Flyerflügel
Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf einen Flyerflügel mit zwei Flügelarmen und einem geschlossenen, ein geradlini¬ ges Führungsrohr umfassenden Führungskanal für ein Vorgarn, welches an einer Spinnstelle einer Vorspinnmaschine von einem Streckwerk durch den Führungskanal über einen Press¬ finger geführt ist, welcher an seinem freien Ende einen Garnführer aufweist.
Durch die britische Patentschrift Nr. 380 745 ist ein Spinn- flügel bekannt, bei. welchem zwei Flügelarme durch Stahlrohre gebildet sind, und welcher zwei zusätzliche Hilfsarme be¬ sitzt. Die unteren Enden dieser vier Arme sind durch einen horizontalen Ring versteift. Vom Standpunkt der Festigkeit aus gesehen, lassen sich bei diesem Flügel grosse Umdre- hungsgeschwindigkeiten erreichen. Bei diesem Spinnflügel ist aber kein Pressfinger vorgesehen,' sodass die Ablage des Vor¬ garns auf die Hülse ungesteuert und dadurch mit ungenügender Exaktheit erfolgt. Ausserdem ist der Kanal für das Vorgarn teilweise offen, was für die Qualität desselben nachteilig ist.
In einer durch die deutsche Auslegeschrift Nr. 1'685'910be-
kannten Ausführung eines Flyerflügels ist dieser als offener Flügel ausgebildet. Der das Vorgarn führende Flügelarm oder beide Flügelarme weisen ein inneres Stahlrohr auf, welches von Aluminimum umhüllt ist, wobei vor allem eine Versteifung des Flügels bezweckt wird. Für den zum Führen des Vorgarns verwendeten Pressfinger ist eine spezielle Presserstange vorgesehen. Durch diese Presserstange ergibt sich ein zu¬ sätzliches Gewicht, welches (aus Gründen der Symmetrie) am andern Arm kompensiert sein muss und sich deshalb verdoppelt Das Fehlen des horizontalen Ringes bedingt bei dieser zweit¬ genannten, bekannten Ausführung den Nachteil, dass sich der gegenseitige Abstand der untern Enden der Flügelarme bei hohen Rotationsgeschwindigkeiten des Spinnflügels ausweitet. Als Folge davon leidet die Qualität des Vorgarns und dessen Aufwicklung auf die Hülse ist nicht mehr sauber und gleich- massig. Durch das Ausweiten der Flügelarme entsteht ausser- dem die Gefahr von Flügelbrüchen und damit für das Personal die Gefahr von Verletzungen.
Diese Nachteile sollen gemäss vorliegender Erfindung ver¬ mieden werden. Diese ist dadurch gekennzeichnet, dass die untern Enden der Flügelarme mit einem Ring zusammengebaut sind, dass das geradlinige Führungsrohr von einem obern und einem untern Schwenklager getragen und um seine Längsachse schwenkbar gelagert ist, und dass der Pressfinger mit dem Führungsrohr fest verbunden ist.
Es ist offensichtlich, dass durch. das Vorsehen des horizon¬ talen Ringes dem Flyerflügel merklich weniger Gewicht beige- fügt wird, als bei weggelassenem horizontalem Ring zum Ver¬ stärken der Flügelarme diesen zugegeben werden muss. Auf Grund der Tatsache, dass das Führungsrohr keine tragende Funktion ausübt, ergibt sich als weiterer Vorteil, dass es aus irgendeinem gewünschten Material, z.B. auch teilweise
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aus Keramik, hergestellt sein kann.
Im folgenden seien die Erfindung und weitere Vorteile der¬ selben anhand eines Ausführungsbeispiels und der Zeichnung näher erläutert. In der letzteren ist
Fig. 1 ein Querschnitt eines von der Seite gesehenen Flyerflügels,
Fig. 2 ein horizontaler Schnitt am Orte der Linie II-II der Fig. 1 in vergrösserter Darstellung.
Gleiche Bezugszeichen in den beiden Figuren bezeichnen gleiche Teile.
Der in Fig. 1 gezeigte Flyerflügel weist einen mit einer Bohrung 11 versehenen Hohlzylinder 12 auf, welcher in einem nicht gezeigten Lager drehbar gelagert ist. Von diesem Zy¬ linder 12 erstreckt sich ein einen rohrförmigen Zuführungs- kanal 13 aufweisender Armteil 14. Dieser bildet, zusammen mit einem in Fig. 1 nicht sichtbaren aber in Fig. 2 gezeig¬ ten, senkrechten Armteil 15, als feste Einheit den einen Flügelarm 14,15 des Flyerflügels. Vom Hohlzylinder 12 er¬ streckt sich ausserdem ein aus einem schrägen und einem senkrechten Teil bestehender, zweiter Flügelarm 16.
Die untern Enden des Armes 14,15 und des Armes 16 sind mit einem horizontalen Ring 17 zusammengebaut. Im gezeigten Beispiel ist der Arm 16 mittels einer Schraube 18 mit dem Ring 17 fest verbunden, aber, jede Art von Befestigung, wie auch z.B. das Giessen in einem einzigen Stück, kommt im Rah¬ men dieser Erfindung in Frage.
Ein Führungsrohr 22 ist von einem oberen Schwenklager 20 und
von einem untern Schwenklager 21 getragen. Das obere Schwen lager 20 ist am Armteil 14 festgemacht. Das untere Schwenk¬ lager 21 ist im gezeigten Beispiel in ,den Ring 17 eingebaut Die Lager 20,21 sind in bezug auf das Führungsrohr 22 in de Weise angeordnet, dass die Schwenkungen des Rohres 22 um seine Längsachse 23 erfolgen. Vorteilhafterweise besitzt de Zuführungskanal 13 eine kurze rόhrförmige Verlängerung, welche zum Bilden des obern Lagers 20 sich in das Führungs¬ rohr 22 erstreckt. Statt, wie in Fig. 1 gezeigt, das untere Lager 21 in den Ring 17 einzubauen, kann es beispielsweise auch an einem sich zum Ort des Lagers 21 hin erstreckenden Glied angebracht sein, welches sich am untern Ende des untern Armteils 15 befindet.
Ein Pressfinger 25 ist mit dem Führungsrohr 22 fest verbun¬ den. Er weist an seinem freien Ende einen Garnführer 26 für das Vorgarn auf, welcher mit einer Oese 27 versehen ist. Ei gebogenes Rohr 30 bildet eine Fortsetzung des Führungsrohrs 22. Sein freies Ende ist gegen den Vorgarnführer 26 hin gerichtet. Die Bohrung 11, der Zuführungskanal 13, das Führungsrohr 22 und das gebogene Rohr 30 bilden zusammen einen Führungskanal für das sich im Betrieb des Flyerflügel bildende Vorgarn. Das Rohr 30 ist im gezeigten Beispiel am Pressfinger 25 befestigt.
Für den Spinnvorgang ist für jede Spinnstelle eine nicht gezeichnete Spindel vorgesehen, deren Rotationsachse mit de Rotationsachse 31 des entsprechenden Flyerflügels zusammen¬ fällt. Mittels eines durch eine Schraubenfeder 32 gebildete Vorspannelementes ist das Führungsrohr 22 und damit der mit ihm feste Pressfinger 25 in der Richtung gegen die Achse 31, d.h. gegen die nicht gezeichnete Spindel hin, einer dauern¬ den Vorspannung unterworfen.
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Das Führungsrohr 22 ist ausserdem mit einem Gegengewicht 33 verbunden, welches ebenfalls mit dem Führungsrohr 22 um dessen Längsachse 23 schwenkbar ist. Während der Rotation des Flyerflügels ist das Gegengewicht 33 einer nach aussen gerichteten Fliehkraft unterworfen. Dadurch wird ein Dreh¬ moment erzeugt, welches dem vom Pressfinger 25 erzeugten entgegengerichtet ist. Dadurch wird der Pressfinger 25 durch das Gegengewicht 33 im gleichen Drehsinn an die Spindel angedrückt, wie dies durch die Schraubenfeder 32 der Fall ist. Das vom Gegengewicht 33 erzeugte Drehmoment und die durch die Feder 32 erzeugte Vorspannung sind bestrebt, das Führungsrohr 22 gemäss der Ansicht der Fig. 2 im Uhrzeiger¬ sinn zu drehen. Ein Anschlagorgan 34 dient zur Begrenzung einer solchen Bewegung. Es ist im gezeigten Beispiel als Schraube ausgebildet, welche im Armteil 15 angebracht ist. Durch Verdrehen der Schraube 34 kann somit die eine Endlage der Verschwenkung des Pressfingers 25 beliebig eingestellt werden.
im Betrieb wird die Faserlunte von einem nicht gezeichneten Streckwerk durch den Führungskanal geführt, welcher, wie be¬ reits erwähnt, die Bohrung 11, den Zuführungskanal 13, das Führungsrohr 22 und das gebogene Rohr 30 umfasst. Gleich¬ zeitig wird durch die Rotation des Flyerflügels der vom Streckwerk gelieferten Faserlunte dauernd eine Drehung erteilt, sodass beim Austreten aus dem Rohr 30 ein Vorgarn vorliegt, welches mittels des Pres'sfingers 25 auf die zur Achse 31 konzentrische, im Vorherigen erwähnte, nicht ge¬ zeichnete Spindel als Vorgarn aufgespult wird. Während des Spinnvorgangs ist auch die Spindel einer dauernden Rotation um ihre eigene Achse, welche mit der Achse 31 identisch ist, unterworfen. Zusätzlich wird sie relativ zum Flyerflügel auf- und abbewegt. Dabei ist der Pressfinger 25 dauernd gegen die Spindel, bzw. eine auf dieser angebrachten Hülse
hin vorgespannt, bzw. an diese, angedrückt und legt auf dies Vorgarnwindungen zu einer Wicklung auf. Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass in den Patenansprüchen der einfacheren Ausdrucksweise wegen der Ausdruck "Vorgarn" gebraucht wird, obwohl es sich um einen Spinnvorgang handel bei welchem unmittelbar nach dem Verlassen des Streckwerkes d.h. vor dem Eintreten in die Bohrung 11, ein eine bestimmt Drehung aufweisendes Vorgarn noch nicht vorliegt.
Nach dem Austreten des Vorgarns aus dem gebogenen Rohr 30 wird es unter Bildung einer oder mehrerer Umwindungen um de Pressfinger 25 gewunden und gelangt anschliessend durch die Oese 27 auf die auf der Spindel angebrachte Hülse bzw. auf die auf dieser Hülse bereits vorhandenen Windungen. Der erfindungsgemässe Flyerflügel weist den weiteren Vorteil auf, dass sich das um die Achse 31 rotierende Vorgarn auf dem praktisch gesamten Teil seines Weges während des Spinn¬ prozesses in einem .geschlossenen Kanal befindet und somit ein Verblasen der Fasern infolge der ausserordentlich hohen Rotationsgeschwindigkeiten praktisch nicht vorhanden ist.
Damit wird auch die Bildung von Faserflug im Spinnsaal star reduziert. Aus diesen Gründen ist es vorteilhaft, das gebo¬ gene Rohr 30 relativ lang zu machen; denn dadurch wird die Länge des sich im Freien befindlichen Vorgarns nochmals et- was verkürzt. Ausserdem kommt noch dazu, dass bei kürzerem Abstand des freien Endes des Rohres 30 von der Oese 27 die Umwindungen am Pressfinger enger werden, sodass mit weniger Umwindungen am Pressfinger 25 die gleiche, für die Dichte der Spule entscheidende Bremskraft auf das Vorgarn erhalten wird als mit mehr Windungen,, welche weiter in die Lange gezogen sind. Es ist somit vorteilhaft, wenn sich das gebo¬ gene Rohr 30 bis über die Hälfte der Länge des Pressfingers 25 erstreckt. Natürlich spielt in diesem Zusammenhang die Art des Garnmaterials eine Rolle.
Im weitern ist der erfindungsgemässe Flyerflügel sehr vor¬ teilhaft, wenn er in einer Maschine mit automatischem Spu¬ lenwechsel, bei der die Vorgarnspule nach oben weggenommen und die neue, leere Hülse wieder von oben eingesetzt wird, zur Verwendung gelangt. Um den Weg nach oben freizugeben, wird bei diesen Maschinen der Flyerflügel in der Weise schräg gestellt, dass die durch die Arme 14,15 und 16 defi¬ nierte Ebene in eine Schräglage relativ zur Spindelachse ge¬ langt. Dank der Tatsache, dass wegen der Feder 32 auch bei ruhendem Flügel der Pressfinger 25 an der Wicklung der Spule anliegt, erfolgt beim Wegbewegen der Spule nach oben eine Trennung des Vorgarns zwischen der Oese 27 und der Wicklung mit grosser Zuverlässigkeit und an der gewünschten Stelle. Ebenfalls als Folge des dauernd vorgespannten bzw. ange- pressten Pressfingers 25 ist ein sicheres Erfassen des von der Oese gehaltenen Vorgarnendes bzw. Luntenbartes durch die neu aufgesetzte Hülse gewährleistet.
Schliesslich ist noch ein weiteres, wesentliches Merkmal zu erwähnen. Es kommt nicht selten vor, dass im Betrieb einer Flyermaschine gewisse Spinnstellen ausgeschaltet, d.h. ohne Fasermaterial betrieben werden müssen. Dabei können bei einer solchen Maschine die einzelnen Spindeln nicht wahl¬ weise einzeln stillgelegt werden, d.h. man muss sie leer rotieren lassen. Der einstellbare Anschlag 34 gestattet eine solche Justierung der Bewegung des Pressfingers 25, dass ein Betrieb, bei welchem die einzelnen Spinnstellen ohne Mate¬ rial und somit die entsprechenden. Spindeln leer, d.h ohne Hülse, rotieren, ohne weiteres möglich ist. Der Abstand des Garnführers 26 von der äussern Spindeloberfläche wird dabei in der Weise durch das variable Anschlagorgan 34 eingestellt, dass diese beiden Teile einen kleinen, gegenseitigen Abstand aufweisen, sodass eine gegenseitige Berührung und Abnützung derselben vermieden ist.