Verfahren zur Oberflächenbehandlung von Polyamid-Formkörpern und danach erhaltene Formkörper
Beschreibung
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Ober¬ flächenbehandlung von Formkörpern auf der Basis von Polyami¬ den durch Behandlung mit wäßrigen Säuren.
Darüber hinaus betrifft die Erfindung nach diesem Verfahren erhältliche Formkörper sowie deren Verwendung zur Metalli¬ sierung, d.h. zur Beschichtung mit Metallen.
Polyamide zählen zur Klasse der technischen Kunststoffe und haben in vielen Bereichen weite Verbreitung gefunden.
Ein interessantes Anwendungsgebiet, nämlich der Bereich der metallisierten Werkstoffe ist den Polyamiden bislang jedoch weitgehend verschlossen geblieben. Dies hat seine Ursache hauptsächlich in der unzureichenden Haftung der Metall¬ schicht auf dem Polyamid. Diese Problematik wird in einem Artikel von Seidenspinner (Galvanotechnik 75 (1984), 852), diskutiert und verschiedene Lösungsansätze, z.B. die Behand- lung mit wäßriger Salzsäure, angedeutet. In Galvanotechnik 79 (1988), 54 wird ein Verfahren zur Oberflächenbehandlung von Polyamid-Spritzgußteilen beschrieben, nach dem zunächst in einem Palladiumsalze enthaltenden Bad aktiviert und an¬ schließend in einem Calcium- und Aluminiumsalze enthaltenden Bad die Oberfläche aufgerauht wird. Dieses Verfahren ist zum einen wegen der teuren verwendeten Materialien wirtschaft¬ lich von Nachteil, zum anderen können auch die erzielten Haftfestigkeiten noch nicht voll zufriedenstellen.
Aus der EP-A 56 986 sind Polyamid-Formmassen bekannt, die 30 bis 60 Gew.-% Wollastonit als Füllstoff enthalten und sich besonders zur Metallisierung eignen. Die Vorbehandlung wird mit einer 4 bis 15 %igen Lösung von Salzsäure oder Schwefel¬ säure durchgeführt, wobei durch Angriff an den Füllstoffpar- tikeln eine Aufrauhung der Oberfläche erzielt wird, d.h. der Füllstoff ist zur Erreichung guter Haftungswerte zwischen Metall und Polyamid zwingend erforderlich. Durch den hohen Füllstoffgehalt wird jedoch die Qualität der Oberfläche be-
einträchtigt, was bei Anwendung im dekorativen Bereich von Nachteil ist. ■
Aus der EP-A 402 750 ist ein Verfahren zur Oberflächenbe- handlung und anschließender Metallisierung für Polyamide be¬ kannt. Hierbei werden teilaromatische Copolyamide mit wäßri¬ ger H3PO4 behandelt und metallisiert. Teilkristalline oder amorphe Polyamide, welche aus aromatischen Monomereinheiten aufgebaut werden können, lassen sich jedoch nicht in zufrie- denstellender Weise nach diesem Verfahren metallisieren. Die erzielten Haftfestigkeiten sind für einige Anwendungen nicht ausreichend.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung war es daher, ein Verfah- ren zur Oberflächenbehandlung von Formkörpern auf der Basis von Polyamiden zur Verfügung zu stellen, die anschließend gut metallisierbar sein sollten, und welches die vorstehend geschilderten Nachteile nicht aufweist.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein Verfahren zur Oberflächenbehandlung von Formkörpern auf der Basis von Po¬ lyamiden durch Behandlung mit wäßrigen Säuren gelöst, wobei man Mischungen aus mindestens 20 gew.-%iger wäßriger Salz¬ säure mit Mono- oder Diethern einer aliphatischen mehrfunk- tionellen Hydroxyverbindung im Mischungsverhältnis 90:10 bis 10:90 verwendet. Die Angaben in Gewichtsprozent beziehen sich auf den Gehalt HC1 bei einer Temperatur von 20°C, wobei dieser ind. 20 Gew.-%, vorzugsweise mind. 25 Gew.-% und insbesondere mind. 30 Gew.-% beträgt.
Das erfindungsgemäße Verfahren eignet sich zur Oberflächen¬ behandlung von Formkörpern auf der Basis von Polyamiden, d.h. Formkörper, die als einen wichtigen Bestandteil ein thermoplastisches Polyamid enthalten. Dieses kann gegebenen- falls mit Füllstoffen, die Schlagzähigkeit verbessernden Po¬ lymeren, weiteren Polymeren oder mit Flammschutzmitteln mo¬ difiziert sein.
Geeignete Polyamide sind an sich bekannt und umfassen die halbkristallinen und amorphen Harze mit Molekulargewichten (Gewichtsmittelwertea) von mindestens 5000, die gewöhnlich als Nylon bezeichnet werden. Solche Polyamide sind z.B. in den amerikanischen Patentschriften 2 071 250, 2 071 251,
2 130 523, 2 130 948, 2 241 322, 2 312 966, 2 512 606 und
3 393 210 beschrieben .
Die Polyamide können z.B. durch Kondensation äquimolarer Mengen einer gesättigten oder einer aromatischen Dicarbon- säure mit 4 bis 12 Kohlenstoffatomen, mit einem Diamin, wel¬ ches 4 bis 14 Kohlenstoffatome aufweist, hergestellt werden, oder durch Kondensation von w-Aminocarbonsäuren oder Poly- addition von Lactamen. Beispiele für Polyamide sind Polyhe- xamethylenadipinsäureamid (Nylon 66) , Polyhexa ethylenaze- lainsäureamid (Nylon 69) , Polyhexamethylensebacinsäureamid (Nylon 610), Polyhexamethylendodecyndisäureamid (Nylon 612), die durch Ringöffnung von Lactamen erhaltenen Polyamide, wie Polycaprolactam, Polylaurinsäurelactam, ferner Poly-11-ami- noundecansäure und ein Polyamid aus Di(p-aminocyclohe- xal)-methan- und Dodecandisäure. Es ist auch möglich, Poly¬ amide zu verwenden, die durch Copolykondensation von zwei oder mehr der obengenannten Polymeren oder ihrer Komponenten hergestellt worden sind, z.B. ein Copolymeres aus Caprolac- tarn, Terephthalsäure und Hexamethylendiamin. Vorzugsweise sind die Polyamide linear und haben Schmelzpunkte von mehr als 200°C.
Bevorzugte Polyamide sind Polyhexamethylenadipinsäureamid, Polyhexamethylensebacinsäureamid und Polycaprolactam. Die
Polyamide weisen im allgemeinen eine relative Viskosität von 2,5 bis 5 auf, bestimmt an einer 1 gew.-%igen Lösung ind 96 %iger Schwefelsäure bei 23°C, was einem Molekulargewicht (Gewichtsmittelwert) von etwa 15.000 bis etwa 45.000 ent- spricht. Polyamide mit einer relativen Viskosität von 2,5 bis 4,0, insbesondere 2,6 bis 3,5, werden bevorzugt verwen¬ det.
Verfahren zur Herstellung solcher Polyamide sind an sich be- kannt und in der Literatur beschrieben.
Füllstoffe, schlagzäh modifizierende Polymere und Flamm¬ schutzmittel für Polyamide sind dem Fachmann an sich bekannt und in der Literatur beschrieben, so daß sich hier nähere Angaben erübrigen.
Nur stellvertretend sei hier als Mischung von Polyamid und einem anderen Polymeren ein Polymer-Elend aus Polyamid und Polyphenylenether genannt.
Die Herstellung der Formkörper aus den vorstehend beschrie¬ benen Polyamidformmassen kann nach den dem Fachmann bekann¬ ten Verfahren, z.B. durch Extrusion, Spritzguß oder Blasfor¬ men, um nur 3 Verfahren zu nennen, erfolgen. Die Verarbei¬ tungsbedingungen hängen natürlich von der Zusammensetzung der Polyamidformmasse ab und sind dem Fachmann bekannt.
Die Oberflächenbehandlung der Formkörper auf der Basis von Polyamiden erfolgt mit Hilfe einer Mischung aus mind. 20 gew.-%iger HC1 und einem Mono- oder Diether einer alipha- tischen mehrfunktionellen Hydroxyverbindung im Mischungsver¬ hältnis 90:10 bis 10:90, vorzugsweise 30:70 bis 70:30 und insbesondere 50:50 Vol%.
Zeitdauer und Temperatur der Behandlung hängen dabei vonein- ander ab; je höher die Temperatur, desto kürzer die Behand¬ lungsdauer. Eine Erhöhung der Konzentration des HCl-Gehaltes ergibt gleichfalls eine kürzere Behandlungsdauer.
Bevorzugt wird eine Temperatur im Bereich von 10 bis 80, insbesondere von 15 bis 45°C und ganz besonders von 18 bis 35°C.
Die Behandlungsdauer liegt vorzugsweise im Bereich von 0,5 bis 25 min, insbesondere von 1 bis 15 min, besonders bevor- zugt von 5 bis 10 min.
Es hat sich als vorteilhaft herausgestellt, wenn bei einer Konzentration der Phosphorsäure von 35 bis 37 Gew.-% das Produkt aus Behandlungstemperatur in Grad Celcius und der Behandlungsdauer in Sekunden im Bereich von 1000 bis 21 000 liegt, da bei der Metallisierung derart vorbehandelter Form¬ körper besonders gute Haftfestigkeitswerte erzielt werden.
Als weiteren Bestandteil der Vorbehandlungsmischung verwen- det man Mono- oder Diether einer aliphatischen mehrfunktio¬ nellen Hydroxyverbindung der allgemeinen Formel I
H H
0 — (C)— (C) — 0 !
R1 R2 R3 R4
wobei
R1 Wasserstoff oder eine Cι~ bis Cio-Alkylgruppe,
R2 Wasserstoff oder eine Ci- bis Cio-Alkylgruppe oder eine Hydroxylgruppe ,
R3 Wasserstoff oder eine Ci- bis Cio-Alkylgruppe,
R4 Wasserstoff oder eine Ci- bis Cio-Alkylgruppe oder eine - (CH2) n-OR5 -Gruppe,
R5 Wasserstoff oder eine Cι~ bis Cio-Alkylgruppe,
x eine ganze Zahl von 1 bis 10,
y 0 oder 1,
n eine ganze Zahl von 2 bis 4
bedeutet.
Bevorzugte Reste R1 sind Methyl, Ethyl, Propyl oder eine n- Butylgruppe, R2 ist bevorzugt Wasserstoff oder eine Methyl¬ gruppe sowie eine Hydroxygruppe, wobei bei dem letztgenann¬ ten Substituenten x mind. 2 betragen sollte. Für R3 seien als bevorzugte Reste die Methylgruppe oder Wasserstoff ge¬ nannt, für R4 Wasserstoff und eine (CH2)rOR5-Gruppe, in der n vorzugsweise für eine ganze Zahl 2 oder 3 steht und R5 vor¬ zugsweise eine Methylgruppe bedeutet.
Als bevorzugte Verbindungen der allgemeinen Formel seien l-Methoxy-2-hydroxypropan, (Propylenglykol-1-methylether) , Dipropylenglykolmonomethylether, Ethylenglykolmonomethyle- ther und Diethylenglykolmonomethylether sowie Di- oder Mono- methylether des Glycerins genannt.
Derartige Zusätze sind allgemein bekannt und im Handel er¬ hältlich (z.B. Solvenon® oder Methylglykol) .
Nach der Vorbehandlung werden die Formkörper vorteilhafter¬ weise durch Spülen in Wasser von anhaftenden Säureresten be¬ freit.
Im Anschluß daran kann dann der Formkörper in üblicher, an sich bekannter Weise metallisiert werden.
Hierzu wird in der Regel zunächst aktiviert, dann reduziert und anschließend chemisch metallisiert, woran sich die gal¬ vanische Metallisierung als letzter Schritt anschließt.
Dabei werden Produkte erhalten, die sich durch besonders ho¬ he Haftfestigkeiten im allgemeinen im Bereich von 1,25 bis 5 N/mm (gemessen nach DIN 53 289 im Rollenschälversuch) aus¬ zeichnen.
Durch die Behandlung mit der Salzsäure werden die in der Ober lächenschicht enthaltenen Aminogruppen des Polyamids durch Reaktion mit HC1 modifiziert, wobei zur Erzielung be¬ sonders guter Ergebnisse in einer Oberflächenschicht von max. 100 mm Dicke mindestens 5 mol% der ursprünglich vor- handenen Aminogruppen verändert werden.
Aus dem Vorstehenden geht bereits hervor, daß sich die er¬ findungsgemäßen Formkörper insbesondere zur anschließenden Metallisierung eignen. Die so erhaltenen metallisierten Formkörper können in vielen Bereichen, z.B. im Automobilsek¬ tor oder auf dem Gebiet der Elektrotechnik und Elektronik eingesetzt werden.
Darüber hinaus lassen sich nach dem erfindungsgemäßen Ver- fahren behandelte Formkörper auch gut lackieren und bedruk- ken.
Beispiele
Es wurden folgende Polyamide eingesetzt :
PA(1)
64 Gew.-% eines statistischen Copolyamids mit 85 % wieder¬ kehrenden Einheiten, die sich von Hexamethylenadipinsäurea- mid und 15 % wiederkehrenden Einheiten, die sich von e-Ca- prolactam ableiten.
30 Gew.-% Wollastonit 6 Gew.-% Schlagzähmodifier: 59,8 Gew.-% Ethylen
35 Gew.-% n-Butyla- crylat 4,5 Gew.-% Acrylsäu- re
0, 7 Gew. -% Malein- säureanhydrid (Ultramid®C3ZM6 der BASF AG)
PA (2 )
70 Gew . -% Pol ( ε -Caprolactam) ηreι=2 , 7 (1 g/100 ml 96 gew . -%ige H2SO4) 30 Gew . -% Wollastonit
(ültramid® B3M6 der BASF AG) .
PA (3)
61,5 Gew.-% Polyhexamethylenadipinsäureamid ηrei=2,7 25 Gew.-% Glasfasern
6 Gew.-% roter Phosphor
6 Gew.-% Schlagzähmodifier (sihe PA(1))
1,5 Gew.-% Zinkoxid (ültramid® A3X2 G5 der BASF AG) .
PA(4)
59,4 Gew.-% teilaromatisches Copolyamid aufgebaut aus Ein¬ heiten, die sich von ε-Caprolactam und Terephthalsäure/ Hexamethylendiamin ableiten im Gewichtsverhältnis 70:30 (hergestellt nach Beispiel 1 der EP-A 299 444) . 16,3 Gew.-% bromiertes Polystyrol mit einem Bromgehalt von 67 % (Pyro-check® 68 PB der Firma Ferro Corp.) 25 Gew.-% Glasfasern 3,8 Gew.-% Antimontrioxid
(ültramid T Type der BASF AG)
Eine 2,0 mm dicke Platte aus einem Polyamid wurde mit einer Beize, welche die in der Tabelle angegebene Temperatur und Zusammensetzung hatte, über die in der Tabelle angegebenen Zeiträume behandelt. Anschließend wurde die erhaltene Platte mit destilliertem Wasser abgespült und getrocknet.
Die Metallisierung erfolgt in an sich bekannter Weise, wobei als Endresultat eine 25 bis 50 mm dicke Kupferschicht auf der Polyamid-Platte erhalten wurde.
Die Ergebnisse des RollenschälVersuchs nach DIN 53 289 und der Temperaturwechselprüfung nach DIN 53 496 sind ebenfalls in der Tabelle aufgeführt.
Zum Vergleich wurden gleiche Polyamidplatten mit wäßrigen Lösungen anderer Säuren und anderer Konzentrationen (gemäß Tabelle) vorbehandelt und in identischer Weise metallisiert. Die Ergebnisse sind ebenfalls der Tabelle zu entnehmen.
Tabelle 1
Tabelle 1 (Fortsetzung)
Tabelle 1 (Fortsetzung)
Tabelle 1 (Fortsetzung)
Tabelle 1 (Fortsetzung)
Tabelle 1 (Fortsetzung)