BESCHREIBUNG
Farbversorgungssystem für eine Beschichtungsanlage und zugehöriges Betriebsverfahren
Die Erfindung betrifft ein Farbversorgungssystem für eine Beschichtungsanlage, insbesondere für eine Lackieranlage zur Lackierung von Kraftfahrzeugkarosseriebauteilen. Weiterhin betrifft die Er findung ein Betriebsverfahren für ein solches Farbversorgungssystem.
In modernen Lackieranlagen zur Lackierung von Kraftfahrzeugkarosseriebauteilen wird der Lack üb licherweise durch Ringleitungen zu den Verbrauchern (z.B. Rotationszerstäuber) geleitet, wobei der Lack in den Ringleitungen zirkuliert, damit der Lack sich nicht absetzt. Die Verbraucher (z.B. Rotati onszerstäuber) entnehmen den Lack hierbei an einer Ringleitungsentnahmestelle über eine Stich leitung aus der Ringleitung. Problematisch hierbei ist die Tatsache, dass der Lack zwar in der Ring leitung zirkuliert, nicht aber in der Stichleitung. Falls also ein Verbraucher (z.B. Rotationszerstäuber) über einen längeren Zeitraum nicht verwendet wird, so steht der Lack in der zugehörigen Stichlei tung, was bei einem längeren Stillstand dazu führen kann, dass sich der Lack absetzt oder seine Viskosität ändert.
Eine bekannte Lösung dieses Problems besteht darin, die Stichleitungen nach einer bestimmten Stillstandsdauer automatisch zu leeren, was auch als Abziehen bezeichnet wird. Hierbei wird der in der Stichleitung befindliche Lack in eine Rückführung entsorgt. Diese bekannte Lösung des Prob lems ist jedoch nachteilig, weil sie mit Lackverlusten und zusätzlichem Aufwand verbunden ist.
Eine andere denkbare Lösung dieses Problems besteht darin, die Materialzirkulation bis in den Ver braucher (z.B. Rotationszerstäuber) fortzusetzen, so dass auf eine Stichleitung gänzlich verzichtet werden kann. Diese denkbare Lösung erfordert jedoch anstelle einer einzigen Stichleitung zwei Zir kulationsleitungen für Hinlauf und Rücklauf und ist deshalb wesentlich aufwändiger. Darüber hin aus erfordert dies bis zum Farbwechsler die doppelte Anzahl von Lackschläuchen, so dass aufgrund des begrenzten Bauraums die Anzahl möglicher Farbzuleitungen verringert wird.
Aus DE 10 2014004718 Al ist eine Lackieranlage bekannt, bei der bei einem Farbwechsel Lack aus der Stichleitung durch Molche zurück in die Ringleitung gedrückt werden kann, um die Farbwech-
selverluste zu minimieren. Dies hat jedoch nichts zu tun mit dem Absetzen des Lacks in der Stich leitung, sondern dient allein zur Rückgewinnung des in der Stichleitung verbliebenen Lacks.
Ferner ist zum technischen Hintergrund der Erfindung hinzuweisen auf DE 29 23 906 C2.
Der Erfindung liegt deshalb die Aufgabe zugrunde, ein entsprechend verbessertes Farbversorgungs- system und ein zugehöriges Betriebsverfahren zu schaffen.
Diese Aufgabe wird durch ein erfindungsgemäßes Farbversorgungssystem bzw. durch ein entspre chendes Betriebsverfahren gemäß den unabhängigen Ansprüchen gelöst.
Das erfindungsgemäße Farbversorgungssystem dient zur Versorgung einer Beschichtungsanlage mit einem Beschichtungsmittel, wobei es sich vorzugsweise um einen Lack handelt, der zur Lackie rung von Kraftfahrzeugkarosseriebauteilen eingesetzt wird. Die Erfindung ist jedoch hinsichtlich des Typs des Beschichtungsmittels nicht auf Lacke beschränkt, sondern grundsätzlich auch mit anderen Typen von Beschichtungsmitteln realisierbar. Darüber hinaus ist die Erfindung hinsichtlich des Typs der Beschichtungsanlage nicht auf Lackieranlagen zur Lackierung von Kraftfahrzeugkarosseriebau teilen beschränkt. Vielmehr kann das erfindungsgemäße Farbversorgungssystem auch eingesetzt werden, um Beschichtungsanlagen zu versorgen, die andere Typen von Bauteilen beschichten.
In Übereinstimmung mit dem Stand der Technik weist auch das erfindungsgemäße Farbversor gungssystem mindestens eine Ringleitung zur Zirkulation eines Beschichtungsmittels (z.B. Lack) auf. Derartige Ringleitungssysteme sind an sich aus dem Stand der Technik bekannt und beispielsweise in Pavel Svejda: „Prozesse und Applikationsverfahren in der industriellen Lackiertechnik", Vincentz- Verlag 2003 beschrieben. Hierbei ist zu erwähnen, dass in der Praxis üblicherweise mehrere Ring leitungen vorgesehen sind, in denen beispielsweise verschiedenfarbige Lacke zirkulieren. Im Fol genden wird jedoch zur Vereinfachung meist nur die Beschichtungsmittelentnahme aus einer ein zigen Ringleitung beschrieben. Es versteht sich jedoch, dass die Beschichtungsmittelentnahme in der Regel aus mehreren Ringleitungen erfolgt.
Die Entnahme des Beschichtungsmittels aus der Ringleitung erfolgt hierbei an einer Ringleitungs entnahmestelle, die über eine Stichleitung mit einem Verbraucher (z.B. Rotationszerstäuber) ver bunden ist.
An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass die Erfindung hinsichtlich des Verbrauchers nicht auf Zerstäu ber (z.B. Rotationszerstäuber) beschränkt ist. Bei dem Verbraucher kann es sich im Rahmen der Erfindung auch um ein anderes Bauteil oder eine Baugruppe handeln, die das Beschichtungsmittel benötigt.
Die Erfindung zeichnet sich nun dadurch aus, dass das eingangs beschriebene störende Absetzen des Beschichtungsmittels in der Stichleitung verhindert wird. Hierzu weist das erfindungsgemäße Farbversorgungssystem eine Einrichtung auf, die das Beschichtungsmittel in der Stichleitung ab wechselnd vorwärts und rückwärts bewegt, um das Absetzen des Beschichtungsmittels in der Stich leitung zu vermeiden.
Dieses Vorwärts- und Rückwärtsbewegen des Beschichtungsmittels in der Stichleitung kann in ver schiedenen Erfindungsvarianten unterschiedlich erfolgen. Im Folgenden wird zunächst eine erste Erfindungsvariante beschrieben, die hierzu Druckstöße über die Ringleitung in die Stichleitung ein leitet, die in der Stichleitung reflektiert werden, was zu dem Vorwärts- und Rückwärtsbewegen des Beschichtungsmittels in der Stichleitung führt.
In dieser ersten Erfindungsvariante entnimmt der Verbraucher (z.B. Rotationszerstäuber) das Be schichtungsmittel an einer Stichleitungsentnahmestelle aus der Stichleitung, wobei die Stichleitung stromabwärts hinter der Stichleitungsentnahmestelle geschlossen ist und an ihrem Ende ein Polster eines kompressiblen Mediums (z.B. Luftpolster) enthält, das Druckstöße aus der Druckleitung re flektiert und dadurch das in der Stichleitung stehende Beschichtungsmittel abwechselnd vorwärts und rückwärts bewegt.
Die Druckstöße in der Stichleitung werden bei dieser ersten Erfindungsvariante durch einen Druckerzeuger (z.B. Beschichtungsmittelpumpe) erzeugt, der das Beschichtungsmittel durch die Ringleitung pumpt. Dieser Druckerzeuger wird dann von einer Steuereinheit so angesteuert, dass der Druck in der Stichleitung ruckartig schwankt. Dies kann beispielsweise dadurch erfolgen, dass der Druckerzeuger (z.B. Beschichtungsmittelpumpe) abwechselnd ein- und ausgeschaltet wird. Dadurch werden zunächst in der Ringleitung Druckstöße erzeugt, die sich dann über die Stichleitung ausbreiten und am Ende der Stichleitung reflektiert werden, was dann zu dem Vorwärts- und Rück wärtsbewegen des Beschichtungsmittels in der Stichleitung führt.
Die erwünschte Reflexion der Druckstöße am Ende der Stichleitung erfolgt vorzugsweise durch ein Polster eines kompressiblen Mediums (z.B. Luftpolster) am Ende der Stichleitung, wobei das Polster
vorzugsweise ein Volumen aufweist, das 10%-150%, 20%-130% oder 30%-110% des Volumens der Stichleitung beträgt. Der Vollständigkeit halber ist jedoch auch zu erwähnen, dass auf das Polster im Rahmen der Erfindung auch verzichtet werden kann.
Weiterhin ist zu erwähnen, dass die Beschichtungsmittelsäule in der Stichleitung zusammen mit dem elastischen Polster am Ende der Stichleitung ein schwingungsfähiges System bildet, das eine bestimmte Eigenfrequenz hat. Die Schwingungsanregung durch den Druckerzeuger erfolgt dann vorzugsweise mit der Eigenfrequenz oder zumindest nahe der Eigenfrequenz dieses schwingungs fähigen Systems, um die Beschichtungsmittelsäule in der Stichleitung möglichst intensiv vorwärts und rückwärts zu bewegen. Falls der Druckerzeuger (z.B. Beschichtungsmittelpumpe) zur Erzeu gung der Druckstöße abwechselnd ein- und ausgeschaltet wird, so erfolgt dieses Ein- bzw. Ausschal ten vorzugsweise mit einer Schaltfrequenz, die der Eigenfrequenz des schwingungsfähigen Systems entspricht, das durch die Beschichtungsmittelsäule in der Stichleitung und das Polster am Ende der Stichleitung gebildet wird. Beispielsweise kann die Abweichung zwischen der Anregungsfrequenz der Schwingungsanregung durch den Druckerzeuger (z.B. Beschichtungsmittelpumpe) einerseits und der Eigenfrequenz des schwingungsfähigen Systems aus der Beschichtungsmittelsäule in der Stichleitung und dem Polster am Ende der Stichleitung andererseits kleiner sein als 20%, 10%, 5% oder 2%.
Das erwünschte Vorwärts- und Rückwärtsbewegen des Beschichtungsmittels in der Stichleitung kann jedoch in einer zweiten Erfindungsvariante auch anders erfolgen, so dass nachfolgend nun diese zweite Erfindungsvariante beschrieben wird.
Bei der zweiten Erfindungsvariante mündet die Stichleitung in eine Ventilanordnung, die ausgangs seitig zum einen an den Verbraucher (z.B. Rotationszerstäuber) und zum anderen an ein Reservoir angeschlossen ist. In einer ersten Betriebsart leitet die Ventilanordnung das über die Stichleitung zugeführte Beschichtungsmittel dann zu dem Verbraucher, so dass der Verbraucher das Beschich tungsmittel beispielsweise applizieren kann. In einer zweiten Betriebsart leitet die Ventilanordnung das Beschichtungsmittel dagegen abwechselnd aus der Stichleitung in das Reservoir oder aus dem Reservoir zurück in die Stichleitung. Dadurch wird erreicht, dass das in der Stichleitung stehende Beschichtungsmittel abwechselnd vorwärts und rückwärts bewegt wird.
In einer Ausführungsform dieser zweiten Erfindungsvariante weist das Reservoir eine Molchleitung auf, die einen verschiebbaren Molch enthält und von der Ventilanordnung zu einer Molchstation führt. Die Rückführung des Beschichtungsmittels aus dem Reservoir zurück in die Stichleitung kann
hierbei durch einen Molch erfolgen, der das Beschichtungsmittel zurück in die Stichleitung drückt, indem der Molch von der Molchstation ausgehend in Richtung der Ventilanordnung gedrückt wird. Derartige Molche und Molchstationen sind an sich aus dem Stand der Technik bekannt und müssen deshalb nicht näher beschrieben werden.
Die Molchleitung kann beidseitig eine Molchstation aufweisen, so dass die Bewegung des Beschich tungsmittels in beiden Richtungen von Molchen angetrieben wird. Es besteht jedoch alternativ auch die Möglichkeit, dass die Molchleitung nur an ihrem distalen Ende eine Molchstation aufweist. In diesem Fall wird nur die Rückführung des Beschichtungsmittels aus der Molchleitung in die Stich leitung von einem Molch angetrieben.
Bei der Ausführungsform mit zwei Molchstationen an den gegenüberliegenden Enden der Molch leitung ist die proximale Molchstation über eine Verbindungsleitung mit der Ventilanordnung ver bunden. Hierbei ist es vorteilhaft, wenn die Verbindungsleitung einen kleineren Leitungsquer schnitt aufweist als die Molchleitung.
Weiterhin ist zu erwähnen, dass an die Ventilanordnung auch zwei oder mehr Molchleitungen an geschlossen sein können, die jeweils ein Reservoir bilden und jeweils zu einer Molchstation führen.
Im Betrieb kann dann zunächst das in der Stichleitung stehende alte Beschichtungsmittel in die erste Molchleitung überführt werden. Anschließend wird dann die zweite Molchleitung mit fri schem Beschichtungsmittel aus der Ringleitung befüllt. Im nächsten Schritt wird dann das in die erste Molchleitung überführte alte Beschichtungsmittel in die Stichleitung und dann in die Ringlei tung zurückgedrückt. Im letzten Schritt wird dann das in die zweite Molchleitung überführte frische Beschichtungsmittel zurück in die Stichleitung gedrückt. Im Ergebnis wird dadurch das in der Stich leitung stehende Beschichtungsmittel nicht nur bewegt, sondern ganz oder zumindest teilweise mit frischem Beschichtungsmittel aus der Ringleitung ausgetauscht.
Weiterhin ist zu erwähnen, dass die Ventilanordnung einen Farbwechsler (z.B. Linearfarbwechsler) aufweisen kann, der eingangsseitig über jeweils eine Stichleitung an mehrere Ringleitungen für un terschiedliche Beschichtungsmittel angeschlossen ist. Hierbei zirkulieren in den verschiedenen Ringleitungen üblicherweise Beschichtungsmittel mit unterschiedlichen Farben, wobei der Farb wechsler dann eingangsseitig die gewünschte Farbe auswählen kann, was an sich aus dem Stand der Technik hinlänglich bekannt ist. Beispielsweise ist ein solcher Linearfarbwechsler aus DE 10 2008015 258 Al bekannt.
Die Ventilanordnung weist hierbei vorzugsweise einen Beschichtungsmittelausgang auf, der mit dem Verbraucher verbunden ist.
Darüber hinaus kann die Ventilanordnung einen Pulslufteingang und einen Spülmitteleingang auf weisen, um Pulsluft bzw. Spülmittel zuzuführen, wobei die Zuführung durch ein steuerbares Pulsluftventil bzw. durch ein steuerbares Spülmittelventil gesteuert werden kann.
Ferner kann die Ventilanordnung einen Rückführanschluss aufweisen, um Medien (z.B. Beschich tungsmittel, Spülmittel) in eine Rückführung zurückzuführen, wobei der Materialfluss in die Rück führung durch ein steuerbares Rückführventil gesteuert werden.
Darüber hinaus kann die Ventilanordnung einen Reservoiranschluss aufweisen, der mit dem vor stehend erwähnten Reservoir (z.B. Molchleitung) verbunden ist. Der Materialfluss durch den Re servoiranschluss in das Reservoir und zurück kann hierbei durch ein steuerbares Reservoirventil gesteuert werden.
Weiterhin kann die Ventilanordnung Auswahlventile aufweisen, um das Spülmittel und die Pulsluft wahlweise weiterzuleiten durch den Reservoiranschluss in das Reservoir, durch den Rückführan schluss in die Rückführung oder durch den Beschichtungsmittelausgang zu dem Verbraucher.
Es wurde bereits vorstehend kurz erwähnt, dass es sich bei dem Verbraucher vorzugsweise um ei nen Zerstäuber (z.B. Rotationszerstäuber) handelt, der beispielsweise von einem mehrachsigen La ckierroboter bewegt werden kann, wie es an sich aus dem Stand der Technik bekannt ist. Derartige Lackierroboter sind üblicherweise als Knickarmroboter mit einem proximalen Roboterarm und ei nem distalen Roboterarm ausgebildet. Die vorstehend erwähnte Ventilanordnung kann hierbei in oder an dem proximalen Roboterarm oder im distalen Roboterarm angebracht sein.
Darüber hinaus ist zu erwähnen, dass das vorstehend erwähnte Reservoir (z.B. Molchleitung) vor zugsweise ein hinreichend großes Volumen aufnimmt, das vorzugsweise 10%-150%, 20%-130% o- der 30%-110% des Volumens der Stichleitung beträgt.
Ferner ist zu erwähnen, dass zwischen der vorstehend erwähnten Ventilanordnung und dem Ver braucher (z.B. Rotationszerstäuber) eine Dosierpumpe angeordnet sein kann.
Weiter ist zu erwähnen, dass die Erfindung nicht nur Schutz beansprucht für das vorstehend be schriebene erfindungsgemäße Farbversorgungssystem. Vielmehr beansprucht die Erfindung auch Schutz für eine Lackieranlage mit einem solchen Farbversorgungssystem, wobei die Lackieranlage beispielsweise zur Lackierung von Kraftfahrzeugkarosseriebauteilen dienen kann.
Schließlich beansprucht die Erfindung auch Schutz für ein entsprechendes Betriebsverfahren. Die einzelnen Schritte des erfindungsgemäßen Betriebsverfahrens gehen bereits aus der vorstehenden Beschreibung des erfindungsgemäßen Farbversorgungssystems hervor, so dass hinsichtlich des Be triebsverfahrens zur Vermeidung von Wiederholungen auf die vorstehende Beschreibung verwie sen wird.
Die Erfindung umfasst deshalb auch eine Steuereinheit, die die Komponenten des erfindungsgemä ßen Farbversorgungssystems (z.B. Lackpumpe, Rückleitungsventil der Ringleitung, Farbwechsler- ventile) so ansteuert, dass das erfindungsgemäße Betriebsverfahren ausgeführt wird. Hierzu kann die Steuereinheit einen Steuerrechner aufweisen, auf dem ein Steuerprogramm gespeichert ist, welches das erfindungsgemäße Betriebsverfahren ausführt.
Andere vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen gekennzeichnet oder werden nachstehend zusammen mit der Beschreibung der bevorzugten Ausführungsbeispiele der Erfindung anhand der Figuren näher erläutert. Es zeigen:
Figur 1 eine schematische Darstellung eines erfindungsgemäßen Farbversorgungssystems gemäß einer ersten Erfindungsvariante,
Figur 2 eine schematische Darstellung eines erfindungsgemäßen Farbversorgungssystems gemäß einer zweiten Erfindungsvariante,
Figur 3A eine schematische Darstellung eines weiteren erfindungsgemäßen Farbversor gungssystems gemäß der zweiten Erfindungsvariante,
Figur 3B eine Detaildarstellung der Ventilanordnung des Farbversorgungssystems gemäß Fi gur 3A, sowie
Figur 4 das erfindungsgemäße Betriebsverfahren in Form eines Flussdiagramms.
Im Folgenden wird nun zunächst das Ausführungsbeispiel gemäß Figur 1 beschrieben, das einer ersten Erfindungsvariante entspricht.
Dieses erfindungsgemäße Farbversorgungssystem weist zunächst in herkömmlicher Weise einen Lackbehälter 1 auf, der mit Lack 2 befüllt ist. Der Lack 2 wird hierbei von einer Lackpumpe 3 aus dem Lackbehälter 1 entnommen und durch eine Ringleitung 4 gepumpt, was an sich aus dem Stand der Technik hinlänglich bekannt ist.
Die Lackpumpe 3 wird hierbei von einer Steuereinheit 5 angesteuert, wobei die Steuerleitung 5 die Förderleistung der Lackpumpe 3 variieren und die Lackpumpe 3 an- und ausschalten kann.
Die Ringleitung 5 mündet dann wieder in den Lackbehälter 1, wobei am Ende der Ringleitung 4 ein steuerbares Rückleitungsventil 6 angeordnet ist, das von einer Steuereinheit 7 angesteuert wird. Die beiden Steuereinheiten 5 und 7 können hierbei getrennt ausgebildet oder Bestandteil eines gemeinsamen Steuersystems sein.
Weiterhin ist zu erwähnen, dass anstelle des gesteuerten Rückleitungsventils 7 auch ein herkömm liches Gegendruckventil vorgesehen sein kann, das in der Ringleitung 4 stromaufwärts vor dem Ge genruckventil einen konstanten Beschichtungsmitteldruck einstellt, was ebenfalls aus dem Stand der Technik hinlänglich bekannt ist. Ein Beispiel für ein solches Ringleitungssystem mit einem Ge gendruckregler ist aus US 7 828 527 B2 bekannt.
Darüber hinaus zeigt die Zeichnung einen Rotationszerstäuber 8, der hier nur schematisch darge stellt ist und den zu applizierenden Lack über eine Stichleitung 9 an einer Ringleitungsentnahme stelle 10 aus der Ringleitung 4 entnimmt. Die Lackapplikation durch den Rotationszerstäuber wird hierbei durch ein nur schematisch dargestelltes Hauptventil 11 gesteuert.
Im Gegensatz zum Stand der Technik ist die Stichleitung 9 hierbei durch den Rotationszerstäuber 8 hindurchgeführt, wobei der Rotationszerstäuber 8 den zu applizierenden Lack an einer Stichlei tungsentnahmestelle 12 aus der Stichleitung 9 entnimmt.
Weiterhin ist zu erwähnen, dass die Stichleitung 9 an ihrem Ende geschlossen ist und dort ein Luft polster 13 enthält, das dazu dient, Druckstöße zu reflektieren, wie nachfolgend beschrieben wird.
Falls der Rotationszerstäuber 8 nämlich keinen Lack aus der Stichleitung 9 entnimmt, so steht der
Lack in der Stichleitung 9. Es besteht dann die Gefahr, dass sich der Lack in der Stichleitung 9 absetzt oder bei längeren Stillstandszeiten seine Viskosität ändert, was ebenfalls unerwünscht ist. Die Er findung sieht deshalb vor, dass der Lack in der Stichleitung 9 in solchen Stillstandszeiten vorwärts und rückwärts bewegt wird, um das störende Absetzen des Lacks in der Stichleitung zu verhindern. Hierzu steuert die Steuereinheit 5 die Lackpumpe 3 so an, dass die Lackpumpe 3 abwechselnd an- und ausgeschaltet wird. Dies erzeugt zunächst in der Ringleitung 4 Druckstöße, die sich dann über die Stichleitung 9 bis zum Ende der Stichleitung 9 fortpflanzen, wo die Druckstöße dann an dem elastischen Luftpolster 13 reflektiert werden. Dies hat zur Folge, dass der in der Stichleitung 9 ste hende Lack abwechselnd vorwärts und rückwärts bewegt wird.
Hierbei ist zu erwähnen, dass das Farbversorgungssystem mit der Lacksäule in der Stichleitung 9 und dem elastischen Luftpolster 13 ein schwingungsfähiges System bildet. Zur Erreichung einer möglichst intensiven Rückwärts- und Vorwärtsbewegung des Lacks in der Stichleitung sollte die An- regungsfequenz der Druckstöße an die Eigenfrequenz des schwingungsfähigen Systems angepasst werden. Hierzu steuert die Steuereinheit 5 die Lackpumpe 3 mit einer entsprechenden Anregungs frequenz an.
Im Folgenden wir nun eine zweite Erfindungsvariante beschrieben, die in Figur 2 dargestellt ist. Teilweise stimmt diese Erfindungsvariante jedoch mit der vorstehend beschriebenen ersten Erfin dungsvariante überein. Zur Vermeidung von Wiederholungen wird deshalb ergänzend auch auf die vorstehende Beschreibung der ersten Erfindungsvariante verwiesen, wobei für entsprechende Ein zelheiten dieselben Bezugszeichen verwendet werden.
Diese zweite Erfindungsvariante zeichnet sich zunächst durch einen Farbwechsler 14 aus, der ein gangsseitig mehrere Farbventile Fl-Fn aufweist, die an jeweils eine Ringleitung angeschlossen sind. Zur Vereinfachung ist hierbei nur die Ringleitung 4 dargestellt, die über die Stichleitung 9 mit dem Farbventil Fl des Farbwechslers 14 verbunden ist. Tatsächlich sind jedoch auch die anderen Farb ventile F2-Fn des Farbwechslers 14 über jeweils eine nicht dargestellte Stichleitung mit jeweils einer nicht dargestellten Ringleitung verbunden.
Darüber hinaus weist der Farbwechsler einen Beschichtungsmittelausgang 15 auf, an dem der Ro tationszerstäuber 8 angeschlossen ist.
Weiterhin verfügt der Farbwechsler 14 über einen Spülmittelanschluss 16 zur Zuführung von Spül mittel, wobei die Spülmittelzufuhr über den Spülmittelanschluss 16 durch ein Spülmittelventil V in
dem Farbwechsler 14 gesteuert wird.
Ferner verfügt der Farbwechsler 14 über einen Pulsluftanschluss 17 zur Zuführung von Pulsluft, wo bei die Pulsluftzufuhr über den Pulsluftanschluss 17 durch ein Pulsluftventil PLI in dem Farbwechs ler 14 gesteuert wird.
Weiterhin verfügt der Farbwechsler 14 über einen Rückführanschluss 18 zur Rückführung von Me dien (Spülmittel, Pulsluft, Lack) in eine Rückführung 19, wobei der Materialstrom in die Rückführung 19 durch ein Rückführventil RF2 in dem Farbwechsler 14 gesteuert wird.
Diese Erfindungsvariante zeichnet sich nun dadurch aus, dass der Farbwechsler 14 zusätzlich ein Reservoirventil VRE aufweist, um in der Stichleitung 9 stehenden Lack in ein Reservoir leiten zu können. Das Reservoir wird hierbei durch zwei Molchleitungen 20, 21 gebildet, die an ihrem dista len Ende in jeweils eine Molchstation 22, 23 münden. In den Molchleitungen 20, 21 ist jeweils ein Molch 24, 25 verschiebbar, wobei die Bewegung der Molche 24, 25 von den Molchstationen 22, 23 in Richtung des Farbwechslers 14 durch Druckluft erfolgt, wie es an sich aus dem Stand der Technik bekannt ist.
Im Folgenden wird nun kurz die Betriebsweise dieser zweiten Erfindungsvariante beschrieben.
Falls der Rotationszerstäuber 8 über einen längeren Zeitraum stillsteht und somit keinen Lack be nötigt, so besteht die Gefahr, dass sich der in der Stichleitung 9 stehende Lack absetzt oder zumin dest seine Viskosität ändert. In diesem Fall wird dann zunächst das Reservoirventil VRE geöffnet, und der in der Stichleitung 9 stehende alte Lack wird in die Molchleitung 20 überführt.
In einem zweiten Schritt wird dann frischer Lack aus der Ringleitung 4 durch das Reservoirventil VRE in die andere Molchleitung 21 überführt.
Im nächsten Schritt drückt der Molch 24 dann den in der Molchleitung 20 befindlichen alten Lack zurück in die Stichleitung 9 und schließlich auch in die Ringleitung 4.
In einem weiteren Schritt drückt dann der Molch 25 den in der Molchleitung 21 befindlichen fri schen Lack zurück in die Stichleitung 9.
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Im Ergebnis wird also der in der Stichleitung 9 stehende alte Lack vollständig oder zumindest teil weise durch frischen Lack aus der Ringleitung 4 ausgetauscht.
Im Folgenden wird nun das Ausführungsbeispiel gemäß den Figuren 3A und 3B beschrieben, das ebenfalls der zweiten Erfindungsvariante entspricht und eine Abwandlung des Ausführungsbei spiels gemäß Figur 2 ist. Zur Vermeidung von Wiederholungen wird deshalb ergänzend auf die vor stehende Beschreibung verwiesen, wobei für entsprechende Einzelheiten dieselben Bezugszeichen verwendet werden.
Zunächst ist zu erwähnen, dass der Farbwechsler 14 hierbei als Linearfarbwechsler ausgebildet ist und in einem distalen Roboterarm 26 eines Lackierroboters angeordnet ist. Der Farbwechsler 14 weist hierbei zwei Ventilbaugruppen 14.1, 14.2 auf, die entlang der Doppelpfeile relativ zueinander verschiebbar sind, um eines der Farbventile Fl-Fn der Ventilbaugruppe 14.1 zur Materialentnahme auszuwählen.
Der Beschichtungsmittelausgang 15 der Ventilbaugruppe 14.2 des Farbwechslers 14 ist hierbei über eine Dosierpumpe 27 mit dem Rotationszerstäuber 8 verbunden, wobei die Materialabgabe durch den Rotationszerstäuber 8 durch ein herkömmliches Hauptnadelventil HNA in dem Rotationszer stäuber 8 gesteuert wird.
Darüber hinaus weist der Rotationszerstäuber 8 hierbei ein Rückführventil RF1A und ein Kurzspül ventil KS auf, wie es an sich aus dem Stand der Technik bekannt ist.
Die Ventilbaugruppe 14.2 weist hierbei ebenfalls ein Reservoirventil LFB auf, das dem Reservoir ventil VRE gemäß Figur 2 entspricht. Das Reservoirventil LFB ermöglicht es, den in der Stichleitung 9 stehenden Lack in ein Reservoir zu leiten, das aus einer Verbindungsleitung 28 und einer Molch leitung 29 besteht, wobei die Molchleitung 29 einen größeren Leitungsquerschnitt aufweist als die Verbindungsleitung 28. Die Molchleitung 29 führt zu einer nicht dargestellten Molchstation, die es ermöglicht, den in das Reservoir überführten Lack wieder in die Stichleitung 9 zurückzudrücken, wie es bereits vorstehend in Bezug auf Figur 2 beschrieben wurde.
Darüber hinaus weist die Ventilbaugruppe 14.2 noch Auswahlventile LVPLA, LVPLB, LSV auf, die es ermöglichen, das Spülmittel und die Pulsluft wahlweise in das Reservoir (d.h. die Verbindungslei tung 28 und die Molchleitung 29), in die Rückführung 19 oder zu dem Rotationszerstäuber 8 zu leiten.
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Im Folgenden wird nun das Flussdiagramm gemäß Figur 4 beschrieben, welches das erfindungsge mäße Betriebsverfahren gemäß der ersten Erfindungsvariante in schematischer Form zeigt.
In einem Schritt S1 wird der Lack in der Ringleitung 4 zirkuliert.
In einem Schritt S2 erfolgt dann eine Entnahme des Lacks aus der Ringleitung 4 in die Stichleitung 9 zu dem Rotationszerstäuber 8. Im nächsten Schritt S3 wird der Lack dann durch die Stichleitung 9 zu dem Rotationszerstäuber 8gefördert.
In einem Schritt S4 wird dann laufend überprüft, ob ein längerer Stillstand vorliegt, in dem der Ro tationszerstäuber 8 keinen Lack benötigt.
Falls dies der Fall ist, so wird der Lack in der Stichleitung 9 in einem Schritt S5 abwechselnd vorwärts und rückwärts bewegt, um ein Absetzen des Lack in der Stichleitung zu vermeiden.
Die Erfindung ist nicht auf die vorstehend beschriebenen bevorzugten Ausführungsbeispiele be schränkt. Vielmehr ist eine Vielzahl von Varianten und Abwandlungen möglich, die ebenfalls von dem Erfindungsgedanken Gebrauch machen und deshalb in den Schutzbereich fallen. Insbesondere beansprucht die Erfindung auch Schutz für den Gegenstand und die Merkmale der Unteransprüche unabhängig von den jeweils in Bezug genommenen Ansprüchen und insbesondere auch ohne die Merkmale des Hauptanspruchs. Die Erfindung umfasst also verschiedene Erfindungsaspekte, die unabhängig voneinander Schutz genießen.
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Bezugszeichenliste:
1 Lackbehälter
2 Lack
3 Lackpumpe
4 Ringleitung
5 Steuereinheit für Lackpumpe
6 Rückleitungsventil
7 Steuereinheit für Rückleitungsventil
8 Rotationszerstäuber
9 Stichleitung
10 Ringleitungsentnahmestelle
11 Hauptventil im Rotationszerstäuber
12 Stichleitungsentnahmestelle
13 Luftpolster am Ende der Stichleitung
14 Farbwechsler
14.1, 14.2 Ventilbaugruppen des Farbwechslers
15 Beschichtungsmittelausgang des Farbwechslers
16 Spülmittelanschluss des Farbwechslers
17 Pulsluftanschluss des Farbwechslers
18 Rückführanschluss des Farbwechslers
19 Rückführung
20, 21 Molchleitungen 22, 23 Molchstationen
24, 25 Molche
26 Roboterarm
27 Dosierpumpe
28 Verbindungsleitung
29 Molchleitung
14.1, 14.2 Ventilbaugruppen des Farbwechslers Fl-Fn Farbventile des Farbwechslers
HNA Hauptnadelventil im Rotationszerstäuber
KS Kurzspülventil im Rotationszerstäuber
LFB Reservoirventil
LVPLA Auswahlventil
LVPLB Auswahlventil
LSV Auswahlventil
PL Pulsluftventil
PLI Pulsluftventil RF1A Rückführventil im Rotationszerstäuber RF2 Rückführventil des Farbwechslers V Spülmittelventil des Farbwechslers
VRE Reservoirventil des Farbwechslers