Nanometer
und den Einfallswinkelbereich T1 mit einem Erfassungswinkel von 55 Grad selektiv ausgebildet sein. Entsprechend kann die zweite Ablenkstruktur 24 beispielsweise für grünes Licht in einem Spektralbereich von etwa 490 Na nometer bis 570 Nanometer und den Einfallswinkelbereich T2 mit einem Erfassungswinkel 55 Grad selektiv ausgebildet sein. Die dritte Ablenkstruktur
25 kann hingegen für blaues Licht in einem Spektralbereich von etwa 430 Nanometer bis 490 Nanometer und den Einfallswinkelbereich T3 mit einem Erfassungswinkel von 55 Grad selektiv ausgebildet sein. Zusammengesetzt würde sich für die Kameravorrichtung 10 gemäß Fig. 1 somit ein Sichtfeld FOV von 165 Grad ergeben.
Nachdem das Licht durch die einkoppelnden Ablenkstrukturen 23, 24, 25 in das Lichtleitmedium 20 eingekoppelt wurde, wird es von dem Lichtleitmedi um 20 mittels interner Reflexion, insbesondere Totalreflexion, an den Aus koppelbereich 22 übertragen. Dabei ist jede der auskoppelnden Ablenkstruk turen 26, 27, 28 jeweils einer der einkoppelnde Ablenkstrukturen 23, 24, 25 zugeordnet. Mit „zugeordnet“ ist in diesem Zusammenhang gemeint, dass jede der auskoppelnden Ablenkstrukturen 26, 27, 28 gegenüber demselben Spektralbereich selektiv ist, wie jeweils eine der einkoppelnden Ablenkstruk turen 23, 24, 25. Zum Beispiel kann die erste auskoppelnde Ablenkstruktur
26 der ersten einkoppelnden Ablenkstruktur 23 zugeordnet sein. Über die erste auskoppelnde Ablenkstruktur wird also nur das Licht, das von ersten einkoppelnden Ablenkstruktur 23 erfasst wurde, aus dem Lichtleitmedium wieder ausgekoppelt. Analog ist beispielsweise die zweite auskoppelnde Ablenkstruktur 27 der zweiten einkoppelnden Ablenkstruktur 24 zugeordnet, sodass nur Licht, dass von der zweiten einkoppelnden Ablenkstruktur 24 erfasst wurde, über die zweite auskoppelnde Ablenkstruktur 27 aus dem Lichtleitmedium 20 ausgekoppelt wird. Entsprechend ist die dritte auskop pelnde Ablenkstruktur 28 der dritten einkoppelnden Ablenkstruktur 25 zuge ordnet, sodass nur Licht, das von der dritten einkoppelnden Ablenkstruktur 25 erfasst wurde, über die dritte auskoppelnde Ablenkstruktur 28 aus dem Lichtleitmedium 20 ausgekoppelt wird.
In Fig. 1 sind die jeweiligen Ablenkstrukturen in separaten Elementen zu dem Lichtleitmedium 20 ausgebildet. Alternativ könnten die Ablenkstrukturen jedoch auch direkt in eine Oberfläche oder ein Volumen des Lichtleitmedi ums 20 eingearbeitet, also beispielsweise einbelichtet oder eingeätzt sein.
An dem Auskoppelbereich 22 ist schließlich die Bilderfassungseinrichtung 12 angeordnet. Entsprechend der drei auskoppelnden Ablenkstrukturen 26, 27, 28 weist auch die Bilderfassungseinrichtung 12 in Fig. 1 drei unterschiedliche Erfassungsbereiche 13, 14, 15 auf, durch die das ausgekoppelte Licht er fasst wird. Das heißt, jeder der auskoppelnden Ablenkstrukturen 26, 27, 28 ist jeweils einem Erfassungsbereich 13, 14, 15 der Bilderfassungseinrichtung 12 zugeordnet. Der jeweilige Erfassungsbereich 13, 14, 15 erfasst somit nur das ausgekoppelte Licht, das von der jeweils zugeordneten auskoppelnden Ablenkstruktur 26, 27, 28 aus dem Lichtleitmedium 20 ausgekoppelt wurde. Aus dem erfassten Licht kann die Bilderfassungseinrichtung 12 dann Bildda ten erzeugen. Für jeden Erfassungsbereich 13, 14, 15 wird dabei bevorzugt ein separater Bilddatensatz erzeugt. Da die Ablenkstrukturen 23, 24, 25, 26, 27, 28 das Licht aus der Umgebung nach Wellenlängen und Einfallswinkel bereichen T1, T2, T3 trennen, kann die Bilderfassungseinrichtung 12 somit gemäß dem in Fig. 1 gezeigten Ausführungsbeispiel drei nach Spektralbe reich und Einfallswinkelbereich T1, T2, T3 getrennte Bilddatensätze durch erzeugt. Diese Bilddatensätze können dann entweder als separate Einzelab bildern der Umgebung genutzt werden oder, wie in Fig. 2 gezeigt, von einer Recheneinrichtung 30 zu einem gemeinsamen Abbild U der Umgebung ver rechnet werden.
Wie in Fig. 1 gezeigt, liegen die einkoppelnden Ablenkstrukturen 23, 24, 25 und die auskoppelnden Ablenkstrukturen 26, 27, 28 mit der Bilderfassungs einrichtung 12 auf unterschiedlichen optischen Achsen A und A‘. Diese Ent zerrung der optischen Achsen A und A‘ ergibt sich aus dem Umstand, dass HOEs für alle nicht zugehörigen Wellenlängen und Einfallswinkelbereiche transparent wirken. Das heißt, Licht, das einen anderen als den vorgegebe nen Spektralbereich aufweist und aus einem anderen als dem vorgegangen Einfallswinkelbereich T1, T2, T3 auf die jeweilige Ablenkstruktur trifft, nicht
abgelenkt wird. Ohne Versatz der optischen Achsen A und A’ würde die Bilderfassungseinrichtung 12 somit mit durch die einkoppelnden Ablenkstruk turen 23, 24, 25 transmittiertem Licht oder Streulicht überlagert werden. Um das Erfassen von Streulicht aus der Umgebung durch die Bilderfassungsein richtung 12 zudem zu vermeiden, kann in vorteilhafter Weise vorgesehen sein, dass eine Oberfläche des Lichtleitmediums 20, außerhalb der Abschnit te die den Einkoppelbereich 21 und den Auskoppelbereich 22 umfassen, eine Schutzschicht aufweist. Diese Schutzschicht ist dazu ausgebildet, das Transmittieren von Licht aus der Umgebung durch das Lichtleitmedium 20 hindurch zu vermeiden.
Fig. 2 zeigt nun eine alternative Ausgestaltung der Umlenkeinheit 11. Anstatt flächig nebeneinander sind die einkoppelnden Ablenkstrukturen 23, 24, 25 hier seriell in Bezug auf eine Einfallsrichtung des Lichts L1, L2, L3 aus der Umgebung nacheinander angeordnet. Die Flächen der einkoppelnden Ab lenkstrukturen 23, 24, 25 überlappen sich dabei insbesondere vollständig. Bevorzugt können die einkoppelnden Ablenkstrukturen 23, 24, 25 beispiels weise durch Mehrfachbelichtung in ein gemeinsames Substrat eingearbeitet sein. Alternativ können die einkoppelnden Ablenkstrukturen 23, 24, 25 auch in mehreren Substraten oder Elementen eingearbeitet sein, die anschließend in Sandwichbauweise gestapelt aufeinander angeordnet werden.
Anhand von Fig. 2 lässt sich nun auch noch einmal das Erzeugen einer Ab bildung U mit einem vergrößerten Sichtfeld FOV mittels der Kameravorrich tung 10 beschreiben. Das Licht, dass zum Erzeugen des Abbilds U aus der Umgebung auf den Einkoppelbereich 21 fällt ist dabei in Fig. 2 schematisch als einzelne Lichtanteile oder Lichtstrahlen L1 , L2, L3 dargestellt. Ein Licht strahl L1 der eine Wellenlänge im Rotlichtbereich aufweist und zum Beispiel innerhalb des Einfallswinkelbereichs T1 auf den Einkoppelbereich 21 fällt, wird dabei von der ersten einkoppelnden Ablenkstruktur 23 in das Lichtleit medium 20 eingekoppelt und dort mittels interner Reflexion an den Auskop pelbereich übertragen. Die der ersten einkoppelnden Ablenkstruktur 23 zu geordnete auskoppelnde erste Ablenkstruktur 26 ist ebenfalls für Licht mit einer Wellenlänge im Rotlichtbereich selektiv, sodass der Lichtstrahl L1 über
die erste auskoppelnde Ablenkstruktur 26 aus dem Lichtleitmedium 20 aus gekoppelt wird. An dem Auskoppelbereich 22 ist dabei die Bilderfassungsein richtung 12 angeordnet, wobei deren erster Erfassungsbereich 13 an der ersten auskoppelnden Ablenkstruktur 26 anliegt. Über den ersten Erfas sungsbereich 13 kann der ausgekoppelte Lichtstrahl L1 nun erfasst werden und die Bilderfassungseinrichtung 12 kann aus dem von dem ersten Erfas sungsbereich 13 erfassten Lichtstrahl L1 die Bilddaten B1 erzeugen. Analog können zum Beispiel die Bilddaten B2 und B3 jeweils durch Lichtstrahlen L2 und L3 erzeugt werden, die eine Wellenlänge im Grünlichtbereich oder im Blaulichtbereich aufweisen und jeweils in einem entsprechenden Einfallswin kelbereich T2, T3 auf die zweite oder dritte einkoppelnde Ablenkstruktur 24, 24 treffen. Die einzelnen Bilddaten B1 , B2, B3 können anschließend von einer Recheneinrichtung 30, die ebenfalls Teil der Kameravorrichtung 10 ist, zu dem Abbild U der Umgebung zusammengeführt werden. Die Rechenein richtung 30 kann dann beispielsweise ein Steuersignal S für eine Anzeigeein richtung 40, wie beispielsweise ein Display im Multimediainterface eines Kraftfahrzeugs ansteuern, sodass einem Nutzer oder Fahrer des Kraftfahr zeugs das Abbild U, durch das das vergrößerte Sichtfeld FOV dargestellt ist, angezeigt wird.
Fig. 3 zeigt eine alternative Ausgestaltung des Kameravorrichtung 10. Hier bei sind der Einkoppelbereich 21 und die Bilderfassungseinrichtung 12 ge genüberliegend an unterschiedlichen Oberflächen des Lichtleitmediums 20 angeordnet, wobei sich ihre Flächen vollständig überlappen. Das Lichtleit medium 20 dient somit als Trägermedium für den Einkoppelbereich 21 und die Bilderfassungseinrichtung 12. Anstelle des Weiterleitens mittels interner Reflexion, wird das Lichtleitmedium 20 in dieser Ausgestaltung von dem eingekoppelten Licht L1 , L2, L3 durchstrahlt. Somit kann das Licht L1 , L2,
L3, bevorzugt ohne umgelenkt zu werden, von dem Einkoppelbereich 21 an die Bilderfassungseinrichtung 12 übertragen oder weitergeleitet werden. Um in dieser Ausgestaltung das Überlagern von Licht L1 , L2, L3 unterschiedli cher Wellenlängen oder Einfallswinkelbereiche T1 , T2, T3 auf der Bilderfas sungseinrichtung 12, ist vorgesehen, dass jeder der drei Erfassungsbereiche 13, 14, 15 der Bilderfassungseinrichtung 12 entsprechend der jeweils zuge-
ordneten einkoppelnden Ablenkstruktur 23, 24, 25 wellenlängenselektiv und winkelselektiv ausgebildet sein.
Insgesamt zeigen die Beispiele, wie eine Multi-View-Kamera mit HOEs reali- siert werden kann.