Verfahren und Vorrichtung zur Probenahme aus Abgasen
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Probenahme von Proben insbesondere aus Abgasen, die mittel- und schwer¬ flüchtige Substanzen in einer Gas- oder Aerosolphase ent¬ halten, mit folgenden Verfahrensschritten
(a) Abziehen eines Teilstromes, erforderlichenfalls Kühlen und Einleitung in einen Abscheidebereich, in dem die zu untersuchenden Substanzen aus dem Teil¬ strom gasförmig in staubgebundener Form oder im Kon¬ densat.einem Abscheideprozess unterworfen und fixiert werden,
(b) nach Beendigung der Probenahme Extrahieren der abge¬ schiedenen Substanzen und Einleiten in eine Analyse¬ vorrichtung.
Solche Verfahren sind beispielsweise beschrieben in den Entwürfen zur VDI-Richtlinie 3499, Blatt 1 - 4, (Titel: Messen von polychlorierten Dibenzo(p)dioxinen (PCDD) und Dibenzofuranen (PCDF) in Abgasen industrieller Anlagen und Feuerungsanlagen).
Als PCDD und PCDF werden zwei Gruppen verwandter chlo- rierter aromatischer Substanzen bezeichnet, die aus 75 Homologen des PCDD und 135 Homologen des PCDF bestehen. Die Strukturen dieser Substanzen und die Anzahl der mög¬ lichen Isomere der Homologengruppe enthält die vor¬ genannte VDI-Richtlinie 3499.
PCDD und PCDF können bei einer thermischen Belastung bzw. bei der Verbrennung von chlorhaltigem, organischem
Material und als unerwünschte Nebenprodukte bei der Her¬ stellung oder Weiterverarbeitung von chlororganischen Chemikalien entstehen. Es handelt sich um relativ stabi¬ le Substanzen, die jedoch in einer Feuerung bei hohen
5 Temperaturen zerstörbar sind. Das Vorkommen und die
Chemie der PCDD/PCDF sowie die toxikologischen und ökolo¬ gischen Risiken sind ausführlich beschrieben worden (vgl. Referate in vorgenannter VDI 3499).
0 Um den Gehalt an PCDD und PCDF zu ermitteln, sind in ge¬ nannter VDI-Richtlinie standardisierte Meßmethoden beschrieben. Die Meßverfahren sollen dazu dienen, Abgase aus unterschiedlichsten Anlagen zu erfassen, wobei Roh-, Rein- oder Synthesegase unter anderem aus folgenden Abga- ° serzeugern zu messen sind:
- Otto- oder Dieselmotoren
- Hausbrandöfen
- Anlagen zur Produktion von Zement
- Wirbelschichtfeuerungsanlagen 0 - shredderanlagen
- Deponiegasanlagen
- Anlagen zur Herstellung und Verarbeitung von Kera¬ mik, Metallen, anorganischen und organischen Chemika¬ lien 5 - schmelzanlagen zum Recycling spezieller Stoffe
- Klärschlammverbrennungsanlagen
- Braunkohle- und Steinkohlefeuerungsanlagen
- Holzfeuerungsanlagen
- Öl- und Gasfeuerungsanlagen 0 - Müllverbrennungsanlagen
- Pyrolyseanlagen
Die Meßgastemperaturen können zwischen -30° bis über 1.000° C liegen. Die Wassergehalte der Abgase schwanken 5 sehr stark. Dies gilt analog für Staubkonzentrationen bis über 1 g/m3, wie es z.B. bei Rohgas vor Elektrofil- tern auftritt. Das nach VDI-Richtlinie 3499, Blatt 2, be-
kannte Verfahren arbeitet derart, daß ein Meßgas unter isokinetischen Bedingungen über eine mit Quarzwatte ge¬ stopfte Hülse als Partikelfilter angesaugt wird. Das Meßgas wird anschließend einem Kondensatabscheider zuge¬ führt, in dem es auf 3 bis 20° C abgekühlt wird. Nachge¬ schaltet befindet sich eine Kartusche, die mit einem Feststoffadsorbens gefüllt ist. Sämtliche Oberflächen, mit denen das Meßgas in Berührung kommen kann, bestehen aus Glas; lediglich Krümmer und z.T. Filterkopf bestehen aus Titan. Bei Abgastemperaturen von über 120° C wird das Absaugrohr ggfls. mit Luft gekühlt. Die Temperaturen im Partikelfilter liegen damit zwischen 80 und 100° C oder sogar deutlich darunter.
Nach jeder Probenahme müssen sämtliche gasberührten Glas¬ oberflächen unter Rückfluß mit Aceton bzw. Toluol gesäu¬ bert werden. Das Glasrohr des Absaugrohres wird in der Regel in 10 cm lange Teilstücke zerschnitten.
Folgende Teilproben müssen untersucht werden:
- Glasrohr des Absaugrohres
- staubbeladene Quarzwatte
- Kondensat - Feststoffadsorbens
- Toluol-/Aceton-Spüllösung, mit der die Apparatur nach jeder Probenahme gereinigt wird.
Demnach entstehen fünf Teilproben, die zunächst getrennt extrahiert bzw. ausgeschüttelt oder umgelöst werden, bis die so erhaltenen Lösungen vereinigt und gemeinsam für die Analyse weiter aufgearbeitet werden können.
Bei dem Verfahren gemäß VDI-Richtlinie wird die Abgasfeuchte vor Einleitung in den inerten Filterbereich (Blatt 1 + 2) bzw. den Adsorptionsbereich (Bl. 1, 2, 4) bzw. den Absorptionsbereich (Blatt 3) entweder durch
Auskondensation (Blatt 2 - 4) oder durch Verdünnung (Blatt 1) stark verringert. Beim letztgenannten Verfahren wird auch das Absaugrohr beheizt, um Kondensation und damit gegebenenfalls Minderbefunde durch Adsorption an den Wandungen des Absaugrohres zu vermeiden.
In dem bekannten Verfahren muß also zur vollständigen Erfassung der interessierenden Substanzen die vollständige Filtrierbarkeit des Abgases bei niedrigen Temperaturen aufwendig hergestellt werden (Blatt 1) oder an irgendeiner Stelle vor der letzten Abscheidestufe (Adsorption oder Absorption) das Kondensat erfaßt und getrennt zur Analyse aufgearbeitet werden.
Eine bekannte Probenahmeapparatur nach VDI-RL. 3499. Bl. 2 besteht im wesentlichen aus der Staubfilträtions- einheit, einem Kondensatabscheider, der Adsorptionsein¬ heit sowie eine Absaugvorrichtung mit Gasuhr.
Der Kondensatabscheider besteht aus einem 2 1-Dreihals- Kolben mit Ablaßhahn und zwei Normschliffen. In den äuße¬ ren Schliffen befindet sich je ein Intensivkühler. Das Meßgas strömt von oben durch den ersten Kühler (handels- übliche Intensivkühler), passiert das Kondensatgefäß, das sich in einer 2 1-Pilzheizhaube befindet, und strömt dann durch einen Hochleistungskühler (3.000 cm2 Kühlflä¬ che) . Zur Abscheidung der Tröpfchen dient eine nachge¬ schaltete Glashülse, die mit Raschigringen gefüllt ist. Anschließend gelangt das Meßgas in eine Glaskartusche, die mit 250 ml Adsorberharz gefüllt ist.
Die Vorrichtung ist äußerst kompliziert zu handhaben und erfordert entsprechend qualifiziertes Fachpersonal. Das Spülen und Arbeiten mit Aceton und" Toluol erfordert einen sorgfältigen Umgang mit diesen brennbaren Stoffen, die außerdem möglichst nicht in die Atmosphäre gelangen
sollen. Die anschließenden Reinigungsarbeiten sind eben¬ falls sehr umständlich und erfordern jeweils einen Zeit¬ aufwand von mindestens einer Stunde.
Demnach stellt sich die Aufgabe, ein Probenahmeverfahren für das Messen von PCDD und PCDF anzugeben, das bei den¬ selben Nachweisgrenzen wie das bekannte Verfahren wesent¬ lich einfacher und effizienter arbeitet, und bei dem weder Kondensat getaut zur Analyse aufgefangen werden ^ noch eine Verdünnung stattfinden muß.
Die Lösung dieser Aufgabe wird durch ein Verfahren zur Probenahme der eingangs genannten Art ermöglicht, das bei Anwendung auf eine zur Analyse auf mittel- bis ° schwerflüchtige organische Substanzen, insbesondere po¬ lychlorierte Dibenzo(p)dioxine (PCDD) und polychlorierte Dibenzofurane (PCDF)' bestimmte Probe der abgezogene Teil¬ strom lediglich einem zweistufigen Abscheideprozess un¬ terworfen wird, nämlich 0 - einem Durchleiten durch eine inerten Staubfilterbe reich, - und Durchleiten durch einen Bereich, der mit einem Absorber (z.B. einem synthetischen Adsorberharz mit multiretikularer) Struktur gefüllt ist. 5
Anschließend werden die am Staubfilter und Adsorbens adsorbierten organischen Substanzen analysiert.
Das Verfahren ist grundsätzlich anwendbar für die Probe- 0 nähme gasförmiger und/oder staubgebundener mittel- und schwerflüchtiger organischer Substanzen in Gas- oder Ae¬ rosolphasen, wie z.B. Abgasen aus Feuerungsanlagen. Ver¬ suche zeigen, daß das Verfahren insbesondere zur Probenahme von polyhalogenierten Aromaten wie 5 polychlorierten Benzolen (PCBz)
" Phenolen. (PCPh)
11 Biphenylen (PCB)
polychlorierten Dibenzo(p)dioxinen (PCDD)
11 Dibenzofuranen (PCDF) polybromierten Dibenzo(p) ioxinen (PBDD)
" Dibenzofuranen (PBDF) polybromierten und -chlorierten
Dibenzo(p)dioxinen(PBCDD) polybromierten und -chlorierten
Dibenzofuranen (PBCDF) polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAH)
geeignet ist.
Am Beispiel der Probenahme von PCDD und PCDF werden Ver- fahren und Vorrichtung im folgenden beschrieben.
Eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens ist gekennzeichnet durch eine temperaturbeständige Sonde mit einer Aufnahmeöffnung und einer erforderlichenfalls kühl¬ baren Gasleitung, einer an die Gasleitung anschließbaren Kartusche mit zwei Abteilungen und einer Ausgangs¬ öffnung, von der die zuerst durchlaufene Abteilung mit einem inerten, unlöslichen Filtermaterial, z.B. Quarzwat¬ te, gefüllt ist, und bei der die zweite Abteilung mit einem Adsorber, z.B. Adsorberharz mit multiretikularer Struktur gefüllt ist. An die Ausgangsöffnung schließt sich eine Leitung mit angeschlossener Saugpumpe an.
Verfahren und Vorrichtung zeichnen sich dadurch aus, daß, anders als bei Verfahren des Standes der Technik, bei denen ebenfalls ein Adsorbens verwendet wird, dieses im vorliegenden Verfahren dazu verwendet wird, ohne eine vorherige Kondensatabtauung durch umständliche Kühlver¬ fahren und/oder Taupunkterniedrigungen sämtliche Bestand- teile mit einem Gehalt an PCDD und PCDF zu adsorbieren, wobei sich herausgestellt hat, daß im feuchten oder wä߬ rigen Zustand das Adsorbens sehr wirksam ist und nach
den bisherigen Ergebnissen vollständig die PCDF und PCDD adsorbiert.
In den beiden Abteilungen der Kartusche lassen sich über 99 % der Dioxine und Furane adsorbieren und fixieren, so daß sich die an die Probenahme folgende Analyse auf den Inhalt der beiden Kartuschenabteilungen beschränken kann. Die beiden Kartuschen sind dann ggfls. auch ein¬ fach zu reinigen oder zu entsorgen, da sie lediglich aus Glas bestehen.
Als Adsorbens haben sich bekannte synthetische, unlös¬ liche Polystyrol-Polymerisate und/oder -acrylate des Typs Amberlite XAD-2, XAD-4, XAD-7 und XAD-8 erwiesen. Hierbei handelt es sich um Produkte der Firma E. Merck,
Darmstadt. Als preisgünstiges und leicht zu handhabendes Produkt hat sich insbesondere Amberlite XAD-2 erwiesen.
Der Filterbereich wird vorzugsweise mit gestopfter Quarz¬ watte oder Glasfasern, Glasfaserflachfiltern oder ande¬ ren staubabscheidenden Matrizes gefüllt.
Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wird anhand der Zeichnung beschrieben. Die Zeichnung zeigt in schemati- scher Ansicht den Aufbau einer Probenahmeapparatur.
In einem Abgaskanal 1, der beispielsweise das Abgas einer Müllverbrennungsanlage führt, wird ein Abgas in Pfeilrichtung hindurchgeleitet. Der Abgaskanal 1 wird be- grenzt durch eine Kanalwandung 4. In der Kanalwandung 4 ist eine Öffnung 4' vorhanden, auf die ein Ein¬ führstutzen 5 aufgesetzt ist. Die Öffnung 4' kann bei Be¬ darf durch eine (nicht dargestellte) Schließmuffe auch geschlossen werden. In die Öffnung 4' bzw. den Einführ- stutzen 5 wird eine Sonde 3 eingeschoben. Die Sonde ist als längliches Mantelrohr gestaltet. Je nach Aufgaben¬ stellung, Meßgasbedingungen und Anordnung der Meßstelle
kann die Sonde unterschiedlich ausgeführt werden. Als Ma¬ terialien kommen u.a. in Frage: Glas, Quarz, PTFE- Kunststoffe, Titan oder Edelstahl. In der Regel wird hochbeständiges Glas (DURAN) oder Quarzglas verwendet. Derartige Sonden sind an sich bekannt. Je nach Art des Einbaus im Meßquerschnitt, der Länge und der mechani¬ schen Beanspruchung der Sonde kann diese zusätzlich in einem Stützrohr geführt werden. Falls die Probenahme iso¬ kinetisch erfolgen soll, ist eine Sondenöffnung 2 vorzu¬ sehen, die gemäß VDI-Richtlinie 2066 zu montieren ist. Diese Richtlinie ist auch bei der Auslegung des Sonden¬ querschnittes zu beachten.
Außerordentlich hohe Staubgehalte im Meßgas können die VorSchaltung eines Vorabscheiders, wie z.B. Zyklon, Fil¬ terkopf mit Quarzwatte, erforderlich machen. Ein solcher Vorabscheider, ist in dem Ausführungsbeispiel nicht darge¬ stellt.
zur Konditionierung des Meßgases kann dieses ggf. ge¬ kühlt werden. Hierzu ist die Sonde mit einem Kühlmantel 7 versehen, der über einen Kühlwasserein- und -auslaß 6 mit Kühlwasser beschickt werden kann. Im Inneren der zy¬ lindrisch ausgeführten Sonde 3 befindet sich ein Glasin- nenrohr 8, das im vorderen Bereich an der gekrümmten Son¬ denöffnung 2 endet, durch den gekühlten Bereich geführt ist und bis an das außerhalb der Kanalwandung 7 reichen¬ de Ende der Sonde bei 9 geführt ist. Dort befindet sich ein Auslaß- und übergangskrümmer 9. Dieser kann bei ent- spechender geometrische Gestaltung auch wegfallen. Zwi¬ schen Auslaß- und Übergangskrümmer 9 und den nachfolgen¬ den Einheiten kann erforderlichenfalls ein Absperrhahn 14 eingebaut sein. Zur Vermeidung von Ablagerungen ist das Glasinnenrohr möglichst strömungsgünstig und kurz auszuführen.
Der durch die Sonde bzw. das Glasinnenrohr abgezogene
Teilstrom kann organische Komponenten in den folgenden Aggregatzuständen bzw. in Matrizes eingebunden enthal¬ ten:
- fest, als Partikel
- an Partikeln adsorbiert (fest; flüssig; gasförmig)
- flüssig, als Tröpfchen
- im Kondensat gelöst
- im Kondensat suspendiert oder emulgiert (als Partikel; an Partikeln adsorbiert; flüssig; gelöst)
- gasförmig.
Der Teilstrom mit den genannten Beladungen gelangt durch den Auslaß- und Übergangskrümmer 9 in eine Kartusche 10, die vorzugsweise aus Glas besteht. Die Kartusche kann eine Trennwand 10' enthalten, vorzugsweise eine mit Per¬ forationen versehene Glasplatte. In der ersten Abteilung 11 der Kartusche 10 befindet sich ein Filter zur Staubab¬ scheidung, im vorliegenden Beispiel gestopfte Quarzwat- te.
Die Kartusche 10 ist als länglicher Glaszylinder ausge¬ führt. Diese Form und Materialauswahl ist jedoch nur bei- spielshaft zu verstehen; beispielsweise sind auch kugel- förmige , quaderförmige etc. Kartuschenformen möglich. Anstelle von Glas können auch andere Materialien, bei¬ spielsweise Titan, verwendet werden. Anstelle von Quarz¬ wollefüllungen können auch Glasfasern oder andere Materi¬ alien verwendet werden, die unlöslich sind und sich ge- genüber den abzuscheidenen Substanzen inert verhalten.
Die zweite Abteilung der Kartusche 10 ist mit einem syn¬ thetischen Adsorberharz mit multiretikularer Struktur ge¬ füllt. Hierzu eignen sich beispielsweise poröse Poly- mere, wie Produkte unter dem Markennamen Amberlite XAD, Carbopak-C oder Tenax-GC, die von verschiedenen Herstel¬ lern im Handel sind. Es sollen aber nicht ausgeschlossen
werden Polyurethan-Schäume, Silicagel oder andere Adsor- bentien, die in der Lage sind, organische Komponenten quantitativ zu adsorbieren und zu desorbieren, ohnen daß die adsorbierten Substanzen sich ändern.
Bei der Auswahl und Anordnung von Filter- und Adsorberma- terialien sind u.a. deren Strömungswiderstände und Temperaturabhängigkeit der Adsorptionsleistung zu berück¬ sichtigen. Durch Kühlung des Adsorptionsmittels kann die Adsorptionsleistung gesteigert werden. Ist die volumenbe¬ zogene Kapazität begrenzt, so kann die Verlängerung der Probenahmedauer durch Auswechseln der Filter-Adsorber- Einheit ermöglicht werden. Dies kann z.B. durch manuel¬ les Auswechseln oder aber durch zeitschaltuhrgesteuertes Umstellen auf weitere Filter-/Adsorber-Einheiten (Kar¬ tuschen) mit- Hilfe von Mehrwegventilsystemen geschehen, wie dies an sich aus der Adsorber-Technik bekannt ist.
Als optimal hat sich eine Füllung der ersten Abteilung mit Quarzwatte erwiesen, wobei pro 100 cm3 Volumen der ersten Abteilung mit 10 - 50 g Quarzwatte gestopft wurden. Die zweite Abteilung wurde vollständig mit dem Adsorbens Amberlite XAD-2 der Firma E. Merck, Darmstadt, gefüllt. Die Einheit wurde bei einer Meßgastemperatur zwischen 25° C und 150° C betrieben. An die Kartusche 10 schließt sich eine Auslaßöffnung 13 an, die im Fuße eines Kühlers 15 mündet.
Das Restgas fließt durch den Kühler 15. Das sich abschei- dende Kondensat und Wasser wird im Kondensatkolben 16 aufgefangen. Das befreite Gas fließt durch die Leitung 17 zur Pumpe 19, wobei die Leitung durch einen Absperr¬ hahn 20 auch unterbrochen werden kann.
Die Trocknung kann noch verstärkt werden durch Entfer¬ nung der Restfeuchte mithilfe eines Trockenmittels, z.B. Silicagel, in einem Trockenturm 21. Die Dimensionierung
von Kühler und Trockenturm richtet sich nach den erwarte¬ ten Meßgasbedingungen, u.a. der Temperatur und dem Was¬ sergehalt des Teilgasstromes.
Je nach vorgegebenen Absaugbedingungen (Gesamtvolumen, Volumenstrom in Abhängigkeit von einzuhaltenden Nachweis¬ grenzen und den Meßgasbedingungen sowie Randbedingungen der Meßaufgabe, z.B. einhaltende Isokinetik) sind Gas¬ fördersysteme mit einer Volumenstromregelung in einem Be¬ 0 reich von ca. 0,1 bis 10 m3/Std - unter Normbedingungen
- einsetzbar. Von den Absaugeinrichtungen können bei¬ spielsweise eingesetzt werden:
- Vakuummembran-Pumpe, ° - trockenlaufende bzw. Öl-Vakuum-Drehschieberpumpen,
- Ejektorpumpen,
- Seitenkanalgebläse.
Der Volumenstrom kann durch den Absperrhahn 20 unter 0 Zuhilfenahme eines Druckmessers 18 manuell geregelt werden.
Außerdem ist eine automatische Ventilsteuerung am Saug¬ stutzen der Pumpe 19 in Abhängigkeit von einem vorab 5 eingestellten Volumenstrom, z.B. über eine Differenz¬ druckmessung an einer Meßblende, Hitzedrahtanemometer, Durchflußmesser mit elektromagnetischen Schaltkontakten oder ähnlichem möglich. Die Volumenstromregelung kann auch rechnergestützt sein, wobei die Abhängigkeit von 0 sich änderndem Wirkdruck im Kanal über ein entsprechen¬ des Anemometer oder Staurohr im Kanal als Parameter auf¬ genommen werden kann.
Die Bestimmung des Absaugvolumens unter Berücksichtigung 5 des Luftdruckes sowie der Temperatur an der Gasuhr 22 er¬ folgt mit einem zusätzlich geschalteten Temperaturmesser 23. Derartige Meßinstrumente sind aber an sich bekannt
und werden auch bei den Vorrichtungen gemäß Stand der Technik verwendet. Es sei darauf hingewiesen, daß die Einzelteile 13 bis 23 an sich bekannt sind und auch je nach Meßaufgabe variiert werden können.
Je nach Meßaufgabe wird das Meßgasvolumen auf einen be¬ stimmten Druck, Wassergehalt und eine bestimmte Tempe¬ ratur normiert. Sehr häufig wird der Bezug auf 1013 hPa, 0° C, trocken, gewählt. Bei den meisten Volumenbestimmun¬ gen ist eine nachträgliche Normierung des Meßgasvolumens notwendig. Daher müssen, bei vorheriger Trocknung des Meßgases, die Meßgastemperatur und der Druck, gegen den das Volumenbestimmungssystem arbeitet, parallel bestimmt werden.
Die Probenahme wird durchgeführt, indem in die Sonde 3 ein frisches Glasinnenrohr 8 eingeführt wird. Es wird auf 100 %ige Dichtigkeit gegen Falschlufteinzug geach¬ tet. Als Dichtung kommen, je nach Meßgastemperatur, Stopfbuchspackungen mit Mineralfaser- oder Teflonschnur infrage; auch flache Quetschdichtungen oder Simmeringe sind im Einsatz.
Die Sonde 3 wird am Meßpunkt durch Verschieben innerhalb des Einführstutzens 5 positioniert. Möglichst direkt am Sondenrbhr wird der Absperrhahn 14 angebracht, der bis zum Beginn der Messung geschlossen bleibt. Nach der Mon¬ tage aller übrigen Geräteteile wird die Dichtigkeit der Apparatur überprüft, und zwar bei einem Unterdruck von etwa 500 mbar. Dieser darf während einer Minute nicht steigen.
Während der nun folgenden Probenahme werden Absaugvolu¬ menstrom und Meßgastemperatur am Volumenbestimmungssys- tem in regelmäßigen Abständen registriert.
Nach Beendigung der Probenahme wird die Pumpe 19 abge-
schaltet und der Absperrhahn 14 am Sondenrohr geschlos¬ sen. Abgesaugte Gasvolumina werden registriert. Angefal¬ lenes Kondensat im Kondensatkolben 16 kann abgepumpt und verworfen werden.
Die Kartusche 10 wird vom System getrennt, das Glas wird verschlossen und gegen Lichteinwirkung geschützt. Das in den beiden Abteilungen der Kartusche enthaltene Filter- und Adsorbens wird durch an sich bekannte weitere Aufarbeitung, in der Regel Extraktion, Aufschluß, Rein¬ igung, gaschromatographische Analyse in einem Labor bear¬ beitet. Entsprechende Untersuchungen haben ergeben, daß in den übrigen Teilen der Apparatur praktisch keine rele¬ vanten Mengen mehr an Adsorbat verblieben, soweit es die zu analysierenden Mengen an PCDD und PCDF betrifft.
Die Meßapparatur ist daher wieder einsatzbereit, sobald eine neue Kartusche eingesetzt ist und das Glasinnenrohr 8 ersetzt worden ist. Es zeigt sich, daß das Innere der Kartusche durchaus, da es unterhalb des Taupunktes des
Wassers temperaturmäßig gehalten ist, feucht wird. Diese Feuchte beeinflußt das Meßergebnis jedoch nicht negativ, sondern positiv. Die über viele Stunden strömende Gas¬ menge bildet dann ein Gleichgewicht an Restfeuchte inner- halb des Adsorbens im Kartuscheninneren aus.
Es sei angemerkt, daß bei sehr vernachlässigbarem oder sehr geringem Staubanteil, an dem sich die flüchtigen Substanzen während des Filterns binden können, der Staub- filter auch weggelassen werden kann. Die Probenahmesonde kann bei entsprechenden Verhältnissen an der Abnahmestel¬ le ebenfalls weggelassen werden. Auch ist möglich, die Reihenfolge zu wählen: Kartusche, Sonde, Abzugsvorrich¬ tungen.
Die Vorteile des erfindungsgemäßen Verfahrens und der zur Durchführung des Verfahrens verwendeten Vorrichtung
können wie folgt zusammengefaßt werden:
(a) Das Verfahren ist nahezu unabhängig von der Abgastemperatur (0 bis 1.000° C) , vom Wassergehalt (bis über 300 g/m ) sowie Staubgehalt (bis über 1 g/m 3) des Abgases.
(b) Eine Taupunkterniedrigung durch Verdünnung oder das Auffangen ausgefallenen Kondensats zur Analyse ist nicht erforderlich.
(c) Der Aufwand ist vergleichbar mit dem von Staubmessun gen. Der zeitliche Aufwand vor Ort verringert sich und damit auch die Probenahmekosten. Die Analysen¬ kosten verringern sich ebenfalls, da die Extrakte nur aus einer oder maximal zwei Sammelphasen hergestellt werden müssen.
(d) Für das Auswechseln von Glassondenrohr und Glaskar- tusche mit Staubfilter und Adsorberharz für eine nachfolgende Messung benötigt man lediglich einige Minuten; hierdurch entfällt das aufwendige Reinigen der Apparatur vor Ort z.B. mit brennbaren Lösungs¬ mitteln nach einer erfolgten Probenahme.
(e) Da die abgasberührten Oberflächen der Probenahmeap¬ paratur sich lediglich auf das Glas-Sondenrohr und die Glaskartuschen beschränkten, wird die Möglich¬ keit einer Sekundärkontamination bzw. der Blindwert der Apparatur minimiert.
(f) Die Probenahmeapparatur ist einfach handhabbar.
Anstelle von bis zu fünf verschiedenen Sammelmatri¬ zes der herkömmlichen Verfahren (Sondenrohr, Staub- filter, Kondensat, Adsorber, Spüllösung) ist hier nur eine Sammelmatrix (Kartusche mit Staubfilter und Adsorberharz) und ggfls. das Sondenrohr für die Ana-
lyse zu berücksichtigen.
(g) Die Glaskartusche mit Staubfilter und Adsorbens kann z.B. in mit 13C-PCDF/D-Standards gespikter Form vom Analysenlabor verschickt werden; ein Spiken der Ap¬ paratur vor Ort ist nicht mehr erforderlich.
(h) Die Kosten der Probenahmeapparatur liegen z.T. um ein Vielfaches niedriger als bei den bisher bekannten Verfahren;
Ein besonderer Vorteil des Verfahrens besteht darin, das Verfahren auch kontinuierlich oder als Lang¬ zeitprobenahme durchzuführen. Es kann hiermit eine Dauer- Überwachung durchgeführt werden. Beispielsweise können zwei Kartuschen in Parallelzweigen angeordnet und so durchströmt werden, daß nur je eine Kartusche durch¬ strömt wird. Durch sukzessives und zeitlich abgestimmtes Auswechseln kann eine Langzeit- und Dauerüberwachung durchgeführt werden.