Verfahren und Vorrichtung zur Ermittlung eines Gemisch¬ anteils eines Gasgemisches
Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Ermitt¬ lung eines Gemischanteils eines Gasgemisches, insbesondere des Wasserstoffanteils der Containment-Atmosphäre eines Kernkraftwerks, durch Messung der bei einer katalytischen Reaktion entstehenden Temperaturänderung. Sie bezieht sich weiter auf eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens,
Es ist bekannt, daß Wasserstoff in Anwesenheit eines Kata¬ lysators, z.B. auf Platin- oder Palladiumbasis, schon bei Raumtemperatur in einer exothermen Reaktion oxidiert wird. Diese katalytische Oxidation von Wasserstoff wird auch als kalte Verbrennung bezeichnet. Durch Messung der bei dieser Reaktion entstehenden Wärmetönung oder Temperaturänderung kann die Wasserstoffkonzentration in einem Gasgemisch ermittelt werden.
So wird z.B. bei einem aus der US-PS 4,298,574 bekannten Verfahren die infolge einer katalytischen Oxidation von Wasserstoff an einem Katalysator entstehende Temperatur¬ änderung in bezug auf einen Referenzwert mittels eines Thermoelementes erfaßt und in ein entsprechendes Spannungs- signal umgewandelt. Die gemessene Spannung ist ein Maß für den Wasserstoffanteil des Gasgemisches. Mit diesem Verfah¬ ren kann auch der Anteil an Kohlenmonoxid oder Kohlenwasser¬ stoff im Gasgemisch ermittelt werden.
Bei einem aus der DE-OS 30 46 560 bekannten Verfahren zur
Feststellung von brennbaren Gasen, insbesondere von Wasser¬ stoff in der Containment-Atmosphäre eines Kernkraftwerks, wird eine Temperaturänderung mittels eines temperaturabhän¬ gigen oh schen Widerstands erfaßt, der Teil einer Brücken-
Schaltung ist .
Bei den bekannten Verfahren besteht allerdings die Gefahr, daß sich der Katalysator bis an die Zündgrenze eines zünd- fähigen Gemisches erhitzt. Dies kann aufgrund der hohen Wärmeentwicklung zu einer Zerstörung des Katalysators führen. In der Containment-Atmosphäre eines Kernkraftwerks können sich zündfähige Gemische bereits bei einem Wasser¬ stoffanteil von weniger als 10% unkontrolliert mit hohen Raten abbauen, wobei dann eine zuverlässige Ermittlung der Gemischanteile nicht mehr möglich ist.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfah¬ ren der eingangs genannten Art derart weiterzubilden, daß eine zuverlässige Ermittlung eines Gemischanteils eines Gas¬ gemisches, insbesondere des Wasserstoff- und/oder Sauer¬ stoffanteils in der Containment-Atmosphäre eines Kernkraft¬ werks, über einen großen Bereich möglich ist. Weiter soll eine besonders einfache Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens angegeben werden.
Bezüglich des Verfahrens wird diese Aufgabe erfindungsge¬ mäß dadurch gelöst, daß das dem Katalysator zugeführte Gas¬ gemisch mit einem Treibgas bekannter Zusammensetzung ver- dünnt wird.
Die Verdünnung kann in einer Mischeinrichtung, z.B. in einem statischen Mischer, erfolgen. Vorteilhafterweise erfolgt die Verdünnung in einer Strahlpumpe, z.B. einer Venturidüse. Dazu wird das Gasgemisch zweckmäßigerweise über einen Filter angesaugt und mit dem Treibgas oder einem Treibgasgemisch verdüst. Dabei ist die Verdünnung einstell¬ bar, vorzugsweise im Verhältnis 1 : 1 bis 1 : 10, z.B. im Verhältnis 1 : 4.
Zur Ermittlung des Wasserstoff- oder Kohlenmonoxidanteils im Gasgemisch kann das Treibgas auch einen oxidierenden
Anteil, vorzugsweise Sauerstoff, enthalten. Als Treibgas kann dann entweder Luft oder, wenn genügend Sauerstoff im Gasgemisch enthalten ist, auch Stickstoff verwendet werden.
Zur Ermittlung des Sauerstoffanteils im Gasgemisch enthält das Treibgas zweckmäßigerweise einen oxidierbaren Anteil, z.B. Wasserstoff oder Kohlenmonoxid.
Bezüglich der Vorrichtung, die Mittel zur Messung der bei einer katalytischen Reaktion entstehenden Temperaturände¬ rung umfaßt, wird die genannte Aufgabe erfindungsgemäß gelöst durch weitere Mittel zur Verdünnung des dem Kataly¬ sator zugeführten Gasgemisches mit einem Treibgas bekannter Zusammensetzung.
Die zur Verdünnung des Gasgemisches zweckmäßigerweise einge¬ setzte Strahlpumpe mündet vorteilhafterweise direkt in den Katalysator. Sie kann dann zusammen mit dem Katalysator in einem Gehäuse angeordnet sein, wobei ihr ein separates Fil¬ ter vorgeschaltet sein kann. Alternativ kann die Strahlpum¬ pe aber auch über eine Leitung mit dem Katalysator verbun¬ den sein. Sie ist dann in einem separaten Gehäuse angeord¬ net, das mindestens teilweise gasdurchlässig ist und gleich- zeitig als Filter dient. In beiden Fällen ist die Treibdüse der Strahlpumpe mit einer Treibgasleitung verbunden, die vorteilhafterweise mindestens über einen Teil ihrer Länge in Form einer Kapillarleitung ausgebildet sein kann.
Die mit der Erfindung erzielten Vorteile bestehen insbeson¬ dere darin, daß durch eine Verdünnung des Gasgemisches mit einem Treibgas praktisch ein beliebig hoher Gemischanteil ermittelt werden kann. So können z.B. bei einer Analyse der Gasatmosphäre eines den Kernreaktor einschließenden Containments bei einer hohen Wasserstoff-Freisetzung, insbesondere auch bei einem unterstöchiometrischen Sauer¬ stoffanteil, Wasserstoffkonzentrationen von mehr als 30
Vol.-% festgestellt werden. Dabei kann die Analyse sowohl innerhalb als auch außerhalb der die Containment-Atmosphäre einschließenden Sicherheitshülle durchgeführt werden. Weiterhin kann dieses Verfahren auch zur Ermittlung der Gemischanteile eines aus dem Primärkreis oder aus anderen druckführenden Systemen eines Kernkraftwerks abströmenden Gasgemisches vorteilhaft angewendet werden. In keinem Fall wird die Zündtemperatur eines Wasserstoff-Sauerstoff-Ge¬ misches erreicht.
Durch Verwendung unterschiedlicher Treibgase können ver¬ schiedene Gemischanteile ermittelt werden. Dabei sind eine Kalibrierung oder Umschaltung zwischen Meßbereichen einer¬ seits, z.B. zwischen einem ersten Bereich für Gemischantei- le bis 10% und einem zweiten Bereich für Gemischanteile oder Konzentrationen oberhalb von 10%, sowie Änderungen der Treibgaszusammensetzung für die Erfassung unterschiedlicher Gemischanteile andererseits innerhalb kurzer Zeit möglich.
Ausführungsbeispiele der Erfindung werden anhand einer Zeichnung näher erläutert; darin zeigen:
Figur 1 im Ausschnitt eine Sicherheitshülle eines Kern¬ reaktors mit einer Meßeinrichtung mit einem schematisch dargestellten Meßkopf als Vorrichtung zur Erfassung von Gemischanteilen eines Gasgemisches, und
Figur 2 eine Meßeinrichtung gemäß Figur 1 mit einer Anzahl von verteilt angeordneten Verdünnungsvorrichtungen und mit in einer gemeinsamen Meßbox angeordneten Kataly¬ satoren.
Einander entsprechende Teile sind in beiden Figuren mit den gleichen Bezugszeichen versehen.
Die in Figur 1 dargestellte Meßeinrichtung umfaßt eine Anzahl von innerhalb der Sicherheitshülle 1 angeordneten
Meßköpfen 2, von denen in Figur 1 nur einer schematisch dargestellt ist. Der dargestellte Meßkopf 2 sowie alle anderen Meßköpfe sind über jeweils eine Drossel 4, die in einer gemeinsamen Verteilerbox 6 angeordnet sind, mit einer Treibgasleitung 8 verbunden. Die Treibgasleitung 8, in der ein Stellglied oder Drosselventil 10 liegt, ist über eine Durchführung 12 in der Sicherheitshülle 1 mit einem Dosier¬ block 14 verbunden, der eine Anzahl von Ventilen 16 auf¬ weist. Der Dosierblock 14 ist über Gasleitungen 18 mit ei- ner Kammer 20 verbunden, in der Gasbehälter 22 aufgestellt sind. Die Gasbehälter 22 sind jeweils mit einem Treib- oder Kalibriergas gefüllt, z.B. mit Luft, Stickstoff, Wasser¬ stoff oder Sauerstoff. Die Gasbehälter 22 sowie der Dosier¬ block 14 können auch innerhalb der Sicherheitshülle ange- ordnet sein.
Der Meßkopf 2 ist z.B. in der Art eines an sich aus der DE-OS 34 38 659 bekannten Diffusionsmeßkopfes ausgebildet. Er umfaßt ein Gehäuse 24, in dem ein Katalysator 26 und eine Strahlpumpe 28, z.B. eine Venturidüse, angeordnet sind. Anstelle der Strahlpumpe 28 kann auch eine andere Mischeinrichtung, z.B. ein statischer Mischer, vorgesehen sein. Das Gehäuse 24 ist ganz oder teilweise aus einem gesinterten Metall aufgebaut. Es ist dann aufgrund der Porosität des Sintermetalls gasdurchlässig, wobei Aerosole und Feuchtigkeit zurückgehalten werden.
Die Strahlpumpe 28 ist eingangsseitig über eine Kapillar¬ leitung 30 mit der Verteilerbox 6 verbunden und mündet in den Katalysator 26. Sie steht außerdem eingangsseitig über ein Filter 32 mit dem durch die Sicherheitshülle 1 gebil¬ deten Innenraum, d.h. mit der den (nicht gezeigten) Kern¬ reaktor umgebenden Containment-Atmosphäre, in Verbindung.
Der Katalysator 26 enthält als katalytisch wirksamen Stoff Palladium oder Platin und ist netz- oder watteförmig ausge¬ bildet. Der Katalysator 26 kann aber auch ganz oder teil-
weise spiralförmig in Form eines beheizbaren Filaments aus¬ gebildet sein. Dem Katalysator 26 kann über die Treibgas¬ leitung 8 ein Regenerationsgas zugeführt werden. Dadurch ist eine Regeneration des Katalysatormaterials auch bei Temperaturen oberhalb von 500° C möglich.
Zur Ermittlung von Temperaturänderungen im Bereich des Ka¬ talysators 26 ist ein Temperatursensor 34 vorgesehen, der über eine Meßleitung 36 mit einer Einrichtung 38 zur Meß- wertaufbereitung, z.B. in einer Leitwarte, verbunden ist. Die Meßleitung 36 ist über eine Durchführung 40 in der Sicherheitshülle 1 geführt. Als Temperatursensor 34 eignet sich besonders ein einer Brückenschaltung zugeordneter tem¬ peraturabhängiger elektrischer Widerstand. Zum gleichen Zweck kann aber auch ein Thermoelement oder eine Spule mit einer temperaturabhängigen Induktivität verwendet werden.
Die in der Sicherheitshülle 1 eingeschlossene Containment- Atmosphäre ist ein Gasgemisch, das unter bestimmten Be- triebsbedingungen Wasserstoff, Kohlenmonoxid, Sauerstoff und/oder Kohlenwasserstoff als Gemischanteile enthält. Zur Ermittlung eines Gemischanteils wird ein Treibgas aus einem der Behälter 22 über die Treibgasleitung 8 und über die Ka¬ pillarleitung 30 der Strahlpumpe 28 zugeführt. Die Treib- gasmenge wird mittels des Stellglieds 10 eingestellt, wobei die Einstellung zweckmäßigerweise in Abhängigkeit vom Druck oder von der Temperatur des Gasgemisches sowie in Abhängig¬ keit von der Konzentration eines Gemischanteils des Gasge¬ misches, insbesondere in Abhängigkeit von der Wasserstoff- konzentration, automatisch erfolgt. Im Stellglied 10 er¬ folgt eine weitgehend volumenkonstante Drosselung der Treib¬ gasmenge. Dabei erreicht das Treibgas bei einem Druckver¬ hältnis von 1/2 zwischen dem Gasgemischdruck innerhalb der Sicherheitshülle 1 und dem Treibgasdruck Lavalgeschwindig- keit.
Eine Verteilung des Treibgases auf die einzelnen Meßköpfe 2 erfolgt in der Verteilerbox 6.
Das in Richtung der Pfeile 41 über das Filter 32 in die Strahlpumpe 28 einströmende Gasgemisch wird in einer Fang¬ düse 27 der Strahlpumpe 28 mit dem aus einer Treibdüse 29 der Strahlpumpe 28 mit großer Geschwindigkeit austretenden Treibgasstrahl gemischt. Dabei kann das Treibgas bei ge¬ nügend hohem Treibdruck des zu messenden Gasgemisches, z.B. infolge einer Druckerhöhung innerhalb der Sicherheitshülle 1, von diesem angesaugt werden. Das somit mit dem Treibgas, dessen Zusammensetzung bekannt ist, verdünnte Gasgemisch strömt dem Katalysator 26 zu und tritt in Richtung der Pfeile 42 aus dem Meßkopf 2 aus. Die Verdünnung wird mit- tels des Stellglieds 10 und/oder in der Verteilerbox 6 ein¬ gestellt, wobei das Verhältnis z.B. 1 : 4 beträgt.
Am Katalysator 26 findet die katalytische Oxidation statt, wobei die Reaktionswärme oder Temperaturänderung mittels des Temperatursensors 34 erfaßt wird. Die Temperaturände¬ rung wird in ein entsprechendes Spannungssignal umgewan¬ delt. In der Einrichtung 38 wird aus dem Betrag des Span¬ nungssignals oder einer 'Änderung in bezug auf ein Referenz¬ signal unter Berücksichtigung des Verdünnungsverhältnisses der Gemischanteil, z.B. die Wasserstoff- oder Sauerstoff¬ konzentration in der Containment-Atmosphäre, ermittelt.
Als Treibgas wird zur Ermittlung der Wasserstoffkonzentra¬ tion Stickstoff oder, wenn nicht genügend Sauerstoff in der Containment-Atmosphäre vorhanden ist, Luft oder mit Sauerstoff angereicherte Luft verwendet. Zur Ermittlung des Sauerstoffanteils wird bei nur geringer Wasserstoff- Freisetzung dem Treibgas als oxidierbarer Anteil Kohlen¬ monoxid oder Wasserstoff zugemischt.
Bei der in Figur 2 dargestellten Meßvorrichtung sind mehre¬ re Katalysatoren 26' in einer zentralen Meßbox 44 zusammen-
gefaßt, die innerhalb der Sicherheitshülle 1 durch eine Wand 46, z.B. gegen Trümmerflug, geschützt ist. Über Zu- und Abströmleitungen 30' bzw. 48 mit der Meßbox 44 verbunde¬ ne Verdünnungsvorrichtungen oder Strahlpumpen 28' sind in- nerhalb der Sicherheitshülle 1 verteilt angeordnet. Die in Figur 2 nur schematisch dargestellten Strahlpumpen 28' sind jeweils von einem gleichzeitig als Filter dienenden Gehäuse 50 umgeben. Jedes Gehäuse 50 besteht mindestens teilweise aus einem gasdurchlässigen Material, z.B. aus einem Sinter- metall oder einem Metallfasergeflecht. Dadurch wird vermie¬ den, daß flüssige Bestandteile oder grobe Verunreinigung mit dem Gasgemisch in die Strahlpumpen 28' gelangen.
Das über die Treibgasleitung 8 geführte Treibgas wird den Strahlpumpen 28' über die Zuströmleitungen 30' zugeführt.
Die in den Zuströmleitungen 30' liegenden und innerhalb der Meßbox 44 angeordneten Drosseln ' dienen wiederum zur Ver¬ teilung des Treibgases auf die einzelnen Strahlpumpen 28'.
Das Gasgemisch gelangt über die als Filter dienenden Gehäu¬ se 50 in die jeweiligen Strahlpumpen 28' und wird mit dem über die Zuströmleitungen 30' strömenden Treibgas vermischt. Dabei wird das Gasgemisch gleichzeitig getrocknet, so daß eine Kondensation von im Gasgemisch enthaltener Restfeuch- tigkeit, z.B. in kühlen Raumbereichen innerhalb der Sicher¬ heitshülle 1, sicher vermieden ist. Das so verdünnte Gas¬ gemisch gelangt über die Abströmleitungen 48 an den jewei¬ ligen Katalysator 26'. Die Temperaturänderung jedes Kataly¬ sators 26' wird mittels eines Temperatursensors 34' ge- trennt gemessen. Die entsprechenden Meßsignale werden über die Leitung 36 an die Einrichtung 38 zur Meßwertaufberei¬ tung geleitet.
Bei der Ausführungsform gemäß Figur 2 ist die Störanfällig- keit der innerhalb der Sicherheitshülle 1 verteilt angeord¬ neten und im wesentlichen jeweils nur aus einer Strahlpum¬ pe 28' bestehenden Bau- oder Meßgruppen besonders gering.