Deponie und Verfahren zu deren Herstellung
Technisches Gebiet
Die Erfindung befaßt sich allgemein mit der Lagerung von Reststoffen; insbesondere befaßt sich die Erfindung mit einer Deponie und einem Verfahren zu deren Herstellung.
Zugrundeliegender Stand der Technik
Es ist bekannt, biogene Reststoffe im Originalzustand in eine Deponie zu verbringen und dort einzulagern. Verdich¬ tungsmaßnahmen dienen dabei der Volumenminderung (Haus¬ müll) oder der technischen Handhabbarkeit (Klärschlamm). Die Lagerung frischen biogenen Materials führt zu durchnässender Fäulnis, zur Bildung von Faulgasen (Methan, Schwefelwasserstoff) und eines breiten Spektrums von Stinkstoffen. Kostspielige Deponie-Sicherungsmaßnahmen sind notwendig, um diese Nachteile in Kauf nehmen zu können.
Aus dem Dokument "Techniques Sciences Methodes, 81 (1), 31 - 34 (1986)" -- GARRIDO, LEROY, ist es beispielsweise bekannt, frisches organisches Material auf einer Deponie zu kompaktieren, und zwar mit dem Ziel einer in-situ- Kompostierung. Diese Kompostierung, auch Direktkompostie- rung genannt, soll Geruchsbelästigungen oder die Entwick¬ lung von Insektenpopulationen vermeiden. Die Verdichtung, also die Kompaktierung wird hierbei über Zerkleinerung des Materials so gestaltet, daß aerobe Verhältnisse erhalten bleiben. Anaerobie wird lediglich (mißbilligend) in Kauf genommen. Es wird im Verlauf von Jahren ein kompostähnliches Produkt erzeugt. Von einer biologischen Unterlegung des Verfahrens kann nicht gesprochen werden. Das geschilderte Verfahren ist der konventionellen Müllverdichtung ähnlich, mit dem Unterschied, daß die
maschinell betriebene Volumenreduktion des biogenen Materials mit einem Undefinierten, also mehr oder weniger dem Zufall überlassenen in-situ-Kompostierungsprozeß verknüpft wird.
Offenbarung der Erfindung
Ausgehend von der Problematik konventionell bewirtschaf¬ teter Deponien, zielt die Erfindung darauf ab, eine andere Art der Lagerung von biogenen organischen Reststof¬ fen zur Verfügung zu stellen.
Erreicht wird dieses Ziel durch eine Deponie, die sich durch eine kompaktierte Einlagerung von zuvor mikrobiell stabilisiertem Rottegut verschiedenster Genese, im folgenden Stabilkompost, auszeichnet (Anspruch 1).
In verfahrensmäßiger Hinsicht wird dieses Ziel durch ein Verfahren zur Herstellung einer Deponie erreicht, nach welchem zuvor mikrobiell stabilisiertes Rottegut verschie¬ denster Genese, im folgenden Stabilkompost, kompaktiert eingelagert wird (Anspruch 13).
Die mikrobielle Stabilisation ist -Teil des Rotteprozesses und erfolgt also vor der Einlagerung. Ein Zusatz von Mikroorganismena ten der Kompostflora zum Ausgangsmaterial ist regelmäßig nicht nötig, kann aber in Ausnahmefällen vorteilhaft sein. Die anschließende Kompaktierung kann vor der Einlagerung vorgenommen werden, wenn sich dies anbietet, z.B. wenn mit Schadstoffen belastetes Material bindig ist und mit dem stabilisierten Kompostgut verpreßt werden kann. In der Regel wird aber der Stabilkompost schichtenweise abgewalzt.
Grundlage der erfindungsgemäßen Lehre ist die bewußte Vernetzung physikalischer, chemischer und biologischer Mechanismen des terrestrischen Ökosystems im Sinne umweltbezogener Zielsetzungen. Die erfindungsgemäße
Deponie wird nachfolgend auch Okodeponie oder Inertdeponie genannt. Sie entzieht nämlich organisches Material und Schadstoffe den aktuellen natürlichen Stoffkreisläufen und inertisiert dieses Material unter Volumenreduktion. Die Okodeponie kann im Falle der Kompostierung unbelaste¬ ter Ausgangsstoffe der Bevorratung des erzeugten mikrobi¬ ell stoffumsatz-stabilisierten Rottegutes, d.h. Stabilkom¬ post oder Dauerhumus, dienen. Sie kann auch als Pool für die Entsorgung von Schadstoffen benutzt werden, wenn diese in geeigneten Gemengen mit Stabilkompost kompaktiert eingelagert werden können - was aus der Sicht des Kompostes ebenfalls eine Verwendung als Wertstoff darstellt. Die Kompostierung mit anschließender Kompaktie¬ rung ist mit einer Volumenreduktion verknüpft, wie sie durch mechanische Verdichtungsmaßnahmen bei konventionel¬ ler Deponiebewirtschaftung nicht erreicht wird. Bei der konventionellen Deponiebewirtschaftung mindern hohe Rückstellkräfte der elastischen, zudem oft sperrigen Materialien, die Effizienz der Volumenreduktion.
Die Erfindung stellt insgesamt darauf ab, Stabilkompost durch Kompaktierung in einem zweckentsprechend gestalteten Deponieraum physikalisch, chemisch und biologisch inert zu lagern. Der Stabilkompost wird dabei dadurch erzielt, daß biogene organische Reststoffe durch ein biochemisches Verfahren umgewandelt werden. Das biochemische Verfahren ist der wohldefinierte Kompostierungsprozeß, welcher die biogenen organischen Reststoffe in einen Dauerhumus oder Stabilkompost umwandeln, der unter anaeroben Bedingungen dem mikrobiellen Stoffumsatz entzogen ist. Die kompaktier¬ te Einlagerung des Stabilkompostes stellt eine umweltneu¬ trale Lagerung biogener organischer Reststoffe dar, die sich gravierend von konventionellen Deponien unter¬ scheidet, und zwar sowohl in baulicher Hinsicht als auch in der Art der Bewirtschaftung. Die Reststoffe enthalten durch die vorangegangene biogene Aufbereitung, also den definierten Kompostierungsprozeß, Eigenschaften, die gezielt zur Umweltsicherung beitragen. Dadurch wird die
derzeit übliche aufwendige Sicherung von Deponien gegen eine Boden-, Wasser- und Luftbelastung durch reaktives biologisches Material überflüssig und kann durch wesent¬ lich billigere flankierende Maßnahmen ersetzt werden.
Die Erfindung hat folgende Vorteile: die pH-Werte des Kompostes im Neutralbereich begünstigen die Festlegung von Schwermetallionen in unlöslichen Verbindungen oder durch Sorption (Bindung) an den Dauerhumus bzw. Stabilkompost. Bei der Kompaktlagerung des Stabilkompostes ist die Immobilisation der Schwermetallionen vollständig; die Kompaktierung des Stabilkompostes führt auch zur Festlegung von Stickstoff und Phosphat. Ähnliches gilt auch für Schadaromaten; die Okodeponie kann wegen ihrer umweltneutralen Eigenschaften grundsätzlich auch ohne Untergrund¬ dichtung, also ohne eine den Untergrund abdichtende Deponiesohle auskommen; die Festlegung reduzierten Kohlenstoffs im inerti- sierten Stabilkompost ist als Beitrag zur Verminde¬ rung der allgemein bekannten Kohlendioxid-Problema¬ tik zu sehen; schließlich schont die mit dem Stabilkompost verbundene Volumenreduktion Deponieraum.
Die Erfindung wird nachfolgend noch näher erläutert, auch anhand von Ausführungsbeispielen. Hierbei wird auf die beigefügte schematische Zeichnung Bezug genommen.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
In der Zeichnung zeigen
Abb. 1 die Stoffumsatzdynamik während der Kompostie¬ rung; Abb. 2 den StoffUmsatz in der Okodeponie; und Abb. 3 den Aufbau einer Okodeponie für Klärschlammkom-
post .
Wege zur Ausführung der Erfindung
5 Rottegut erhält man durch Kompostierung, nämlich Verrot¬ tung organischer Substanz unter natürlichen Bedingungen. Dabei läuft der mikrobielle Stoffumsatz nach einem wohldefinierten Muster ab, das in Abb. 1 näher dargestellt ist. Dieser StoffUmsatz kann durch technische Maßnahmen I Q und durch die Kontrolle der Prozeßführung intensiviert werden.
Zuerst werden dabei die leichtverwertbaren Kohlenstoff- und StickstoffVerbindungen mineralisiert. Da dieser ,.- Prozeß rasch verläuft, kommt es zu Erwärmungen bis zu 80°C. Diese Phase der Kompostierung dient der Hygieni- sierung und dem Abbau der Stinkstoffe.
Nach dem Abbau jener Stoffmassen, die vorzugsweise von 0 der bakteriellen Mischflora abgebaut werden können, kommt es zu Übergangspopulationen. Diese bestehen aus Bakterien und Pilzen, wie in Abb. 1 dargestellt. Danach mündet der Kompostierungsprozeß in die Phase der praktisch aus¬ schließlichen Verrottung. In dieser Phase bauen fast ausschließlich aerobe Pilzfloren die Lignozellulose 5 langsam ab.
Für den Kompostierungsprozeß ist charakteristisch, daß der Stoffu satz zu Beginn sowohl unter aeroben als auch unter anaeroben Bedingungen ablaufen kann. Dies ist der 0 Grund, warum deponiertes Frischmaterial zur Bildung von Faulgasen führt. Die Kompostierung dagegen mündet in einen Stoffumsatz ein, der strikte Aerobie erforderlich macht, wie in Abb 1 dargestellt. In diesem Stadium kommt der mikrobielle Stoffumsatz vollständig zum Erliegen, 5 wenn die Sauerstoffzufuhr unterbunden wird. Dies kann leicht demonstriert werden. Ein Plastiksack, in dem Stabilkompost luftdicht verpackt ist, nimmt nach einiger
1 Zeit das Aussehen einer vakuumversiegelten Erdnußpackung an. Durch den Sauerstoffverbrauch der Mikroflora entsteht nämlich im Plastiksack ein Unterdruck. Würde das Stadium des Stabilkompostes noch nicht erreicht worden sein- könnte also unter den herrschenden Bedingungen noch eine anaerobe Mikroflora tätig werden - käme es nachgewiesener- maßen zu Gasbildungen (Kohlendioxid, Methan, Geruchstof¬ fe). Der Sack würde sich aufblähen.
-I Q Während der Kompostierung wird unter Volumenreduktion
(ca. 50 % Rotteverlust) Dauerhumus gebildet, der folgenden StoffUmsatz zur Grundlage hat. Der oxydative Abbau des dreidimensional vernetzten Lignin-Makromoleküls verläuft über Bruchstücke, die entweder vollständig mineralisiert
, j- oder zusammen mit mikrobiell gebildeten autooxydablen Phenolen zu Huminstoffen repolymerisiert werden. Dieser biologisch induzierte und chemisch katalysierte Prozeß ist in die Dynamik des Stoffumsatzes dergestalt eingebun¬ den, daß ein Kompost entsteht, dessen organische Substanz eine zunehmende Persistenz gegen den mikrobiellen Abbau
20 unter aeroben Bedingungen aufweist. Dieses Stadium ist die stoffliche Voraussetzung für die erfindungsgemäße Inertisierung des Stabilkompostes. Die Inertisierung wird durch dessen kompaktierte Einlagerung in der Okodeponie erreicht. Die kompaktierte Einlagerung gewährleistet
25 anaerobe Bedingungen.
Die Einlagerung des Stabilkompostes in kompaktiertem Zustand unterbindet den konvektiven Gasaustausch. Im Zuge der ausklingenden Stoffwechseltätigkeit aerober Pilzfloren
30 geht das Milieu sehr rasch in Anaerobie über. Die ursprünglich Sauerstoffabhängige, lebende Biomasse geht in Autolyse über, wobei Stickstoff- und schwefelhaltige Verbindungen freigesetzt werden. Die Autolyseprodukte dienen der anaeroben Folgeflora, die aus Mangel an
35 verwertbaren organisch gebundenem Kohlenstoff kaum ins Gewicht fällt, als Nährstoffgrundlage. Dabei wird Ammoniak freigesetzt, das bei pH-Werten um 7.0 überwiegend als
Ammonium-N an den Dauerhumus sorbiert wird - siehe Abb. 2 (1-3). Unter den herrschenden reduktiven Bedingungen entsteht Schwefelwasserstoff, der mit Schwermetallionen unlösliche Sulfide bildet, siehe Abb. 2 (4). Danach geht der Stabilkompost mikrobiell in einen absoluten Ruhezu¬ stand über, da durch die Kompaktierung die Rückkehr in einen aeroben Zustand unterbunden ist.
Der kompaktierte Stabilkompost kann mit einer Torflager¬
10 stätte verglichen werden. Neben der natürlichen Inertisie¬ rung organischer Substanz gibt es auch Beispiele für die Konservierung, die anthropogenen Ursprungs ist, z.B. Huminstoffe als Relikte früher Siedlungen. Selbst intakte Lignozellulose kann dem mikrobiellen Stoffumsatz entszogen - -. werden, wie sich an Knüppeldämmen in Tonablagerungen (Luftabschluß) und an Holz unter Wasser (Pfahlbauten), Stadtgründungen, z.B. Brügge (Belgien), Venedig (Italien) zeigen läßt. Gelagerte Baumstämme lassen sich durch Beregnung wirksam schützen. 0
Die pH-Werte des Stabilkompostes im Neutralbereich begünstigen die Festlegung von Schwermetallionen in unlöslichen Verbindungen oder durch Bindung (Sorption) an den Dauerhumus - siehe Abb. 2 (4). Daher lassen sich aus Rottegut, das für die Bodenverbesserung verwendet wird, 5 kaum Schwermetalle auswaschen. Bei der Kompaktlagerung des stabilisierten Rottegutes, d.h. des Stabilkompostes, ist die Immobilisation vollständig, da weder mikrobiell induzierte Mobilisationen wegen des Ausschlusses oxidati- ver StoffUmsetzungen noch Wasserverlagerungen stattfinden. 0 So verhindert allein schon das hohe Wasserspeicherungsver- mögen der Kompostoberfläche bei starken Regenfällen einen Wasserdurchsatz in die Tiefe, während die Kapillarität des Kompostes an der Oberfläche die Wasserverdunstung sogar fördert. 5
Die Kompaktierung des Stabilkompostes führt auch zur Festlegung von Stickstoff und Phosphat, siehe Abb. 2
(3). Ähnliches gilt für Schadaromaten, siehe Abb. 2 (5) , die entweder sorptiv gebunden werden oder bereits während der Kompostierung in den mikrobiellen Stoffumsatz einbezogen wurden.
Die Aromaten-abbauenden Enzymsysteme sind unspezifisch genug, um auch synthetische Aromatensysteme an den Dauerhumus irreversibel zu binden.
Die Okodeponie, siehe Abb. 3, kann grundsätzlich ohne Untergrunddichtung auskommen. Um jedoch jedes Risiko auch in den Randbereichen auszuschalten, kann eine Pufferzone angelegt werden, die eine zusätzliche Absicherung gegen SchadstoffVerlagerungen darstellt. Im Gegensatz zu dem starren System der konventionellen Untergrundabdichtung, kann die genannte Pufferzone dynamisch auf Verformungen reagieren und aufgrund ihrer physikalischen und chemischen Eigenschaften selbst dichtend wirken.
Einen umweltrelevanten Aspekt besonderer Art besitzt die Okodeponie im Hinblick auf die Kohlendioxid-Problematik. Bekanntlich gibt es keine physikalischen oder chemischen Methoden, Kohlendioxid aus dem aktuellen Gashaushalt der Stoffkreisläufe zu entfernen. Die Festlegung reduzierten Kohlenstoffs -im erfindungsgemäß inertisierten Dauerhumus liefert einen einzigartigen Beitrag zur Verminderung des Kohlendioxid-Überschusses - siehe Abb. 2 (7) .
Die erfindungsgemäße Inert-Deponie funktioniert auf der Basis der Einlagerung von Komposten im Dauerhumuszustand. Die Inertisierung besitzt nicht nur einen hohen ökologi¬ schen Stellenwert, sondern ist auch als Verfahren besonders wirtschaftlich. Die erzielte Volumenreduktion schont Deponieraum, verbilligt die Deponiegestaltung und erleichtert die Standortwahl.
Voraussetzung für die erfindungsgemäße Herstellung der Okodeponie ist die Bildung von Stabilkompost bzw.
l Dauerhumus, der vorzugsweise unter anaeroben Bedingungen dem Stoffumsatz entzogen ist. Dieser Zustand wird bevorzugt mit entsprechenden Analysemethoden bestimmt.
5 Bevorzugt wird der Stabilkompost in der Deponie lagenweise kompaktiert, vorzugsweise mittels geeigneter Maschinen, um eine hohe Dichte zu erreichen (Anspruch 14). Nach einem weiteren Ausführungsbeispiel der Erfindung wird der Stabilkompost vorverdichtet und/oder an Ort und Stelle
10 festgewalzt (Anspruch 15). In Abhängigkeit von der technischen Realisation der Kompostierung ist eine Vorverdichtung von Stabikomposten vor allem dann wün¬ schenswert, wenn Zuschlagstoffe (Anspruch 6) unter den verschiedensten Gesichtspunkten vor der endgültigen
- _ Einlagerung optimal vermengt werden sollen.
Bevorzugt wird der Stabilkompost in wenigstens zwei Kompartimenten der Deponie kompaktiert eingelagert. Dabei ist es von Vorteil, diese beiden Kompartimente durch eine Zwischenschicht voneinander zu trennen, die Materialien 0 mit Verfestigungs-, Sorptions- und/oder Puffereigenschaf¬ ten enthält oder daraus besteht. Die genannten Maßnahmen dienen der zusätzlichen Umweltsicherungen und bieten vor allem Vorteile bei der Lagerung Schadstoffbelasteter Komposte (Ansprüche 2 und 16). 5
Entsprechendes gilt für die Deponiesohle. Hierdurch wird vor allem der Auslaugung durch Staunässe aus dem Deponie¬ untergrund vorgebeugt (Ansprüche 3 und 17). 0
Weiterhin ist es von Vorteil, daß die Oberfläche des kompaktiert eingelagerten Stabilkompostes, also die Oberfläche der Okodeponie aus einem Material besteht, das ebenfalls Verfestigungs-, Sorptions- und/oder Puffereigen¬ schaften aufweist. Die inerte Kompost-Kompaktdeponie, 5 also die Okodeponie bildet nämlich ohne eine derartige Oberflächenabdeckung ein nach oben offenes System im Übergangsbereich zur Vegetation. Dies bedeutet, daß das
Einwachsen von Wurzeln, die Tätigkeit von Bodentieren oder atmosphärische Einf lüsse Veränderungen in den Deponierandzonen bewirken können. Die genannte Oberflä¬ chenabdeckung verhindert diese unkontrol li erbaren Einflüsse; zumindest wirkt sie Ihnen entgegen (Ansprüche
4 und 18 ) .
Nach einem weiteren Ausführungsbeispiel der Erfindung wird der Stabilkompost mit kompaktierungsf ordernden, insbesondere strukturgebenden Verdichtungs- oder Vernet¬ zungsmitteln versetzt . Diese Maßnahme verbessert die Verdichtungseigenschaften des Stabilkompostes , insbesonde¬ re wenn die Verdichtung oder Kompaktierung maschinell erfolgt ( Ansprüche 5 und 19 ) . Die strukturgebenden Verdichtungsmittel enthalten dabei bevorzugt Materialien mit Verfestigungs- , Sorptions- und/oder Puffereigenschaf¬ ten oder bestehen aus diesen. Auch diese Maßnahmen dienen wiederum der zusätzlichen Umweltsicherung (Ansprüche 6 und 20 ) .
Nach einem weiteren bevorzugten Ausführungsbeispiel der Erfindung enthalten die Zwischenschicht, die Deponiesohle, die Deponie-Oberflächenabdeckung und/oder die strukturge¬ benden Verdichtungsmittel organische und/oder anorganische Zuschlagstoffe oder bestehen aus diesen. Als Zuschlagstof¬ fe eignen sich im besonderen Maße geschreddertes Holu, Lignozellulose, Mineralgemische, Ton oder ein Gemisch davon (Ansprüche 7 und 21).
Als Mineralgemisch eignet sich auch aufbereiteter Bauschutt, insbesondere für die Zwischenschichten zwischen den Deponiekompartimenten. Grundsätzlich wäre auch das Einziehen von Folien zwischen den Kompartimenten möglich.
Nach einem weiteren bevorzugten Ausführungsbeispiel sind die Zuschlagstoffe kalkhaltige Mineralgemische, etwa Kalkmergel und/oder Gipsbruch. Dabei sind die kalkhaltigen Mineralgemische bevorzugt mit zusätzlichen Additiven, wie
Eisensulfat versetzt. Derartige Zuschlagstoffe bewirken nicht nur eine Festlegung verlagerter organischer und anorganischer Kompostkomponenten, sondern begünstigen im Rahmen der Erfindung auch die Verfestigung durch die Bildung ortsteinähnlicher Aushärtungen. Ortstein entsteht bekanntlich, wenn Huminstoffe mit Bodenbestandteilen über eine Kolloidbildung Aluminium-, Eisen- und Calciumhumate bilden, etwa in der Deponiesohle (Ansprüche 9, 10, 23 und 24).
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Als strukturgebende Verdichtungsmittel eignen sich je nach homogenitätsgrad des Stabilkompostes Reststoffe, die fast ausschließlich aus Lignozellulose bestehen. Hierzu zählen neben den bereits genannten Zuschlagstoffen *,-- Reststoffe aus der Aufbereitung nachwachsender Rohstoffe oder Holzspäne (organische Reststoffe). Der Reststoff Steinwolle ist beispielsweise als anorganischer Zuschlag verwendbar.
0 Der Stabilkompost kann auch beispielsweise durch Ver¬ schlammen kompaktiert bzw. verdichtet werden. Hierbei können die Kompostschichten durch gelegentliches Ver¬ schlammen an den aktuellen Oberflächen während des Deponieaufbaues hochverdichtet werden (Anspruch 27). Auch der Zusatz von Lignosulfonsäure oder Rotschlamm verbessert 5 die Kompaktierung (Anspruch 28). Es hat sich auch als vorteilhaft..erwiesen, die Zuschlagstoffe mit Stabilkompost zu vermischen. Unter anderem werden hierdurch die Zuschlagstoffe mit den Huminstoffen angereichert (Ansprü¬ che 8 und 22). 0
Nach einem weiteren Ausführungsbeispiel der Erfindung enthalten oder bestehen die Trenn- bzw. Zwischenschichten zwischen den Kompartimenten, die Deponiesohle, die Deponie-Oberflächenabdeckung und/oder die strukturgebenden 5 Verdichtungsmittel (aus) Materialien oder Zuschlagstoffen, die nach dem DCR (Dispersed-Chemical-Reaction)-Verfahren behandelt worden sind (Ansprüche 11 und 25).
Das DCR-Verfahren wurde von Bölsing entwickelt und ist in der EP 326 561-A beschrieben worden. Auf den Inhalt dieser Druckschrift wird ausdrücklich Bezug genommen. Nach dem DCR-Verfahren werden organische und anorganische Schadstoffe (z.B. Mineralöle, Aromaten, Schwermetalle) durch Applikation hydrophoben Calciumoxids kombiniert mit geeigneten Trägermaterialien, z.B. Ton,und Abfangreagenzi¬ en in molekular-disperser Form festgelegt. Der Wechsel zwischen hydrophoben und hydrophilen Eigenschaf en schließt die chemische Reaktion mit Schadstoffen ein.
Die in den Ansprüchen 2 bis 10 und 16 bis 24 dargestellten zusätzlichen Sicherungsmaßnahmen lassen sich in Kombinati- on mit dem DCR-Verfahren noch effizienter gestalten. Der Vorteil besteht darin, daß die Mächtigkeit und Qualität der Sicherungsschichten nicht nur auf die ihnen eigenen chemischen Eigenschaften, z.B. Bildung unlöslicher Calciumverbindungen mit Huminsäuren zu Humaten, abgestellt werden. Vielmehr können sie in Abhängigkeit von den potentiellen Schadstofffrächten für die einzelnen Kompartimente variabel ausgestaltet werden. Hierzu dienen stöchiometrische Berechnungen als Grundlage für die Konzentration der applizierten Abfangreagenzien (z.B. Eisensulfat, Sulfid). Die Kombination einer chemischen Basis mit zweckdienlich reagierenden, chemisch aufgebauten molekular-dispersen Matrices stellt ein dynamisch wirkendens, synergistisches System dar. In den Zuschlag¬ stoffen der Deponiesohle, der Deponie-Oberflächenabdek- kung oder der Zwischenschichten enthaltenes Calciumoxid wird nach Behandlung mit dem DCR-Verfahren in Calciumcar- bonat umgewandelt, was zu einer zunehmenden Aushärtung der entsprechenden Schichten führt. Zusammen mit einem hohen pH-Wert gewinnen diese Schichten beispielsweise also die Deckschicht, eine Zusatzfunktion als Barriere.
Das Prinzip der molekular-dispersen Verteilung von Reagenzien im Sohlenbereich, in den Zwischenschichten
l oder in der Oberflächenabdeckung der Deponie läßt sich auch auf den Stabilkompost selbst übertragen. Hierbei können über die Wahl der Reagenzien autostabilisierende Systeme etabliert werden, die Milieuveränderungen kompensieren. So können Pufferungssysteme das Abgleiten in solche pH-Bereiche verhindern, die zu veränderten Löslichkeiten bei ausgefällten bzw. festgelegten Schadst¬ offen führen oder etwa das Einsetzen mikrobieller Aktivitäten über eine schleichende milieuveränderung begünstigen.
Ausgehend von diesen Überlegungen wird nach einem bevorzugten Ausführungsbeispiel der Erfindung der Stabilkompost selbst nach dem DCR-Verfahren behandelt, etwa mit einem breiten Spektrum von Abfangreagenzien oder gezielt mit speziellen Reagenzien, beispielsweise zur Bildung unlöslicher Sulfid-Verbindungen oder metallorgani¬ scher Komplexe. Hierdurch können Schadstofffrächten inertisiert, Stoffeintrage neutralisiert und die Unterbin¬ dung mikrobieller Aktivitäten flankierend begleitet werden (Ansprüche 12 und 26).
Nach einem weiteren bevorzugten Ausführungsbeispiel wird der Stabilkompost vor seiner Kompaktierung einer Trocknung unterworfen, etwa einer natürlichen Trocknung der Mieten, ggf. unter Dach, oder einer Zwangstrocknung. Hierdurch wird die Kompaktierung auf der Deponie erleichtert (Anspruch 29).