Verwendung eines festen Phenol-Formaldehydkonσensationsproduktes als Harter in Epoxydharzgemisehen, sowie Verfahren zur Herstellung eines Pulverlackes aus solchen Epoxydharzgemischen
Technisches Gebiet
Die Erfindung betrifft die Verwendung eines bei Raumtemperatur festen Phenol-Formldehydkondensationsproduktes, das im Durchschnitt mehr als zwei aromatische Hydroxylgruppen pro Molekül enthält, als Härter in Epoxydharzgemischen- Sie betrifft ferner ein Verfahren zur Herstellung eines Pulverlackes aus solchen Epoxydharzgemischen.
Stand der Technik
Die Verwendung von bei Raumtemperatur festen Phenol - Formaldehydkondensationsprodukten, die im Durchschnitt mehr als zwei aromatische Hydroxylgruppen pro Molekül enthalten und demzufolge zum größten Teil aus Novolaken bestehen, ist aus der AT-PS 225426 bekannt, die Preßmassen beschreibt, die zum Beispiel einen Phenolnovolakpolyglycidyläther und einen als Härter wirkenden Phenolnovolak als Harzkomponenten enthalten.
Epoxydharzgemische, die epoxydierte Novolake enthalten, sind außerdem als Basis von Epoxydharz-Pulverlacken bekannt. Solche Pulverlacke werden z.B. für Innen - und Außenbeschichtungen als Korrosionsschutz an Stahlteilen verwendet und haben eine hohe Lösungsmittel- und Chemikalienbeständigkeit. Solche Beschichtungen sind dabei im allgemeinen aber umso spröder, je höher ihre Chemikalienbeständigkeit ist.
Darstellung der Erfindung
Der Erfindung liegt nun zunächst die Aufgabe zugrunde, eine vorteilhafte Verwendung des eingangs der Beschreibung genannten Phenol-Formaldehydkondensationsproduktes als Härter für Epoxydharzgemische anzugeben, insbesondere für solche, die als Basis für einen Pulverlack dienen, wobei am Endprodukt, insbesondere also beim Pulverlack, bei etwa gleicher, mechanischen Eigenschaften wie bei bekannten ähnlichen Pulverlacken die Chemikalienbeständigkeit verbessert wird.
Diese der Erfindung zugrunde liegende Aufgabe wird in der erfindungsgemäßen Verwendung dadurch gelöst, daß das verwendete feste Phenol-Formal dehydkondensationsprodukt einen Koflerschmelzpunkt von höher als 75°C, vorzugsweise jecoch von höher als 80°C, und einen mittels DSC bestimmten Glasumwandlungspunkt von höher als 55°C, vorzugsweise jedoch von höher als 60°C, aufweist und ein Hydroxyäqui valent im Bereich von 100-110 besitzt und daß es als Härter für ein zumindest zum größten Teil aus einem bifunktionel len Epoxydharz bestehendes Epoxydharz mit einem Epoxydäqui val entgewi cht im Bereich zwischen 500 bis 2500 verwendet wird. Dabei kann der erfindungsgemäße Härter vorteilhaft im wesentlichen frei von Phenol (Monohydrobenzol) sein.
In einer vorteilhaften Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Verwendung ist das als Härter verwendete Phenol-Formaldehydkondensationsprodukt eines, dessen Herstellung in zwei Stufen erfolgt, wobei man in der ersten Stufe Phenol und Formaldehyd in einer wässrigen Lösung im Molverhältnis Phenol : Formaldehyd im Bereich von etwa 1:0,3 bis 1:0,7 versetzt, durch Zugabe einer flüchtigen Säure ein saures Milieu einstellt und das Ganze bis zum Abschluß der Kondensationsreaktion auf einer erhöhten Temperatur hält,
daß man danach - in einer zweiten Stufe - dem Reaktionsprodukt der ersten Stufe, das zu einem geringen Teil aus Phenol und sonst überwiegend aus Dihydroxydiphenylmethan besteht, Formaldehyd in einer Menge zusetzt, so daß das Molverhältnis aus in der ersten Stufe eingesetztes Phenol: Gesamtmenge des in beiden Stufen eingesetzten Formal dehyds in etwa im Bereich von 1:0,6 bis 1:0,95 liegt, und man die Kondensationsreaktion bei erhöhter Temperatur fortsetzt und beendet, und daß man das Kondensationsprodukt vom Wasser abtrennt und außerhalb des Reaktionskessels erstarren läßt und zerkleinert. Dabei kann vorteilhaft nach Beendigung der Kondensationsreakt ion und der Entfernung des Wassers das noch verbliebene Phenol (Monohydroxybenzol) durch Wasserdampfdestillation zumindest zum größten Teil entfernt werden.
Gemß einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung wird das Phenol-Formal dehydkondensati onsprodukt als Härter in einem Epoxydharz-Pulverlack verwendet.
Die Erfindung betrifft schließlich ein Verfahren zur HerStellung eines Epoxydharz-Pulverlackes mit der erfindungsgemäßen Härter-Verwendung, das dadurch gekennzeichnet ist, daß das als Härter verwendete feste Phenol-Formal dehydkondensationsprodukt mit dem Epoxydharz und gegebenenfalls den anderen Komponenten der Pulverharzformulierung in Form einer Schmelze extrudiert, das Extrudat abgekühlt und durch Mahlen in den Pulverlack übergeführt wird.
Die Anmelderin hat nun gefunden, daß Beschichtungen, die aus dem erfindungsgemäß hergestellten Pulverlack bestehen, bei etwa gleich hoher Zähigkeit (Sprödigkeit) eine höhere Chemikalienbeständigkeit aufweisen als die bekannten Beschichtungen aus einem Pulverlack auf Basis eines epoxydierten
Novolaks. Außerdem hat sich gezeigt, daß die Schmelzpunkte der erfindungsgemäß hergestellten Pulverlacke nicht unwesentlich höher liegen können als bei den genannten bekannten Pulverlacken mit epoxydierten Novolaken. Dies hat den Vorteil, daß bei der Lagerung und/ oder dem Transport eines solchen Pulverlackes die Gefahr eines Zusammenbackens des Lack-Pulvers weniger groß ist als bei den genannten bekannten Pulverlacken.
Außerdem ist der Pulverlack, wenn der in ihm verwendete Härter im wesentlichen frei von Phenol (Monohycroxybenzol) ist, besonders zur Herstellung von Beschichtungen geeignet, die mit Lebens- oder Genußmitteln in Berührung kommen.
Ein Weg zur Ausführung der Erfindung
Zur Herstellung des Phenol-Formaldehyd-Kondensationsprodukts mischt man 10 Mol Phenol (Monohydroxybenzol), 5 Mol 37%ige wässrige Lösung Formaldehyd und 0,01 Mol konz. Salzsäure bei 20-30°C zusammen. Die Mischung wird anschließenc auf Rückflußtemperatur (100-102°C) erwärmt, welche 60 Minuten lang zu halten ist. Die am Anfang klar gewordene Mischung wird nach ca. 20 Minuten trüb, wobei sich das Gemisch in eine Wasserschicht und eine Harzschicht trennt. Nach der Kondensation destilliert man das Wasser so weit ab, bis die Temperatur auf 120°C steigt. Das so entwässerte Produkt wird auf 70°C abgekühlt.
Das so hergestellte Zwischenprodukt wird mit weiteren 3 Mol einer 37%igen wässrigen Lösung Formaldehyd unα 0,01 Mol konz. Salzsäure vermischt und unter Rückfluß weitere 1 1/2 Stunden kondensiert. Nach der Kondensation destilliert man das Wasser unter Vakuum ab, bis das Produkt weitgehend wasserfrei ist und die Harzschmelze eine Temperatur von 150ºC
erreicht hat. Das so entwässerte Produkt wird in eine Blechwanne abgefüllt, erstarren gelassen und schließlich zerkleinert.
Dieses als Härter für Epoxydharze einzusetzende Produkt hat einen Kofierschmelzpunkt von 85°C und einen Glasumwandlungspunkt (gemessen mittels DSC) von 62°C und ein Hydroxyäquivalent von 105.
Nachstehend sei die Herstellung von zwei verschiedenen Puiverl ack-Formulierungen angegeben, bei denen ein wie vorstehend beschrieben hergestelltes Phenol-Formaldehydkondensationsprodukt als Härter verwendet wird. Bei diesen Formulierungen kommen drei verschiedene handelsübliche Epoxydharze zum Einsatz, die jeweils Bisphenoi A-EpichlorhydrinEpoxydharze sind, nämlich
HarzErzeuger EpoxyZusatz typ äquivalentgew
XV 302 Ciba-Geigy 610 - 680 Verlaufmittel zusatz
XB 2874 Ciba-Geigy 750 - 850 hoher Verlauf mittel zusatz
DER 6640 Dow Chemical 880 - 970 kei n Verlauf mi ttelzusatz
Die beiden Pulverlacke bestehen nun aus den Formulierungen 1 und II mit folgenden Komponenten:
I II
Komponenten Gew. Teile Gew. Teile
XV 302 -- 1204
DER 664U 1048
XB 2874 184 Härter 168 250
Bariumsulfat 300 300 als Pigment
Eisenoxydrot 287 287 als Pigment Aerosil R 972 10 10 der Firma Degussa als Tixotropierungsmittel
2-Methylimidazol 3 3 als Beschleuniger
Zur Herstellung der Pulverlacke werden die Komponenten der Formulierungen in Form von Schmelzen extrudiert, die Extrudate abgekühlt und durch Mahlen in Pulverlacke übergeführt.
Für Testzwecke werden die Pulverlacke nun elektrostatisch auf kaltgewalzte Stahlbleche aufgetragen und während 10 min bei 200°C ausgehärtet. Diese Probelackierungen hatten nun folgende Eigenschaften.
I II
Erichsen Biegbarkeit 6,7 mm 6,1 mm Schlagfestigkeit (revers) 20 inchpounds 20 inchpounds 1 min Einwirkungen von
Methyl-Äthyl-Keton keine Wirkung keine
Wirkung
5 min Einwirkungen von N-Methylpyrrolidon l e i c h t matt keine Wirkung Tg (DSC) 112, 6°C 113, 0°C
Nachstehend sei nun eine Vergleichsformulierung angegeben, bei der u.a. eingesetzt werden
- ein Epoxydharz auf Basis von Bisphenol A modifiziert mit epoxydiertem Novolak, Type DER 6420 der Firma Dow Chemical mit einem Epoxydäqui valentgewicht von 500 bis 570 und ein - phenolischer Härter, Type DEH 81 der Firma Dow Chemical mit einem Hydroxyäquivalentgewicht von 250 und einer Koflerschmelzpunkt von 67°C und zwar
Gew. Teile DER 6420 818
XB2874 142
DEH81 (Härter) 438
Bariumsulfat 300
Eisenoxydrot 290 Aerosil R 972 10
Probelackierungen mit einem aus dieser Formulierung hergestellten Pulverlack hatten folgende Eigenschaften:
Erichsen Biegbarkeit 6 , 7 mm Schlagfestigkeit ( reve rs ) 20 inchpounds 1 min Einwirkung von Methyl-Äthyl-Keton leicht matt 5 min Einwirkung von N-Methylpyrrolidon zerstört Tg (DSC) 104,0°C
Man sieht also, daß bei etwa gleichen mechanischen Eigenschaften der Lackierung, welche durch die Werte der Erichsen Biegbarkeit bzw. der Schlagfestigkeit (revers) gekennzeichnet ist, bei dem übliche Pulverlack gemäß der Vergleichsformulierung eine nicht unwesentlich geringere Chemikalienbeständigkeit erzielt wird, als bei den beiden Formulierungen I und II des unter der erfindungsgemäßen Härter-Verwendung hergestellten Pulverlackes. Außerdem sind bei den Formulierungen I und II die Werte des Glasumwandlungspunktes Tg (DSC) niedriger als bei der Vergleichsformulierung.
Schließlich wird noch darauf hingewiesen, daß bei dem erfindungsgemäß verwendeten Härter der Koflerschmelzpunkt beträchtlich höher liegt, als bei den in Frage kommenden bekannten phenolischen Härtern, was, da auch der Härter ein Handelsprodukt ist, den Vorteil hat, daß er bei Transport und Lagerung weniger zum Zusammenbacken neigt.
Bei einer Variante zur Härterherstellung wird nach Beendigung der Kondensationsreaktion und der Vakuumdestillation in der zweiten Verfahrensstufe die heiße Harzschmelze einer Wasserdampfdestillation unterzogen, bei der das noch in der Harzschmelze verbleibende Phenol weitgehend entfernt wird.
Gewerbliche Verwertbarkeit
Aus den mit der erf indungsgemäßen Härter-Verwendung hergestellten Epoxydharzgemischen können Epoxydharzpulverlacke hergestellt werden, die, bei gleich guten mechanischen Eigenschaften wie bei bekannten Pulverlacken, eine höhere Chemikalienbeständigkeit als diese haben. Diese neuen Pulverlacke werden z.B. für Innen- und Außenbeschichtungen als Korrosionsschutz an Stahlteilen, wie an Armaturen oder Rohren verwendet.